Weihepriestertum

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Du bist Priester auf ewig, nach der Ordnung Melchisedeks (Gen 14,18 EU)

Das Weihepriestertum, Amtspriestertum, Priestertum des Dienstes oder Hierarchisches Priestertum ist eine Art der Teilhabe am Priestertum Christi (vgl. KKK 1546). Es setzt die Taufe voraus und wird durch Handauflegung eines Bischofes auf das Haupt eines Diakons im Sakrament der Priesterweihe verliehen und prägt ein unaulöschliches Merkmal ein.[1] »Christus selbst ist im kirchlichen Dienst des geweihten Priesters in seiner Kirche zugegen als Haupt seines Leibes, Hirt seiner Herde und Hoherpriester des Erlösungsopfers«.[2] Er ist »Ikone« des Wesens Christi, »Hirt« und »Bräutigam« der Kirche.[3]

Die eigentliche und vorzügliche Aufgabe des Priesters ist es zu opfern.[4] In der Eucharistiefeier erfüllt er seinen wichtigsten Auftrag.[5] Er bringt Gott das Opfer für die heilige Katholische Kirche sowie für die Lebenden und die Verstorbenen dar.[6]

Inhaltsverzeichnis

Die Sendung des Amtspriesters

Für das Weihepriestertum ist der apostolische Auftrag maßgebend: »Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!« (Taufbefehl: Mk 16,15 EU).[7] Ebenso: "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Lk 22,19 EU; 1 Kor 11,24 EU) d.h. der Vollzug des Messopfers.[8] Nur der Priester kann sagen: »Das ist mein Leib« und: »Das ist der Kelch des Neuen Bundes, mein Blut …«, im Namen und in der Person Christi, des einzigen Hohenpriesters des neuen und ewigen Bundes.[9] Bei der Priesterweihe werden die Hände der Kandidaten geweiht, „damit alles, was sie segnen, gesegnet, und alles, was sie weihen, geweiht und geheiligt sei im Namen unseres Herrn Jesus Christus“.[10]

In der Person Christi - auf dem Altare des Gotteshauses - herab

Die Glieder des Mystischen Leibes Christi leisten verschiedene Dienste (vgl. Röm 12,4 EU). Einzelne Glieder sind in und durch die Kirche von Gott zu einem besonderen Dienst an der Gemeinde berufen. Diese Diener werden ausgewählt und durch das Weihesakrament, "einer Art geistlichen Zeugungsaktes", [11] geweiht (KKK 1142). Die Bischöfe und in untergeordnetem Grad die Priester, erhalten durch dieses Sakrament, die Salbung des Heiligen Geistes und werden Christus gleichgestaltet,[12] mit einem besonderen Prägemal versehen. Sie werden mit „einer heiligen Gewalt“ ausgestattet, so dass sie in der Person des Hauptes Christi, an Gottes Stelle, handeln können (KKK 1548).[13] Außerdem erhalten sie Anteil am Priester-, Lehr- und Hirtenamt Christi, dessen Ausübung durch die hierarchische Gemeinschaft näherhin bestimmt wird.[14] Sie spenden den Menschen durch Christus, das übernatürliche Leben und bezeugen damit eine vertikale Dimension des Lebens.[15] Sie vermitteln die Sakramente,[16] vor allem das eucharistische Opfer darzubringen und Sünden nachzulassen.[17] Das priesterliche Dienstamt erreicht seine größte Intensität bei der Feier der heiligen Eucharistie, dem Quell- und Mittelpunkt der kirchlichen Einheit. Einzig der Priester kann das Opfermahl, bei dem das Gottesvolk sich mit dem Opfer Christi vereinigt, vorstehen und gültig vollziehen.[18] Der Priester handelt in der Person Christi des Hauptes in der Heiligen Messe vor allem im Eucharistischen Hochgebet mit den Wandlungsworten, das den Höhepunkt der ganzen Feier darstellt.[19]

Christus vertretend: Im Namen der ganzen Kirche - hinauf

Der Amtspriester hat jedoch nicht nur die Aufgabe, Christus, das Haupt der Kirche, vor der Versammlung der Gläubigen zu repräsentieren (KKK 1553); er handelt auch im Namen der ganzen Kirche,[20] "weil er die Person unseres Herrn Jesus Christus vertritt, insofern er das Haupt aller Glieder ist und sich selbst für sie darbringt". Daher tritt der Priester an den Altar als Diener Christi, unter Christus, aber über dem Volk stehend.[21] In den Orationen der Heiligen Messe: dem Tagesgebet, dem Gebet über die Opfergaben und dem Gebet nach der Kommunion betet der Priester als Vorsteher, im Namen des ganzen heiligen Volkes und aller Anwesenden an Gott gerichtet.[22] „Im Namen der ganzen Kirche“ will jedoch nicht besagen, daß die Priester die Delegierten der Gemeinschaft seien. Das Gebet und das Opfer der Kirche lassen sich vom Gebet und Opfer Christi, ihres Hauptes, nicht trennen. Es handelt sich stets um den Kult, den Christus in seiner Kirche und durch sie darbringt. Die ganze Kirche, der Leib Christi, Haupt und Glieder, betet und bringt sich „durch ihn und mit ihm und in ihm“ in der Einheit des Heiligen Geistes Gott dem Vater dar. Deshalb werden jene, die in diesem Leib in besonderer Weise das Dienstamt innehaben, nicht nur Diener Christi, sondern auch Diener der Kirche genannt. Sie stellen die vertikale Dimension des Priestertums der Gläubigens dar.[23] (→ Zelebrant[24])

Die Gegenwart Christi im Amtsträger

Christus ist im Priester in der Person Christi des Hauptes des Mystischen Leibes Christ zugegen. Diese Gegenwart Christi im Amtsträger ist nicht so zu verstehen, dass dieser gegen alle menschlichen Schwächen gefeit wäre: gegen Herrschsucht, Irrtümer, ja gegen Sünde. Die Kraft des Heiligen Geistes bürgt nicht für alle Taten der Amtsträger in gleichem Maße. Während bei den Sakramenten die Gewähr gegeben ist, dass selbst die Sündhaftigkeit des Spenders die Frucht der Gnade nicht verhindern kann, gibt es viele andere Handlungen, bei denen das menschliche Gepräge des Amtsträgers Spuren hinterläßt, die nicht immer Zeichen der Treue zum Evangelium sind und infolgedessen der apostolischen Fruchtbarkeit der Kirche schaden können (KKK 1550).

Das Amtspriestertum dient dem Taufpriestertum, um es getreuer auszuüben[25]

Das vom Weihesakrament übertragene Amtspriestertum und das gemeinsame oder "königliche" Priestertum der Gläubigen, die sich dem Wesen (d.h. ontologisch)[26] und nicht bloß dem Grade nach unterscheiden, [27] sind einander zugeordnet, stammen doch beide - in verschiedenen Formen - aus dem einen Priestertum Christi. Das Amtspriestertum bedeutet nämlich nicht an sich einen höheren Grad an Heiligkeit im Vergleich zum gemeinsamen Priestertum der Gläubigen; aber durch das Weihepriestertum wird den Priestern von Christus im Geist eine besondere Gabe verliehen, damit sie dem Volk Gottes helfen können, das ihm verliehene gemeinsame Priestertum getreu und vollständig auszuüben,[28] sie befähigt die moralische Ordnung zur Geltung zu bringen. Er macht den Gläubigen ihr gemeinsames Priestertum bewusst, erinnert sie daran, dass sie Volk Gottes sind, und befähigt sie, jene "geistigen Opfer darzubringen"," durch die Christus selbst uns zu einer ewigen Gabe für seinen Vater macht."[29] Der Dienst des Priesters ist dazu bestimmt, um die Menschen zu seinem Leib (Eph 4,12 EU) zu vereinen und ihnen zu helfen, sich von innen her zu bilden sowie nach dem Heilsplan Gottes zu leben und zu handeln.[30]

Verlust des Priestertums?

Die Priesterweihe, die ein unaulöschliches Merkmal einprägt und eine besondere Teilnahme am Priestertum Christi verleiht, geht niemals verloren, auch dann nicht, wenn der Priester aus kirchlichen oder persönlichen Gründen von der Ausübung seines Amtes entbunden oder daraus entlassen wird.[31] Sie spenden jedoch gültig die Sakramente, auch wenn sie suspensiert oder laisiert sind. Dies ist allerdings unerlaubt bei Strafe der Exkommunikation, außer im Falle von Todesgefahr des Empfängers (CIC 1335).

Irrige Meinungen

Es ist eine irrige Meinung, die Vollmacht, das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen, sei nicht notwendigerweise mit dem Weihesakrament verbunden.[32] Christgläubige ohne priesterliche Weihe ist die Eucharistie zu vollziehen nicht nur unerlaubt, sondern der Vollzug ist auch ungültig (nichtig).[33] Vielen christlichen Gemeinschaften aus der Reformation (Zwingli, Calvin, Luther) ist wichtig, dass es eine Ordination (Beauftragung) eines Christen bedarf, damit diese dem »Abendmahl« vorstehen können. Aber ebenso wichtig ist in aller Regel, dass es eines »besonderen Priestertums« nicht bedarf, ja, dass diese so eben auch nicht von Christus gewollt gewesen sei, es demzufolge auch kein »Sakrament« ist. Als Kernaussage kann man Martin Luther zitieren: »Alle Christen sind wahrhaft geistlichen Standes, und ist unter ihnen kein Unterschied dann des Amts halben allein . ... Demnach so werden wir allesamt durch die Taufe zu Priestern geweiht .... Was aus der Taufe gelcrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon Priester, Bischof und Papst geweiht sei, obwohl es nicht jedem ziemt, dieses Amt auch auszuüben«.[34] Dies entspricht nicht der Wahrheit, es wäre so, "als wenn, gegen (Eph 4,11 EU; 1 Kor 12,8-10 EU) die Lehre des heiligen Paulus, alle Propheten, alle Evangelisten, alle Hirten, alle Lehrer" seien.[35]

Zum Priester Geweihte, die in frommer Andacht dem Opfernden dienen, vollziehen nicht das Eucharistische Opfer der Heiligen Messe, sondern nur der Priester (bzw. Konzlebrant) der Christus vertritt, bringt das Opfer dar.[36]

Päpstliche Schreiben

Päpstliche Schreiben im Artikel Priester
Päpstliche Schreiben zum Tauf- und Weihepriesertum

Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 698; Konzil von Florenz: Bulle Exsultate Deo über die Union mit den Armeniern vom 22. November 1439, Nr. 1313.
  2. Katechismus der Katholischen Kirche, 1548.
  3. Johannes Paul II. Apostolischer Brief an die Frauen vom 29. Juni 1995, Nr. 11.
  4. Vgl. Pius XII.: Ansprache Magnificate Dominum, 2. November 1954.
  5. vgl. Johannes Paul II.:Gründonnerstagsschreiben Dominicae cenae über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie vom 24. Februar 1980, Dominicae cenae (Wortlaut)#Eucharistie und Priestertum.
  6. Pius XII.: Enzyklika Mediator Dei über die heilie Liturgie, Nr. 96.
  7. Ansprache Papst Benedikt´s am 16. März 2009.
  8. nicht auf das Taufpriestertum: vgl. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Ecce nunc nos über den heiligen Pfarrer von Ars vom 16. März 1986, Nr. 10; vgl. Pius XII.: Ansprache Magnificate Dominum, 2. November 1954.
  9. vgl. Hebr 8-9; Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Ecce nunc nos Vaters]] über den heiligen Pfarrer von Ars vom 16. März 1986, Nr. 10.
  10. Pius XII.: Enzyklika Mediator Dei über die heilige Liturgie, Nr. 43.
  11. Pius XII.: Enzyklika Mediator Dei über die heilie Liturgie, Nr. 41.
  12. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis über Dienst und Leben der Priester vom 7. Dezember 1965, Nr. 2.
  13. vgl. LG 10, 20, 28; Zweites Vatikanisches Konzil: Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum concilium, Nr. 33; CD 11; Dekret Presbyterorum ordinis über Dienst und Leben der Priester vom 7. Dezember 1965, Nr. 2+6.
  14. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium über die Kirche vom 16. November 1964, Nr. 24. 27-28, KKK 1551+1592.
  15. vgl. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Ecce nunc nos Vaters über den heiligen Pfarrer von Ars vom 16. März 1986, Nr. 10.
  16. Gründonnerstagsschreiben Novo incipiente an alle Priester der Kirche vom 8. April 1979, Nr. 4.
  17. Kongregation des Heiligen Offiziums Erklärung Mysterium ecclesiae über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute vom 24. Juni 1973, Nr. 6: 2. Vat. Konz., Dekret üb. Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Art. 2. Const., Decr., Decl. 621 f. Vgl. auch:
    1) Innozenz III., Brief Eius exemplo mit dem den Waldensern auferlegten Glaubensbekenntnis. Denz.-Schönm. 794;
    2) 4. Laterankonzil: Konst. 1: Über den katholischen Glauben. Denz.-Schönm. 802, wobei der zitierte Text über das Altarsakrament im Zusammenhang mit dem folgenden Text über das Sakrament der Taufe zu lesen ist;
    3) Konzil von Florenz, Unionsbulle f. d. Armenier Exsultate Deo Denz.-Schönm. 1321, wobei die zitierte Stelle zu vergleichen ist mit den benachbarten Stellen über die Spender der anderen Sakramente;
    4) Konzil von Trient, 23. Sitzung: Dekret über das Sakrament der Priesterweihe, Kap. 4. Denz.-Schönm. 1767; 4469; 5) Pius XII., Enzyklika Mediator Dei. AAS 39 (1947), 552-556. Denz.-Schönm. 3849-3852.
  18. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium über die Kirche vom 16. November 1964, Nr. 28; Ultimis temporibus vom 6. November 1971, Nr. 12.
  19. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, Nr. 30
  20. Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 10; KKK 1552.
  21. Pius XII.: Ansprache Magnificate Dominum, 2. November 1954.
  22. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, Nr. 30
  23. vgl. Johannes Paul II.:Gründonnerstagsschreiben Dominicae cenae über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie vom 24. Februar 1980, Dominicae cenae (Wortlaut)#Eucharistie und Priestertum; vgl. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Ecce nunc nos Vaters über den heiligen Pfarrer von Ars vom 16. März 1986, Nr. 10.
  24. vgl. Pius XII.: Enzyklika Mediator Dei über die heilie Liturgie, Nr. 92+93.
  25. vgl. Direktorium für Dienst und Leben der Priester 2013, Nr. 6
  26. Ansprache Papst Benedikt´s am 16. März 2009.
  27. Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 10.
  28. Johannes Paul II.: Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis über die heutige Priesterausbildung, Nr. 17.
  29. Gründonnerstagsschreiben Novo incipiente an alle Priester der Kirche vom 8. April 1979, Nr. 4.
  30. vgl. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Ecce nunc nos Vaters über den heiligen Pfarrer von Ars vom 16. März 1986, Nr. 10.
  31. vgl. Konzil von Trient, 23. Sitzung am 15. Juli 1563, Sacrificium, et sacerdotium 4. Kapitel Von der kirchlichen Hierarchie und von der heiligen Weihe; vgl. Ultimis temporibus vom 6. November 1971, Nr. 13.
  32. Kongregation für die Glaubenslehre: Schreiben Sacerdotium ministeriale über einige Fragen bezüglich des Dieners der Eucharistie vom 6. August 1983, II, Nr. 1-4; III. 1.
  33. Kongregation des Heiligen Offiziums Erklärung Mysterium ecclesiae über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute vom 24. Juni 1973, Nr. 6.
  34. Martin Luther: An den christlichen Adel Deutscher Nation, 1520, Werkausgabe 6, S. 407, Z. 13 ff., Z. 22 E.; S. 408, Z. 11 f. aus: Joachim Schroedel: Mit Segenskreuz und Handy, 20 Jahre als Priester im Nahen Osten, Patrimonium-Verlag Aachen 2016, S. 115 (162 Seiten; ISBN 978-3-86417-048-5).
  35. Konzil von Trient, 23. Sitzung am 15. Juli 1563, Sacrificium, et sacerdotium on der kirchlichen Hierarchie und von der heiligen Weihe.
  36. wenngleich sie alle einen gewissen handelnden Anteil am Opfer haben können und haben. Vgl. Pius XII.: Ansprache Magnificate Dominum, 2. November 1954.