Gemeinsames Priestertum

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Das Taufpriestertum oder Gemeinsame Priestertum der Gläubigen[1] ist eine Art der Teilhabe am Priestertum Christi (vgl. KKK 1546), eine geistige Salbung (vgl. 2 Kor 1,21 EU, 1 Joh 2,20.27 EU). Es wird durch das Sakrament der heiligen Taufe grundgelegt und bewirkt. Die Taufe verleiht eine übernatürliche Würde und gliedert in die Kirche ein.[2] Die Gläubigen werden darauf aufbauend mit dem Sakrament der heiligen Firmung „zu einem heiligen Priestertum geweiht“ (LG, Nr. 10)[3] welches jeweils ein unaulöschliches Merkmal verleiht.[4]

Inhaltsverzeichnis

Der Altar des Taufpriestertums: Das eigene Herz

Die Gläubigen in Christus sind - als messianisches Volk des Neuen Bundes -[5] "ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges (von Gott) zu eigen erworbenes Volk".[6] Sie üben ihr Priestertum als Getaufte dadurch aus, dass sich jeder gemäß seiner eigenen Berufung, an der Sendung Christi, des Priesters, Propheten und Königs, beteiligt (LG, Nr. 10) und "durch Jesus Christus sich selbst als Opfergabe für sich und für die ganze Menschheit der Sünden wegen[7] geistige, Gott wohlgefällige Opfer"[8] auf dem Altare ihres Herzens[9] darzubringen (vgl. Röm 12,1 EU). Sie wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mit [10] und sollen sich selbst und ihre Sorgen, Leiden und Ängste, ihr Elend und ihre Nöte zugleich mit dem ans Kreuz geschlagenen göttlichen Haupt aufopfern.[11] Die Vollmacht aber, das sakramentale Opfer in der Eucharistiefeier auf dem Altar im Gotteshaus im Namen der Kirche und der Gläubigen zu vollziehen, ist jedoch notwendigerweise mit der Priesterweihe d.h. dem Amtspriestertum verbunden.[12]

Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen vollzieht sich in der Entfaltung der Taufgnade, im Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, im Leben gemäß dem Heiligen Geist.[13] Es übt ihr Priestertum im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe" aus.[14] Alle Werke der getauften Laien, Gebete und apostolischen Unternehmungen, ihr Ehe- und Familienleben, die tägliche Arbeit, die geistige und körperliche Erholung, wenn sie im Geist getan werden, aber auch die Lasten des Lebens, wenn sie geduldig ertragen werden, sind "geistige Opfer, wohlgefällig vor Gott durch Jesus Christus" (LG, Nr. 34). Die Laien sind Verwalter der irdisch-weltlichen d.h. "horizontalen" Dinge und geben so Zeugnis zur Evangellsierung ihrer Brüder und Schwestern.[15]

Im »königlichen Priestertum« drückt sich zugleich die Hingabe der Braut an Gott aus,[16] die dem göttlichen Bräutigam gefallen will (vgl. 1 Kor 7,32 EU).[17] Voraussetzung jedes fruchtbaren Opfers jedoch ist die Heiligmachende Gnade, die sakramental sowohl in der Taufe als auch in der Beichte, wiederherstellend, gegeben wird.

Die Ausübung des Taufpriestertums als Eltern[18]

Kraft ihrer Würde und Sendung haben die christlichen Eltern die besondere Aufgabe, ihre Kinder zum Gebet zu erziehen, sie hinzuführen zu einer fortschreitenden Entdeckung des Geheimnisses Gottes und zu einem persönlichen Gespräch mit ihm: "Besonders aber sollen in der christlichen Familie, die mit der Gnade und dem Auftrag des Ehesakramentes ausgestattet ist, die Kinder schon von den frühesten Jahren an angeleitet werden, gemäß dem in der Taufe empfangenen Glauben Gott zu erkennen und zu verehren und den Nächsten zu lieben".[19] Unersetzliches Grundelement der Gebetserziehung sind das praktische Beispiel und lebendige Zeugnis der Eltern. Nur wenn Vater und Mutter mit den Kindern zusammen beten und so ihr königliches Priestertum ausüben, erreichen sie die Herzensmitte ihrer Kinder und hinterlassen dort Spuren, die von den Ereignissen des späteren Lebens nicht ausgelöscht werden können.[20].

Irrtum über das Taufpriestertum

Der zelebrierende Priester, der die Person Christi vertritt, bringt alleine das eucharistische Opfer dar, nicht das Volk. "Wenn die Christgläubigen auch am eucharistischen Opfer teilhaben, so kommt ihnen deshalb doch nicht die Priestergewalt zu". Der Auftrag Christi "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (1 Kor 11,24 EU) bezieht sich nicht auf die gesamte Kirche der Gläubigen, sondern nur auf das Weihepriestertum.[21] Wie die Taufe alle Christen als solche bezeichnet und von den übrigen Menschen sondert, die im Läuterungsbad nicht gewaschen und keine Glieder Christi sind, so unterscheidet gleicherweise das Sakrament der Priesterweihe die Priester von allen übrigen mit dieser Gnadengabe nicht ausgestatteten Christen.[22]

Päpstliche Schreiben zum Tauf- und Weihepriesertum

Pius XII.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Benedikt XVI.

Literatur

Anmerkungen

  1. Katholiken sprechen vom „gemeinsamen“ - protestantisch von „allgemeinen“ Priestertum: Kardinal Paul Josef Cordes Der Priester ist kein Auslaufmodell Kath.net am 10 April 2017
  2. vgl. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Con queste parole über den Heiligen Geist im priesterlichen Leben vom 12. April 1990 Nr. 3.
  3. vgl. Joh 3,5-6 EU); Enzyklika Mysterium fidei: AAS 57 (1965) 761.
  4. Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 698; Konzil von Florenz: Bulle Exsultate Deo über die Union mit den Armeniern vom 22. November 1439, Nr. 1313.
  5. Gründonnerstagsschreiben Anche quest'anno über das gemeinsame Priestertum und das Priestertum des Dienstes vom 12. März 1989, Nr. 1.
  6. 1 Petr 2,9 EU, 2,5 EU, Offb 1,6 EU 5,9+10 EU).
  7. Pius XI.: Enzyklika Miserentissimus redemptor über die dem Heiligsten Herzen Jesu allgemein geschuldete Sühne vom 8. Mai 1928, Nr. 10; Pius XII.: Enzyklika Mystici corporis Christi über den Geheimnisvollen Leib Christi, Nr. 44.
  8. Vgl. Pius XII.: Ansprache Magnificate Dominum, 2. November 1954.
  9. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, Herder & Co., Freiburg im Breisgau 1926, S. 235 (Imprimatur Friburgi, die 17. Iulii 1926 Dr. Sester, Vic. Gen.).
  10. vgl. Dogm. Konst. Lumen gentium, Nr. 10: Der Priester spricht nach dem Gabengebet: „Betet, Brüder, dass mein und euer Opfer wohlgefällig werde bei Gott, dem allmächtigen Vater"; Innozenz III. „Nicht nur die Priester bringen das Opfer dar, sondern auch die Gläubigen insgesamt; denn was in besonderer Art durch den Dienst der Priester ausgeführt wird, das geschieht allgemein durch die Absicht der Gläubigen“ (Innozenz III., De Sacro Altaris mysterio, III 6). Und Robert Bellarmin: „Das Opfer wird hauptsächlich in der Person Christi dargebracht. Daher ist jene Darbringung, die auf die Wandlung folgt, eine Art Bezeugung, dass die ganze Kirche in die von Christus vollzogene Darbringung einwilligt und zugleich mit ihm opfert“ (Robert Bellarmin, De missa, I c. 27): Pius XII.: Enzyklika Mediator Dei über die heilige Liturgie, Nr. 86+87.
  11. Mediator Dei, Nr. 104.
  12. vgl. Kongregation für die Glaubenslehre: Schreiben Sacerdotium ministeriale über einige Fragen bezüglich des Dieners der Eucharistie vom 6. August 1983, II, Nr. 1-4; III. 1; Gründonnerstagsschreiben Novo incipiente an alle Priester der Kirche vom 8. April 1979, Nr. 4.
  13. Multi-Dikasteriale Instruktion Ecclesiae de mysterio zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester, Nr. 1.
  14. Dogm. Konst. Lumen gentium, Nr. 10; vgl. Apost. Schreiben Christifideles laici, 22; Gründonnerstagsschreiben Anche quest'anno über das gemeinsame Priestertum und das Priestertum des Dienstes vom 12. März 1989, Nr. 2.
  15. vgl. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Ecce nunc nos Vaters über den heiligen Pfarrer von Ars vom 16. März 1986, Nr. 10.
  16. vgl. Johannes Paul II.: Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem über die Würde und Berufung der Frau vom 15. August 1988, Nr. 27; vgl. Offb 21,2 EU
  17. vgl. Pius XII.: Enzyklika Haurietis aquas über die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu vom 15. Mai 1956, Nr. 67.
  18. Johannes Paul II.: Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute vom 22. November 1981, Nr. 60.
  19. Gravissimum educationis, 3; vgl. Catechesi tradendae, 36: AAS71 (1979) 1308
  20. Paul VI. an die Eltern: "Mütter, lehrt ihr euren Kindern die christlichen Gebete? Bereitet ihr sie in Einklang mit den Priestern auf die Sakramente der Kindheit und Jugend vor, auf Beichte, Kommunion und Firmung? Macht ihr es ihnen zur Gewohnheit, in Krankheit an das Leiden Christi zu denken, Maria und die Heiligen um ihre Hilfe zu bitten? Betet ihr zu Hause den Rosenkranz? Und ihr Väter, könnt ihr mit euren Kindern beten, mit der ganzen Hausgemeinschaft, wenigstens von Zeit zu Zeit? Euer Beispiel durch Geradheit im Denken und Tun, das von gelegentlichem gemeinsamen Beten unterstützt wird, ist Unterricht aus dem Leben, ist Gottesdienst von hohem Wert; so bringt ihr Frieden in euer Heim: ‚Friede diesem Hause!‘ Merkt es euch: So baut ihr Kirche!" in der: Ansprache bei einer Generalaudienz am 11. August 1976: Insegnamenti di Paolo VI, XIV (1976) 640.
  21. Vgl. Pius XII.: Ansprache Magnificate Dominum, 2. November 1954.
  22. Pius XII.: Enzyklika Mediator Dei über die heilie Liturgie, Nr. 43, Nr. 82: Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 4. Denzinger Nr. 960.).