Lætitiæ plena veneratio

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Dekret

der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung
über die Feier der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, im Römischen Generalkalender
11. Februar 2018

(Quelle: Dekret und Kommentar: Osservatore Romano 16. März 2018, S. 9)

Die freudige Verehrung der Mutter Gottes in der Kirche unserer Tage kann bei der Betrachtung des Geheimnisses Christi und des Wesens der Kirche die Frauengestalt (vgl. Gal 4,4) nicht vergessen, die Jungfrau Maria, die zugleich Christi Mutter und Mutter der Kirche ist.

Dies war im kirchlichen Denken gewissermaßen schon gegenwärtig in den vorwegnehmenden Worten des heiligen Augustinus und des heiligen Leo des Großen. Der erste sagt, dass Maria die Mutter der Glieder Christi ist, da sie mit ihrer Liebe mitgewirkt hat an der Wiedergeburt der Gläubigen in der Kirche. Indem der andere sagt, die Geburt des Hauptes sei auch die Geburt des Leibes, zeigt er, dass Maria zugleich Mutter Christi, des Sohnes Gottes, und Mutter der Glieder des mystischen Leibes, also der Kirche, ist. Diese Überlegungen entspringen der göttlichen Mutterschaft Mariens und ihrer Verbindung mit dem Wirken des Erlösers, das in der Stunde des Kreuzes gipfelt.

Denn unter dem Kreuz Christi stehend (vgl. Joh 19,25) empfing die Mutter das Vermächtnis der Liebe ihres Sohnes, durch das sie alle Menschen, dargestellt im geliebten Jünger, als Söhne annahm, damit sie zum göttlichen Leben neu geschaffen würden. So wurde sie zur liebevollen Nährmutter der Kirche, die Christus am Kreuz, den Geist aushauchend, gebar. Christus wiederum erwählte im geliebten Jünger alle anderen als Vertreter seiner eigenen Liebe zur Mutter, denen er sie anvertraute, damit sie sie mit kindlicher Liebe ehren.

Als Trösterin und Lehrerin der werdenden Kirche übernahm Maria also ihre mütterliche Sendung im Abendmahlssaal, indem sie mit den Aposteln betete, die das Kommen des Heiligen Geistes erwarteten (vgl. Apg 1,14). In diesem Sinn ehrte die christliche Frömmigkeit im Lauf der Jahrhunderte Maria mit verschiedenen, gewissermaßen gleichbedeutenden Titeln als Mutter der Jünger, der Gläubigen, der Glaubenden, aller, die in Christus wiedergeboren werden, aber auch mit dem Titel »Mutter der Kirche«, der in den Texten geistlicher Schriftsteller und auch des Lehramts von Benedikt XIV. und Leo XIII. aufscheint.

Hieraus ergibt sich klar die Basis, auf der beim Abschluss der dritten Session des II. Vatikanischen Konzils der selige Papst Paul VI. die selige Jungfrau Maria zur »Mutter der Kirche, das heißt zur Mutter des ganzen christlichen Volkes, seien es die Gläubigen, seien es die Hirten, die sie ihre geliebte liebendste Mutter nennen«, erklärte und verfügte, dass »mit diesem Titel das ganze christliche Volk von nun an noch größere Verehrung der Gottesmutter zuteilwerden lässt und ihre Bitten an sie richte«.

Deswegen hat der Heilige Stuhl, im Zugehen auf das Heilige Jahr der Versöhnung (1975) eine Votivmesse zu Ehren der seligen Maria, Mutter der Kirche, vorgelegt, die danach in das Römische Messbuch eingefügt wurde; die Erlaubnis zur Einfügung einer Anrufung unter diesem Titel in der Lauretanischen Litanei gewährt (1980) und in der Sammlung von Marienmessen andere Formulare entworfen und veröffentlicht (1986). Einigen Nationen, Diözesen und Ordensfamilien, die darum baten, wurde bewilligt, diese Feier in ihren Eigenkalender einzufügen.

Nachdem Papst Franziskus sorgfältig erwogen hatte, wie sehr die Förderung dieser Verehrung dem Verständnis für die der Mutterschaft der Kirche bei Hirten, Ordensleuten und Gläubigen und der unverfälschten Marienfrömmigkeit noch mehr nutzen kann, entschied er, dass der Gedenktag der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, in den Römischen Kalender am Montag nach Pfingsten einzutragen und jedes Jahr zu feiern ist.

Die Feier wird eine Hilfe sein, uns daran zu erinnern, dass das christliche Leben, um zu wachsen, im Geheimnis des Kreuzes verankert sein muss, in der Hingabe Christi im eucharistischen Mahl und in der opfernden Jungfrau, der Mutter des Erlösers und der Erlösten.

Dieser Gedenktag wird daher in allen Kalendern und liturgischen Büchern für die Feier der Messe und die Stundenliturgie einzufügen sein; die entsprechenden liturgischen Texte sind diesem Dekret beigefügt: Ihre Übersetzungen sind durch die Bischofskonferenzen zu besorgen, zu approbieren und, nach Bestätigung durch dieses Dikasterium, zu veröffentlichen.

Wo jedoch die Feier der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, gemäß approbierten Partikularrechts an einem anderen Tag mit höherem Rang begangen wird, kann diese auch in Zukunft in derselben Weise wie bisher gefeiert werden.

Ungeachtet gegenteiliger Bestimmungen.

Aus der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, am 11. Februar 2018, Gedenktag der seligen Jungfrau Maria von Lourdes.

+ Robertus Card. Sarah,
Präfekt
+ Arthur Roche,

Erzbischof Sekretär

Kommentar von Kardinal Sarah

In Umsetzung der Entscheidung von Papst Franziskus, mit dem Dekret vom 11. Februar 2018, dem 160. Jahrestag der ersten Erscheinung der Jungfrau in Lourdes, hat die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung die Einschreibung des Gedenktages der »seligen Jungfrau Maria Mutter der Kirche« in den Römischen Generalkalender angeordnet. Im Anhang an das Dekret sind die entsprechenden liturgischen Texte in Latein für die Messe, das Stundengebet und das Martyrologium Romanum enthalten. Die Bischofskonferenzen mögen für die Übersetzung der entsprechenden Texte sorgen, diese approbieren und nach der Bestätigung in den liturgischen Büchern ihres Jurisdiktionsbereiches veröffentlichen.

Das Motiv der Feier ist im selben Dekret kurz beschrieben. Dieses erinnert an die bisher erreichte Reife der liturgischen Verehrung Mariens im Zug eines besseren Verständnisses ihrer Gegenwart »im Geheimnis Christi und der Kirche«, wie es im VIII. Kapitel von Lumen gentium des II. Vatikanischen Konzils erläutert ist. Mit guten Grund wollte der selige Papst Paul VI., in der Verkündigung dieser Apostolischen Konstitution am 21. November 1964, feierlich Maria den Titel »Mutter der Kirche« zuerkennen. In zweitausend Jahren Geschichte hatte die Empfindung des christlichen Volkes in verschiedener Weise die kindliche Verbindung erfasst, die die Jünger Christi mit der heiligsten Mutter eng vereint.

Von dieser Verbindung gibt der Evangelist Johannes ausdrücklich Zeugnis, als er über das Vermächtnis des sterbenden Christus am Kreuz berichtet (vgl. Joh 19,26-27). Nachdem er die eigene Mutter den Jüngern anvertraut hat, und zugleich die Jünger der Mutter, hauchte der sterbende Christus im Bewusstsein, dass »alles erfüllt war«, »den Geist« dem Leben der Kirche ein, die sein mystischer Leib ist: denn »aus der Seite des am Kreuz entschlafenen Christus ist das wunderbare Geheimnis der ganzen Kirche hervorgegangen« (Sacrosanctum Concilium, Nr. 5)

Das Wasser und das Blut fließen aus dem Herzen Christi am Kreuz hervor, vollkommenes Zeichen seiner erlösenden Hingabe, und flößen über die Taufe und die Eucharistie der Kirche weiterhin sakramental Leben ein. In dieser geheimnisvollen Gemeinschaft, die sich zwischen dem Erlöser und den Erlösten immer von neuem fortsetzen muss, hat die heiligste Maria ihre mütterliche Sendung zu erfüllen. Daran erinnert der Abschnitt des Evangeliums von Joh 19,25-34, der der Messe des neuen Gedenktages eingefügt ist. Dieser Abschnitt wurde bereits im Jahr 1973 – zusammen mit den Lesungen Gen 3 und Apg 1 – der Votivmesse »de sancta Maria Ecclesiae Matre« eingegliedert und von der Gottesdienstkongregation approbiert für das Heilige Jahr der Erlösung 1975 (vgl. Notitiae 1973, SS. 382-383).

So hatte das liturgische Gedenken der kirchlichen Mutterschaft Mariens bereits in den Votivmessen der Editio altera des Missale Romanum von 1975 Platz gefunden. Danach bestand im Pontifikat des heiligen Papstes Johannes Paul II. die den Bischofskonferenzen eingeräumte Möglichkeit, den Titel »Mutter der Kirche« der Lauretanischen Litanei hinzuzufügen (vgl. Notitiae 1980, S. 159); und anlässlich des Marianischen Jahres veröffentlichte die Gottesdienstkongregation weitere Formulare von Votivmessen unter dem Titel »Maria, Urbild und Mutter der Kirche« in der Collectio missarum de Beata Maria Virgine. Darüber hinaus wurde im Lauf der Jahre die Feier der »Mutter der Kirche« in die Eigenkalender einiger Länder – wie Polen und Argentinien – am Montag nach Pfingsten eingeschrieben; zu anderen Tagen war die Feier eingeschrieben an besonderen Orten wie der Petersbasilika, wo die Ausrufung des Titels durch Paul VI. erfolgte, ebenso wie in den Proprien von Ordensgemeinschaften.

Papst Franziskus hat beschlossen, dass für die gesamte Kirche des Römischen Ritus der Montag nach Pfingsten der gebotene Gedenktag Mariens, der Mutter der Kirche, ist. Er trägt damit der Bedeutung des Geheimnisses der geistlichen Mutterschaft Mariens Rechnung, die seit der Erwartung des Heiligen Geistes zu Pfingsten nie aufgehört hat, sich mütterlich der durch die Zeit pilgernden Kirche anzunehmen. Die Verbindung zwischen der Lebenskraft der Kirche zu Pfingsten und der mütterlichen Sorge Mariens für die Kirche tritt dadurch offen zutage. In den Texten der Messe und des Stundengebetes erleuchtet der Abschnitt aus Apg 1,12-14 die liturgische Feier, ebenso wie Gen 3,9-15.20. Beide müssen im Licht der Typologie der neuen Eva gelesen werden, die Maria unter dem Kreuz des Sohnes, des Erlösers der Welt, zur »Mater omnium viventium« macht.

Der Wunsch ist es, dass diese Feier, die nunmehr auf die ganze Kirche ausgedehnt ist, alle Jünger Christi daran erinnern möge, dass wir wachsen und von der Liebe Gottes erfüllt werden, wenn wir unser Leben in drei Wirklichkeiten verwurzeln: im Kreuz, im Opfer und in der Jungfrau – Crux, Hostia et Virgo. Dies sind die drei Geheimnisse, die Gott der Welt geschenkt hat, um unser Leben zu ordnen, zu befruchten und zu heiligen und uns zu Jesus Christus zu führen. Es sind drei Geheimnisse, die im Stillen zu betrachten sind (R. Sarah, Die Kraft der Stille, Nr. 57).

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