Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis 2016

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Grundordnung
Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis

der Kongregation für den Klerus
unseres Heiligen Vaters
Franziskus
für die Ausbildung der Priester
Das Geschenk der Berufung zum Priestertum

8. Dezember 2016

(Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 209, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz Bonn 2017; siehe: Das Schreiben als Worddokument bei Kathtube; Die Fassung bei der Kleruskongregation).

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Thomas von Aquin, der Meister und Führer der katholischen Priesterausbildung

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Notwendigkeit einer neuen Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis

DAS GESCHENK DER BERUFUNG zum Priestertum, das Gott in das Herz einiger Menschen gelegt hat, verpflichtet die Kirche, ihnen einen zuverlässigen Ausbildungsweg vorzulegen, wie Papst Franziskus anlässlich der Rede vor der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus (3. Oktober 2014) in Erinnerung gerufen hat: „Es geht darum, die Berufungen zu bewahren und wachsen zu lassen, damit sie reife Fruüchte tragen. Sie sind ein ,Rohdiamantʻ, der mit Sorgfalt, Achtung vor dem Gewissen der Personen und Geduld bearbeitet werden muss, um inmitten des Gottesvolkes zu erstrahlen.“[1]

Die vorausgehend zuständige Kongregation für das katholische Bildungswesen aktualisierte am 19. März 1985 – also vor ca. dreißig Jahren – die am 6. Januar 1970[2] promulgierte Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis, indem sie anlässlich der Promulgation des Kodex des kanonischen Rechtes (25. Januar 1983) vor allem den Anmerkungsapparat vervollständigte.

Seit dieser Zeit, sei es vonseiten der Gesamtkirche, sei es von Seiten der Bischofskonferenzen und der einzelnen Teilkirchen, erschienen zahlreiche Beiträge zum Thema der Ausbildung der künftigen Priester.

Vor allem ist an das Lehramt der Päpste zu erinnern, die in dieser Zeit die Kirche leiteten: an den hl. Johannes Paul II., dem das grundlegend bedeutsame nachsynodale Apostolische Schreiben Pastores dabo vobis (25. März 1992) zu verdanken ist, an Benedikt XVI., den Autor des Apostolischen Schreibens in Form eines „Motu Proprio“ Ministrorum institutio (16. Januar 2013), und an Franziskus, gemäß dessen Impulsen und Anregungen das vorliegende Dokument erarbeitet wurde.

Besonders in Pastores dabo vobis wird in ausdrücklicher Weise eine Gesamtsicht der Ausbildung der künftigen Kleriker dargelegt, die zugleich die vier Dimensionen der Persönlichkeit des Seminaristen berücksichtigt: die menschliche, die intellektuelle, die spirituelle und die pastorale Dimension. Ministrorum institutio verfolgt die Absicht hervorzuheben, wie sich die Ausbildung der Seminaristen in der ständigen Fortbildung der Priester selbstverständlich fortsetzt und mit dieser eine Einheit bildet.Daher wollte Benedikt XVI. mit diesem Dokument der schon für die ständige Fortbildung zuständigen Kongregation für den Klerus auch die Verantwortung für die Grundausbildung im Seminar anvertrauen, indem er die entsprechenden Artikel der Apostolischen Konstitution Pastor bonus (28. Juni 1988) änderte und die Abteilung für die Seminare der Kongregation für den Klerus angliederte. Der Heilige Vater Franziskus legte im Laufe seines Pontifikates eine reichhaltige Lehre vor und gab ein beständiges persönliches Beispiel hinsichtlich des Dienstes und des Lebens der Priester. Er ermutigte zu den Arbeiten, die zum vorliegenden Dokument führten, und begleitete sie.

Über die verschiedenen nationalen Rationes hinaus, von denen viele im Verlauf der Arbeiten konsultiert wurden, fehlte es in diesen Jahren nicht an Dokumenten der Dikasterien der Römischen Kurie zu einzelnen Aspekten der Ausbildung künftiger Kleriker: der Kongregation für das katholische Bildungswesen, der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung und der Kongregation für den Klerus.[3]

2. Vorarbeiten

Ein erster Entwurf der vorliegenden Ratio Fundamentalis wurde von der Kongregation für den Klerus im Frühjahr 2014 erarbeitet und an einige Experten sowie mit Blick auf die Vollversammlung vom 1.–3. Oktober 2014 vor allem an die Mitglieder des Dikasteriums versandt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Text von den Kardinälen und Bischöfen, die Mitglieder der Kleruskongregation sind, sowie von den eingeladenen Experten, die der Kongregation Vorschläge und Empfehlungen für die Fortsetzung der Arbeiten gaben, kommentiert und diskutiert.

Dieses Material diente der Erstellung eines erweiterten Textes zusammen mit den Hinweisen anderer Dikasterien der Römischen Kurie, die einerseits zuständigkeitshalber (Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften des Apostolischen Lebens, Kongregation für die orientalischen Kirchen), andererseits aufgrund ihrer bereits in der Vergangenheit gesammelten Erfahrung (Kongregation für das katholische Bildungswesen) mit der Materie befasst waren.

Im Verlauf des Jahres 2015 wurde der Text an zahlreiche Bischofskonferenzen und Apostolische Nuntiaturen verschickt, um ihre Meinung einzuholen. Im Sinne der Synodalität, auf die Papst Franziskus sehr oft verwies, sollte der Vorgang der Beratung und Reflexion auf die Länder ausgeweitet werden, in denen die Ratio Fundamentalis angewendet werden muss.

Am 19. und 20. November 2015 führte die Kongregation für den Klerus eine internationale Tagung anlässlich des 50. Jahrestages der Konzilsdokumente „Optatam totius“ und „Presbyterorum ordinis“ durch, in deren Verlauf Kardinäle, Bischöfe, Professoren, Ausbilder und Experten wertvolle Beiträge zur Reflexion über das Thema der Ausbildung der Kandidaten zu den heiligen Weihen bieten konnten.

Unter gebührender Berücksichtigung der eingegangenen Sachbeiträge erstellte die Kongregation für den Klerus einen abschließenden Entwurf, der zuerst von einigen Konsultoren geprüft wurde und später gemäß dem Geist der Mitverantwortung und der Zusammenarbeit, den Art. 17 Pastor Bonus anmahnt, einigen Dikasterien der Römischen Kurie (Staatssekretariat, Kongregation für die katholische Glaubenslehre, Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kongregation für die Bischöfe, Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens, Kongregation für das katholische Bildungswesen, Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kongregation für die orientalischen Kirchen, Päpstlicher Rat für die Gesetzestexte) vorgelegt wurde.

Am Ende dieses Beratungsvorganges und unter Berücksichtigung der eingegangenen Vorschläge wurde ein definitiver Text erarbeitet, um ihn dem Heiligen Vater zur Approbation gemäß Art. 18 Pastor Bonus vorzulegen.

3. Merkmale und grundlegende Inhalte

Angefangen von der Zeit im Seminar wird der Ausbildungsweg der Priester in der vorliegenden Ratio Fundamentalis durch vier Merkmale als ständige, ganzheitliche, gemeinschaftliche und missionarische Formung beschrieben.

Die Ausbildung der Priester ist die Fortsetzung eines beständigen „Weges der Jüngerschaft“, der mit der Taufe beginnt, sich durch die anderen Sakramente der christlichen Initiation vervollkommnet, mit dem Eintritt in das Seminar eine zentrale Bedeutung im Leben erlangt und während des ganzen Lebens andauert.

Die Formung – Grundausbildung und ständige Fortbildung – ist in einem ganzheitlichen Sinn zu verstehen. Sie berücksichtigt die vier Dimensionen, die von Pastores dabo vobis vorgegeben werden. Zusammen bilden und strukturieren sie die Identität des Seminaristen und des Priesters und befähigen ihn zur „Selbsthingabe an die Kirche“, die der Inhalt der pastoralen Liebe ist. Die Ausbildung darf sich nicht mit nur einem Aspekt auf Kosten der anderen begnügen, sondern muss immer ein ganzheitlicher Weg des zum Priestertum berufenen Jüngers sein.

Diese Ausbildung hat von Anfang an einen eminent gemeinschaftlichen Charakter. Die Berufung zum Priestertum ist nämlich ein Geschenk, das Gott der Kirche und der Welt macht, ein Weg der persönlichen Heiligung und der Heiligung anderer, der nicht auf individualistische Weise bewältigt werden darf, sondern immer auf einen konkreten Teil des Volkes Gottes bezogen ist. Sie wird innerhalb einer Gemeinschaft entdeckt und angenommen, sie bildet sich im Seminar, im Kontext einer verschiedene Elemente des Volkes Gottes umfassenden Ausbildungsgemeinschaft, um den Seminaristen durch die Weihe zu befähigen, zur „Familie“ des Presbyteriums zu gehören und einer konkreten Gemeinschaft zu dienen. Auch hinsichtlich der Priester, die als Ausbilder tätig sind, will die vorliegende Ratio Fundamentalis hervorheben, dass diese sich im Hinblick auf die Wirksamkeit ihrer Arbeit als eine Ausbildungsgemeinschaft betrachten und als solche handeln müssen. Auch wenn sich ihre Kompetenzen und Zuständigkeiten unterscheiden, teilen sie nämlich miteinander eine Verantwortung.

Da der zum Priestertum erwählte Jünger aus der christlichen Gemeinschaft kommt und zu dieser zurückkehrt, um ihr zu dienen und sie als Hirte zu leiten, ist die Ausbildung selbstverständlich missionarisch geprägt. Ihr Ziel ist die Teilnahme an der einzigartigen Sendung in allen ihren Formen, die Christus seiner Kirche anvertraut hat, das heißt die Evangelisierung.

Im Grunde geht es darum, dass die Seminare missionarische Jünger ausbilden, die ihren Meister lieben, die Hirten „mit dem Geruch der Schafe“ sind, die mitten unter diesen leben, um ihnen zu dienen und ihnen die Barmherzigkeit Gottes zu bringen. Jeder Priester muss sich daher stets als ein Jünger fühlen, der auf dem Weg ist, der ständig einer ganzheitlichen Bildung bedarf, die als eine ständige Gleichgestaltung mit Christus zu begreifen ist.

Innerhalb dieser ständigen Bildung, die ganzheitlich und fortschreitend ist, gibt es zwei zu unterscheidende Abschnitte: den der Grundausbildung und den der ständigen Fortbildung. Die Grundausbildung wiederum wird in der vorliegenden Ratio Fundamentalis in verschiedene Phasen gegliedert: in die propädeutische, in die der philosophischen Studien oder der Jüngerschaft, in die der theologischen Studien oder der Gleichgestaltung und in die pastorale oder die Phase der Berufungssynthese.

Der so beschriebene Ausbildungsweg weist einige Entwicklungen hinsichtlich der Ratio Fundamentalis von 1970 auf. Die „propädeutische Phase“ hat eine spezifische Identität und bietet ein spezielles Ausbildungsangebot. Nach ihrer Erprobung und Prüfung und ihrer Einführung durch die Bischofssynode von 1990 (VIII. Generalversammlung) wird sie als notwendig und verpflichtend vorgestellt.

Die „Phase der Jüngerschaft“ und jene der „Gleichgestaltung“, die gewöhnlich als „Phase der philosophischen Studien“ und als „Phase der theologischen Studien“ bezeichnet werden, erstrecken sich über einen Zeitraum von sechs Jahren.[4] Unter anderem ist hervorzuheben, dass der intellektuelle Bereich, der die vorgesehenen philosophischen und theologischen Studien umfasst, nicht der einzige ist, der im Hinblick auf die Beurteilung des vom Seminaristen zurückgelegten Weges in jeder Phase und der erreichten Fortschritte zu berücksichtigen ist. Vielmehr gestattet die umfassende Prüfung durch die Ausbilder in Bezug auf alle Bereiche der Bildung den Übergang zur nächsten Etappe nur den Seminaristen, die über das Bestehen der vorgesehenen Prüfungen hinaus den von Mal zu Mal erwünschten Grad menschlicher und die Berufung betreffender Reife erreichen.

Schließlich will die „pastorale Phase“ beziehungsweise die der „Berufungssynthese“ jener Zeit eine besondere Bedeutung zumessen, die zwischen dem Ende der Ausbildung im Seminar und der Priesterweihe liegt, um im Kandidaten das angemessene Bewusstsein für sie zu fördern. Die Jüngerschaft und die Gleichgestaltung mit Christus betreffen selbstverständlich das ganze Leben. Die Bezeichnungen „Phase der Jüngerschaft“ und „Phase der Gleichgestaltung“ zielen lediglich darauf ab, in zwei Etappen der Grundausbildung folgenden Aspekten besondere Aufmerksamkeit zu widmen: dem Bewusstsein, ein Jünger zu sein, und der Notwendigkeit, die Berufung zum Dienst und das priesterliche Leben als eine ständige Gleichgestaltung mit Christus zu verstehen.

Die ständige Fortbildung kann naturgemäß nicht in im Voraus gestalteten „Phasen“ schematisch dargestellt werden. Daher sind nur Momente, Situationen und Hilfsmittel angegeben, die den Priestern und den mit der ständigen Fortbildung Beauftragten nützen können, um konkrete Initiativen zu realisieren und anzubieten.

Wie in der Vorgängerversion des Jahres 1970 findet sich in der vorliegenden Ratio Fundamentalis der Ordo studiorum (Studienordnung), der eine Liste der Fächer umfasst, die Teil des Studiums der Seminaristen in dessen verschiedenen Phasen und innerhalb der umfangreicheren intellektuellen Bildung sein müssen. Diese Ordnung muss in vollständiger Weise in Seminaren und in Bildungshäusern umgesetzt werden, die die Studienkurse, die für die propädeutische Phase und für die amtspezifischen Inhalte und für das sechsjährige philosophisch-theologische Studium vorgesehen sind, im eigenen Haus organisieren.

Der Text der vorliegenden Ratio Fundamentalis präsentiert Leitlinien verschiedener Art – theologischer, spiritueller, pädagogischer, kirchenrechtlicher – und echte und konkrete Normen, die sich auf die des kirchlichen Gesetzbuches beziehen und die Art und Weise genauer festlegen, die bei deren Anwendung zu beachten sind.[5] Ohne den verpflichtenden oder orientierenden Charakter eines jeden Abschnittes zu verdunkeln, werden die Leitlinien und die Normen im vorliegenden Dokument nicht in strenger Weise voneinander getrennt. Sie werden vielmehr in integrierter Weise dargelegt, um einen Text vorzulegen, der von verschiedenen Elementen und Beiträgen angereichert ist.

I. Allgemeine Normen

a) Anwendungsbereich

1. Die vorliegende Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis[6] gilt ohne Einschränkung in den Ländern, für die die Kongregation für den Klerus zuständig ist. Unter Berücksichtigung des Konzilsdekrets Ad gentes, Nr. 16, und des Art. 88 § 2 der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus wird sie jedoch nur teilweise in den Gebieten angewendet, für die die Kongregation für die Evangelisierung der Völker zuständig ist. Dieses Dikasterium hat nämlich die Aufgabe, „den Diözesanklerus“ gemäß den eigenen Bestimmungen und Normen „zu bilden“, doch ist die vorliegende Ratio in Bezug auf die „Studienordnung“ auch für jene Gebiete verpflichtend, die der Zuständigkeit der Kongregation für die Evangelisierung der Völker unterliegen. Was jene „Mitglieder [betrifft], die sich auf den Empfang der heiligen Weihen vorbereiten“[7] müssen darüber hinaus mit den gebührenden Anpassungen auch die Rationes jener Institute für das geweihte Leben und jener Gesellschaften für das Apostolische Leben den Normen der Ratio Fundamentalis angeglichen werden,[8] die von der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens, von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und von der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei abhängen; ebenso die Rationes der Klerikervereine, denen das Recht auf Inkardination gewährt wurde, die der Personalprälaturen, der Militärordinariate und der Personalordinariate.[9] Wenn daher auf die Zuständigkeiten des Ordinarius Bezug genommen wird, betreffen diese auch die höheren Oberen der klerikalen Institute des geweihten Lebens und der klerikalen Gesellschaften des Apostolischen Lebens päpstlichen Rechtes, es sei denn, dass gemäß Kontext nur vom Diözesanbischof die Rede ist.

Auf der Basis der Artt. 56 und 58 § 2 der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus wird die vorliegende Ratio Fundamentalis nicht auf die orientalischen katholischen Kirchen angewendet, für die die Kongregation für die orientalischen Kirchen zuständig ist. Ausgehend vom liturgischen, theologischen, spirituellen und disziplinären Eigengut müssen sie in dieser Materie ihre eigenen Normen erlassen.

Darüber hinaus ist klarzustellen, dass sie uneingeschränkt in den Ausbildungshäusern der Bewegungen und der neuen kirchlichen Gemeinschaften zusammen mit der Ratio Nationalis der Bischofskonferenz des Landes, in dem das Institut sich befindet, unter der Autorität des Diözesanbischofs angewendet wird. Was die akademischen Studien der Philosophie und der Theologie auf der Basis der kanonischen, kirchlichen und/oder zivilen Gesetzgebung und die theologischen Fakultäten angeht, ist hingegen die Kongregation für das katholische Bildungswesen zuständig,[10] der darüber hinaus die Sorge für die Verträge mit der zuständigen zivilen Autorität zukommt.

2. Die Kongregation für den Klerus, zu der das Päpstliche Werk für die Priesterberufe gehört,[11] „bringt die Sorge des Apostolischen Stuhls hinsichtlich der Formung derer, die zu den heiligen Weihen berufen sind, zum Ausdruck und setzt sie in die Tat um“; zu ihren Kompetenzen gehört es, „die Bischöfe [zu unterstützen], damit in ihren Kirchen mit größtmöglichem Einsatz die Berufungen zu den heiligen Diensten gepflegt werden und in den Seminaren eine solide Ausbildung sei es menschlich und spirituell, sei es die Lehre betreffend und pastoral“[12] angeboten wird.

Daher fördert die Kongregation für den Klerus die Berufungspastoral, besonders die Berufungen zu den heiligen Weihen, und bietet den Bischöfen und den Bischofskonferenzen Prinzipien und Normen für die Grundausbildung und die ständige Fortbildung der Kleriker an.

b) Ausarbeitung der Ratio Nationalis

3. Auf der Basis dieser Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis hat jede Bischofskonferenz eine eigene Ratio Nationalis auszuarbeiten. Gemäß Nr. 1 des Konzilsdekrets Optatam totius und can. 242 § 1 CIC muss sie von dieser Kongregation nach Konsultation der Kongregation für das katholische Bildungswesen, um die notwendige Harmonie und Abstimmung der Studienordnung und ihre Übereinstimmung mit jener der verschiedenen Länder zu gewährleisten, approbiert werden.

Sollte sich später die Notwendigkeit zeigen, die bereits approbierte Ratio Nationalis wegen überraschender und unerwarteter Entwicklungen zu modifizieren, kann der Text durch einen Antrag auf eine weitere Approbation bei der Kongregation für den Klerus geändert werden. Auf der Grundlage gereifter Erfahrungen oder angesichts zeitlich befristeter Approbation soll die Ratio Nationalis von der zuständigen Kommission der Bischofskonferenz wieder überprüft werden, um dann erneut diesem Dikasterium zur Approbation vorgelegt zu werden. Weitere Revisionen und notwendige Approbationen können und müssen periodisch durchgeführt und beantragt werden, wenn es der Bischofskonferenz notwendig erscheint oder wenn die Kongregation für den Klerus dies aus gerechtem Grund für angemessen hält.[13]

4. Das Recht und die Pflicht, die Ratio Nationalis Institutionis Sacerdotalis zu erarbeiten wie auch – sollte die Angemessenheit und der Nutzen erkannt werden – Besonderheiten innerhalb des Gebietes der Bischofskonferenz oder der Region zu approbieren, stehen den Bischofskonferenzen und nicht den einzelnen Bischöfen zu.[14]

Die Normen dieser Ratio sollen in allen diözesanen und interdiözesanen Seminaren des Landes beachtet werden.[15] Ihre spezifische Umsetzung soll in das Statut, in die Ordnung und in das Ausbildungsprogramm jedes Institutes einfließen.[16]

5. Um einen ständigen Dialog zwischen dem Heiligen Stuhl und den Teilkirchen als Zeichen der Nähe zu fördern und um Rat und Unterstützung zu erhalten, haben die interdiözesanen Seminare den Statuten gemäß periodisch einen Bericht über die Ausbildung an die Kongregation für den Klerus zu senden.

c) Verantwortung der Bischofskonferenzen

6. Unbeschadet der Autorität des Diözesanbischofs zielt die Ratio Nationalis darauf ab, die Priesterausbildung des Landes zu vereinheitlichen, um das Gespräch zwischen den Bischöfen und den Ausbildern zugunsten der Seminaristen und der Seminare zu erleichterten.[17]

7. Die Ratio Nationalis hat sich auf die Ausbildungsdimensionen, die vom vorliegenden Dokument für die Priesterkandidaten vorgesehen sind, so zu beziehen, dass diese sich ganzheitlich bilden können und gebührend vorbereitet sind, um die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen. Ebenso muss jede Ratio Nationalis die Phasen der Ausbildung und die Studienordnung, ihre Ziele und ihre Dauer gemäß den Normen des universalkirchlichen Rechts festlegen. Was die Ausbildungsinhalte im Hinblick auf das Priestertum angeht, muss die Ratio Nationalis die notwendige innere Einheitlichkeit des entsprechenden Landes gewährleisten sowie eventuell auch vorhandene kulturelle Verschiedenheiten berücksichtigen.

Jede Ratio Nationalis hat das, was in der Ratio Fundamentalis vorgesehen ist, auf ihre Situation zu übertragen und entsprechend anzupassen. Folgende Elemente muss sie immer enthalten:

a. eine wenigstens summarische Beschreibung des konkreten sozialen, kulturellen und kirchlichen Kontextes, in dem die künftigen Priester ihren Dienst ausüben werden;

b. eine Zusammenfassung eventueller Vereinbarungen, die von der Bischofskonferenz hinsichtlich der Organisation der Seminare des Landes getroffen wurden;

c. einige Hinweise zur Berufungspastoral und ihren Hilfsmitteln;

d. eine Darlegung der Phasen der Ausbildung im Kontext der Gegebenheiten des Landes;

e. eine Beschreibung der Mittel für die Anwendung der Ausbildungsdimensionen (menschlich, spirituell, intellektuell und pastoral);

f. die Ordnung für die propädeutischen, philosophischen und theologischen Studien, einschließlich der Darlegung der Lehrstoffe mit einigen Hinweisen hinsichtlich der Themen und der Inhalte, die in jedem Land zu behandeln sind, zusammen mit der Anzahl der für jede Disziplin notwendigen Kreditpunkte der Ausbildung.

8. Für die Ausarbeitung der Ratio Nationalis ist es notwendig, dass jede Bischofskonferenz die Merkmale und die spezifischen Erfordernisse des entsprechenden sozio-edukativen Umfeldes angemessen bedenkt. Darüber hinaus muss die Zusammenarbeit zwischen den in diesem Gebiet vorhandenen Teilkirchen durch das Bemühen gefördert werden, den lokalen Verhältnissen Aufmerksamkeit zu schenken, um das bestmögliche Ausbildungsangebot sowohl in den zahlenmäßig bedeutenden als auch in den kleineren Seminaren zu gewährleisten.

Gemäß dem klugen Urteil jeder Bischofskonferenz kann der Weg für die Ausarbeitung und für die Aktualisierung der Ratio Nationalis folgende Schritte aufweisen: Die Bischofskonferenz konsultiert durch eigens dazu Beauftragte die Seminare und, sofern es sie gibt, auch die nationale Organisation der Seminare. In einem zweiten Schritt vertraut sie der bischöflichen Kommission für den Klerus und für die Seminare die Ausarbeitung eines Entwurfes an. Schließlich muss sie im Sinne der Kollegialität und im Geist der Zusammenarbeit die Endfassung des Textes angehen.

d) Nationale und kontinentale Organisationen für die Seminare

9. Wo es die Umstände zulassen oder es solche Erfahrungen schon gibt, wird dazu ermutigt, überdiözesane Strukturen für die Seminare zu errichten. Solche Einrichtungen können nämlich eine nützliche Hilfe als Beratungsstellen für das Gespräch und die Zusammenarbeit unter den Ausbildern sein, die in verschiedenen Instituten arbeiten. Sie fördern die Analyse und eine homogenere Entwicklung der Ausbildungserfahrungen auf regionaler oder einen besseren Gedankenaustausch und eine bessere Diskussion auf internationaler Ebene.

Als Mitglieder solcher Einrichtungen werden die Ausbilder der verschiedenen Institute berufen. Es ist wichtig, dass diese Organisationen unter der Leitung der Kommission der Bischofskonferenz für den Klerus und die Seminare arbeiten. Im Geiste kirchlicher Gemeinschaft ist die Kongregation für den Klerus zuständig, eventuelle Institutionen auf universaler Ebene zu errichten. Den Bischofskonferenzen oder ihren verschiedenen Organisationsformen hingegen (beispielsweise dem Consejo Episcopal Latinoamericano [CELAM], dem Consilium Conferentiarium Episcoporum Europae [CCEE], der Federation of Asian Bishops’ Conferences [FABC] etc.) kommt nach Anhörung dieses Dikasteriums die Errichtung von in ihrem Gebiet wirkenden und kontinentalen Organisationen zu, indem sie deren Statuten unter Berücksichtigung der Kompetenzen der einzelnen Diözesanbischöfe und der Bischofskonferenzen approbieren.

Wie es schon in einigen Regionen geschieht, sollen solche Organisationen für ihre Zuständigkeitsbereiche Kurse für die Ausbilder und Studien zu Themen über die Berufung und die Priesterausbildung fördern, um deren Ergebnisse den betroffenen Bischofskonferenzen anzubieten.[18]

e) Seminarausbildungsprogramm

10. Der Diözesanbischof (oder die beteiligten Bischöfe im Falle eines interdiözesanen Seminars) hat unter Mitarbeit der Gemeinschaft der Seminarausbilder die Aufgabe, das Programm einer „ganzheitlichen Ausbildung“, auch „Itinerarium für die Ausbildung“ genannt, auszuarbeiten und unter Berücksichtigung der verschiedenen Phasen und des in ihm vorgeschlagenen pädagogischen Weges seine nachhaltige Anwendung zu fördern.[19] Unter Bezugnahme auf die Ratio Fundamentalis hat dieses Programm das Ziel, die Vorgaben der Ratio Nationalis und das sie inspirierende pädagogische Leitbild gemäß der Wirklichkeit und den Erfordernissen der Teilkirche unter Berücksichtigung der kulturellen Herkunft der Seminaristen, der Pastoral der Diözese und ihrer „Ausbildungstradition“ darzulegen.

II. Priesterliche Berufungen

a) Allgemeine Prinzipien

11. Die kirchlichen Berufungen sind Zeichen des unergründlichen Reichtums Christi (vgl. Eph 3,8). Damit sie sich entfalten und reifen können, müssen sie daher besonders beachtet und mit höchster Aufmerksamkeit und größtem Eifer gepflegt werden. Unter den vielfältigen Berufungen, die unentwegt vom Heiligen Geist im Volk Gottes erweckt werden, beruft die zum Priestertum des Dienstes „zur Teilhabe am hierarchischen Priestertum Christi“[20] und dazu, mit Ihm vereint, „die Kirche durch das Wort und die Gnade Gottes zu weiden“.[21] Diese Berufung zeigt sich in verschiedenartigen Umständen und in jedem Lebensalter: bei Jugendlichen, bei Erwachsenen und, wie die beständige Erfahrung der Kirche bezeugt, auch bei Kindern.

12. Die Berufung zum Priestertum des Dienstes fügt sich in den umfassenderen Kontext der Berufung aufgrund der Taufe ein. Das Volk Gottes, „das von Christus als Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit gestiftet wurde“, wird durch sie „[...] von ihm auch als Werkzeug der Erlösung angenommen und als Licht der Welt und Salz der Erde (vgl. Mt 5,13–16) in alle Welt gesandt“.[22]

13. Die Kirche hat die Sendung, „sich um das Entstehen, das Erkennen und die Begleitung von Berufungen, insbesondere der Berufungen zum Priestertum, zu kümmern“.[23] Da sie auf die Stimme Christi hört, der alle einlädt, den Herrn zu bitten, Arbeiter für die Ernte auszusenden (vgl. Mt 9,38; Lk 10,2), widmet sie den Berufungen zum gottgeweihten Leben und jenen zum Priestertum besondere Aufmerksamkeit. Es müssen daher in den einzelnen Diözesen, Regionen und Ländern Zentren für Berufungen gegründet und gefördert werden,[24] die in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Werk für Priesterberufe[25] die Aufgabe wahrnehmen, die gesamte Berufungspastoral durch die Bereitstellung der notwendigen Mittel zu fördern und auszurichten.[26]

Als Erstverantwortliche für die Berufungen zum Priestertum sollen die Bischöfe eine wirksame Zusammenarbeit zwischen Priestern, Gottgeweihten und Laien (vor allem Eltern und Pädagogen) und auch mit Gruppen, Bewegungen und christlichen Laienvereinen im Rahmen der Gesamtpastoral fördern.[27]

14. Es ist notwendig, die Initiativen, insbesondere das persönliche und gemeinschaftliche Gebet, zu unterstützen, die dazu dienen könnten, von Gott das Geschenk neuer Berufungen zu erhalten. Einige Anlässe des Kirchenjahres scheinen speziell für diesen Zweck geeignet zu sein. Es kommt der kirchlichen Autorität zu, das Datum einiger besonders bedeutsamer Feiern festzulegen. Der Papst legte vor geraumer Zeit die Feier des jährlichen Weltgebetstages für geistliche Berufe auf den 4. Ostersonntag, der Guter-Hirte-Sonntag genannt wird. Es ist darüber hinaus günstig, die Aktivitäten zu unterstützen, die ein geistliches Klima erzeugen, das die Prüfung und die Annahme der Priesterberufung vorbereitet.[28]

In diesem Sinn zielt die Berufungspastoral auf Menschen, die verschiedenen Altersgruppen angehören. Angesichts der wachsenden Zahl der Kandidaten reiferen Alters, die schon eine oder mehrere berufliche Erfahrungen gemacht haben,[29] besteht heutzutage die Notwendigkeit, gerade dieser Altersgruppe eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

15. Mit Großzügigkeit und kirchlichem Sinn sind nicht nur die Berufungen für den Dienst in der eigenen Diözese oder im eigenen Land zu fördern, sondern gemäß den Bedürfnissen der Gesamtkirche auch jene zugunsten anderer Teilkirchen. Es ist daher das göttliche Wirken zu unterstützen, das einige zum Priestertum des Dienstes in einer Teilkirche, andere zum Dienst in einem Institut des gottgeweihten Lebens oder in einer Gesellschaft des apostolischen Lebens, und andere sogar zur missio ad gentes beruft. In jeder Diözese soll es nur ein Zentrum für die Berufungspastoral geben, das Ausdruck der Zusammenarbeit und der Einheit des Diözesanklerus und jener Kleriker ist, die zu anderen kanonisch anerkannten kirchlichen Einrichtungen gehören.[30]

b) Kleine Seminare und andere Formen der Begleitung der Jugendlichen

16. Die Berufungspastoral zielt darauf ab, die Antwort auf den Ruf des Herrn im Inneren anzuerkennen und zu begleiten. Dieser Prozess muss das Wachstum der menschlichen und spirituellen Qualitäten der Person fördern und die Echtheit ihrer Motive prüfen. Aus diesen Gründen ist es in jeder Teilkirche unter Berücksichtigung der Umstände, der eigenen Mittel und der Erfahrungen angebracht, geeignete Institutionen für die Unterstützung und Prüfung der Berufungen zum Priestertum des Dienstes zu fördern. Dabei ist dem Alter und den besonderen Begleitumständen der Auszubildenden Rechnung zu tragen.

17. Das Kleine Seminar.[31] Der Kodex des kanonischen Rechtes schreibt vor: „Wo Kleine Seminare oder andere Einrichtungen dieser Art bestehen, sind sie beizubehalten und zu fördern; in diesen ist zur Förderung von Berufungen dafür zu sorgen, dass eine besondere religiöse Bildung in Verbindung mit einer geistes- und naturwissenschaftlichen Ausbildung vermittelt wird; wo es der Diözesanbischof für nützlich hält, hat er die Errichtung eines Kleinen Seminars oder einer ähnlichen Einrichtung zu veranlassen“.[32]

18. Das Ziel des Kleinen Seminars ist es, den menschlichen und den christlichen Reifungsprozess der Jugendlichen zu unterstützen,[33] die erkennen lassen, die Veranlagung der Berufung zum Priestertum des Dienstes in sich zu haben. Sie sollen entsprechend ihrem Alter jene innere Freiheit entwickeln, die sie fähig macht, auf den Plan Gottes in ihrem Leben zu antworten.

Wo dieser Dienst nicht in der institutionellen Form des Kleinen Seminars angeboten wird, soll jede Teilkirche auf jeden Fall die wichtige Aufgabe übernehmen, für die Begleitung der Jugendlichen Sorge zu tragen. Um ihr menschliches und spirituelles Wachstum zu unterstützen und ihm Richtung zu geben, sollen neue Herangehensweisen gefördert und kreative pastorale Formen erprobt werden. Unter anderem kann in diesem Zusammenhang auf Berufungsgruppen für Jugendliche, Berufungszentren, katholische Internate und andere Einrichtungen für Jugendliche verwiesen werden.[34]

19. In den Kleinen Seminaren sind die Begabungen des Jugendlichen und die spezifischen „Anzeichen für eine Berufung“ zu bedenken. Konkret können sich für die Beurteilung einige vorausgehende, das Glaubensleben der Jugendlichen prägende Erfahrungen, als sehr nützlich erweisen: beispielsweise die spirituelle Beziehung zu einem Priester, der häufige Empfang der Sakramente, eine beginnende Gebetspraxis, eine kirchliche Erfahrung in der Pfarrei oder in Gruppen, Bewegungen und Vereinen, die Teilnahme an den durch die Diözese geförderten Berufungsinitiativen und die Übernahme von Diensten im kirchlichen Umfeld des Jugendlichen. Darüber hinaus müssen einige menschliche Qualitäten berücksichtigt werden, die nach entsprechender Entwicklung den Jugendlichen beim Reifungsprozess der Berufung helfen können. Die Ausbilder haben folglich die Aufgabe, die umfassende Eignung (spirituell, physisch, psychisch, moralisch und intellektuell) möglicher Kandidaten zu prüfen.

20. Während des Berufungsweges im Kleinen Seminar soll das Wachstum der Person in altersgemäßer Weise und unter Berücksichtigung folgender Aspekte bedacht werden: der Aufrichtigkeit und der Treue gegenüber sich und den anderen; der voranschreitenden affektiven Entwicklung; der Veranlagung zum Leben in Gemeinschaft; der Fähigkeit, mitbrüderliche Freundschaften zu pflegen; des ausgeprägten Verantwortungsbewusstseins hinsichtlich persönlicher Pflichten und anvertrauter Aufgaben; der Kreativität und des Unternehmungsgeistes; des rechten Umgangs mit der Freiheit; der Bereitschaft zu einem Weg des Gebetes und der Begegnung mit Christus.

21. Durch die Erfahrung der Freundschaft mit Jesus sollen die Jugendlichen unterstützt durch das Gebet und die Kraft des Heiligen Geistes lernen, die Treue zum Herrn zu leben und zu entfalten, damit in ihnen reife: der demütige Dienst im Sinne einer Verfügbarkeit für die anderen und einer Aufmerksamkeit für das allgemeine Wohl; der Gehorsam, gelebt als vertrauendes Hören; die jugendliche Keuschheit als Zeichen der Klarheit in den Beziehungen und im Hinblick auf die Selbsthingabe; die Armut als Erziehung zur Genügsamkeit im Gebrauch der Güter und zu einem einfachen Leben.

Notwendiges Element dieser geistlichen Bildung ist vor allem das liturgische und sakramentale Leben, an dem die Jugendlichen mit einem stets lebendigeren Bewusstsein entsprechend ihrem Alter teilnehmen müssen. Dazu gehören auch die Verehrung Marias und andere tägliche oder regelmäßige geistliche Übungen, die sich festigen müssen, sowie die übrigen Aspekte in den Ordnungen eines jeden Seminars.

22. Die Jugendlichen erhalten die schulische Ausbildung, die für die Zulassung zu den universitären Studien in ihrem Land erforderlich ist.[35] Der Erwerb des staatlich anerkannten Schulabschlusses ist in jedem Fall erstrebenswert, damit ihnen, falls sie keinen Ruf zum Priestertum haben, die Möglichkeit offensteht, einen anderen Lebensstand zu wählen. Das Seminar sollte auch eine ergänzende Ausbildung, beispielsweise durch die Aufwertung kultureller, künstlerischer und sportlicher Aspekte etc., anbieten. Der Unterricht kann an den eigenen Schulen des Seminars, an nicht eigenen katholischen oder anderen Schulen erfolgen.

23. Angesichts der Bedeutung und der Notwendigkeit der Bildung in der Jugendzeit, in der die Reifung der Identität der Jugendlichen beginnt, ist es wichtig, dass sie von Ausbildern begleitet werden, die die Bedürfnisse ihres Alters verstehen und die gute Lehrer und Zeugen des Evangeliums sind. Die Ausbilder sollen mit den Eltern, die vor allem in dieser Phase eine grundlegende Rolle für den Wachstumsprozess ihrer Kinder haben, zusammenarbeiten und auf die Hilfe und die Nähe der Heimatpfarrei zurückgreifen können. Darüber hinaus sollen sie dafür sorgen, dass die Seminaristen angemessene und auch notwendige Kontakte zu ihren eigenen Familien und mit Gleichaltrigen pflegen, da sie diese Beziehungen für eine gesunde psychologische Entwicklung speziell in Bezug auf das Gefühlsleben brauchen.

c) Spätberufene

24. Diejenigen, die den Ruf zum Priestertum in einem fortgeschritteneren Alter entdecken, haben eine gereiftere Persönlichkeit und einen von verschiedenen Erfahrungen geprägten Lebenslauf. Am Anfang der Aufnahme dieser Personen ins Seminar bedarf es einer Zeit vor dem geistlichen und kirchlichen Weg, in der eine ernsthafte Prüfung der Gründe für die Berufung erfolgen kann.

Die Zeit, die zwischen der Taufe oder der christlichen Konversion und dem eventuellen Eintritt ins Seminar vergangen ist, ist sorgfältig zu beurteilen,[36] da nicht selten die Nachfolge Christi und der Ruf zum Priestertum des Dienstes verwechselt werden.

Wie die anderen Seminaristen sollen auch diese Kandidaten eine gute und ganzheitliche Formung erhalten, die im Umfeld eines gemeinschaftlichen Lebens eine solide geistliche und theologische Ausbildung[37] durch eine angemessene und ihre persönliche Eigenart berücksichtigende pädagogische und didaktische Methode gewährleistet. Die Bischofskonferenzen sind zuständig, spezifische, für ihre nationale Situation geeignete Normen zu erlassen. Sie sollen die Angemessenheit abwägen, eine Altersgrenze für die Zulassung der oben genannten Berufungen einzuführen und eventuell die Errichtung eines für sie eigens vorgesehenen Seminars erwägen.[38]

d) Berufungen aus indigener Bevölkerung

25. „Besondere Aufmerksamkeit soll den Berufungen unter der einheimischen Bevölkerung geschenkt werden, und es wäre gut, ihnen eine Ausbildung zukommen zu lassen, die sie nicht ihrer eigenen Kultur entfremdet. Diese Priesterkandidaten dürfen während ihrer theologischen und spirituellen Ausbildung die Wurzeln ihrer eigenen Kultur nicht verlieren“.[39] Die Existenz dieser Berufungen ist ein wichtiges Element für die Inkulturation des Evangeliums in diesen Regionen und der Reichtum ihrer Kultur muss angemessen gewürdigt werden. Sollte es notwendig sein, können – eingebettet in den Kontext der besonderen lokalen Kultur – Berufungshilfen in der Herkunftssprache angeboten werden.

e) Berufungen und Migranten

26. Ein sehr verbreitetes Phänomen betrifft die aus verschiedenen Gründen sozialer, ökonomischer, politischer und religiöser Natur wachsende Migration der Völker.[40] Es ist wichtig, dass die christliche Gemeinschaft die Familien der Migranten, die seit langem in einem anderen Land leben und arbeiten und eine wertvolle Bereicherung darstellen, seelsorglich betreut. Aus diesen können Berufungen zum Priestertum des Dienstes hervorgehen, die unter Berücksichtigung ihrer voranschreitenden kulturellen Integration zu begleiten sind.[41]

27. Andere, die sich vom Herrn dazu berufen fühlen, verlassen ihr Land, um anderswo eine Priesterausbildung zu erhalten. Es ist wichtig, ihre persönliche Geschichte und die des Umfeldes ihrer Herkunft zu bedenken und durch die unerlässliche Kontaktaufnahme mit der Ortskirche, aus der sie kommen, aufmerksam die Gründe für ihre Berufungswahl zu prüfen. Ohne die Herausforderung der kulturellen Verschiedenheit zu unterschätzen, die bisweilen die Prüfung der Berufung schwierig macht, müssen auf jeden Fall während des Ausbildungsprozesses die Methoden und die Hilfsmittel gefunden werden, die für eine angemessene Integration geeignet sind.

III. Grundlagen der Ausbildung

a) Subjekt der Ausbildung

28. Während der Ausbildung zum Priestertum des Dienstes ist der Seminarist auch sich selbst gegenüber gleichsam ein „Mysterium“. Zwei Aspekte seiner menschlichen Natur, die sich überschneiden und nebeneinander vorhanden sind, müssen miteinander integriert werden: einerseits ihre Gaben und Talente und ihre Formung durch die Gnade, andererseits ihre Grenzen und Schwächen. Die Bildungsaufgabe besteht darin, der Person zu helfen, diese Aspekte unter dem Einfluss des Heiligen Geistes auf einem Weg des Glaubens und der voranschreitenden, harmonischen Reifung aller Dimensionen unter Vermeidung von Fragmentierungen, Polarisierungen, Übertreibungen, Oberflächlichkeiten oder Unvollständigkeiten zu integrieren. Die Zeit der Ausbildung zum Priestertum des Dienstes ist eine Zeit der Probe, der Reifung und der Prüfung für den Seminaristen und die Ausbildungseinrichtung.

29. Der Seminarist ist aufgerufen, „aus sich selbst herauszugehen“,[42] um in Christus zum Vater und zu den anderen zu gehen. Er tut dies durch die Annahme des Rufes zum Priestertum und durch das Bemühen, mit dem Heiligen Geist zusammenzuarbeiten, um eine innere, unbeschwerte und schöpferische Synthese zwischen Kraft und Schwäche zu verwirklichen. Die Ausbildung hilft den Seminaristen, alle Aspekte ihrer Persönlichkeit in Christus zusammenzufassen, um sie bewusst Gott und den anderen zur Verfügung zu stellen.[43] Nur im gekreuzigten und auferstandenen Christus findet dieser Prozess der Integration Sinn und Vollendung. In Ihm wird alles vereint (vgl. Eph 1,10), damit „Gott [...] über alles und in allem [herrscht]“ (1 Kor 15,28).

b) Grundlage und Ziel der Ausbildung: die priesterliche Identität

30. Die ganzheitliche Ausbildung des Kandidaten verlangt, über die Identität des Priesters nachzudenken.[44] Eine erste Überlegung muss theologischer Natur sein, weil die Berufung zum Priestertum in Gott verwurzelt ist und seinen Daseinsgrund in Ihm findet, in seinem Plan der Liebe. Jesus verwirklicht den neuen Bund durch das Opfer seiner Selbst und seines Blutes. So bringt er das messianische Volk hervor, das „für das ganze Menschengeschlecht die unzerstörbare Keimzelle der Einheit, der Hoffnung und des Heils“[45] ist. Wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, muss die Natur und die Sendung der Priester im Innern der Kirche, als Volk Gottes, Leib Christi, und Tempel des Heiligen Geistes,[46] für deren Dienst sie ihr Leben weihen, verstanden werden.

31. Die ganze Gemeinschaft der Glaubenden ist durch die Salbung des Geistes als sichtbares Sakrament für das Heil der Welt eingesetzt. Das gesamte Volk Gottes nimmt nämlich am Erlösungswerk Christi teil,[47] indem es als priesterliches Volk ein „lebendiges, heiliges Opfer [...], das Gott gefällt“ (Röm 12,1), darbringt.[48] Die Einheit und die Würde der Berufung aufgrund der Taufe gehen allen Unterschieden, die sich aus dem priesterlichen Amt ergeben, voraus. Das II. Vatikanische Konzil unterstreicht: „Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: Das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil“.[49] Das Priesteramt wird also in Bezug auf seine spezifische Natur wie auch hinsichtlich seiner biblischen und theologischen Fundamente als Dienst zur Ehre Gottes und an den Gläubigen und ihrem Priestertum aus der Taufe verstanden.[50]

32. Jeder Glaubende ist vom Heiligen Geist gesalbt und nimmt aktiv und gemäß seinen Charismen an der Sendung der Kirche teil. Doch es ist auch wahr, dass „[der gleiche Herr], damit die Gläubigen zu einem Leib, in dem ,nicht alle Glieder denselben Dienst verrichtenʻ (Röm 12,4), zusammenwachsen, [...] einige von ihnen zu amtlichen Dienern eingesetzt [hat]. Sie sollten in der Gemeinde der Gläubigen heilige Weihevollmacht besitzen zur Darbringung des Opfers und zur Nachlassung der Sünden und das priesterliche Amt öffentlich vor den Menschen in Christi Namen verwalten“.[51] Das bedeutet, dass die Priester in Einheit mit dem Episkopat in untrennbarer Weise Teil der kirchlichen Gemeinschaft sind und zugleich eingesetzt sind, nach Christi Willen und in Kontinuität mit dem Werk der Apostel Hirten und Leiter zu sein. Daher „steht der Priester nicht nur in der Kirche, sondern auch der Kirche gegenüber “.[52]

33. Als Glied des heiligen Volkes Gottes ist der Priester gerufen, seinen missionarischen Elan durch die demütige Ausübung seiner pastoralen Aufgabe, nämlich glaubwürdig zu leiten, das Wort Gottes zu verkünden und die Sakramente zu spenden,[53] und durch die Verwirklichung einer fruchtbaren geistlichen Vaterschaft zu pflegen.

Daher sollen die zukünftigen Priester angeleitet werden, nicht dem „Klerikalismus“ zu verfallen und nicht der Versuchung nachzugeben, das eigene Leben auf die Suche nach populistischer Zustimmung zu gründen. Das würde sie für die Ausübung ihres Leitungsdienstes in der Gemeinschaft unweigerlich ungeeignet machen, da es sie dazu bringen würde, die Kirche als eine schlichte menschliche Institution zu betrachten.

34. Andererseits darf die Priesterweihe, die den Priester durch die Eingießung des Heiligen Geistes aufgrund der Handauflegung des Bischofs zum Leiter des Volkes gemacht hat, nicht dazu verleiten, „Beherrscher“ der Gemeinde (vgl. 1 Petr 5,3) zu sein: „Denn jede Autorität muss im Geiste des Dienstes ausgeübt werden, als ,amoris officiumʻ und uneigennützige Hingabe für das Wohl der Herde“.[54]

Abschließend sei festgehalten: Die priesterliche Berufung ist von Anfang an ein Geschenk der göttlichen Gnade, das in der sakramentalen Weihe konkrete Form annimmt. Durch die Vermittlung der Kirche, die im Namen Gottes ruft und sendet, nimmt dieses Geschenk im Laufe der Zeit Gestalt an. In paralleler Weise entfaltet sich die persönliche Antwort des Berufenen in einer Entwicklung, die mit der Erkenntnis beginnt, das Geschenk empfangen zu haben. Mit Hilfe der priesterlichen Spiritualität reift dieser Prozess schrittweise bis er eine feste Lebensform mit einem Bündel von Pflichten und Rechten und einer spezifischen Sendung des Geweihten wird.

c) Ausbildung als Gleichgestaltung mit Christus

35. Die Priester, die in ihrem Sein auf Christus als Haupt, Hirte, Diener und Bräutigam hin ausgerichtet sind,[55] nehmen als Mitarbeiter des Bischofs an seinem einzigartigen Priestertum in seiner rettenden Sendung teil. Auf diese Weise sind sie in der Kirche und in der Welt ein sichtbares Zeichen der barmherzigen Liebe des Vaters. Diese Merkmale der Person Christi tragen dazu bei, das Priestertum des Dienstes in der Kirche besser zu verstehen. Unter der Mitwirkung des Heiligen Geistes inspirieren sie die Ausbildung der Seminaristen und geben ihr eine Richtung, damit sie, eingefügt in das Mysterium des dreifaltigen Gottes, ihre Gleichgestaltung mit Christus erreichen.[56]

36. Der Brief an die Hebräer legt das Thema des Priestertums Christi als Ausdruck seiner Sendung unter den Menschen dar.[57] Die erste Eigenschaft, die Christus als wahren Hohepriester charakterisiert, ist seine besondere Nähe zu Gott und den Menschen.[58] Christus, der voll der Barmherzigkeit ist, ist der „heilig[e ...], unschuldig[e], makellos[e]“ (Hebr 7,26) Priester, der „fähig [ist ...], Verständnis aufzubringen“ (5,2) für alle unsere Schwachheiten, da er sich selbst „mit lautem Schreien und unter Tränen“ (5,7) geopfert hat. Er wird „für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils“ (5,9).

Als wahrer Gott und wahrer Mensch vollendete Christus in der Liebe das Vorausgehende: das Priestertum (vgl. Hebr 7,1–28), den Bund (vgl. 8,1–9,28), das Opfer (vgl. 10,1–18). In besonderer Weise ist das Opfer, das Christus als Priester dargebracht hat, etwas Neues: Er opferte nicht das Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern sein eigenes Blut, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Die Worte Jesu im Abendmahlsaal: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! [...] Dieser Kelch ist der ,Neue Bundʻ in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lk 22,19–20), erklären die „ spezifische Wechselseitigkeit zwischen der Eucharistie und dem Priestertum [...]: Es handelt sich um zwei gemeinsam geborene Sakramente, deren Los untrennbar bis ans Ende der Welt miteinander verbunden ist“.[59] So sind der Dienst und das Leben des Priesters wesentlich in der Eucharistie verwurzelt.

37. Wer sein Leben hingibt, ist wie der Gute Hirte,[60] der gekommen ist, die versprengten Schafe des Hauses Israel zu sammeln und sie auf die Weide des Königreiches Gottes zu führen (vgl. Mt 9,36 und 15,24; Joh 10,14–16). Mit diesem Bild, das in der Heilsgeschichte weit verbreitet ist, offenbart Christus, dass Gott der ist, der sammelt, begleitet, nachgeht und für seine Herde sorgt. Es scheint hier das Bild eines Gottes auf, der Hirte ist, der unser Leben bis zur Annahme unseres Leids und unseres Todes teilt.[61]

38. Jesus, der Sohn Gottes, nahm das Los des Sklaven bis zum Tod an (vgl. Phil 2,6–8). Vor dem Tod am Kreuz wusch Er die Füße der Jünger und bat sie, seinem Beispiel zu folgen (vgl. Joh 13,1–7). Besonders beeindruckend erscheint im vierten Gottesknechtslied des Propheten Jesaja (vgl. Jes 52,13–53,12) die Verbindung zwischen dem priesterlichen Dienst und der Sendung Christi. Der leidende Gottesknecht ist ein Vorausbild dessen, was Er zugunsten der Menschheit durch das barmherzige Mitleiden und Sterben bis zum Geschenk seines Lebens am Kreuz verwirklichen wird (vgl. Jes 53,4–8).

39. Die Priesterweihe erfordert, dass der, der sie empfangen hat, sich ganz hingibt für den Dienst am Volk Gottes nach dem Bild Christi des Bräutigams: „Das Sich-Schenken Christi an die Kirche als Frucht seiner Liebe ist gekennzeichnet von jener ursprünglichen Hingabe, die dem Bräutigam gegenüber der Braut eigen ist“.[62] Der Priester ist gerufen, in sich die Gesinnung und die Haltung Christi der Kirche gegenüber anzunehmen, die durch die Ausübung des Dienstes zärtlich geliebt wird. Daher wird von ihm erwartet, „fähig zu sein, das Volk zu lieben mit neuem, großem und reinem Herzen, mit echtem Abstand zu sich selbst, mit voller, ständiger und treuer Hingabe und zugleich mit einer Art göttlicher ,Eifersuchtʻ (vgl. 2 Kol 11,2), mit einer Zartheit, die sich sogar Nuancen der mütterlichen Liebe zu eigen macht“.[63]

40. Der Priester hat also den Auftrag, sich zu bilden, damit sein Herz und sein Leben mit dem Herrn Jesus im Einklang sind, um so ein Zeichen der Liebe Gottes für jeden Menschen zu werden. Innig vereint mit Christus, soll er unter Berücksichtigung der Erfordernisse und der tiefen Fragen unserer Zeit fähig sein: das Evangelium zu verkünden und ein Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes zu werden, zu leiten und zu korrigieren, einzutreten und für das geistliche Leben der ihm anvertrauten Gläubigen zu sorgen, zu hören und anzunehmen.[64]

d) Erziehung zur Innerlichkeit und zur Gemeinschaft

41. Die pastorale Sorge für die Gläubigen erfordert, dass der Priester eine solide Bildung und innere Reife hat. Er kann sich nicht darauf beschränken, eine „bloße Verkleidung tugendhafter Veranlagungen“, einen bloß äußeren und formalistischen Gehorsam gegenüber abstrakten Prinzipien zu zeigen. Er ist vielmehr gerufen, mit großer innerer Freiheit zu handeln. Von ihm wird erwartet, dass er Tag für Tag den Geist des Evangeliums dank einer beständigen und persönlichen freundschaftlichen Beziehung zu Christus verinnerlicht und seine Gesinnung und Haltung annimmt.

Durch das Wachstum in der Liebe soll daher der künftige Priester versuchen, eine ausgeglichene und reife Fähigkeit, mit dem Nächsten in Beziehung zu treten, zu entwickeln. Er ist zu jener tiefen menschlichen und geistlichen Unbeschwertheit gerufen,[65] die es ihm nach der Überwindung jeder Form von Geltungssucht und affektiver Abhängigkeit ermöglicht, ein Mensch der Gemeinschaft, der Sendung und des Dialogs zu sein;[66] ein Mensch zu sein, der fähig ist, sich durch die Betrachtung des Herrn, der sein Leben für die anderen anbietet, großzügig und opferbereit für das Volk Gottes hinzugeben.

42. Um sich nach dem Geist des Evangeliums zu bilden, braucht der innere Mensch eine aufmerksame und ständige Pflege des geistlichen Lebens. Sie muss vorrangig auf die Gemeinschaft mit Christus gemäß den im Jahreskreis gefeierten Mysterien gerichtet, vom persönlichen Gebet genährt und von der Betrachtung des Wortes Gottes inspiriert sein. Im persönlichen Gebet, das dem Seminaristen eine authentische Beziehung mit Christus eröffnet, wird er offen für das Wirken des Geistes, der ihn fortschreitend nach dem Bild des Meisters formt. In dieser innigen Beziehung zum Herrn und in der mitbrüderlichen Gemeinschaft sollen die Seminaristen begleitet werden, um „spirituelle Oberflächlichkeiten“ zu erkennen und zu korrigieren: die Obsession für das Äußere; überhebliche Sicherheit in Lehre und Disziplin; den Narzissmus und Autoritarismus; die Anmaßung, sich aufzudrängen; die bloß äußerliche und zur Schau gestellte Pflege der Liturgie; die Eitelkeit; den Individualismus; die Unfähigkeit, den anderen anzuhören, und jeden Karrierismus.[67] Hingegen sollen sie zur Einfachheit, zur Nüchternheit, zum sachlichen Dialog, zur Authentizität erzogen werden, und sie sollen wie Schüler in der Schule des Meisters lernen, pastorale Liebe zu leben und zu arbeiten, wie es „Diener[n] Christi [...] und [...] Verwalter[n] von Geheimnissen Gottes“ (1 Kor 4,1) entspricht.

43. Die Priesterausbildung ist ein Weg der Umwandlung, der das Herz und den Geist der Person erneuert, damit sie „prüfen und erkennen [... kann], was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist“ (Röm 12,2). Das voranschreitende innere Wachstum auf dem Weg der Ausbildung muss nämlich hauptsächlich darauf abzielen, den künftigen Priester zu einem „Mann der Unterscheidung“ zu machen, der fähig ist, die Wirklichkeit des menschlichen Lebens im Lichte des Geistes zu interpretieren und so dem göttlichen Willen gemäß zu wählen, zu entscheiden und zu handeln.

Der erste Bereich der Prüfung ist das persönliche Leben. Es geht darum, die eigene Geschichte und die eigene Lebenswirklichkeit in das geistliche Leben zu integrieren, damit die Berufung zum Priestertum nicht in einem abstrakten Ideal verschlossen bleibt, noch Gefahr läuft, sich am Gewissen der Person vorbei auf eine einfache Aktivität praktisch-organisatorischer Art zu reduzieren. Das eigene Leben auf den Prüfstand des Evangeliums stellen, bedeutet, täglich einen tiefen geistlichen Stil zu pflegen, um es so mit ganzer Verantwortung und mit wachsendem Vertrauen in Gott anzunehmen und durch die tägliche Erhebung des Herzens zu ihm zu deuten.[68]

Es handelt sich um eine demütige und beständige Arbeit an sich selbst, die über die Selbstbeobachtung hinausgeht. Durch sie öffnet sich der Priester ehrlich der Wahrheit des Lebens und den wirklichen Erfordernissen des Dienstes, da er lernt, auf das Gewissen zu hören, das die Bewegungen und die inneren Antriebe beurteilt, die sein Handeln motivieren. So lernt der Priester, sich in den geistlichen und geistigen Kräften der Seele und des Körpers zu beherrschen. Er bekommt ein Gespür dafür, was möglich ist, und dafür, was nicht angemessen und zu vermeiden ist. Er fängt an, seine Kraft, die Vorhaben, die Einsätze mit einer ausgeglichenen Selbstdisziplin und einer angemessenen Kenntnis der eigenen Grenzen und der eigenen Möglichkeiten einzuteilen. Diese Arbeit kann nicht in zufriedenstellender Weise geleistet werden, wenn der Hebel nur bei den eigenen menschlichen Kräften angesetzt wird. Sie besteht im Gegenteil wesentlich darin, das Geschenk der göttlichen Gnade anzunehmen, die fähig macht, sich selbst zu überwinden, über die eigenen Bedürfnisse und äußeren Einflüsse hinauszugehen, um in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben. Es geht um eine „innere Schau“ und um eine geistliche Gesamtschau, die das Ganze des Lebens und des Dienstes leitet. Sie lehrt, klug zu handeln und die Folgen des eigenen Verhaltens jenseits einiger Umstände abzuwägen, die ein klares Urteil über die Dinge erschweren.

Dieser Weg der Authentizität sich selbst gegenüber verlangt eine aufmerksame Pflege des Innenlebens durch das persönliche Gebet, die geistliche Leitung, den täglichen Kontakt mit dem Wort Gottes, die „sich dem Glauben verdankende Deutung“ des priesterlichen Lebens zusammen mit anderen Priestern und dem Bischof und durch alle Mittel, die geeignet sind, die Tugenden der Klugheit und des Urteils zu kultivieren. Auf diesem beständigen Weg der Prüfung soll der Priester die eigenen Beweggründe, Gaben, Bedürfnisse und Schwachheiten erkennen und verstehen lernen, um sich so „von allen ungeordneten Gemütsbewegungen zu befreien und nach deren Beseitigung den Willen Gottes in der Gestaltung des eigenen Lebens zugunsten des Heils der Seele zu suchen und zu finden“.[69]

e) Ausbildungsmittel

e.1. Persönliche Begleitung[70]

44. Die Seminaristen bedürfen auf den verschiedenen Etappen ihres Weges der persönlichen Begleitung der für die Ausbildung Verantwortlichen gemäß deren Rolle und Kompetenzen. Das Ziel der persönlichen Begleitung ist es, die Berufung zu prüfen und den missionarischen Jünger zu formen.

45. Im Verlauf der Ausbildung ist es bedeutsam, dass der Seminarist sich kennt und durch eine aufrichtige und transparente Beziehung zu den Ausbildern sich erkennen lässt.[71] Da die persönliche Begleitung die „docibilitas“ (Offenheit) gegenüber dem Heiligen Geist zum Ziel hat, ist sie ein unverzichtbares Mittel der Ausbildung.

46. Die Gespräche mit den Ausbildern müssen regelmäßig und häufig stattfinden. Auf diese Weise kann der Seminarist in der Offenheit gegenüber dem Wirken des Heiligen Geistes schrittweise Christus gleich werden. Diese Begleitung muss alle Aspekte der menschlichen Person umgreifen und zum Hören, zum Dialog, zum rechten Verständnis des Gehorsams und zur inneren Freiheit führen. Aufgabe aller Ausbilder ist es, im Rahmen ihrer Zuständigkeit dem Seminaristen zu helfen, sich durch das Offensein für das Wirken der Gnade seiner Lage, seiner Talente und auch seiner Schwächen bewusst zu werden.

47. Ein notwendiges Element im Verlauf der Begleitung ist das gegenseitige Vertrauen.[72] Im Ausbildungsprogramm müssen die konkreten Wege sorgfältig ausgewählt und dargelegt werden, auf denen dieses Vertrauen gefördert und bewahrt werden kann. Dies erfordert, insbesondere all jene Voraussetzungen, die in irgendeiner Weise ein gutes Klima des Vertrauens und der gegenseitigen Vertrautheit schaffen können, zu gewährleisten: mitbrüderliche Nähe, Einfühlsamkeit, Verständnis, Fähigkeit, zu hören und zu teilen, und vor allem ein stimmiges Lebenszeugnis.

48. Die Begleitung muss vom Beginn des Ausbildungsweges an und – wenn auch nach der Weihe in anderer Weise – während des ganzen Lebens erfolgen. Eine ernsthafte Prüfung der Berufung des Kandidaten von Anfang an verhindert, das Urteil über die Eignung zum priesterlichen Dienst in unnützer Weise aufzuschieben. Sie vermeidet es, einen Seminaristen an die Schwelle der Weihe zu führen, ohne sich der unabdingbaren und erforderlichen Voraussetzungen hierfür vergewissert zu haben.[73]

49. Der Ausbilder ist gerufen, die Vertraulichkeit in Bezug auf das Leben der Seminaristen zu wahren. Eine rechte Begleitung ist ausgeglichen und respektvoll gegenüber der Freiheit und dem Gewissen anderer und unterstützt sie in ihrem menschlichen und spirituellen Wachstum. Sie erfordert, dass jeder Erzieher fähig und menschlich,[74] geistlich,[75] pastoral und fachlich kompetent ist. Darüber hinaus bedürfen jene, die für die Ausbildung verantwortlich sind, einer spezifischen Vorbereitung[76] und einer großzügigen Hingabe für diese wichtige Aufgabe. Es bedarf der Ausbilder, die eine ständige Präsenz gewährleisten können und vor allem Zeugen der Liebe zum Volk Gottes und des Dienstes an ihm auf der Grundlage eines vorbehaltlosen Einsatzes für die Kirche sind.[77]

e.2. Begleitung durch die Gemeinschaft

50. Eine gesunde Pädagogik der Ausbildung muss die Erfahrungen und die Dynamik der Gruppe, der der Seminarist angehört, beachten. Das gemeinschaftliche Leben während der Jahre der Grundausbildung muss auf die einzelnen Personen einwirken, ihre Absichten reinigen und ihr Verhalten mit Blick auf die voranschreitende Gleichgestaltung mit Christus verändern. Die Ausbildung vollzieht sich täglich durch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Zeiten des Miteinanders und des Gesprächs, die zum Wachstum „jenes menschlichen Humus“ beitragen, in dem eine Berufung konkret wächst.

51. Dieses gemeinschaftliche Umfeld begünstigt die Beziehung mit dem Bischof, mit den Mitbrüdern des Presbyteriums und mit den Gläubigen. Die Erfahrung des gemeinschaftlichen Lebens ist ein wertvolles und unumgehbares Element in der Ausbildung jener, die künftig gerufen sind, eine echte geistliche Vaterschaft in den ihnen anvertrauten Gemeinden zu üben.[78] Jeder Kandidat, der sich auf den Dienst vorbereitet, ist gehalten, immer tiefer die Sehnsucht nach der Gemeinschaft zu spüren.[79]

Der Geist der Gemeinschaft basiert auf der Tatsache, dass die Kirche berufen ist, als ein von Christus zusammengerufenes Volk zu leben. Sie machte von Anfang an eine starke Erfahrung des gemeinschaftlichen Lebens.[80] Weiterhin ist zu bedenken, dass die Priester nach dem Empfang der Priesterweihe „[...] in inniger sakramentaler Bruderschaft miteinander verbunden [sind]. Besonders in der Diözese, deren Dienst sie unter dem eigenen Bischof zugewiesen werden, bilden sie das eine Presbyterium“.[81] Kraft seiner Weihe ist der Priester Teil einer Familie, in der der Bischof der Vater ist.[82]

52. In der Kirche, die das „Haus und [... die] Schule der Gemeinschaft“[83] ist und die „ihre Einheit aus der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ableitet“,[84] ist der Priester gerufen, „der Mann der Gemeinschaft“[85] zu sein. Daher müssen im Seminar die Beziehungen, die zwischen den Ausbildern und den Seminaristen und zwischen den Seminaristen selbst entstehen, durch Vaterschaft und Mitbrüderlichkeit geprägt sein.[86] Die Vaterschaft entsteht durch ein geistliches Wachstum, das ein ständiges Bemühen verlangt, die verschiedenen Formen des Egoismus zu überwinden. Eine mitbrüderliche Beziehung „kann nicht nur etwas sein, das dem Zufall, den günstigen Umständen überlassen wird “,[87] sondern ist vielmehr eine bewusste Wahl und eine beständige Herausforderung.

Die Seminargemeinschaft ist eine Familie, die von einem Klima charakterisiert wird, das die Freundschaft und die Mitbrüderlichkeit begünstigt. Diese Erfahrung hilft dem Seminaristen, die Bedürfnisse, die Dynamik und auch die Probleme der Familien, die seiner pastoralen Sorge anvertraut sein werden, später besser zu verstehen.[88] Unter diesem Gesichtspunkt ist es für die Seminargemeinschaft sehr vorteilhaft, für die Begegnung, beispielsweise mit Familien, Ordensleuten, Jugendlichen, Studenten und Armen, offen zu sein.

f) Ganzheitlichkeit der Ausbildung

53. Dank einer konstanten Jüngererfahrung ist die Ausbildung ein ganzheitlicher Prozess, der im Seminar beginnt, sich im priesterlichen Leben als ständige Fortbildung fortsetzt und stets der Aufmerksamkeit und der Sorge bedarf. Auch wenn „die Wirksamkeit der Ausbildung zum großen Teil von der [...] reifen und starken Persönlichkeit der Ausbilder ab[hängt]",[89] ist zu bedenken, dass zuerst der Seminarist – und dann der Priester – die "notwendige und unvertretbare Hauptperson der eigenen Ausbnildung“[90] ist.

IV. Grundausbildung und ständige Fortbildung

54. Nach der ersten notwendigen Prüfung der Berufung kann die Ausbildung im Sinne eines stetigen und ununterbrochenen Weges der Jüngerschaft und der Sendung[91] in zwei große Abschnitte eingeteilt werden: in die Grundausbildung im Seminar und die ständige Fortbildung im priesterlichen Leben.

55. Die Grundausbildung betrifft die Zeit vor der Priesterweihe, beginnend mit der propädeutischen Phase als unerlässlichem Bestandteil. Daher muss sie von Ausbildungsinhalten geprägt sein, die den Seminaristen auf das priesterliche Leben vorbereiten. Das erfordert eine geduldige und konsequente Arbeit an der für das Wirken des Heiligen Geistes offenen Person. Ihr Ziel ist die Bildung eines priesterlichen Herzens.

56. Die ständige Fortbildung ist eine unabdingbare Notwendigkeit im Leben und in der Ausübung des Dienstes eines jeden Priesters. Seine innere Haltung muss von einer dauernden Verfügbarkeit gegenüber Gottes Willen nach dem Beispiel Christi geprägt sein. Sie schließt eine fortwährende Bekehrung des Herzens ein, die Fähigkeit, das Leben und die Ereignisse im Lichte des Glaubens und vor allem der pastoralen Liebe durch eine völlige Selbsthingabe an die Kirche gemäß Gottes Plan zu verstehen.

In diesem Sinn wäre es oberflächlich und falsch, die ständige Fortbildung als eine bloß intellektuelle und pastorale „Aktualisierung“ der Grundausbildung im Seminar zu betrachten. Daher „ist es notwendig, dass vom Priesterseminar an die spätere Fortbildung grundgelegt und [...] der Sinn der künftigen Priester für dieses Anliegen geöffnet wird, indem ihre Notwendigkeit, ihre Vorteile und ihr Geist dargelegt sowie die Bedingungen für ihre Verwirklichung sichergestellt werden“.[92]

a) Ausbildungsphasen der Grundausbildung

57. Die Grundausbildung kann darüber hinaus in vier große Phasen eingeteilt werden: in die „propädeutische Phase“, in die „Phase der philosophischen Studien“ beziehungsweise der „Jüngerschaft“, in die „Phase der theologischen Studien“ beziehungsweise der „Gleichgestaltung“ und in die „pastorale Phase“ beziehungsweise die der „Berufungssynthese“. Ihre Merkmale werden im Folgenden detailliert dargelegt. Die Jüngerschaft währt das ganze Leben. Sie ist von der anhaltenden Sehnsucht geprägt, sich mit Christus „gleich zu gestalten“, um den pastoralen Dienst auszuüben. Es handelt sich in der Tat um Dimensionen, die beständig auf dem Weg eines jeden Seminaristen vorhanden sind. Auf jede wird schrittweise im Verlauf des Ausbildungsweges eine gesteigerte Aufmerksamkeit gelegt, ohne jedoch die anderen zu vernachlässigen.

58. Am Ende einer jeden Phase ist es wichtig zu prüfen, ob die jeweiligen Ziele dieser besonderen Ausbildungsetappe unter Berücksichtigung der periodischen Beurteilungen, die die Ausbilder vorzugsweise einmal im Semester oder wenigstens einmal im Jahr schriftlich ausarbeiten, erreicht wurden. Das Erreichen der Ausbildungsziele muss nicht notwendigerweise an die im Seminar verbrachte Zeit und vor allem nicht an die abgeschlossenen Studien gebunden sein. Es ist daher zu vermeiden, nur wegen des Aufeinanderfolgens von in zeitlicher Abfolge gesetzten und zuvor festgelegten Schritten, gleichsam „automatisch“, unabhängig von den wirklich in einer umfassenden und ganzheitlichen Reifung erreichten Fortschritten, zum Priestertum zu gelangen. Die Weihe ist nämlich das Ziel eines geistlichen, wirklich vollendeten Weges, der den Seminaristen Schritt für Schritt unterstützt, sich des empfangenen Rufes und der der priesterlichen Identität eigenen Merkmale bewusst zu werden, um ihm zu ermöglichen, die notwendige menschliche, christliche und priesterliche Reife zu erlangen.

Von den Ausbildern wird in der periodischen und umfassenden Beurteilung der Seminaristen Kohärenz und Objektivität unter Berücksichtigung der vier Ausbildungsdimensionen des V. Kapitels erwartet. Der Seminarist hingegen muss offen sein, ständig das eigene Leben überprüfen und die mitbrüderliche Zurechtweisung annehmen, um immer besser auf die Impulse der Gnade zu antworten.

a.1. Propädeutische Phase

59. Im Lichte der Erfahrung der letzten Jahrzehnte[93] wurde die Notwendigkeit erkannt, eine gewisse Zeit – gewöhnlich nicht weniger als ein Jahr und nicht mehr als zwei Jahre – angesichts der folgenden Priesterausbildung oder aber der Entscheidung für einen anderen Lebensweg gänzlich einer vorbereitenden Einführung zu widmen.

Das Propädeutikum ist eine unabdingbare Ausbildungsphase eigener Art. Das Hauptziel besteht darin, solide Fundamente für das spirituelle Leben zu legen und eine tiefere Selbstkenntnis durch das persönliche Wachstum zu begünstigen. Am Beginn und zugunsten der Reifung des spirituellen Lebens müssen die Seminaristen vor allem in das Gebet durch das sakramentale Leben, das Stundengebet, die Vertrautheit mit dem Wort Gottes, das als Seele und Führer des Weges betrachtet werden muss, durch die Stille, das stille Gebet und die geistliche Lesung eingeführt werden. Darüber hinaus ist diese Zeit geeignet, den Inhalt des christlichen Glaubens durch das Studium des Katechismus der Katholischen Kirche im Sinne einer ersten Hinführung und Synthese kennenzulernen und die Selbsthingabe durch pfarrliche und karitative Erfahrungen zu fördern. Schließlich ist die propädeutische Phase für eine eventuelle Vervollständigung der intellektuellen Bildung nützlich.

Die Studien der propädeutischen Phase unterscheiden sich deutlich von den philosophischen Studien.

60. Die propädeutische Phase kann je nach Kulturen und Erfahrungen der Teilkirchen unterschiedlich sein. Es muss sich jedoch um eine wirkliche und geeignete Zeit der Prüfung der Berufung handeln, die im Rahmen eines gemeinschaftlichen Lebens verbracht wird, und um eine „Hinführung“ auf die folgenden Phasen der Grundausbildung.

Es ist wichtig, in der Unterweisung den Gesichtspunkt der Gemeinschaft mit dem eigenen Bischof, mit dem Presbyterium und mit der ganzen Teilkirche zu betonen. Dies ist auch deswegen bedeutsam, weil vor allem heute nicht wenige Berufungen aus verschiedenen Gruppen und Bewegungen kommen und tiefere Bindungen zu der Diözese entwickeln müssen.[94]

Die propädeutische Phase soll in einer Gemeinschaft gelebt werden, die sich von der des Großen Seminars unterscheidet, und – wenn möglich – auch eigene Räumlichkeiten hat. Es ist also eine propädeutische Phase einzurichten, die mit eigenen Ausbildern ausgestattet ist und die auf eine gute menschliche und christliche Ausbildung und auf eine ernsthafte Auswahl der Kandidaten für das Große Seminar zielt.[95]

a.2. Phase der philosophischen Studien (oder der Jüngerschaft)

61. Der Begriff der Jüngerschaft. Der Jünger ist der, der vom Herrn berufen ist, bei Ihm zu sein (vgl. Mk 3,14), ihm zu folgen und ein Verkünder des Evangeliums zu werden. Durch eine tiefe Beziehung zu Jesus lernt er, jeden Tag in die Geheimnisse des Reiches Gottes einzudringen. Das Leben mit Christus wird ein pädagogisch-spiritueller Weg, der die Existenz umwandelt und der zum Zeugen Seiner Liebe in der Welt macht.

62. Die Erfahrung und die Dynamik der Jüngerschaft, die – wie bereits angemerkt – das ganze Leben hindurch dauert und die ganze priesterliche Bildung umfasst, erfordert pädagogisch eine spezifische Phase. In ihr werden alle vorhandenen Energien investiert, um den Seminaristen in der Nachfolge Christi durch das Hören Seines Wortes, durch dessen Bewahrung im Herzen und dessen Praxis zu verwurzeln. Diese besondere Zeit ist von der Ausbildung des Jüngers Jesu zum Hirten mit spezieller Aufmerksamkeit hinsichtlich der menschlichen Dimension und im Einklang mit dem spirituellen Wachstum geprägt. Sie hilft dem Seminaristen, die endgültige Entscheidung, dem Herrn im Priestertum des Dienstes zu folgen, durch die Annahme der evangelischen Räte gemäß den dieser Etappe eigenen Bedingungen reifen zu lassen.

63. Während sie auf die Phase der theologischen Studien oder die Phase der Gleichgestaltung vorbereitet und auf die endgültige Entscheidung für das Priestertum ausrichtet, erlaubt diese Phase in der Offenheit für den Heiligen Geist eine systematische Arbeit an der Persönlichkeit des Seminaristen. Die Bedeutung der menschlichen Formung in der Priesterausbildung kann nie genug betont werden. Die Heiligkeit eines Priesters fügt sich in sie ein und hängt großenteils von der Echtheit und Reife seines Menschseins ab. Das Fehlen einer gut strukturierten und ausgewogenen Persönlichkeit stellt ein ernsthaftes und objektives Hindernis für die Fortsetzung der Priesterausbildung dar.

Daher sollen sich die Seminaristen daran gewöhnen, sich zu beherrschen und in der Festigkeit der Absicht zu wachsen. Generell sollen sie die menschlichen Tugenden wie „ Aufrichtigkeit, wacher Gerechtigkeitssinn, Zuverlässigkeit in Bezug auf Versprechen, gute Umgangsformen, Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit im Gespräch“[96] lernen, die sie zu einem lebendigen Abglanz der Menschheit Jesu und zu einer Brücke zwischen Gott und Mensch machen. Um eine solide physische, psychoaffektive und soziale Reife zu erreichen, die von einem Hirten erwartet wird, ist die physische und sportliche Ertüchtigung und auch die Erziehung zu einem ausgewogenen Lebensstil eine nützliche Hilfe. Über die wichtige Begleitung durch die Ausbilder und den Spiritual hinaus und um die fundamentalen Aspekte der Persönlichkeit zu integrieren, könnte in manchen Fällen eine spezifische psychologische Begleitung hilfreich sein.

Dieser Ausbildungsprozess zielt darauf ab, die Person auf die Wahrheit des eigenen Seins, auf die Freiheit und die Selbstbeherrschung hin zu erziehen, die auf die Überwindung der verschiedenen Formen des Individualismus sowie auf die aufrichtige Selbsthingabe gerichtet sind, die zu einer großzügigen Hingabe an die anderen öffnet.

64. Die menschliche Reifung wird durch das Wirken der Gnade, die das Wachstum des spirituellen Lebens orientiert, geweckt und gefördert. Dieses spirituelle Leben befähigt den Seminaristen, in der Gegenwart Gottes in einer betenden Haltung zu leben. Es basiert auf seiner persönlichen Beziehung zu Christus, die die Identität der Jüngerschaft festigt.

65. Es handelt sich um einen Weg der Umwandlung, der die ganze Gemeinschaft involviert. Durch die spezifische Unterstützung seitens der Ausbilder und besonders des Spirituals wird ein pädagogischer Weg angeboten, der den Kandidaten in seinem Wachstum unterstützt und ihm hilft, sich seiner Armut und zugleich der Notwendigkeit der Gnade Gottes und der mitbrüderlichen Zurechtweisung bewusst zu werden.

66. Die Dauer dieser Phase, die nicht kürzer als zwei Jahre sein darf, soll ausreichend Zeit umfassen, um ihre Ziele zu erreichen und gleichzeitig die notwendige Kenntnis der Philosophie und der Humanwissenschaften zu erlangen. Sie muss richtig zur Geltung kommen und in ihren spezifischen Zielen verstanden werden. Sie darf nicht einfach nur als ein „verpflichtender Abschnitt“ betrachtet werden, um die theologischen Studien zu erreichen.

67. Am Ende der Phase der philosophischen Studien oder der Jüngerschaft sollte der Seminarist nach Erlangung einer angemessenen Freiheit und inneren Reife gut vorbereitet sein, um mit Ruhe und Freude den Weg der tieferen Gleichgestaltung mit Christus in der priesterlichen Berufung zu beginnen. Nach dieser Etappe ist die Zulassung des Seminaristen zu den Weihekandidaten (petitio oder Kandidatur etc.) möglich, wenn feststeht, dass sein Vorhaben, unterstützt durch die erforderlichen Gaben, eine ausreichende Reife erreicht hat.[97] Die Kirche ihrerseits, die die Selbsthingabe des Seminaristen annimmt, wählt ihn und ruft ihn, damit er sich vorbereitet, später die heilige Weihe zu erhalten. Unter der Voraussetzung einer verantwortlichen Entscheidung des Seminaristen ist die Zulassung zu den Weihekandidaten für ihn die Einladung, seine Ausbildung in der Gleichgestaltung mit Christus, dem Hirten, mit einer formalen Anerkennung vonseiten der Kirche fortzusetzen.

a.3. Phase der theologischen Studien (oder der Gleichgestaltung)

68. Der Begriff der Gleichgestaltung. Wie schon gesagt, ist vom Augenblick seiner Berufung an der ganze Weg eines Priesters eine ständige Formung: jene der Jüngerschaft Jesu, die offen ist für das Wirken des Heiligen Geistes zugunsten des Dienstes in der Kirche. Die Pädagogik der Grundausbildung in den ersten Jahren im Seminar zielte vor allem darauf, den Kandidaten in die Nachfolge Christi eintreten zu lassen. Am Ende dieser Etappe der sogenannten Phase der Jüngerschaft richtet sich die Ausbildung auf die Gleichgestaltung des Seminaristen mit Christus, des Hirten und Dieners. Vereint mit Ihm, soll sein Leben zu einem Geschenk seiner Selbst für die anderen werden.

Diese Gleichgestaltung erfordert einen tiefen Zugang zur Betrachtung der Person Christi, des geliebten Sohnes des Vaters, der als Hirte des Volkes Gottes gesandt ist. Sie macht die Beziehung zu Christus inniger und persönlicher und zugleich begünstigt sie die Kenntnis und die Annahme der priesterlichen Identität.

69. Die Phase der theologischen Studien oder der Gleichgestaltung ist in besonderer Weise auf die Formung der priesterlichen Spiritualität gerichtet. So wird die voranschreitende Gleichgestaltung mit Christus eine Erfahrung, die im Leben des Jüngers die Gesinnung und das Verhalten des Sohnes Gottes weckt und fördert. Zugleich führt sie zu einem Verstehen des priesterlichen Lebens, das von dem Wunsch beseelt und von der Fähigkeit getragen wird, sich selbst in die pastorale Sorge für das Volk Gottes einzubringen. Diese Etappe ermöglicht die schrittweise Verwurzelung in die Gestalt des Guten Hirten, der seine Schafe kennt, der für sie das Leben gibt[98] und die Schafe sucht, die außerhalb des Schafstalls sind (vgl. Joh 10,14–17).

Diese Phase ist anspruchsvoll und stellt eine echte Herausforderung dar. Die Kardinaltugenden, die theologischen Tugenden und die evangelischen Räte müssen beständig und verantwortungsvoll gelebt werden;[99] in gleicher Weise gilt es, gemäß einer typisch priesterlichen und missionarischen Sichtweise offen zu sein für das Wirken Gottes durch die Gaben des Heiligen Geistes; ebenso bedarf es einer schrittweisen Neuinterpretation der eigenen Lebensgeschichte gemäß einem schlüssigen Profil pastoraler Liebe, das das Leben des Priesters beseelt, formt und begründet.[100]


70. Der für die Gleichgestaltung mit Christus, dem Diener und Hirten, charakteristische besondere Einsatz kann mit dem Studium der Theologie einhergehen, ohne dass dieses die ganze Dynamik und den ganzen Inhalt dieser Phase ausschöpft. Konkret müsste ein fruchtbares und harmonisches Wechselspiel zwischen menschlicher und spiritueller Reife und zwischen Gebetsleben und theologischem Verstehen gewährleistet sein.

71. Unter dem Gesichtspunkt und im Hinblick auf den Dienst in einer Teilkirche sind die Seminaristen gerufen, sich die Spiritualität des Diözesanpriesters anzueignen. Sie ist von der selbstlosen Hingabe als Hirte und Diener für alle in einem bestimmten Kontext (vgl. 1 Kor 9,19) an die Inkardinationsdiözese oder an jene des Dienstortes geprägt. Diese diözesane Zugehörigkeit betrifft im Sinne einer Bindung an die Teilkirche in besonderer Weise den Diözesanklerus, geht jedoch – freilich unter Berücksichtigung des Charismas eines jeden – unterschiedslos alle Priester an, die in dieser den Dienst ausüben. Das bedeutet auch, in Gemeinschaft mit dem Bischof und den priesterlichen Mitbrüdern die eigene Art und Weise des Wahrnehmens und des Handelns zum Wohl eines Teiles des Volkes Gottes zu gestalten.[101]

Diese absolut notwendige Liebe zu der Diözese kann auf nützliche Weise durch andere Charismen angereichert werden, die durch das Wirken des Heiligen Geistes geweckt werden. Zugleich schließt das durch die heilige Weihe erhaltene Geschenk des Priestertums die Hingabe an die gesamte Kirche ein und öffnet es für die Sendung des Heils, das auf alle Menschen bis an die Enden der Erde gerichtet ist (vgl. Apg 1,8).[102]

72. Im Verlauf dieser Phase werden entsprechend dem Reifungsprozess eines jeden Kandidaten, und falls es im Rahmen der Ausbildung zweckmäßig erscheint, den Seminaristen die Dienste des Lektors und des Akolythen übertragen, um diese eine angemessene Zeit lang ausüben und sich besser auf den künftigen Dienst am Wort und am Altar vorbereiten zu können.[103] Das Lektorat ist für den Seminaristen die „Herausforderung“, sich durch das Wort Gottes, das der Gegenstand seines Gebetes und seines Studiums ist, formen zu lassen. Die Übertragung des Akolythats schließt eine tiefere Teilnahme am Geheimnis Christi ein, der sich schenkt und in der Eucharistie, in der versammelten Gemeinde und im Nächsten gegenwärtig ist.

Daher ermöglichen die beiden Dienste zusammen mit einer angemessenen spirituellen Vorbereitung, intensiver das zu leben, was in der Phase der Gleichgestaltung erwartet wird. Innerhalb dieser ist es deshalb angebracht, den Lektoren und den Akolythen konkrete Möglichkeiten anzubieten, um die empfangenen Dienste nicht nur im Umkreis der Liturgie, sondern auch in der Katechese, in der Evangelisierung und im Dienst am Nächsten auszuüben.

Eine angemessene Begleitung könnte zeigen, dass der Ruf, den ein Jugendlicher meinte, erhalten zu haben, obwohl er im Verlauf der ersten Phase eventuell anerkannt wurde, in Wirklichkeit nicht eine Berufung zum Priestertum des Dienstes ist oder nicht angemessenen gefördert wurde. In diesem Fall soll der Seminarist aus eigener Initiative oder infolge einer entsprechenden Intervention vonseiten der Ausbilder den Weg der Ausbildung zur Priesterweihe unterbrechen.

73. Die Phase der theologischen Studien oder der Gleichgestaltung ist auf den Empfang der heiligen Weihe ausgerichtet. An ihrem Ende oder während der folgenden Etappe erbittet und empfängt der Seminarist die Diakonenweihe, wenn er nach Anhörung der Ausbilder gemäß dem Urteil des Bischofs für geeignet gehalten wird. Durch sie wird er mit den damit verbundenen Pflichten und Rechten unter die Kleriker aufgenommen und „einer Teilkirche oder einer Personalprälatur oder einem Institut des geweihten Lebens oder einer Gesellschaft“[104] oder einem hierzu befugten Verein oder Ordinariat inkardiniert.

a.4.Pastorale Phase (oder der Berufungssynthese)

74. Die pastorale Phase (oder der Berufungssynthese) umfasst den Zeitraum zwischen dem Aufenthalt im Seminar und der folgenden Priesterweihe, selbstverständlich einschließlich des vorausgehenden Empfangs des Diakonats. Diese Etappe hat ein zweifaches Ziel: Einerseits geht es um die Einführung in das pastorale Leben durch eine schrittweise Übernahme von Verantwortung im Geist des Dienens; andererseits um eine passende Vorbereitung im Rahmen einer spezifischen Begleitung auf die Priesterweihe. In dieser Phase ist der Kandidat nach dem Empfang der Diakonenweihe eingeladen, in freier, bewusster und endgültiger Weise seinen Willen, Priester zu sein, zu erklären.[105]

75. In den Teilkirchen gibt es diesbezüglich eine große Bandbreite an Erfahrungen. Es kommt den Bischofskonferenzen zu, die Ausbildungsgänge zur Vorbereitung auf die Diakonen- und Priesterweihe festzulegen. Gewöhnlich findet wenigstens ein beträchtlicher Teil dieser Phase außerhalb des Seminars statt. Diese Zeit, die im Normalfall im Dienste einer Gemeinschaft verbracht wird, kann die Persönlichkeit eines Kandidaten in erheblicher Weise beeinflussen. Daher sollen der Pfarrer oder ein anderer Verantwortlicher der den Seminaristen aufnehmenden pastoralen Einheit sich der ihm anvertrauten Ausbildungsaufgabe bewusst sein und ihn bei der schrittweisen Einführung begleiten.

76. Der Ordinarius teilt in Absprache mit dem Rektor des Ausbildungsseminars unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Presbyteriums und der angebotenen Ausbildungsplätze jedem Seminaristen eine Gemeinschaft zu, in der er seinen pastoralen Dienst leisten kann.[106] Die Dauer dieser Ausbildungsetappe ist variabel und hängt von der tatsächlichen Reife und der Eignung des Kandidaten ab. Dennoch ist es notwendig, wenigstens die kanonischen Fristen einzuhalten, die zwischen dem Empfang des Diakonats und des Presbyterats festgelegt sind.[107]

77. Die Diakonen- und die Priesterweihe. Am Ende des Ausbildungszyklus des Seminars müssen die Ausbilder dem Kandidaten helfen, bereitwillig die Entscheidung anzunehmen, die der Bischof im Hinblick auf ihn verkündet.[108]

Diejenigen, die die heilige Weihe empfangen, bedürfen einer passenden Vorbereitung vor allem geistlichen Charakters.[109] Der Geist des Gebetes, der auf die Beziehung zu Jesus gründet, und die Begegnung mit beispielhaften priesterlichen Persönlichkeiten sollen die ausdauernde Betrachtung der Weiheriten begleiten, die in den Gebeten und in den liturgischen Handlungen die tiefe Bedeutung des Sakramentes der Weihe in der Kirche zusammenfassen und ausdrücken.

78. Eine intensive Zeit der Vorbereitung sollten auch die Familie und die ganze Pfarrei des Weihekandidaten erleben. Allerdings soll die spezifische Vorbereitung auf das Diakonat von jener im Hinblick auf das Presbyterat klar getrennt werden, da es sich um zwei sehr verschiedene Momente handelt. Wenn nicht schwerwiegende Gründe dazu veranlassen, anders zu entscheiden, ist es daher angemessen, Diakonenweihen (die der nicht ständigen und die der ständigen Diakone) und Priesterweihen nicht in derselben Zelebration zusammenzulegen, um jedem Geschehen die schuldige und besondere Aufmerksamkeit zu schenken und das Verständnis durch die Gläubigen zu erleichtern.

79. Verbindung zur ständigen Fortbildung. Nach der Priesterweihe geht der Ausbildungsprozess innerhalb der Familie des Presbyteriums weiter. Unterstützt von den Mitarbeitern ist der Bischof zuständig, die Priester in die ständige Fortbildung einzuführen.[110]

b) Ständige Fortbildung

80. Der Ausdruck „ständige Fortbildung“[111] erinnert an den Gedanken, dass die fortwährende Erfahrung der Jüngerschaft derer, die zum Priestertum gerufen sind, niemals endet. Der Priester „lernt Christus nicht nur kennen“, sondern befindet sich unter dem Wirken des Heiligen Geistes innerhalb eines Prozesses gradueller und kontinuierlicher Gleichgestaltung mit Ihm im Sein und im Handeln, was eine dauernde Herausforderung für das innere Wachstum der Person darstellt.[112]

Die „Flamme“, die der Ausübung des Dienstes Licht und Wärme spendet, ist beständig durch den Hinweis zu nähren, dass "Seele und Grundgestalt dieser Fortbildung [...] die pastorale Liebe [ist]".[113]

81. Die priesterliche Fortbildung zielt auf die Sicherung der Treue zum priesterlichen Dienst auf einem Weg beständiger Bekehrung, um das Geschenk aus der Weihe neu zu beleben.[114] Dieser Weg ist die natürliche Weiterführung des Prozesses der priesterlichen Identitätsbildung – begonnen im Seminar und sakramental vollendet durch die Priesterweihe – im Hinblick auf einen pastoralen Dienst, der sie im Laufe der Zeit reifen lässt.[115]

82. Es ist wichtig, dass die Gläubigen Priestern begegnen können, die angemessen reif und gebildet sind. „Diese [...] Verpflichtung geht einher mit einem ausdrücklichen Recht der Gläubigen, denen die Früchte der guten Ausbildung und Heiligkeit der Priester zugutekommen“.[116] Angesichts der Tatsache, dass der erste und wichtigste Verantwortliche der eigenen Fortbildung der Priester selbst ist, muss die ständige Fortbildung konkret sein, das heißt verankert in der priesterlichen Welt, so dass alle Priester sie tatsächlich annehmen können.[117]

Das erste Umfeld der ständigen Fortbildung bilden die priesterlichen Mitbrüder. Sie soll in jeder Diözese von einem Priester oder von einer Gruppe von Priestern gefördert werden. Diese müssen in spezifischer Weise vorbereitet und offiziell beauftragt sein, unter Berücksichtigung der Altersgruppen und der besonderen Umstände eines jeden Mitbruders das Angebot der ständigen Fortbildung zu unterstützen.[118]

83. Die erste Phase dieses Weges sind die Jahre, die unmittelbar auf die Priesterweihe folgen. Durch die Ausübung seines Dienstes wächst der Priester in dieser Zeit in der Treue zur persönlichen Begegnung mit dem Herrn und zu seiner geistlichen Begleitung und erwirbt die Bereitschaft, Priester mit größerer Erfahrung zu konsultieren. Besonders wichtig ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zur Gemeinschaft mit anderen Priestern derselben Generation. Die Begleitung durch Mitbrüder, die beispielhaft leben und pastoralen Eifer haben, soll gefördert werden, damit sie den jungen Priestern helfen, eine herzliche und aktive Zugehörigkeit zum Leben des gesamten Presbyteriums der Diözese zu praktizieren.

Es liegt in der Verantwortung des Bischofs „zu vermeiden, dass die Neugeweihten übermäßig schwierigen oder heiklen Situationen ausgesetzt werden. Ebenso sind Einsatzorte zu vermeiden, in denen sie weit entfernt von den Mitbrüdern arbeiten müssen. Es wäre im Gegenteil gut, nach Möglichkeit eine geeignete Form gemeinsamen Lebens zu fördern“.[119] Es ist dafür Sorge zu tragen, eine persönliche Begleitung für die jungen Priester zu beginnen und ihre Qualitäten zu fördern und zu unterstützen, damit sie mit Begeisterung die ersten pastoralen Herausforderungen anpacken. Dafür muss sich in erster Linie der Pfarrer oder ein anderer Priester verantwortlich fühlen, zu dem der junge Kleriker am Anfang geschickt wird.

84. Nach einigen Jahren der pastoralen Erfahrung können in spezifischer Weise leicht neue Herausforderungen auftauchen, die den Dienst und das Leben des Priesters betreffen:

a. Die Erfahrung der eigenen Schwäche: das Auftauchen von Widersprüchen, die in seiner Person andauern können und die er notwendigerweise angehen muss. Die Erfahrung der eigenen Schwäche bewegt den Priester zu größerer Demut und zum Vertrauen auf das barmherzige Wirken des Herrn – dessen „Kraft [sich] in der Schwachheit [erweist]“ (2 Kor 12,9) – wie auch zu einem gütigen Verständnis gegenüber den anderen. Der Priester soll sich nicht isolieren, da er der Hilfe und der Begleitung auf spiritueller und/oder psychologischer Ebene bedarf. Es ist hilfreich, die Beziehung zum geistlichen Begleiter zu intensivieren, um positive Lehren aus den Schwierigkeiten zu ziehen und zu lernen, die Wahrheit seines Lebens zu suchen und es im Lichte des Evangeliums besser zu verstehen.

b. Die Gefahr, sich als Funktionär des Heiligen zu fühlen: das Verrinnen der Zeit, das im Priester das Gefühl erzeugt, sich gleichsam als Angestellter der Gemeinschaft oder als Funktionär des Heiligen ohne Hirten-Herz zu fühlen.[120] Sobald dies ersichtlich wird, ist es wichtig, dass der Priester eine besondere Nähe der Mitbrüder wahrnimmt und für sie offen ist. Wie Papst Franziskus in Erinnerung gerufen hat, „dienen Priester [...], die Funktionäre sind, nicht; während sie eine Rolle spielen, suchen sie fern von Ihm ihren Trost. Nur wer seinen Blick auf das richtet, was wirklich wichtig ist, kann sein Ja zu dem Geschenk, das er erhalten hat, erneuern und in den verschiedenen Stationen des Lebens beständig sich selbst schenken; nur wer sich nach dem Vorbild des Guten Hirten formen lässt, findet Einheit, Frieden und Kraft in der gehorsamen Verrichtung des Dienstes“.[121]

c. Die Herausforderung durch die zeitgenössische Kultur: die passende Einbettung des priesterlichen Dienstes in die heutige Kultur mit all ihren Fragestellungen, die sie mit sich bringt und die eine Offenheit und Weiterbildung seitens der Priester erfordern;[122] vor allem eine feste Verankerung in den vier Dimensionen (der menschlichen, der geistlichen, der intellektuellen und der pastoralen) der Formung.

d. Die Verlockung der Macht und des Reichtums: das Festhalten an einer Position; der Drang, Freiräume ausschließlich für sich zu schaffen; der Wunsch nach einer Karriere; das Erwachen der Begierde nach Macht oder des Wunsches nach Reichtum mit der Folge fehlender Verfügbarkeit für den Willen Gottes, für die Bedürfnisse des anvertrauten Volkes und für den Auftrag des Bischofs. In solchen Situationen ist mitbrüderliche Ermahnung oder Tadel oder ein anderer von pastoraler Sorge bestimmter Weg angemessen, außer solche Verhaltensweisen sind ein strafbares Vergehen.

e. Die Herausforderung des Zölibates: den Zölibat für das Reich Gottes leben, wenn die neuen Impulse und die Spannungen des pastoralen Lebens, anstatt das Wachstum und den Reifungsprozess der Person zu begünstigen, eine affektive Regression hervorrufen, die unter dem Einfluss der sozial verbreiteten Tendenz dazu verleitet, den eigenen Bedürfnissen unangemessenen Raum zu geben und Kompensationen zu suchen, die die Ausübung der priesterlichen Vaterschaft und die Übung der pastoralen Liebe behindern.

f. Die totale Hingabe an seinen Dienst: Im Laufe der Zeit können die Müdigkeit, die natürliche, physische Schwächung und das Auftauchen der ersten gesundheitlichen Schwierigkeiten, die Konflikte, die Enttäuschungen hinsichtlich der pastoralen Erwartungen, die Last der Routine, die Mühe des Umzuges und andere sozio-kulturelle Bedingungen den apostolischen Eifer und die großzügige Hingabe an den pastoralen Dienst mindern.

85. In jedem Alter kann es vorkommen, dass ein Priester wegen Krankheit der Hilfe bedarf. Die alten und kranken Priester bieten der christlichen Gemeinschaft und dem Presbyterium ihr Zeugnis an und sie sind ein wirksames und beredtes Zeichen eines Lebens, das Gott geschenkt ist. Es ist wichtig, dass sie sich – auch durch die häufigen Besuche der Mitbrüder und deren fürsorgliche Nähe – weiterhin als aktiver Teil des Presbyteriums und des Lebens der Diözese verstehen.

86. Wirksam sind auch jene Initiativen der priesterlichen Unterstützung, die aus Sorge für die Priester entstehen, die ihren Dienst im selben geografischen Gebiet oder im selben pastoralen Umkreis verrichten oder die dieselbe Aufgabe ausüben.

87. Die sakramentale Bruderschaft ist eine wertvolle Hilfe für die ständige Fortbildung der Priester. Der Weg der Jüngerschaft erfordert nämlich, immer mehr in der Liebe, der Synthese der „priesterlichen Vollkommenheit“,[123] zu wachsen. Das aber kann nicht isoliert verwirklicht werden, weil die Priester ein Presbyterium bilden, dessen Einheit durch „besondere Bande der apostolischen Liebe, des Dienstes und der Brüderlichkeit“[124] gebildet wird. Daher ist die „innige[...] sakramentale[...] Bruderschaft“[125] der Priester das erste Zeichen der Liebe und auch der erste Ort, an dem sie wachsen kann. Dies alles geschieht mit Hilfe des Heiligen Geistes und nicht ohne persönliches geistliches Bemühen, das von jeder Form des Individualismus befreien muss.

88. Einige Möglichkeiten, die der sakramentalen Bruderschaft konkrete Form geben, verdienen, vom Beginn der Ausbildung an besonders erwähnt zu werden:

a. Mitbrüderliche Begegnung: Einige Priester organisieren mitbrüderliche Begegnungen, um gemeinsam – auch in der Form der Lectio Divina – das Wort Gottes zu betrachten und zu beten; um theologische oder pastorale Themen zu vertiefen; um sich über den Dienst auszutauschen; um sich zu helfen oder schlicht um Zeit miteinander zu verbringen. Diese Begegnungen sind in ihren verschiedenen Formen der einfachste und bekannteste Ausdruck der priesterlichen Mitbrüderlichkeit. Es ist sehr wünschenswert, sie zu fördern.

b. Geistliche Begleitung und Beichte: Die sakramentale Bruderschaft wird eine wertvolle Hilfe, wenn sie die Form der geistlichen Begleitung und der Beichte, die die Priester gegenseitig erbitten, annimmt. Die Regelmäßigkeit dieser Art der Begegnung ermöglicht, das „ Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit, von dem die Wirksamkeit ihres Dienstes entscheidend abhängt“,[126] lebendig zu erhalten. Besonders in schwierigen Augenblicken können die Priester im geistlichen Begleiter einen Mitbruder finden, der ihnen hilft, ihren Problemen auf den Grund zu gehen und die angemessenen Mittel einzusetzen, um sie zu bewältigen.

c. Geistliche Exerzitien: Sie sind von grundlegender Bedeutung für das Leben des Priesters. Da sie zur Begegnung mit dem Herrn in der Stille und in der Sammlung führen, sind sie eine privilegierte Zeit der persönlichen und apostolischen Prü̈fung für eine fortgeschrittene und tiefe Revision des Lebens. Gemeinsame Exerzitien für Priester fördern eine größere Teilnahme und die Stärkung der mitbrüderlichen Gemeinschaft.

d. Gemeinsamer Tisch: Bei gemeinsamen Mahlzeiten lernen sich die Priester kennen, aufeinander zu hören und sich zu schätzen, da sie die Gelegenheit zu einem fruchtbaren und freundschaftlichen Austausch haben.

e. Gemeinsames Leben: Einige Priester führen ein gemeinsames Leben aufgrund von persönlicher Initiative, pastoraler Notwendigkeit, Gewohnheit oder örtlichen Gegebenheiten.[127] Durch das gemeinsame Gebet, die Betrachtung des Wortes Gottes und andere Gelegenheiten der ständigen Fortbildung wird es eine wahre „Lebensgemeinschaft“. Es erlaubt den Austausch und das Gespräch über die pastoralen Einsätze und zielt auch darauf ab, das affektive und spirituelle Gleichgewicht der Mitglieder zu stützen und die Gemeinschaft mit dem Bischof zu fördern. Solche Formen müssen im ganzen Presbyterium und für die pastoralen Erfordernisse der Diözese möglich sein.

f. Priestervereine: Sie haben wesentlich das Ziel, die Einheit der Priester untereinander, mit dem übrigen Presbyterium und mit dem Bischof zu fördern.[128] Die Mitglieder der verschiedenen von der Kirche anerkannten Vereine finden in diesen eine mitbrüderliche Hilfe, die die Priester für den Weg zur Heiligkeit und für den pastoralen Einsatz als notwendig empfinden.[129] Einige Priester gehören auch zu neuen kirchlichen Bewegungen, innerhalb derer sie ein Klima der Gemeinschaft finden und Impulse für einen neuen missionarischen Schwung erhalten. Andere leben eine persönliche Weihe in den Säkularinstituten, „deren typisches Merkmal die Gebundenheit an die Diözese ist“,[130] gewöhnlich ohne ihnen inkardiniert zu sein.

V. Dimensionen der Bildung

a) Integration der Bildungsdimensionen

89. Gemäß dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben Pastores dabo vobis[131] sind es vier Dimensionen, die auf dem Weg der Ausbildung und im Leben der geweihten Diener miteinander in Wechselwirkung stehen: die menschliche Dimension, die die „notwendige und dynamische Basis“ des ganzen priesterlichen Lebens darstellt; die spirituelle Dimension, die dazu beiträgt, die Qualität des priesterlichen Dienstes zu kennzeichnen; die intellektuelle Dimension, die die notwendigen rationalen Mittel anbietet, um die Werte zu verstehen, die dem Sein des Hirten eigen sind, um zu versuchen, sie im Lebensvollzug Fleisch werden zu lassen und um den Inhalt des Glaubens in angemessener Weise weiterzugeben; die pastorale Dimension, die zu einem verantwortlichen und fruchtbaren kirchlichen Dienst befähigt.

Jede Ausbildungsdimension ist auf die „Umwandlung“ des Herzens gemäß dem Herzen Jesu und auf seine „Gleichgestaltung“ mit diesem gerichtet.[132] Gesandt vom Vater, um seinen Plan der Liebe zu erfüllen, war Er betroffen angesichts menschlicher Not (vgl. Mt 9,36), ging Er, um bis zur Hingabe seines Lebens (vgl. Joh 10,11) die verlorenen Schafe zu suchen (vgl. Mt 18,12–14), kam Er nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (vgl. Mt 20,28). Wie das II. Vatikanische Konzil deutlich machte,[133] hat der ganze Ausbildungsprozess der Vorbereitung auf das Priestertum des Dienstes das Ziel, die Seminaristen vorzubereiten, „ mit der Liebe Christi, des Guten Hirten, zu kommunizieren“.[134]

90. Durch das Sakrament der Weihe wird der Seminarist gerufen, das Volk Gottes zu einen und ihm als Leiter, der die Zusammenarbeit aller Gläubigen unterstützt und fördert, vorzustehen. Die Ausbildung zum Priestertum muss also innerhalb eines Klimas der Gemeinschaft stattfinden, das geeignet ist, jene Haltungen zu begünstigen, die dem Leben und dem priesterlichen Dienst eigen und dienlich sind.[135]

Das gemeinschaftliche Leben im Seminar ist der geeignetste Rahmen für die Formung einer wahren priesterlichen Mitbrüderlichkeit und stellt jenes Umfeld dar, in dem die oben genannten Dimensionen zusammenlaufen und miteinander in Wechselwirkung stehen, sich gegenseitig in Einklang bringen und ergänzen. Hinsichtlich der Ausbildung in der Gemeinschaft muss man, auch im Hinblick auf eine bessere Kenntnis der einzelnen Seminaristen, einige pädagogische Mittel berücksichtigen: beispielsweise die aufrichtige und offene Kommunikation, das Miteinanderteilen, die Gewissenserforschung, die mitbrüderliche Zurechtweisung und die gemeinschaftliche Planung.

Der Humus der Berufung zum priesterlichen Dienst ist die Gemeinschaft, insofern der Seminarist aus dieser kommt und nach der Weihe zu ihr gesandt wird, um ihr zu dienen. Zunächst braucht der Seminarist und dann der Priester eine vitale Bindung an die Gemeinschaft. Sie ist wie ein roter Faden, der die vier Ausbildungsdimensionen in Einklang bringt und vereint.

91. Die christliche Gemeinschaft wird durch den Geist versammelt, um gesendet zu werden. Die missionarische Sehnsucht und ihre konkrete Umsetzung gehören also zum Sein des ganzen Volkes Gottes,[136] das sich ständig „im Aufbruch“[137] befinden muss, weil „die Freude aus dem Evangelium, die das Leben der Gemeinschaft der Jünger erfüllt, [...] eine missionarische Freude [ist]“.[138] Dieser missionarische Schwung betrifft in einer noch spezielleren Weise die, die zum priesterlichen Dienst, dem Ziel und Horizont der ganzen Ausbildung, gerufen sind. Die Mission ist ein weiterer roter Faden (vgl. Mk 3,14), der die schon erwähnten Dimensionen vereint, sie beseelt und belebt und dem Priester ermöglicht, menschlich, geistlich, intellektuell und pastoral gebildet seinen Dienst in Fülle zu leben. Dieser ist nämlich „gerufen, einen missionarischen Geist zu haben, das heißt einen wirklich ,katholischenʻ Geist, der sich von Christus ausgehend an alle wendet, damit sie ,gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit Christi gelangenʻ (1 Tim 2,4)“[139]

92. Das Konzept der ganzheitlichen Ausbildung hat höchste Bedeutung, insofern es die Person in ihrer Ganzheit ist, mit allem, was sie ausmacht, und mit allem, was sie hat, die dem Herrn und der christlichen Gemeinschaft dient. Der Berufene ist ein „ganzheitliches Subjekt“, das heißt ein Mensch, der erwählt ist, eine feste Innerlichkeit ohne Spaltungen und Dichotomien zu erlangen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, ein gesamtpädagogisches Modell anzuwenden: einen Weg, der es der Ausbildungsgemeinschaft ermöglicht, am Wirken des Heiligen Geistes mitzuarbeiten und das rechte Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Ausbildungsdimensionen zu garantieren.

Es ist daher darauf zu achten, dass sich keine verkürzten oder verkehrten Vorstellungen des Priestertums in den Ausbildungsprozess einschleichen. Die Ausbilder sollen aufmerksam prüfen, ob bei den ihnen Anvertrauten nur eine bloß äußere und formale Zustimmung zu den an sie gerichteten pädagogischen Anforderungen gegeben ist. Eine solche Haltung würde nicht zu ihrem ganzheitlichen Wachstum beitragen, sondern sie mehr oder weniger unbewusst an einen rein „unterwürfigen und opportunistischen“ Gehorsam gewöhnen.

b) Menschliche Dimension

93. Der göttliche Ruf trifft und betrifft das „konkrete“ menschliche Sein. Die Priesterausbildung muss die angemessenen Mittel anbieten, um seine Reifung mit Blick auf eine authentische Ausübung des priesterlichen Dienstes zu erleichtern. Zu diesem Zweck ist der Seminarist gerufen, seine Persönlichkeit zu entwickeln, indem er sich an Christus, dem vollkommenen Menschen, als Modell und Quelle orientiert.

Die ausführliche Reflexion über die Kriterien der Eignung der geweihten Diener im Neuen Testament[140] zeigt, mit wie viel Aufmerksamkeit von Anfang an auf die die menschliche Dimension betreffenden Gesichtspunkte geachtet wurde. Die Kirchenväter haben Wege und Mittel der „Therapie“ für den zum apostolischen Dienst berufenen Gläubigen gesucht und angewendet, weil sie von der tiefen Notwendigkeit der menschlichen Reife überzeugt waren.[141] Eine rechte und harmonische Spiritualität erfordert eine gut strukturierte menschliche Natur. Tatsächlich „setzt die Gnade die Natur voraus“[142] und ersetzt sie nicht, sondern vervollkommnet sie, wie der hl. Thomas von Aquin in Erinnerung ruft.[143] Daher müssen die Demut, der Mut, die praktische Veranlagung, die Großmut des Herzens, die Aufrichtigkeit im Urteil und die Diskretion, die Toleranz und die Transparenz, die Liebe zur Wahrheit und die Ehrlichkeit gepflegt werden.

94. Die menschliche Bildung ist das Fundament der ganzen Priesterbildung.[144] Sie fördert das umfassende Wachstum der Person und ermöglicht, auf dieser Basis alle Dimensionen zu formen. Physisch geht es um Aspekte wie Gesundheit, Ernährung, Bewegung und Ruhe; psychologisch um die Bildung einer stabilen Persönlichkeit, die von affektiver Ausgeglichenheit, von Selbstbeherrschung und von einer gut integrierten Sexualität geprägt ist. Moralisch erfordert sie, dass der Mensch zunehmend ein gebildetes Gewissen erlangt. Er muss eine Person mit Verantwortungsbewusstsein werden, die fähig ist, richtige Entscheidungen zu treffen, die vernünftig urteilen und Personen und Ereignisse objektiv wahrnehmen kann. Diese Wahrnehmungsfähigkeit leitet den Seminaristen zu einer ausgewogenen Selbstachtung an, die ihn dazu bringt, sich seiner Talente bewusst zu werden und zu lernen, sie in den Dienst des Volkes Gottes zu stellen. Im Rahmen der menschlichen Formung darf die Ästhetik nicht vernachlässigt werden. Es ist eine Unterweisung anzubieten, die es ermöglicht, verschiedene künstlerische Formen und Ausdrucksweisen kennenzulernen. Der „Sinn für das Schöne“ muss geschult werden. Auch das soziale Verhalten ist zu berücksichtigen. Es ist der Person zu helfen, ihre Beziehungsfähigkeit zu verbessern, so dass sie zum Aufbau der Gemeinschaft, in der sie lebt, beitragen kann.

Damit diese Ausbildung fruchtbar sein kann, ist es wichtig, dass jeder Seminarist sich seiner Geschichte bewusst ist und die Ausbilder darüber in Kenntnis setzt: über seine Kindheit und Jugend, über den Einfluss, den die Familie und die Verwandtschaft auf ihn ausüben, über die Fähigkeit oder die Unfähigkeit, reife und ausgeglichene zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen sowie in positiver Weise mit Momenten der Einsamkeit umzugehen. Diese Informationen sind relevant, um die geeigneten pädagogischen Mittel sowohl für die Beurteilung des zurückgelegten Weges als auch für das bessere Verständnis eventueller Rückschritte oder schwieriger Momente wählen zu können.

95. Zeichen der harmonischen Entwicklung der Persönlichkeit des Seminaristen ist eine reife Beziehungsfähigkeit zu Männern und Frauen eines jeden Alters und einer jeden sozialen Herkunft. Hilfreich ist ein Blick in die Ausführungen über das Beziehungsverhältnis zwischen dem Seminaristen und den Frauen, wie es in den Dokumenten des Lehramtes behandelt wird. In ihnen wird ausgeführt, dass dieses „den Theologiestudenten nicht nur in seiner jetzigen personalen Sphäre [berührt], sondern auch im Hinblick auf seine zukünftige pastorale Tätigkeit“.[145]

Die erste Umgebung, in der jeder die Welt der Frau kennen- und schätzen lernt, ist selbstverständlich die Familie. In ihr begleitet die Gegenwart der Frau den ganzen Weg der Erziehung und bildet von Kindheit an eine positive Hilfe für ein ganzheitliches Wachstum. Hierzu tragen auch die Frauen bei, die mit ihrem Lebenszeugnis ein Beispiel des Gebetes und des pastoralen Dienstes, der Opferbereitschaft und des Verzichts, der Sorge und der zärtlichen Nähe zum Nächsten geben. Vergleichbares gilt für das Zeugnis und die Präsenz der Ordensfrauen.

Die Kenntnis und Vertrautheit mit der Dimension des Weiblichen, die in den Pfarreien und in vielen kirchlichen Gegebenheiten sehr präsent ist, erweist sich als günstig und wesentlich für die menschliche und geistliche Bildung des Seminaristen und muss immer in einem positiven Sinn verstanden werden, wie Johannes Paul II. in Erinnerung gerufen hat: „ Daher [...] ist es mein Wunsch, dass mit besonderer Aufmerksamkeit über das Thema ,Genius der Frauʻ nachgedacht werde, nicht nur um darin die Züge eines genauen Planes Gottes zu erkennen, der angenommen und eingehalten werden muss, sondern auch, um ihm im gesamten Leben der Gesellschaft, auch dem kirchlichen, mehr Raum zu geben“.[146]

96. Der Seminarist wird fähig, sich selbst zu bestimmen und Verantwortung auch im Bewusstsein seiner stets vorhandenen Schwäche zu übernehmen. Die Ausbilder, die Beichtväter, die Spirituale und die Seminaristen selbst müssen sich bewusst sein, dass die Augenblicke der Krise, wenn sie mit der Bereitschaft, durch das Leben zu lernen, angemessen verstanden und behandelt werden, Gelegenheiten zur Bekehrung und zur Erneuerung sind. Sie sollen die Person dazu anleiten, sich in kritischer Weise Fragen über den zurückgelegten Weg, ihre aktuelle Lage, ihre Entscheidungen und ihre Zukunft zu stellen.

97. Die menschliche Bildung ist ein notwendiges Element für die Evangelisierung, da die Verkündigung des Evangeliums durch die Person und ihr Menschsein erfolgt. „Ihr werdet meine Zeugen sein [...] bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Die heutige Situation verpflichtet uns, diese Worte Jesu auf neue Weise noch einmal zu überdenken, weil sich „die Grenzen der Erde“ durch die Massenmedien und die sozialen Netzwerke ausgedehnt haben. Es handelt sich um „eine neue ,Agoraʻ [...], einen öffentlichen und offenen Marktplatz, auf dem die Menschen Ideen, Informationen, Meinungen austauschen und wo überdies neue Formen von Beziehungen und Gemeinschaft entstehen“,[147] um einen Platz, von dem die künftigen Priester sowohl im Hinblick auf ihren Ausbildungsweg als auch mit Blick auf ihren künftigen Dienst nicht ausgeschlossen sein können.

Unter dieser Rücksicht sind der Gebrauch der Medien und der Kontakt zur digitalen Welt unerlässlicher Bestandteil der Entwicklung der Persönlichkeit des Seminaristen, weil „durch die modernen Kommunikationsmittel [...] der Priester das Leben der Kirche bekannt machen und den Menschen von heute helfen [kann], das Gesicht Christi zu entdecken. Dabei wird er den angemessenen und kompetenten Gebrauch dieser Instrumente, den er sich auch in der Zeit der Ausbildung angeeignet hat, mit einer soliden theologischen Vorbereitung und einer ausgeprägten priesterlichen Spiritualität verbinden, die sich aus dem fortwährenden Gespräch mit dem Herrn nährt“.[148]

98. Die Kirche schaut kraft des von Christus erhaltenen Auftrags mit Vertrauen auf die Möglichkeiten, die von der digitalen Welt für die Evangelisierung angeboten werden.[149] Es handelt sich um neue „Orte“, an denen sich viele Personen täglich bewegen, um „digitale Peripherien“, in denen das Angebot einer echten Kultur der Begegnung im Namen Jesu zur Bildung eines einzigen Volkes Gottes nicht fehlen darf: „ In dieser Welt können die ,Medienʻ dazu verhelfen, dass wir uns einander näher fühlen, dass wir ein neues Gefühl für die Einheit der Menschheitsfamilie entwickeln, das uns zur Solidarität und zum ernsthaften Einsatz für ein würdigeres Leben drängt. Gute Kommunikation hilft uns, einander näher zu sein und uns untereinander besser kennenzulernen, in größerer Einheit miteinander zu leben“.[150]

99. In den meisten Fällen sind diejenigen, die die Ausbildung im Seminar beginnen, schon selbstverständlich an die digitale Welt gewöhnt und in gewisser Weise in sie und ihre Mittel eingetaucht. Hinsichtlich unvermeidlicher Risiken, die der Kontakt mit der digitalen Welt nach sich zieht, einschließlich verschiedener Formen der Abhängigkeit, denen mit einer entsprechenden spirituellen und psychologischen Hilfe begegnet werden kann, bedarf es der erforderlichen Klugheit. Die Seminaristen sollen auch in diesem Zusammenhang wachsen. Es ist nämlich zu bedenken, dass das Seminar eine Schule des Menschseins und des Glaubens ist, um die Gleichgestaltung mit Christus, der zum Nächsten aller, auch der entferntesten Menschen wird, reifen zu lassen: „ Das Bild des barmherzigen Samariters, der die Wunden des misshandelten Mannes verbindet und Öl und Wein auf sie gießt, sei uns ein Leitbild. Unsere Kommunikation sei duftendes Öl für den Schmerz und guter Wein für die Freude. Unser Leuchten soll nicht von Tricks und Spezialeffekten ausgehen, sondern davon, dass wir mit Liebe und Zärtlichkeit dem zum Nächsten werden, den wir verwundet auf unserem Weg treffen“.[151]

100. Die sozialen Netzwerke müssen (durch wachsamen und zugleich besonnenen und positiven Umgang) in die Mitte des täglichen Lebens der Seminargemeinschaft eingefügt werden. Im Sinne einer christlicher Erziehung, die alle Orte der Beziehung und Kommunikation berücksichtigen muss, sollen sie als neue Möglichkeiten für zwischenmenschliche Beziehungen, für die Begegnung mit anderen, für den Austausch mit dem Nächsten und für das Glaubenszeugnis erfahren werden.

c) Geistliche Dimension

101. Die geistliche Ausbildung ist darauf gerichtet, die Gemeinschaft mit Gott und den Brüdern und Schwestern in Freundschaft mit Jesus, dem Guten Hirten, und in einer Haltung der Offenheit für den Geist zu nähren und zu stützen.[152] Diese innige Beziehung formt das Herz des Seminaristen gemäß jener großzügigen und selbstlosen Liebe, die den Anfang der pastoralen Liebe darstellt.

102. Das Zentrum der geistlichen Bildung ist die persönliche Einheit mit Christus, die insbesondere im stillen und anhaltenden Gebet entsteht und genährt wird.[153] Durch das Gebet, das Hören des Wortes, die ständige Teilnahme an den Sakramenten, an der Liturgie und am gemeinschaftlichen Leben stärkt der Seminarist sein Band der Einheit mit Gott nach dem Beispiel Christi, dessen Lebensprogramm es war, den Willen seines Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34). Während der Ausbildung bietet das liturgische Jahr die pädagogische Einführung in die Mysterien der Kirche. Es ermöglicht, deren Spiritualität durch die Verinnerlichung der biblischen Texte und der liturgischen Gebete zu verstehen.[154]

103. Es ist daran zu erinnern, dass „die Schrift nicht kennen [...] Christus nicht kennen [heißt]“.[155] Daher nimmt im geistlichen Reifungsprozess die Beziehung zum Wort Gottes einen herausragenden Platz ein.[156] „Vor allem im Zusammenhang mit der ,Neu-Evangelisierungʻ, zu der die Kirche heute aufgerufen ist“,[157] muss es, bevor es gepredigt wird, in der Tiefe des Herzens aufgenommen werden.[158] Es ist der ständige Bezugspunkt für das Leben der Jüngerschaft und der geistlichen Gleichgestaltung mit Christus, dem Guten Hirten. Die Seminaristen müssen durch die Pflege der Lectio Divina schrittweise in die Kenntnis des Wortes Gottes eingeführt werden.[159] Eine tägliche und tiefe Meditation,[160] die treu und sorgfältig praktiziert wird, in der es auch zu einer fruchtbaren Wechselwirkung zwischen Studium und Gebet kommt, garantiert ihnen einen ganzheitlichen Zugang[161] sei es zum Alten oder Neuen Testament.

104. Wegen der notwendigen Gleichgestaltung mit Christus und in Anbetracht dessen, was sie nach der Priesterweihe leben sollen, „müssen die Weihekandidaten vor allem zu einem sehr lebendigen Glauben an die Eucharistie ausgebildet werden“.[162] Die Teilnahme an der täglichen Feier der Eucharistie, die ihre natürliche Fortsetzung in der eucharistischen Anbetung findet,[163] durchdringt das Leben des Seminaristen, so dass in ihm eine konstante Einheit mit dem Herrn reift.[164]

105. Im Gebetsleben eines Priesters darf das Stundengebet nicht fehlen, das auch für die Seminaristen eine wahre und echte „Schule des Gebetes“ ist.[165] Sie nähern sich schrittweise dem Gebet der Kirche und lernen durch das Brevier seinen Reichtum und seine Schönheit schätzen.[166]

106. Der durch eine tägliche Gewissensprüfung vorbereitete regelmäßige und häufige Empfang des Sakramentes der Buße ist für den Seminaristen die Gelegenheit, in Demut seine Schwächen und Sünden anzuerkennen und vor allem die Freude zu verstehen und zu erfahren, sich durch den Herrn geliebt und von Sünden befreit zu fühlen. „ Daraus entspringen [darüber hinaus] der Sinn für Askese und innere Disziplin, der Opfergeist und die Bereitschaft zum Verzicht, die Annahme der Mühe und des Kreuzes“.[167]

107. Die geistliche Begleitung ist ein bevorzugtes Mittel für das Gesamtwachstum der Person. Der geistliche Begleiter soll in aller Freiheit von den Seminaristen unter den vom Bischof bestimmten Priestern gewählt werden.[168] Diese Freiheit ist tatsächlich nur authentisch, wenn der Seminarist sich mit Aufrichtigkeit, Vertrauen und Fügsamkeit öffnet. Die Begegnung mit dem Begleiter darf nicht nur gelegentlich, sondern muss konsequent und regelmäßig erfolgen. Die Qualität der geistlichen Begleitung ist nämlich für die Wirksamkeit des ganzen Ausbildungsprozesses wichtig.

Den Seminaristen stehen reguläre und auch andere Beichtväter, die regelmäßig ins Seminar kommen, zur Verfügung. Ungeachtet dessen haben sie immer die Möglichkeit, sich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Seminars frei an beliebige Beichtväter zu wenden.[169] Es ist wünschenswert, dass für eine ganzheitliche Ausbildung der geistliche Begleiter auch der ständige Beichtvater sein kann.

108. Die jährlichen geistlichen Exerzitien,[170] die eine Zeit der tiefen Prüfung in der anhaltenden und betenden Begegnung mit dem Herrn sind und die in einem Klima der Sammlung und der Stille verbracht werden, müssen während des Verlaufes des Jahres in den regelmäßigen Einkehrtagen und im täglichen Gebet wieder aufgenommen und fortgesetzt werden. Im vom Wirken des Geistes geformten Herzen des Seminaristen soll sich schrittweise der Wunsch zeigen und festigen, das eigene Leben großzügig in der Ausübung der pastoralen Liebe hinzugeben.

109. Indem der Seminarist sich gläubig und mit innerer Freiheit in die Nachfolge Christi begibt, lernt er am Beispiel Christi, den „eigenen Willen gehorsam in den Dienst für Gott und die Brüder [und Schwestern] zu stellen“.[171] Der Gehorsam vereint mit der Weisheit Gottes, der die Kirche aufbaut und jedem seinen Platz und seine Sendung zuweist. Es kommt daher den Ausbildern zu, die Seminaristen zu echtem und reifem Gehorsam zu erziehen. Sie sollen ihre Autorität klug ausüben und sie so ermutigen, ihre auch innere Zustimmung in ruhiger und aufrichtiger Weise zu leisten.

110. Der evangelische Rat der Keuschheit fördert die Reife der Person, indem er sie fähig macht, die Wirklichkeit des eigenen Körpers und Gefühlslebens als Geschenk zu betrachten. Diese Tugend „[kennzeichnet] alle menschlichen Beziehungen [...] und [... leitet dazu an], nach dem Beispiel Christi eine aufrichtige, menschliche, brüderliche, persönliche und opferfähige Liebe zu allen und zu jedem Einzelnen zu erproben und zu bekundenʻ“.[172]

Als Zeichen dieser Ganzhingabe an Gott und den Nächsten hält die lateinische Kirche die vollkommene Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, den Zölibat, in besonderer Weise für geeignet für das Priestertum.[173] Verwurzelt in Christus dem Bräutigam und durch den Zölibat völlig dem Dienst am Volk Gottes geweiht, „hangen [sie ... Christus] leichter ungeteilten Herzens an, schenken sich freier [...] dem Dienst für Gott und die Menschen [...] und werden so noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen“.[174] Diejenigen, die sich auf das Priestertum vorbereiten, erkennen den Zölibat an und nehmen ihn wie ein besonderes Geschenk Gottes an. In einer richtigen Erziehung zur Affektivität, die als ein Weg zur Fülle der Liebe verstanden wird, „[ist] die zölibatäre Keuschheit [...] nicht so sehr eine Pflicht, die man dem Herrn ableistet, als vielmehr ein Geschenk, das man von seiner erbarmenden Güte entgegennimmt. Wer in diesen Stand eintritt, muss sich bewusst sein, dass er nicht nur eine Last auf sich nimmt, sondern vor allem eine Gnade empfängt, die ihn erlöst und freimacht“.[175]

Damit die Wahl des Zölibates wirklich frei ist, müssen die Seminaristen im Lichte des Glaubens die evangelische Kraft dieses Geschenkes verstehen[176] und zugleich den Wert des Ehestandes in rechter Weise schätzen: „Ehe und Zölibat sind zwei Formen authentischen Christseins. Beide verwirklichen auf ihre spezifische Weise die Berufung des Christen“.[177]

Es wäre in schwerwiegender Weise unklug, einen Seminaristen zur Weihe zuzulassen, der nicht eine unbeschwerte und freie Affektivität entwickelt hat. Sie muss durch die Übung der menschlichen und priesterlichen Tugenden im Sinne einer Öffnung für das Wirken der Gnade zur Keuschheit fähig sein und kann nicht auf einer bloß willentlichen Akzeptanz der Enthaltsamkeit gründen.

Wenn in den lateinischen Seminaren Seminaristen der orientalischen Kirchen zugelassen werden, sollen in Bezug auf ihre Unterweisung über den Zölibat oder die Ehe die Normen und die Traditionen der entsprechenden orientalischen Kirchen beachtet werden.[178]

111. Die Seminaristen sollen den Geist der Armut konkret pflegen.[179] Sie sollen dazu hingeführt werden, das Herz Christi nachzuahmen: „Er, der reich war, wurde [...] arm“ (2 Kor 8,9), um uns reich zu machen. Sie sollen danach streben, die wahre Freiheit und Offenheit der Kinder Gottes durch eine geistliche Kontrolle zu erlangen, die notwendig ist, um eine rechte Beziehung mit der Welt und mit den irdischen Gütern zu erreichen.[180] Sie sollen so die Lebensweise der Apostel annehmen, die von Christus eingeladen wurden, der Vorsehung zu vertrauen, „ohne etwas auf den Weg mitzunehmen“ (vgl. Mk 6,8–9). In besonderer Weise sollen sie an die Ärmsten und Schwächsten denken. Bereits an einen großzügigen und freiwilligen Verzicht auf das nicht Notwendige gewöhnt, sollen sie durch Einfachheit und Schlichtheit des Lebens Zeugen der Armut sein,[181] um aufrichtige und glaubwürdige Förderer einer wahren sozialen Gerechtigkeit zu werden.[182]

112. Sowohl durch das Gedächtnis bei der Feier der Liturgie als auch mittels der Volksfrömmigkeit, insbesondere durch das Rosenkranzgebet und den Angelus Domini, sollen die Seminaristen eingeladen werden, eine authentische und kindliche Hingabe an die Jungfrau und Gottesmutter Maria zu pflegen.[183] Denn „jeder Aspekt der priesterlichen Ausbildung kann auf Maria bezogen werden, als den Menschen, der mehr als jeder andere der Berufung Gottes entsprochen hat; die Magd und Jüngerin des Wortes geworden ist, bis sie in ihrem Herzen und in ihrem Fleische das fleischgewordene Wort empfangen hat, um es der Menschheit zu schenken“.[184]

Darüber hinaus darf nicht die Bedeutung einer aufrichtigen Verehrung der Heiligen vergessen werden, unter ihnen des Bräutigams Marias und Patrons der Gesamtkirche, des hl. Josef, „von Gott dazu berufen, ,durch die Ausübung seiner Vaterschaftʻ unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen“.[185] Er soll den Seminaristen vorgestellt und bekannt gemacht werden, damit sie „stets die demütige, reife Art seines Dienstes und seiner ,Mitwirkungʻ am Heilsplan vor Augen haben “.[186]

113. Teil der spirituellen Dimension[187] soll die Kenntnis und die Meditation der Kirchenväter, der Zeugen des tausendjährigen Lebens des Volkes Gottes, sein. Bei den Vätern „vereint sich der Sinn für die Neuheit des christlichen Lebens mit der Gewissheit des Glaubens. Daraus strömte in den christlichen Gemeinschaften ihrer Zeit eine ,explosive Lebendigkeitʻ, ein missionarischer Eifer, ein Klima der Liebe, die die Seelen zum Heroismus des täglichen Lebens inspirierte“.[188]

114. Darüber hinaus sollen sowohl die persönliche Glaubenspraxis als auch gewisse Ausdruckformen der Volksfrömmigkeit vor allem in den vom Lehramt gebilligten Formen gefördert werden und Raum bekommen.[189] Durch sie werden die künftigen Priester mit der „Volksfrömmigkeit“ vertraut, die sie im Sinne der gebührenden Liebe und pastoralen Wirksamkeit prüfen, lenken und aufgreifen müssen.[190]

115. Für die, die zum Priestertum und zum pastoralen Dienst gerufen sind, ist es wichtig, die Entwicklung einiger spezifischer Tugenden zu fördern:[191] „Treue, Konsequenz, Weisheit, Gastfreundlichkeit gegenüber allen, Liebenswürdigkeit und Güte, feste Autorität in den wesentlichen Dingen, Freisein von allzu subjektiven Standpunkten, persönliche Selbstlosigkeit, Geduld, Gefallen am täglichen Einsatz, Vertrauen in das verborgene Wirken der Gnade, das an den Einfachen und Armen offenbar wird“.[192] Um darüber hinaus wirklich ein Hirte nach dem Herzen Jesu zu werden, muss der Priester „im Bewusstsein der unverdienten Barmherzigkeit Gottes in seinem eigenen Leben und in dem seiner Mitbrüder die Tugenden der Demut und der Barmherzigkeit gegenüber dem ganzen Gottesvolk pflegen, insbesondere jenen Personen gegenüber, die sich der Kirche fremd fühlen“.[193]

d) Intellektuelle Dimension

116. Die intellektuelle Bildung hat das Ziel, den Seminaristen eine solide Kompetenz im Bereich der Philosophie und der Theologie und auch eine Allgemeinbildung zu vermitteln. Sie ermöglicht ihnen, dem modernen Menschen die Botschaft des Evangeliums auf glaubwürdige und verständliche Weise zu verkünden, in vorteilhafter Weise mit der gegenwärtigen Welt in Dialog zu treten und mit dem Licht der Vernunft für die Wahrheit des Glaubens einzutreten und seine Schönheit aufzuzeigen.

Die Priesterkandidaten sollen sich durch die Vertiefung der philosophischen und theologischen Wissenschaften und eine gute Einführung ins kanonische Recht und die sozialen und historischen Wissenschaften gewissenhaft vorbereiten, um „jedem Rede und Antwort zu stehen“ (1 Petr 3,15), die Kenntnis der Offenbarung Gottes zu fördern und alle Völker zum Gehorsam des Glaubens zu führen (vgl. Röm 16,26).

Die Vernunft, die für das Mysterium Gottes offen und auf Ihn hingeordnet ist, ermöglicht eine fundierte Annahme der Offenbarung, begünstigt die Vertiefung ihrer Inhalte und bietet Mittel und Ausdruckweisen an, um sie der Welt zu verkünden. Wie schon das II. Vatikanische Konzil sagt, dient die Kenntnis der Philosophie und der Theologie dazu, „auf die verschiedenen Sprachen unserer Zeit zu hören, sie zu unterscheiden, zu deuten und im Licht des Gotteswortes zu beurteilen, damit die geoffenbarte Wahrheit immer tiefer erfasst, besser verstanden und passender verkündet werden kann“.[194]

117. Die intellektuelle Ausbildung ist Teil der umfassenden Formung des Priesters. Sie dient seinem pastoralen Dienst und beeinflusst positiv seine menschliche und spirituelle Bildung. Das bedeutet, dass die Entwicklung aller Fähigkeiten und Dimensionen der Person – einschließlich der rationalen – durch die Vielzahl erlangter Kenntnisse zum Wachstum des Priesters als Diener und Zeuge des Wortes Gottes in der Kirche und in der Welt beiträgt. Weit davon entfernt, nur auf das Gebiet des Wissens bezogen zu sein oder nur als Mittel verstanden zu werden, um mehr Informationen über die einzelnen Disziplinen zu erhalten, begleitet die intellektuelle Bildung die Priester, damit sie sich auf ein tiefes Hören des Wortes Gottes wie auch der kirchlichen Gemeinschaft vorbereiten, um zu lernen, nach den Zeichen der Zeit zu forschen.

118. Das vertiefte und organische Studium der Philosophie und der Theologie ist das geeignetste Mittel zur Aneignung jener forma mentis, die es erlaubt, sich den Fragen und Herausforderungen, die sich in der Ausübung des Dienstes auftun, zu stellen und sie aus der Sicht des Glaubens zu interpretieren. Einerseits ist es notwendig, eine solide und angemessene Qualität der intellektuellen Ausbildung nicht zu vernachlässigen; andererseits ist daran zu erinnern, dass die Erfüllung der Pflichten in Bezug auf das Studium nicht das einzige Kriterium sein kann, um die Dauer des Ausbildungsweges des Kandidaten zum Priestertum zu bestimmen. Obwohl es wichtig ist, stellt das Studium nämlich nur einen, wenn auch nicht sekundären Gesichtspunkt der umfassenden Ausbildung zum Priestertum dar. Die nationalen Rationes sollen die wesentlichen Elemente, die in dieser Ratio Fundamentalis hinsichtlich der intellektuellen Ausbildung dargelegt werden, unter Berücksichtigung der historischen und kulturellen Besonderheiten ergänzen.

e) Pastorale Dimension

119. Das Ziel des Seminars ist es, die Seminaristen darauf vorzubereiten, Hirten nach dem Vorbild Christi zu sein. Daher muss die priesterliche Ausbildung von einem pastoralen Geist durchdrungen sein, der fähig macht, das Erbarmen, die Großzügigkeit, die Liebe für alle, besonders für die Armen, und die Leidenschaft für das Reich Gottes zu leben. Diese Verhaltensweisen kennzeichnen das öffentliche Auftreten des Sohnes Gottes und können in der pastoralen Liebe zusammengefasst werden.

Selbstverständlich aber muss eine genauer spezifizierte pastorale Formung angeboten werden.[195] Sie hilft den Seminaristen, jene innere Freiheit zu erlangen, die notwendig ist, das Apostolat als Dienst zu leben, und die geeignet ist, das Wirken Gottes im Herzen und im Leben der Menschen zu entdecken. Eine so gelebte Pastoral ist selbst für den Geweihten eine dauernde Schule der Evangelisierung. Der Seminarist fängt in dieser Zeit an, aufmerksam und umsichtig Gruppen zu leiten und für die Gemeinschaft offen zu sein, mit anderen zusammenzuarbeiten und dadurch seine pastorale Kompetenz zu fördern. Vor allem müssen die Seminaristen in angemessener Weise dazu ausgebildet werden, mit Ständigen Diakonen und Laien zusammenzuarbeiten und deren spezifischen Beitrag zur Geltung kommen zu lassen. Es ist auch notwendig, die Priesterkandidaten im Hinblick auf eine fruchtbare Zusammenarbeit über die evangeliumsgemäße Natur des Ordenslebens in seinen vielfältigen Ausdrucksformen, über sein Charisma und über die kirchenrechtlichen Aspekte in geeigneter Weise zu unterweisen.

120. Der Ruf, Hirten des Volkes Gottes zu sein, erfordert eine Ausbildung, die die künftigen Priester die Kunst der pastoralen Unterscheidung lehrt. Sie müssen ein tiefes Gespür für die Wirklichkeit und ein sicheres Urteil in der Auswahl und Entscheidung haben. Die Verwirklichung des pastoralen Unterscheidungsvermögens verlangt, die Bedeutung des Zuhörens gemäß dem Evangelium zu betonen. Es befreit den Hirten von der Versuchung der Abgehobenheit, des Geltungsdranges, der übertriebenen Selbstsicherheit und jener Gleichgültigkeit, die ihn mehr zu „einem Buchhalter des Geistes“ als zu „einem guten Samariter“ machen würde.[196] Wer Gott und den Brüdern und Schwestern zuhört, weiß, dass es der Geist ist, der die Kirche in die ganze Wahrheit führt (vgl. Joh 16,13), und dass sie in Übereinstimmung mit dem Geheimnis der Inkarnation langsam im Leben des Menschen und in den Zeichen der Geschichte sichtbar wird.

So lernt der Hirte seine im Voraus gebildeten Sicherheiten zu verlassen und versteht seinen Dienst nicht als Serie von Dingen, die zu tun, oder von Normen, die anzuwenden sind. Vielmehr macht er sein Leben zu einem „Ort“ des aufmerksamen Hörens auf Gott und die Brüder und Schwestern.[197]

Durch das aufmerksame, respektvolle und von Vorurteilen freie Zuhören wird der Hirte fähig, das Leben der anderen nicht oberflächlich und verurteilend zu sehen. Er gewinnt nämlich Einblick in das Herz der Menschen und die verschiedenen Lebensumstände, vor allem in die inneren und äußeren Schwierigkeiten, die ihr Verhalten bisweilen problematisch erscheinen lassen. Er wird fähig, mit Klugheit und Verständnis die Einflüsse jeglicher Art, in denen die Personen sich bewegen, zu interpretieren, und lernt, geistliche und pastoral umsetzbare Lösungen vorzuschlagen, die das Leben der Gläubigen und das sozio-kulturelle Umfeld berücksichtigen.

Der Blick des Guten Hirten, der seine Schafe sucht, begleitet und führt, leitet ihn zu einer ruhigen, klugen und barmherzigen Sicht an. Er leistet seinen Dienst im Stile einer unbeschwerten Annahme und einer wachsamen Begleitung aller Situationen, auch der sehr komplexen, und zeigt die Schönheit und die Erfordernisse der Wahrheit des Evangeliums auf, ohne in legalistische und unerbittliche zwanghafte Verhaltensweisen zu geraten. Auf diese Weise versteht er, ein Voranschreiten im Glauben in kleinen Schritten, die besser verstanden und angenommen werden können, vorzuschlagen. Als Zeuge des mütterlichen Antlitzes der Kirche, die es, ohne auf die Erfordernisse der Wahrheit des Evangeliums zu verzichten, vermeidet, diese in unüberwindliche Hindernisse zu verwandeln, weil sie verständnisvoll und ohne jemanden auszuschließen urteilt, wird er ein Zeichen der Barmherzigkeit und des Erbarmens.

121. Weil auch die Nichtpraktizierenden, die Nichtglaubenden und die, die eine andere Religion haben, Adressanten der Seelsorge sind, müssen die Seminaristen lernen, den Dialog mit allen Menschen zu suchen und ihnen das Evangelium Christi unter Berücksichtigung ihrer tiefsten Erwartungen und der Freiheit eines jeden zu verkünden. Die Ausbilder sollen daher die künftigen Hirten lehren, wie neue „Räume“ und neue pastorale Gelegenheiten geschaffen werden, um denen entgegen zu kommen, die den katholischen Glauben nicht völlig teilen, aber mit guter Absicht eine befriedigende und authentische Antwort auf ihre tiefsten Fragen suchen.

122. Eine solide pastorale Ausbildung erfordert nicht nur die Umsetzung einer aktiven apostolischen Veranlagung, sondern auch das Studium der Pastoraltheologie. Diese bedient sich, wo es notwendig ist, des hilfreichen Beitrags der Humanwissenschaften, besonders der Psychologie, der Pädagogik und der Soziologie.

123. Um in diesem Bestreben das „Format“ und den pastoralen Eifer für die Mission zu erlangen, ist das Beispiel der priesterlichen Vorgänger – auch jener schon betagten – und der die Diözese leitenden Hirten wie auch der pensionierten Bischöfe eine große Hilfe und ein Ansporn. Daher sollen sie die „pastorale Tradition“ der Ortskirche, der sie inkardiniert oder in der sie ihren Dienst ausüben werden, mit dem Ziel, ihre künftige Eingliederung in das pastorale Leben zu erleichtern, kennen und schätzen lernen.

Die Seminaristen sollen von einem authentischen katholischen Geist beseelt sein. Auch wenn sie ihre Diözese aufrichtig lieben, sollen sie sich, falls sie später gefragt werden oder es selbst wünschen, großzügig und bereitwillig für den spezifischen Dienst in der Gesamtkirche oder in anderen Teilkirchen zur Verfügung stellen.[198]

124. Gemäß dem klugen Urteil des Bischofs sollen während der ganzen Ausbildung einige pastorale Erfahrungen ermöglicht werden, die für die ganzheitliche Ausbildung absolut notwendig und auf der Basis des Alters und der verschiedenen Begabungen der einzelnen Seminaristen abzuwägen sind. Dies soll zu der Zeit und in der Weise geschehen, die unter Beachtung der vorlesungsfreien Zeit am geeignetsten erscheinen. Jedes Seminar soll in Absprache mit den anderen diözesanen Einrichtungen darauf achten, das pastorale Praktikum so zu gestalten und in den Jahresablauf einzufügen, dass es in keiner Weise anderen Ausbildungsinitiativen schadet. Besonders zu beachten ist das Umfeld, in dem die Seminaristen ihre pastoralen Erfahrungen machen. In besonderer Weise „wird man bei der Wahl geeigneter Orte und Dienste für das Einüben pastoraler Erfahrungen die Pfarrei als Lebenszelle der ausschnitthaften und spezifizierten Seelsorgserfahrungen, durch die sich die Priesterkandidaten mit den besonderen Problemen ihres künftigen Berufes konfrontiert sehen, sorgfältig berücksichtigen müssen“.[199]

Besonderer Aufmerksamkeit bedarf die Vorbereitung der Seminaristen auf die spezielle Art und Weise der pastoralen Begleitung der Kinder, der Jugendlichen, der Kranken, der Alten, der Personen mit Behinderung, der Gefangenen und aller, die, vielleicht weil sie Migranten sind,[200] einsam und arm sind.[201] Der grundlegend wichtige Bereich der Familienpastoral soll in besonderer Weise berücksichtigt werden.[202]

Diese Erfahrungen müssen von wirklich erprobten und klugen Priestern, Ordensleuten und Laien begleitet werden. Sie sollen jedem Seminaristen eine bestimmte Aufgabe zuweisen und ihn über die konkrete Art und Weise des Vorgehens unterweisen. Falls möglich, sollen sie während der Durchführung dieser Aktivitäten anwesend sein, um in geeigneter Weise den Seminaristen beraten und unterstützen und ihm in der Auswertung des Praktikums helfen zu können.

VI. An der Ausbildung beteiligte Personen

125. Die Priesterausbildung verdankt sich in erster Linie dem Wirken der Heiligsten Dreifaltigkeit. Der Vorstellung des Vaters gemäß formt sie jeden Seminaristen sowohl durch die Gegenwart Christi in seinem Wort, in den Sakramenten und in den Schwestern und Brüdern als auch durch das vielfältige Wirken des Heiligen Geistes.[203] Da das Wirken des Heiligen Geistes in der Ausbildung der von Christus Berufenen und bei der Prüfung der Berufung im Vordergrund steht, müssen die Glieder der Kirche, die Priester, Diakone, Gottgeweihten und Laien aufeinander hören und zusammenwirken.

126. Die eine und einzige Katholische Kirche verwirklicht sich in den Teilkirchen.[204] Auch wenn die Priesterausbildung im kirchlichen Kontext einer Diözese oder der eigenen Institutionen geschieht, ist der priesterliche Dienst für die Gesamtkirche offen.[205] Er bringt daher auch die eventuelle Verfügbarkeit für die dringendsten Erfordernisse der anderen Diözesen mit sich.

Der Bezug zur eigenen Ortskirche ist aber der unabdingbare Kontext des Ausbildungsprozesses. Zugleich ist die Ortskirche sowohl der Ort, an dem die Regeln für die Prüfung der Berufung Anwendung finden, als auch die Zeugin der von den Einzelnen erreichten Fortschritte hinsichtlich ihrer menschlichen und christlichen Reife für die Priesterweihe.

127. Die Mitglieder des geistlichen Heimatverbandes einer Diözese tragen auf verschiedene Art und Weise und entsprechend ihrer Zuständigkeit Verantwortung für die Priesterausbildung: der Bischof als verantwortlicher Hirte der Diözese; das Presbyterium als Kreis der Mitbrüder in der Ausübung des Dienstamtes; die Ausbilder im Seminar als Vermittler geistlicher und pädagogischer Inhalte; die Professoren, die intellektuelle Hilfen für die ganzheitliche Ausbildung anbieten; das Verwaltungspersonal, die Spezialisten und Fachleute durch ihr Glaubens- und Lebenszeugnis und ihre Kompetenz; schließlich die Seminaristen selbst als Hauptpersonen des ganzheitlichen Reifungsprozesses zusammen mit den Familien, der Heimatpfarrei und eventuellen Vereinigungen, Bewegungen oder anderen kirchlichen Institutionen.

a) Diözesanbischof

128. Der Erstverantwortliche für die Aufnahme in das Seminar und für die Priesterausbildung ist der Bischof.[206] Diese Verantwortung drückt sich in der Wahl des Rektors und der Ausbilder[207] sowie in der Ausarbeitung und in der Approbation der Statuten, des Ausbildungsprogramms und der Ordnung für das Seminar aus.[208]

Der Bischof muss es verstehen, einen vertrauensvollen Dialog mit den Seminaristen aufzubauen, um ihre aufrichtige Offenheit zu erleichtern. In der Tat „[haben] der Diözesanbischof bzw. bei einem interdiözesanen Seminar die beteiligten Bischöfe [...] das Seminar häufig selbst zu besuchen; sie haben die Bildung der Alumnen und die im Seminar vermittelte philosophische und theologische Ausbildung zu überwachen und sich über Berufung, Charakter, Frömmigkeit und Fortschritt der Seminaristen Kenntnis zu verschaffen, vor allem im Hinblick auf die Erteilung der heiligen Weihen“.[209] Der Bischof muss sorgfältig darauf achten, seine Autorität nicht so auszuüben, dass der Rektor und die anderen Ausbilder in der Prüfung der Berufung der Seminaristen und ihrer angemessenen Vorbereitung faktisch ausgeschaltet werden. Vielmehr „[soll] der Bischof [...] mit den Verantwortlichen des Seminars als Zeichen des Vertrauens häufige persönliche Kontakte unterhalten, um sie bei ihrer Arbeit anzuregen und um dafür zu sorgen, dass unter ihnen ein Geist voller Eintracht, der Gemeinschaft und der Zusammenarbeit herrscht“.[210] Mit Blick auf das Wohl der Kirche ist daran zu denken, dass die pastorale Liebe auf jeder Verantwortungsebene nicht darin besteht, jede beliebige Person ins Seminar aufzunehmen, sondern eine überlegte Berufungsberatung und einen effizienten Ausbildungsprozess anzubieten.

Handelt es sich um interdiözesane Seminare oder werden die Seminaristen einer Diözese dem Seminar einer anderen Teilkirche anvertraut,[211] sind der Dialog zwischen den beteiligten Bischöfen, das gegenseitige Einverständnis über die Ausbildungsmethode und das den Verantwortlichen des Seminars gewährte Vertrauen die unabdingbaren Voraussetzungen für ein gutes Gelingen der Formung.

Die liturgischen Feiern in der Kathedrale, denen der Bischof vorsteht, offenbaren das Geheimnis der Kirche und machen die Einheit des Volkes Gottes sichtbar.[212] Unter Berücksichtigung des Ausbildungsprogramms im Seminar sollen die Seminaristen zu den Zeiten, die im Ablauf des liturgischen Jahres und für die Diözese besonders wichtig sind, daran teilnehmen.

b) Presbyterium

129. Der Klerus der Teilkirche soll mit dem Diözesanbischof vereint und in tiefem Einklang sein und mit ihm seine Sorge für die Ausbildung der Kandidaten durch Gebet, aufrichtige Zuneigung, Unterstützung und Besuche im Seminar teilen. Jeder Priester muss sich seiner Ausbildungsverantwortung gegenüber den Seminaristen bewusst sein. Im Besonderen die Pfarrer und im Allgemeinen jeder Priester, der die Seminaristen für ein pastorales Praktikum aufnimmt, sollen mit den Ausbildern im Seminar auf der Basis aufrichtiger und konkreter Gespräche großzügig zusammenarbeiten. Die Rahmenbedingungen, unter denen die Zusammenarbeit der Priester mit dem Seminar gestaltet wird, können sich gemäß den verschiedenen Phasen des Ausbildungsprozesses ändern.

c) Seminaristen

130. Wie schon erwähnt, ist jeder Seminarist die Hauptperson seiner Ausbildung und aufgerufen, beständig menschlich, geistlich, intellektuell und pastoral unter Berücksichtigung seiner persönlichen und familiären Geschichte zu wachsen. Die Seminaristen sind ebenso für das Entstehen und die Aufrechterhaltung einer an der Frohbotschaft orientierten Ausbildungsatmosphäre verantwortlich.

131. Die Seminaristen müssen als Einzelne und als Gruppe – nicht nur im äußeren Verhalten – in der Demut und im Dienst am Nächsten einen authentisch priesterlichen Lebensstil verinnerlichen, der ein Zeichen der reifen Entscheidung ist, sich in die besondere Nachfolge Christi zu begeben.[213]

d) Ausbilder

132. Die Gruppe der Ausbilder besteht aus ausgewählten und gut vorbereiteten Priestern,[214] die dazu beauftragt sind, an der schwierigen Aufgabe der Priesterausbildung mitzuarbeiten. Die Ausbilder sollen ausschließlich für diese Aufgabe bestimmt sein, damit sie sich ihr vollständig widmen können, und im Seminar wohnen. Sie treffen sich regelmäßig mit dem Rektor, um zu beten, das Seminarleben zu planen und periodisch die Entwicklung der Seminaristen zu besprechen.

Die Ausbilder sind nicht nur eine institutionelle Notwendigkeit, sondern bilden vor allem eine echte und eigene Gemeinschaft, die ein schlüssiges und beredtes Zeugnis der Werte des priesterlichen Dienstes bietet. Auferbaut und ermutigt von einem solchen Zeugnis werden die Seminaristen bereitwillig und überzeugt die ihnen dargebotenen Bildungsangebote annehmen.

133. Gemäß dem Kodex des kanonischen Rechtes[215] besteht das Ausbilderteam für ein Seminar mindestens aus einem Rektor und einem Spiritual. Nichtsdestoweniger muss die numerische Größe der Gruppe der Ausbilder angemessen und der Zahl der Seminaristen entsprechend proportioniert sein. Falls es die Umstände erfordern, kann sie daher auch mehrere Spirituale, einen Vizerektor, einen Verwalter und andere Ausbilder wie die Koordinatoren für die verschiedenen Dimensionen umfassen.

134. Der Rektor[216] ist ein Priester, der sich durch Klugheit, Weisheit, Ausgeglichenheit und besondere Kompetenz auszeichnet.[217] Er koordiniert die Ausbildung durch die Leitung des Seminars.[218] Aus mitbrüderlicher Liebe soll er mit den anderen Ausbildern eine tiefe und verlässliche Zusammenarbeit aufbauen. Er ist der gesetzliche Vertreter des Seminars im kirchlichen und im zivilen Bereich.[219] Zusammen mit dem Ausbildungsverantwortlichen einer jeden Phase und dem Spiritual setzt er sich dafür ein, die notwendigen Mittel für die Prüfung und den Reifungsprozess der Berufung zur Verfügung zu stellen.

135. Der Vizerektor muss die notwendige pädagogische Eignung haben. Seine Aufgabe besteht darin, mit der gebotenen Zurückhaltung den Rektor in der Ausbildung zu unterstützen und ihn im Falle der Abwesenheit zu ersetzen. Im Allgemeinen „muss [der Vizerektor] besondere pädagogische Gaben, frohe Liebe zu seinem Dienst und den Geist der Zusammenarbeit besitzen“.[220]

136. Der Bischof achte darauf, kompetente und erfahrene Priester für die geistliche Begleitung auszuwählen, die eines der bevorzugten Mittel ist, um die Seminaristen bei der Prüfung der Berufung zu unterstützen. Der Spiritual muss ein wahrer Meister des inneren Lebens und des Gebetes sein, der dem Seminaristen hilft, den göttlichen Ruf anzunehmen und eine freie und großzügige Antwort reifen zu lassen.

Er „[ist] für den geistlichen Weg der Seminaristen im forum internum sowie für die Durchführung und Koordinierung der verschiedenen geistlichen Übungen und des liturgischen Lebens im Seminar verantwortlich [...]“.[221] In den Seminaren, in denen es mehrere Spirituale gibt, soll einer der „Koordinator der spirituellen Dimension“ sein. Er moderiert die liturgischen Feiern, koordiniert die Tätigkeit der anderen Spirituale und der eventuellen auswärtigen Beichtväter,[222] er bereitet das Programm der jährlichen geistlichen Exerzitien und der monatlichen Einkehrtage wie auch die Feiern des liturgischen Jahres vor und fördert zusammen mit dem Rektor die ständige Fortbildung der Spirituale.

137. Wo es die Umstände erfordern, soll einer der Ausbilder beauftragt werden, der „Koordinator der menschlichen Dimension“ zu sein. Er sorgt in Zusammenarbeit mit anderen kompetenten Personen (auf dem Gebiet der Psychologie, des Sports, der Medizin etc.) für die Entstehung eines Klimas in der Gemeinschaft, das für den menschlichen Reifungsprozess der Seminaristen günstig ist.

Wenn die Organisation der Studienkurse dem Seminar obliegt, soll einer der Ausbilder der „Koordinator der intellektuellen Dimension“ sein. Seine Aufgabe ist es, die Studienordnung zu entwerfen, die von der zuständigen kirchlichen Autorität gebilligt wird, und die Dozenten unter besonderer Beachtung ihrer akademischen Ausbildung, ihrer Treue zum Lehramt und ihrer periodischen Weiterbildung zu begleiten und zu unterstützen. Er koordiniert darüber hinaus das Studiensekretariat und ist für die Bibliothek verantwortlich.

Falls die Seminaristen akademische Lehrveranstaltungen an einer Universität oder an einer Fakultät besuchen, ist es Aufgabe des „Koordinators der intellektuellen Dimension“, Interesse zu zeigen und sie zu begleiten. In diesem Fall prüft er, ob die Studieninhalte ergänzt werden müssen und bereitet ein ergänzendes Ausbildungsprogramm hinsichtlich der an der Universität oder Fakultät nicht behandelten Themen vor.

Unter den Ausbildern befasst sich der „Koordinator der pastoralen Dimension“ mit der pastoralen Ausbildung in Theorie und Praxis. Im Gespräch mit Priestern, Ordensleuten und/oder Gläubigen legt er die Orte fest, die für das pastorale Praktikum geeignet sind, und organisiert die pastoralen Erfahrungen.

138. Der Ökonom[223] übt durch die Abwicklung der Verwaltung eine echte pädagogische Rolle im Innern der Seminargemeinschaft aus. Im Hinblick auf die Hinführung der Seminaristen zu einem Geist der priesterlichen Armut soll er sich des Einflusses, den die alltägliche Umgebung auf den Auszubildenden haben kann, und der Bedeutung eines angemessenen Gebrauchs der materiellen Güter bewusst sein.

139. Die Gruppe der Ausbilder wirkt innerhalb der größeren „Ausbildungsgemeinschaft“ und bezieht diese in die Durchführung ihrer Aufgabe ein. Die „Ausbildungsgemeinschaft“ ist die Gesamtheit der beteiligten Personen, die in die Priesterausbildung involviert sind, also der Bischof, die Ausbilder, die Professoren, das Verwaltungspersonal, die Angestellten, die Familien, die Pfarreien, die Gottgeweihten, das Fachpersonal und natürlich die Seminaristen selbst, da ohne ihre volle Zusammenarbeit ein wesentlicher Beitrag zur Ausbildung fehlt.[224] Sie alle müssen sich der bildenden Aufgabe, die sie haben, und der Bedeutung der Kohärenz ihres Lebens bewusst sein.

e) Professoren

140. Die Professoren der Seminare sollen vom Bischof oder im Falle eines interdiözesanen Seminars von den beteiligten Bischöfen nach Anhörung des Rektors oder, wenn dies als angemessen betrachtet wird, des Kollegiums der Professoren ernannt werden. Diese Aufgabe erfordert wegen der erzieherischen Verantwortung, die sie mit sich bringt,[225] ein echtes und eigenes Mandat. Die Dozenten und die Seminaristen sind gerufen, dem in der Schrift hinterlegten, durch die Tradition überlieferten und vom Lehramt authentisch interpretierten Wort Gottes in voller Treue zuzustimmen. Den lebendigen Sinn der Tradition entnehmen sie den Werken der Kirchenväter und der anderen Lehrer, die in der Kirche hoch geschätzt werden.

141. Die intellektuelle Ausbildung der Kandidaten steht unter der Verantwortung des Rektors und der übrigen Ausbilder. Die Ausbilder und – falls vorhanden – der „Koordinator für die intellektuelle Dimension“ gewährleisten die Zusammenarbeit und die regelmäßigen Begegnungen mit den Professoren und anderen Fachleuten, um Themen in Bezug auf die Unterweisung zu behandeln und die ganzheitliche Ausbildung der Seminaristen effektiver zu fördern. Die Professoren befassen sich mit dem Verlauf des Studiums jedes Seminaristen. Das Engagement der Seminaristen im persönlichen Studium aller Fächer muss als ein Kriterium der Prüfung der Berufung und als eine Bedingung für das voranschreitende Wachstum in der Treue zum priesterlichen Dienst betrachtet werden.

142. In der Erfüllung ihrer Aufgabe sollen sich die Professoren als Teil eines Lehrkörpers[226] und als wirkliche Ausbilder[227] betrachten. Sie sollen versuchen die Seminaristen zu jener Einheit des Wissens zu führen, die ihre konkrete Erfüllung in Christus, dem Weg, der Wahrheit und dem Leben, findet.[228]

Die Synthese des Wissens, die vom Seminaristen erwartet wird, soll alle anderen Bereiche umfassen, die das priesterliche Leben über die Wissenschaft hinaus betreffen. Die Professoren, die im Rahmen ihrer Kompetenz an der Ausbildung im Seminar beteiligt sind und sich darum kümmern, sollen den Seminaristen Impulse geben und ihnen helfen, sowohl auf dem Gebiet des Wissens und der wissenschaftlichen Forschung als auch im geistlichen Leben voranzukommen.

143. Die Anzahl der Professoren muss angemessen und hinsichtlich der didaktischen Erfordernisse und der Zahl der Seminaristen ausreichend sein. Der Lehrkörper soll mehrheitlich aus Priestern bestehen, die durch ihre persönliche Erfahrung auch einen pastoralen Beitrag zu ihrem Fach gewährleisten können. Diese Weisung erscheint dadurch begründet, dass die Lehrenden nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern dazu beitragen, neue Priester zu „zeugen“ und auszubilden.[229]

In einigen Situationen kann sich der Ausbildungsbeitrag von Ordensleuten oder Laien als angebracht erweisen. Trotz der Verschiedenheit der Berufung soll jeder Dozent den Seminaristen Einblick in das eigene Charisma gewähren, dessen Aufgabe innerhalb der Kirche erklären und ein stimmiges Zeugnis des Lebens nach dem Evangelium geben.

144. Die Professoren müssen den entsprechenden akademischen Titel erlangt haben:[230] Für die theologischen Wissenschaften und die Philosophie ist wenigstens die Lizenz oder ein gleichwertiger Titel erforderlich; für die anderen Disziplinen die entsprechenden akademischen Grade. Die Dozenten, die Erfahrungen und Fähigkeiten auf pädagogischem Gebiet haben, sollen eine angemessene Kenntnis der mit ihrem Fach verwandten Disziplinen erlangen.[231]

f) Sonstige Fachleute

145. Verschiedene Fachleute können gebeten werden, ihren Beitrag beispielsweise auf medizinischem, pädagogischem, künstlerischem, ökologischem, verwalterischem Gebiet und im Umgang mit den Kommunikationsmitteln zu leisten.

146. Auf dem Weg der Ausbildung zum Priestertum erweist sich die Mitarbeit und der Beitrag von Fachleuten auf bestimmten Gebieten wegen ihrer beruflichen Qualitäten und wegen ihrer Hilfe, wenn besondere Situationen sie erfordern, als nützlich. Bei der Auswahl der Spezialisten ist über ihre menschliche Qualität und ihre spezifische Kompetenz hinaus ihr Profil als Glaubende zu berücksichtigen.[232] Die Seminaristen dürfen ihre Beteiligung nicht als Last ansehen, sondern als das Angebot einer wertvollen und qualifizierten Hilfe für ihre eventuellen Erfordernisse. Jeder Experte muss sich darauf beschränken, auf seinem Gebiet tätig zu sein, ohne sich über die Eignung der Seminaristen zum Priestertum zu äußern.

147. Auf dem Gebiet der Psychologie ist dieser Beitrag sowohl für die Ausbilder als auch für die Seminaristen vor allem in zweierlei Hinsicht wertvoll: in Bezug auf die Beurteilung der Persönlichkeit durch ein Urteil über die psychische Gesundheit des Kandidaten und in Bezug auf die therapeutische Begleitung, um eventuelle Problematiken zu erhellen und beim Wachstum der menschlichen Reife zu helfen.[233] Einige Normen, die bei der Anwendung dieser Wissenschaft zu berücksichtigen sind, werden im VIII. Kapitel vorgestellt.

g) Familie, Pfarrei, kirchliche Institutionen

148. Gewöhnlich entsteht die Berufung im Inneren einer Gemeinschaft, in der der Seminarist eine wichtige Glaubenserfahrung gemacht hat. Aus diesem Grund muss die priesterliche Grundausbildung solche Gesprächspartner in Betracht ziehen. Sowohl die Familie als auch die Heimat- oder die Bezugspfarrei und manchmal auch andere kirchliche Gemeinschaften[234] tragen dazu bei, in bedeutsamer Weise die priesterliche Berufung sowohl während der Zeit der Ausbildung als auch im Verlauf des Lebens zu stützen und zu nähren.[235]

In der Tat „[sind] die familiären Bindungen [...] grundlegend, um das gesunde Selbstwertgefühl der Seminaristen zu stärken. Darum ist es wichtig, dass die Familien den gesamten Weg des Seminars und des Priestertums begleiten, weil sie helfen, ihn auf lebensnahe Weise zu stärken“.[236]

Zugleich muss die Ausbildung von Anfang an zu jener inneren Freiheit erziehen, die die rechte Autonomie in der Ausübung des Dienstes und einen gesunden Abstand von eventuellen Erwartungen vonseiten der Familie erlaubt, weil der Ruf des Meisters es erfordert, „die Hand an den Pflug zu legen, ohne nochmals zurückzublicken“ (vgl. Lk 9,62).

149. Das Seminar hat nicht nur die Aufgabe, die Seminaristen auszubilden, sondern auch die Familien gut pastoral zu betreuen. Es ist notwendig, dass die Seminaristen realistisch und mit menschlicher und christlicher Reife verstehen, die Wirklichkeit der eigenen Familie anzuerkennen und zu akzeptieren und sich eventuellen Problemen zu stellen und – falls möglich – mit ihr den Berufungsweg zu teilen. Die Familienpastoral des Seminars trägt einerseits zum christlichen Reifungsprozess der Familien bei; andererseits auch dazu, den Ruf zum Priestertum eines Familienmitglieds als Segen zu begreifen, indem sie ihn zum Tragen kommen lässt und das ganze Leben hindurch unterstützt.

h) Ordensleute und Laien

150. Die Anwesenheit von Ordensleuten und Laien im Seminar ist ein wichtiger Aspekt auf dem Weg der Ausbildung der Kandidaten. Die Seminaristen sollen zu einer rechten Wertschätzung der verschiedenen Charismen in der Diözese angeleitet werden, da der Priester gerufen ist, ihre Vielfalt im Inneren der Kirche zu fördern. Das gottgeweihte Leben ist ein sprechendes und anziehendes Zeichen der evangelischen Radikalität und der Verfügbarkeit zum Dienst. Die Laien nehmen ihrerseits an der auf die Verkündigung des Evangeliums gerichteten Sendung Christi teil und geben erbauende Zeugnisse der Kohärenz und der Lebensentscheidungen gemäß dem Evangelium.[237]

151. Nicht zuletzt in Bezug auf die Anerkennung der Komplementarität von Mann und Frau hat die Beteiligung der Frau an der Seminarausbildung entweder als Expertin oder im Umfeld der Lehre, des Apostolats, der Familien oder des Dienstes an der Gemeinschaft eine eigene Bedeutung für die Ausbildung. Die Frauen sind unter den Zielgruppen und Mitarbeitern des pastoralen Wirkens des Priesters oft in der Mehrheit und bieten ein erbauendes Zeugnis des demütigen, großzügigen und selbstlosen Dienstes.[238]

i) Ständige Fortbildung aller beteiligten Personen

152. Der Einsatz der an der Ausbildung beteiligten Personen kann als innere Einstellung definiert werden, die in einer intensiven geistlichen Erfahrung wurzelt und durch eine beständige Unterscheidung geleitet wird. Sie ermöglicht es, durch das Leben und die verschiedenen Umstände zu lernen und in ihnen das Wirken der Vorsehung Gottes im eigenen christlichen und priesterlichen Leben zu entdecken. An der Tiefe dieser Haltung bemisst sich die Qualität des den Seminaristen gebotenen Dienstes und zugleich hängt von ihr ein ruhiges Ausbildungsklima im Seminar ab.

Während der Ausbilder seiner Sendung folgt, hat er die Gelegenheit zu wachsen. Er kann das spezifische Charisma der Berufungsbegleitung und des priesterlichen Lebens als Ruf entdecken, der ihn in persönlicher Weise charakterisiert. In diesem Sinn kann das Seminar eine Schule für die Vorbereitung der Beauftragten für die ständige Fortbildung werden. Wer im Seminar Ausbilder gewesen ist, erwirbt nämlich eine besondere Sensibilität und eine reiche Erfahrung, um die ständige Fortbildung des Klerus begleiten zu können.[239]

VII. Organisation der Studien

153. „ Die wissenschaftlich-intellektuelle Ausbildung der Priesterkandidaten findet ihre charakteristische Rechtfertigung in der Natur des geweihten Dienstes selbst und beweist ihre aktuelle Dringlichkeit angesichts der Herausforderung der ,Neu-Evangelisierungʻ, zu welcher der Herr die Kirche an der Schwelle des dritten Jahrtausends aufruft“.[240] Um den künftigen Priestern eine angemessene intellektuelle Ausbildung zu garantieren, sollen alle Fächer so gelehrt werden, dass ihr tiefer Zusammenhang in klarer Weise zum Vorschein kommt und eine Zersplitterung vermieden wird. Es handelt sich um einen umfassenden Ausbildungsabschnitt,[241] dessen Fächer wichtige „Elemente“ sind, um das Geheimnis Christi und der Kirche darzulegen und eine authentische christliche Sicht des Menschen und der Welt reifen zu lassen.

„Unsere heutige Situation, die schwer gezeichnet ist von religiöser Gleichgültigkeit und einem verbreiteten Misstrauen in Bezug auf die tatsächliche Fähigkeit der Religion, zur objektiven und universalen Wahrheit zu gelangen, und außerdem von den durch die Entdeckungen in Wissenschaft und Technik hervorgerufenen neuen Problemen und Fragen geprägt ist, erfordert mit Nachdruck ein hervorragendes Niveau der intellektuellen Ausbildung. Diese Ausbildung soll die Priester dazu befähigen, dem so geschilderten Umfeld das unwandelbare Evangelium Christi zu verkünden und es angesichts der legitimen Erfordernisse der menschlichen Lebenswirklichkeit glaubwürdig zu machen. Hinzugefügt sei außerdem, dass das in unseren Tagen nicht nur im Bereich der menschlichen Gesellschaft, sondern auch der kirchlichen Gemeinschaft sehr ausgeprägte Phänomen des Pluralismus eine besondere Begabung zu kritischer Unterscheidung verlangt: Das ist ein weiterer Grund, der die Notwendigkeit einer sehr ernsthaften intellektuellen Ausbildung beweist“.[242]

154. Im Folgenden werden die verschiedenen Fächer der allgemeinen Studienordnung vorgestellt. Die Ratio Nationalis muss eine Übersicht der Fächer enthalten, die die intellektuelle Ausbildung in jeder Ausbildungsphase betreffen. Sie muss zudem kurz die Inhalte einer jeden Disziplin, ihre Einbindung in den gesamten Ausbildungsabschnitt, das Programm und die Übersicht über die Jahre und die Semester einschließlich der Zahl der Kreditpunkte eines jeden Kurses angegeben.

Es ist zu berücksichtigen, dass das Studium der propädeutischen Inhalte wenigstens ein Jahr dauern muss. Das Studium der Philosophie muss mindestens zwei Jahre dauern (oder gemäß den in einigen Ländern geltenden Unterrichtssystemen eine entsprechende Anzahl an Semesterwochenstunden aufweisen). Das Studium der Theologie erstreckt sich auf mindestens vier Jahre (oder eine entsprechende Anzahl an Semesterwochenstunden), so dass das Studium der Theologie und der Philosophie insgesamt einen Zeitraum von wenigstens sechs Jahren umfasst[243] (oder gemäß anderen Studienordnungen die Menge an Unterrichtsmaterie, die gewöhnlich in einem Zeitraum von sechs Jahren behandelt wird).

Die Fächer, die im Folgenden für das Propädeutikum, für das Studium der Philosophie und der Theologie zusammen mit den „amtsspezifischen“ Themen genannt werden, bilden die grundlegende Struktur des Studiums in den Seminaren und in allen Ausbildungshäusern. Sie können von den Bischofskonferenzen unter Berücksichtigung ihrer Ausbildungstradition und der spezifischen pastoralen Erfordernisse ergänzt und angepasst werden.

a) Studium der propädeutischen Inhalte

155. Obwohl es sich um eine vorausgehende und auf das Studium der Philosophie und der Theologie vorbereitende Phase handelt, hebt das Propädeutikum nicht nur die intellektuelle Seite, „sondern auch und vor allem die menschliche und spirituelle“[244] hervor. „In besonderer Weise ist es dringend, eine rechte Ausgewogenheit zwischen der menschlich-spirituellen und der intellektuellen Komponente zu gewährleisten, um eine überbordende Vermehrung der Studieninhalte zu Lasten der eigentlichen kirchlichen und priesterlichen Ausbildung zu vermeiden“.[245]

156. Hinsichtlich der Inhalte der propädeutischen Phase ist die Situation der Gesellschaft und der Teilkirche, in der die Ausbildung durchgeführt wird, zu berücksichtigen. Die Zuverlässigkeit der grundlegenden Elemente der intellektuellen Ausbildung, die Teil des sich anschließenden Ausbildungsabschnittes sind, muss gesichert sein.

Es ist dafür Sorge zu tragen, „,eine möglichst umfassende Kenntnis der Glaubenslehreʻ“[246] und der für das Verständnis des priesterlichen Dienstes bedeutsamen Elemente zu gewährleisten. Darüber hinaus sollen eventuelle Lücken der schulischen Ausbildung in für die Priesterkandidaten bedeutsamen Bereichen geschlossen werden.

157. Im Folgenden werden einige Themen, die die propädeutischen Studien kennzeichnen, beispielhaft aufgelistet:

a. Einführung in die Schriftlektüre, die eine erste Kenntnis der Bibel und aller ihrer Teile erlaubt;

b. Einführung in das Geheimnis Christi[247] und der Kirche, in die Theologie des Priestertums und in die Liturgie durch das Studium des Katechismus der Katholischen Kirche und der liturgischen Bücher;

c. Einführung in die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und in das Lehramt der Kirche, vor allem das der Päpste;

d. Elemente der priesterlichen Spiritualität unter besonderer Beachtung der bedeutendsten geistlichen „Schulen“ und der Heiligen, die als Priester beispielhaft gelebt und gewirkt haben;

e. Elemente der Geschichte der Gesamtkirche und der Ortskirche speziell in Bezug auf die missionarischen Aspekte;

f. Heiligenkunde im Hinblick auf Heilige und Selige der Diözese und der Region;

g. Elemente der humanistischen Bildung durch die Kenntnis der Werke nationaler Autoren und die Kenntnis der nicht- christlichen Religionen des Landes und der Region;

h. Elemente der Psychologie, die für die Selbsterkenntnis der Seminaristen hilfreich sind.

b) Studium der Philosophie

158. Das Studium der Philosophie „[leitet] zu tieferem Verständnis und zur besseren Deutung der menschlichen Person, ihrer Freiheit und ihrer Beziehungen zur Welt und zu Gott an [...]. Die philosophische Ausbildung erweist sich als sehr dringend, nicht nur wegen der Bande, die zwischen den philosophischen Themen und den in der Theologie im höheren Licht des Glaubens erforschten Heilsgeheimnissen bestehen, sondern auch angesichts einer weitverbreiteten kulturellen Situation, die den Subjektivismus zum Kriterium und Maßstab der Wahrheit erhebt [...] Nicht unterschätzt werden darf auch die Bedeutung der Philosophie für die Garantie jener ,Wahrheitsgewissheitʻ, die es allein auf der Grundlage der persönlichen Ganzhingabe an Jesus Christus geben kann“.[248]

159. Was die Inhalte des philosophischen Studiums angeht, soll der systematischen Philosophie besondere Bedeutung zugemessen werden. Sie führt zu einem soliden und kohärenten Wissen über den Menschen, die Welt und Gott, da sie eine an Gedanken und Sichtweisen reiche Zusammenfassung gewährleistet. Diese Ausbildung muss auf dem dauerhaft gültigen philosophischen Erbe der großen christlichen Philosophen basieren.

Es sind die gegenwärtigen philosophischen Forschungen – vor allem die, die einen größeren Einfluss auf das entsprechende Land haben – und der Fortschritt der modernen Wissenschaften zu berücksichtigen, damit die Seminaristen aufgrund einer entsprechenden Kenntnis der wichtigsten Merkmale der Gesellschaft für den Dialog mit den Menschen angemessen ausgebildet sind. Um das Studium der philosophischen Inhalte zu erleichtern, müssen die Seminaristen durch die Kenntnis einer spezifischen „philosophischen Methodik“ vorbereitet werden.

160. An diesem Punkt der Ausbildung soll der Metaphysik angemessener Raum eingeräumt werden, insofern „der weisheitliche Charakter der Philosophie [...] ihre ,wahrhaft metaphysische(r) Tragweiteʻ [impliziert], die ,imstande sein [muss], das empirisch Gegebene zu transzendieren, um bei ihrer Suche nach der Wahrheit zu etwas Absolutem, Letztem und Grundlegendem zu gelangenʻ, wenn auch in einem schrittweisen Erkennen im Laufe der Geschichte“,[249] gemäß „der ,ursprünglichen Berufungʻ der Philosophie [...]: [... der] Suche nach dem Wahren und seiner weisheitlichen und metaphysischen Dimension“.[250] Es ist auch notwendig, der Theodizee und der Kosmologie Aufmerksamkeit zu widmen, die in eine christliche Sicht der Wirklichkeit einführen.

161. Die „Geschichte der Philosophie“ muss sorgfältig gelehrt werden, damit die Entstehung und die Entwicklung der wichtigsten Themen klar werden. Die „Geschichte der Philosophie“ verfolgt das Ziel, die Kontinuität der Reflexion und des menschlichen Denkens über das Absolute, über die Wahrheit und über die Möglichkeit ihrer Erkenntnis zu verstehen. Die philosophischen Studien sind auch ein ergiebiges Feld des Dialogs und der Diskussion mit den Nichtglaubenden.

162. Andere Themen, die im Verlauf dieser Phase des Studiums beachtet werden müssen, sind die philosophische Anthropologie, die Logik, die Ästhetik, die Erkenntnislehre, die Ethik, die politische Philosophie und die Religionsphilosophie.

163. Gebührende Aufmerksamkeit soll den Humanwissenschaften wie der Soziologie und der Pädagogik in den Aspekten geschenkt werden, die für die Ausbildung mit Blick auf den priesterlichen Dienst am geeignetsten erscheinen, um in den Seminaristen die Fähigkeit wachsen zu lassen, die menschliche Seele mit ihrem Reichtum und ihren Schwächen kennenzulernen und die Bildung von objektiven und ausgeglichenen Urteilen über Personen und Situationen zu erleichtern.

164. Indem „besonders [...] auf den engen Zusammenhang der Philosophie mit den wirklichen Lebensproblemen “ geachtet wird, ist es unter einem pastoralen Blickwinkel durch diesen Studienabschnitt auch möglich, in den Seminaristen „den Drang [zu wecken], mit methodischer Strenge nach der Wahrheit zu suchen, in sie einzudringen und sie zu beweisen und gleichzeitig die Grenzen menschlicher Erkenntnis ehrlich anzuerkennen“.[251]

c) Studium der Theologie

165. Die theologische Ausbildung „muss den Priesterkandidaten dazu führen, eine Sicht der von Gott in Jesus Christus geoffenbarten Wahrheiten und der Glaubenserfahrung der Kirche zu erhalten, die vollständig und einheitlich sein soll: Daher kommt die zweifache Forderung, ,alleʻ christlichen Wahrheiten kennenzulernen, ohne willkürliche Auswahlentscheidungen zu treffen und sie in organischer Form zu erfassen “.[252] Es handelt sich folglich um eine bedeutsame und fundamentale Phase im Verlauf der intellektuellen Ausbildung, weil „[...] der künftige Priester durch das Studium, vor allem der Theologie, zu einer engen Verbindung mit dem Wort Gottes [kommt], [...] in seinem geistlichen Leben [wächst] und [...] sich auf die Erfüllung seines pastoralen Dienstes vor[bereitet]“.[253]

166. Das Studium der Heiligen Schrift ist die Seele der Theologie.[254] Sie muss alle theologischen Disziplinen inspirieren. Der Ausbildung im Umgang mit der Bibel soll daher auf allen Ebenen, von der Lectio divina bis zur Exegese, die gebotene Bedeutung zugemessen werden.[255] Nach einer geeigneten Einleitung sollen die Seminaristen auch durch Hilfsdisziplinen und spezielle Kurse in die exegetischen Methoden eingeführt werden. Sie sollen hinsichtlich der Natur und der Lösung der wichtigsten hermeneutischen Probleme in geeigneter Weise von den Professoren unterwiesen und wirksam darin unterstützt werden, einen Überblick über die ganze Schrift zu erwerben und die entscheidenden Punkte der Heilsgeschichte und die Merkmale der einzelnen biblischen Bücher gründlich zu verstehen. Die Professoren sollen sehr darum bemüht sein, den Seminaristen eine dem Lehramt entsprechende theologische Synthese der göttlichen Offenbarung anzubieten, um solide Grundlagen für ihr spirituelles Leben und ihre künftige Predigttätigkeit zu gewährleisten.

Den Seminaristen soll die Gelegenheit geboten werden, einige Kenntnisse der hebräischen und der in der Bibel verwendeten griechischen Sprache zu erwerben, mit deren Hilfe sie sich biblischen Texten in der Originalfassung nähern können. Spezielle Aufmerksamkeit soll auch der Kenntnis der Kultur und des biblischen Kontextes insbesondere der jüdischen Geschichte geschenkt werden, um das Verständnis der Heiligen Schrift zu verbessern und eine korrekte innere Beziehung zum Volk des Alten Bundes zu erlangen.

167. Die heilige Liturgie muss als eine grundlegende Disziplin betrachtet werden. Sie soll vom theologischen, spirituellen, kanonischen und pastoralen Blickwinkel aus in Verbindung mit den anderen Fächern dargestellt werden, damit die Seminaristen wissen, wie die Mysterien des Heiles gegenwärtig sind und in den liturgischen Handlungen wirken. Darüber hinaus muss nach der Erläuterung der Texte und Riten des Orients und Okzidents die heilige Liturgie als Ausdruck des Glaubens und des spirituellen Lebens der Kirche betrachtet werden. Unter sorgfältiger Beachtung der liturgischen und kirchenrechtlichen Gesetzgebung sollen die Seminaristen den wesentlichen und unwandelbaren Kern der Liturgie und das, was lediglich zu bestimmten geschichtlichen Relikten gehört und deshalb aktualisiert werden kann, verstehen.[256]

168. Die Dogmatik, die die Lehre über die Sakramente beinhaltet, soll systematisch und geordnet gelehrt werden, so dass zuallererst die Schrifttexte dargelegt werden. Danach sind aus Gründen der Weitergabe und der Entwicklung des Verständnisses der geoffenbarten Wahrheit die Beiträge der Kirchenväter des Ostens und des Westens und die Dogmengeschichte darzulegen. Schließlich sollen die Seminaristen lernen, durch spekulative Reflexion tiefer die Mysterien des Heils zu durchdringen und die zwischen ihnen bestehenden Zusammenhänge zu begreifen. Darüber hinaus sollen sie lernen, Lebenssituationen im Lichte der Offenbarung zu deuten und sich ihnen zu stellen, die ewigen Wahrheiten unter den veränderlichen Bedingungen der menschlichen Wirklichkeit wahrzunehmen und sie in geeigneter Weise dem Volk Gottes mitzuteilen.

Von Beginn der theologischen Ausbildung an soll in geeigneter Weise die Lehre über die theologischen Quellen und die Fundamentaltheologie angeboten werden. In ökumenischem Geist und in Formen, die für die heutigen Umstände geeignet sind, darf die Einführung in den Glauben hinsichtlich seiner vernunftgemäßen und wesentlichen Grundlagen und unter Beachtung der Aspekte historischer und soziologischer Natur, die einen besonderen Einfluss auf das christliche Leben ausüben, nicht vernachlässigt werden.

169. Auch die Moraltheologie muss in allen ihren Verzweigungen in der Heiligen Schrift verankert sein, um ihre innere Zugehörigkeit zum einzigartigen Mysterium des Heils zu zeigen. Durch die systematische Darlegung ihres Rufes zur Heiligkeit und zur Freiheit erläutert sie das christliche Verhalten der Gläubigen, das auf Glaube, Hoffnung und Liebe basiert, als Antwort auf die göttliche Berufung. Sie befasst sich auch damit, den Wert der Tugend zu erkennen und die Aufmerksamkeit gegenüber der Sünde zu wecken, ohne zu diesem Zweck die neuesten Erkenntnisse der Anthropologie zu vernachlässigen und indem sie sich als ein bisweilen anspruchsvoller, aber immer an der Freude des christlichen Lebens orientierter Weg anbietet.

Diese moraltheologische Lehre im Sinne eines „Gesetzes der Freiheit“ und eines „Lebens gemäß dem Geist“ wird durch die Theologie der Spiritualität ergänzt. Diese muss auch das Studium der Theologie und der Spiritualität des Priestertums, des durch die Übung der evangelischen Räte gottgeweihten Lebens und der Laien umfassen. Aufgabe der christlichen Ethik ist es, alle Jünger gemäß den Zeichen ihrer Berufung im Hinblick auf den Weg der Heiligkeit zu formen. In diesem Zusammenhang ist in der Studienordnung ein Kurs über die Theologie des gottgeweihten Lebens vorzusehen, damit die künftigen Hirten die wesentlichen Eckpunkte und die charakteristischen theologischen Inhalte des zum Leben und zur Heiligkeit der Kirche gehörenden Ordenslebens kennenlernen können.

170. Die Pastoraltheologie „[ist] eine wissenschaftliche Reflexion über die Kirche in ihrer täglichen Auferbauung in der Geschichte durch die Kraft des Geistes [...] Die Seelsorge ist weder nur eine Kunst noch ein Gefüge von Ratschlägen, Erfahrungen und Methoden; sie besitzt ihre volle theologische Würde, weil sie aus dem Glauben die Grundsätze und Kriterien für das pastorale Wirken der Kirche in der Geschichte bezieht, einer Kirche, die jeden Tag die Kirche selbst ,hervorbringtʻ [...] Unter diesen Grundsätzen und Kriterien kommt dem Maßstab der evangelischen Unterscheidung in der sozio-kulturellen und kirchlichen Situation, innerhalb der sich das pastorale Wirken vollzieht, besondere Bedeutung zu“.[257]

171. In einem Kontext erhöhter menschlicher Mobilität, in dem die ganze Welt ein „globales Dorf“ geworden ist, darf im Verlauf der Studien die Missionswissenschaft als eine genuine Ausbildung unter dem Blickwinkel der Universalität der Kirche und als Förderung ihres Elans als Verkünderin des Evangeliums im Sinne nicht nur der missio ad gentes, sondern auch der Neuevangelisierung nicht fehlen.

172. Es ist unerlässlich, eine ausreichende Anzahl von Vorlesungen für das Fach „kirchliche Soziallehre“ vorzusehen, bedenkt man, dass die Verkündigung und das Bezeugen des Evangeliums, wozu der Priester beauftragt ist, einen bedeutenden Einfluss auf die Gesellschaft haben und unter anderem auf den Aufbau des Reiches Gottes zielen. Das impliziert eine vertiefte Kenntnis der Wirklichkeit und eine dem Evangelium gemäße Deutung der menschlichen, sozialen und politischen Beziehungen, die die Existenz der Einzelnen und der Völker bestimmen. Zu diesem Bereich gehören wichtige Themen, die das Leben des Volkes Gottes betreffen und vom Lehramt der Kirche ausführlich behandelt wurden:[258] unter anderem die Erforschung des Gemeinwohls, die Bedeutung der Solidarität unter den Völkern und der Subsidiarität, die Erziehung der Jugendlichen, das Thema Arbeit und die mit ihr zusammenhängenden Rechte und Pflichten, die Bedeutung der politischen Autorität, die Bedeutung der Gerechtigkeit und des Friedens, die sozialen Strukturen der Unterstützung und der Begleitung der Ärmsten.

Darüber hinaus richtet sich seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit der Experten und Wissenschaftler, die auf verschiedenen Forschungsgebieten tätig sind, auf eine deutlich werdende und die ganze Welt betreffende Krise, die einen großen Widerhall im gegenwärtigen Lehramt findet und das „ökologische Problem“ betrifft. Die Bewahrung der Schöpfung und die Sorge für unser gemeinsames Haus – die Erde – gehören völlig zu Recht zur christlichen Sicht des Menschen und der Wirklichkeit und stellen in gewisser Weise den Hintergrund für eine gesunde Ökologie der menschlichen Beziehungen dar. Sie erfordern deshalb vor allem heute eine „,ökologische Umkehrʻ, die beinhaltet, alles, was ihnen [den Christen] aus ihrer Begegnung mit Jesus Christus erwachsen ist, in ihren Beziehungen zu der Welt, die sie umgibt, zur Blüte zu bringen. Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein, praktisch umzusetzen gehört wesentlich zu einem tugendhaften Leben; sie ist nicht etwas Fakultatives, noch ein sekundärer Aspekt der christlichen Erfahrung“.[259] Es ist daher unerlässlich, dass die künftigen Priester für dieses Thema intensiv sensibilisiert werden. Durch die notwendigen lehramtlichen und theologischen Leitgedanken soll ihnen geholfen werden, „die Dringlichkeit und die Schönheit der Herausforderung zu erkennen, die vor uns steht“,[260] und das Thema in ihrem künftigen priesterlichen Dienst zu berücksichtigen. Dazu sollen sie mit angemessener Sorge alle Themen fördern, die mit dem Schutz der Schöpfung zusammenhängen.

173. Durch die wissenschaftliche Prüfung der historischen Quellen muss die Kirchengeschichte den Ursprung und die Entwicklung der Kirche als das in Zeit und Raum sich ausbreitende Volk Gottes vermitteln. Im Hinblick auf ihre Darlegung ist es unerlässlich, den Fortschritt der theologischen Lehre und der konkreten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Situation und der Meinungen und der Formen des Denkens, die größeren Einfluss ausgeübt haben, nicht ohne die Untersuchung ihrer gegenseitigen Abhängigkeit und Entwicklung, zu berücksichtigen. Durch die Förderung des unverfälschten Sinnes für die Kirche und die Tradition ist schließlich das wunderbare Aufeinandertreffen des göttlichen und menschlichen Handelns hervorzuheben. Es ist auch erforderlich, dass die gebotene Beachtung der Geschichte der Kirche des eigenen Landes möglich ist.

174. Das Kirchenrecht soll ausgehend von einer fundierten Sicht des Mysteriums der Kirche im Lichte des II. Vatikanischen Konzils gelehrt werden.[261] Bei der Darlegung seiner Prinzipien und Normen soll gezeigt werden, wie die gesamte kirchenrechtliche Ordnung und die kirchliche Disziplin dem Heilswillen Gottes entsprechen müssen, da sie als höchstes Gesetz das Heil der Seelen haben. Im Anschluss an die für die Promulgation des Kodex von 1983 verwendeten Worte lässt sich daher sagen, dass das gesamte Kirchenrecht „[...] gewissermaßen als ein großes Bemühen aufgefasst werden [kann], [...] die konziliare Ekklesiologie, in die ,kanonistischeʻ Sprache zu übersetzen. Auch wenn es unmöglich ist, das in der Lehre des Konzils beschriebene Bild der Kirche erschöpfend in die ,kanonistischeʻ Sprache zu übertragen, so muss doch der Kodex sich immer auf dieses Bild wie auf ein vorrangiges Beispiel beziehen, dessen Züge er soweit wie möglich gemäß seiner Natur ausdrücken muss“.[262] Das kanonische Recht stellt sich daher in den Dienst des Wirkens des Geistes in der Kirche. Im Rahmen einer genauen Prüfung der kirchlichen Situationen fördert es eine wirksame Ausübung der Pastoral.

In diesem Sinne ist es angemessen, dass während der Zeit der Grundausbildung die Pflege und das Studium des kanonischen Rechts gefördert werden. Auf diese Weise sollen die Priester verstehen können, dass besonders im Bereich der Familienpastoral viele Probleme oder „Wunden“ mit Hilfe der Weisungen des Kirchenrechts und durch die „[beständige Förderung des Wohls der Gläubigen] gemäß den Gaben und der Sendung eines jeden [...]“[263] gelöst und geheilt werden können.

175. Auf dieselbe Weise sollen auch andere Fächer als unerlässliche Bestandteile des theologischen Studienabschnittes betrachtet werden, wie der Ökumenismus und die Geschichte der Religionen, vor allem jener, die im jeweiligen Land am verbreitetsten sind. Im Bewusstsein, dass „wir [auch dann] evangelisieren [...], wenn wir versuchen, uns den verschiedenen Herausforderungen [die auftauchen] zu stellen, [...]“,[264] ist darüber hinaus den Empfängern der Glaubensverkündigung und deshalb den in der säkularen Kultur relevanten Fragen und Herausforderungen viel Aufmerksamkeit zu widmen: der Wirtschaft der Ausschließung, der Vergötterung des Geldes, der sozialen Ungerechtigkeit, die Gewalt hervorbringt, dem Vorrang des Scheins vor dem Sein, dem postmodernen und globalisierten Individualismus und der Existenz des ethischen Relativismus und der religiösen Indifferenz.[265]

d) Amtsspezifische Materien

176. Bei diesen Fächern handelt es sich um Materien, deren Kenntnis vor allem durch die besonderen Erfordernisse des künftigen pastoralen Dienstes notwendig ist,[266] um sie in einem konkreten Kontext und zu einer bestimmten Zeit anzuwenden. Den Zeiten und Modalitäten gemäß, die jede Ratio Nationalis festlegt, soll jedes Seminar gewährleisten, dass die Unterweisung in diesen Disziplinen den Seminaristen während des Verlaufs der Ausbildung erteilt wird. Das Angebot und die Vertiefung solcher Themen sind ein nützlicher und unabdingbarer Beitrag für das Leben und das menschliche und spirituelle Wachstum der künftigen Priester und für ihren Dienst.

177. In besonderer Weise ist es angemessen, die ars celebrandi zu vertiefen, um die fruchtbare Teilnahme an den Mysterien und die Zelebration der Liturgie unter sorgfältiger Beachtung der liturgischen Bücher darzulegen.

Eine besondere Aufmerksamkeit muss der Homilie gewidmet werden,[267] insofern sie „[...] der Prüfstein [ist], um die Nähe und die Kontaktfähigkeit eines Hirten zu seinem Volk zu beurteilen“.[268] Das erweist sich besonders nützlich auf anderen Gebieten des Dienstes, wie auf denen der liturgischen Predigt und der Katechese, die ständige Verpflichtungen für die Priester in dem Bemühen sind, das Wachstum der ihnen anvertrauten Gemeinschaften zu fördern. Die Vorbereitung der Verkündigung der christlichen Botschaft ist nicht nur „technisch“, weil „ein Prediger [...] ein Kontemplativer [ist], der seine Betrachtung auf das Wort Gottes und auch auf das Volk richtet. [...] Es geht darum, die Botschaft des biblischen Textes mit einer menschlichen Situation zu verbinden, mit etwas aus ihrem Leben, mit einer Erfahrung, die das Licht des Wortes Gottes braucht“.[269]

178. Für die Vorbereitung auf die Spendung des Sakramentes der Buße ist ein spezifischer Einführungskurs in den Beichtdienst sehr wichtig, der den Seminaristen hilft, die Grundsätze der Moraltheologie in Bezug auf konkrete Fälle umzusetzen und sich mit der Problematik dieses schwierigen Dienstes im Geist der Barmherzigkeit auseinanderzusetzen.[270] In diesem Umfeld ist mit Blick auf die Seelsorge der Gläubigen auch die Ausbildung in der Unterscheidung der Geister und in der geistlichen Leitung als unerlässlicher Bestandteil des priesterlichen Dienstes zu berücksichtigen.

179. Weil sich der Glaube des Volkes Gottes oft in den Formen der Volksfrömmigkeit Ausdruck verschafft, in der „,ein Hunger nach Gott zum Ausdruck [kommt], wie ihn nur die Einfachen und Armen kennenʻ“,[271] und sie „ein ,theologischer Ortʻ [ist ...], [dem] wir [besonders im Hinblick auf die neue Evangelisierung] Aufmerksamkeit schenken [sollen ...]“,[272] müssen die künftigen Priester ihren echten und unverfälschten Wert und Sinn kennen und schätzen. Die Seminaristen sollen so lernen, das, was zur Inkulturation des Evangeliums gehört und ein wahrer Schatz der Kirche ist, von der „[Liebe zu] wenig ausgereiften beziehungsweise irrigen Formen der Frömmigkeit [...], die sich von der echten biblischen Offenbarung entfernen“,[273] zu unterscheiden. Als natürliche Erweiterung dieses Themas ist es erforderlich, den Seminaristen die Hagiografie in Bezug auf das Leben der Heiligen, die größere Bedeutung haben, darzulegen.

180. Um besser den Erfordernissen des priesterlichen Dienstes entsprechen zu können, müssen die Seminaristen eine gründliche Ausbildung in der Verwaltung der Güter erhalten, die gemäß den kirchenrechtlichen Normen klar, uneigennützig, nachvollziehbar[274] und mit spezifischer Kompetenz zu verwalten sind. Das ermöglicht ein klares evangeliumsgemäßes Zeugnis – für das das christliche Volk in besonderer Weise empfänglich ist – und erleichtert so ein wirkungsvolleres pastorales Handeln. Diese Ausbildung soll die wesentlichsten Elemente über die einschlägigen zivilen Gesetze unter besonderer Beachtung der Pflichten eines jeden Pfarrers und der Notwendigkeit, mit kompetenten Laien zusammenzuarbeiten, umfassen.

181. Auf der Grundlage der konkreten Gegebenheiten des Ortes, an dem die Seminaristen ausgebildet werden, müssen sie für die sakrale Kunst sensibilisiert werden. Eine besondere Beachtung dieses Bereiches stellt den künftigen Priestern weitere katechetische Hilfsmittel zur Verfügung und macht ihnen darüber hinaus in höherem Maß die Geschichte und die „Schätze“ bewusst, die zum Vermögen der Teilkirchen gehören, in denen sie arbeiten. Es ist zu bedenken, dass eine angemessene Erschließung der Kunst und der Schönheit von sich aus ein Wert ist, der im Übrigen auch eine außerordentliche pastorale Wirkung hat. Die Kenntnis der sakralen Musik[275] trägt außerdem zur umfassenden Ausbildung der Seminaristen bei und bietet ihnen weitere Mittel für die Evangelisierung und die Pastoral.

182. Unter Berücksichtigung der beträchtlichen Aufmerksamkeit, die das Lehramt dem Thema „soziale Kommunikationsmittel“ widmet,[276] und des nützlichen Umfeldes für die Evangelisierung, das die „neuen Plattformen“ des Internet bilden, darf in den Seminaren eine entsprechende spezifische Sensibilisierung nicht fehlen. Diesbezüglich ist es notwendig, nicht nur Geräte kennenzulernen und technische Kenntnisse zu erwerben, sondern vor allem die Seminaristen an eine ausgewogene und verantwortungsvolle Nutzung ohne exzessive Vorlieben und Abhängigkeiten zu gewöhnen.

183. Schließlich ist das Thema des Sprachenstudiums in den Seminaren von dauernder Aktualität. Unter Berücksichtigung jener Sprachen, die in den Ländern gesprochen werden, in denen die Seminaristen den priesterlichen Dienst ausüben, wird nachdrücklich die Kenntnis wenigstens einer modernen Sprache empfohlen. Die Themen, die mit der Migration und dem Tourismus verbunden sind, dürfen in der Ausbildung der Seminaristen nicht ignoriert werden und erfordern das Erlangen einer angemessenen linguistischen Kompetenz.

Über die hebräische und die in der Bibel verwendete griechische Sprache hinaus sollen die Seminaristen von Beginn der Ausbildung an zum Studium der lateinischen Sprache angeleitet werden, die den Zugang zu den Quellen des Lehramtes und der Kirchengeschichte ermöglicht.

184. Die erwähnten „amtsspezifischen Materien“ und andere, die als nützlich oder notwendig für den priesterlichen Dienst erachtet werden, müssen die Seminaristen in Anbetracht der Bedeutung, die jede von ihnen in der Ausbildung haben kann, während der Zeit der Ausbildung gemäß den von der Ratio Nationalis vorgegeben Modalitäten studieren.

e) Weiterführende Studien

185. Über das Grundstudium hinaus, das für die Ausbildung aller Priester notwendig ist, kann das Apostolat für einige eine spezielle Vorbereitung erfordern. Abgesehen von der Möglichkeit, eine Spezialisierung in der Pastoral zu fördern, ist die Ausbildung von Priestern wichtig, die für Aufgaben und Dienste bestimmt sind, die eine weiterführende Vorbereitung in Kursen und dafür vorgesehenen Einrichtungen erfordert.

Über die Kenntnisse in den allgemein bekannten theologischen Wissenschaften hinaus, die in den Ausbildungsgängen des spezialisierten Studiums vermittelt werden, ist es vorstellbar, an andere Initiativen zu denken. Sie werden von den Teilkirchen gefördert und betreffen eine spezifische Ausbildung in Bereichen, die in Bezug auf die Pastoral und für den Erwerb von Hilfen und Kenntnissen zur Unterstützung bestimmter amtsspezifischer Aktivitäten für wichtig erachtet werden. Zu denken ist etwa an Kurse für die Ausbildung von Mitarbeitern an kirchlichen Gerichten, auf dem Gebiet der Massenmedien, in der Verwaltung der kirchlichen Güter oder in der Katechese und an Kurse für die Formung von Seminarausbildern.

Zu diesem Zweck können die Bischöfe aufgrund der ihnen zukommenden Verantwortung nach Einholung zweckmäßiger Informationen und nach Abwägung der Erfordernisse der Teilkirche Personen auswählen, die wegen des Charakters, der Tugend und der Begabung imstande sind, diese Ziele zu erreichen.

f) Ziele und Methoden der Unterweisung

186. Auch unter Berücksichtigung der Vielfalt der Methoden muss die Unterweisung die Verfolgung einiger Ziele gewährleisten:

a. dem Seminaristen zu helfen, in der großen Menge der Informationen, die er erhält, die wesentlichen Fragen aufscheinen zu lassen und jene gesunde Unruhe des Herzens wachzurufen, die den Geist des Menschen für die Suche nach Gott öffnet;

b. die Einheit und die Synthese der intellektuellen Ausbildung durch die wechselseitige Harmonie unter den biblischen, theologischen und philosophischen Studien zu verwirklichen. Insbesondere ist den Seminaristen zu helfen, die Kenntnisse zu ordnen und zu koordinieren. Es ist die Gefahr zu überwinden, dass sie ein unsystematisches und daher konfuses Mosaik aufgrund fragmentarischer Aneignung bilden;[277]

c. eine klare und solide Unterweisung zu garantieren, die darauf gerichtet ist, das Mysterium Gottes und seiner Kirche, die Wahrheiten des Glaubens und ihrer Hierarchie,[278] den Menschen und die gegenwärtige Welt besser zu verstehen;

d. den Dialog und den Austausch unter den Seminaristen und unter diesen und den Dozenten durch die Hilfe der logischen und vernunftgemäßen Argumentation zu fördern;

e. den Seminaristen eine geschichtliche Perspektive anzubieten, damit sie das Verhältnis zwischen Glaube und historischer Entwicklung begreifen und lernen, die Inhalte der philosophischen und theologischen Ausbildung in angemessener Sprache auszudrücken.

187. Praktische Hinweise. Was die didaktischen Methoden angeht, ist Folgendes zu berücksichtigen:

a. In den Grundkursen sollen die Dozenten die wesentlichen Inhalte der Fächer darlegen und den Seminaristen Orientierungshilfen für das persönliche Studium und die Literatur geben.

b. Unter Bevorzugung der Lehre der Päpste und der ökumenischen Konzilien sollen die Dozenten dafür Sorge tragen, die katholische Lehre mit besonderem Verweis auf den Reichtum des Lehramtes der Kirche zu unterrichten, um auf die Herausforderungen der Neuevangelisierung und der heutigen Wirklichkeit zu antworten.

c. Es sollen interdisziplinäre Seminare gehalten werden, um in höherem Maße das gemeinsame Studium nutzbringend zu machen und in kreativer Weise die Zusammenarbeit zwischen den Dozenten und den Seminaristen auf wissenschaftlichem und intellektuellem Niveau zu fördern.

d. Das persönliche, von „Tutoren“ geleitete Studium soll gefördert werden, so dass die Seminaristen eine Methodik für ihre wissenschaftliche Arbeit lernen und, in gebotener Weise unterstützt und ermutigt, sich den Lehrstoff angemessen aneignen.

e. Die Seminaristen sollen angeleitet werden, mit wissenschaftlicher Methode die verschiedenen pastoralen Probleme zu studieren, damit sie besser den inneren Zusammenhang zwischen dem Leben, der Frömmigkeit und den Kenntnissen aus der Vorlesung entdecken können.[279]

f. Wo die Bischofskonferenz es für angemessen hält, kann eine Phase der Ausbildung außerhalb des Seminars, manchmal auch in anderen Ländern, vorgesehen werden, um nützliche Sprachen zu studieren und das in einer anderen Kultur verwurzelte kirchliche Leben kennenzulernen.

Damit das Studium wirklich fruchtbar ist, darf eine Grundausstattung nicht fehlen, zu der eine ausreichende Zahl von gut vorbereiteten Dozenten,[280] eine Bibliothek, die von kompetentem Personal geordnet und gepflegt wird, und der Zugang zum Internet für die Forschung und die Kommunikation gehören.

Die Seminaristen sollen mit sowohl mündlichen als auch schriftlichen Prüfungen und mit wissenschaftlichen Abhandlungen den im Studium erreichten Erfolg gemäß den Normen der Bischofskonferenzen beweisen.

VIII. Kriterien und Normen

a) Verschiedene Seminararten

188. Es ist insbesondere daran zu erinnern, dass das Seminar nicht zuerst ein Gebäude, sondern eine Ausbildungsgemeinschaft ist, wo immer sie sich auch befinden mag. Daher sollen die Bischöfe, die es für möglich halten, ein Diözesanseminar zu errichten oder zu erhalten,[281] unter sorgfältiger Berücksichtigung der kirchlichen Umstände folgende Voraussetzungen in Betracht ziehen: das Vorhandensein einer ausreichenden Anzahl von Berufungen und Ausbildern, um eine Ausbildungsgemeinschaft zu garantieren,[282] eines Lehrkörpers, der imstande ist, eine qualitativ gute intellektuelle Ausbildung anzubieten, und selbstverständlich die Finanzierbarkeit der Einrichtung.

Wenn es die Umstände nicht erlauben, ist es erforderlich, in Abstimmung mit anderen Bischöfen der Kirchenprovinz oder der Bischofskonferenz eine angemessene Lösung zu suchen. Entweder werden die Seminaristen dem Seminar einer anderen Teilkirche anvertraut oder die Bischöfe errichten nach Erhalt der Approbation der Kongregation für den Klerus sowohl hinsichtlich der Errichtung als auch der Statuten ein interdiözesanes Seminar.[283]

Sollten Seminaristen das Studium nicht im eigenen Seminar, sondern in einer anderen Einrichtung absolvieren, müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden. In diesem Fall kommt es der Verantwortung des Bischofs zu, ihre Eingliederung in eine echte Ausbildungsgemeinschaft zu garantieren. Es muss sorgfältig vermieden werden, dass ein Seminarist oder eine kleine Gruppe von Seminaristen ständig in einer privaten Unterkunft wohnen, in der es ihm/ihr unmöglich wäre, ordnungsgemäß sowohl das geistliche als auch das gemeinschaftliche Leben zu pflegen.

Wohnt ein Seminarist rechtmäßig außerhalb des Seminars, soll ihn der Diözesanbischof einem geeigneten Priester anvertrauen, der sich aufmerksam seiner ganzheitlichen Ausbildung annimmt.[284]

b) Aufnahme, Entlassung und Verlassen des Seminars

189. „Die Kirche [hat] das Recht [...], auch unter Hinzuziehung von Medizin und Psychologie die Eignung der zukünftigen Priester zu prüfen“.[285] Der Bischof ist für die Aufnahme in das Seminar verantwortlich. Mit der Hilfe der Ausbilder soll er die menschlichen und moralischen, die geistlichen und intellektuellen Veranlagungen, die physische und psychische Gesundheit und die Redlichkeit der Absicht der Kandidaten beurteilen.[286] In diesem Zusammenhang sind die Hinweise von Psychologen,[287] die Herkunft aus anderen Seminaren oder Ausbildungsstätten[288] und das mögliche Vorhandensein von homosexuellen Tendenzen des Kandidaten[289] zu berücksichtigen. Im Allgemeinen „muss die erste Auswahl der Kandidaten für ihren Eintritt ins Seminar gewissenhaft erfolgen, weil es nicht selten vorkommt, dass die Seminaristen den Weg zum Priestertum verfolgen, indem sie jede Etappe als eine Folge und Verlängerung dieses ersten Schrittes betrachten“.[290]

b.1. Physische Gesundheit

190. Beim Eintritt ins Seminar soll der Seminarist nachweisen, dass er sich eines Gesundheitszustandes erfreut, der mit der künftigen Ausübung des Dienstes gemäß den hierzu von den Bischofskonferenzen in den nationalen Rationes erlassenen Normen vereinbar ist. Um eine „gesunde und widerstandsfähige Verfassung“ zu gewährleisten, muss er vor allem die Ergebnisse einer allgemeinen medizinischen Untersuchung und eventuell Unterlagen über frühere Krankheiten, Operationen oder spezifische Therapien vorlegen. Den Inhalt dieser Dokumentation dürfen nur der Bischof und der Rektor des Diözesanseminars erfahren und ihre Weitergabe wird gemäß den jeweils geltenden zivilen und kirchlichen Gesetzen des Landes geregelt.

In diesem Bereich ist stets zu berücksichtigen, was von der Kongregation für die Glaubenslehre hinsichtlich der klugen und individuellen Beurteilung derjenigen vorgeschrieben wurde, die Zöliakie haben oder unter Alkoholismus oder vergleichbaren Krankheiten leiden.[291] Die Bischofskonferenzen müssen entsprechende Normen in Bezug auf das erlassen, was von diesem Dikasterium zu anderen die Ausübung des Dienstes eventuell beeinträchtigenden Krankheiten dargelegt ist.

Der entsprechende Gesundheitszustand muss andauern und kann über die ganze Ausbildungszeit hinweg überprüft werden.

b.2. Psychische Gesundheit

191. Die Aufnahme in das Seminar ist zu vermeiden, wenn jemand unter offenkundigen oder latenten Pathologien leidet (beispielsweise Schizophrenie, Paranoia, bipolare Störung, Paraphilie etc.), die das Urteilsvermögen der Person untergraben und folglich ihre Fähigkeit, die Verpflichtungen der Berufung und des Dienstes zu übernehmen.

192. In diesem Zusammenhang war das Thema der Hinzuziehung von Psychologen in der Priesterausbildung schon in der Vergangenheit für die Kirche und den Heiligen Stuhl relevant.[292] Der Beitrag der Psychologie hat sich im Allgemeinen als eine wertvolle Hilfe für die Ausbilder, denen die Prüfung der Berufung zusteht, erwiesen. Dieser wissenschaftliche Beitrag ermöglicht, das Wesen und die Persönlichkeit der Kandidaten besser zu kennen und eine Ausbildung anzubieten, die den individuellen Voraussetzungen der Einzelnen angemessener ist: „Es ist nützlich, wenn der Direktor oder Regens und die anderen Seminarerzieher auf die Mitarbeit von Psychologen zählen können. Diese dürfen jedoch nicht Mitglieder im Ausbildungsteam sein“.[293] Angesichts des schwierigen Charakters der Aufgabe und der Besonderheit der Ausbildung zum priesterlichen Dienst sind diese Fachleute sorgfältig und klug auszuwählen: „Es soll darauf geachtet werden, dass die Psychologen über ihre solide menschliche und geistliche Reife hinaus von einem Menschenbild geleitet sind, das offen die christliche Vorstellung der menschlichen Person, der Sexualität, der Berufung zum Priester und zum Zölibat teilt, so dass ihre Tätigkeit das Geheimnis des Menschen in seinem persönlichen Dialog mit Gott entsprechend der Vorstellung der Kirche respektiert“.[294]

193. In einem Klima des gegenseitigen Vertrauens und der Offenheit des Herzens, das den Moment des Antrags auf Aufnahme in das Seminar kennzeichnen muss, ist der Seminarist gehalten, den Bischof und den Rektor des Seminars über eventuelle frühere psychologische Probleme und die Inanspruchnahme von Therapiezeiten zu informieren, da sie ein Element im Gesamt der anderen zu beurteilenden erforderlichen Eigenschaften sind. Auf jeden Fall ist eine psychologische Beurteilung sowohl bei der Aufnahme in das Seminar als auch danach, falls das den Ausbildern nützlich erscheint, angemessen.

194. Um sich eines Psychologen bedienen zu können, ist zu berücksichtigen, dass vonseiten der betroffenen Person[295] nach erfolgter Aufklärung die vorausgehende, schriftliche und freie Zustimmung erforderlich ist.[296] Andererseits „[kann] der Priesterkandidat [...] nicht seine persönlichen Bedingungen aufzwingen, sondern muss in Demut und Bereitwilligkeit die Normen und Bedingungen der Kirche [...] annehmen, die diese in der Wahrnehmung ihrer Verantwortung aufstellt“.[297] Zum Schutz der Intimsphäre „[muss sich] der Kandidat [...] frei an einen aus den durch die Seminarerzieher vorgeschlagenen Psychologen wenden können. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass sich der Kandidat an einen Psychologen wendet, der von ihm zuvor vorgeschlagen und von den Seminarerziehern akzeptiert wurde. Entsprechend den Möglichkeiten sollte für die Kandidaten stets eine freie Wahl zwischen verschiedenen Psychologen, die die nötigen Voraussetzungen haben, gewährleistet sein“.[298]

195. Nach der Erstellung des Berichtes gemäß den geltenden zivilen Gesetzen muss der Gutachter das Ergebnis seiner Untersuchung dem unmittelbar Betroffenen und nur den Personen mitteilen, die aufgrund ihres Amtes berechtigt sind, diese Informationen zu kennen: „Der Psychologe sollte nach durchgeführter Untersuchung, auch unter Einbeziehung der von den Seminarausbildern gegebenen Hinweise und nur mit vorausgehender schriftlicher Zustimmung des Kandidaten, den Ausbildern im Seminar seinen Beitrag zum besseren Verständnis des Persönlichkeitstyps und der Probleme geben, mit denen der Kandidat konfrontiert ist oder konfrontiert werden sollte. Er sollte auch entsprechend seiner Einschätzung und eigenen Kompetenz Möglichkeiten zu einer positiven Weiterentwicklung der Persönlichkeit des Kandidaten aufzeigen. Er sollte darüber hinaus nötigenfalls Formen oder Wege psychologischer Unterstützung empfehlen“.[299] Unter Berücksichtigung dieser Ausführungen sind konkret berechtigt, die vom Gutachter zur Verfügung gestellten Informationen zu kennen: der Bischof (der Bischof der für den Betroffenen zuständigen Diözese und – im Falle der Verschiedenheit – der Bischof, der für das Seminar verantwortlich ist), der Rektor (der Rektor der für den Betroffenen zuständigen Diözese und – im Falle der Verschiedenheit – der Rektor des Ausbildungsseminars) und der Spiritual.

196. Aufgabe der Bischofskonferenzen ist es, in den nationalen Rationes Normen zu erlassen, die die Modalitäten für die Einholung psychologischer Gutachten festlegen. Darüber hinaus ist zu beschließen, wie lange die Dokumente über die physische und psychische Gesundheit der Seminaristen aufbewahrt werden müssen. In dieser Hinsicht sind das geltende zivile Recht des Landes und die möglichen, auch strafrechtlichen Konsequenzen zu berücksichtigen, die an die wenn auch unbeabsichtigte Weitergabe der in diesen Unterlagen enthaltenen Informationen gebunden sind.

b. 3. Entlassung

197. Wenn es die Ausbildungsgemeinschaft nach Rücksprache mit dem Bischof für notwendig hält, einen Seminaristen zu irgendeinem Zeitpunkt der Ausbildung zu entlassen, soll diese Entscheidung generell schriftlich erfolgen und in geeigneter Weise archiviert werden. Im Sinne einer Zusammenfassung der durchgeführten Prüfung bedarf es einer vernünftigen wenigstens summarischen, aber auf jeden Fall ausreichend nachvollziehbaren Darstellung der Umstände,[300] die sie verursacht haben.

b.4. Seminaristen aus anderen Seminaren oder Ausbildungseinrichtungen

198. Grundsätzlich muss der, der nach einer Entlassung oder einem Austritt darum bittet, in ein neues Seminar oder Ausbildungshaus aufgenommen zu werden, dem Bischof einen schriftlichen Antrag vorlegen, in dem er seinen persönlichen Werdegang und die Gründe darlegt, die zuvor zur Entlassung oder zum Austritt aus einer anderen Ausbildungseinrichtung geführt haben. Der Rektor des Seminars, in dem die Person aufgenommen werden will, muss die Unterlagen, auch jene psychologischer Natur, über die in einer anderen Ausbildungseinrichtung verbrachten Zeit[301] gemäß den Bestimmungen der Bischofskonferenz[302] beschaffen. Es handelt sich im Allgemeinen um sehr heikle Situationen, die vonseiten der Ausbilder eine zusätzliche sorgfältige Prüfung und höchste Vorsicht vor der eventuellen Aufnahme erfordern.

c) Personen mit homosexuellen Tendenzen

199. Hinsichtlich der Personen mit homosexuellen Tendenzen, die in die Seminare eintreten oder die im Verlauf der Ausbildung diese Veranlagung entdecken „[kann] die Kirche [im Einklang mit ihrem Lehramt][303] – bei aller Achtung der betroffenen Personen – jene nicht für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen zulassen [...], die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte ,homosexuelle Kulturʻ unterstützen. Die genannten Personen befinden sich nämlich in einer Situation, die in schwerwiegender Weise daran hindert, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen. Die negativen Folgen, die aus der Weihe von Personen mit tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen erwachsen können, sind nicht zu übersehen“.[304]

200. „Falls es sich jedoch um homosexuelle Tendenzen handelt, die bloß Ausdruck eines vorübergehenden Problems, wie etwa einer noch nicht abgeschlossenen Adoleszenz sind, so müssen sie wenigstens drei Jahre vor der Diakonenweihe eindeutig überwunden sein“.[305]

Im Übrigen ist es angebracht, daran zu erinnern, dass in einer Beziehung des aufrichtigen Dialogs und des gegenseitigen Vertrauens der Seminarist gehalten ist, den Ausbildern – dem Bischof, dem Rektor, dem Spiritual und anderen Verantwortlichen – eventuelle Zweifel oder Schwierigkeiten auf diesem Gebiet offenzulegen.

„Wenn [in diesem Zusammenhang] ein Kandidat Homosexualität praktiziert oder tiefsitzende homosexuelle Tendenzen hat, sind der Spiritual wie auch der Beichtvater im Gewissen verpflichtet, ihm abzuraten, weiter den Weg zur Weihe zu beschreiten“. Auf jeden Fall „[wäre] es [...] in schwerwiegendem Maß unehrlich, wenn ein Kandidat die eigene Homosexualität verbergen würde, um – trotz allem – zur Weihe zu gelangen. Eine derart unaufrichtige Haltung entspricht nicht dem Geist der Wahrheit, der Zuverlässigkeit und der Verfügbarkeit, der die Persönlichkeit jener auszeichnen muss, die sich berufen fühlen, Christus und seiner Kirche im priesterlichen Amt zu dienen“.[306]

201. Zusammenfassend ist daran zu erinnern, und zugleich darf es den Seminaristen nicht verschwiegen werden, dass „der bloße Wunsch, Priester zu werden, [...] nicht aus[reicht], und [...] kein Recht darauf [besteht], die heilige Weihe zu empfangen. [...] es [steht] der Kirche zu, die Eignung dessen festzustellen, der in das Priesterseminar eintreten will, ihn während der Jahre der Ausbildung zu begleiten und ihn zu den heiligen Weihen zu rufen, wenn erwiesen ist, dass er über die erforderlichen Eigenschaften verfügt“.[307]

d) Schutz der Minderjährigen und Begleitung der Opfer

202. Größte Aufmerksamkeit muss dem Thema des Schutzes der Minderjährigen und der Erwachsenen mit Behinderung gewidmet werden.[308] Es ist sorgfältig darauf zu achten, dass die, die die Aufnahme in ein Seminar oder in ein Ausbildungshaus erbitten oder schon den Antrag für den Empfang der Weihen vorlegen, nicht in irgendeiner Weise in Delikte oder problematische Situationen in diesem Bereich verwickelt sind.

Eine besondere und geeignete persönliche Begleitung durch die Ausbilder muss für die gewährleistet sein, die schmerzliche Erfahrungen auf diesem Gebiet erlitten haben.

In das Programm sowohl der Grundausbildung als auch der ständigen Fortbildung sind spezifische Unterrichtseinheiten, Seminare und Kurse über den Schutz von Minderjährigen aufzunehmen. Die entsprechenden Inhalte sind in geeigneter Weise darzulegen. Dabei sind verschiedene Bereiche möglicher Ausbeutung oder Gewalt, wie beispielsweise Kinderhandel, Jugendarbeit und sexueller Missbrauch Minderjähriger und Erwachsener mit Behinderung, zu berücksichtigen.

Zu diesem Zweck ist es angebracht und nützlich, dass die Bischofskonferenz oder der für das Seminar zuständige Bischof die Päpstliche Kommission für den Schutz Minderjähriger[309] konsultiert, deren besondere Aufgabe es ist, „[dem Heiligen Vater] die geeignetsten Initiativen für den Schutz der Minderjährigen und der Erwachsenen mit Behinderung vorzuschlagen, damit alles Mögliche getan wird, um zu gewährleisten, dass Verbrechen wie jene geschehenen sich in der Kirche nicht mehr wiederholen. Die Kommission wird zusammen mit der Kongregation für die Glaubenslehre die Verantwortung der Teilkirchen für den Schutz aller Minderjährigen und der Erwachsenen mit Behinderung fördern“.[310]

e) Skrutinien

203. Was die sorgfältige und aufmerksame Prüfung angeht, soll sich der Bischof „mit einem klugen zeitlichen Vorlauf [...] mittels ,Skrutinienʻ davon überzeugen, dass jeder der Kandidaten geeignet ist für die heiligen Weihen und vollkommen entschieden, die Erfordernisse des katholischen Priestertums zu leben. In einer so heiklen Frage soll er niemals übereilt handeln, und in Fällen des Zweifels soll er seine Zustimmung lieber hinausschieben, bis sich jeder Schatten bezüglich eines Mangels an Eignung aufgelöst hat“.[311]

204. Der Akt der Eignungsprüfung eines Kandidaten wird „Skrutinium“ genannt. Es muss anlässlich einiger Abschnitte, näherhin fünf, auf dem Weg der Priesterausbildung durchgeführt werden: vor der Aufnahme unter die Weihekandidaten, vor der Übertragung der Dienste (des Lektors und des Akolythen), vor der Weihe zum Diakon[312] und vor der Weihe zum Priester.[313] Diese Skrutinien sind nicht bloße bürokratische und formale Akte unter Verwendung standardisierter und allgemeiner Formulierungen. Es handelt sich vielmehr um die maßgeblichen Beurteilungen der Berufung einer konkreten Person und ihrer Entwicklung durch die, die dazu durch Auftrag und im Namen der Kirche bestimmt sind. Sie zielen darauf ab zu prüfen, ob die Qualitäten und die persönlichen Voraussetzungen eines Kandidaten hinsichtlich eines jeden oben angegebenen Abschnittes des Ausbildungsweges wirklich vorhanden sind. Sie müssen daher schriftlich verfasst werden und eine begründete positive oder negative Beurteilung hinsichtlich des bis zu den genannten Stufen zurückgelegten Weges enthalten.

205. Während die Prüfung einiger Elemente nur im Hinblick auf einen spezifischen Abschnitt erfolgen muss, haben die Ausbilder dem für den Seminaristen zuständigen Bischof bei jedem Skrutinium vorzulegen:

a. eine handschriftliche Bitte des Kandidaten;

b. einen detaillierten Bericht des Rektors (des Rektors des Ausbildungsseminars und im Falle eines interdiözesanen Seminars auch des Rektors des für den Seminaristen zuständigen diözesanen Seminars oder des Verantwortlichen für die Berufungspastoral). Dieser Bericht muss eine Beurteilung des vorausgegangenen Ausbildungsabschnittes und aller Informationen enthalten, die für die bessere Kenntnis der Situation und für die Bewertung durch die Ausbilder wichtig erscheinen. Die Bestimmungen des can. 240 § 2 CIC (keine Stellungnahme des Spirituals und der Beichtväter) sind entsprechend zu beachten.

c. ein Bericht des Pfarrers des Geburtsortes oder des Wohnsitzpfarrers;

d. ein Bericht derer, bei denen der Kandidat in der Pastoral mitgearbeitet hat. Durch die Berücksichtigung ihrer Wahrnehmung und ihres Urteils in der Bewertung kann sich auch der Beitrag von Frauen, die den Kandidaten kennen, als nützlich erweisen.

206. Mit Blick auf die Übertragung der heiligen Weihe ist außerdem zu prüfen: die Einhaltung der vorgeschriebenen Ausbildungszeit, das Vorhandensein der gebührenden menschlichen und geistlichen Qualitäten, das Fehlen von Hindernissen und Irregularitäten,[314] der Empfang der Sakramente und die Teilnahme an den geistlichen Weiheexerzitien.[315] Generell ist immer zu bedenken, was in can. 1052 § 1 CIC ausgeführt ist. Gemäß dieser Norm muss die Eignung in klarer und schlüssiger Weise oder mit anderen Worten „auf der Basis einer moralischen Sicherheit, die auf positiven Argumenten gründet“,[316] und nicht einfach auf dem Fehlen problematischer Situationen feststehen.

Bekanntlich kommt dem Bischof die letzte und endgültige Verantwortung hinsichtlich der Zulassung zu den heiligen Weihen zu. Dennoch hat er die moralische Pflicht, sehr aufmerksam die abschließende Beurteilung der Ausbildungsgemeinschaft zu bedenken, die durch den Rektor, der die Erträge der im Verlauf von verschiedenen Ausbildungsjahren gemachten Erfahrungen sammelt, zum Ausdruck gebracht wird. Die Erfahrung zeigt, dass die Abweisung des negativen Urteils der Ausbildungsgemeinschaft durch die Ordinarien in nicht wenigen Fällen Ursache großen Leids für die Betroffenen und auch für die Ortskirche ist. Der Bischof soll davon Abstand nehmen, das Datum der Diakonenweihe zu veröffentlichen und Vorbereitungen für die Feier des Diakonates zuzustimmen, bevor sicher feststeht, dass alle erforderlichen Studien vorschriftsmäßig absolviert wurden und der Kandidat tatsächlich alle erforderlichen Prüfungen des Lehrplans für die philosophisch-theologischen Studien, einschließlich jener des fünften Jahres, bestanden hat.[317]

207. In besonderer Weise müssen darüber hinaus bedacht werden:

a. das Ergebnis der kanonischen Bekanntmachung an dem Ort, an dem der Kandidat längere Zeit den Wohnsitz hatte;

b. die Einhaltung des Alters, das für die Übertragung des Sakramentes der Weihe vorgeschrieben ist (vgl. can. 1031 § 1 CIC);

c. die Einhaltung der Zeiträume, die zwischen einem Dienst und dem anderen, zwischen Akolythat und Diakonat unter Berücksichtigung des can. 1035 CIC und eventueller weiterer Bestimmungen der Bischofskonferenzen vorgesehen sind;

d. die Prüfung hinsichtlich eventueller Hindernisse (vgl. can. 1042 CIC: verheiratet sein; Ausübung einer Tätigkeit, die Klerikern verboten ist; Stand des Neugetauften; gemäß der Bewertung des Bischofs die vergleichbare Lage dessen, der zum Glauben oder zur religiösen Praxis nach vielen Jahren der Abwesenheit zurückgekehrt ist) und Irregularitäten (vgl. can. 1041 2°–6° CIC: Straftat der Apostasie, der Häresie oder des Schismas; versuchte Eheschließung, auch der zivilen; vorsätzliche Tötung oder vorgenommene Abtreibung; Selbstverstümmelung oder versuchter Selbstmord; Vortäuschung von Handlungen, die an die Weihevollmacht gebunden sind);

e. für die Übertragung des Presbyterats die tatsächliche Ausübung des diakonalen Dienstes.

208. Von folgenden Erfordernissen für den Empfang der Diakonen- und Priesterweihe kann dispensiert werden:

a. hinsichtlich des Alters: Bis zu einem Jahr kann der Bischof dispensieren. Wird der Zeitraum eines Jahres überschritten, bedarf es des Rekurses an die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.[318]

b. hinsichtlich der Ausbildung: Die Gewährung der Dispens hinsichtlich der Mindestzeit der Ausbildung, die im Großen Seminar zu absolvieren ist,[319] und jener hinsichtlich der Inhalte, die den Ordo studiorum (Studienordnung) betreffen, kommt der Kongregation für den Klerus zu.[320]

209. Das Urteil über die Eignung eines Kandidaten, den nicht ständigen Diakonat mit Blick auf das Priestertum zu empfangen, muss unter Berücksichtigung des can. 1030 CIC auch jenes hinsichtlich des priesterlichen Dienstes einschließen. Es ist wesentlich, daran zu erinnern, dass die Beurteilung für die Übertragung des nicht ständigen Diakonats potenziell ein Urteil über die Eignung zum Presbyterat beinhaltet. Niemand darf ad experimentum zum Diakonat zugelassen werden. Nach der Diakonenweihe wird die Eignung zum Presbyterat vermutet. Sowohl durch Tatsachen, die sich vorher ereigneten, aber im Augenblick der Zulassung zum Diakonat nicht bedacht wurden, als auch durch Verhaltensweisen, die sich danach ereigneten, kann gemäß can. 1030 CIC das Gegenteil durch den Bischof mit klaren Argumenten bewiesen werden.

210. Unter Berücksichtigung der Beurteilung der Ausbilder entscheidet der Bischof seinem klugen Urteil gemäß über die Zulassung oder über die Ablehnung der Kandidaten zur Weihe. Es ist angebracht, dass der Bischof seine Entscheidung in Form eines Dekretes mitteilt, in dem er wenigstens in allgemeiner Form die Gründe für dieses Vorgehen darlegt.[321]

Schluss

Das II. Vatikanische Konzil regte die Priester an, auf Maria, das vollkommene Ideal ihres Lebens zu schauen und sie als „Mutter des höchsten und ewigen Priesters, [... als] Königin der Apostel und Schützerin ihres Dienstes“ anzurufen, und lud sie ein, sie “mit kindlicher Ergebung und Verehrung hoch[zu]schätzen und [zu] lieben„ (Presbyterorum ordinis, 18).

Sie ist die Mutter der Barmherzigkeit und die Mutter der Priester, die ihr Leben und ihre Bildung, der diese Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis dienen soll, schützt und begleitet.

Papst Franziskus hat das vorliegende Allgemeine Ausführungsdekret approbiert und seine Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für den Klerus,

8. Dezember 2016, Hochfest der ohne Erbsünde,
empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria,
Beniamino Kard. Stella,
Präfekt,
✠ Joël Mercier,
Titularerzbischof von Rota Sekretär,
✠ Jorge Carlos Patrón Wong,
Erzbischof-Bischof em. von Papantla,
Sekretär für die Seminare,
Mons. Antonio Neri,

Sotto-Segretario

Anmerkungen

  1. Papst Franziskus, Ansprache An die Vollversammlung der Kongregation für den Klerus (3. Oktober 2014): L’Osservatore Romano, 226 (4. Oktober 2014), 8. In der vorliegenden Ratio Fundamentalis orientiert sich der deutsche Text der Zitate, die sich auf lehramtliche Dokumente beziehen, an den offiziösen Übersetzungen des Apostolischen Stuhles und der Deutschen Bischofskonferenz, sofern diese vorlagen. Der Text der biblischen Zitate ist der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift entnommen.
  2. Vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis (6. Januar 1970): AAS 62 (1970), 321–384.
  3. Diese Dokumente werden im weiteren Verlauf des Textes jeweils detailliert zitiert und behandelt.
  4. Vgl. CIC, can. 250.
  5. Vgl. ebd., can. 31 § 1.
  6. Gemäß can. 31 § 1 CIC ist das vorliegende Dokument ein allgemeines Ausführungsdekret in Bezug auf die Anwendung der kodikarischen Normen über die Ausbildung. Es ersetzt die Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis vom 6. Januar 1970, die durch die Ausgabe vom 19. März 1985 revidiert wurde; vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die Priesterausbildung Optatam totius (28. Oktober 1965), Nr. 1: AAS 58 (1966), 713.
  7. CIC, can. 659 § 3.
  8. Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor bonus (28. Juni 1988), Artt. 88 § 2 und 108 § 2: AAS 80 (1988), 887.
  9. Vgl. Papst Benedikt XVI., Apostolische Konstitution Anglicanorum coetibus (4. November 2009): AAS 101 (2009), 985–990.
  10. Die entsprechenden Zuständigkeiten der beiden Dikasterien legte Papst Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Ministrorum institutio (16. Januar 2013), Art. 6: AAS 105 (2013), 134, fest: „Die Kongregation für das katholische Bildungswesen ist nach Anhörung der Kongregation für den Klerus gemäß deren Kompetenz für die Ordnung der akademischen Studien der Philosophie und der Theologie zuständig“.
  11. Vgl. Papst Pius XII., „Motu proprioCum nobis (4. November 1941), Nr. 13: AAS 33 (1941), 479; Ministrorum institutio, Art. 7: AAS 105 (2013), 134.
  12. Ministrorum institutio, Artt. 4–5: AAS 105 (2013), 133–134, wodurch die Artt. 93 § 2 und 94 der Apostolischen Konstitution Pastor bonus geändert wurden.
  13. Vgl. CIC, can. 242 § 1.
  14. Vgl. ebd.
  15. Vgl. ebd., can. 242 § 2.
  16. Vgl. ebd., can. 243.
  17. Vgl. ebd., can. 242 § 2.
  18. Vgl. Optatam totius, Nr. 5: AAS 58 (1966), 716–717.
  19. Vgl. Kongregation für die Bischöfe, Direktorium für den Hirtendienst der Bischöfe Apostolorum successores (22. Februar 2004), Nr. 90: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1768–1769.
  20. Optatam totius, Nr. 2: AAS 58 (1966), 714–715.
  21. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium (21. November 1964), Nr. 11: AAS 57 (1965), 15.
  22. Ebd., Nr. 9: AAS 57 (1965), 13.
  23. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 34: AAS 84 (1992), 713.
  24. Vgl. Kongregation für das katholische BildungswesenPäpstliches Werk für Priesterberufe, Pastorale Leitlinien zur Förderung der Berufungen zum Priesteramt (25. März 2012), Nr. 13.
  25. Vgl. Päpstliches Werk für Priesterberufe, Entwicklungen der Berufungspastoral in den Teilkirchen (6. Januar 1992); Pastorale Leitlinien zur Förderung der Berufungen zum Priesteramt.
  26. Vgl. Optatam totius, Nr. 2: AAS 58 (1966), 714–715; Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis (7. Dezember 1965), Nr. 11: AAS 58 (1966), 1008–1009; Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis (28. Oktober 1965), Nr. 24: AAS 58 (1966), 711–712; Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe Christus Dominus (28. Oktober 1965), Nr. 15: AAS 58 (1966), 679–680; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes (7. Dezember 1965), Nrn. 16 und 39: 27 AAS 58 (1966), 966–967 und 986–987.
  27. Vgl. CIC, can. 233 § 1; Optatam totius, Nr. 2: AAS 58 (1966), 714–715; Presbyterorum ordinis, Nr. 11: AAS 58 (1966), 1008–1009; Lumen gentium, Nr. 11: AAS 57 (1965), 15–16; Christus Dominus, Nr. 15: AAS 58 (1966), 679–680; Ad gentes, Nr. 39: AAS 58 (1966), 986–987; Perfectae caritatis, Nr. 24: AAS 58 (1966), 711–712; Zweites Vatikanisches Konzil, Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes (7. Dezember 1965), Nr. 52: AAS 58 (1966), 1073–1074; Dekret über das Laienapostolat Apostolicam actuositatem (18. November 1965), Nr. 11: AAS 58 (1966), 847–849; Papst Pius XII., Apostolisches Mahnwort Menti nostrae An den Klerus der gesamten katholischen Welt über die Heiligkeit des Priesterlebens (23. September 1950), Kap. III: AAS 42 (1950), 683.
  28. Vgl. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), Nr. 107: AAS 105 (2013), 1064–1065: „Wo es Leben, Eifer und den Willen gibt, Christus zu den anderen zu bringen, entstehen echte Berufungen. Sogar in Pfarreien, wo die Priester nicht sehr engagiert und fröhlich sind, ist es das geschwisterliche und eifrige Gemeinschaftsleben, das den Wunsch weckt, sich ganz Gott und der Evangelisierung zu weihen, vor allem wenn diese lebendige Gemeinde inständig um Berufungen betet und den Mut besitzt, ihren Jugendlichen einen Weg besonderer Weihe vorzuschlagen."
  29. Vgl. CIC, cann. 233 § 2, 385; Menti nostrae, Kap. III: AAS 42 (1950), 684; Apostolorum successores, Nr.87: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1773; Heilige Kongregation für das katholische Bildungswesen, Rundbrief Vocationes adultorum An die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen hinsichtlich der Sorge für die Spätberufenen und ihrer Ausbildung (14. Juli 1976): Enchiridion Vaticanum 5 (2000), 2097–2108.
  30. Vgl. Optatam totius, Nr. 2: AAS 58 (1966), 714–715; Presbyterorum ordinis, Nrn. 10–11: AAS 58 (1966), 1007–1010; Apostolorum successores, Nr. 91: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1787–1789.
  31. Vgl. Optatam totius, Nr. 3: AAS 58 (1966), 715–716; Pastores dabo vobis, Nr. 63: AAS 84 (1992), 768–769.
  32. CIC, can. 234 § 1; vgl. auch Apostolorum successores, Nr. 86: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1770–1772.
  33. Vgl. Apostolorum successores, Nr. 86.
  34. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 64: AAS 84 (1992), 769–770.
  35. Vgl. CIC, can. 234 § 2.
  36. Vgl. ebd., can. 1042 3°.
  37. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 64: AAS 84 (1992), 769–770; Vocationes adultorum, Nr. 12: Enchiridion Vaticanum 5 (2000), 2102.
  38. Vgl. Apostolorum successores, Nr. 87.
  39. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in america (22. Januar 1999), Nr. 40: AAS 91 (1999), 776.
  40. Vgl. Papst Franziskus, Nachsynodales Apostolisches Schreiben Amoris laetitia (19. März 2016), Nr. 46, Libreria Editrice Vaticana 2016.
  41. Vgl. Päpstlicher Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Instruktion Erga migrantes caritas Christi (3. Mai 2004), Nr. 45: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 2480–2481.
  42. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache Begegnung mit den Seminaristen, Novizen und Novizinnen (6. Juli 2013): Insegnamenti I/2 (2013), 13.
  43. Vgl. Heilige Kongregation für das katholische Bildungswesen, Leitgedanken für die Erziehung zum priesterlichen Zölibat (11. April 1974), Nr. 38: Enchiridion Vaticanum 5 (2000), 275–276; Kongregation für das katholische Bildungswesen, Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten (29. Juni 2008), Nr. 9: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1268–1269.
  44. Vgl. Kongregation für den Klerus, Direktorium für Dienst und Leben der Priester (11. Februar 2013), Kap. I.
  45. Lumen gentium, Nr. 9: AAS 57 (1965), 13.
  46. Vgl. ebd., Nr. 17: AAS 57 (1965), 21.
  47. Vgl. ebd., Nr. 10: AAS 57 (1965), 14–15; CIC, can. 204 § 1.
  48. Vgl. 1 Petr 2,4–9 EU.
  49. Lumen gentium, Nr. 10: AAS 57 (1965), 14.
  50. Vgl. ebd., Nrn. 10 und 18: AAS 57 (1965), 14–15 und 21–22; Presbyterorum ordinis, Nr. 2: AAS 58 (1966), 991–993; Katechismus der Katholischen Kirche, Nrn. 1547 und 1592.
  51. Presbyterorum ordinis, Nr. 2: AAS 58 (1966), 992.
  52. Pastores dabo vobis, Nr. 16: AAS 84 (1992), 681.
  53. Vgl. Kongregation für den Klerus, Der Priester, Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der Gemeinde für das dritte christliche Jahrtausend (19. März 1999): Enchiridion Vaticanum 18 (2002), 289–376.
  54. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 25; vgl. auch Mt 20,25–28 und Mk 10,42–45; Papst Franziskus, Generalaudienz (26. März 2014): L’Osservatore Romano 70 (27. März 2014), 8.
  55. Vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 2: AAS 58 (1966), 991–993; Pastores dabo vobis, Nr. 3: AAS 84 (1992), 660–662; Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 6.
  56. Vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 2: AAS 58 (1966), 991–993.
  57. Vgl. Papst Benedikt XVI., Ansprache Begegnung mit dem Klerus der Diözese Rom (18. Februar 2010): Insegnamenti VI/1 (2010), 243.
  58. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 13: AAS 84 (1992), 677–678.
  59. Papst Johannes Paul II., Brief An die Priester zum Gründonnerstag 2004 (28. März 2004): Insegnamenti XXVII/1 (2004), 390.
  60. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 22: AAS 84 (1992), 690–691.
  61. Vgl. Papst Benedikt XVI., Enzyklika Spe salvi (30. November 2007), Nr. 6: AAS 99 (2007), 990–991.
  62. Pastores dabo vobis, Nr. 22: AAS 84 (1992), 691.
  63. Ebd.
  64. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache An die Rektoren und Alumnen der Päpstlichen Kollegien und Konvikte in Rom (12. Mai 2014): L’Osservatore Romano 108 (14. Mai 2014), 5: „Manchmal muss der Hirte vorangehen, um den Weg zu weisen; manchmal in der Mitte, um zu erfahren, was geschieht; oft hinten, um den Letzten zu helfen und auch, um dem Spürsinn der Schafe zu folgen, die wissen, wo das gute Weideland ist“; vgl. auch DERS., Generalaudienz (26. März 2014): L’Osservatore Romano 70 (27. März 2014), 8; Ansprache An den Klerus der Diözese Rom (6. März 2014): L’Osservatore Romano 54 (7. März 2014), 8.
  65. Vgl. DERS., Ansprache An die Teilnehmer der Tagung zum 50. Jahrestag der Konzilsdekrete „Optatam totius“ und „Presbyterorum ordinis“ (20. November 2015): L’Osservatore Romano 267 (21. November 2015), 8.
  66. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 18: AAS 84 (1992), 684–686.
  67. Vgl. Evangelii gaudium, Nrn. 93–97: AAS 105 (2013), 1059–1061.
  68. Vgl. Papst Franziskus, Predigt Jubiläum der Priester (3. Juni 2016): L’Osservatore Romano 126 (4. Juni 2016), 8: „[Dies ist] die grundlegende Frage unseres Priesterlebens [...]: ,Wohin ist mein Herz ausgerichtet?ʻ Eine Frage, die wir Priester uns viele Male stellen müssen, jeden Tag, jede Woche: Wohin ist mein Herz ausgerichtet?"
  69. Ignatius von Loyola, Geistliche Exerzitien, 1.
  70. Vgl. Evangelii gaudium, Nrn. 169–173: AAS 105 (2013), 1091–1092.
  71. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache Begegnung mit den Seminaristen, Novizen und Novizinnen (6. Juli 2013): Insegnamenti I/2 (2013), 9.
  72. Vgl. Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten , Nr. 12: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1273–1277.
  73. Vgl. ebd., Nrn. 8 und 11: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1262–1267.
  74. Vgl. ebd., Nrn. 3–4.
  75. Vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Rundbrief Über einige dringende Aspekte der geistlichen Ausbildung in den Seminaren (6. Januar 1980): Enchiridion Vaticanum 7 (2001), 45–90.
  76. Vgl. DIES., Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher (4. November 1993): Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3151–3284; auch Pastores dabo vobis, Nr. 66: AAS 84 (1992), 772–774.
  77. Vgl. Richtlinien über die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nrn. 4. 19.29–32.66: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3155; 3184; 3200– 3207; 3260–3262; Apostolorum successores, Nr. 89: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1777–1780.
  78. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache Begegnung mit den Seminaristen, Novizen und Novizinnen (6. Juli 2013): Insegnamenti I/2 (2013), 8.
  79. Vgl. Pastores dabo vobis, Nrn. 17; 22–23; 43.59: AAS 84 (1992), 682–684; 690–694; 731–733; 761–762.
  80. Vgl. Apg 2,42 EU.
  81. Presbyterorum ordinis, Nr. 8: AAS 58 (1966), 1003.
  82. Vgl. Christus Dominus, Nrn. 16 und 28: AAS 58 (1966), 680–681 und 687; Apostolorum successores, Nrn. 76 und 107: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1740–1742 und 1827–1828.
  83. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), Nr. 43: AAS 93 (2001), 297.
  84. Cyprian von Karthago, De dominica Orazione 23: CSEL III A, p. 285.
  85. Pastores dabo vobis, Nr. 18: AAS 84 (1992), 684.
  86. Vgl. ebd., Nr. 60: AAS 84 (1992), 764–762; Papst Franziskus, Ansprache Begegnung mit den Seminaristen, Novizen und Novizinnen 6. Juli 2013): Insegnamenti I/2 (2013), 11.
  87. Papst Franziskus, Ansprache Begegnung mit den Diözesanpriestern in Cassano all’Jonio (21. Juni 2014): L’Osservatore Romano 140 (22. Juni 2014), 7.
  88. Vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Richtlinien für die Ausbildung der Priesterkandidaten im Hinblick auf die Probleme von Ehe und Familie (19. März 1995), Nr. 33.
  89. Pastores dabo vobis, Nr. 66: AAS 84 (1992), 772–774.
  90. Ebd., Nr. 69: AAS 84 (1992), 778.
  91. Vgl. Papst Franziskus, Brief An die Teilnehmer der außerordentlichen Generalversammlung der Italienischen Bischofskonferenz (8. November 2014): L’Osservatore Romano 258 (12. November 2014), 7: „Die Ausbildung, über die wir reden, ist eine Erfahrung der beständigen Jüngerschaft, die Christus näherbringt und ermöglicht, ihm immer mehr gleich zu werden. Sie hat deshalb kein Ende, weil die Priester nie aufhören, Jünger Jesu zu sein, ihm zu folgen. Daher begleitet die Ausbildung im Sinne der Jüngerschaft das ganze Leben des geweihten Dieners und betrifft in ganzheitlicher Weise seine Person und seinen Dienst. Die Grundausbildung und die ständige Fortbildung sind zwei Momente einer einzigen Wirklichkeit: des Weges des Jüngers als Priester, der seinen Herrn liebt und ihm beständig nachfolgt“.
  92. Pastores dabo vobis, Nr. 71: AAS 84 (1992), 783.
  93. Die propädeutische Phase folgt auf die Vorahnung der Berufung und auf die erste Berufungsbegleitung außerhalb des Seminars; vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 62: AAS 84 (1992), 767–768. Es war die Kongregation für das katholische Bildungswesen, Information Die propädeutische Periode (10. Mai 1998), III, Nr. 1, die seit 1980 das Angebot dieser Einführungsphase wünschte: „Es ist die Notwendigkeit dringender geworden, die Vorbereitung der Bewerber auf das Große Seminar zu intensivieren nicht nur von einem intellektuellen, sondern auch und vor allem von einem menschlichen und spirituellen Standpunkt aus“. Auch die Kongregation für die Evangelisierung der Völker äußerte schon vorher in einem Rundbrief vom 25. April 1987: Enchiridion Vaticanum 10 (1989), 1214, den Wunsch, dass das Propädeutikum „eine verlängerte Phase der Prüfung der Berufung, der Reifung des geistlichen und gemeinschaftlichen Lebens und auch des eventuellen Nachholens der intellektuellen Vorbereitung im Hinblick auf die Philosophie und die Theologie“ sei.
  94. Vgl. Die propädeutische Periode, III, Nr. 5.
  95. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache An die Vollversammlung der Kongregation für den Klerus (3. Oktober 2014): L’Osservatore Romano 226 (4. Oktober 2014), 8: „Man muss einen Berufungsweg gut überprüfen! Man muss gut untersuchen, ob er vom Herrn kommt, ob der Mann gesund ist, ob der Mann ausgeglichen ist, ob der Mann fähig ist, Leben zu geben, zu evangelisieren, ob der Mann eine Familie zu gründen und darauf zu verzichten vermag, um Jesus nachzufolgen“.
  96. Optatam totius, Nr. 11: AAS 58 (1966), 720.
  97. Vgl. Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben Ad pascendum (15. August 1972), I, a) und c): AAS 64 (1972), 538–539.
  98. Vgl. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 8: „Man kann also sagen, dass die Konfiguration mit Christus den Priester durch die sakramentale Weihe im Schoß des Gottesvolkes einsetzt und ihn in eigener Weise, der heiligenden, lehrenden und pastoralen Vollmacht Jesu Christi selbst teilhaftig werden lässt, des Hauptes und Hirten der Kirche. Indem der Priester Christus ähnlicher wird, ist er – durch Christus und nicht durch sich selbst – Mitarbeiter am Heil seiner Brüder und Schwestern: nicht mehr er lebt, sondern Christus lebt in ihm (vgl. Gal 2,20)“.
  99. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 27: AAS 84 (1992), 710.
  100. Vgl. ebd., Nr. 23: AAS 84 (1992), 691–694.
  101. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache Pastoralbesuch in Caserta. Begegnung mit dem Klerus (26. Juli 2014): L’Osservatore Romano 171 (28.– 29. Juli 2014), 5: „Aber wo ist der Mittelpunkt der Spiritualität des Diözesanpriesters? [...] Es ist die Fähigkeit, sich für die Diözesanität zu öffnen. [...] bedeutet eine Beziehung zum Bischof, die beständig realisiert werden und wachsen muss. [...] An zweiter Stelle umfasst die Diözesanität eine Beziehung zu den anderen Priestern, mit dem gesamten Presbyterium. Es gibt keine Spiritualität des Diözesanpriesters ohne diese beiden Beziehungen: mit dem Bischof und mit dem Presbyterium. Und sie sind notwendig“.
  102. Vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 10: AAS 58 (1966), 1007–1008; Pastores dabo vobis, Nr. 17: AAS 84 (1992), 682–684.
  103. Vgl. Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben Ministeria quaedam (15. August 1972), V–VI: AAS 64 (1972), 532–533.
  104. CIC, can. 265.
  105. Vgl. Optatam totius, Nr. 12: AAS 58 (1966), 721.
  106. Vgl. ebd., Nr. 21: AAS 58 (1966), 726.
  107. Vgl. CIC, cann. 1031 § 1 und 1032 § 2.
  108. Vgl. Papst Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum caritatis (22. Februar 2007), Nr. 25: AAS 99 (2007), 125– 126.
  109. Vgl. CIC, can. 1039.
  110. Vgl. Apostolorum successores, Nr. 83: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1764–1766.
  111. Das Verständnis der ständigen Fortbildung wurde im Laufe der Zeit sowohl gesellschaftlich als auch kirchlich vertieft. Ein wichtiger Beitrag hierzu ist der „Brief an die Priester“ Papst Johannes Paul II. vom 8. April 1979 (vor allem die Nr. 10): Insegnamenti II (1979), 857–859: „Alle müssen wir uns jeden Tag bekehren. Wir wissen, dass dies eine grundlegende Forderung des Evangeliums ist, die an alle Menschen gerichtet ist (vgl. Mt 4,17; Mk 1,15), und umso mehr müssen wir sie als an uns gerichtet betrachten. [...] Das Gebet müssen wir mit ihr zu einer beständigen Arbeit an uns selbst verbinden: Es geht um die ,ständige Fortbildungʻ. [...] eine solche Bildung muss sowohl innerlich sein, das heißt indem sie auf eine Vertiefung des geistlichen Lebens des Priesters zielt, als auch pastoral und intellektuell (Philosophie und Theologie)“; vgl. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nrn. 87–115, für eine Gesamtschau und Zusammenfassung zu diesem Thema.
  112. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache An die Vollversammlung der Kongregation für den Klerus (3. Oktober 2014): L’Osservatore Romano 226 (4. Oktober 2014), 8.
  113. Pastores dabo vobis, Nr. 70: AAS 84 (1992), 781.
  114. Vgl. ebd.: AAS 84 (1992), 778–782.
  115. Vgl. ebd., Nr. 71: AAS 84 (1992), 782–783.
  116. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 87.
  117. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 79: AAS 84 (1992), 796.
  118. Vgl. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 108.
  119. Ebd., Nr. 100.
  120. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 72: AAS 84 (1992), 783–787.
  121. Papst Franziskus, Brief An die Teilnehmer der außerordentlichen Generalversammlung der Italienischen Bischofskonferenz (8. November 2014): L’Osservatore Romano 258 (12. November 2014), 7; vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 14: AAS 58 (1966), 1013–1014.
  122. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 78: AAS 84 (1992), 795–796.
  123. Presbyterorum ordinis, Nr. 14: AAS 58 (1966), 1013.
  124. Ebd., Nr. 8: AAS 58 (1966), 1004.
  125. Ebd.: AAS 58 (1966), 1003.
  126. Papst Benedikt XVI., Ansprache An die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus (16. März 2009): Insegnamenti V/1 (2009), 392.
  127. Vgl. CIC, can. 280; Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 38.
  128. Vgl. CIC, can. 278 §§ 1–2.
  129. Vgl. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 106.
  130. Pastores dabo vobis, Nr. 81: AAS 84 (1992), 799.
  131. Vgl. ebd., Nrn. 43–59: AAS 84 (1992), 731–762.
  132. Vgl. Optatam totius, Nr. 4: AAS 58 (1966), 716; Pastores dabo vobis, Nr. 57: AAS 84 (1992), 757–759.
  133. Vgl. Optatam totius, Nrn. 4 und 19: AAS 58 (1966), 716 und 725–726.
  134. Pastores dabo vobis, Nr. 57: AAS 84 (1992), 757–758.
  135. Vgl. ebd., Nr. 65: AAS 84 (1992), 770: „Die ganze Kirche [ist] als solche das gemeinschaftliche Subjekt [...], welches die Gnade und die Verantwortung hat, diejenigen zu begleiten, die der Herr ruft, seine Diener im Priesteramt zu werden“.
  136. Vgl. Evangelii gaudium, Nrn. 119–121: AAS 105 (2013), 1069–1071.
  137. Ebd., Nr. 20: AAS 105 (2013), 1028.
  138. Ebd., Nr. 21: AAS 105 (2013), 1028.
  139. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 16.
  140. Vgl. beispielsweise Mt 28,20 EU; 1 Petr 5,1–4 EU; Tit 1,5–9 EU.
  141. Beispielsweise ist zu verweisen auf Gregor von Nazianz, Oratio II: PG 35, 27.
  142. Thomas von Aquin, Summa theologiae, I. q. 2, a. 2 ad 1.
  143. Vgl. ebd., I. q. 1, a. 8 ad 2.
  144. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 43: AAS 84 (1992), 731–732.
  145. Leitgedanken für die Erziehung zum priesterlichen Zölibat, Nr. 60.
  146. Papst Johannes Paul II., Brief an die Frauen (29. Juni 1995), Nr. 10: Insegnamenti XVIII/1 (1995), 1879; vgl. Leitgedanken für die Erziehung zum priesterlichen Zölibat, Nr. 59.
  147. Papst Benedikt XVI., Botschaft Zum 47. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel (12. Mai 2013): AAS 105 (2013), 181.
  148. DERS., Botschaft Zum 44. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel (16. Mai 2010): AAS 102 (2010), 115–116.
  149. Vgl. Papst Franziskus, Botschaft zum 48. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel (1. Juni 2014): AAS 106 (2014), 115: „Die Türen der Kirchen öffnen bedeutet auch, sie der digitalen Umwelt zu öffnen; einerseits, damit die Menschen eintreten, in welchen Lebensumständen sie sich auch befinden, andererseits, damit das Evangelium die Schwelle des Gotteshauses überschreiten und hinausgelangen kann zu allen Menschen“.
  150. Ebd.: AAS 106 (2014), 113.
  151. Ebd.: AAS 106 (2014), 116.
  152. Vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 12: AAS 58 (1966), 1009–1011.
  153. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nrn. 2709–2719.
  154. Vgl. Heilige Kongregation für das katholische Bildungswesen, Instruktion Über die liturgische Ausbildung in den Seminaren (3. Juni 1979), Nr. 32: Enchiridion Vaticanum 6 (2001), 1590: „Das ganze liturgische Jahr soll sodann nicht nur für die Zelebration der Liturgie, sondern für das Leben selbst ein spiritueller Weg sein, um tief am Mysterium Christi teilzunehmen“.
  155. Hieronymus, Commentarii in Isaiam, Prologus: CCL 73, 1.
  156. Vgl. Papst Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini (30. September 2010), Nr. 82: AAS 102 (2010), 753: „Die Priesterkandidaten sind angehalten, eine tiefe persönliche Beziehung zum Wort Gottes zu pflegen, insbesondere in der ,lectio divinaʻ, denn aus dieser Beziehung nährt sich die Berufung selbst: Im Licht und in der Kraft des Wortes Gottes kann die eigene Berufung entdeckt, verstanden, geliebt und befolgt und die eigene Sendung erfüllt werden, indem im Herzen die Gedanken Gottes gepflegt werden, so dass der Glaube als Antwort auf das Wort zum neuen Kriterium für die Beurteilung und Bewertung von Menschen und Dingen, von Ereignissen und Problemen wird“.
  157. Pastores dabo vobis, Nr. 47: AAS 84 (1992), 741.
  158. Vgl. Origines, Homilia in Lucam, XXXII, 2: PG 13, 1884.
  159. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 47: AAS 84 (1992), 740–742; Verbum Domini , Nrn. 86–87: AAS 102 (2010), 757–760.
  160. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum (18. November 1965), Nr. 21: 161 AAS 58 (1966), 828.
  161. Vgl. Verbum Domini , Nr. 82: AAS 102 (2010), 753–754.
  162. Papst Johannes Paul II., Angelus (1. Juli 1990), Nr. 2: Insegnamenti XIII/2 (1990), 7; vgl. CIC, can. 246 § 1.
  163. Vgl. Sacramentum caritatis, Nrn. 66–67: AAS 99 (2007), 155–156; Augustinus, Enarrationes in Psalmos, 98, 9: CCL 39, 1385.
  164. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 48: AAS 84 (1992), 743: „Sie sollen außerdem dazu erzogen werden, die Eucharistiefeier als den wichtigsten Augenblick des Tages zu betrachten, an dem sie aktiv teilnehmen; sie sollen sich aber nie mit einem nur gewohnheitsmäßigen Mitvollzug begnügen“.
  165. Vgl. Instruktion Über die liturgische Ausbildung in den Seminaren, Nrn. 166 28–31: Enchiridion Vaticanum 6 (2001), 1583–1588; CIC, can. 276 § 2 3°.
  166. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 26: AAS 84 (1992), 697–700; auch die Instruktion Über die liturgische Ausbildung in den Seminaren, Nr. 31: Enchiridion Vaticanum 6 (2001), 1587–1588.
  167. Pastores dabo vobis, Nr. 48: AAS 84 (1992), 744.
  168. Vgl. CIC, can. 239 § 2.
  169. Vgl. ebd., can. 240 § 1.
  170. Vgl. ebd., can. 246 § 5.
  171. Presbyterorum ordinis, Nr. 15: AAS 58 (1966), 1014.
  172. Pastores dabo vobis, Nr. 50: AAS 84 (1992), 746.
  173. Vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 16: AAS 58 (1966), 1015–1017; CIC, can. 247 § 1.
  174. Presbyterorum ordinis, Nr. 16: AAS 58 (1966), 1015–1016.
  175. Leitgedanken für die Erziehung zum priesterlichen Zölibat, Nr. 16; Nr. 58: „Die Priesterkandidaten sollen angeleitet werden, die theologischen Aspekte der Keuschheit zu entdecken. Man öffne ihnen den Blick für die engen Beziehungen zwischen der Pflege dieser Tugend und den großen Wahrheiten des Christentums. Man zeige ihnen die apostolische Fruchtbarkeit der gottgeweihten Jungfräulichkeit und mache sie darauf aufmerksam, wie jede Erfahrung von Gut oder Böse sich fördernd oder schädigend auf unser innerstes Wesen und unsere Persönlichkeit auswirkt und folglich auch auf unser apostolisches Wirken“.
  176. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 29: AAS 84 (1992), 704: „Besonders wichtig ist es, dass der Priester die theologische Begründung des kirchlichen Zölibatsgesetzes erfasst. Als Gesetz drückt es noch vor dem Willen des Einzelnen, der durch dessen Verfügbarkeit zum Ausdruck gebracht wird, den Willen der Kirche aus. Aber der Wille der Kirche findet seine letzte Begründung in dem Band, das den Zölibat mit der heiligen Weihe verbindet, die den Priester Jesus Christus, dem Haupt und Bräutigam der Kirche, gleichgestaltet. Die Kirche als Braut Jesu Christi will vom Priester mit der Vollständigkeit und Ausschließlichkeit geliebt werden, mit der Jesus Christus, das Haupt und der Bräutigam, sie geliebt hat. Der priesterliche Zölibat ist also Selbsthingabe in und mit Christus an seine Kirche und Ausdruck des priesterlichen Dienstes an der Kirche in und mit dem Herrn“.
  177. Leitgedanken für die Erziehung zum priesterlichen Zölibat, Nr. 6.
  178. Vgl. CCEO, cann. 343 und 373–375.
  179. Vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 17: AAS 58 (1966), 1017–1018; auch Evangelii gaudium, Nr. 198: AAS 105 (2013), 1103; Papst Franziskus, Ansprache Begegnung mit den Seminaristen, Novizen und Novizinnen (6. Juli 2013): Insegnamenti I/2 (2013), 9.
  180. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 30: AAS 84 (1992), 706: „Einzig und allein die Armut gewährleistet dem Priester seine Bereitschaft, sich auch unter persönlichen Opfern dorthin senden zu lassen, wo seine Arbeit am dringendsten gebraucht wird“.
  181. Vgl. Ambrosius, De officiis ministrorum, II, 28: PL 16, 139–142.
  182. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 30: AAS 84 (1992), 705–707.
  183. Vgl. CIC, can. 246 § 3.
  184. Pastores dabo vobis, Nr. 82: AAS 84 (1992), 802.
  185. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Redemptoris custos (15. August 1989), Nr. 8: AAS 82 (1990), 14.
  186. Ebd., Nr. 1: AAS 82 (1990), 6.
  187. Vgl. Optatam totius, Nr. 16: AAS 58 (1966), 723–724; Kongregation für das katholische Bildungswesen, Instruktion Über das Studium der Kirchenväter in der Priesterausbildung (10. November 1989), Nr. 45.
  188. Instruktion Inspectis dierumÜber das Studium der Kirchenväter in der Priesterausbildung, Nr. 44.
  189. Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie. Grundsätze und Orientierungen (17. Dezember 2001), Nrn. 61–64.
  190. Vgl. Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi (8. Dezember 1975), Nr. 48: AAS 68 (1976), 37–38; Evangelii gaudium, Nrn. 122–126: AAS 105 (2013), 1071–1073.
  191. Vgl. CIC, cann. 244–245 § 1.
  192. Pastores dabo vobis, Nr. 26: AAS 84 (1992), 700.
  193. Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 46.
  194. Gaudium et spes, Nr. 44: AAS 58 (1966), 1065.
  195. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 58: AAS 84 (1992), 759–760: „ Das Ausbildungsangebot des Seminars übernimmt die Verantwortung für eine gediegene Einführung in die Sensibilität für den Hirtendienst und in die bewusste und reife Übernahme seiner Verantwortlichkeiten. Gleichzeitig soll dieses Bemühen den Kandidaten innerlich daran gewöhnen, die Probleme einzuschätzen und Prioritäten und Möglichkeiten bei ihrer Lösung festzulegen, und zwar immer auf der Grundlage klarer Glaubensbegründungen und entsprechend den theologischen Ansprüchen derSeelsorge selbst“; vgl. CIC, can. 258.
  196. Vgl. Evangelii gaudium, Nr. 33: AAS 105 (2013), 1034; Amoris laetitia, Nr. 300; Papst Franziskus, Predigt Für das Jubiläum der Priester (3. Juni 2016): L’Osservatore Romano 126 (4. Juni 2016), 8.
  197. Vgl. DERS., Angelus (17. Juli 2016): L’Osservatore Romano 163 (18.– 19. Juli 2016), 1: „Der Gast darf nicht einfach nur bedient, ernährt, auf jegliche Art umsorgt werden. Es ist vor allem notwendig, dass man ihm zuhört. [...] Denn der Gast ist als Person mit seiner Geschichte, mit seinem an Empfindungen und Gedanken reichen Herzen aufzunehmen, so dass er spüren kann, wirklich zur Familie zu gehören“.
  198. Vgl. Evangelii gaudium, Nr. 273: AAS 105 (2013), 1130.
  199. Pastores dabo vobis, Nr. 58: AAS 84 (1992), 760.
  200. Vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Die Pastoral für Menschen unterwegs in der Ausbildung der zukünftigen Priester (25. Januar 1986).
  201. Vgl. Evangelii gaudium, Nr. 270: AAS 105 (2013), 1128.
  202. Vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Richtlinien für die Ausbildung der Priesterkandidaten im Hinblick auf die Probleme von Ehe und Familie (19. März 1995).
  203. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 65: AAS 84 (1992), 770–772.
  204. Vgl. CIC, can. 368: „Teilkirchen, in denen und aus denen die eine und einzige katholische Kirche besteht, sind vor allem die Diözesen“.
  205. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 18: AAS 84 (1992), 684–686.
  206. Vgl. ebd., Nr. 65: AAS 84 (1992), 770–772; auch Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 1: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3151–3152; Apostolorum successores, Nr. 88: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1774–1776.
  207. Vgl. CIC, can. 239.
  208. Vgl. ebd., cann. 242–243.
  209. Ebd., can. 259 § 2.
  210. Apostolorum successores, Nr. 89: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1780.
  211. Vgl. CIC, can. 237.
  212. Vgl. Kongregation für den Gottesdienst, Caeremoniale Episcoporum, edizione tipica, 1984, Nrn. 11–13, veröffentlicht mit dem Dekret Recognitis ex decreto (14. September 1984): AAS 76 (1984), 1086–1087.
  213. Vgl. Papst Benedikt XVI., Predigt Priesterweihe von 15 Diakonen der Diözese Rom (7. Mai 2006): Insegnamenti II/1 (2006), 550–555.
  214. Vgl. Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 1: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3151–3152.
  215. Vgl. CIC, can. 239.
  216. Vgl. Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 43: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3224–3226.
  217. Vgl. ebd., Nr. 60: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3252–3253.
  218. Vgl. CIC, can. 260.
  219. Vgl. ebd., can. 238 § 2.
  220. Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 45: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3228.
  221. Ebd., Nr. 44: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3227.
  222. Vgl. CIC, can. 240 § 1.
  223. Vgl. Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 45: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3228.
  224. Vgl. CIC, can. 233 § 1.
  225. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 67: AAS 84 (1992), 774–775.
  226. Vgl. ebd., Nr. 67: AAS 84 (1992), 774–775.
  227. Vgl. Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 46: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3229–3232.
  228. Vgl. ebd.
  229. Vgl. Optatam totius, Nr. 5: AAS 58 (1966), 716–717; Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 27: Enchiridion Vaticanum 13 1996), 3196–3197.
  230. Vgl. CIC, can. 253 § 1.
  231. Vgl. Richtlinien für die Vorbereitung der Seminarerzieher, Nr. 62: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3256.
  232. Vgl. ebd., Nr. 64: Enchiridion Vaticanum 13 (1996), 3258.
  233. Vgl. Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten: Enchiridion Vaticanum 25 (2011),1239–1289.
  234. Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Brief Iuvenescit ecclesia An die Bischöfe der katholischen Kirche über die Beziehung zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben im Leben und in der Sendung der Kirche (15. Mai 2016): L’Osservatore Romano 135 (15. Juni 2016), 1, 4–5; ebd. 136 (16. Juni 2016), 7.
  235. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 68: AAS 84 (1992), 775–778.
  236. Amoris laetitia, Nr. 203.
  237. Vgl. ebd., Nr. 162:„Wer zur Jungfräulichkeit berufen ist, kann in manchen Ehen ein deutliches Zeichen der großherzigen und unerschütterlichen Treue Gottes zu seinem Bund finden, das sein Herz zu einer konkreteren und hingebungsvolleren Verfügbarkeit anspornt“.
  238. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 66: AAS 84 (1992), 772–774; Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), Nrn. 49 und 51: AAS 81 (1989), 487–489 und 491–496.
  239. Vgl. Pastores dabo vobis, Nrn. 70-81: AAS 84 (1992), 778–800.
  240. Ebd., Nr. 51: AAS 84 (1992), 748.
  241. Vgl. CIC, can. 254 § 1.
  242. Pastores dabo vobis, Nr. 51: AAS 84 (1992), 749.
  243. Vgl. CIC, can. 250.
  244. Die propädeutische Phase, III, Nr. 1.
  245. Ebd., III, Nr. 6.
  246. Pastores dabo vobis, Nr. 62: AAS 84 (1992), 767.
  247. Vgl. Die propädeutische Phase, III, Nr. 2. Im Allgemeinen zielt die Einführung in das Mysterium Christi darauf ab, den Seminaristen die Bedeutung der kirchlichen Studien, ihre Struktur und ihre pastorale Zielsetzung nahezubringen. Zugleich ist sie zusammen mit der aufmerksamen Lektüre des Wortes Gottes auch darauf gerichtet, den Seminaristen zu helfen, damit sie ihrem Glauben ein solides Fundament geben und tiefer verstehen können, mit größerer Reife ihre priesterliche Berufung zu ergreifen.
  248. Pastores dabo vobis, Nr. 52: AAS 84 (1992), 750.
  249. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Dekret zur Reform der kirchlichen Studien der Philosophie (28. Januar 2011), Nr. 4: AAS 104 (2012), 219; vgl. auch Heilige Kongregation für das katholische Bildungswesen, Rundbrief Der Unterricht der Philosophie in den Seminaren (20. Januar 1972): Enchiridion Vaticanum 4 (1971– 1973), Nrn. 1516–1556.
  250. Dekret zur Reform der kirchlichen Studien der Philosophie, Nr. 3: AAS 104 (2012), 219.
  251. Optatam totius, Nr. 15: AAS 58 (1966), 722.
  252. Pastores dabo vobis, Nr. 54: AAS 84 (1992), 753.
  253. Ebd., Nr. 51: AAS 84 (1992), 749.
  254. Vgl. Dei Verbum, Nr. 24: AAS 58 (1966), 828–829.
  255. Vgl. Papst Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini , Nr. 35: AAS 102 (2010), 714–715: „,Die Abwesenheit dieser zweiten methodologischen Ebene [(theologische Ebene)] hat einen tiefen Graben zwischen der wissenschaftlichen Exegese und der lectio divina aufgerissen. So kommt es auch gerade deshalb manchmal zu Ratlosigkeit bei der Vorbereitung der Homilienʻ. Außerdem muss darauf hingewiesen werden, dass dieser Dualismus manchmal dem intellektuellen Ausbildungsweg sogar einiger Priesterkandidaten Unsicherheit und wenig Standfestigkeit verleiht. ,Wo die Exegese nicht Theologie ist, kann die Heilige Schrift nicht die Seele der Theologie sein und umgekehrt, wo die Theologie nicht wesentlich Auslegung der Schrift in der Kirche ist, hat die Theologie kein Fundament mehrʻ. Es ist daher unbedingt notwendig, den Hinweisen der dogmatischen Konstitution Dei Verbum in diesem Zusammenhang wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken“.
  256. Vgl. CIC, can. 838.
  257. Pastores dabo vobis, Nr. 57: AAS 84 (1992), 758–759.
  258. Vgl. beispielsweise Papst Leos XIII., Enzyklika Rerum novarum (15. Mai 1891): ASS 23 (1890–1891) 641–670; Papst Johannes XXIII., Enzyklika Mater et magistra (15. Mai 1961): AAS 53 (1961), 401–464; Papst Paul VI., Enzyklika Populorum progressio (26. März 1967): AAS 59 (1967), 257–299; Papst Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus annus (1. Mai 1991): AAS 83 (1991), 793–867; Papst Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate (29. Juni 2009): AAS 101 (2009), 641–709.
  259. Papst Franziskus, Enzyklika Laudato si’ (24. Mai 2015), Nr. 217: L’Osservatore Romano 137 (19. Juni 2015), 6.
  260. Ebd., Nr. 15: L’Osservatore Romano 137 (19. Juni 2015), 4.
  261. Vgl. Optatam totius, Nr. 16: AAS 58 (1966), 723–724.
  262. Papst Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Sacrae disciplinae leges (25. Januar 1983): AAS 75 (1983), Pars II, p. XI.
  263. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben in Form eines „Motu proprioMitis Iudex Dominus Iesus (15. August 2015): L’Osservatore Romano 204 (9. September 2015), 3.
  264. Evangelii gaudium, Nr. 61: AAS 105 (2013), 1045.
  265. Vgl. ebd., Nrn. 52–75: AAS 105 (2013), 1041–1051.
  266. Vgl. CIC, can. 256 § 1.
  267. Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Homiletisches Direktorium (29. Juni 2014); Evangelii gaudium, Nrn. 135–144: AAS 105 (2013), 1076–1080; Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Misericordia et misera (20. November 2016), Nr. 6: L’Osservatore Romano 268 (21.–22. November 2016), 8–9.
  268. Evangelii gaudium, Nr. 135: AAS 105 (2013), 1076.
  269. Ebd., Nr. 154: AAS 105 (2013), 1084–1085.
  270. Vgl. beispielsweise Kongregation für den Klerus, Der Priester, Diener der Göttlichen Barmherzigkeit – Arbeitshilfe für Beichtväter und geistliche Begleiter (9. März 2011).
  271. Evangelii nuntiandi, Nr. 48: AAS 68 (1976), 37–38.
  272. Evangelii gaudium, Nr. 126: AAS 105 (2013), 1073.
  273. Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie, Nr. 1.
  274. Vgl. Papst Franziskus, Ansprache An die Rektoren und Alumnen der Päpstlichen Kollegien und Konvikte in Rom (12. Mai 2014): (locus citatus) 5; CIC, can. 282.
  275. Vgl. Heilige Ritenkongregation, Instruktion Musicam sacram Über die Kirchenmusik (5. März 1967): AAS 59 (1967), 300–320.
  276. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die sozialen Kommunikationsmittel Inter mirifica (4. Dezember 1963): AAS 56 (1964), 97–138, und die Botschaften der Päpste anlässlich der Welttage der sozialen Kommunikationsmittel.
  277. Vgl. Pastores dabo vobis, Nr. 54: AAS 84 (1992), 753–754.
  278. Vgl. CIC, cann. 750, 752–754.
  279. Vgl. ebd., can. 254 § 2.
  280. Vgl. ebd., can. 253 §§ 1–2.
  281. Vgl. ebd., can. 237 § 1.
  282. Vgl. ebd., can. 239 §§ 1–2.
  283. Vgl. ebd., can. 237 § 2.
  284. Vgl. ebd., can. 235 § 2.
  285. Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten, Nr. 11: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1271–1272.
  286. Vgl. CIC, can. 241 § 1.
  287. Vgl. Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten : Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1239–1289.
  288. Vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Instruktion An die Bischofskonferenzen über die Aufnahme in das Seminar von Kandidaten, die aus anderen Seminaren oder von Ordensfamilien kommen (9. Oktober 1986 und 8. März 1996); Heilige Kongregation für das katholische Bildungswesen, Rundbrief Ci permettiamo An die päpstlichen Vertreter hinsichtlich der Aufnahme von Ex-Seminaristen in ein anderes Seminar (9. Oktober 1986): Enchiridion Vaticanum 10 (1989), 694–696.
  289. Vgl. DIES., Instruktion Über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen (4. November 2005), Nr. 2: AAS 97 (2005), 1009–1010.
  290. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Carta circular Entre las más delicadas a los Exc.mos y Rev.mos Señores Obispos diocesanos y demás Ordinarios canónicamente facultados para Ilamar a las Sagradas Ordenes, sobre Los escrutinios acerca de la Idoneidad de los candidatos (10. November 1997), Nr. 7: Notitiae 33 (1997), 497.
  291. Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Rundbriefe vom 19. Juni 1995 und vom 24. Juli 2003.
  292. Vgl. Monitum der Kongregation des Heiligen Offiziums (15. Juli 1961): AAS 53 (1961), 571.
  293. Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten, Nr. 6: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1258–1260.
  294. Ebd.
  295. Vgl. ebd., Nr. 12: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1277: „Gesetzt den Fall, dass der Kandidat den seitens der Seminarerzieher gemachten Vorschlag ablehnt, sich einer psychologischen Beratung zu unterziehen, sollten diese in keiner Weise versuchen, den Kandidaten zu zwingen, sondern klug den Entscheidungsprozess mit den entsprechenden Konsequenzen [...] weiterführen“.
  296. Vgl. ebd, Nrn. 12 und 15: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1276–1277 und 1282–1283.
  297. Ebd., Nr. 11: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1272.
  298. Ebd., Nr. 12: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1276.
  299. Ebd., Nr. 15: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1283.
  300. Vgl. CIC, can. 51.
  301. Vgl. Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten , Nr. 16: Enchiridion Vaticanum 25 (2011), 1284: „Es ist gegen die Normen der Kirche, Personen in das Seminar oder die Ausbildungseinrichtung aufzunehmen, die schon aus anderen Seminaren oder Ausbildungshäusern ausgetreten oder – aus gutem Grund – entlassen wurden, ohne zuvor die nötigen Informationen ihres Bischofs oder Ordensoberen eingeholt zu haben. Dies gilt besonders für die Gründe, die zur Entlassung oder zum Austritt geführt haben. Es ist absolute Pflicht der vormaligen Seminarerzieher, den neuen Ausbildern konkrete Auskünfte zu geben“; vgl. CIC, can. 241 § 3.
  302. Vgl. Instruktion Über die Aufnahme ins Seminar von Kandidaten, die aus anderen Seminaren oder von Ordensfamilien kommen.
  303. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nrn. 2357–2358.
  304. Instruktion Über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen, Nr. 2: AAS 97 (2005), 1010.
  305. Ebd.
  306. Ebd., Nr. 3: AAS 97 (2005), 1012.
  307. Ebd., Nr. 3: AAS 97 (2005), 1010.
  308. Vgl. Papst Franziskus, Brief an den Präfekten der Kongregation für den Klerus (9. Juni 2016).
  309. Papst Franziskus errichtete die Kommission mit dem Chirograf Minorum tutela actuosa (22. März 2014). Die Satzung wurde am 21. April 2015 promulgiert.
  310. Papst Franziskus, Chirograf Minorum tutela actuosa (22. März 2014). Am Ende der Vollversammlung, die im Oktober 2015 stattfand, gab diese Kommission eine Presseerklärung (12. Oktober 2015) über die Ergebnisse ihrer Arbeit und vor allem über die nähere Bestimmung ihrer Ziele und Aufgaben ab, in der sie unter anderem mitteilte: „Besondere Brennpunkte dieser Arbeitsgruppen schließen die Untersuchung der Beurteilung und der Ausbildung von Kandidaten für das Priestertum und das Ordensleben ein. [...] Die Kommission geht keine Einzelfälle an, sie übt keine Aufsicht aus und ist kein Entscheidungsgremium“.
  311. Apostolorum successores, Nr. 89: Enchiridion Vaticanum 22 (2006), 1778.
  312. Vgl. CIC, can. 1051.
  313. Vgl. Entre las más delicadas, Nr. 4: (locus citatus), 496.
  314. Vgl. CIC, cann. 1041–1042. Zwei Rundbriefe der Kongregation für das katholische Bildungswesen vom 27. Juli 1992 (Prot. Nr. 1560/ 90/18) und vom 2. Februar 1999 (Prot. Nr. 1560/90/33) bestehen auf der Pflicht des Bischofs und anderer Einrichtungen der Kirche, die Kandidaten baldmöglichst über die kanonische Regelung hinsichtlich der Hindernisse und Irregularitäten zu informieren.
  315. Die folgenden Handlungen müssen der heiligen Weihe zum Diakonat und Presbyterat vorausgehen: handschriftliche Bitte des Kandidaten an den Bischof, in der er das Bewusstsein und die Freiheit für den Empfang der Weihe und für die Annahme der mit dieser verbundenen Pflichten (sowohl für den Diakonat als auch für das Presbyterat) zum Ausdruck bringt; geistliche Exerzitien von wenigstens fünf Tagen (vgl. can. 1039 CIC); Ablegen des Glaubensbekenntnisses und des Treueeides vorzugsweise in öffentlicher Form vor dem Ortsordinarius oder vor seinem Beauftragten mit Unterschrift der Urkunde.
  316. Entre las más delicadas, Nr. 2: (locus citatus), 495.
  317. Vgl. CIC, can. 1032 § 1.
  318. Vgl. ebd., can. 1031 § 4 und Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Notifica È noto (24. Juli 1997): Notitiae 35 (1997), 281–282.
  319. Vgl. CIC, can. 235 § 1.
  320. Vgl. Ministrorum institutio, Art. 6: AAS 105 (2013), 134.
  321. Vgl. Entre las más delicadas, Anhang III, Nr. 10: (locus citatus), 498.