Wunderbarer Tausch

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Wunderbarer Tausch (lat. admirabile commercium), heiliger Tausch (sacrum commercium) ist eine theologische Beschreibungsweise für das Erlösungsgeschehen, das die Mitte des christlichen Glaubens bildet. Er bezeichnet den inneren Zusammenhang des Herabsteigens des Gottessohns aus der Herrlichkeit des Himmels, mit der Erhöhung des gefallenen Menschen zu Gott.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsgeschichte

Der Ausdruck kommt im Neuen Testament nicht vor, ist aber der Sache nach vielfach darin ausgesagt, am klarsten im 2. Korintherbrief 5,21 EU und 8,9 EU. Der früheste Beleg im christlichen Schrifttum findet sich im 2. Jahrhundert im Diognetbrief (9, 5):[1] „Welch süßer Tausch (ὢ τῆς γλυκείας ἀνταλλαγῆς), […] dass die Ungerechtigkeit vieler in einem Gerechten verborgen würde und die Gerechtigkeit eines einzigen viele Sünder rechtfertige!“[2]

Dabei ist der Tausch vom Anfang christlicher Reflexion an nicht bloß als Austausch von Eigenschaften, sondern als Austausch des Seins verstanden: Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, entäußert sich der göttlichen Herrlichkeit und nimmt in der Welt der Sünde Sklavengestalt an (Phil 2,6–11 EU), damit der von der Sünde versklavte Mensch zur göttlichen Herrlichkeit gelangt. Christus macht sich zum „Preis“ in einem Tauschhandel und vertauscht dabei das eigene Sein mit dem des Sünders – zwei Aspekte desselben Bildes.[3] So bekam das Wort vom Tausch seinen festen Platz in der Weihnachtsliturgie:

„Allmächtiger Gott, in dieser heiligen Nacht bringen wir dir unsere Gaben dar. Nimm sie an und gib, dass wir durch den wunderbaren Tausch deinem Sohn gleichgestaltet werden, in dem unsere menschliche Natur mit deinem göttlichen Wesen vereint ist. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.“ (Gabengebet in der Messe in der Hl. Nacht).
„O wunderbarer Tausch! Der den Menschen erschuf, nimmt menschliches Leben an und wird aus der Jungfrau geboren. Von keinem Mann gezeugt, kommt er in die Welt und schenkt uns sein göttliches Leben“ (Vesperantiphon am 1. Januar).
„In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dein Erbarmen zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn schaffst du den Menschen neu und schenkst ihm ewige Ehre. Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben. Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel…“ (3. Weihnachtspräfation).

Dieser Gedanke kehrt oft in den Schriften der Kirchenväter des Ostens und des Westens wieder und wurde so zum festen Punkt des Glaubens und der Lehre der Kirche. Die Liturgie übernimmt diese Ankündigung gleichsam als Leitmotiv. Insbesondere tun das die alten östlichen Liturgien, die bei der Darstellung der eucharistischen Gaben die Tatsache betonen, dass sie als von Gott empfangene Gaben dargebracht werden: "Tibi ex tuis" (Dir aus Deinen Gaben). Das gleiche tut die römische Liturgie, zumal im Gefolge der nachkonziliaren Erneuerung, wenn sie bei der Opferung das Brot und den Wein als Geschenk Gottes und zugleich als Frucht der menschlichen Arbeit darbringt. Es gilt erneut: "Dir aus Deinen Gaben."[4]

Daneben wurde das Wort vom Austausch immer auch bei der Deutung des Kreuzestodes und der Auferstehung Jesu verwendet. Eine der ältesten Osterpräfationen (Sacramentarium Gelasianum, 5. Jahrhundert) spricht davon, dass er „durch das Gesetz des glückseligen Tausches“ (beati lege commercii) unseren Tod annimmt, wir aber sein Auferstehungsleben erlangen.[5] Im österlichen Lobgesang Exsultet in der Liturgie der Osternacht findet sich die diesen Tausch ausdrückende Formulierung

O inaestimabilis dilectio caritatis! Ut servum redimeres, Filium tradidisti!
„O unfassbare Liebe des Vaters: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin!“

Der Passionsaspekt wurde in der Kreuzestheologie Martin Luthers zentral, wo das beatum commercium „fröhlicher Wechsel“ heißt, so vor allem in seiner reformatorischen Hauptschrift Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520).[6] Von dort gelangte das Motiv vielfach in lutherische Passions- und Weihnachtslieder (Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen; Gelobet seist du, Jesu Christ; Lobt Gott, ihr Christen alle gleich).

In neuerer Zeit haben vor allem Hans Urs von Balthasar und Erich Przywara SJ das Motiv aufgegriffen und ihm auch philosophische Dimensionen abgewonnen.[7]

Literatur

  • Raymund Schwager: Der wunderbare Tausch. Zur Geschichte und Deutung der Erlösungslehre. Kösel, München 1986, ISBN 3-466-20279-5
  • Joachim Negel: Hingabe an Gott als »Gang ins Andere«: Erich Przywara, darin (4) admirabile commercium. In: Ders.: Ambivalentes Opfer. Studien zur Symbolik, Dialektik und Aporetik eines theologischen Fundamentalbegriffs. Paderborn (Schöningh) 2005, S. 138–148
  • Josef Palakeel: Admirabile Commercium. In: Ders.: The Use of Analogy in Theological Discourse. An Investigation in Ecumenical Perspective. Rom 1995, S. 117–118
  • Katechismus der Katholischen Kirche 526
  • Martin Herz: Sacrum Commercium. 1958

Weblinks

Anmerkungen

  1. Joachim Negel: Hingabe an Gott als »Gang ins Andere«: Erich Przywara, darin (4) admirabile commercium. In: Ders.: Ambivalentes Opfer. Studien zur Symbolik, Dialektik und Aporetik eines theologischen Fundamentalbegriffs. Paderborn (Schöningh) 2005, S. 140.
  2. Diognetbrief, Kapitel 9 (deutsch), Bibliothek der Kirchenväter
  3. Martin Herz: Sacrum Commercium. 1958, S. 193
  4. Weihnachtsansprachen Papst Johannes Pauls II.#1993, Nr. 1.
  5. Die deutsche Fassung der II. Osterpräfation lässt diese Wendung aus.
  6. Kapitel 12, mit Einbeziehung des Motivs der mystischen Hochzeit.
  7. Joachim Negel: Hingabe an Gott als »Gang ins Andere«: Erich Przywara, darin (4) admirabile commercium. In: Ders.: Ambivalentes Opfer. Studien zur Symbolik, Dialektik und Aporetik eines theologischen Fundamentalbegriffs. Paderborn (Schöningh) 2005.

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