Unterwelt

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Die letzen Dinge

des einzelnen Menschen
der gesamten Schöpfung

Unterwelt (hebräisch: שְׁאוֹל - Scheol; LXX: Ἅδης - Hades ; Vulgata: infernus, inferna, inferi, deutsch auch Totenwelt und Hölle im weiteren Sinne des Wortes) ist in der Sprache der Bibel, der Väter und der Kirche, der dem Himmel oder der Höhe entgegengesetzte Aufenthaltsort, in dem sich die in folge der Ursünde vom Himmel ausgeschlossenen Seelen der von der Erde verstorbenen Menschen befinden.[1]

Nach katholischer Glaubenslehre ist Christus bei seinem Tod in die Unterwelt hinabgestiegen (Höllenfahrt Christi). Er hat dabei die Gerechten aus der Unterwelt befreit und die Macht der letzteren insofern gebrochen, als von jetzt an die ganz Reinen sofort nach ihrem Tod in den Himmel zur Anschauung Gottes kommen. Demnach umfasst, wie die Lehre der Väter und Theologen allmählich es herausgestellt hat, die Unterwelt den Strafort der Verdammten (Hölle), den Reinigungsort (Fegfeuer), den Aufenthaltsort der ohne Taufe sterbenden Kinder (Limbus puerorum) und die sogenannte "Vorhölle", wo die Seelen der Gerechten vor Christus auf die Erlösung harrten (Limbus patrum); sie ist also kurz das Reich aller Toten, die nicht in der himmlischen Glorie sind.[2]

Das Wort In der Bibel

In der Bibel wird Scheol ausnahmslos mit Tod, nie mit Leben in Verbindung gebracht. Die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Septuaginta, verwendet an den entsprechenden Stellen das griechische Wort Hades (Ἅδης, z. B. in Ps 16,10 [1]). Das griechische Neue Testament greift diese Übersetzungswahl auf, z. B. in (Apg 2,27 [2]).[3]

Scheol wird von in der hebräischen Sprache von "höhlen" oder befragen hergeleitet (Abgrund oder Ort der Befragung, d. h. des Gerichtes). Das ganze Alte Testament lehrt, dass, vereinzelte Ausnahmen (Henoch und Elias) abgerechnet, alle Menschen bei ihrem Tode in die Unterwelt hinabsteigen müssen (Gen 37,35; 42,38; 44,29; Num 16, 30 33 usw.). Sie leben dort zwar persönlich fort, aber ihr Los ist im allgemeinen düster und traurig (viele Stellen bei Job, den Psalmen, Sprichwörter, Propheten); doch darf die bildlich-übertriebene Ausdrucksweise im Buche Job nicht als die allgemeine israelitische Scheolvorstellung bezeichnet werden. "In der Unterwelt ist kein Wohlleben zu finden" (Sir 14,17 [16]), "hat Wirken und Denken, Wissen und Weisheit ein Ende" (Koh 9, 10), .ist es vorüber mit dem Gotteslob" (Sir 17,26-27). Die Unterwelt erscheint somit von Anfang an als Strafort. Gleichwohl haben die Gerechten und Frommen das Los der Scheol viel weniger zu fürchten als die Gottlosen und Sünder. Im Fortschritt der Offenbarung tritt immer deutlicher der Gedanke hervor, dass das Los der Gerechten und der Sünder in der Unterwelt verschieden ist (vg!. bes. die deuterokanon. Bücher); ja 2 Makk 15, 12--16 bezeugt den Glauben, dass die Gerechten der Unterwelt von den Vorgängen auf Erden Kenntnis haben und fürbittend eingreifen können. Die Lehre von der Hölle der Verdammten im Unterschied vom Jenseitsleben der Gerechten wird bei Kohelet (7, 2-4) und Spruchdichter (15, 24; 23, 18; 24, 14) zum sittlichen Motiv. Auch frägt Koh 3, 21, ob nicht doch der Gerechte einmal noch zu Gott emporsteige, und das Weisheitsbuch feiert das ewige Fortleben der Gerechten und ihren Lohn bei Gott (5, 16f). Ähnlich das apokryphe Buch Henoch (102, 2-4; 103,1-3). So wird mit der Zeit auch dem alttestamentlichen Frommen immer klarer, dass die Heilsverheißungen des Herrn auch für die Toten noch eine Bedeutung haben und dass diese infolgedessen aus der Unterwelt befreit werden und zum ewigen Leben auferstehen (vgl. bes. Job 19, 25ff; Is 25,8: 6,19 und ö.; Ez 37, 1ff; Dn 12, 2; 2 Makk 7, 9.11.14.23.29). In 2 Makk leuchtet endlich die Lehre von der Unterwelt als Sühne- und Reinigungsort und von der Möglichkeit des Fürbittgebetes für die Verstorbenen auf (12, 43ff). In der Zeit Christi unterschied man scharf zwischen Hölle und Schoß Abrahams (Limbus patrum), dem durch einen Abgrund getrennten Aufenthaltsort der verstorbenen Sünder und dem der Gerechten (Lk 16, 22-26).[4]

Die Vorstellungen des Alten Testaments von der Scheol und ihren Bewohnern haben mit denen der Griechen und Römer, auch der Assyrier, BabyIonier, Perser, Ägypter usw. Ähnlichkeit, unterscheiden sich aber davon durch ihre streng monotheistische Unterlage und das Freisein von allen mythologischen Elementen sowie durch die Voraussetzung, dass der Mensch vor Gott ein Sünder und der Tod Strafe der Sünde sei.[5]

Literatur

Anmerkungen

  1. Engelbert Krebs in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band X, Artikel: Unterwelt, Sp. 426.
  2. Engelbert Krebs in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band X, Artikel: Unterwelt, Sp. 426.
  3. aus der Wikipedia, abgerufen am 11. März 2021
  4. Engelbert Krebs in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band X, Artikel: Unterwelt, Sp. 425+426.
  5. Engelbert Krebs in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band X, Artikel: Unterwelt, Sp. 426.
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