Prophet

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Ein Prophet ist ein geistlich begabter Mensch, der den Willen der Götter (heidnisch) oder den Willen Gottes bezeugen bzw. verkünden kann. In der jüdischen und christlichen Geschichte ist er ein Mahner und Verkünder des Wortes Gottes. Der Prophet lebt selbst nach der göttlichen Weisung. Daher ist er oft auch "Stein des Anstoßes" und muss nicht selten bis hin zum Martyrium für die verkündete Wahrheit eintreten. Ein Beispiel dafür ist Johannes der Täufer. Dieser ist nach christlicher Auffassung zugleich der letzte und größte der Propheten als Vorläufer Christi. Die prophetische Funktion vieler Heiliger ist eine Frucht ihrer Nachfolge Christi.[1]

Inhaltsverzeichnis

Berufung des Propheten

Die Propheten des Alten Testaments werden von Gott für ihren Dienst als Mahner und Übermittler der göttlichen Botschaft besonders angesprochen und berufen. Sie empfangen bei ihrer Berufung ihre Sendung und den Auftrag, eine göttliche Weisung zu überbringen. Die Berufung bedeutet für den von Gott angesprochenen Propheten eine Wende seines Lebens; die Berufung macht den Propheten zum Propheten. Das Berufungsereignis kann die Form einer Vision ("Theophanie", Gottesschau) haben, so bei Jesaja (Jes 6 EU) und Mose (Ex 3-4 EU). In anderen Berufungserzählungen spielt das Wortereignis zwischen Gott und dem Propheten eine besondere Rolle, so bei Jeremia (Jer 1,4-18 EU).

Die Darstellung der Berufungen erfolgt in den biblischen Büchern in festen, vorgegebenen Formen. Im Dialog zwischen Gott und dem Propheten ist Raum für Zweifel, Zögern, Fragen und sogar Widerspruch des angesprochenen Menschen. Diesem setzt Gott die Verheißung seines Beistands entgegen und erhärtet sie durch ein Zeichen; zuletzt erfolgt der wiederholte Sendungsauftrag und die Einverständniserklärung des Propheten. Der Prophet stellt in dem von ihm verfassten biblischen Buch das Berufungsereignis im Ich-Stil dar; es dient ihm als Legitimation seines Auftretens als Bote Gottes. Was er verkündet, ist nicht mehr sein eigenes Wort, sondern das wirkmächtige Wort Gottes, das über Heil oder Unheil der Hörer entscheidet. Somit wird der Prophet durch seine Berufung hineingezogen in das Heilshandeln Gottes.[2]

Das vierteilige Schema der Prophetenberufung hat die Phasen

  • berufender Auftrag durch Gott (Ex 3,10 EU, Ri 6,14 EU, Jer 1,5 EU)
  • Bedenken von Seiten des Berufenen (Ex 3,11 EU, Ri 6,15 EU, Jer 1,6 EU)
  • Zusage Gottes (Ex 3,12 EU, Ri 6,16 EU, Jer 1,7-8 EU)
  • Ankündigung eines Zeichens (vom Propheten verlangt oder von Gott frei gewährt) (Ex 3,112 EU, Ri 6,17-18 EU, Jer 1,9-10 EU).

Nach diesem Schema hat der Evangelist Lukas auch die Szenen gestaltet, in denen Zacharias die Geburt Johannes des Täufers (Lk 1,11-20 EU) und Maria die Geburt Jesu (Lk 1,26-38 EU) angekündigt wird. Auch hier wird das Geschehen durch diese literarische Gestaltung als Wirken Gottes legitimiert.[3]

Biblische Propheten

Schriftpropheten in zeitlicher Reihenfolge

  • Amos
  • Hosea
  • Jesja
  • Micha
  • Nahum
  • Gabakuk
  • Zephanja
  • Jeremia
  • Hesekiel
  • Deuterojesaja
  • Tritojesaja
  • Haggai
  • Sacharja
  • Malechachi
  • Jona

Der Tanach kennt vereinzelt auch weibliche Prophetinnen, wie etwa Mirjam (Ex 15,20 EU), Deborah (Ri 4,4 EU) und Hulda (2 Kön 22,14 EU).

Literatur

  • Josef Scharbert, Die Propheten Israels bis 700 v. Christus, Bachem Verlag, Köln 1965
  • Josef Scharbert, Die Propheten Israels um 600 v. Christus, Bachem Verlag, Köln 1967
  • Gerhard von Rad, Eduard Haller (Hrsg.), Die Botschaft der Propheten, Siebenstern Taschenbuch, Verlag Mohn, 4. Auflage, Gütersloh 1981

Weblinks

Anmerkungen

  1. dazu Auszüge des Aufsatzes von Joseph Ratzinger „Wie wird die Kirche im Jahre 2000 aussehen?“ aus dessen Buch „Glaube und Zukunft aus dem Jahre 1970:
    „Und damit sind wir erst beim Eigentlichen: Nur wer sich selber gibt, schafft Zukunft. Wer bloß belehren will, wer nur andere verändern möchte, bleibt unfruchtbar. [...] Damit sind wir bei unserem Heute und bei dem Blick auf morgen angelangt. Die Zukunft der Kirche wird auch heute nur aus der Kraft derer kommen, die tiefe Wurzeln haben und aus der reinen Fülle ihres Glaubens leben. Sie wird nicht von denen kommen, die nur Rezepte machen. Sie wird nicht von denen kommen, die nur dem jeweiligen Augenblick sich anpassen. Sie wird nicht von denen kommen, die nur andere kritisieren, aber sich selbst als unfehlbaren Maßstab annehmen. Sie wird also auch nicht von denen kommen, die nur den bequemeren Weg wählen. Die der Passion des Glaubens ausweichen und alles das für falsch und überholt, für Tyrannis und Gesetzlichkeit erklären, was den Menschen fordert, ihm wehe tut, ihn nötigt, sich selbst preiszugeben. Sagen wir es positiv: Die Zukunft der Kirche wird auch dieses Mal, wie immer, von den Heiligen neu geprägt werden. Von Menschen also, die mehr wahrnehmen als die Phrasen, die gerade modern sind. Von Menschen, die deshalb mehr sehen können als andere, weil ihr Leben weitere Räume umfasst. Selbstlosigkeit, die den Menschen frei macht, wird nur erreicht in der Geduld der täglichen kleinen Verzichte auf sich selbst. In dieser täglichen Passion, die den Menschen erst erfahren lässt, wie vielfach sein eigenes Ich ihn bindet, in dieser täglichen Passion und nur in ihr wird der Mensch Stück um Stück geöffnet. Er sieht nur soviel, soviel er gelebt und gelitten hat. Wenn wir heute Gott kaum noch wahrnehmen können, dann deshalb, weil es uns so leicht gemacht wird, vor uns selbst auszuweichen, vor der Tiefe unserer Existenz zu fliehen in die Betäubung irgendeiner Bequemlichkeit. So bleibt unser Tiefstes unerschlossen. Wenn es wahr ist, dass man nur mit dem Herzen gut sieht, wie blind sind wir dann doch alle!“ (https://www.horeb.org/fileadmin/eigene_dateien/Neue_Seite/Downloads/PDF/Monatsprogramm/2021-07-Programm-Juli.pdf); „Gehen wir einen Schritt weiter. Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. Sie wird viele der Bauten nicht mehr füllen können, die in der Hochkonjunktur geschaffen wurden. Sie wird mit der Zahl der Anhänger viele ihre Privilegien in der Gesellschaft verlieren. Sie wird sich sehr viel stärker gegenüber bisher als Freiwilligkeitsgemeinschaft darstellen, die nur durch Entscheidung zugänglich wird. Sie wird als kleine Gemeinschaft sehr viel stärker die Initiative ihrer einzelnen Glieder beanspruchen. Sie wird auch gewiss neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen: In vielen kleineren Gemeinden bzw. in zusammengehörigen sozialen Gruppen wird die normale Seelsorge auf diese Weise erfüllt werden. Daneben wird der hauptamtliche Priester wie bisher unentbehrlich sein. [...] Sie wird in Glaube und Gebet wieder ihre eigentliche Mitte erkennen und die Sakramente wieder als Gottesdienst, nicht als Problem liturgischer Gestaltung erfahren. Es wird eine verinnerlichte Kirche sein, die nicht auf ihr politisches Mandat pocht und mit der Linken so wenig flirtet wie mit der Rechten. Sie wird es mühsam haben. Denn der Vorgang der Kristallisation und der Klärung wird ihr auch manche gute Kräfte kosten. Er wird sie arm machen, zu einer Kirche der Kleinen sie werden lassen. [...] Man kann vorhersagen, dass dies alles Zeit brauchen wird. Der Prozess wird lang und mühsam sein. [...] Aber nach der Prüfung dieser Trennungen wird aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche eine große Kraft strömen. Denn die Menschen einer ganz und gar geplanten Welt werden unsagbar einsam sein. Sie werden, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist, ihre volle, schreckliche Armut erfahren. Und sie werden dann die kleine Gemeinschaft der Glaubenden als etwas ganz Neues entdecken. Als eine Hoffnung, die sie angeht, als eine Antwort, nach der sie im Verborgenen immer gefragt haben. So scheint mir gewiss zu sein, dass für die Kirche sehr schwere Zeiten bevorstehen. Ihre eigentliche Krise hat noch kaum begonnen. Man muss mit erheblichen Erschütterungen rechnen. Aber ich bin auch ganz sicher darüber, was am Ende bleiben wird: Nicht die Kirche des politischen Kultes [...], sondern die Kirche des Glaubens. Sie wird wohl nie mehr in dem Maß die gesellschaftsbeherrschende Kraft sein, wie sie es bis vor kurzem war. Aber sie wird von neuem blühen und den Menschen als Heimat sichtbar werden, die ihnen Leben gibt und Hoffnung über den Tod hinaus.“ (https://www.horeb.org/fileadmin/eigene_dateien/Neue_Seite/Downloads/PDF/Monatsprogramm/2021-08-Programm-August__1_.pdf)
  2. Klaus Gouders: Die prophetischen Berufungsberichte. Moses, Isaias, Jeremias und Ezechiel. Auslegung, Form- und Gattungsgeschichte zu einer Theologie der Berufung, Bonn 1971 (Dissertation, 354 S.), S. 241-244.
  3. Johannes Riedl: Die Vorgeschichte Jesu. Die Heilsbotschaft von Mt 1-2 und Lk 1-2, Verlag Katholisches Bibelwerk, Rottenburg 1968 (Kirchl. Druckerelaubnis: Rottenburg, 19. September 1969), S. 69f.
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