Bernard Bolzano

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Bernard Bolzano (*5. Oktober 1781 in Prag † 18. Dezember 1848 in Prag) war böhmischer Philosoph, Mathematiker und Theologe. Er war führender Kopf der "böhmischen Aufklärung".

Bernard Bolzano studierte Philosophie bei Anton Günther, Mathematik und Theologie in Prag. Er empfing 1805 die Priesterweihe und erhielt die Professur für Religionslehre ebenda.. Wegen einflußreicher, vom Geist der Aufklärung geprägter Vorlesungen und "Erbauungsreden". Nach Absetzung 1820 tätigte er private wissenschaftliche und schriftstellerische Tätigkeit. Er übte posthum Einfluss auf die österreichische Schulreform aus. In Rückgriff auf die vorkantische Philosophie nahm Bolzano eine Welt von Vorstellungen und Sätzen an sich an, die durch Gedanken, Urteile und sprachliche Formulierungen nur repräsentiert werden. Dies gilt auch für religiöse Sätze, die jedoch teilweise bloß metaphorische Bedeutung haben und zu tugendhaftem Verhalten anspornen sollen. Der Offenbarungscharakter einer Religion zeige sich an ihren sittlichen Vorteilen und der Beglaubigung durch Wunder. Ein (in Bolzanos Sinne reformierter) Katholizismus ist, da sittlich am zuträglichsten, die vollkommenste Religion an sich. Bolzanos Argumentation für die Unsterblichkeit der Seele lehnt sich an Leibniz' Monadologie an. Sein am Gemeinwohl orientierter Utilitarismus zeigt sich u. a. in sozialethischen Schreiben zu Zeitproblemen, in der Utopie "Von dem besten Staate" finden sich sozialistische Ideen. Bolzanos Leistungen in der Mathematik (u. a. Satz v. B.-Weierstrass) wurden in ihrer Bedeutung erst viel später erkannt, ebenso wie in der Logik seine Vorwegnahme der modernen semantischen Begriffe der Folgerung und Allgemeingültigkeit sowie des Begriffs der induktiven Wahrscheinlichkeit.

Werke

  • GA, hg. v. E. Winter - J. Berg - F. Kambartel- J. Loužil B. van Rootselaar. St-Bad Cannstatt 1969ff. (bisher 40 Bde.)
  • HW: Athanasia oder Gründe für die Unsterblichkeit der Seele. Sulzbach 1827, Nachdruck Frankfurt 1970.
  • Lehrbuch der Religionswissenschaft, 4 Bände. Sulzbach 1834 (indiziert 1839), Nachdruck Wien 1882.
  • Wissenschaftslehre, 4 Bände, Sulzbach 1837, Löwen (2. Auflage) 1929-31, Nachdruck Aalen 1981.
  • Ueber die Perfectibilität des Katholicismus. Löwen 1845.
  • Paradoxien des Unendlichen. Löwen 1851, Nachdruck Hamburg 1975.

siehe auch: Gühtherianismus.

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