Pius XII.

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Segnender Papst Pius XII.
Gedenkplatte:Papst Pius XII in der Kirche St. Paul/Roma
Pius PP XII. Wappen

Pius XII., eigentlich: Eugenio Pacelli (Dr. jur., Dr. theol.; *2. März 1876 in Rom; † 9. Oktober 1958 in Castelgandolfo) war von 1939 bis 1958 Papst der römisch-katholischen Kirche. Der Seligsprechungsprozesses wurde 1965 eröffnet.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Sein Vater Filippo Pacelli, verheiratet mit Virginia Graziosi, war Jurist und entstammte einer Familie von Landedelleuten aus Acquapendente, deren Mitglieder schon häufiger im Dienst des Papsttums gestanden hatten. Auch Francesco Pacelli, Bruder des späteren Papstes, war päpstlicher Advokat und als solcher maßgeblich an der Aushandlung der Lateranverträge von 1929 beteiligt. (Der König von Italien erhob ihn infolgedessen in erblichen Adelsstand.) Nach seinen Studien am staatlichen Gymnasium Ennio Quirino Visconti, der Päpstlichen Universität Gregoriana, der Hochschule Sant' Apollinare und der staatlichen Universität Sapienza in Rom, die er mit den Promotionen zum Doktor der Philosophie, der Theologie und beider Rechte abschloss. Die Priesterweihe erfolgte am 2. April 1899 durch den Vizegerenten von Rom, Msgr. Francesco Casetta, am Vorabend des von Papst Leo XIII. ausgerufenen Jubiläumsjahrs 1900. Seine Primiz feierte er vor dem Bild der Maria "Salus Populi Romani" in Santa Maria Maggiore in Rom. Am 8. Februar 1901 trat Pacelli, (mittlerweile Dr. jur. und 1902 auch Dr. theol.), als Apprendista in das von Kardinal Mariano Rampolla del Tindaro geprägte Staatssekretariat ein.

Kardinal Pietro Gasparri wählte ihn 1904 als Sekretär der Kommission zur Abfassung des Kirchenrechts (1917) und im folgenden Jahr wurde er Mitglied der Kongregation für die außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten. Von 1909 bis 1914 lehrte Pacelli auch Kirchenrecht an der päpstlichen Diplomatenakademie. Papst Pius X. ernannte ihn am 7. März 1911 zum Untersekretär, 1912 zum beigeordneten Sekretär und am 1. Februar 1914 zum Sekretär der Kongregation für die außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten (heute: die "außenpolitische" Sektion des Staatssekretariats).

Bischof

Am 20. April 1917 erhielt er die Ernennung zum Nuntius in Bayern. Die Bischofsweihe spendete Papst Benedikt XV. am 13. Mai 1917 als Erzbischof von Sardes, in der Sixtinischen Kapelle. Es war dieselbe Stunde der Erscheinung der Rosenkranzkönigin in Fatima, was die Marienfrömmigkeit des Papstes in späteren Jahren stark prägte. Am 25. Mai 1917 traf er in München ein. Mit seiner Mission war der ausdrückliche Auftrag des Heiligen Vaters verbunden, die deutsche Regierung zur Annahme des päpstlichen Friedensvermittlungsvorschlages im 1. Weltkrieg zu bewegen. So stand der Beginn seines öffentlichen Wirkens im Dienst des Friedens. Leider scheiterten die Bemühungen, denen er sich vom Juni bis zum September 1917 unterzog, am Widerstand der verantwortlichen deutschen Staatsmänner.

Am 22. Juni 1920 wurde der Nuntius in Bayern zugleich, zum ersten Mal in der Geschichte, bei der Deutschen Reichsregierung in Berlin akkreditiert, wohin er am 18. August 1925 auch seinen Amtssitz verlegte. Zuvor, am 29. März 1924, war das Konkordat mit dem Freistaat Bayern unterzeichnet worden. Am 14. Juni 1929 folgte der Abschluss einer feierlichen Konvention mit Preußen.

Am 15. Dezember 1929 wurde Pacelli durch seinen Förderer, den Papst Pius XI. zum Kardinal erhoben mit der Titelkirche SS. Giovanni e Paolo. Am 7. Februar 1930 wurde er zum Kardinalstaatssekretär ernannt (Eigenhändig geschriebenes Dokument von Papst Pius XI. zur Ernennung des neuen Kardinals zum Staatssekretär) und prägte in dieser Funktion die späten Jahre des Papstes mit. Am 25. März 1930 wurde er Erzpriester der Vatikanischen Basilika. Diese Jahre waren, unter dem Leitwort Pax Christi in regno Christi, geprägt durch die schwierige Auseinandersetzung mit den totalitären Anmaßungen in vielen Ländern: In Mexiko, Spanien und Russland ereigneten sich Kirchenverfolgungen, aber auch der Faschismus in Italien und seit 1933 der Nationalsozialismus in Deutschland stellten die Kirche vor die Herausforderung durch naturalistische Ideologien, die Pius XI. als "sozialen Modernismus" brandmarkte. In das Jahr 1933 fällt auch die Unterzeichnung des bis heute gültigen Reichskonkordates, das u.a. die Ernennung von Bischöfen in Deutschland regelt. Seit der Verurteilung der Ideologie der Action française in Frankreich 1926 gestalteten sich die Beziehungen zur frz. Republik jedoch zunehmend kooperativ. Frankreich blieb als einziges katholisch geprägtes Land in Europa bis 1940 demokratisch. Pacelli wirkte für Pius XI. auch auf konstruktive Beziehungen zu den parlamentarisch regierten Vereinigten Staaten und Großbritannien hin. Am 1. April 1935 wurde er zum Camerlengo der Römischen Kirche. Ihm waren sieben Sprachen geläufig (in Pius XII. sagt: S. 406).

Pontifikat

Pius XII. signiert; siehe auch: Pontifikat Pius' XII.
Pius XII., Unterschrift.jpg

Nach dem plötzlichen Ableben von Papst Pius XI. am Vorabend der Zehnjahresfeier der Lateranverträge, wurde Pacelli, an seinem 63. Geburtstag, dem 2. März 1939 in einem der kürzesten Konklave der jüngeren Kirchengeschichte von 63 Wählern in nur 3 Wahlgängen zum Papst gewählt. Seit Paul III. war keine Wahl mehr so zügig verlaufen, seit Innozenz XIII. ist auch kein Römer mehr gewählt worden. Man meinte: "Auch aus dem Jenseits gibt Pius XI. noch seine Befehle", da der Vorgänger diesen Nachfolger mit aller Deutlichkeit empfohlen hatte. Man behauptet, Pacelli sei nahezu einstimmig gewählt worden. Kardinal Baudrillart äußerte jedoch, er habe (vielleicht bereits im 2. Wahlgang) 48 Stimmen erzielt (5 mehr als nötig). Mutmaßlich genoss er extern mehr Zustimmung als unter den Kurienkardinälen, denen er zu progressiv und zu "anti-faschistisch" auftrat.

Die Krönung erfolgte am 12. März 1939, damals Fest Papst Gregor des Großen, auf der Loggia der Petersbasilika. Wie zuvor in der Geschichte nur 1655 und 1667 wurde der Kardinalstaatssekretär des Vorgängers selbst zum Papst gewählt und schloss, auch das eine Seltenheit, auch namentlich direkt an den Vorgänger an. Da Pius XII. von 1944 bis 1952 ohne Kardinalstaatssekretär arbeitete und seit 1952 zwei "Pro-Staatssekretäre" (seit 1955 nur noch Domenico Tardini) ohne Kardinalsrang beschäftigte, tut man ihm sicherlich nicht Unrecht, wenn man festhält, dass Pius XII. in seiner Selbsteinschätzung "unbedingt" der Nachfolger seines Vorgängers blieb; sein Leitwort war gleichfalls friedensbetont: Opus iustitiae pax. Schon mit der Antrittsenzyklika Summi pontificatus vom 20. Oktober 1939 (deutsch (!) in: AAS XXXI (1939), S. 565-594) verurteilte Papst Pius den Krieg; und zugleich jeglichen Totalitarismus, darin noch deutlicher, als es sein Vorgänger schon tat.

In der öffentlichen Reputation überholte der zwölfte Pius in der Nachkriegszeit den (weltweit bereits überaus verehrten) Pius XI. aber so sehr, dass er für die Zeitgenossen geradezu zum Inbegriff des römischen Papsttums überhaupt wurde. In der Kriegs- und Nachkriegszeit bis etwa 1950 etablierte "der Papst" eine universale Präsenz des Petrusamts, die für alle Nachfolger seither normativ blieb.

Pius XII. wandte sich mit einer unübertrefflichen Energie und Zähigkeit den vielfältigen Problemen der Kirche in der Welt von heute zu und unternahm es in einem persönlichen Kraftakt ohnegleichen, eine behutsame Heranführung des Katholizismus an die Moderne zu gewährleisten. Diese Absicht fand Ausdruck in den epochalen Enzykliken von 1943 zur Ekklesiologie (Mystici corporis) und zur Bibelwissenschaft (Divino afflante spiritu) sowie 1947 zur Liturgie (Mediator Dei), die heute als Vorbereitung der Konzeptionen des II. Vatikanischen Konzils (insb. in Lumen gentium resp. Dei verbum) bleibende Bedeutung erhalten haben. So ist Pius XII. nach der Heiligen Schrift die häufigst zitierte Quelle in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils. Sie sind dabei nicht nur einfache Quellenangaben, sondern müssten vermehrt als Interpretationsschlüssel verstanden werden. [1] Insgesamt verfasste Pius XII. über 40 Enzykliken und entwickelte in zahlreichen Stellungnahmen auch die Soziallehre der Kirche bedeutend weiter, insbesondere durch die 1944 ausgesprochene Zustimmung, dass die demokratische Regierungsform im Staat gegenüber autoritären Konzepten grundsätzlich vorzugswürdig sei. Nur 30 Jahre nach Ausbruch des I. Weltkriegs, der die monarchische Staatsidee ruinierte, gab die Kirche damit ihre Indifferenz gegenüber den Verfassungen der weltlichen Autorität auf. Der Gedanke universaler Menschenrechte wurde jedoch erst von Johannes XXIII. explizit aufgegriffen, wenngleich Pius XII., intensiv wie kein Vorgänger, zu allen humanen und sozialen Fragen das Wort ergriff (vgl. die "Soziale Summe Pius XII.").

Pius XII. hatte einen klaren Begriff davon, dass die Gläubigen, speziell die Laien, nicht nur zur Kirche gehören, sondern Kirche sind.[2]

Pascalina Lehnert schreibt in ihrem Werk (S. 127), dass nach dem Tode Pius XII., der Schriftsteller Rolf Hochhuth 1963 in dem uraufgeführtem Bühnestück: "Der Stellvertreter" ein trauriges Zerrbild von Pius XII. zeichnete, welches das Geschichtsbild dieses Papstes von weiß zu schwarz verwandelte. Man sprach davon, dass Msgr. Alois Hudal ihm das entsprechende Material dazu geliefert hätte. Ob dies wahr ist, weiß Pascalina Lehnert nicht.

Völkergemeinschaft

Pius XII. mit Nuntius Roncalli

Von bleibender Bedeutung ist insbesondere die Lehre des Papstes von der Völkergemeinschaft, die er insbesondere 1939-45 in mehreren Rundfunkbotschaften vortrug. Diese Lehre ist von internationalen Organisationen wie der UNO nur sehr bruchstückhaft berücksichtigt worden. Hier wäre es, wie schon oft zuvor, dem Menschheitsfortschritt dienlich gewesen, Wort und Weisung aus Rom mit größerem Ernst zu beherzigen.

Im Alter wurde der Papst von Ahnungen heimgesucht, dass der auf seine Person zugeschnittene Versuch, den universalen Anspruch des Katholizismus in die Zukunft zu führen, allein nicht ausreichen würde, um die Konfrontation mit der Moderne zu bestehen. Zu dem frz. Philosophen Jean Guitton sagte der Papst 1957, dass er wisse, er sei "der letzte Papst"; sozusagen das letzte Glied in einer langen Kette römischer Tradition. (Als Förderer der Ausgrabungen am Petrusgrab wurde Pius XII. ganz nahe bei Petrus bestattet.) So wie Pius XI. die drängenden Fragen nach der Bibel, Liturgie und Kirchenlehre, und auch den Durchbruch zum demokratischen Bewusstsein, im Alter seinem Nachfolger überließ, so überließ Pius XII. die (von ihm geheim untersuchte, um 1950 aber abschlägig beschiedene) Frage nach einer Wiedereröffnung des 1. Vatikanischen Konzils auch seinen Nachfolgern.

Gegenüber dem Jesuiten Riccardo Lombardi, dessen Bewegung der Papst inmitten der inner-italienischen Richtungskämpfe (Christdemokratie gegen Kommunisten) stark unterstützte, soll Pius XII. sogar gesagt haben, sein Nachfolger werde ein Konzil einberufen.

Pius XII., das dritte Reich und die Juden

Pius PP XII.

Als Diplomat Benedikt´s XV. hatte sich Pacelli bereits 1915 für die Verurteilung antisemitischer Gewalt, die in Polen zum Ausbruch gekommen war, eingesetzt und in den Dreißigerjahren machte er als Staatssekretär Pius XI. der antijüdischen Rundfunkpropaganda eines katholischen Priesters in den Vereinigten Staaten, Charles Coughlin, ein Ende. Pacelli hatte wesentlich das Rundschreiben Mit brennender Sorge von Pius XI., über die Lage der Katholischen Kirche im dritten Reich, vom 14. März 1937 mitgestaltet. Im Mai 1939 blieb der Vorschlag des Papstes Pius XII. erfolglos, den er Adolf Hitler durch seinen Nuntius beim Deutschen Reich, Erzbischof Cesare Orsenigo, überbrachte. Darin hatte Pius XII. eine Fünf-Mächte-Konferenz vorgeschlagen, um drohende kriegerische Auseinandersetzungen friedlich zu lösen. "Leider stieß der Nuntius auf ein nur sehr oberflächliches Interesse." Mit mehreren Radioansprachen versuchte er später die Krieg führenden Länder zum Frieden aufzurufen. Er wollte in einer sehr energischen Enzyklika die Verfolgung der Juden anprangern. Doch die deutschen Bischöfe befürchteten, dass ein solches Rundschreiben die Verfolgung der Juden noch mehr verschärfen würde. Robert Kempner, ein jüdischer Jurist deutscher Herkunft, schrieb 1964: Jede propagandistische Stellungnahme der Kirche gegen die Hitler-Regierung wäre nicht nur ein geplanter Selbstmord gewesen, sondern hätte die Ermordung einer noch viel größeren Zahl von Juden und Priestern beschleunigt. Über diplomatische Kanäle stoppte Pius XII. den Abtransport der Juden in Rumänien. Aufgrund der Aussagen von Schwester Pascalina, weiß man, dass es zwischen dem Papst einserseits und verschiedenen Bischöfen anderseits darüber zu Gesprächen gekommen ist. In Holland, wo die Bischöfe damals gegen die Verfolgung der Juden offen aufgetreten sind, hat es sich gezeigt, dass aus Rache sogar die - zuvor verschonten - katholisch gewordenen Juden deportiert wurden (darunter Edith Stein; ein "Vergeltungsschlag" gegen 4.000 niederländische Juden). Unter anderem hat man Edith Stein, die berühmte jüdische Konvertitin, die zum katholischen Glauben übergetreten war, aus einem holländischen Karmel herausgeholt und nach Auschwitz ins Konzentrationslager deportiert. Im November 1943 scheiterte Pius XII. bei Adolf Hitler mit dem Versuch, zugunsten von Juden, diplomatisch zu intervenieren. Ebenfalls 1943 lässt der Papst zwei Schreiben verfassen, in denen er um Hilfe für jüdische Familien bittet. Der Vatikan hat auf verschiedenste Weise versucht, den bedrängten Juden zu helfen. Nach der Aussage des berühmten Vertreters der Judentums, Pinchas Lapide, hat der Papst zusammen mit der Kirche mindestens 700 000 Juden das Leben gerettet (direkt und indirekt über 850.000 Juden).[3] In den Kellern und Räumen des Vatikans und in Castel Gandolfo waren sehr viele Juden versteckt. Die deutschen Machthaber haben dies zwar gewusst, getrauten sich jedoch nicht, den Vatikan zu erobern, um die Juden herauszuholen. Auch wenn die Kritik kaum verstummen wird: Diese Tatsachen zeigen, dass die Hypothese - Pius XII., habe zu wenig für die Juden getan - der Grundlagen entbehrt.

Schon auf seiner Reise nach Jerusalem im Januar 1964 verteidigte Paul VI. seinen Vorgänger und Förderer diesbezüglich. (DDDr. Peter Egger in Radio Horeb)/"Fatima Ruft" (Nr. 202, 3/2008) schreibt:

"Obwohl seine weltlichen Mittel und seine Macht bescheiden waren, half er in dieser Zeit wo er nur konnte. Auf seine persönliche Veranlassung hin wurden tausende Juden in Klöstern und kirchlichen Einrichtungen versteckt und so vor der Vernichtung gerettet (85 % der 8000köpfigen jüdischen Gemeinde Roms in 155 römischen Klöstern [nämlich 4238 Juden], im Vatikan [477 Juden] und auf dem päpstlichen Anwesen von Castelgandolfo [ca. 3000]).[4] Dem römischen Großrabbiner Eugen Maria Israel Zolli gewährte er höchstpersönlich Asyl. Dieses Zeugnis der christlichen Nächstenliebe beeindruckte den Rabbi so tief, dass er zum katholischen Glauben fand und als Taufnamen den Namen des Papstes Eugenio, wählte."

Im römischen Kloster der Augustinerinnen von "Santi Quattro Coronati" in der Nähe des Lateran, tauchte im Jahre 2009 ein wichtiges Dokument zu Papst Pius XII. auf.[5] Die Notiz vom November 1943 führt 24 Verfolgte des Nazi-Regimes auf; diese sollten auf Wunsch des Papstes gerettet werden. Darum habe der Heilige Vater angeordnet, "diesen Verfolgten in den Klöstern Gastfreundschaft zu gewähren". Viele oder alle der auf der Liste aufgeführten Personen waren offenbar Juden.

Auch andere Rettungsaktionen fanden nicht nur auf Weisung Pacellis statt, sondern wurden von ihm finanziert – so ließ er etwa ein Schiff chartern, um jedes halbe Jahr 500 jüdische Flüchtlinge von Lissabon aus in die Dominikanische Republik zu bringen, weil Diktator Trujillo bereit war, dem lokalen Nuntius eben diese Anzahl an Visa auszustellen. Allein auf diesem Weg wurden um die 10.000 Juden gerettet. In Istanbul koordinierte Nuntius Roncalli die Anmietung von Schiffen und den Transport jüdischer Flüchtlinge aus Rumänien nach Palästina. 1954 erklärte der spätere Papst Johannes XXIII.: "In all diesen schrecklichen Dingen habe ich mich an den Heiligen Stuhl gewandt, und später führte ich einfach die Anweisungen des Papstes aus: zuerst und vor allem Menschenleben zu retten." Auch Margarete Sommer, die zusammen mit Prälat Bernhard Lichtenberg das Hilfswerk des Bischöflichen Ordinariats in Berlin leitete, erklärte am 23. März 1963 schriftlich: "Alle Aktionen in Berlin, die zur Rettung, Bewahrung und zum Schutz rassisch Verfolgter im Bischöflichen Ordinariat durchgeführt und geplant wurden, (fanden) in Verbindung mit dem Vatikan (und) in ausdrücklicher Billigung und nach Weisung Pius XII. (statt)."[6]

In den Kriegsjahren entfaltete die Katholische Kirche ein gigantisches Liebeswerk gegenüber allen Menschen ohne Ausnahme, indem Pius XII. nach Kriegsbeginn ein Vatikanisches Informationsbüro für die Kriegsgefangenen einrichtete, das schließlich dreieinhalb Millionen Dokumente umfasste. Dieses Archiv, das bis 1947 geöffnet war, ist beinahe unbenutzt. Der Osservatore Romano schreibt dazu, dass ein Archiv vielleicht lautstark zu öffnen gefordert wird, damit die darin enthaltenen Dokumente dann vernachlässigt werden (vgl. Werk von Pascalina Lehnert).

Anlässlich des ersten Rombesuches nach dem Kriege sagte Kardinal Josef Frings, wie furchtbar der Heilige Vater litt - weil, da es die Klugheit gebot, um nicht noch größeres Unheil auf die Hitler-Opfer heraufzubeschwören - er immer wieder schweigen musste. Clemens August Graf von Galen erzählte (PL S. 150f), dass Pius XII. ihm in einer Privataudienz Stellen aus seinen Predigten gegen den Nationalsozialismus aufsagte. "Ja," sagte der "Löwe von Münster" dem Papst: "aber wie vielen meiner besten Priester habe ich dadurch, dass sie meine Predigten verbreiteten, Konzentrationslager, ja den Tod bereitet!" Darauf entgegnete Pius XII., dass gerade die furchtbare Gewissheit, dass an Tausenden Vergeltung geübt wurde, auch ihn oft zum Schweigen zwang.

Beginnend in den Kriegsjahren, mit dem Höhepunkt 1963, wurde versucht, Pius XII. als hitler-freundlich darzustellen. Dass dies ein organisierter Feldzug war hat schon Giovanni Spadolini 1965 in Italien angeprangert. Die Fakten in der Öffentlichkeit falsch darzustellen, um Papst Pius XII. irgendwie zu beschädigen, einerseits um eine mögliche Seligsprechung abzuwenden, jedoch vor allem, um Zwist zwischen Juden und Christen zu säen, wurde verstärkt von Neuem zu Beginn des 21. Jahrhunderts unternommen. Kardinal Paul Josef Cordes nannte 2008 diese Leute "nachgeborene Besserwisser" und P. Eberhard von Gemmingen SJ hält die Diskussion für "naiv", da sich in den ersten zwanzig Jahren nach den Zweiten Weltkrieg viele Juden dankbar ausdrückten.

Durch einen Vortrag des Archivars des vatikanischen Staatssekretariats Johan Ickx bei der Tagung „Refugee Policies from 1933 until Today: Challenges and Responsibilities“ am 17. Februar 2017 in Rom belegt, dass durch Papst Pius XII. fast 5.000 Juden in 280 Klöstern Unterkunft gefunden, 3.000 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, 1.460 in katholischen Privathäusern, 60 in Gebäuden auf extraterritorialem Grund und 40 im Vatikan. Die Zahlen gingen aus den Akten des vatikanischen Archivs hervor. Ein Abkommen von Oktober 1943 mit den Nationalsozialisten sicherte Ickx zufolge den vatikanischen Gebäuden einen neutralen Status zu. Der Archivar wies auch darauf hin, dass der Vatikan schon im spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939 drei Millionen Flüchtlingen half.[7]

Das Sonnenwunder

Ein Sonnenwunder - jenem von Fatima ähnlich – erlebte Papst Pius XII. möglicherweise am 31. Oktober 1950, dem Vortag der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel. Der Papst begab sich wie täglich um 16 Uhr auf einen Spaziergang in die vatikanischen Gärten. Der Himmel war leicht bewölkt und Pius XII., der gedankenversunken einherging, sah plötzlich die Sonne zwischen den Wolken hervortreten, in Farben strahlend. Dann begann sie sich zu drehen und fing an über dem Horizont zu tanzen. Ein beglückendes Schauspiel für den Heiligen Vater, der darin eine himmlische Bestätigung für die Verkündigung des Mariendogmas sehen konnte, zumal sich dieses Phänomen am Tag der Verkündigung des Dogmas der Aufnahme Mariens in den Himmel wiederholte. Dieses Geschehen berichtete der Papst nur wenigen Vertrauten und einigen Kardinälen. Unter ihnen Kardinal Federico Tedeschini, der diesen Vorgang ein Jahr später, am 13. Oktober 1951, dem 34. Gedenktag des großen Sonnenwunders in Fatima den Pilgern an der portugiesischen Wallfahrtsstätte öffentlich verkündete: "Die Vision der tanzenden Sonne hat sich vor den Augen des Heiligen Vaters voriges Jahr in den vatikanischen Gärten wiederholt." [8]

Auch die langjährige Haushälterin des Papstes, Schwester Pascalina Lehnert, bestätigte in ihren Erinnerungen das große Ereignis in den vatikanischen Gärten (vgl. Fatima Ruft, 3/2008, Nr. 202; vgl. auch Johannes Maria Höcht, Fatima und Pius XII., S. 291 ff; 312 ff).

Ausklang

Der Papst mit Msgr. Montini

Am 1. November 1950 verkündete der Papst im Heiligen Jahr, zu dem über 3 Mio. Pilger nach Rom strömten, die Definition der Leiblichen Aufnahme der Jungfrau und Gottesmutter Maria in die himmlische Herrlichkeit Christi. Dieses Dogma markiert nicht nur den einzigen Anwendungsfall der Inanspruchnahme päpstlicher Unfehlbarkeit ex cathedra seit 1870 (zuvor hatte nur Pius IX. 1854 die Immaculata definiert), sondern das eigentliche "Wort in die Zeit", Antwort auf einen allzu vordergründigen Humanismus, der die Letzten Dinge mit Schweigen übergeht. Papst Pius XII. starb nach einem grausamen Todeskampf am 9. Oktober 1958, nach über vierjährigen Krankheitsphasen, die seine Schaffenskraft (und damit die gesamte Kurie) lähmte, in Castelgandolfo, dem päpstlichen Sommersitz, den er immer ausgiebiger genutzt hatte. Kardinal Domenico Tardini sagte von Pius XII., "ich habe nie einen demütigeren Menschen in meinem Leben getroffen" (vgl. (Pascalina Lehnert).

Wichtige Texte und Entscheidungen

Hinweise

Die Schreiben des Papstes werden in der Liste von Lehramtstexten gesammelt. Das geistliche Testament von Papst Pius XII.

Seligsprechungsprozess

Am 8. November 1965 wurde durch Paul VI. der Seligsprechungsprozess eingeleitet. 1990 erhob Johannes Paul II. Pius XII. zum Diener Gottes.[9] Im Februar 2008 bekräftigte der inzwischen emeritierte Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal José Saraiva Martins, dass der Seligsprechungsprozeß für Papst Pius XII. nicht ad acta gelegt wurde, sondern fortschreitet. Relator im Seligsprechungsprozess Pius XII. ist der bekannte Historiker Professor P. Peter Gumpel (*1923). Am 19. Dezember 2009 hat Papst Benedikt XVI. den heroischen Tugendgrad Pius XII. anerkannt.[10]

Werke

  • Ansprachen Pius XII. an Neuvermählte, Josef Habbel Verlag Regensburg 1950 (1. Auflage; 1953 – 2. Auflage), Übersetzt und eingeleitet von DDr. Friedrich Zimmermann (Imprimatur Regensburg, den 12. Juli 1949 J. Franz, Generalvikar; Download).
  • Herder-Korrespondenz, (Herder) Freiburg im Breisgau (Untertitel von 1948-1967: Orbis catholicus) 1. Jg. (= Oktober 1946-September 1947) zwei Jahrgänge in einem Band gebunden. Monatszeitschrift, Heft für Gesellschaft und Religion; bis Mitte(Ende der Sechziger Jahre informativ: päpstliche Dokumente im Wortlaut.
  • Gerechtigkeit schafft Frieden, Reden und Enzykliken des Heiligen Vaters Pius XII., Herausgegeben von Wilhelm Jussen SJ, Hansa Verlag Josef Toth Hamburg 1946, mit Sachregister, Kirchliche Druckerlaubnis Osnabrück am 9. Juli 1946 der bischöfliche Generalvikar Dr. Seling.
  • Arthur Fridolin Utz OP, Joseph-Fulko Groner O.P., Hrsg. (zitiert: Utz-Groner): Aufbau und Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens, Soziale Summe Pius XII. (1939-1958), Übersetzerkollegium: Herausgeber und Franz Schmal u. H. Schäufele, Paulus-Verlag, Freiburg/Schweiz. Imprimatur Friburgi Helv., die 5. Maii 1954 N. Luyten O.P. Imprimatur Friburgi Helv., die 29. Junii 1954 R. Pittet, v.g. Band II: 1954, Band III: 1961 (1. Ausgabe).
  • Pius XII. sagt (Sammlung). Nach den vatikanischen Archiven, Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt am Main, Zusammengestellt von Michael Chinigo, neu bearbeitet und erheblich erweitert 1959 (4. Auflage; Mit kirchlicher Druckerlaubnis).
  • Pius XII., Ruf an die Frau, Aus den Rundschreiben, Ansprachen, Briefen und Konstitutionen des Heiligen Vaters, Zusammengestellt von Dr. Käthe Seibel-Royer, Mit kirchlicher Druckgenehmigung des bischöflichen Seckauer Ordinariates zu Graz am 20. August 1956, Zl. 4082, und Segen Pius XII., Styria Verlag Österreich 1956 (2. Auflage).
  • Der Papst an die Deutschen, Pius XII. als Apostolischer Nuntius und als Papst in seinen deutschsprachigen Reden und Sendschreiben von 1917 bis 1956; Nach den vatikanischen Archiven, Herausgegeben von Bruno Wuestenberg und Joseph Zabkar, Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt am Main 1956, Mit kirchlicher Druckerlaubnis Limburg an der Lahn, 7. September 1956.
  • Päpstliche Dokumente, Sebaldus Verlag Nürnberg, Band 1 Pius XII. - Krieg und Frieden. Friedensarbeit Eugenio Pacelli's als Nuntius und Papst von 1917 bis 1947. Nürnberg (Imprimatur Eystadii (Eichstätt) 28.10.1947, Dr. Josephus Schroeffer, vicarius generalis.

Literatur

  • Alexandra von Teuffenbach: Pius XII., Neue Erkenntnisse über sein Leben und Wirken. MM Verlag (336 Seiten; ISBN: 978-3-928272-99-5).
  • Michael Hesemann: Der Papst, der Hitler trotzte, Die Wahrheit über Pius XII. Sankt Ulrich Verlag Augsburg 2009 (208 Seiten; ISBN 9783867440646).
  • Michael F. Feldkamp, Pius XII. und Deutschland, Göttingen 2000, ISBN 3525340265 (Text auf Google Books: [1]
  • Michael F. Feldkamp: Goldhagens unwillige Kirche. Alte und neue Fälschungen über Kirche und Papst während der NS-Herrschaft, München 2003, ISBN 3789281271
  • Karl Braun: Papst Pius XII., Begegnung in Wort und Bild (128 Seiten geb. DINA 4 Format) Fe-Medienverlag 2008 (zum 50. Todestag; ISBN: 978-3-939684-37-4).
  • Sr. M. Pascalina Lehnert: Ich durfte ihm dienen, Erinnerungen an Papst Pius XII., Johann Wilhelm Naumann Verlag 1983, ISBN 3885670410
  • Martha Schad: Gottes mächtige Dienerin - Schwester Pascalina und Papst Pius XII., Herbig Verlag (Ort?) 2007 (255 Seiten), ISBN 3-7766-2531-8
  • Francesco Mehrling: Pius XII. - wie er wirklich war Gerhard Hess Verlag
  • Markus Schmitt: Das "Schweigen" Pius XII. zur Judenverfolgung im Spiegel von Selbstzeugnisssen und Äußerungen seiner Mitarbeiter und Vertrauten. Benedetto Verlag (76 Seiten; ISBN 978-3-9523314-7-7).
  • J. Schmid : Papst Pius XII. begegnen (Reihe 'Zeugen des Glaubens') Sankt Ulrich Verlag (ISBN: 978-3-929246-62-9).
  • PUR spezial: Papst Pius XII.: Der stille Retter. Zum 50. Todestag. Fe Medienverlag (ISBN: 999092892907).
  • Johannes Maria Höcht: Fatima und Pius XII., Maria, Schützerni des Abendlandes, Der Kampf um Russland und die Abwendung des dritten Weltkrieges, Credo Verlag Wiesbaden 1959 (7. durchgesehene und erweiterte AusgabeImprimatur Limburgi ad Lahnam 21. Aug. 1959, Dr. Höhle vic. Gen.)
  • Jean d'Hospital: Drei Päpste. Pius XII., Johannes XXIII. und Paul VI., Wien-Hamburg 1971 (frz.: Trois papes au tournant de l'histoire, 1969).
  • Wilhelm Sandfuchs: Papst Pius XII. Ein Lebensbild, Karlsruhe (Badenia) 2. Aufl. 1956.
  • Konstantin Prinz von Bayern, Papst Pius XII.: ein Lebensbild.Christiana Verlag 1980 (422 S.); Wörishofen 1952.
  • Nazareno Padellaro: Pius XII., Bonn 1952.
  • C. Vervoort, Pius XII., Antwerpen-Zürich-Bonn (Pergamon) 1949. Deutsch von Hans. H. Reykers.
  • Francois Charles-Roux: Huit ans au Vatican, Paris 1947.
  • Otto Walter: Pius XII. Leben und Persönlichkeit, Olten 1940.
  • Hans-Peter Oschwald: Pius XII. Der letzte Stellvertreter, Gütersloh 2008.
  • Klaus Kühlwein: Warum der Papst schwieg. Pius XII. und der Holocaust, Düsseldorf (Patmos) 2008.
  • Hanspeter Oschwald, Pius XII., Der letzte Stellvertreter (288 Seiten)
  • Klaus Kühlwein: Warum der Papst schwieg. Pius XII. und der Holocaust. Patmos Verlag (ISBN: 978-3-491-72527-0).

Medien

siehe auch: Neue Heilige und Selige im Pontifikat Pius XII., Kardinalskreierungen Pius XII.

Weblinks


Vorgänger
Pius XI.
Papst
1939 - 1958
Nachfolger
Johannes XXIII.

Anmerkungen

  1. So Papst Benedikt XVI. vor einem historischen Symposium "Das Erbe Pius’ XII. und sein Einfluss auf das II. Vatikanische Konzil" vom 6. bis 8. November 2008. Vgl. kath.net: Papst bricht Lanze für Pius XII., Meldung vom 9. November 2008.
  2. "Venerabili Fratelli, i fedeli, e più precisamente i laici, si trovano nella linea più avanzata della vita della Chiesa; per loro la Chiesa è il principio vitale della società umana. Perciò essi, specialmente essi, debbono avere una sempre più chiara consapevolezza, non soltanto di appartenere alla Chiesa; ma di essere la Chiesa, vale a dire la comunità dei fedeli sulla terra sotto la condotta del Capo comune, il papa, e dei Vescovi in comunione con lui. Essi sono la Chiesa (...)" (An die Kardinäle, 20.02.1946).
  3. vgl. Es wird Zeit, die "schwarzen Legenden" zu begraben kathnews.de, 27.03.2010.
  4. vgl. Es wird Zeit, die "schwarzen Legenden" zu begraben kathnews.de, 27.03.2010.
  5. vgl. Eine wichtige Notiz vom November 1943 kath.net, 06. März 2009
  6. vgl. Es wird Zeit, die "schwarzen Legenden" zu begraben kathnews.de, 27.03.2010.
  7. Vatikan im Dritten Reich: Archivar legt Zahlen vor Radio Vatikan am 17. Februar 2017.
  8. Vgl. kath.net: Pius XII. sah ‚Sonnenwunder’, Meldung vom 11. November 2008.
  9. Kardinal Saraiva: „Papst Franziskus könnte Pius XII. noch heute seligsprechen, das geschieht aber nicht, weil die Juden dagegen sind“ Katholisches.info am 18. Oktober 2016
  10. vgl. Papst erkennt den heroischen Tugendgrad von Pius XII. an ZENIT, 19.12.2009.