Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands 1955

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Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands

Der Katholische Katechismus der Bistümer Deutschlands ist ein Katechismus, den die Deutsche Bischofskonferenz 1955 in verschiedenen Verlagen herausgab. Er wurde wegen der Farbe des Einbandes auch "Grüner Katechismus" genannt und richtete sich an Kinder von 10 bis 13 Jahren. Dieser Katechismus wurde in 30 Sprachen übersetzt und war über die halbe Welt verbreitet.

Eine Kommission des Deutschen Katechetenvereins hatte ihn im Auftrage der deutschen Bischöfe erarbeitet und dabei den voraufgegangenen Einheitskatechismus vollständig neu gestaltet. Die eigentlichen "Väter" waren Franz Schreibmayr und Klemens Tilmann.

Fast jede Seite verdeutlicht durch eine schwarz-weiß-Zeichnung den Text. Textlich waren alle Ausgaben mit Ausnahme des Anhangs identisch. Der Einband und die Bildbeigaben variierten in einigen Bistümern.

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Der "grüne Katechismus" von 1955.jpeg

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Es ist für uns ein großes Glück, dass wir Christen sind. Wir sind durch Gottes Gnade reich beschenkt und wissen, wozu wir auf Erden sind und welch herrliches Ziel auf uns wartet.

1. Vom Reichtum unsrer Berufung und von unsrer Aufgabe auf Erden

Vor der Taufe fragt der Priester den Täufling: „Was begehrst du von der Kirche Gottes?" Der Täufling antwortet: „Den Glauben." Der Priester fragt: „Was gewährt dir der Glaube?" Der Täufling antwortet: „Das ewige Leben." Der Priester ermahnt den Täufling : „Willst du also zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst."

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Als wir zur Taufe gebracht wurden, empfing uns der Priester im Namen der Kirche Gottes. Durch den Priester hieß uns willkommen die ganze Gemeinschaft der Gläubigen, die unzählbare Schar der Heiligen sowie Jesus Christus, unser Erlöser und Herr, der uns durch den Heiligen Geist zum Vater heimführen will.

Durch die Taufe wurden uns die reichen Schätze der Kirche Gottes aufgetan: der Glaube, den Christus uns gebracht hat; die Sakramente, durch die er uns göttliches Leben spendet; die Gebote und sein heiliges Beispiel, durch die er uns den Weg zum Himmel zeigt.

Bei der Taufe haben wir durch unsere Paten den Glauben bekannt, dem Teufel und der Sünde widersagt und versprochen, als Kinder Gottes zu leben.

Nun sollen wir als Kinder Gottes unsere Aufgabe auf Erden erfüllen: Gott erkennen und immer besser kennenlernen, ihn aus ganzem Herzen lieben, ihn anbeten und ihm mit allen Kräften dienen.

Wenn wir auf Erden Kinder Gottes sind und seinen Willen erfüllen, werden wir einst ewig bei ihm leben.

Überlege: 1. Wer hat uns empfangen, als wir zur Taufe gebracht wurden? 2. Welche Schätze sind uns durch die Taufe aufgetan worden ? 3. Was haben die Paten bei der Taufe an unserer Stelle getan ?

1. Wozu sind wir auf Erden ?

Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.

Für mein Leben Ich will Gott stets dafür dankbar sein, dass ich ein Christ bin, — Ich will mich oft fragen : „Was will Gott von mir ?"

Wort Gottes: „Ihr seid hinzugetreten zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem; zu den zahllosen Engelscharen; zur festlichen Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind; zu Gott, dem Richter aller; zu den Seelen der vollendeten Gerechten und zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes" (Hebr. 12, 22—24). — „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens Und ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen bist" (1 Tim. 6, 12). — „Es steht geschrieben : Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen" (Matth. 4, 10).

Aus der Lehre der Heiligen: „Der Mensch ist geschaffen, um Gott, seinen Herrn, zu loben, ihn zu ehren und ihm zu dienen und dadurch seine Seele zu retten" (Ignatius von Loyola).

Aufgaben: 1. Bei welchen Gelegenheiten wird das Taufgelübde erneuert? 2. Mit welchen Worten kannst du Gott für das Geschenk des Glaubens danken?

Kein Reichtum ist herrlicher,

keine Ehren, keine Güter dieser Welt sind größer
als der katholische Glaube.

AUGUSTINUS

2. Die Kirche ist die Hüterin und Lehrerin unteres Glaubens

Einst bestimmte der Herr zweiundsiebzig Jünger und sandte sie zu zweien vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sprach zu ihnen: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat" (vgl. Luk. 10, 1-16).

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Im Glauben, den wir in der Taufe empfangen haben, unterweist uns die heilige katholische Kirche. Die Kirche ist die Hüterin und Lehrerin unseres heiligen Glaubens. Sie sendet uns Priester und Lehrer, die uns in ihrem Namen den Glauben verkünden. Sie gibt uns die Bücher in die Hand, die uns helfen, unsern Glauben immer besser kennenzulernen : die Bibel und den Katechismus, das Messbuch und das Gebetbuch.

Christus, der Sohn Gottes, hat der Kirche die Vollmacht übertragen, uns zu lehren. Er hat zu den Aposteln gesprochen: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen" (Mark. 16, 15). Durch den Mund der Kirche lehrt uns Christus selbst, unser himmlischer Herr und Meister. Er hat gesagt : „Wer euch hört, der hört mich" (Luk. 10, 16).

Die wichtigsten Lehren unseres Glaubens hat die Kirche kurz zusammengefasst im Apostolischen Glaubensbekenntnis.

Gott will, dass wir auf die Kirche hören. Wir müssen glauben, was sie glaubt und uns zu glauben lehrt. Dann gehen wir den Weg der Wahrheit und gelangen einst ins ewige Leben.

Überlege: 1. Wer lehrt uns im Namen der Kirche ? 2. Nenne Bücher, die uns die Kirche in die Hand gibt ! 3. Wer hat der Kirche die Vollmacht gegeben, uns zu lehren ? 4. Worin hat die Kirche den Glauben kurz zusammengefasst ?

2. Wer ist die Hüterin und Lehrerin unseres Glaubens ?

Die Hüterin und Lehrerin unseres Glaubens ist die heilige katholische Kirche.

3. Wer lehrt uns durch den Mund der Kirche ?

Durch den Mund der Kirche lehrt uns Christus, unser himmlischer Herr.

4. Wie lautet das Apostolische Glaubensbekenntnis?

Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geiste, geboren aus Maria, der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Nachlass der Sünden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben. Amen.

Für mein Leben: Ich will im Glauben der Kirche leben und sterben.

Wort Gottes: „Wenn jemand euch ein anderes Evangelium verkündet, als ihr empfangen habt, so sei er verflucht" (Gal. 1, 9).

Aus dem Leben der Kirche: Den Unterricht der Kirche nennt man seit alter Zeit „Katechese", den Lehrer des Glaubens „Katechet". Das Buch, das beim Unterricht gebraucht wird, heißt „Katechismus".

Das heilige Kreuzzeichen: Ganz kurz zusammengefasst ist unser Glaube im heiligen Kreuzzeichen. Wenn wir das Kreuzzeichen machen, bekennen wir dadurch unsern Glauben an Gott den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist und an unsere Erlösung durch den Kreuzestod des Herrn.

Fest soll mein Taufbund immer stehn,

ich will die Kirche hören.
Sie soll mich allzeit gläubig sehn
und folgsam ihren Lehren.
Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad ?
in seine Kirch' berufen hat,

nie will ich von ihr weichen !

3. Die frohe Botschaft vom Reiche Gottes

Eines Tages erzählte Jesus dem Volke dieses Gleichnis : „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitete. Er sandte seine Knechte aus und ließ den Geladenen sagen: ,Ich habe mein Mahl gerüstet : alles ist bereit. Kommet zur Hochzeit !' Sie aber wollten nicht kommen. Da sprach er zu seinen Knechten : ,Gehet hinaus an die Wege und Zäune und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet !' Da gingen die Knechte hinaus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, und der Hochzeitssaal füllte sich mit Gästen" (vgl. Matth. 22, 2-10).

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Gott wird am Jüngsten Tage aus seiner Verborgenheit hervortreten und uns seine Macht und Liebe unverhüllt zeigen. Er wird Christus, seinen Sohn, vor aller Welt verherrlichen und seine Kinder aus allen Völkern und Zeiten um ihn versammeln. Er wird sie in seiner Liebe ewig selig machen und die ganze Welt mit himmlischer Herrlichkeit erfüllen. Dann ist das Reich Gottes in seiner vollen Herrlichkeit gekommen. Es gleicht einem Hochzeitsmahl : Gott ist der König, Christus der Bräutigam, die erlöste Menschheit die Braut, und die neue Schöpfung ist der Hochzeitssaal.

Gott will, dass wir alle an diesem Reiche Anteil erhalten. Darum hat er seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt. Jesus hat uns das Reich Gottes verkündet, uns erlöst und zu Kindern Gottes gemacht.

Durch Christus ist das Reich Gottes schon jetzt zu uns gekommen: Gott herrscht als gütiger Vater über uns und schenkt uns seine Gnade; Christus, der himmlische Bräutigam, ist in unserer Mitte; in der heiligen Eucharistie nehmen wir schon jetzt teil am ewigen Hochzeitsmahl. Aber die Herrlichkeit des Gottesreiches ist noch verborgen.

Wenn am Jüngsten Tage Christus wiederkommt, werden wir das Reich Gottes in seiner vollen Herrlichkeit schauen. Die Feinde Gottes werden dann ausgeschlossen vom himmlischen Hochzeitsmahl, die Kinder Gottes aber „werden im Reiche ihres Vaters leuchten wie die Sonne" (Matth. 13, 43) und ewig „die Hochzeit des Lammes feiern" (vgl. Offb. 19, 7).

Das Reich Gottes ist nicht nur eine Gabe, die Gott uns schenkt, sondern auch eine Aufgabe, die er uns stellt. Wer als Christ zum Reiche Gottes berufen ist, muss mit aller Kraft danach streben, dass Gottes Reich sich in uns und in der Welt immer mehr entfalte : „Zu uns komme dein Reich."

Überlege: 1. Was wird Gott am Jüngsten Tage tun ? 2. Wer ist beim himmlischen Hochzeitsmahl der König, wer der Bräutigam, wer die Braut ; was ist der Hochzeitssaal ? 3. Was hat Gott getan, damit wir au seinem Reiche Anteil erhalten ? 4. Warum können wir sagen: Das Reich Gottes ist schon zu uns gekommen? 5. Was wird ge-schehen, wenn das Reich Gottes in seiner vollen Herrlichkeit kommt ?

5. Wann wird das Reich, Gottes in seiner vollen Herrlichkeit kommen ?

Das Reich Gottes wird in seiner vollen Herrlichkeit am Jüngsten Tage kommen.

6. Durch wen ist das Reich Gottes schon jetzt zu uns gekommen?

Das Reich Gottes ist schon jetzt zu uns gekommen durch Jesus Christus, aber seine Herrlichkeit ist noch verborgen.

Für mein Leben: Wichtiger als alle Schätze der Welt soll mir das Reich Gottes sein.

Wort Gottes: „Der Herr wird König sein über die ganze Erde" (Zach. 14, 9). — Bei der Vollendung des Gottesreiches am Jüngsten Tage singen die Heiligen des Himmels: „Alleluja! Der Herr, unser Gott, der Allherrscher, hat die Herrschaft angetreten.

Lasst uns frohlocken und jubeln und ihm die Ehre geben; denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes" (Offb. 19, 6 7).— „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen lag. Ein Mann fand den Schatz und verbarg ihn. Dann ging er in seiner Freude hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker" (Matth. 13, 44).

Aufgaben: 1. In welchem Gebet bitten wir, dass das Reich Gottes komme ? 2. Was müssen wir tun, damit das Reich Gottes sich immer mehr entfalte ? 3. In welcher Zeit des Kirchenjahres weist uns die Kirche in besonderer Weise auf das Kommen des Reiches Gottes hin ? 4. In welchen Gleichnissen hat Jesus vom Reiche Gottes geredet ?

ERSTER TEIL: VON GOTT UND UNSRER ERLÖSUNG

VON GOTT, UNSERM HIMMLISCHEN VATER

„Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde" (1. Glaubensartikel).

Wunderbar sind die Wege, auf denen uns Gott in sein ewiges Reich führt. Wenn wir sie betrachten, lernen wir Gott immer besser kennen und immer inniger lieben.

4 Gott spricht zu uns

Als Moses in der Wüste die Schafe hütete, kam er an den Berg Horeb. Da erschien ihm der Herr in einer Feuerflamme, die mitten aus einem Dornbusch hervorschlug. Während Moses nähertrat, rief der Herr ihm aus dem Dornbusch zu : „Moses, Moses !" Er antwortete : „Hier bin ich." Da sprach der Herr: „Tritt nicht näher heran ! Zieh deine Schuhe aus; denn der Ort, an dem du stehst, ist heiliger Boden." Dann fuhr er fort : „Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs." Da verhüllte Moses sein Angesicht; denn er fürchtete sich, zu Gott aufzuschauen (vgl. 2 Mos. 3,1—6).

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In seiner Liebe hat sich der große, heilige Gott zu uns Menschen herabgeneigt und zu uns gesprochen. Im Alten Bund hat er zu uns durch die Patriarchen und Propheten gesprochen, im Neuen Bund durch seinen Sohn Jesus Christus und durch die Apostel. „Vielmals und auf mancherlei Weise hat Gott von alters her durch die Propheten zu den Vätern geredet; am Ende dieser Tage hat er zu uns geredet durch seinen Sohn" (Hebr. 1, 1 2).

Gott hat zu uns gesprochen, um uns zu sagen, wer er ist und was er tut, was wir sind und was wir tun sollen. Er hat uns Wahrheiten mitgeteilt, die uns sonst für immer verborgen geblieben wären : Gott hat sich geoffenbart.

Was Gott geoffenbart hat, lässt er uns durch die Kirche verkünden. Durch sie spricht er immer wieder zu uns das Wort, das er einst gesprochen hat. Er erleuchtet und stärkt uns auch, damit wir sein Wort aufnehmen, es verstehen und es befolgen.

Wenn Gott zu uns spricht, sehen wir alles: Gott selbst, unser Leben und die ganze Welt, in einem neuen Lichte. Zwar können wir die Geheimnisse Gottes nicht durchschauen, aber sie erfüllen unser Herz mit Ehrfurcht und Dankbarkeit, mit Freude und Kraft.

Überlege: 1. Aus welchem Grunde hat Gott zu uns gesprochen ? 2. Was heißt „offenbaren" ? 3. Was hat uns Gott geoffenbart ? 4. Durch wen lässt uns Gott seine Offenbarungen verkünden ? 5. Welche Wohltaten empfangen wir, wenn Gott zu uns spricht?

7. Durch wen hat Gott sich uns geoffenbart?

Gott hat sich uns geoffenbart im Alten Bunde durch die Patriarchen und Propheten, im Neuen Bunde durch Jesus Christus und die Apostel.

Für mein Leben: Was Gott sagt, glaube ich, wenn noch so viele anders reden.

Wort Gottes: „Dein Wort ist Leuchte für meinen Fuß, Licht über meinem Pfad" (Ps. 118, 105). — Als Gott den Samuel rief, antwortete dieser : „Rede, Herr, Dein Diener hört" (1 Sam. 3, 10).

5. Gott ist wahrhaftig und getreu, ewig und unwandelbar

„Gott ist nicht wie ein Mensch, dass er lüge, nicht wie eines Menschen Sohn, dass er sich ändere. Er hat es gesagt, und sollte es nicht tun ? Er hat gesprochen, und sollte es nicht halten ?" (4 Mos. 23, 19.)

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Gott sagt immer die Wahrheit. Menschen können sich irren und andere belügen. Gott aber kann nicht irren und nicht lügen. „Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis" (1 Joh. 1, 5). Gott ist wahrhaftig.

Gott hält, was er verspricht. Er hat den Erlöser gesandt, den er im Alten Bunde versprochen hatte. Er wird auch halten, was er uns versprochen hat. Gott ist getreu.

Gott führt aus, was er androht, wenn die Menschen nicht auf ihn hören wollen. Er hatte die Sündflut, die ägyptischen Plagen und andere Strafen angedroht und ließ sie über die Menschen hereinbrechen, als sie sich nicht bekehrten. Er wird auch uns bestrafen, wenn wir sündigen und nicht Buße tun. „Gott lässt seiner nicht spotten" (Gal. 6, 7).

Die Welt und die Menschen waren einmal nicht. Gott aber ist immer. Er ist immer gewesen und wird immer sein. Er hat keinen Anfang und kein Ende; für ihn gibt es kein Gestern und kein Morgen. Gott ist ewig. „Ehe die Berge geboren wurden, hervorgebracht Erde und Welt, von Ewigkeit her zu Ewigkeit hin, o Gott, bist Du" (Ps. 89, 2).

Die Welt und die Menschen wandeln sich. Gott aber bleibt immer der gleiche: er altert nicht und wandelt sich nicht. Gott ist unwandelbar. „Himmel und Erde vergehn, Du aber bleibst, und wie ein Kleid muss alles veralten. Wie ein Gewand, so wechselst Du sie, und sie wandeln sich, Du aber bist der gleiche, und Deine Jahre enden nicht" (Ps. 101, 27 28).

Überlege: Wie nennen wir Gott, weil er immer der gleiche bleibt?

8. Warum sagen wir : Gott ist wahrhaftig ?

Wir sagen: Gott ist wahrhaftig, weil er immer die Wahrheit sagt; er kann nicht irren und nicht lügen.

9. Warum sagen wir : Gott ist getreu ?

Wir sagen : Gott ist getreu, weil er hält, was er verspricht.

10. Warum sagen wir: Gott ist ewig?

Wir sagen : Gott ist ewig, weil er immer war und immer sein wird; Gott hat keinen Anfang und kein Ende.

Für mein Leben: Ich will immer die Wahrheit sagen und mein Versprechen halten, weil Gott, mein himmlischer Vater, wahrhaftig und getreu ist.

Wort Gottes: „Beim Herrn ist ein Tag wie tausend Jahre, und tausend Jahre sind wie ein Tag" (2 Petr. 3, 8). — „Bei Gott ist kein Wechsel und kein Schatten von Veränderlichkeit" (Jak. 1, 17).

Aus der Lehre der Heiligen: „Bedenke wohl, wie schnell die Menschen sich ändern und wie wenig man sich auf sie verlassen kann. Darum halte dich fest an Gott, der unveränderlich ist" (Theresia von Avila).

Aufgaben: 1. Suche in der Bibel Beispiele dafür: a) dass Gott etwas verspricht und dass er sein Versprechen hält, b) dass er etwas androht und dass er seine Drohung ausführt ! 2. In welchen Gebeten der heiligen Messe ist von dem ewigen Gott die Rede ?

Wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit.

Gott gibt sich auch durch die erschaffene Welt zu erkennen

Im Buche der Weisheit lesen wir: „Toren sind alle Menschen, die beim Betrachten der Werke Gottes den Werkmeister nicht finden. Wenn sie schon hingerissen sind durch die Schönheit der geschaffenen Dinge, so sollten sie erkennen, wieviel herrlicher noch deren Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen. Und wenn sie schon über deren Kraft und Wirksamkeit staunen, so sollten sie daraus schließen, um wieviel mächtiger noch ihr Schöpfer ist; denn aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird ihr Schöpfer erschlossen" (vgl. Weish. 13).

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Betrachten wir die Natur, die Sterne des Himmels und alle Dinge und Wesen auf Erden, dann staunen wir über die wunderbare Ordnung, die überall herrscht. Alle Dinge und Wesen haben ihren bestimmten Platz im großen Reiche der Natur. Es muss einer sein, der diese Ordnung erdacht und verwirklicht hat : ein allweiser und allmächtiger Schöpfer muss alles geschaffen haben.

Jedes einzelne Lebewesen ist ein Kunstwerk. Pflanze und Tier sind weise eingerichtet, dass sie leben, wachsen und sich vermehren. Auch der menschliche Leib ist zweckmäßig und wunderbar gebildet. Diese weise Einrichtung haben sich die Lebewesen nicht selbst gegeben. Ein allweiser und allmächtiger Gott muss sie ihnen geschenkt haben.

In uns ist die Stimme des Gewissens. Sie sagt uns, was gut und was böse ist. Das Gewissen spricht zu uns, ob wir es wollen oder nicht. Wir haben uns das Gewissen nicht selbst gegeben; wir haben es auch nicht von anderen erhalten. Ein heiliger Gesetzgeber und gerechter Richter muss es uns ins Herz gelegt haben.

Das innere Leben Gottes und seine Pläne zu unserm Heil können wir jedoch aus den geschaffenen Dingen nicht erkennen; diese göttlichen Geheimnisse erkennen wir nur aus der Offenbarung.

Überlege: 1. Wie können wir Gott erkennen: a) aus der wunderbaren Ordnung in der Natur, b) aus der zweckmäßigen Einrichtung der Lebewesen, c) aus der Stimme des Gewissens ? 2. Was können wir nur aus der Offenbarung erkennen ?

11. Wodurch gibt Gott sich zu erkennen?

Gott gibt sich zu erkennen

1. durch die sichtbare Welt um uns,

2. durch das Gewissen in uns,

3. vor allem durch die Offenbarung.

Für mein Leben: Wenn ich eine schöne Blume oder den weiten Sternenhimmel betrachte, will ich denken: „O Gott, Du bist noch unendlich schöner und größer als alles, was ich sehe."

Wort Gottes: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament" (Ps. 18, 2). — „Frage die Tiere, sie lehren es dich, die Vögel des Himmels, sie zeigen's dir an; rede mit der Erde, sie antwortet dir, die Fische des Meeres erzählen es : Wer weiß nicht, dass alles dieses die Hand des Herrn gemacht hat ?" (Job 12, 7—9). — „Die Heiden zeigen, dass das Gesetz in ihre Herzen geschrieben ist; denn ihr Gewissen gibt ihnen davon Zeugnis" (Röm. 2, 15). — „In seinem Herzen spricht der Tor : Es ist kein Gott" (Ps. 13, 1).

Spruch: „Die Schöpfung ist ein Buch: wer's weislich lesen kann, dem wird darin gar fein der Schöpfer kundgetan" (Angelus Silesius).

Aufgabe: Nenne Beispiele aus der Natur, an denen du besonders deutlich erkennst, dass ein allweiser Schöpfer alles geschaffen hat.

7. Gott sorgt für uns

Als die Israeliten aus Ägypten aufgebrochen waren, zog Gott in einer Wolkensäule vor ihnen her und zeigte ihnen den Weg. Er führte sie durch das Rote Meer und rettete sie vor dem Heer des Pharao. Danach geleitete Gott sie viele Jahre lang durch die Wüste. Wenn sie sich lagern sollten, senkte sich die Wolkensäule; wenn sie aufbrechen sollten, erhob sie sich. Gott nährte die Israeliten mit dem Manna und tränkte sie mit dem Wasser aus dem Felsen. So führte er sie in das Land, das er einst Abraham und seinen Nachkommen verheißen hatte (vgl. 2 Mos. 13-17).

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Wie Gott für die Israeliten auf ihrer Wanderung ins Gelobte Land gesorgt hat, so sorgt Gott für uns auf dem Weg ins himmlische Vaterland. Er erleuchtet uns und heiligt uns, er schützt uns vor dem bösen Feind und nährt uns mit dem Himmelsbrot. Gott führt uns liebevoll und gibt uns alles, was wir auf dem Weg zum Himmel nötig haben.

Gott gibt uns auch die irdischen Dinge. Nahrung und Kleidung, Gesundheit und Begabung: alles kommt aus seiner Vaterhand. Auch die irdischen Dinge sollen uns zu unserm ewigen Heile dienen.

Wir sind in Gottes Hand. Er hat auch das Geringste in unserm Leben vorausbedacht und fügt alles zu unserm Heil. „Gott sorgt für einen jeden von uns so, als wäre er allein; und für alle so wie für einen einzigen" (Augustinus). Diese Sorge Gottes für uns nennen wir die göttliche Vorsehung. Gott ist gut gegen alle seine Geschöpfe. Er achtet keines gering; er sorgt für sie und erweist ihnen zahllose Wohltaten. Gott ist gütig.

Überlege: 1. Wie sorgt Gott für uns auf dem Weg zum Himmel? 2. Erkläre das Wort „göttliche Vorsehung".

12. Warum sagen wir : Gott ist gütig ?

Wir sagen : Gott ist gütig, weil er für alle seine Geschöpfe sorgt und ihnen zahllose Wohltaten erweist.

13. Wie sorgt Gott für uns?

Gott führt uns liebevoll und gibt uns alles, was wir auf dem Weg zum Himmel nötig haben.

Für mein Leben: Ich will mich täglich Gottes gütiger Führung anvertrauen und alles Gute als sein Geschenk betrachten.

Wort Gottes: Christus sagt: „Sorget euch nicht und saget nicht: Was werden wir essen, oder was werden wir trinken, oder womit werden wir uns bekleiden? Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles nötig habt. Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit? so wird euch dies alles hinzugegeben werden" (Matth. 6, 31 — 33). — „Ich aber, Herr, vertraue auf Dich; in Deinen Händen liegt mein Geschick" (Ps. 30, 15 16). — „Der Herr ist mein Hirt, nichts kann mir fehlen" (Ps. 22, 1).

Aufgaben: 1. Wie hat Gott für den ägyptischen Josef gesorgt? 2. Wie hat der himmlische Vater für das Jesuskind gesorgt ? 3. Denke dir ein Gebet aus, in dem du für die Wohltaten dankst, die Gott dir erwiesen hat ! 4. Denke dir ein Gebet aus, in dem du dein Vertrauen auf Gottes Hilfe aussprichst ! 5. In welchen Gebeteil und Liedern bitten wir besonders um das, was wir zum Leben nötig haben ? 6. In welchen Gebeten und Liedern danken wir Gott für seine Gaben? '

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet !

8. Gott ist allgegenwärtig und allwissend

Nachdem König Salomon den Tempel in Jerusalem vollendet hatte, ließ er die Bundeslade in feierlichem Zuge in den Tempel hineintragen. Als die Priester sie ins Allerheiligste brachten, erfüllte eine Wolke das Haus des Herrn. Salomon aber warf sich nieder und betete : „Herr, Gott Israels, die Himmel können Dich nicht fassen, wieviel weniger dieses Haus, das ich erbaut habe. Doch schaue gnädig hernieder und erhöre alle, die an dieser Stätte beten!" Der Herr aber erschien dem Salomon und sprach zu ihm : „Meine Augen und mein Herz sollen in diesem Hause weilen alle Tage" (vgl. 1 Kön. 7, 51 — 9, 3).

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Gott ist nicht nur im Himmel; er ist auch auf Erden und an allen Orten. Überall ist Gott uns nahe : „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir" (Apg. 17, 28). Gott ist allgegenwärtig.

An manchen Orten ist Gott in einer besonderen Weise gegenwärtig. Auch unsere Seele ist in der Taufe eine Wohnung des dreieinigen Gottes geworden.

Gott erfüllt die ganze Schöpfung, und doch ist er an keinen Ort gebunden und wird von keinem Raum umschlossen. Himmel und Erde können ihn nicht fassen. Gott ist unermesslich.

Gott sieht alles und hört alles. Mit besonderer Liebe schaut er auf uns Menschen und hört auf unser Gebet. Er schaut uns nicht nur ins Angesicht, sondern auch ins Herz. Er vernimmt nicht nur unsere Worte, sondern auch unser innerstes Flehen.

Gott weiß alles. Er weiß das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige; er kennt sogar unsere geheimsten Gedanken und Wünsche. „Alles liegt bloß und offen vor dem Auge dessen, dem wir Rechenschaft abzulegen haben" (Hebr. 4, 13). Gott ist allwissend.

Überlege: Wo ist Gott auf Erden in besonderer Weise gegenwärtig ?

14. Warum sagen wir : Gott ist allgegenwärtig ?

Wir sagen : Gott ist allgegenwärtig, weil er überall zugegen ist, im Himmel, auf Erden und an allen Orten.

15. Warum sagen wir: Gott ist unermesslich ?

Wir sagen : Gott ist unermesslich, weil Himmel und Erde ihn nicht fassen können.

16. Warum sagen wir : Gott ist allwissend?

Wir sagen : Gott ist allwissend, weil er alles weiß; er weiß das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige, sogar unsere geheimsten Gedanken.

Für mein Leben: Wo ich bin und was ich tu', sieht mir Gott, mein Vater, zu.

Wort Gottes: „Wohin könnte' ich gehn, von Deinem Geiste fort? Wohin fliehn vor Deinem Angesicht ? Steig' ich zum Himmel hinauf, so bist Du dort; bette ich mich in die Unterwelt : siehe, auch da bist Da. Nehm' ich die Flügel der Morgenröte, lass' ich mich nieder ans Ende des Meers, wird auch dort Deine Hand mich führen, Deine Rechte mich halten" (Ps. 138, 7—10). — Jesus sagt seinen Jüngern : „Bei euch sind sogar alle Haare eures Hauptes gezählt" (Matth. 10, 30). — „Euer Vater weiß, was euch nottut, ehe ihr ihn darum bittet" (Matth. 6, 8).

Aufgabe: Bei welchen Gelegenheiten sollen wir ganz besonders daran denken, dass Gott alles weiß and sieht ?

9. Gott ist heilig und gerecht

Als Isaias zum Propheten berufen wurde, schaute er die Majestät Gottes. Er schreibt : „Ich sah den Herrn auf einem hohen Throne sitzen; die Säume seines Gewandes füllten das Heiligtum. Seraphim standen vor ihm und riefen : ,Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen ! Die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit ! 4 Da erbebten die Grundfesten des Tempels von ihrem lauten Rufen, und das Haus füllte sich mit Rauch. Da rief ich aus: ,Weh mir, ich bin verloren! Denn ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen, und nun haben meine Augen den König, den Herrn der Heerscharen, gesehen' " (vgl. Is. 6, 1-5).

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Gott ist unendlich erhaben über alles Geschaffene. „Er wohnt in unzugänglichem Lichte" (1 Tim. 6, 16). Kein Geschöpf kann ihn schauen, wenn Gott sich ihm nicht zeigt; niemand kann ihm nahen, wenn Gott ihn nicht zu sich emporhebt. Gott ist heilig. Darum ist es würdig und recht,' dass Engel und Menschen ihn anbeten.

Gott ist auch über alles Böse unendlich erhaben. Er liebt immer das Gute, weil er selbst gut und vollkommen ist; er hasst und verabscheut alles Böse, weil es seinem göttlichen Wesen widerspricht.

Weil Gott heilig ist, will er, dass auch wir heilig seien. Darum neigt er sich gnädig zu uns, reinigt uns von Sünden und erfüllt uns mit seinem heiligen Leben. Darum verlangt er, dass auch wir das Gute lieben und das Böse hassen. Alle Heiligkeit im Himmel und auf Erden kommt von ihm.

Am Jüngsten Tage wird Gott seine unendliche Heiligkeit der ganzen Welt zeigen. In seinem Licht wird alles Gute und alles Böse offenbar werden. Seinem Gericht kann kein Mensch entrinnen. Gott wird die Bösen für ewig in die Hölle verstoßen. Die Guten aber werden ewig sein heiliges Angesicht schauen dürfen. Gott wird jeden so belohnen oder so bestrafen, wie er es verdient : „Er wird einem jeden vergelten nach seinen Werken" (Röm. 2, 6). Gott ist unendlich gerecht.

Gott lohnt und straft schon in dieser Welt: den Guten schenkt er inneren Frieden und innere Freude; die Bösen lässt er die Unruhe des schlechten Gewissens spüren. Gott lohnt auch mit äußerem Glück und straft auch mit äußerem Unglück und Leid. Oft aber geht es in dieser Welt den Guten schlecht und den Bösen gut. Doch ist schon in diesem Leben kein Gottloser ganz glücklich und kein Gerechter ganz unglücklich. Den vollen Lohn und die volle Strafe gibt Gott aber erst im anderen Leben. Erst dann werden wir erkennen, wie gerecht Gott ist.

Überlege: 1. "Was bedeutet der Satz: „Gott wohnt in unzugänglichem Lichte" ? 2. Warum liebt Gott immer das Gute ? 3. Warum hasst Gott alles Böse ? 4. Was tut Gott, damit auch wir heilig seien ? 5. Was wird geschehen, wenn Gott am Jüngsten Tage seine unendliche Heiligkeit der ganzen Welt zeigt ? 6. Wie lohnt Gott schon in dieser Welt ? 7. Wie straft Gott schon in dieser Welt ? 8. Wann wird den Menschen der volle Lohn und die volle Strafe zuteil ?

17. Warum sagen wir: Gott ist heilig?

Wir sagen : Gott ist heilig,

1. weil er unendlich erhaben ist über alles Geschaffene,

2. weil er immer das Gute liebt und das Böse verabscheut.

18. Warum sagen wir : Gott ist gerecht ?

Wir sagen : Gott ist gerecht, weil er das Gute belohnt und das Böse bestraft, wie es ein jeder verdient.

Für mein Leben: Weil Gott heilig ist und auch mich geheiligt hat, will ich lieben, was Gott liebt, und verabscheuen, was er verabscheut.

Wort Gottes: „O Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechtest?" (Röm. 9, 20.) — „Ihr sollt heilig sein, weil ich, der Herr, euer Gott, heilig bin" (3 Mos. 19, 2).— „Das ist der Wille Gottes : eure Heiligung" (1 Thess. 4, 3).

Aus dem Leben der Kirche: Bei jeder heiligen Messe dürfen wir in den Gesang der Engel einstimmen: „Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen. Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe !"

Aufgaben: 1. Wie drücken Priester und Gläubige bei der heiligen Messe ihre Ehrfurcht vor dem heiligen Gott aus ? 2. Welche biblischen Geschichten erzählen uns, wie Gott seine Heiligkeit den Menschen gezeigt hat ? 3. In welchen biblischen Geschichten lesen wir, dass Gott Gutes belohnt ? — in welchen, dass er Böses bestraft ? In welchen Bitten des Vaterunsers beten wir darum, dass Gott geehrt und sein heiliger Wille erfüllt werde ?

10. Gott lenkt das Böse zum Guten

Als der Patriarch Jakob gestorben war, fürchteten die Brüder Josefs, ihr Bruder werde ihnen nun das Böse vergelten, das sie ihm einst zugefügt hatten. Josef aber sprach zu ihnen : „Fürchtet euch nicht ! Ihr sännet Böses wider mich, Gott aber hat es zum Guten gelenkt" (vgl. 1 Mos. SO, 15—21).

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Unser Leben ist nach Gottes Willen eine Probezeit. Wir sollen uns hier auf Erden frei für ihn entscheiden. Gott mahnt uns zum Guten, warnt uns vor dem Bösen und schenkt uns seine Gnade, damit wir die Probe bestehen können. Da wir ihn aber noch nicht schauen, kann es geschehen, dass wir unsere Freiheit missbrauchen und gegen ihn sündigen. Gott lässt die Sünde zu. Die Sünden scheinen die Pläne Gottes zu stören oder gar zu vereiteln. In Wirklichkeit aber weiß Gott auch das Böse zum Guten zu lenken. Er regiert die. Welt so, dass das Böse seinen heiligen Plänen dienen muss. Auch beim Kreuzestod seines Sohnes schienen Sünde und Teufel zu siegen; in Wirklichkeit aber wurde der Teufel besiegt und die Welt von der Sünde und dem ewigen Tode erlöst.

Das Geheimnis der Sünde bleibt für uns unbegreiflich, solange wir auf Erden leben. Am Jüngsten Tage aber werden wir voll Staunen erkennen, wie alles Böse in der Welt den Plänen Gottes dienen musste.

Überlege: 1. Was tut Gott, damit wir das Gute tun ?

2. Warum ist es möglich, dass wir auf Erden sündigen ?

3. Warum können die Sünden die Pläne Gottes nicht stören oder vereiteln ? 4. Wie zeigt sich am Kreuzestod Jesu, dass Gott das Böse zum Guten lenkt ?

19. Warum lässt Gott die Sünde zu?

Gott lässt die Sünde zu,

1. weil er will, dass wir uns frei für ihn entscheiden,

2. weil er auch das Böse zum Guten zu lenken weiß.

Für mein Leben: Wenn ich das Böse in der Welt sehe, will ich nicht an Gott zweifeln oder mutlos werden, sondern fest vertrauen, dass Gott das Böse zum Guten lenken wird. Jesus ist Sieger auch über Sünde und Teufel.

Wort Gottes: „Was toben die Heiden, und was ersinnen die Völker nichtige Pläne ? Er aber lacht, der in den Himmeln wohnt; es spottet ihrer der Herr" (Ps. 2, 1 4).

Aufgaben: Wie hat Gott zum Guten gelenkt : a) das Unrecht der Söhne Jakobs an ihrem Bruder Josef, b) die Steinigung des heiligen Stephanus, c) die Verfolgung der Christen von Jerusalem ?

11. Gott führt uns durch Leid zum Heil

Als die Israeliten auf die Mahnungen der Propheten nicht hören wollten, ließ Gott schweres Leid über sie kommen. König Nabuchodonosor eroberte Jerusalem, zerstörte die Stadt, brannte den Tempel nieder und führte die Bewohner des Landes gefangen nach Babylon. Während der babylonischen Gefangenschaft gingen die Israeliten in sich und taten Buße. Ihr Glaube an den einen wahren Gott wurde gefestigt, und ihre Sehnsucht nach dem verheißenen Erlöser wurde neu geweckt. Zugleich erfuhren die Heiden, unter denen die Israeliten lebten, durch sie vom wahren Gott und vom Erlöser, der in die "Welt kommen sollte. So wurde die Strafe, die Gott geschickt hatte, zum Segen für Israeliten und Heiden.

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Gott hat keine Freude an Leid und Tod. „Gott hat den Tod nicht geschaffen, er hat keine Freude am Untergang der Lebenden" (Weish. 1, 13). Leid und Tod sind durch die Sünde in die Welt gekommen. Auch unsere eigenen Sünden bringen Leid üher uns und unsere Mitmenschen.

Gott lässt Leid über uns kommen, um uns dadurch zum Heile zu führen. Bei allem hat Gott eine heilige Absicht, auch wenn wir sie nicht verstehen.

Gott will uns durch das Leid dazu führen, dass wir uns vom Bösen bekehren. Das Leid kann eine heilsame Strafe sein, durch die wir zur Erkenntnis unserer Schuld kommen sollen. Gott schickt uns auch Leid, um uns zu läutern, wie man Gold im Feuer läutert. Durch Krankheit, Armut und andere Mühsal will er uns von Fehlern und Unvollkommenheiten reinigen.

Gott lässt das Leid auch dazu über uns kommen, dass wir uns im Guten bewähren. Das Leid ist gleichsam eine Prüfung : wir sollen zeigen, dass wir auch im Leiden Gottes heiligen Willen erfüllen. Wenn wir das Leid gottergeben tragen, werden wir Christus ähnlich. — Wer leiden muss, weil er Christ ist, soll an das Wort Christi denken : „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen. Freuet euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß im Himmel" (vgl. Matth. 5, 11 12).

Christus hat durch sein Leiden und Sterben die Sünden der Welt gesühnt. Durch das Leid gibt uns Gott Gelegenheit, mit Christus zu sühnen.

Wenn wir in diesem Leben mit Christus leiden, werden wir einst im Himmel mit ihm verherrlicht werden. Alles Leid, das wir im Gehorsam gegen Gott tragen, wird uns mit ewigem Lohn vergolten werden.

Überlege: 1. Woher kommen Leid und Tod? 2. Erkläre, wie Gott uns durch Leid zum Heile führt ! 3. Wann werden wir im Leid Christus ähnlich ? 4. Was wird Gott tun, wenn wir das Leid gottergeben tragen ?

20. Wodurch sind Leid und Tod in die Welt gekommen?

Leid und Tod sind durch die Sünde in die Welt gekommen.

21. Warum lässt Gott Leid über uns kommen?

Gott lässt Leid über uns kommen, weil er uns durch Leid zum Heile führen will.

Für mein Leben: Wenn mich etwas Schweres trifft, will ich wie Jesus beten: „Dein Wille geschehe !" — Wenn ich leiden muss, will ich an meinen gekreuzigten Heiland denken.

Wort Gottes: „Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten" (Röm. 8, 28). — „Die Leiden dieser Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird" (Röm. 8, 18).

Lebensregel: Frage nicht : Warum lässt Gott mich leiden ? Frage lieber : Wie kann ich diese Prüfung am besten nutzen ?

Aufgaben: 1. Suche Lieder und Sprichwörter, die uns mahnen, das Leid geduldig zu tragen ! 2. Schreibe einen Brief, der einen Menschen trösten kann, der alles verloren hat l

WoIl' im Leiden niemals klagen,

sondern immer still nur sagen:

Jesus hat noch mehr getragen.

12. Gott ist allweise und allmächtig

Der heilige Paulus spricht im Brief an die Römer darüber, wie Gott seine heiligen Pläne wunderbar durchführt. Danach schreibt er: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und des Wissens Gottes! Wie unerforschlich sind seine Ratschlüsse, wie unergründlich seine Wege ! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt ? Oder wer ist sein Berater gewesen ? Oder wer hat ihm zuerst etwas gegehen, dass Gott es ihm vergelten müsste ? Denn aus ihm und durch ihn und für ihn ist alles. Ihm sei die Ehre in Ewigkeit ! Amen" (Röm. 11, 33—36).

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Als Gott die Welt erschuf, hat er ihr eine wunderbare Ordnung gegeben. Durch den Teufel aber und durch die Sünden der Menschen ist Unordnung in die Welt gekommen. Gott aber weiß alles so einzurichten, dass er seine heiligen Absichten trotzdem erreicht. Gott ist allweise.

Auch das Leben des einzelnen Menschen leitet Gott nach seinen heiligen Absichten. Durch Gottes weise Fügung wurde einst Josef vom Pharao erhöht und der Knabe Moses vor dem Tode bewahrt. Am wunderbarsten spüren wir Gottes Weisheit darin, wie er uns zum Himmel führt. Solange wir auf Erden leben, können wir freilich seine Fügungen oft nicht begreifen. Gott sagt : „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, meine Wege sind nicht eure Wege. So hoch wie der Himmel über der Erde ist, so hoch sind meine Wege über euren Wegen und meine Gedanken über euren Gedanken" (Is. 55, 8 9).

Gott führt seine Pläne mit göttlicher Macht durch. Er hat die Welt durch seinen göttlichen Willen aus dem Nichts erschaffen. Er hält die ganze Welt in seiner Hand und lenkt alle Wesen kraftvoll und zart zugleich. Am deutlichsten erkennen wir die Allmacht Gottes an den Wundern, vor allem an der Auferstehung seines Sohnes. Seine ganze Macht wird er am Jüngsten Tage offenbaren, wenn er die Welt neugestaltet. „Bei Gott ist kein Ding unmöglich" (Luk. 1, 37). Er kann alles, was er will. Gott ist allmächtig.

Auch die Natur zeigt uns, wie weise und mächtig Gott ist. Der gestirnte Himmel und die Geschöpfe auf Erden, die Tiere und Pflanzen und unser Leib mit seinem wunderbaren Bau und dem Spiel seiner Kräfte : sie alle künden die Weisheit und Allmacht Gottes.

Überlege: 1. Wie zeigt Gott seine Weisheit: a) in der Regierung der Welt, b) im Leben des Einzelnen ? 2. Wodurch zeigt Gott seine Macht ?

22. Warum sagen wir : Gott ist allweise?

Wir sagen : Gott ist allweise, weil er alles so einzurichten weiß, dass seine heiligen Absichten erreicht werden.

23. Warum sagen wir : Gott ist allmächtig ?

Wir sagen : Gott ist allmächtig, weil er alles kann, was er will.

Für mein Leben: Der allweise und allmächtige Gott ist mein Vater. Wie froh und unbesorgt darf ich sein !

Spruch: Des Himmels und der Erde Pracht zeigt Gottes Weisheit, Lieb' und Macht.

Wort Gottes: „Wie sind Deiner Werke, o Herr, so viel! In Weisheit hast Du alles gemacht" (Ps. 103, 24). — „Was immer er will, vollbringt der Herr, im Himmel und auf der Erde, im Meer und in allen Wassertiefen" (Ps. 134, 6).

13. Gott erbarmt sich der Sünder

Eines Tages erzählte Jesus den Pharisäern ein Gleichnis : „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere ließ sich sein Erbteil auszahlen und zog in ein fernes Land. Dort verschwendete er sein Vermögen und litt bald bittere Not. Da ging er in sich und machte sich auf zu seinem Vater. Sein Vater sah ihn schon von weitem und ward von Mitleid gerührt. Er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Dann sprach er zu seinen Knechten : , Schnell, bringt ihm das beste Kleid heraus und zieht es ihm an ! Gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße ! Holt auch das Mastkalb und schlachtet es ! Wir wollen essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig; er war -verloren und ist wiedergefunden' " (vgl. Luk. 15, 11-24).

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Gott will den Sünder retten. „So wahr ich lebe, spricht der Herr, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe" (Ez. 33, 11). Er hat seinen eigenen Sohn in die Welt gesandt, „zu suchen und seu retten, was verloren war" (Luk. 19, 10).

Gott ruft den Sünder zur Umkehr. Er lässt ihn seine Sünden erkennen und weckt in ihm das Heimweh nach dem himmlischen Vaterhaus.

Gott hat mit uns schwachen Menschen Geduld. Darum lässt er dem Sünder oft lange Zeit, dass er sich bekehre und seine Sünden bereue; Gott wartet auf ihn, wie der Vater auf den verlorenen Sohn. Gptt ist langmütig.

Wenn der Sünder sich bekehrt, vergibt ihm Gott. Mit großer Liebe neigt er sich dem Sünder zu und nimmt ihn wieder als sein Kind auf. Kein Mensch kann sich so von Herzen erbarmen und so großmütig verzeihen wie unser Vater im Himmel. Darum darf selbst der größte Sünder nicht verzweifeln. Gott ist barmherzig.

Überlege: 1. Wodurch hat Gott am deutlichsten gezeigt, dass er die Sünder retten will ? 2. Was tut Gott, damit die Sünder sieh bekehren ?, 3. Was tut Gott, wenn ein Mensch seine Sünden bereut ?

24. Warum sagen wir : Gott ist barmherzig ?

Wir sagen : Gott ist barmherzig, weil er den Sünder zur Buße ruft und ihm gern verzeiht, wenn er sich bekehrt.

25. Warum sagen wir : Gott ist langmütig ?

Wir sagen : Gott ist langmütig, weil er dem Sünder oft lange Zeit lässt, sich zu bekehren.

Für mein Leben: Weil Gott barmherzig ist, will auch ich barmherzig sein. Weil Gott Geduld mit mir hat, will ich auch Geduld mit anderen haben.

Wort Gottes: „Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht das Gute, das er an dir getan; er, der all deine Schuld vergibt, alle deine Gebrechen heilt; der dein Leben rettet vom Untergang, dich mit Huld and Erbarmen krönt. Wie der Vater sich über die Kinder erbarmt, also erbarmt sich der Herr über jene; welche ihn fürchten" (Ps. 102, 2 — & 13). „Wären deine Sünden rot wie Scharlach, ich will sie weißer waschen als Schnee" (Is. ], 18). — „Gott ist langmütig gegen euch; denn er will nicht, dass jemand verlorengehe, sondern dass sich alle bekehren" (2 Petr. 3, 9).

Aufgaben: 1. Suche in der Bibel Beispiele für die Barmherzigkeit and Langmut Gottes ! 2. Was lehrt uns Jesus durch das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht ?

14. Gott ist die Liebe

Der heilige Johannes schreibt: „Die Liebe Gottes ist dadurch unter uns offenbar geworden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm" (1 Joh. 4, 9 16).

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Gott liebt uns von Ewigkeit her; er hat uns schon geliebt, ehe wir ihn lieben konnten. Er spricht : „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt" (Jer. 31, 3). Aus Liebe hat er uns geschaffen, uns durch seinen Sohn erlöst und zu seinen Kindern gemacht. Aus Liebe mahnt er, straft er und vergibt er. Gott ist die Liebe.

Weil Gott uns liebt, dürfen auch wir ihn lieben. Er will, dass wir ihn unsern Vater nennen und kindlich auf ihn vertrauen. Wir brauchen ihn nicht zu fürchten wie Knechte, sondern dürfen ihn als seine Kinder lieben.

Die Liebe Gottes hat die Heiligen oft wie im Sturm ergriffen. Sie erkannten, dass niemand ihr Herz sättigen kann als Gott allein. Darum wünschten sie nichts so sehr, als Gott immer mehr zu lieben. Gott aber offenbarte ihnen immer neue Reichtümer seiner Liebe.

Gott verlangt danach, dass wir einmal ganz mit ihm vereinigt werden. Er will, dass wir zu ihm in den Himmel kommen und ewig in seiner Liebe leben.

Überlege: 1. Wie hat uns Gott seine Liebe gezeigt? 2. Wie sollen wir die Liebe Gottes erwidern ? 3. Wozu hat Gottes Liebe die Heiligen angetrieben ?

26. Was sagt der heilige Johannes über die Liebe Gottes,?

„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm."

Für mein Leben: Weil Gott alles aus Liebe tut, will auch ich danach streben, alles aus Liebe zu tun.

Wort Gottes: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahin gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe" (Joh. 3, 16).

15. Der unermesslich vollkommene Gott

Nach dem Letzten Abendmahl erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete zu seinem Vater. Dabei sprach er die Worte : „Das ist das ewige Leben, dass sie Dich erkennen, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus" (Joh. 17, 1 3).

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Es gibt nur einen Gott. „Alle Völker sollen erkennen: Der Herr ist Gott und sonst keiner" (1 Kön. 8, 60).

Gott ist der „lebendige Gott" (Jer. 10, 10). Er ist das Leben und der Spender allen Lebens. Uns, seine Kinder, lässt er an seinem eigenen göttlichen Leben teilnehmen.

Gottes Leben ist unendlich reicher und höher als das Leben der Geschöpfe. Er hat einen Verstand, der alles durchdriugt, und einen Willen, der alles trägt und lenkt. Aber Gott hat keinen Leib wie wir sterblichen Mensehen. Gott ist ein Geist. — Wenn die Heilige Schrift von den Augen und den Händen Gottes redet, meint sie damit sein Wissen und seine Macht. Sie spricht von Gott in Bildern.

Gott ist herrlicher und heiliger, als wir jemals denken und sagen können; alles Gute ist in ihm. Wir Geschöpfe sind unvollkommen und begrenzt. Gott aber ist ohne alle Grenzen und ohne die kleinste Unvollkommenheit. Er ist unendlich vollkommen.

Gott hat uns auch das Geheimnis seines inneren Lebens geoffenbart. Aus der Offenbarung wissen wir, dass in dem einen Gott drei Personen sind: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. In drei Personen lebt Gott in unermesslicher Glückseligkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Überlege: 1. Warum wird Gott auch der „lebendige Gott" genannt? 2. Was meint die Heilige Schrift, wenn sie von Gottes Augen und Händen spricht ? 3. Was ist das innerste Geheimnis Gottes ?

27. Warum sagen wir : Gott ist unendlich, vollkommen ?

Wir sagen : Gott ist unendlich vollkommen, weil er alle guten Eigenschaften ohne Grenzen besitzt.

28. Warum nennen wir Gott einen Geist?

Wir nennen Gott einen Geist, weil er Verstand und Willen, aber keinen Leib hat.

Für mein Leben: Gott ist ein unfassbares, strahlendes Geheimnis, Darum darf ich von Gott nur mit Ehrfurcht reden und denken.

Wort Gottes: „Der Herr ist der wahre Gott, er ist der lebendige Gott, der ewige König" (Jer. 10, 10). — „Gott ist Geist" (Joh. 4,24). — „Dem König der Ewigkeit, dem unsterblichen, dem unsichtbaren, dem alleinigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen" (1 Tim. 1, 17).

Aufgabe: Schreibe alle Eigenschaften Gottes auf, die du kennst !

Sowenig meine kleine Hand

den weiten Himmelsraum umspannt,
so wenig fasst des Menschen Geist

den Gott, den Erd' und Himmel preist.

VON DER ERSCHAFFUNG DER WELT, DEM SÜNDENFALL UND DER VERHEISSUNG DER ERLÖSUNG

Das erste, was Gott getan hat, um seine heiligen Pläne auszuführen, war die Erschaffung der Welt. Mit dieser großen Gottestat hat die Geschichte der Welt und der Menschen ihren Anfang genommen.

16. Gott hat die Welt erschaffen

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Er schuf das Licht und das Firmament, das Land und das Meer, die Sterne des Himmels und alle Geschöpfe auf Erden. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut (vgl. 1 Mos. 1).

+

Die Welt war nicht immer da; sie hat einen Anfang gehabt. Sie ist auch nicht von seihst entstanden. Sie kommt von Gott: Gott hat Himmel und Erde gemacht.

Als Gott die Weh schuf, brauchte er dazu keinen Baustoff, kein Werkzeug und keinen Gehilfen. Er hat sie aus nichts hervorgebracht. „Er hat gesprochen, und alles ward; er hat geboten, und es stand da" (Ps. 32, 9). Allein durch seinen allmächtigen Willen hat er alles ins Dasein gerufen. Darum sagen wir : Gott hat die Welt erschaffen.

Gott hatte es nicht nötig, die Welt zu erschaffen. Er war auch ohne sie unendlich reich und glücklich.

Gott hat die Welt erschaffen, um seine unermessliche Güte zu offenbaren und mitzuteilen. Das ganze Weltall soll seine Herrlichkeit widerspiegeln, und alle Geschöpfe sollen von seiner Güte empfangen. Die vernünftigen Geschöpfe dürfen ihn überdies erkennen und lieben, ihn verherrlichen und ihm dienen und dadurch glücklich und ewig selig werden. Gott hat die Welt erschaffen zu seiner Ehre und zum Besten der Geschöpfe.

Gott liebt die Welt, die er erschaffen hat. Er will nicht, dass sie wieder zunichte werde. Er sorgt dafür, dass sie fortbesteht. Gott erhält die Welt.

Gott wirkt immerfort in seiner Schöpfung mit Allmacht, Weisheit und Güte. Er lenkt den Lauf der Welt, die Geschicke der Völker und das Leben jedes einzelnen Menschen. Er führt seine Schöpfung sicher zu ihrem ewigen Ziel. Gott regiert die Welt.

Weil Gott alles erschaffen hat, ist alles sein Eigentum. Alle Wesen und alle Dinge sind für ihn da und stehen unter seinem göttlichen Schutz.

Überlege: 1. Was bedeutet : Gott hat die Welt „erschaffen" ? 2. Warum hatte Gott es nicht nötig, die Welt zu erschaffen ? 3. Warum hat Gott die Welt erschaffen ? 4. Warum erhält Gott die Welt ? 5. Wie regiert Gott die Welt ? 6. Was folgt für uns daraus, dass Gott alles erschaffen hat ?

29. Woher kommt die Welt?

Die Welt kommt von Gott; er hat Himmel und Erde erschaffen.

30. Wozu hat Gott die Welt erschaffen?

Gott hat die Welt erschaffen zu seiner Ehre und zum Besten der Geschöpfe.

Für mein Leben: Wenn ich mich über die schöne Gotteswelt freue, will ich nicht vergessen, Gott zu danken; denn Gott hat sie erschaffen.

Wort Gottes: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat" (Ps. 123, 8).

Der Schöpfungsbericht der Bibel: Durch den Schöpfungsbericht will Gott uns lehren, was für unser Heil wichtig ist : Gott hat alle Dinge erschaffen; er hat den Menschen erschaffen; von Gott stammen die Gesetze, die in der Natur und im Leben der Menschen gelten. Diese göttlichen Wahrheiten werden im Schöpfungsbericht so ausgedrückt, wie es den Vorstellnngen der damaligen Zeit entsprach.

Aufgaben: 1. Bete den Gesang der drei Jünglinge im Feuerofen! 2. Bete den Psalm 103 ! 3.Welche geschaffenen Wesen und Dinge werden in diesen beiden Gebeten genannt?

17. Gott hat die Engel erschaffen

Der Herr hat seihen Thron im Himmel errichtet,
und seine Königsmacht regiert das All.
Preiset den Herrn, ihr seine Engel alle,
ihr Starken an Kraft, die ihr seine Befehle vollbringt,
seinem Worte Gehorsam erweist.
Preiset den Herrn, ihr seine Scharen alle,
seine Knechte, die ihr seinen Willen erfüllt (Ps. 102, 19—21).
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Gott hat auch rein geistige, machtvolle Wesen erschaffen, die Engel. Die Engel haben Verstand und freien Willen, aber keinen Leib. Deshalb können wir sie nicht sehen.

Gott hatte in seiner Liebe die Engel dazu erschaffen, ihn einmal zu schauen und ewig bei ihm zu leben. Dazu waren die Engel aus eigener Kraft nicht fähig. Darum gab ihnen Gott Anteil an seinem eigenen göttlichem Leben.

Bevor die Engel Gott schauen durften, sollten sie erst eine Probe bestehen. Ein Teil der Engel bestand diese Probe nicht, sondern empörte sich gegen Gott. Zur Strafe wurden sie in die Hölle hinabgestürzt. Sie heißen böse Geister. Ihr Anführer ist der Teufel (hebräisch : Satan, d. h. Widersacher). Die bösen Geister hassen Gott und uns und suchen uns an Leib und Seele zu schaden.

Die treu gebliebenen Engel schauen nun Gott, beten ihn an und preisen ihn in ewiger Seligkeit. Sie lieben Gott, dienen ihm und kämpfen für sein Reich. Sie tun uns den Willen Gottes kund, beschützen uns an Leib und Seele und bitten für uns bei Gott.

Die Heilige Schrift nennt verschiedene Chöre von Engeln, z. B. die Cherubim und die Seraphim. Als den Anführer der guten Engel im Kampf gegen Satan und die bösen Geister verehren wir den heiligen Erzengel Michael.

In seiner Liebe hat Gott jedem von uns einen Engel zur Seite gestellt, den heiligen Schutzengel. Der Schutzengel liebt uns, schützt uns in Versuchung und Gefahr, ermahnt uns zum Guten und geleitet uns auf unserm Weg ins himmlische Vaterhaus.

Überlege: 1. Wozu hat Gott die Engel erschaffen? 2. Womit hat Gott sie ausgestattet ? 3. Was hat Gott von den Engeln verlangt, bevor sie ihn schauen durften ? 4. Warum wurde ein Teil der Engel in die Hölle hinabgestürzt ? 5. Was tun die treu gebliebenen Engel ?

31. Was sind Engel?

Engel sind rein geistige Wesen, die Gott anbeten, ihn lieben und seine Aufträge erfüllen.

32. Was tun die Schutzengel für uns ?

Die Schutzengel beschützen uns an Leib und Seele, sie bitten für uns und ermahnen uns zum Guten.

33. Was sind die bösen Geister?

Die bösen Geister sind abgefallene Engel, die Gott hassen und uns an Leib und Seele zu verderben suchen.

Für mein Leben: Ich will meinen Schutzengel lieben, ihn alle Tage andächtig anrufen, seinen Ermahnungen treu folgen und daran denken, dass er mich überall sieht.

Wort Gottes: „Gott entbietet für dich seine Engel, dass sie dich schützen auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit sich dein Fuß an keinem Steine stoße" (Ps. 90, 11 12). — Christus sagt : „Sehet zu, dass ihr keines von diesen Kleinen verachtet ! Denn ich sage euch : Ihre Engel im Himmel schauen immerdar das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist" (Matth. 18, 10). — Jesus nennt den Teufel „Menschenmörder von Anbeginn", „Lügner und Vater der Lüge" (Joh. 8, 44), „Fürst dieser Welt« (Joh. 14, 30).

Aus dem Leben der Kirche: Die Kirche feiert am 24. März das Fest des Erzengels Gabriel, am 29. September das Fest des Erzengels Michael, am 2. Oktober das Schutzengelfest und am 24. Oktober das Fest des Erzengels Raphael.

Aufgaben: 1. Wo wird in der Bibel von Engeln berichtet : a) im Alten Testament, b) im Neuen Testament ? 2. Was bedeuten die Flügel, mit denen die Engel meist dargestellt werden?

Ihr Engelchöre voller Macht,

die ihr habt treulich unser acht :
Helft uns in diesem Erdental,
dass wir durch Gottes Gnad' und Wahl

zum Himmel kommen allzumal.

18. Gott hat die Menschen erschaffen

Gott sprach : „Lasset uns den Menschen machen als unser Bild und Gleichnis." Und Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild. Er bildete ihn aus Erde und hauchte ihm den Odem des Lebens ein. Dann setzte er den Menschen in einen schönem, fruchtbaren Garten, damit er ihn bebaue und bewahre. Und Gott sprach zu ihm : „Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen; nur von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; sobald du davon issest, musst du sterben" (vgl. 1 Mos. 1, 26 - 2, 15).

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Gott bildete den Leib des Menschen aus Stoffen der Erde. Die Seele erschuf er aus nichts; durch sie gab er dem Leib das menschliche Leben. Die ersten Menschen waren Adam und Eva. Vom ihnen stammen alle Menschen ab (Stammeltern).

Die Seele des Menschen ist ein geistiges Wesen. Sie hat Verstand und kann erkennen, sie hat einen Willen und kann sich frei entscheiden. Weil die Seele ein geistiges Wesen ist, ist sie unsterblich. Durch seine geistige Seele ist der Mensch Gott, dem unendlich vollkommenen Geist ähnlich und steht hoch über allen Geschöpfen der Erde.

Auch die Menschen hat Gott in seiner Liebe dazu erschaffen, ihn einmal zu schauen und ewig bei ihm zu leben. Darum gab Gott ihnen Anteil an seinem eigenen göttlichen Leben. Dieses große, unverdiente Geschenk nennen wir das Gnadenleben oder die heiligmachende Gnade. Durch das Gnadenleben waren die ersten Menschen Kinder Gottes und Gott in besonderer Weise ähnlich.

Gott hat den ersten Menschen noch andere herrliche Gaben geschenkt. Sie durften im Paradiese leben. Dort lebten sie in der besonderen Nähe Gottes. Er erleuchtete ihren Verstand mit besonderem Lichte und stärkte ihren Willen mit besonderer Kraft. Ihr Sehnen und Trachten war ganz auf das Gute gerichtet. Die ersten Menschen waren frei von der Neigung zum Bösen und lebten glücklich in Gottes Gegenwart. Die Arbeit war für sie keine Last. Sie waren frei von Schmerz, Krankheit und allem Übel und sollten auch vor dem Tode bewahrt bleiben. Alle diese Gaben nennen wir die besonderen Gaben der Paradieseszeit.

Die Gnaden, die Gott den ersten Menschen gegeben hatte, sollten von ihnen auf alle Menschen übergehen. Alle Menschen sollten von Adam mit dem leiblichen Leben auch das Gnadenleben und die besonderen Gaben der Paradieseszeit erben (Erbgnade).

Die ersten Menschen sollten sich wie die Engel in einer Probe bewähren. Darum gab ihnen Gott ein Gebot. Wenn sie es befolgten, sollten sie das Gnadenleben und alle Gaben der Paradieseszeit für sich und ihre Nachkommen behalten; wenn sie es missachteten, sollten sie diese Gnaden und Gaben Gottes für sich und ihre Nachkommen verlieren.

Überlege: 1. Was heißt: „Gott bildete den Menschen aus Erde" ? 2. Wodurch belebte Gott den Leib des Menschen ? 3. Welche Fähigkeiten hat die Seele des Menschen ? 4. Warum ist die Seele unsterblich ? 5. Wem ist der Mensch durch seine Seele ähnlich ? 6. Wodurch waren die ersten Menschen Gott in besonderer Weise ähnlich ? 7. Welches waren die besonderen Gaben der Paradieseszeit ? 8. Wie prüfte Gott die ersten Menschen? 9.Was sollte geschehen, wenn die Menschen die Prüfung beständen? 10. Was sollte geschehen, wenn die Menschen die Prüfung nicht beständen ?

34. Wie erschuf Gott den Menschen?

„Gott bildete den Menschen aus Erde und hauchte ihm den Odem des Lebens ein."

35. Welches war das kostbarste Geschenk, das Gott den ersten Menschen gegeben hat ?

Das kostbarste Geschenk, das Gott den ersten Menschen gegeben hat, war das Gnadenleben.

36. Was sollten alle Menschen außer dem leiblichen Leben von Adam erben ?

Alle Menschen sollten außer dem leiblichen Leben von Adam das Gnadenlehen und die besonderen Gaben der Paradieseszeit erben.

Für mein Leben: Ich will jeden Menschen achten, weil er ein Ebenbild Gottes ist.

Aufgaben: 1. Wodurch unterscheiden sich Mensch und Tier? 2. Wodurch unterscheiden sich Leib und Seele ? 3. Wodurch ist die Seele Gott ähnlich ? 4. Wodurch unterscheidet sich die Seele von Gott ?

19. Die ersten Menschen haben gesündigt

Die Schlange sprach zum Weibe : „Sollte Gott euch wirklich verboten haben, von allen Bäumen des Gartens zu essen ?" Da sprach das Weib zur Schlange : „Von den Früchten der Bäume des Gartens dürfen wir essen. Nur von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Von ihr dürft ihr nicht essen und sie nicht einmal anrühren, sonst müsst ihr sterben." Die Schlange antwortete : „Keineswegs werdet ihr sterben. Gott weiß, sobald ihr von ihr esset, werden euch die Augen aufgehen, und ihr werdet wie Gott sein und erkennen, was Gut und Böse ist." Da sah das Weib, dass die Frucht des Baumes gut zum Essen und lieblich anzuschauen war. Sie nahm von seiner Frucht und aß und gab auch ihrem Mann, und auch er aß (vgl. 1 Mos. 3, 1-6).

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In der Stunde der Versuchung hörten die ersten Menschen nicht auf Gott, sondern folgten dem Teufel und aßen von der Frucht; sie wollten sein wie Gott. Adam und Eva erkannten klar, dass sie das heilige Gebot Gottes übertraten, und taten es aus freiem Willen. Sie sündigten schwer gegen Gott. Diese Sünde Adams und Evas nennen wir die Ursünde.

Durch die Sünde im Paradiese hörten die ersten Menschen auf, Kinder Gottes zu sein: sie verloren das Gnadenleben und konnten nicht mehr in den Himmel kommen. Das war die schlimmste Folge ihrer Sünde.

Durch ihre Sünde verloren sie auch alle besonderen Gaben der Paradieseszeit. Sie durften nicht mehr in der besonderen Nähe Gottes leben und mussten das Paradies verlassen. Ihr Erkennen verdunkelte sich; ihr Wollen wurde geschwächt; sie hatten von nun an eine Neigung zum Bösen. Auch mussten sie vieles leiden, in mühevoller Arbeit ihr tägliches Brot erwerben und schließlich den Tod erleiden. Durch die Sünde der ersten Menschen hatte der Teufel Macht über sie gewonnen.

Obgleich die ersten Menschen so schwer gesündigt hatten, hat Gott sich ihrer erbarmt. Um des kommenden ErIösers willen gab er ihnen die Gnade, dass sie ihre Sünde erkannten und bereuten, und vergab ihnen ihre Schuld. Die Beschwerden des Erdenlebens aber sollten sie als Buße tragen.

Überlege: 1. Warum war die Ursünde eine so schwere Sünde? 2. Was war die schlimmste Folge der Ursünde für die ersten Menschen? 3.Was verloren die ersten Menschen zugleich mit dem Gnadenleben ? 4. Wie erbarmte sich Gott der ersten Menschen?

37. Welche Sünde haben die ersten Menschen begangen ?

Die ersten Menschen wollten Gott gleich sein und aßen deshalb von der verbotenen Frucht.

38. Was verloren die ersten Menschen durch die Ursünde?

Durch die Ursünde verloren die ersten Menschen das Gnadenleben und die besonderen Gaben der Paradieseszeit.

Für mein Leben: Die Sünde Adams zeigt mir, dass die Todsünde das größte Unglück ist. Ich will lieber alles verlieren, als eine Todsünde begehen.

20. Die Folgen der Ursünde für alle Menschen

„Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod. Und so ist der Tod auf alle Menschen übergegangen, weil alle (in Adam) gesündigt haben" (Röm. 5, 12).

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Weil Adam als Haupt der ganzen Menschheit gesündigt hat, geht die Sündenschuld Adams auf alle seine Nachkommen über (Erbschuld oder Erbsünde). Wegen der Sünde Adams werden wir ohne das Gnadenleben geboren, das wir nach Gottes Absicht von Adam erben sollten. — Nur die Mutter Gottes ist durch einen besonderen Gnadenvorzug von der Erbschuld frei geblieben.

Auch die schlimmen Folgen der Sünde Adams sind auf alle Menschen übergegangen. Daher ist in uns eine Neigung zur Sünde, die böse Begierlichkeit. Sie zeigt sich in dem ungeordneten Verlangen nach irdischen Dingen, z.B. nach Genuss, Besitz, Ehre und Ansehen. Auch leben nun die Menschen unter vielerlei Mühsalen und Leiden und müssen, schließlich sterben. Durch die Ursünde hat der Teufel Macht über die Welt bekommen.

Wenn Gott sich der sündigen Menschen nicht erbarmt hätte, könnte kein Mensch sein ewiges Ziel erreichen; denn niemand kann sich selbst erlösen.

Überlege: 1. Warum geht die Sündenschuld Adams auf alle Menschen über? 2. Erkläre das Wort „Erbschuld" ! 3. Wer allein ist von der Erbschuld frei geblieben ? 4. Welches sind die Folgen der Erbschuld ?

39. Welches Unglück hat die Sünde Adams über alle Menschen gebracht ?

Alle Menschen erben von Adam die Sündenschuld und ihre schlimmen Folgen.

40. Worin besteht die Erbschuld?

Die Erbschuld besteht darin, dass wir wegen der Sünde Adams ohne das Gnadenleben zur Welt kommen, das wir nach Gottes Absicht von Adam erben sollten.

Für mein Leben: Wie viel Unglück hat doch die eine Sünde Adams über alle Menschen gebracht ! Daran kann ich sehen, wie schlimm die Sünde ist.

Wort Gottes: „Sinn und Gedanken des menschlichen Herzens sind zum Bösen geneigt von Jugend auf" (1 Mos. 8, 21). — Von der bösen Begierlichkeit sagt der heilige Johannes: „Alles, was in der Welt ist, Fleischeslust, Augenlust und Hoffart des Lebens, stammt nicht vom Vater" (1 Joh. 2, 16).

Die bösen Neigungen: Man unterscheidet hauptsächlich sieben böse Neigungen: Hoffart, Geiz, Unkeuschheit, Neid, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, Zorn, Trägheit, Sie werden auch Haupt- oder Wurzelsünden genannt, weil aus ihnen zahlreiche andere Sünden hervorgehen.

Glaubensgespräch: Manche sagen: „Es gibt keine Erbschuld. Man merkt ja nichts von ihr." Wir antworten : „Wir merken zwar nicht die Erbschuld, wohl aber ihre schlimmen Folgen. Wir merken die bösen Neigungen in unserm Inneren : unser Herz hängt nicht von selbst Gott an; trotz aller guten Vorsätze sündigen wir immer wieder. Wir merken die Folgen der Erbschuld anch an der Unordnung in der Welt draußen: trotz aller Bemühungen der Guten herrschen immer wieder Ungerechtigkeit, Krieg und andere Übel. — Manche sagen : „Gott ist ungerecht, weil er wegen der Sünde Adams alle Menschen leiden lässt." Wir antworten: „Gott ist gerecht; denn er schuldet niemandem das Gnadenleben und die besonderen Gaben der Paradieseszeit. Gott ist aber auch barmherzig: was Adam verloren hat, können alle Menschen durch Christus wiedererlangen; und für das Leid, das wir ergeben tragen, schenkt uns Gott den herrlichsten Lohn."

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21. Gott hat die Erlösung verheissen

Nach der Sünde „der ersten Menschen sprach Gott zur Schlange : „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen" (1 Mos. 3, 15).

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Nach der Sünde der ersten Menschen hat Gott verheißen: Einmal wird der Teufel besiegt werden. Ein Erlöser wird aus dem Menschengeschlecht hervorgehen. Dieser Erlöser wird die Menschen von der Sünde und ihren schlimmen Folgen erlösen.

Durch die Patriarchen und Propheten hat Gott später über die Erlösung vorausgesagt : Der Erlöser wird in Bethlehem von einer Jungfrau geboren werden. Er wird ein mächtiger Prophet sein und große Wunder tun. Er wird ein Priester sein, vieles leiden und für die Menschen sterben. Schließlich wird er erhöht werden zum König und Richter aller Völker. — Priester und Könige wurden im Alten Bunde mit Öl gesalbt und darum „Gesalbte" genannt. Da der verheißene Erlöser Priester und König zugleich sein sollte, nannte man ihn „den Gesalbten" (hebräisch : Messias; griechisch: Christus).

Der letzte Bote Gottes im Alten Bund war Johannes der Täufer. Er war der Vorläufer des Erlösers.

Vieles von dem, was Gott im Alten Bunde verheißen hat, hat sich in Christus erfüllt. Vieles erfüllt sich ständig in seiner Kirche. Am Jüngsten Tage wird alles erfüllt sein, was Gott verheißen hat.

Überlege: 1. Was verhieß Gott gleich nach dem Sündenfall? 2. Durch wen hat Gott Näheres über die kommende Erlösung vorausgesagt ? 3. Was ließ Gott über den Erlöser verkünden ? 4. Was bedeutet das Wort „Messias" ? 5. Warum wurde der kommende Erlöser Messias genannt ? 6. Welche Aufgabe hatte Johannes der Täufer ? 7. Was weißt du über die Erfüllung der göttlichen Verheißungen ?

41. Mit welchen Worten hat Gott den ersten Menschen die Erlösung verheißen ?

Gott sprach zur Schlange : „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen."

Für mein Leben: Gott hat die Menschen nicht wie die sündigen Engel für immer verstoßen, sondern sich ihrer gnädig erbarmt. Dafür will ich ihm danken.

Wort Gottes: 1. Prophezeiungen über das kommende Heil: „Die Himmel mögen sich freuen, und jauchzen die Erde, denn er kommt, auf Erden zu herrschen. Herrschen wird er über das Erdenrund in Gerechtigkeit; über die Völker in seiner Treue" (vgl. Ps. 95, 11 — 13). — „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Hause Israel einen neuen Bund schließe. Ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein" (Jer. 31, 31 33). — „Es sinnen nach und kehren dem Herrn sich zu die Enden alle der Erde; und nieder sinken vor seinem Angesicht die Völkergeschlechter alle. Das Reich ist des Herrn : er ist der Herrscher der Völker" (Ps. 21, 28 29).

2. Prophezeiungen über den Erlöser: „Das Zepter soll nicht von Juda weichen, bis jener kommt, dem es gebührt; ihm werden die Völker gehorchen" (1 Mos. 49, 10). — „Ein Reis wird hervorkommen aus der Wurzel Jesse, ein Sproß aus seiner Wurzel treiben" (Is. 11, 1). — „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären; man wird ihn nennen Emmanuel (d. h. Gott mit uns)" (Is. 7, 14; Matth. 1, 23). — „Du Bethlehem im Lande Juda bist keineswegs die geringste unter Judas Fürstenstädten; wenn aus dir wird der Fürst hervorgehen, der mein Volk Israel regieren soll" (Mich. 5, 2; Matth. 2, 6). — „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, Herrschaft ruht auf seinen Schultern, und man nennt seinen Namen : wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater auf ewig, Friedensfürst" (Is. 9, 6).— „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu bringen und zu heilen, die zerknirschten Herzens sind, den Gefangenen Befreiung, den Blinden das Augenlicht, den Unterdrückten Erlösung zu verkünden, ein Gnadenjahr des Herrn und einen Tag der Vergeltung auszurufen" (Is. 61, 1 2; Luk. 4,18 19).— „Gott selbst wird kommen und euch erlösen. Dann öffnen sich die Augen der Blinden; die Ohren der Tauben tun sich auf; dann springt wie ein Hirsch der Lahme, und die Zunge des Stummen jubelt" (Is. 35, 4 — 6; Matth. 11, 5). — „Priester bist du auf ewig nach der Ordnung Melchisedechs" (Ps. 109, 4; Hebr. 5, 6). — „Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt und verstummt vor seinem Scherer wie ein Lamm" (Is. 53,7; Apg. 8, 32). — „Sie teilen sich meine Kleider und werfen das Los über mein Gewand" (Ps. 21, 19; Joh. 19, 24). — „Du lässt meine Seele nicht in der Unterwelt und duldest nicht, dass dein Frommer Verwesung schaue" (Ps. 15, 10; Apg. 2, 27). — „In meinem nächtlichen Gesichte sah ich, dass auf den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn erschien. Er nahte sich dem Hochbetagten und ward vor dessen Angesicht geführt. Ihm wurde Herrschaft, Ehre und das Königtum verliehen. Ihm sollten alle Nationen, Völker und Zungen dienen. Seine Herrschaft ist ewige Herrschaft, die nicht genommen wird, und sein Königtum wird nicht zerstört" (Dan. 7, 13 14; Matth. 26, 64).

Aufgaben: 1. Was sagen die Propheten: a) über die Herkunft des Erlösers, b) über seine Aufgabe und sein Wirken, c) über sein Leiden, d) über sein Reich ? 2. Welche Verheißungen sind schon erfüllt? 3. Warum begehen wir jährlich noch den Advent, obwohl der Erlöser schon gekommen ist ?

VON JESUS CHRISTUS, UNSERM HERRN

„Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn" (2. Glaubensartikel).

In jenen Tagen, als Johannes am Jordan taufte, trat der verheißene Erlöser auf : Jesus Christus, der eingeborene Sohn Gottes, unser Herr. An ihn müssen wir glauben, um in das Reich Gottes einzugehen.

22. Jesus Christus hat das Reich Gottes verkündet

Nach der Taufe im Jordan ging Jesus in die Wüste; dort fastete und betete er vierzig Tage. Dann zog er nach Galiläa und verkündete : „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Bekehret euch und glaubt an die Frohe Botschaft !" (Vgl. Mark. 1, 12-15.)

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Jesus zog als Bote seines himmlischen Vaters durch das ganze Land und verkündete die Frohe Botschaft: Das Reich Gottes ist nahe. Die Propheten hatten das Gottesreich verheißen, die Frommen sehnten es herbei, die Schriftgelehrten und Pharisäer redeten davon; Jesus aber verkündete: Die Zeit ist da; das Reich Gottes kommt.

Jesus zeigte durch große Wunder, dass das Reich Gottes nahe war. Er heilte Kranke, trieb böse Geister aus, erweckte Tote und speiste in der Wüste wunderbar die Volksmenge. Er sagte: „Wenn ich durch den Geist Gottes die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen" (Matth. 12, 28). Die Leute aber riefen aus : „Gott hat sein Volk heimgesucht" (Luk. 7, 16).

Durch seine Worte und durch seine großen Wunder offenbarte sich Jesus zugleich als der von Gott verheißene Messias. Als Johannes der Täufer durch seine Jünger fragen ließ : „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten ?", antwortete Jesus : „Geht hin und meldet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden erweckt und Armen wird die Frohe Botschaft gebracht. Selig ist, wer an mir nicht Anstoß nimmt" (Matth. 11, 3—6).

Überlege: 1. Von wem hatte Jesus den Auftrag, die Frohe Botschaft vom Reiche Gottes zu verkünden ? 2. Wodurch unterschied sich seine Predigt von der Predigt der Propheten ? 3. Wodurch zeigte Jesus, dass das Reich Gottes nahe war ? 4. Was konnten die Menschen aus den Worten und Wundern Jesu über ihn selbst erkennen ?

42. Was hat Jesus nach der Taufe am Jordan verkündet?

Nach der Taufe am Jordan hat Jesus verkündet : „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Bekehret euch und glaubt an die Frohe Botschaft !"

Für mein Leben: Ich will helfen, dass auch andere die Frohe Botschaft Jesu erfahren und nach ihr leben.

Wort Gottes: Jesus sagt : „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit ; so wird euch dies alles hinzugegeben werden" (Matth. 6, 33). — „Die Werke, die ich im Namen meines Vaters tue, geben Zeugnis von mir" (Joh. 10, 25).

Aufgaben: 1. Welche Wunder Jesu findest du in der Schulbibel ? 2. Was kannst du tun, damit auch andere die Frohe Botschaft Jesu kennenlernen ?

23. Jesus Christus hat die Menschen gelehrt

Als Jesus die Volksscharen sah, stieg er auf den Berg und setzte sich nieder. Seine Jünger traten zu ihm, und er tat seinen Mund auf und lehrte sie. Als er seine Rede beendet hatte, waren die Volksscharen voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten" (vgl. Matth. 5, 1 2; 7, 28 29).

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Jesus hat überall gelehrt: im Tempel und in den Synagogen, in Städten und Dörfern, auf Bergen, in der Wüste und an den Ufern des Sees Genesareth.

Jesus lehrte mit untrüglicher Sicherheit. Er brauchte keinen Menschen zu fragen. Er kannte den Vater und wusste den Weg zu ihm, weil er vom Vater gekommen war.

Jesus kannte die Menschen und fand für alle das rechte Wort. Für das Volk predigte er vor allem in Gleichnissen; seine Jünger führte er tiefer in seine Lehre ein; gütig redete er zu den Kranken und Sündern; aber streng tadelte er die Falschheit der Pharisäer.

Jesus Christus ist der Lehrer aller Völker und aller Zeiten. Er lehrt die Menschen durch seine Kirche und erleuchtet sie durch den Heiligen Geist. Sein Wort gilt in Ewigkeit. Er hat gesagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen" (Matth. 24, 35).

Überlege: 1, Wo hat Jesus gelehrt? 2. Warum konnte Jesus mit untrüglicher Sicherheit lehren? 3. Wie zeigte e9 sich, dass Jesus für jeden Menschen das rechte Wort fand ? 4. Durch wen spricht Jesus zu uns ?

43. Was sagt Jesus über seine Lehre ?

Jesus sagt : „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."

Für mein Leben: Wenn das Evangelium verlesen wird, will ich aufstehen und achtgeben : Jesus spricht zu mir !

Wort Gottes: „Einer ist euer Lehrer, Christus" (Matth. 23, 10). — „Wer meine Worte hört und befolgt, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Felsen baute. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute" (Matth. 7, 24 26).

Aufgaben: 1. Nenne Wahrheiten, die uns Jesus gelehrt hat! 2. Nenne Orte, an denen Jesus gelehrt hat ! 3. Nenne Menschen, mit denen Jesus einzeln gesprochen hat !

24. Jesus Christus hat ganz für seinen Vater gelebt

Eines Tages saß Jesus, müde von der Wanderung, am Jakobsbrunnen, nahe der Stadt Sichar in Samaria. Seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Lebensmittel einzukaufen. Inzwischen kam eine Samariterin, und Jesus sprach zu ihr über die kommende Erlösung. Als die Jünger zurückkamen, sagten sie : „Meister, iß !" Da sprach Jesus : „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden" (vgl. Joh. 4, 5—34).

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Jesus hat immer an den Vater gedacht. Wenn er die Vögel des Himmels oder die Lilien des Feldes betrachtete, wenn er unter dem Volk, bei den Jüngern oder bei den Sündern war : immer hatte er den Vater vor Augen.

Jesus hat seinen himmlischen Vater über alles geliebt. Sein Herz brannte allezeit von Liebe zu ihm ; kein Menschenherz hat jemals den Vater im Himmel so sehr geliebt.

Die Liebe drängte Jesus, zum Vater zu beten. Oft verließ er die Menschen, um in der Stille mit seinem Vater zu sprechen; manchmal betete er die ganze Nacht hindurch. In seinem Herzen glühte allezeit die Flamme des Gebetes.

Die Liebe Jesu zu seinem Vater zeigte sich vor allem darin, dass er den Willen des Vaters erfüllte. Gehorsam tat er, was der Vater ihm auftrug; ergeben nahm er an, was der Vater ihm schickte. Unermüdlich wirkte er für die Ehre seines Vaters. An ihm erfüllte sich das Wort: „Der Eifer für Dein Haus verzehrt mich" (vgl. Joh. 2, 17).

Jesus war dem Vater immer gehorsam. Der Teufel konnte Jesus nicht verführen, obwohl er alle seine Macht aufbot. Jesus war ganz ohne Sünde. Er ist der heiligste unter allen Menschen.

Überlege: Woran sehen wir, dass Jesus ganz für den Vater gelebt hat ?

44. Was sagt Jesus über seinen Gehorsam gegen den Willen des Vaters ?

Jesus sagt: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat."

Für mein Leben: Jesus ist mein Meister. Nach seinem Vorbild will auch ich den Vater im Himmel lieben, gern mit ihm sprechen und freudig seinen Willen tun.

Aufgaben: 1. An welchen Stellen berichtet die Heilige Schrift, dass Jesus gebetet hat ? 2. Schreibe kurze Gebete Jesu auf, die in den Evangelien aufgezeichnet sind !

25. Jesus Christus hat sich der Menschen erbarmt

Als Jesus durch Jericho zog, sah er den Oberzöllner Zachäus am Wege auf einem Feigenbaum sitzen. Da rief er: „Zachäus, steig schnell herab : heute muss ich in deinem Hause einkehren." Zachaus stieg eilends herab und nahm ihn mit Freuden auf. Da murrten die Menschen und sagten : „Bei einem Sünder ist er eingekehrt !" Jesus aber sagte : „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren war" (vgl. Luk. 19, 1-10).

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Jesus hat sich der Menschen in herzlicher Liebe erbarmt. Er sagte: „Mich erbarmt des Volkes" (Matth. 15, 32). Er dachte nicht an sich, sondern an die, welche der Vater ihm anvertraut hatte. Jesus sagte : „Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mark. 10, 45).

Mit großer Liebe erbarmte sieh Jesus aller, die gering geachtet wurden oder sich in Not befanden. Er ließ die Kinder zu sieb kommen, heilte die Kranken, speiste die Hungrigen und verkündete den Armen das Evangelium. Er sagte : „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid : ich will euch erquicken" (Matth. 11, 28).

Mit besonderer Liebe nahm sich Jesus der Sünder an. Er ging ihnen nach, wie der Hirt dem verlorenen Schaf, mahnte sie zur Umkehr und vergab ihnen ihre Schuld. Auch wenn er ihnen das Gericht androhte, tat er es aus Liebe. Er weinte über das unbußfertige Jerusalem. Aus Liebe gab er für die Sünder sogar sein Leben hin.

Überlege: 1. Wie zeigte sich die Liebe Jesu zu den Menschen? 2. Wie hat sich Jesus der Geringen und Notleidenden angenommen ? 3. Wie zeigte sich die Liebe Jesu zu den Sünder» ?

45. Mit welchen Worten ruft Jesus alle Menschen zu sich ?

Jesus sagt : „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken."

Für mein Leben: lch will das Wort des heiligen Paulus befolgen: „So nehme sich einer des andern an, wie sich Christus euer angenommen hat zur Ehre Gottes" (Röm. 15, 7).

Wort Gottes: Jesus sagte: „Ich bin nicht gekommen, die Welt zu richten, sondern die Welt zu retten" (Joh. 12, 47). — „Er zog umher, Wohltaten spendend" (Apg. 10,38). — Nach der Fußwaschung sagte Jesus ; „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe" (Joh. 13, 15).

Aus dem Leben der Kirche: Die Kirche verehrt das heiligste Herz Jesu. Sie betrachtet die Liebe Jesu zu seinem Vater und zu uns Menschen und ruft uns auf zur Sühne für die Sünden. Am Freitag nach der Fronleichnamsoktav feiert sie das Fest des heiligsten Herzens Jesu. Außerdem verehrt sie das heiligste Herz Jesu an jedem ersten Freitag des Monats (Herz-Jesu-Freitag).

Aufgaben: 1. Überlege, welchen Menschen auch du helfen kannst ! 2. Wie kannst du ihnen helfen ?

26. Jesus Christus ist der Sohn Gottes und wahrer Gott

Am Fest der Tempelweihe in Jerusalem sprach Jesus: „Ich und der Vater sind eins." Da hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen. Sie warfen ihm vor, er lästere Gott: „Du machst dich ja zu Gott, obwohl du nur ein Mensch bist !" Jesus antwortete : „Wie könnt ihr sagen, du lästerst, weil ich gesagt habe : Ich bin der Sohn Gottes ? Glaubt meinen Werken; dann werdet ihr erkennen, dass der Vater in mir ist und ich im Vater bin" (vgl. Joh. 10, 22-38).

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Der himmlische Vater hat geoffenbart, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Bei der Taufe im Jordan erscholl seine Stimme vom Himmel : „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe" (Matth. 3, 17). Die gleichen Worte sprach der Vater bei der Verklärung Jesu auf dem Berge.

Jesus selbst hat gesagt, dass er der Sohn Gottes ist. Er nannte sich „den Sohn" (Matth. 11, 27); er sagte: „Ich und der Vater sind eins" (Joh. 10, 30). Er ist der eingeborene (d. h. der einzig geborene) Sohn Gottes. — Einst fragte Jesus die Apostel: „Für wen haltet ihr mich?" Petrus bekannte: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes"; Jesus bestätigte dieses Bekenntnis mit den Worten : „Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist" (vgl. Matth. 16, 15—17). — Der Hohepriester sagte zu Jesus : „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sage uns : Bist du der Messias, der Sohn Gottes ?" Jesus antwortete : „Ja, ich bin es" (Matth. 26, 63 64). — Jesus hat seine Worte durch seine Wunder und sein heiliges Leben bekräftigt und ist für sie in den Tod gegangen.

Auch die Apostel haben bezeugt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, und haben für dieses Zeugnis ihr Leben hingegeben. Paulus schreibt: „Gott hat seinen eigenen Sohn nicht geschont, sondern hat ihn für uns alle hingegeben" (Röm. 8, 32). Johannes sagt : „Die Liebe Gottes ist dadurch unter uns offenbar geworden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben" (1 Job. 4, 9).

Weil Jesus der eingeborene Sohn Gottes ist, ist er wahrer Gott wie der Vater. Thomas bekannte : „Mein Herr und mein Gott" (Joh. 20, 28). Johannes schrieb : „Dieser ist der wahre Gott" (1 Joh. 5, 20). Paulus nannte Jesus „Gott, hochgelobt in Ewigkeit" (Röm. 9, 5). Jesus hat mit dem Vater ein göttliches Wesen; er ist „Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, . . . eines Wesens mit dem Vater" (Glaubensbekenntnis der heiligen Messe). Er wirkt in allem mit dem Vater zusammen. Er wird in gleicher Weise angebetet und verherrlicht wie der Vater.

Seit den Tagen der Apostel hat die ganze Kirche gelehrt und bekannt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes und wahrer Gott ist. Diesen Glauben hat sie gegen die Irrlehrer und Ungläubigen verteidigt. Unzählige Märtyrer haben ihn mit ihrem Blute besiegelt. Päpste und Bischöfe, Priester und Gläubige, Gelehrte und Ungelehrte, unsere Väter und Vorväter: sie alle lebten und starben in diesem Glauben.

Überlege: 1. Bei welchen Gelegenheiten hat der himmlische Vater Jesus als seinen Sohn bezeugt ? 2. Mit welchen Worten hat Jesus gesagt, dass er der Sohn Gottes ist ? 3. Was bekannte Petrus auf die Frage Jesu : ,.Für wen haltet ihr mich ?" 4. Was antwortete Jesus dem Hohenpriester ? 5. Wodurch hat Jesus seine Worte bekräftigt ? 6. Mit welchen Worten haben die Apostel bezeugt, dass Jesus der Sohn Gottes und wahrer Gott ist ? 7. Worin ist Jesus dem Vater gleich ?

46. Wer bezeugt uns, dass Jesus Christus der Sohn Gottes und wahrer Gott ist?

Dass Jesus Christus der Sohlt Gottes und wahrer Gott ist, bezeugen uns

1. der himmlische Vater,

2. Jesus Christus selbst,

3. die Apostel und die ganze heilige Kirche.

Für mein Leben: Ich will fest glauben und ohne Furcht vor den Menschen bekennen : „Jesus Christus ist der Sohn Gottes."

Wort Gottes: Jesus hat gesagt : „Wer an den Sohn Gottes glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den eingeborenen Sohn Gottes glaubt" (Joh. 3, 18).

VON DER MENSCHWERDUNG, DEM LEIDEN UND DER VERHERRLICHUNG DES ERLÖSERS

Damit wir unsern Erlöser und das Werk der Erlösung näher" kennenlernen, betrachten wir nun seine Menschwerdung und sein Leiden, seine Auferstehung, seine Himmelfahrt und seine Wiederkunft am Ende der Welt. Dabei werden wir sehen, wie sehr er uns geliebt hat, wieviel er für uns hat leiden müssen, und wie wunderbar er dafür von seinem Vater verherrlicht worden ist.

27. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden

„Der empfangen ist vom Heiligen Geiste, geboren aus Maria, der Jungfrau." (3. Glaubensartikel)

Der Engel Gabriel ward von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt. Der Name der Jungfrau War Maria. Der Engel sprach zu ihr : „Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten heißen" (vgl. Luk. 1, 26—38).

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Der Sohn Gottes lebt von Ewigkeit her mit dem Vater und dem Heiligen Geist in göttlicher Herrlichkeit und in unendlicher Liebe. Darum sagte Jesus : „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch : Ehe Ahraham ward, bin ich" (Joh. 8, 58).

Der Sohn Gottes geht von Ewigkeit her aus dem Vater hervor. Darum bekennen wir im Glaubensbekenntnis der heiligen Messe : „Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit." Er geht aus dem Vater hervor ähnlich wie der Gedanke und das Wort aus dem Geist des Menschen; darum wird der Sohn Gottes auch „das Wort" genannt.

Als die Zeit erfüllt war, brachte der Engel des Herrn Maria die Botschaft, und der Heilige Geist kam auf sie herab. Da nahm der Sohn Gottes Fleisch an aus Maria und wurde Mensch. An dieses unbegreifliche Geheimnis denken wir, wenn wir die Worte sprechen : „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh. 1, 14).

Der Sohn Gottes ist ein wirklicher Mensch geworden mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele. Er empfand wie wir Hunger und Durst, Freude und Trauer, Schmerz und Todesangst. Er ist in allem uns gleich geworden, die Sünde ausgenommen (vgl. Hebr. 4, 15). Er ist auch nach seiner Verherrlichung Mensch geblieben und wird in Ewigkeit Mensch bleiben.

Jesus ist Gott und Mensch zugleich. Gott ist er von Ewigkeit, Mensch ist er geworden in der Zeit. Er hat die göttliche Natur und eine menschliche Natur; er ist der Gottmensch.

Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um den heiligen Plan seines Vaters auszuführen : er sollte die Frohe Botschaft vom Reiche Gottes verkünden und uns durch sein Wort und Beispiel den Weg zum Vater zeigen; er sollte uns von den Sünden erlösen und uns wieder zu Kindern Gottes machen.

Überlege: 1. Wo lebt der Sohn Gottes von Ewigkeit her? 2. Was meinen wir mit den Worten „Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit" ? 3. Warum wird der Sohn Gottes auch "das Wort" genannt? 4. Worin zeigte sich, dass der Sohn Gottes wahrer Mensch geworden ist ?

47. Wer ist Jesus Christus ?

Jesus Christus ist der eingeborene Sohn Gottes, der für uns Mensch geworden ist.

48. Wozu ist der Sohn Gottes Mensch geworden? Der Sohn Gottes ist Mensch geworden,

1. um uns das Reich Gottes zu verkünden und den Weg zum Vater zu zeigen,

2. um uns von den Sünden zu erlösen und wieder zu Kindern Gottes zu machen.

Für mein Leben: Dreimal am Tag läuten die Glocken zum „Engel des Herrn". Dann will ich daran denken, dass der Sohn Gottes für mich Mensch geworden ist, und andächtig den „Engel des Herrn" beten.

Aus dem Leben der Kirche: Am 25. März feiert die Kirche das Fest Mariä Verkündigung. Am 25. Dezember feiert sie das Fest der Geburt des Herrn (Weihnachten).

Die Buchstaben IHS sind eine Abkürzung des Namens „Jesus" in griechischer Schrift. Die Buchstaben XP sind die ersten Buchstaben des Wortes „Christus" in griechischer Schrift. Wir finden sie meist zusammengefügt zu den Zeichen ☧ oder (des Staurogramms).

Aufgaben: 1. Wie lautet der „Engel des Herrn" ? 2. Welche Weihnachtslieder kennst du ? 3. Mit welchen Worten wird in den Advents- und Weihnachtsfeiern das Geheimnis der Menschwerdung erwähnt ? 4. Sammle Bilder von der Verkündigung und von der Geburt des Herrn ! 5. Wie sollen wir uns als Christen auf das Weihnachtsfest vorbereiten ? 6. Wie sollen wir den Heiligen Abend feiern ? 7. Was bedeutet der Christbaum in seinem Kerzenglanz ? 8. Welchen Sinn hat es, dass wir uns zu Weihnachten etwas schenken ? 9. Baue eine Weihnachtskrippe !

28. Die Mutter des Erlösers ist die allerseligste Jungfrau Maria

Als Jesus geboren war, kamen Weise aus dem Morgenland nach Bethlehem. Sie traten in das Haus, sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und huldigten ihm (vgl. Matth. 2, 1-11).

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Die Mutter des Erlösers ist die allerseligste Jungfrau Maria. Von Ewigkeit her hat Gott sie dazu auserwählt, die Mutter seines Sohnes zu werden. Weil ihr Sohn wahrer Gott ist, ist sie Mutter Gottes. Durch diese Würde hat Gott Maria über alle Engel und Menschen erhoben.

Auch als Mutter blieb Maria Jungfrau. Der heilige Josef war nicht der leibliche Vater, sondern der Nähr- und Pflegevater Jesu. Er wurde im Traume durch einen Engel belehrt, dass Maria durch den Heiligen Geist die Mutter des Erlösers geworden war.

Weil Maria auserwählt war, die Mutter des Sohnes Gottes zu werden, sollte sie keinen Augenblick ihres Lebens unter der Herrschaft der Sünde stehen. Darum hat Gott sie vor der Erbschuld bewahrt und ihr schon im ersten Augenblick ihres Lebens das Gnadenleben geschenkt. Sie war ohne Flecken der Sünde und voll der Gnade, als ihre Mutter sie empfing. Darum nennen wir Maria die unbefleckt Empfangene. Auch diese große Gnade hat Jesus durch seinen Tod am Kreuz verdient.

Gott schenkte Maria so reiche Gnaden, dass sie immer den Willen Gottes tat. So blieb sie auch vor allen eigenen Sünden bewahrt. Maria ist die reinste und heiligste unter allen Frauen.

Überlege: 1. Wer ist der heilige Josef ? 2. Warum nennen wir Maria die unbefleckt Empfangene? 3. Warum hat Gott Maria vor der Erbschuld bewahrt? 4. Warum ist Maria die reinste und heiligste unter allen Frauen ?

49. Durch welche Vorzüge ist Maria ausgezeichnet worden ?

Maria ist

1. von der Erbsünde und von eigenen Sünden frei geblieben,

2. Mutter Gottes und zugleich die reinste Jungfrau.

50. Warum nennen wir Maria die Mutter Gottes?

Wir nennen Maria die Mutter Gottes, weil ihr Sohn wahrer Gott ist.

Für mein Leben: Kein Tag ohne Ave Maria!

Aus dem Leben der Kirche: Die Kirche feiert am 8. Dezember das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Am gleichen Tage des Jahres 1854 wurde dieser Gnadenvorzug der Mutter Gottes durch Papst Pius IX. als Glaubenssatz verkündet.

Weil der heilige Josef auf Erden das Jesuskind und seine Mutter beschützt hat, verehrt ihn die Kirche als ihren, Schutzpatron. Sie feiert am 19. März das Fest des heiligen Josef, am dritten Mittwoch nach Ostern das Schutzfest des heiligen Josef und am 1. Mai das Fest des heiligen Josef des Handwerkers.

Am Sonntag nach Erscheinung des Herrn ist das Fest der Heiligen Familie.

Aufgaben: 1. Nenne die fünf Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes! 2. Suche im Lehrstück 21 die Weissagungen über die Mutter des Erlösers !

Wir grüßen dich, heilige Mutter,
die du geboren den König,
der über Himmel und Erde
in alle Ewigkeit herrscht.
AUS EINER MARIENMESSE

29. Der Sohn Gottes ist von den Führern des auserwählten Volkes verworfen worden

Als Jesus vor dem Hohen Rat feierlich bekannt hatte, dass er der Sohn Gottes sei und dereinst auf den Wolken des Himmels wiederkommen werde, zerriß der Hohepriester seine Kleider und sagte: „Was brauchen wir noch Zeugen ? Ihr habt die Lästerung gehört. Was dünkt euch ?" Sie antworteten : „Er ist des Todes schuldig !" Hierauf spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten (vgl. Matth. 26, 63—67).

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Das auserwählte Volk hatte die Worte Jesu gehört und die Wunder und sein heiliges Leben gesehen. Trotzdem nahmen viele die Botschaft Jesu nicht an. Die Führer wiegelten das Volk gegen ihn auf und verurteilten den Sohn Gottes zum Tode. Auch viele seiner Jünger wandten sich von ihm ab, und Judas, einer von den Zwölfen, verriet ihn. Der heilige Johannes sagt: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf" (Joh. 1, 11).

Zu diesen Sünden hatte der Teufel die Menschen verführt. Er sah das Ende seiner Macht kommen, wenn die Menschen an Jesus glaubten und ihm folgten. Darum bot er seine ganze Macht auf, damit die Menschen die Frohe Botschaft ablehnten und Jesus töteten.

Dass Menschen den Sohn Gottes verworfen haben, ist ein schreckliches, dunkles Geheimnis. In dieser Tat wurde die ganze Sündhaftigkeit und Schwäche des Menschenherzens offenbar. Hier sehen wir, welches Unheil die Sünde in den Menschen angerichtet hat.

Überlege:1L Erkläre den Satz : „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf" ! 2. Wie verhielten sich die Apostel gegen Jesus in der Nacht vor seinem Leiden ? 3. Warum hat der Teufel alles getan, um die Menschen zu verführen, dass sie die Botschaft Jesu ablehnten und ihn töteten ? 4. Was ersehen wir aus der Tatsache, dass die Menschen den Sohn Gottes verworfen haben ?

51. Mit welchen Worten sagt der heilige Johannes, dass die Menschen den Sohn Gottes abgelehnt haben ?

Der heilige Johannes sagt : „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf."

Für mein Leben: Ich will meine Sünden nicht leicht nehmen; denn auch sie haben zum Leiden des Herrn beigetragen.

Wort Gottes: Jesus hat über die unbußfertige Stadt Jerusalem geklagt: „Jerusalem, Jerusalem, du mordest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind; wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt — ihr aber habt nicht gewollt !" (Matth. 23, 37.) — Paulus sagt von den Sündern : „Soweit es auf sie ankommt, kreuzigen sie den Sohn Goites aufs neue und treiben ihren Spott mit ihm" (Hebr. 6, 6).

Aus dem Leben der Kirche: Am Karfreitag singt die Kirche die Klagerufe des Heilands über den Undank seines Volkes und der ganzen Menschheit, Sie beginnen : „Mein Volk, was hab' ich dir getan, oder womit habe ich dich betrübt ? So antworte mir ! Ich habe dich aus dem Lande Ägypten geführt, du aber hast deinem Heiland das Kreuz bereitet."

Aufgabe: Wie zeigte sich in der Leidensgeschichte die Sündhaftigkeit und Schwäche der Menschen: a) bei den Führern des Volkes, b) beim Volk, c) bei Pontius Pilatus,- d) bei Judas, e) bei Petrus, f) bei den Übrigen Aposteln ?

30. Jesus Christus hat den Kreuzestod auf sich genommen

„Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, ge- storben und begraben" (4. Glaubensartikel).

Nachdem Jesus zum Tode verurteilt worden war, führten sie ihn zur Kreuzigung. Jesus trug selbst das Kreuz und ging hinaus an den Ort, der Schädelstätte genannt wird, hebräisch Golgotha. Dort kreuzigten sie ihn. Jesus aber sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Um die neunte Stunde sprach Jesus : „Es ist vollbracht." Danach rief er mit lauter Stimme : „Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist!I" Dann neigte er sein Haupt und gab seinen Geist auf.

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Jesus wusste, dass seine Feinde ihn verurteilen und kreuzigen würden; er wusste aber auch, dass er nach dem Willen des Vaters das Leiden und Sterben auf sich nehmen sollte, um die Menschen zu erlösen. Jesus hat den Kreuzestod freiwillig auf sich genommen; er sagte: „Niemand nimmt mir das Leben, sondern ich gebe es freiwillig hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und habe Macht, es wieder an mich zu nehmen" (Joh. 10, 18).

Jesus erfüllte den Willen des Vaters bis zum Tode. Wohl bebte sein Herz zurück vor dem bitteren Leiden und Sterben. Aber Jesus war „gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze" (Phil. 2, 8). Er sagte: „Die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so tue, wie der Vater mir aufgetragen hat" (Joh. 14, 31).

Jesus hat auch uns Menschen bis in den Tod geliebt. „Da er geschmäht wurde, schmähte er nicht; da er litt, drohte er nicht" (1 Petr. 2, 23). Er betete am Kreuz sogar für seine Feinde. Jesus hat sein Leben hingegeben aus Liebe zu uns sündigen Menschen.

Überlege: 1. Was wusste Jesus über das Ende seines irdischen Lebens ? 2. Warum war es auch für Jesus schwer, den Willen des Vaters zu erfüllen ? 3. Für wen hat Jesus sein Leben hingegeben ?

52. In welcher Gesinnung hat Jesus sein Leben hingegeben ?

Jesus hat sein Leben hingegeben aus Gehorsam gegen den himmlischen Vater und aus Liebe zu uns sündigen Menschen.

Für mein Leben: Ich will den leidenden Heiland mit inniger Teilnahme betrachten. Ich will ihn bitten, mir zu helfen, dass auch ich allezeit den Willen Gottes tue.

Wort Gottes: Am Ölberg betete Jesus: „Vater, wenn Du willst, laß diesen Kelch an mir vorübergehen ! Doch nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine !" (Luk. 22, 42.) — „Eine größere Liebe hat niemand, als wer für seine Freunde sein Leben hingibt" (Joh. 15, 13).

Aus dem Leben der Kirche: Wir gedenken des Leidens und Sterbens Jesu besonders in der Karwoche, vor allem am Karfreitag. Auch die gewöhnlichen Freitage des Jahres sind dem Gedächtnis des Leidens Jesu geweiht. Darum enthalten wir uns am Freitag der Fleischspeisen. An vielen Orten läutet man am Donnerstagabend zum Gedächtnis seiner Todesangst, am Freitag zum Gedächtnis seiner Todesstunde.

Wir verehren das Leiden des Herrn, wenn wir den Kreuzweg gehen, den Schmerzhaften Rosenkranz oder die Andacht zu den heiligen fünf Wunden beten oder in den Kartagen das Heilige Grab besuchen.

Spruch: Auf manchem Wegkreuz findet man die Aufschrift: „Dies tat ich für dich. Was tust du für mich ?"

Aufgaben: 1. Mit welchen Worten hat Jesus sein Leiden und Sterben vorausgesagt ? 2. Schreibe die Worte auf, die Jesus gesprochen bat : a) im Ölgarten, b) vor Gericht, c) auf dem Kreuzweg und am Kreuz '. 3. Suche in deinem Gesangbuch die Lieder vom Leiden Jesu ! 4. Nenne die vierzehn Stationen des Kreuzweges ! 5. Nenne die fünf Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes ! 6. In welchen Lebenslagen ist es besonders wichtig, an das Leiden und Sterben Christi zu denken ? 7. Wo sind in unserer Pfarrei Kreuze ? — wo andere Darstellungen des Leidens Jesu ? 8. Sammle Bilder vom Leiden des Herrn !

31. Jesus Christus hat uns durch seinen Tod erlöst

„Gott hat uns der Macht der Finsternis entrissen und in das Reich seines geliebten Sohnes versetzt. In ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung, der Sünden" (Kol. 1, 13 14).

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Durch seinen Gehorsam bis zum Tod hat Jesus den Ungehorsam Adams und seiner Nachkommen gesühnt. Durch sein bitteres Leiden und Sterben hat er uns von der Erbschuld, von unsern eigenen Sünden und von der ewigen Verdammnis erlöst. Sein Leiden und Sterben hatte einen unendlichen Wert, weil er der Sohn Gottes ist.

Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus den Teufel besiegt. Er hat die Macht des Teufels gebrochen und uns von seiner Herrschaft erlöst. „Nun gibt es keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind" (Röm. 8, 1).

Jesus hat uns durch seinen Tod das ewige Leben wiedererworben. Er ging uns voraus zu seinem Vater; wir sollen ihm folgen und mit ihm ewig beim Vater leben. Die ganze Herrlichkeit des kommenden Gottesreiches hat Christus uns durch seinen Tod verdient.

Jesus hat uns auch alle Gnaden verdient. Dass wir Kinder Gottes sind und als Kinder Gottes leben können, verdanken wir der Liebe unseres sterbenden Erlösers. All das heilige Leben, das die Kirche erfüllt, strömt aus dem geöffneten Herzen unseres Herrn und Heilandes.

Überlege: 1. Was hat Christus durch seinen Tod gesühnt ? 2. Wodurch hat uns Jesus von der Herrschaft des Teufels erlöst ? 3. Welche Gnaden hat uns Jesus verdient ?

53. Wovon hat uns Jesus erlöst?

Jesus hat uns von der Sünde und der ewigen Verdammnis erlöst.

54. Was hat uns Jesus verdient?

Jesus hat uns die Gnade Gottes und das ewige Leben verdient.

Für mein Leben: Wenn ich an einem Kreuz vorübergehe, will ich meinen Erlöser grüßen: „Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich ; denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst." — In unsrer Wohnung soll ein schönes Kreuz an einem Ehrenplatz hängen.

Wort Gottes: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben für viele" (Mark. 10, 45). — „Er ist verwundet worden wegen unserer Missetaten, zerschlagen wegen unserer Sünden. Unseres Heiles wegen liegt die Züchtigung auf ihm, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden" (Is. 53, 5). — „Wie nämlich durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern geworden sind, so werden durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht" (Röm. 5, 19).

Aus dem Leben der Kirche: Vor der Kommunion beten wir: „Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme Dich unser!"

Am Gründonnerstag lautet das Eingangslied der Messe : "Wir aber müssen uns rühmen im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist für uns das Heil, das Leben und die Auferstehung. Durch ihn sind wir gerettet und erlöst."

Am Karfreitag enthüllt der Priester das heilige Kreuz und singt dazu dreimal : „Sehet das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen !" Dann knien alle nieder und singen : „Kommt, lasset uns anbeten !"

32. Jesus hat am Kreuze ein Opfer von unendlichem Wert dargebracht

„Christus hat uns geliebt und sich selbst für uns Gott hingegeben als Gabe und Opfer" (Eph. 5, 2).

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Zu allen Zeiten haben die Menschen geopfert. Betend haben sie Gott sichtbare Gaben dargebracht, um ihn als den höchsten Herrn zu ehren. Durch ihr Opfer drückten die Menschen aus, dass sie sich selbst Gott hingeben wollten. Auch opferten sie, um Gott zu danken, um seine Huld zu erflehen oder um für ihre Sünden Sühne zu leisten. Im Alten Bunde waren solche Opfer von Gott selbst angeordnet.

Die Opfer des Alten Bundes haben ihre Erfüllung gefunden im Kreuzesopfer. Am Kreuz hat sich Jesus für uns dem Vater dargebracht. Sein Opfer war das Opfer des Neuen Bundes.

Das Leiden und Sterben Jesu war ein Opfer von unendlichem Wert. Bei diesem Opfer war der menschgewordene Sohn Gottes zugleich Opferpriester und Opfergabe. Er brachte sich in vollkommener Liebe und reinster Hingabe seinem himmlischen Vater dar.

Christus ist der Hohepriester der ganzen Menschheit. Er hat sein Opfer für alle Menschen und für alle Zeiten dargebracht. Darum gibt es im Neuen Bund nur noch ein Opfer: das Opfer unseres Herrn Jesus Christus. Dieses eine Opfer wird in jeder heiligen Messe vergegenwärtigt.

Überlege: 1. Warum hat das Opfer Jesu einen unendlichen Wert? 2. Wem hat Jesus sich zum Opfer dargebracht ? 3. Für wen hat Jesus sich zum Opfer dargebracht ? 4. Warum gibt es im Neuen Bund nur noch ein Opfer ? 5. Wann wird das Kreuzesopfer vergegenwärtigt ?

55. Was heißt opfern?

Opfern heißt, Gott eine sichtbare Gabe darbringen, um ihn als den höchsten Herrn zu ehren.

56. Welches ist das Opfer des Neuen Bundes ?

Das Opfer des Neuen Bundes ist das Kreuzesopfer Jesu Christi, das in jeder heiligen Messe vergegenwärtigt wird.

57. Warum war der Kreuzestod Jesu ein Opfer?

Der Kreuzestod Jesu war ein Opfer, weil sich Jesus am Kreuz dem Vater für uns dargebracht hat.

Für mein Leben: Bei jeder heiligen Messe will ich mich mit dem Opfer Christi vereinigen und mich ganz dem Vater schenken.

Wort Gottes: Bei dem Letzten Abendmahl sprach Jesus: „Für sie weihe ich mich, damit auch sie geweiht seien in Wahrheit" (Joh. 17, 19). — „Christus, unser Osterlamm, ist geschlachtet worden" (1 Kor. 5, 7). — „Er hat nur ein Opfer für die Sünden dargebracht; denn mit dem einen Opfer hat er für immer die vollendet, die sich heiligen lassen" (vgl. Hebr. 10, 12 14).

Aus dem Leben der Kirche: Das Altarkreuz erinnert uns daran, dass auf dem Altar das Opfer Christi vergegenwärtigt wird.

33. Jesus Christus ist zu den Toten hinabgestiegen

„Abgestiegen zu der Hölle" (5. Glaubensartikel).

Als Jesus gestorben war, ging Josef von Arimathäa zu Pilatus und erbat sich den Leichnam Jesu. Er nahm ihn, wickelte ihn in reine Leinwand und legte ihn in ein neues Grab, das er sich in einen Felsen hatte hauen lassen. Vor den Eingang des Grabes wälzte er einen großen Stein und ging fort. Die Hohenpriester und Pharisäer aber versiegelten den Stein und sicherten das Grab durch eine Wache (vgl. Matth. 27, 57—66).

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Beim Tode Jesu trennte sich seine Seele von seinem Leibe. Die Gottheit aber blieb mit dem Leibe und mit der Seele vereinigt.

Die Seele Jesu begab sich zu den Seelen der verstorbenen Gerechten, die auf ihre Erlösung warteten. Unter ihnen waren die Seelen Adams und Evas, der Patriarchen und Propheten und Johannes' des Täufers. Sie waren noch nicht in den Himmel eingegangen, weil der Himmel seit der Sünde Adams verschlossen war. Nun verkündete ihnen Jesus die Erlösung.

Der Ort, an dem sich die Seelen der verstorbenen Gerechten befanden, heißt im Glaubensbekenntnis „Hölle" (altdeutsch „hella" = Totenreich). Um ihn aber von dem Ort der Verdammten zu unterscheiden, nennen wir ihn für gewöhnlich „Vorhölle".

Der Leichnam Jesu lag bis zum dritten Tage kalt und starr im Grabe. Aber er blieb vor der Verwesung bewahrt. So erfüllte sich das Wort : „Du duldest nicht, dass Dein Frommer Verwesung schaue" (Ps. 15, 10).

Überlege: 1. Wer war in der Vorhölle ? 2. Warum konnte vor dem Tode Jesu niemand in den Himmel kommen ? 3. Was verkündete Jesus den Seelen der verstorbenen Gerechten ? 4. Wovor blieb der Leib Jesu bewahrt ?

58. Wohin begab sich die Seele Jesu nach seinem Tode ?

Die Seele Jesu begab sich nach seinem Tode in die Vorhölle zu den Seelen der verstorbenen Gerechten.

Für mein Leben: Jedes Grab soll mich daran erinnern, dass wir alle einmal sterben müssen; aber auch daran, dass wir einmal auferstehen werden.

34. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden

„… am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten" (5. Glaubensartikel).

In der Morgendämmerung des ersten Wochentages kam ein Engel des Herrn vom Himmel, wälzte den Stein vom Grabe und setzte sich darauf. Er sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat" (vgl. Matth. 28, 1—6).

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Am Morgen des dritten Tages ist Jesus glorreich von den Toten auferstanden. Sein Leib und seine Seele waren nun für immer vereinigt und von himmlischer Herrlichkeit erfüllt. Sein Leib war verklärt; seine Seele empfand unermessliche Freude. Er erschien seinen Aposteln, aber er weilte nicht mehr so bei ihnen, wie einst in seinem sterblichen Leben.

Jesus Christus ist aus eigener Kraft von den Toten auferstanden; denn er ist der Sohn Gottes und hat göttliche Macht. Er ist aber auch wahrer Mensch; darum sagt die Heilige Schrift an vielen Stellen, dass er von den Toten „auferweckt" wurde.

Durch die Auferstehung hat Jesus die Fesseln des Todes gesprengt. Nun leidet und stirbt er nicht mehr; „der Tod hat keine Macht mehr über ihn" (Röm. 6, 9). Christus hat den Tod überwunden.

Durch die Auferstehung ist Jesus verherrlicht worden. Seine Feinde hatten ihn verworfen und als Gotteslästerer hingerichtet; die Auferstehung aber zeigt, dass er in Wahrheit der verheißene Erlöser und der Sohn Gottes ist.

„Christus ist von den Toten auferstanden als der Erstling der Entschlafenen" (1 Kor. 15, 20). Seine Auferstehung gibt uns die Gewissheit, dass auch wir auferstehen werden. „Er wird unsern armseligen Leib umwandeln und seinem verherrlichten Leibe gleichgestalten" (Phil. 3, 21). Seine Auferstehung ist der Anfang der neuen Schöpfung.

In der Taufe erweckt uns Christus, unser auferstandener Herr, vom Tode der Sünde und gibt uns Anteil an seinem göttlichen Leben. Zwar ist sein Leben in uns noch verborgen, aber es wird einmal offenbar werden, wenn er wiederkommt.

Überlege: 1. Wie war Jesus nach seiner Auferstehung ? 2. Warum konnte Jesus durch eigene Kraft von den Toten auferstehen ? 3. Warum kann man auch sagen : Jesus wurde „auferweckt"? 4. Warum können wir sagen: Jesus hat den Tod überwunden? 5. Was bedeutet der Ausdruck „Erstling der Entschlafenen" ? 6. Wodurch gibt uns Christus Anteil an seinem Leben ?

59. Welches Wunder hat Jesus am dritten Tage nach seinemTode gewirkt? Am dritten Tage nach seinem Tode vereinigte Jesus seine Seele wieder mit dem Leibe und stand glorreich von den Toten auf.

60. Was lehrt uns die Auferstehung Jesu ?

Die Auferstehung Jesu lehrt uns,

1. dass Jesus wahrhaft der Sohn Gottes ist,

2. dass auch wir auferstehen werden.

Für mein Leben: In der Taufe bin ich vom Tod zum Leben, von der Nacht zum Licht gekommen; nun will ich als Kind des Lichtes leben.

Wort Gottes: „Durch einen Menschen ist der Tod gekommen; durch einen Menschen kommt die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden" (1 Kor. 15, 21 22). — „Der den Herrn Jesus auf erweckt hat, wird auch uns mit Jesus auferwecken" (2 Kor. 4, 14).

Aus dem Leben der Kirche: Die Kirche feiert die Auferstehung des Herrn zu Ostern. Der Gottesdienst der Osternacht ist der feierlichste Gottesdienst des Kirchenjahres. Die Feier dieser heiligen Nacht ist ganz erfüllt von der Freude darüber, dass Christus auferstanden ist und dass in der Taufe auch wir mit ihm auferstanden sind. Die brennende Osterkerze ist das Sinnbild des Auferstandenen. An der Osterkerze werden die Kerzen der Gläubigen entzündet zum Zeichen dafür, dass wir alle von Christus das Leben empfangen haben. — Jeder Sonntag ist ein Gedenktag der Auferstehung, ein Osterfest im kleinen.

Aufgaben: 1. Denke dir ein Gebet zum auferstandenen Heiland aus! 2. Warum wird in der Osternacht das Taufwasser geweiht ? 3. Warum erneuern wir in der Osternacht das Taufversprechen ? 4. Welche Osterlieder kennst du ? 5. Warum werden am Ostertag die Speisen geweiht ?

Durch sein Sterben hat er unsern Tod vernichtet und durch seine Auferstehung neues Leben uns erworben. AUS DER OSTERPRÄFATION

35. Die Auferstehung Jesu ist uns sicher bezeugt

Thomas, einer von den Zwölfen, hatte nicht geglaubt, dass Jesus auferstanden und den andern Aposteln erschienen sei. Acht Tage nach der Auferstehung waren die Jünger wieder versammelt, und Thomas war bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, stand mitten unter ihnen und sprach: „Friede sei mit euch!" Dann sagte er zu Thomas: „Lege deinen Finger hierher und sieh meine Hände ! Reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig !" Da antwortete ihm Thomas : „Mein Herr und mein Gott !" Jesus sprach zu ihm : „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig, die nicht sehen und doch glauben !" (Vgl. Joh. 20, 24-29.)

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Jesus hat sich nach seiner Auferstehung „nicht dem ganzen Volk gezeigt, sondern nur den von Gott vorherbestimmten Zeugen" (Apg. 10, 41), den Aposteln und Jüngern. Sie haben ihn öfters gesehen, ihn berührt, mit ihm gesprochen und mit ihm gegessen. Später ist Jesus auch dem Saulus erschienen, weil auch er Apostel werden sollte.

Die Feinde Jesu konnten seine Auferstehung nicht abstreiten. Um aber das Volk zu täuschen, gaben sie den Soldaten Geld mit den Worten: „Saget den Leuten : Seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen" (vgl. Matth. 28, 11—15). Das war eine Lüge : wer schläft, kann nicht sehen, was währenddessen geschieht.

Die Apostel haben die Auferstehung Jesu überall als Grundwahrheit des Glaubens gepredigt. Paulus sagt: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist unsere Predigt hinfällig, und hinfällig ist auch euer Glaube" (1 Kor. 15, 14). Die Apostel waren „Zeugen seiner Auferstehung" (vgl. Apg. 1, 22) und sind für ihr Zeugnis in den Tod gegangen.

Jesus hat das Zeugnis der Apostel durch Wunder bestätigt und bestätigt es immerfort durch sein machtvolles Wirken in der Kirche. Er bewirkt, dass die Kirche nicht untergeht, sondern wächst und Frucht bringt. Daran erkennen wir, dass Christus nicht tot ist, sondern dass er lebt und herrscht.

Überlege: 1. Wem hat sich Jesus nach seiner Auferstehung gezeigt ? 2. Was taten die Feinde Jesu, als die Soldaten vom Grabe kamen ? 3. Warum haben die Apostel die Auferstehung Jesu überall gepredigt ? 4. Wie hat Jesus das Zeugnis der Apostel bestätigt? 5. Woran können wir noch heute erkennen, dass Christus lebt und herrscht?

61. Warum konnten die Apostel die Auferstehung Jesu sicher bezeugen?

Die Apostel haben den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen, ihn berührt und mit ihm geredet.

62. Wie haben die Apostel die Auferstehung Jesu bezeugt ?

Die Apostel haben die Auferstehung Jesu überall gepredigt und sind für ihr Zeugnis in den Tod gegangen.

Für mein Leben: Freudig will auch ich an den auferstandenen Heiland glauben. Die Erscheinungen des Auferstandenen: Jesus erschien nach der Auferstehung Maria Magdalena (Mark. 16, 9; Joh. 20, 16), den frommen Frauen auf dem Wege (Matth. 28, 9), dem Petrus (Luk. 24, 34; 1 Kor. 15, 5), den zwei Emmausjüngern (Luk. 24, 13—32), den Jüngern zu Jerusalem in Abwesenheit des Thomas (Luk. 24, 36—43; Joh. 20, 19—23), acht Tage darauf mit Thomas (Joh. 20, 26-29), den Jüngern beim Fischen am See Tiberias (Joh. 21, 1 — 23), mehr als fünfhundert Jüngern zugleich (1 Kor. 15, 6), dem Apostel Jakobus (1 Kor. 15, 7), dann allen Aposteln vor der Himmelfahrt (Mark. 16, 19; Apg. 1, 9), zuletzt dem Saulus (Apg. 9, 1—6; 1 Kor. 15, 8).

36. Jesus Christus ist in den Himmel aufgefahren

„Aufgefahren in den Himmel …" (6. Glaubensartikel).

Nach seiner Auferstehung blieb Jesus noch vierzig Tage auf Erden. In dieser Zeit unterwies er die Apostel über das Reich Gottes. Am vierzigsten Tage führte er sie hinaus an den Ölberg, erhob seine Hände und segnete sie. Während er sie segnete, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke entrückte ihn ihren Blicken (vgl. Luk. 24, 50—53; Apg. 1, 3 9).

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Am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung ist Christus aus eigener Kraft in den Himmel aufgefahren. Er verließ „die Seinigen, die in der Welt waren" (Joh. 13, 1), und ging zu seinem Vater in die himmlisch« Herrlichkeit. Von dort wird er wiederkommen, um die Erlösung zu vollenden.

Die Himmelfahrt Jesu war ein Triumphzug. Siegreich erhob er sich über alle seine Feinde. Im Triumph führte er die Scharen der Erlösten mit sich, die er aus der Vorhölle befreit hatte.

Im Himmel bestieg Jesus den Thron zur Rechten des Vaters. Er nahm jetzt auch als Mensch Besitz von der Macht und Herrlichkeit, die er als Sohn des Vaters von Ewigkeit her besitzt. — Jesus war König von Geburt an, weil er der Sohn Gottes ist. Er hat sich sein Königtum aber auch verdient, indem er sein Leben für uns dahin gab.

Jesus ist uns in den Himmel vorausgegangen. Er sagte: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten; dann komme ich wieder und nehme euch zu mir, damit auch ihr seid, wo ich bin" (vgl. Joh. 14, 2 3).

Überlege: 1.Warum war die Himmelfahrt Jesu ein Triumphzug? 2.Was bedeuten die Worte : „Jesus bestieg den Thron zur Rechten des Vaters" ? 3. Aus welchen zwei Gründen ist Jesus ein König? 4.Warum hat uns Christus im Himmel eine Wohnung bereitet?

63. Was tat Jesus am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung?

Am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung ist Jesus aus eigener Kraft in den Himmel aufgefahren.

64. Mit welchen Worten hat Jesus die Apostel vor seinem Abschied getröstet ?

Jesus hat zu den Aposteln gesagt: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten; dann komme ich wieder und nehme euch zu mir, damit auch ihr seid, wo ich bin."

Für mein Leben: Ich will alles tun, um den Platz zu gewinnen, den Christus mir im Himmel bereitet hat.

Wort Gottes: „Wenn ihr mit Christus auferweckt seid, so suchet, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt" (Kol. 3, 1). — „Christus ward für uns gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze. Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist" (Phil. 2, 8 9).

Aus dem Leben der Kirche: Vierzig Tage nach Ostern feiert die Kirche das Fest Christi Himmelfahrt. An diesem Tage wird nach dem Evangelium die Osterkerze ausgelöscht, zum Zeichen, dass Christus seit seiner Himmelfahrt nicht mehr sichtbar unter uns weilt.

37. Jesus Christus ist unser Herr

"… sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters" (6. Glaubensartikel).

„Im Namen Jesu soll sich beugen jedes Knie — derer, die im Himmel, die auf der Erde und die unter der Erde sind - und jede Zunge soll bekennen zur Ehre Gottes des Vaters : Jesus Christus ist der Herr !" (Phil. 2, 10 11.)

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Seitdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist, herrscht er mit dem Vater über uns. Jesus Christus ist unser Herr. Er nimmt auch als Mensch teil an der Macht und Herrlichkeit des himmlischen Vaters. Das bekennen wir im Glaubensbekenntnis mit den Worten : „ . . . sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters." Christus führt vom Himmel her mit göttlicher Macht das Werk der Erlösung fort, das er auf Erden begonnen hat.

Christus, unser Herr, lehrt uns immerfort durch seine Kirche. Er beruft Menschen in seinen Dienst und sendet sie aus, sein Wort zu verkünden. Seine Botschaft dringt in alle Welt. Er ist unser höchster Lehrer.

Christus, unser Herr, opfert sich in der heiligen Messe, er wirkt in den heiligen Sakramenten, er bringt unsere Gebete vor den Vater und tritt immer, fort für uns ein. Alle Gnaden werden uns zuteil durch das Verdienst seines Leidens und Sterbens. Er ist unser Hoherpriester.

Christus, unser Herr, führt uns mit Weisheit und Liebe unserm ewigen Ziel entgegen. Er leitet uns durch die Nachfolger der Apostel und lenkt unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Er wirkt in allen Menschen. Er ist der Hirte und König über alle Menschen, besonders aber über seine Gläubigen.

Überlege: 1. Warum nennen wir Christus unsern Herrn? 2. Was tut Christus als unser himmlischer Lehrer ? 3. Was tut Christus als unser himmlischer Hoherpriester ? 4. Wie führt uns Christus vom Himmel aus ?

65. Was bekennen wir mit den Worten : „… sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters" ?

Wir bekennen, dass Jesus auch als Mensch teilnimmt an der Macht und Herrlichkeit des himmlischen Vaters.

66. Welches dreifache Amt hat Christus, der Herr?

Christus, der Herr, ist unser höchster Lehrer, Priester und Hirt.

Für mein Leben: Christus soll Herr über mein Leben sein. Jeden Morgen will ich ihm mein ganzes Tagewerk weihen.

Aus dem Leben der Kirche: Im Gloria der heiligen Messe rufen wir Christus zu: „Du allein bist der Herr !"

Die Kirche betet zum himmlischen Vater durch Christus; sie schließt ihre Gebete meist mit den Worten : „durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."

Die Kirche huldigt Christus als ihrem König, z. B. in der Prozession am Palmsonntag und in der Verehrung des heiligen Kreuzes am Karfreitag. Am letzten Sonntag im Oktober feiert sie das Christkönigsfest.

Christlicher Brauch: Viele Christen tragen ein kleines Kreuz oder das Christuszeichen. — Die Katholische Jugend führt das Zeichen des Erlösers auf ihren Bannern. — Das Kreuz in unserm Zimmer zeigt, dass wir Christus gehören. — Das katholische Volk errichtet Kreuze an Wegen und auf Berggipfeln, um zu bekennen, dass Christus der Herr der Schöpfung ist.

Aufgaben: 1. Wie wirkt Christus in unserm Leben: a) als Lehrer, b) als Hoherpriester, c) als Hirt ? 2. Schreibe eine Christuslitanei, in der alle Namen und Titel vorkommen, die du kennst, z. B. Heiland, Meister, Auferstandener ! 3. Welche Christuslieder kennst du ? 4. Was sagt die Präfation vom Christkönigsfest über Christus, unsern Herrn, aus ? 5. Sammle Bilder, die den erhöhten Herrn darstellen !

Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Herren,
Gottes und Mariä Sohn,
Dich will ich lieben, Dich will ich ehren,
meiner Seele Freud' und Kron' !

38. Jesus Christus wird wiederkommen

„Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten." (7. Glaubensartikel)

Als die Apostel unverwandt dem Herrn nachschauten, wie er in den Himmel auffuhr, standen auf einmal zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sprachen : „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel auffahren sehen" (vgl. Apg. 1, 10 11).

Am Jüngsten Tag wird Christus, umgeben von seinen Engeln, mit großer Macht und Herrlichkeit wiederkommen.

Bei seiner Wiederkunft wird Christus alle Menschen vor sein Angesicht rufen, Gute und Böse, Lebende und Tote. Die Toten werden auferstehen, und alle werden seiner Stimme folgen.

Dann wird Christus alle Menschen richten. Die seiner Gnade gefolgt sind, dürfen nun für ewig bei ihm sein; die sich seiner Gnade verschlossen haben, wird er für ewig von sich stoßen.

Nach dem Gericht wird Christus dem Teufel jede Macht nehmen, Leid und Tod aus der Welt verbannen und alles mit seiner Herrlichkeit erfüllen.

Dann hat Christus das Werk der Erlösung vollendet, das er auf Erden begonnen hatte. Alles ist ihm Untertan. Er herrscht als König über die ganze Welt.

Wenn alles Christus unterworfen ist, wird er die erlöste Schöpfung dem Vater übergeben, und der himmlische Vater wird in unermesslicher Herrlichkeit ewig über sie herrschen.

Überlege: 1. "Wann wird Christus wiederkommen ? 2. Wen wird Christus dann vor sich rufen ? 3. Wonach wird sich das Urteil Christi richten ? 4. Was wird Christus nach dem Gerichte tun ? 5. Was wird Christus tun, wenn er das Werk der Erlösung vollendet hat ?

67. Wozu wird Jesus am Jüngsten Tage wiederkommen ?

Jesus wird am Jüngsten Tage wiederkommen, um alle Menschen zu richten und die Erlösung zu vollenden.

Für mein Leben: Christus wird wiederkommen. Ich will so leben, dass ich stets mit Freude an diesen Tag denken kann.

Wort Gottes: „Wenn Christus, unser Leben, erscheint, dann werdet auch ihr mit ihm erscheinen in Herrlichkeit" (Kol. 3, 4). — „Wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, damit ein jeder ernte, je nachdem er in seinem Leben Gutes oder Böses getan hat" (2 Kor. 3, 10). — „Dann kommt das Ende, wenn Christus Gott dem Vater das Reich übergibt, nachdem er jede Herrschaft, Macht und Gewalt zunichte gemacht hat" (1 Kor. 15, 24). — „Komm, Herr Jesus !" (Ofib. 22, 20).

Aus dem Leben der Kirche: Oft, besonders an den letzten Sonntagen des Kirchenjahres und im Advent, erinnert die Kirche an die Wiederkunft Christi und mahnt, dass wir uns für sein Kommen bereiten.

Nüchtern, gerecht und fromm lasst uns leben in
dieser Welt und in seliger Hoffnung harren auf
die glorreiche Erscheinung unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus.
AUS DEM STUNDENGEBET DER KIRCHE IM ADVENT

VOM HEILIGEN GEIST UND SEINEM WIRKEN

„Ich glaube an den Heiligen Geist" (8. Glaubensartikel).

Als Christus, unser Herr, in die Herrlichkeit des Vaters einging, wollte er uns nicht allein zurücklassen. Darum sandte er uns vom Vater her den Heiligen Geist, damit er allezeit bei uns bleibe.

39. Der Heilige Geist ist auf die Apostel herabgekommen

Am Pfingsttag waren die Apostel mit Maria, der Mutter Jesu, und den Jüngern im Saale zu Jerusalem versammelt. Plötzlich entstand vom Himmel her ein Brausen, als führe ein gewaltiger Sturm daher, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten und sich auf einen jeden von ihnen niederließen. Da wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt (vgl. Apg. 2, 1-4).

+

Durch den Heiligen Geist wurden die Apostel und Jünger erleuchtet. Der Heilige Geist lehrte sie alles und erinnerte sie an alles, was Jesus ihnen gesagt hatte; er gab ihnen die rechten Worte ein, die Botschaft ihres Herrn vor Juden und Heiden zu verkünden.

Durch den Heiligen Geist wurden die Apostel und Jünger gestärkt. Der Heilige Geist vertrieb die Kleingläubigkeit und Menschenfurcht aus ihrem Herzen, tröstete sie in der Verfolgung und verlieh ihnen Geduld im Leiden. Er gab ihnen die Kraft, für den Glauben sogar das Leben hinzugeben.

Durch den Heiligen Geist wurden die Apostel und Jünger geheiligt. Der Heilige Geist zog mit seinen Gaben und Gnaden in ihr Herz ein, um für immer darin zu bleiben.

Schon im Alten Bunde war der Heilige Geist über die Patriarchen und Propheten gekommen. Am Pfingstfest aber wurde auf die Apostel und Jünger die Fülle des Heiligen Geistes ausgegossen. Jetzt erfüllte sich das Wort des Propheten: „In den letzten Tagen will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch" (Joel 2, 28; Apg. 2, 17).

Überlege: 1. Wie zeigte sich, dass der Heilige Geist die Apostel und Jünger erleuchtet hatte ? 2. Wie zeigte sich, dass er sie gestärkt hatte ? 3. Wie hat der Heilige Geist sie geheiligt ? 4. Was hat Gott im Alten Bund über das Kommen des Heiligen Geistes vorausgesagt ?

68. Was hat der Heilige Geist in den Aposteln gewirkt?

Der Heilige Geist hat die Apostel erleuchtet, gestärkt und geheiligt.

Für mein Leben: Auch in mir wohnt der Heilige Geist, der einst die Apostel und Jünger erfüllt hat. Auch ich soll ein Apostel Christi sein.

Aus dem Leben der Kirche: Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und die Kirche feiern wir am Pfingstfest, fünfzig Tage nach Ostern, zehn Tage nach Christi Himmelfahrt.

Aufgaben: 1. Was sagen uns folgende Zeichen über den Heiligen Geist: a) der Sturm, b) das Feuer, c) die Zungen ? 2. Welche Farbe hat das Messgewand in den Messen zu Ehren des Heiligen Geistes ? 3. Woran erinnert diese Farbe ?

40. Der Heilige Geist ist Gott wie der Vater und der Sohn

Bevor Jesus von seinen Jüngern Abschied nahm, sprach er zu ihnen : „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Beistand geben, den Geist der Wahrheit. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh. 14, 16 26).

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Der Heilige Geist, der am Pfingstfest auf die Apostel und Jünger herabgekommen ist, ist wahrer Gott wie der Vater und der Sohn. Darum wird er in gleicher Weise wie der Vater und der Sohn angebetet und verherrlicht.

Der Heilige Geist geht von Ewigkeit her vom Vater und vom Sohne aus; er ist die dritte göttliche Person. Vater und Sohn lieben einander mit unendlich großer Liebe; der Heilige Geist ist die lebendige Flamme dieser Liebe zwischen Vater und Sohn.

Der Vater und der Sohn haben uns den Heiligen Geist gesandt, damit er uns mit dem Vater und dem Sohn verbinde und in uns das Feuer der göttlichen Liebe entzünde.

Überlege: 1. Warum beten wir den Heiligen Geist an? 2. Von wem geht der Heilige Geist aus ? 3. Warum nennen wir den Heiligen Geist die lebendige Liebesflamme zwischen Vater und Sohn ?

69. Wer ist der Heilige Geist ?

Der Heilige Geist ist die dritte göttliche Person; er ist wahrer Gott wie der Vater und der Sohn.

70. Was bekennen wir im Glaubensbekenntnis der heiligen Messe vom Heiligen Geist?

Wir bekennen : „Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater und vom Sohne ausgeht; er wird mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht, er hat gesprochen durch die Propheten."

Für mein Leben: Ich will oft beten : „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe."

Aufgaben: 1. Bei welchen Gelegenheiten sollen wir zum Heiligen Geiste beten? 2. Suche im Gebetbuch Lieder und Gebete zum Heiligen Geist !

41. Der Heilige Geist wirkt in der Kirche auf vielfache Weise

„Freuen wir uns zu Ehren des Heiligen Geistes, der die ganze katholische Kirche heiligt und jede einzelne Seele erfüllt, der den Glauben einhaucht, der das Wissen lehrt, der die Quelle der Liebe, das Siegel der Keuschheit und der Urgrund jeglicher Tugend ist" (Papst Leo der Große, aus einer Pfingstpredigt).

+

Der Heilige Geist bleibt allezeit bei der Kirche und wirkt in ihr. Er erleuchtet sie, dass sie nie von der Wahrheit abweicht; er heiligt sie, indem er sie immerfort mit Gnaden erfüllt; er leitet sie durch alle Verfolgungen und Gefahren zu ihrem ewigen Ziel.

Jeden von uns beschenkt der Heilige Geist mit seinen Gnaden und Gaben. Er macht uns zu Kindern Gottes und hilft uns, als Kinder Gottes zu leben. Er gießt die Liebe Gottes in unsere Herzen und schenkt uns seine sieben Gaben : Weisheit und Verstand, Rat und Stärke, Wissenschaft und Frömmigkeit und die Gabe der Furcht des Herrn (vgl. Is. 11, 2).

Für besondere Aufgaben schenkt der Heilige Geist besondere Gnaden. Er befähigt die Hirten und Lehrer der Kirche, ihr Amt recht zu verwalten; er stärkt die Märtyrer und Bekenner, ihren Glauben standhaft zu bekennen. Er erfüllt mit seiner Liebe alle, die sich in der Seelsorge oder der Krankenpflege abmühen. Manchmal verleiht der Heilige Geist auch außergewöhnliche Gaben, z. B. die Gabe, die Herzen zu erkennen oder Wunder zu wirken.

Jede innere, übernatürliche Gabe, die uns Gott zu unserm ewigen Heile schenkt, nennen wir Gnade. Alle Gnaden hat uns Christus verdient; durch den Heiligen Geist teilt er sie uns mit.

Ohne die Gnade können wir unser Heil nicht erlangen. Kein Geschöpf kann aus eigener Kraft Gotl schauen und auch nur das Geringste tun, um dieses hohe Ziel zu erreichen. Die Gnade ist für uns notwendig, damit wir glauben, als Kinder Gottes leben und in den Himmel kommen können.

Überlege: 1. Was wirkt der Heilige Geist in der Kirche ?. 2. Was wirkt der Heilige Geist in uns ? 3. Wie heißen die sieben Gaben des Heiligen Geistes ? 4. Nenne Aufgaben, für die der Heilige Geist besondere Gnaden verleiht !

71. Was nennen wir Gnade?

Gnade nennen wir jede innere, übernatürliche Gabe, die uns Gott zu unserm ewigen Heile schenkt.

72. Warum ist die Gnade Gottes notwendig?

Die Gnade Gottes ist notwendig, weil wir ohne sie nicht das Geringste zu unserm Heile tun können.

Für mein Leben: Wie reich ist die Kirche durch den Heiligen Geist ! Ich will Gott danken für die Schätze, die mir in der Kirche offen stehen.

Wort Gottes: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist" (1 Kor. 12, 4). — „Die Frucht des Geistes ist : Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte,Treue, Sanftmut, Keuschheit" (Gal. 5, 22 f.).

Aufgaben: 1. Lies langsam: a) die Pfingstsequenz „Komm, o Geist der Heiligkeit", b) das Lied „Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein"! 2. Suche Namen, mit denen der Heilige Geist in der Heiligen Schrift, in Gebeten und in Kirchenliedern benannt wird! 3. Schreibe auf, was die Lieder über das Wirken des Heiligen Geistes aussagen!

42. Durch den Heiligen Geist werden wir erleuchtet und gestärkt

In der Apostelgeschichte lesen wir über die Anfänge der Mission in Philippi : „Am Sabbat gingen wir vor das Tor hinaus an den Fluss, wo wir ein Bethaus vermuteten. Dort sprachen wir zu den Frauen, die sich versammelt hatten. Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin, hörte uns zu. Ihr schloss der Herr das Herz auf, dass sie den Worten des Paulus Aufmerksamkeit schenkte" (vgl. Apg. 16, 13 14).

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Durch den Heiligen Geist werden wir erleuchtet. Er schließt uns das Herz auf, damit wir die göttliche Wahrheit glauben und den heiligen Willen Gottes erkennen.

Durch den Heiligen Geist werden wir auch gestärkt. Er bewegt unser Herz, damit wir nach dem Glauben leben und den Willen Gottes erfüllen. Er gibt uns Lust und Kraft zum Guten; er stärkt uns in der Versuchung und erfüllt uns mit Abscheu gegen das Böse; er tröstet uns im Leid und hilft uns, treu zu bleiben bis in den Tod.

Durch solche Gnaden hilft uns Gott, unser ewiges Ziel zu erreichen. Daher nennen wir sie helfende Gnaden. Ohne sie können wir nicht das Geringste zu unserm Heile anfangen, fortsetzen oder vollenden. „Gott ist es, der in euch das Wollen wie auch das Vollbringen wirkt" (Phil. 2, 13). Darum sollen wir oft um die Gnade Gottes beten.

Gott gibt jedem Menschen wenigstens so viel Gnade, dass er selig werden kann. „Gott will ja, dass alle Menschen gerettet werden" (1 Tim. 2, 4). Niemand geht ewig verloren ohne seine eigene schwere Schuld.

Gott gibt nicht allen Menschen die gleichen Gnaden. Er führt uns auf verschiedenen Wegen zu unserm ewigen Ziel. Gott gibt auch nicht allen Menschen gleich viel Gnaden. Gott gibt uns z. B, seine Gnade reichlicher, wenn wir oft zu ihm beten, die heiligen Sakramente empfangen und uns von seiner Gnade leiten lassen. Auch in Not gibt uns Gott seine Gnade besonders reichlich.

Die Gnade Gottes gereicht uns nur dann zum Heil, wenn wir mit seiner Gnade mitwirken. Auch im kleinen sollen wir den Anregungen Gottes bereitwillig folgen.

Gott zwingt uns nicht durch seine Gnade. Darum ist es möglich, dass wir der Gnade widerstehen. Dann gereicht sie uns durch unsere Schuld nicht zum Heile. Der heilige Paulus schreibt : „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget" (2 Kor. 6, 1).

Überlege: 1. Wozu erleuchtet uns der Heilige Geist? 2. Wozu stärkt uns der Heilige Geist ? 3. Wie nennen wir die Gnaden, durch die wir erleuchtet und gestärkt werden ? 4. Warum sollen wir oft um die Gnade Gottes beten ? 5. Wann gibt uns Gott seine Gnade besonders reichlich ?

73. Was wirkt Gott in uns durch die helfende Gnade ?

Gott erleuchtet und stärkt uns, damit wir als seine Kinder leben und sterben.

74. Wieviel Gnade erhält jeder Mensch von Gott ?

Jeder Mensch erhält von Gott wenigstens so viel Gnade, dass er selig werden kann.

75. Was müssen wir tun, wenn Gott uns seine Gnade gibt ?

Wir müssen mit der Gnade Gottes mitwirken und dürfen ihr nicht widerstehen.

Für mein Leben: Ich will oft den Heiligen Geist bitten, dass er mich erleuchtet, besonders vor der Gewissenserforschung oder vor wichtigen Entscheidungen.

Wort Gottes: Jesus sagt: „Niemand kann zu mir kommen, wenn ihn der Vater, der mich gesandt hat, nicht zieht" (Joh. 6, 44). — „Wer in mir bleibt und in dem ich bleibe, der trägt viel Frucht. Ohne mich könnt ihr nichts tun" (Joh. 15, 5). — „Alle, die sich vom Geiste Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes" (Röm. 8, 14).

43. Durch den Heiligen Geist werden wir geheiligt

Der heilige Paulus schreibt im Brief an die Galater: „Als die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, um uns an Sohnes Statt anzunehmen. Ihr seid Söhne; Gott sandte ja den Geist seines Sohnes in unser Herz, der da ruft: ,Abba, Vater.' So bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe" (vgl. Gal. 4, 4—7).

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Durch den Heiligen Geist erhalten wir Anteil am Leben des unendlich heiligen Gottes. Dadurch werden wir Kinder Gottes, Brüder und Schwestern Christi und Erben des ewigen Lebens. Dieses herrliche Geschenk nennen wir das Gnadenleben. Das Gnadenleben geht weit über alles natürliche Leben hinaus; darum heißt es auch das übernatürliche Leben.

In den Herzen der Kinder Gottes wohnt der Heilige Geist. Er ist der Odem des göttlichen Lebens; er ist das lebendige Unterpfand, dass wir einst ewig beim Vater leben werden.

Mit dem Heiligen Geist wohnen auch der Vater und der Sohn in uns. Christus sagt: „Wir werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen" (Joh. 14, 23). Darum mahnt uns der heilige Paulus mit den Worten : „Wisset ihr nicht, dass ihr ein Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt ?" (1 Kor. 3, 16.)

Durch das Gnadenleben werden wir aufs innigste mit dem heiligen Gott, der Quelle aller Gnaden, verbunden und dadurch selbst geheiligt. Darum nennen wir das Gnadenleben auch die heiligmachende Gnade.

„Wenn wir im Geiste leben, so lasst uns auch im Geiste wandeln !" (Gal. 5, 25.) Wenn wir Kinder Gottes sind, sollen wir auch als seine Kinder leben : wir sollen ihn lieben, ihn verherrlichen, die Sakramente empfangen und seinen heiligen Willen erfüllen. Dann nehmen wir zu an Gnade und tragen reiche Frucht für das ewige Leben.

Überlege: 1. Welches Leben schenkt uns der Heilige Geist ? 2. Warum nennen wir das Gnadenleben auch das übernatürliche Leben ? 3. Wer wohnt in den Herzen der Gotteskinder ? 4. Warum nennen wir das Gnadenleben auch die heiligmachende Gnade ? 5. Was sollen wir tun, weil wir Gotteskinder sind ?

76. Was bewirkt das Gnadenleben ?

Das Gnadenleben macht uns zu Kindern Gottes, Brüdern Christi und Erben des ewigen Lebens.

Für mein Leben: Das Kostbarste, das ich auf Erden habe, ist das Gnadenleben. Nur eins ist wichtig : als Kind Gottes zu leben; nur eins ist schrecklich : sich von Gott zu trennen, ohne seine Gnade zu sterben und ewig verloren zu gehen.

Wort Gottes: „Seht, welche Liebe uns der Vater bewiesen hat : Wir heißen Kinder Gottes und sind es auch" (1 Joh. 3, 1).

Christ, erkenne deine Würde !
LEO DER GROSSE

VOM GEHEIMNIS DES DREIEINIGEN GOTTES

Wenn wir das Werk unserer Erlösung betrachten, erkennen wir, was der Vater, der Sohn und der Heilige Geist für uns getan haben. Wir dürfen einen Blick tun in das tiefste Geheimnis unseres Glaubens, das Geheimnis von dem einen Gott in drei Personen.

44. Die allerheiligste Dreifaltigkeit

Bevor Jesus in den Himmel auffuhr, sprach er zu den Aposteln: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe" (Matth. 28, 18—20).

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Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind drei Personen. Schon bei der Taufe Jesu haben sie sich zu erkennen gegeben. Der Vater hat den Sohn in die Welt gesandt; der Sohn ist Mensch geworden und hat uns erlöst; der Heilige Geist ist auf die Kirche herabgekommen und heiligt uns. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes werden wir getauft.

Jede der drei Personen ist wahrer Gott. Wie der Vater, so sind auch der Sohn und der Heilige Geist unendlich heilig nnd vollkommen, allwissend, allmächtig und ewig. Damm werden der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in gleicher Weise angebetet und verherrlicht.

Die drei göttlichen Personen sind aber nur ein Gott. Sie haben ein göttliches Erkennen, ein göttliches Wollen, ein göttliches Leben in unermesslicher Glückseligkeit. Den einen Gott in drei Personen nennen wir die heiligste Dreieinigkeit oder die heiligste Dreifaltigkeit.

Die Wahrheit von dem einen Gott in drei Personen ist das größte Geheimnis unseres Glaubens. Wir können es nicht begreifen; dazu gehört göttlicher Verstand. Unser Verstand begreift nicht einmal alle sichtbaren und erschaffenen Dinge; noch viel weniger kann er Gott begreifen. Wir würden nicht einmal wissen, dass in Gott drei Personen sind, wenn Christus uns dieses Geheimnis nicht geoffenbart hätte.

Alles, was wir sind und was wir haben, haben wir von dem heiligen dreieinigen Gott empfangen. Darum müssen wir dem dreieinigen Gott allezeit Lob und Dank sagen. Dem Vater danken wir besonders, dass er uns erschaffen und zum ewigen Leben berufen hat; dem Sohn, dass er uns erlöst hat; dem Heiligen Geist, dass er uns heiligt.

Überlege: 1. Wann haben sich die drei göttlichen Personen zu erkennen gegeben? 2. Warum werden die drei göttlichen Personen in gleicher Weise angebetet und verherrlicht ? 3. Worin sind die drei göttlichen Personen eins ? 4. Wie nennen wir den einen Gott in drei Personen ? 5. Warum können wir die Wahrheit von dem einen Gott in drei Personen nicht begreifen ?

77. Was sagt unser Glaube über die heiligste Dreifaltigkeit ?

In Gott sind drei Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Diese drei Personen sind ein Gott.

78. Welche Wohltaten verdanken wir den drei göttlichen Personen? Gott der Vater hat uns erschaffen, Gott der Sohn hat uns erlöst, Gott der Heilige Geist hat uns geheiligt.

Für mein Leben: Wenn ich beim Kreuzzeichen die Worte spreche: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", will ich dabei denken: Ich gehöre dem dreieinigen Gott.

Wort Gottes: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen" (2 Kor. 13, 13).

Aus der Lehre der Heiligen: „Mein Gott, wie klein wärest Du, wenn mein Verstand Dich begreifen könnte" (Franz von Sales). — „Dieses Geheimnis ergründen wollen ist Vermessenheit; daran glauben ist Gottseligkeit; es einmal erkennen ist ewiges Leben" (Bernhard von Clairvaux).

Aus dem Leben der Kirche: Am ersten Sonntag nach Pfingsten feiert die Kirche das Fest der heiligsten Dreifaltigkeit.

Gebet: „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen."

Aufgaben: 1. In welchen biblischen Geschichten werden alle drei göttlichen Personen genannt ? 2. Welche Lieder zur heiligsten Dreifaltigkeit stehen im Gesangbuch ? 3. Welche Darstellungen und Zeichen der heiligsten Dreifaltigkeit kennst du ?

Gepriesen sei die heilige Dreifaltigkeit
und ungeteilte Einheit !

ZWEITER TEIL: VON DER KIRCHE UND DEN SAKRAMENTEN

VON DER GRÜNDUNG UND EINRICHTUNG DER KIRCHE

„Die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen" (9. Glaubensartikel).

Im ewigen Gottesreich sollen die Menschen aus allen Völkern und aus allen Zeiten bei Gott versammelt sein. Gott wird für immer ihr König sein, und sie werden sein Volk sein. Um sich dieses Volk schon auf Erden zu schaffen, hat Gott durch seinen Sohn Jesus Christus die Kirche gegründet.

45. Jesus Christus hat während seines öffentlichen Lebens mit der Gründung der Kirche begonnen

Papst Pius XII. hat im Jahre 1943 ein Weltrundschreiben über die Kirche, den geheimnisvollen Leib Christi, erlassen. Darin schreibt er : „Der göttliche Erlöser begann den Bau des geheimnisvollen Tempels seiner Kirche damals, als er predigte und seine Gebote verkündigte. Er erwählte die Apostel und sandte sie aus, wie er selber vom Vater gesandt war, als Lehrer, als Hirten und als Spender der Heiligkeit inmitten der Gläubigen. Er bestimmte seinen Stellvertreter auf Erden und offenbarte ihnen alles, was er vom Vater gehört hatte."

+

Als Jesus die Botschaft vom kommenden Gottesreich verkündete, glaubten viele und wurden seine Jünger. So sammelte Jesus das Volk um sich, mit dem Gott den Neuen Bund schließen wollte.

Aus der Schar der Jünger wählte Jesus zwölf Männer aus, die immer um ihn sein sollten. Sie sollten gleichsam die Stammväter des neuen Gottesvolkes sein. Weil er sie aussenden wollte, nannte er sie Apostel (d. h. Gesandte).

Simon, den Sohn des Jonas, machte Jesus zum Ersten der Apostel und bestimmte ihn zu seinem Stellvertreter auf Erden. Jesus sprach zu ihm: „Du bist Petrus (der Fels), und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein" (Matth. 16, 18 19).

Überlege: 1. Wie sammelte Jesus das Volk um sich, mit dem Gott den Neuen Bund schließen wollte ? 2. Wozu wählte Jesus die Apostel aus ? 3. Was bedeutet das Wort „Apostel" ? 4. Wozu bestimmte Jesus den Simon, den Sohn des Jonas ?

79. Wie hat Jesus mit der Gründung der Kirche begonnen ?

Jesus hat Jünger um sich gesammelt, aus ihnen zwölf Apostel ausgewählt und Petrus zu seinem Stellvertreter auf Erden bestimmt.

80. Mit welchen Worten hat Jesus den Petrus zu seinem Stellvertreter auf Erden bestimmt ?

Jesus hat zu Petrus gesprochen : „Du bist Petrus (der Fels), und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein."

Für mein Leben: Ich habe das große Glück, zum Volke Gottes zu gehören. In der Gemeinschaft der Gläubigen will ich freudig meinem himmlischen König dienen.

Aufgaben: 1. In welchen biblischen Geschichten wird uns berichtet : a) dass sich die Menschen um Jesus sammelten, b) dass Jesus einzelne zu Jüngern berief, c) dass Jesus Jünger aussandte ? 2. Bei welchen Gelegenheiten trat Petrus während des öffentlichen Lebens Jesu als der Erste der Apostel hervor ?

46. Jesus Christus hat durch seinen Tod der Kirche das Leben erworben

„Als Christus am Kreuze hing, vollendete er den Bau des geheimnisvollen Tempels seiner Kirche. Durch sein am Kreuz vergossenes Blut hat er den göttlichen Zorn besänftigt und bewirkt, dass alle himmlischen Gaben, besonders die Sakramente des Neuen und ewigen Bundes, aus den Quellen des Erlösers zum Heile der Menschen fließen konnten. Am Baum des Kreuzes hat er sich seine Kirche erworben, d. h. alle Glieder seines geheimnisvollen Leibes" (Weltrundschreiben Papst Pius' XII. über den geheimnisvollen Leib Christi).

+

Das Gottesvolk des Alten Bundes hat zum großen Teil nicht an Jesus geglaubt und seine Führer haben ihn zum Tode verurteilt: sie haben den Bund mit Gott gebrochen. Aber auch die Jünger, die an Jesus glaubten, waren schwach und unvollkommen. Alle Menschen waren von Sünden befleckt; sie waren nicht wert, Gottes Volk zu sein.

Jesus hat für seine Jünger, für sein ungetreues Volk und für alle Menschen sein Leben hingegeben, um sie von den Sünden zu erlösen und zu einem heiligen Gottesvolk zu machen. „Er hat sich selbst für uns hingegeben, um uns von aller Sünde zu erlösen und sich ein reines Volk zu erwerben, das eifrig ist in guten Werken" (Tit. 2, 14).

Im Blute Jesu hat Gott mit uns einen neuen, ewigen Bund geschlossen Er hat die kleine Schar der Jünger durch den Heiligen Geist zu einem heiligen Gottesvolk gemacht; das ist unsere heilige Kirche. In ihr wächst das ewige Gottesvolk heran, das Gott sich aus allen Völkern und Zeiten sammelt.

Als der Alte Bund geschlossen wurde, wurden Tiere geopfert. Der Neue und ewige Bund ist durch das Kreuzesopfer unseres Herrn Jesus Christus geschlossen worden. Sein Blut ist „das Blut des Neuen und ewigen Bundes".

Einst war aus der Seite Adams die Eva gebildet worden, die Mutter der sündigen Menschheit. Aus der Seitenwunde des sterbenden Erlösers aber ist die Kirche hervorgegangen, die Mutter der erlösten Menschheit. Durch Jesu Tod hat sie das Leben erhalten.

Überlege: 1. Warum waren die Menschen nicht wert, dass Gott sie zu seinem Volke machte ? 2. Was hat Jesus getan, damit die Menschen ein heiliges Gottesvolk würden ? 3. Was hat Gott um des Blutes Jesu willen mit uns getan ? 4. Vergleiche die Erschaffung der Eva mit der Entstehung der Kirche !

81. Was hat Jesus durch seinen Tod am Kreuz für seine Kirche getan ? Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz seiner Kirche das Leben erworben.

Für mein Leben: Christus hat die Kirche mit seinem Blute erkauft. Darum will ich dankbar sein, dass ich Zu ihr gehören darf.

Wort Gottes: „Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben, am sie zu heiligen" (Eph. 5, 25 26). — „Herr, Du hast uns mit Deinem Blut erkauft aus allen Stämmen, Sprachen, Völkern und Nationen und hast uns zu einem Königreich gemacht für unsern Gott" (Offb. 5, 9 10).

Aufgaben: 1. Lies die biblischen Geschichten von der Bundesschließung auf Sinai! 2. Schreibe auf ein Blatt links oben : Alter Bund, rechts oben : Neuer Bund. Darunter schreibe die Antworten auf folgende Fragen : a) Wo hat Gott den Alten Bund geschlossen — wo den Neuen Bund, b) mit wem den Alten — mit wem den Neuen, c) durch welchen Mittler den Alten — durch welchen den Neuen, d) was wurde geopfert, als der Alte Bund geschlossen wurde — welches war das Opfer des Neuen Bundes ? 3. In welcher Feier nehmen wir teil am Opfer das Neuen Bundes ?

47. Jesus Christus hat nach seiner Auferstehung die Gründung seiner Kirche vollendet

Nach seiner Auferstehung erschien Jesus seinen Aposteln und Jüngern vierzig Tage hindurch und sprach zu ihnen vom Reiche Gottes. Er gebot ihnen, nicht von Jerusalem wegzugehen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten.

Er sprach: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommt, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria, ja bis an die Grenzen der Erde" (vgl. Apg. 1, 3-8).

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Nach seiner Auferstehung sprach Jesus zu den Aposteln : „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh. 20, 21). Er übertrug ihnen die Aufgabe, die er vom Vater empfangen hatte. Die Kirche soll Gott verherrlichen und die Menschen zur ewigen Seligkeit führen.

Bevor Jesus in den Himmel auffuhr, sprach er zu den Aposteln: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet also hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und sehet, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt" (Matth. 28, 18-20). Mit diesen Worten gab Jesus den Aposteln und ihren Nachfolgern den feierlichen Auftrag, alle Menschen zu lehren, zu heiligen und zu leiten; er übertrug seiner Kirche das Lehramt, das Priesteramt und das Hirtenamt.

Zu Petrus sprach Jesus : „Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe !" (Joh. 21, 15—17.) Mit diesen Worten machte er Petrus zu seinem Stellvertreter auf Erden und zum sichtbaren Oberhaupt der Kirche; er gab ihm und seinen Nachfolgern die Vollmacht, seine ganze Herde zu leiten, bis er wiederkommt.

Seit der Himmelfahrt thront Christus zur Rechten des Vaters als der Herr seiner Kirche. Er wirkt in ihr bis zu seiner Wiederkunft am Jüngsten Tage als ihr himmlischer Lehrer, Hoherpriester und Hirt. Christus ist das unsichtbare Oberhaupt der Kirche.

Am Pfingsttage sandte Christus seiner Kirche vom Vater her den Heiligen Geist. Durch ihn erfüllte er die Kirche mit seinem göttlichen Leben und verlieh ihr die Kraft, die Aufgabe zu erfüllen, die er ihr übertragen hatte.

Überlege: 1. Von wem hatte Jesus die Aufgabe empfangen, die er seiner Kirche übertrug ? 2. Wen hat Jesus zum sichtbaren Oberhaupt der Kirche gemacht ? 3. Wer ist das unsichtbare Oberhaupt der Kirche ? 4. Was hat Jesus am Pfingsttag für seine Kirche getan ?

82. Wozu hat Jesus seine Kirche gegründet ?

Jesus hat seine Kirche gegründet, damit sie Gott verherrliche und die Menschen zur ewigen Seligkeit führe.

83. Mit welchen Worten hat Jesus die Apostel in die Welt gesandt? Jesus hat zu den Aposteln gesprochen : „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet also hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie im, Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und sehet, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt."

84. Welches dreifache Amt hat Jesus seiner Kirche übertragen?

Jesus hat seiner Kirche das Lehramt, das Priesteramt und das Hirtenamt übertragen.

85. Mit welchen Worten hat Jesus den Petrus zum obersten Hirten der Kirche gemacht ?

Jesus hat zu Petrus gesprochen : „Weide meine Lämmer ! Weide meine Schafe !"

86. Wodurch hat Jesus die Gründung seiner Kirche vollendet ?

Jesus hat die Gründung seiner Kirche durch die Sendung des Heiligen Geistes vollendet.

Für mein Leben: Die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde ist etwas Heiliges: sie ist Gottes Volk; Christus ist in ihrer Mitte; der Heilige Geist erfüllt sie.

Wort Gottes: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Matth. 18, 20).

Aufgaben: 1. Welcher Apostel war am Pfingstfest nicht mehr am Leben? 2. Wer war an seine Stelle getreten ? 3. Welcher Apostel kam später noch hinzu ? 4. Wie trat Petrus als Oberhaupt der Kirche hervor : a ) bei der Wahl des Apostels Matthias, b) am Pfingstfest, c) auf dem Apostelkonzil in Jerusalem ? 5. Was fidest du in der Bibel über das Leben der ersten Christen ? 6. Nenne besondere Gnaden und Gaben, die der Heilige Geist den ersten Christen geschenkt hat !

48. Die Kirche ist der geheimnisvolle Leib Christi

Der heilige Paulus schreibt : „Wir haben an unserm Leibe viele Glieder, aber nicht alle verrichten den gleichen Dienst. So sind wir viele zusammen ein Leib in Christus; untereinander aber sind wir Glieder" (vgl. Röm. 12, 4 5).

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Die Glieder der Kirche sind untereinander verbunden wie die Glieder eines Leibes. Darum nennt der heilige Paulus die Kirche einen Leib.

Das Haupt dieses Leibes ist Christus, unser himmlischer Herr. Von ihm wird der ganze Leib zusammengehalten, gelenkt und mit Leben erfüllt. Darum nennt der heilige Paulus die Kirche auch den Leib Christi.

Die Lebenskraft, die diesen Leib durchdringt, ist der Heilige Geist. Er strömt von Christus, dem Haupt, auf die Glieder über. Er verbindet die Glieder mit dem Haupt und untereinander. Der Heilige Geist ist gleichsam die Seele der Kirche.

Die Glieder dieses Leibes sind die Gläubigen. Alle müssen Christus als das Haupt und ihre Mitchristen als seine Glieder lieben und mit dem Haupt und den Gliedern in Gebet und Opfer verbunden sein. Jedes Glied soll sich auch bemühen, seine besondere Aufgabe zu erkennen und getreu zu erfüllen.

Als wir getauft wurden, sind wir in den geheimnisvollen Leib Christi eingegliedert worden. Durch die Taufe wird man ein Glied der Kirche.

Überlege: 1. Warum nennen wir die Kirche einen Leib? 2. Warum nennen wir Christus das Haupt des Leibes ? 3. Warum nennen wir den Heiligen Geist die Seele der Kirche? 4. Welche Aufgaben haben die Glieder des Leibes Christi? 5. Wodurch sind wir in den geheimnisvollen Leib Christi eingegliedert worden ?

87. Was lehrt der heilige Paulus über die Kirche ?

Der heilige Paulus lehrt, dass die Kirche der Leib Christi ist: Christus ist das Haupt, wir sind die Glieder.

Für mein Leben: Ich will nicht nur für mich selbst leben, sondern für alle Glieder des Leibes Christi.

Wort Gottes: „Er ist, das Haupt, Christus; von ihm aus wird der ganze Leib zusammengefügt und zusammengehalten" (Eph. 4, 15 16).

Aus dem Leben der Kirche: Im Jahre 1943 hat Papst Pius XII. in einem Weltrundschreiben die Lehre vom geheimnisvollen Leib Christi behandelt.

Aufgaben: 1. Wie wirken die Glieder des Leibes Christi mit dem Haupt zusammen : a) bei der Feier der heiligen Messe, b) bei der Bekehrung der Heiden ? 2. Welche Gläubigen haben in der Pfarrgemeinde besondere Aufgaben? 3. Bilde aus dem Inhalt dieses Lehrstücks ein Dank- und Bittgebet 2

49. Die heilige Ordnung der Kirche

Nach dem Pfingstfest zogen die Apostel aus, predigten das Evangelium und gründeten Gemeinden. Sie wählten geeignete Männer aus, legten ihnen die Hände auf und setzten sie als Bischöfe ein. So wurde Timotheus vom heiligen Paulus als Bischof von Ephesus eingesetzt, Titus als Bischof von Kreta (vgl. 1 Tim. 1, 3; Tit. 1, 5). — Petrus kam auf seinen Missionsreisen nach Rom und wurde der erste Bischof dieser Stadt. Hier starb er als Märtyrer um das Jahr 67. Über seinem Grabe erhebt sich heute die gewaltige Peterskirche.

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Im geheimnisvollen Leib Christi haben nicht alle Glieder die gleiche Aufgabe; es gibt Vorsteher und Untergebene. Die ersten Vorsteher waren Petrus und die anderen Apostel.

Christus hat gewollt, dass seine Kirche bis ans Ende der Welt fortbestehe. Darum müssen auch die Ämter, die er Petrus und den Aposteln übertragen hat, fortdauern. Christus will, dass seine Kirche immerfort von Vorstehern geleitet wird.

Die Vorsteher der Kirche sind der Papst und die Bischöfe der katholischen Kirche. Sie sind die Nachfolger der Apostel. Im Namen Christi üben sie das Lehramt, das Priesteramt und das Hirtenamt aus. — Manchmal treten die Bischöfe der ganzen Welt zusammen, um unter der Leitung des Papstes über wichtige Fragen zu beraten und zu entscheiden. Eine solche Versammlung nennt man eine allgemeine Kirchenversammlung oder ein allgemeines Konzil.

Der Papst ist das sichtbare Oberhaupt der ganzen Kirche. Er ist der Nachfolger des heiligen Petrus im obersten Lehr- und Hirtenamt (Primat). Da Petrus als Bischof von Rom gestorben ist, ist der Bischof von Rom sein rechtmäßiger Nachfolger. Alle Bischöfe, Priester und Gläubigen stehen unter seiner Leitung.

Der Bischof leitet einen Teil der Kirche; diesen Teil nennt man Bistum oder Diözese. Die Bistümer sind in Pfarreien eingeteilt. An die Spitze der Pfarrei stellt der Bischof einen Pfarrer. Der Pfarrer ist der geistliche Vater seiner Pfarrkinder.

Auch die Laien sollen unter der Leitung ihrer Vorsteher an den Aufgaben der Kirche teilhaben. In ihren Familien, an ihrem Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit sollen sie sich für die Ehre Gottes und für das Heil ihrer Mitmenschen einsetzen (Laienapostolat und Katholische Aktion).

Überlege: 1. Warum wird die Kirche von Vorstehern geleitet ? 2. Wer sind die Vorsteher der Kirche ? 3. Was ist ein allgemeines Konzil ? 4. Was ist ein Bistum oder eine Diözese ? 5. Wer steht an der Spitze einer Pfarrei? 6. Wie sollen die Laien an den Aufgaben der Kirche mitwirken?

88. Wer sind die Vorsteher der Kirche ?

Die Vorsteher der Kirche sind der Papst und die Bischöfe.

89. Welche Würde hat der Papst?

Der Papst ist der Nachfolger des heiligen Petrus, der Stellvertreter Christi auf Erden und das sichtbare Oberhaupt der Kirche.

90. Was sind die Bischöfe der katholischen Kirche?

Die Bischöfe der katholischen Kirche sind die Nachfolger der Apostel.

Für mein Leben: Ich will den Papst als den Stellvertreter Christi auf Erden lieben, für ihn beten und allezeit treu zu ihm halten.

Wort Gottes: „Gehorcht euren Vorstehern und ordnet euch ihnen unter; denn sie wachen über eure Seele und müssen einst Rechenschaft ablegen" (Hebr. 13, 17).

Worterklärung: Die Kirche heißt die „römisch-katholische Kirche", weil ihr Oberhaupt der rechtmäßige Bischof von Rom ist. — Das Wort Papst bedeutet: Vater. Der Papst wird auch „Heiliger Vater" genannt, weil er das heilige Amt hat, die Kirche wie ein Vater zu leiten.

Weitere Ämter in der Kirche: Die Kardinäle helfen dem Papst bei der Regierung der Kirche. Sie wählen nach dem Tode des Papstes den neuen Papst. — Der Generalvikar und die Mitglieder des Domkapitels helfen dem Bischof bei der Leitung seiner Diözese. In manchen Bistümern gibt es Weihbischöfe, die im Auftrag des Bischofs weihen und firmen. — Die Kaplane (auch Vikare oder Kooperatoren genannt) stehen den Pfarrern zur Seite.

Mehrere Pfarreien bilden zusammen ein Dekanat (auch Archipresbyterat genannt); an seiner Spitze steht der Dekan (auch Dechant oder Erzpriester genannt). — Mehrere Bistümer bilden in der Regel eine Kirchenprovinz; an ihrer Spitze steht ein Erzbischof.

Aufgaben: 1. Wie heißt unser Papst? 2. Wo wohnt er? 3. Wie heißt unser Bischof ? 4. Wo wohnt er ? 5. Welche Kirche ist unsere Bischofskirche ? 6. Wie heißt unser Pfarrer ? 7. Welche Priester wirken außer dem Pfarrer in unserer Pfarrei ? 8. Wer hilft unserm Pfarrer außerdem in der Arbeit für die Pfarrei ? 9. Wie heißen unsere Nachbarpfarreien? 10. Zu welchem Dekanat gehört unsere Pfarrei? 11. Zeichne die Mitra, den Stab, das Brustkreuz und den Ring des Bischofs ! 12. Welche Farbe bat : a) die Kleidung des Papstes, b) die der Kardinäle, c) die der Bischöfe, d) die der Priester ? 13. Zeichne ein Schaubild vom Aufbau der Kirche !

VOM WIRKEN DER KIRCHE

Die Kirche erfüllt den Auftrag Christi in der ganzen Welt. Sie übt das Lehramt aus, indem sie das Evangelium verkündet und die Menschen lehrt; sie übt das Priesteramt aus, indem sie in ihrem Gottesdienst Gott verherrlicht und uns seine Gnaden ausspendet; sie übt das Hirtenamt aus, indem sie uns zum Himmel führt.

50. Die Kirche verkündet und Lehrt

Der heilige Petrus wurde auf einer Missionsreise zu dem gottesfürchtigen Hauptmann Cornelius gerufen. Er ging hin und predigte ihm und seinem ganzen Hause von Christus, dem Gekreuzigten, der auferstanden ist und als Richter wiederkommen wird. Während Petrus noch redete, kam der Heilige Geist auf alle herab, die sein Wort hörten. Da ließ Petrus sie im Namen Jesu Christi taufen (vgl. Apg. 10).

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Die Kirche verkündet überall die Frohe Botschaft und lehrt uns. Sie unterweist uns in Predigt und Unterricht und führt uns auch durch den Gottesdienst immer tiefer in die Geheimnisse des Glaubens ein.

Durch die Kirche spricht Christus zu uns. Sein Wort verkündet sie, in seinem Auftrag lehrt sie, durch seinen Heiligen Geist wird sie erleuchtet.

Das Lehramt der Kirche bilden der Papst und die mit ihm in Gemeinschaft stehenden Bischöfe. Sie haben die Aufgabe, die Lehre Christi unverfälscht zu bewahren und unfehlbar zu verkünden. Wenn der Papst und die Bischöfe einmütig etwas als Glaubenslehre verkünden, sind sie unfehlbar, weil Christus seine Kirche durch den Heiligen Geist vor Irrtum bewahrt. Auf einem allgemeinen Konzil entscheiden sie gemeinsam darüber, ob eine Lehre von Gott geoffenbart ist oder nicht, ob sie wahr ist oder falsch.

Der oberste Lehrer der Kirche ist der Papst. Ohne ihn kann kein Konzil unfehlbar entscheiden. Jedoch kann der Papst auch allein unfehlbar entscheiden. Er ist unfehlbar, wenn er über Glaubens- und Sittenlehren eine Entscheidung trifft und der ganzen Kirche befiehlt, sie anzunehmen. Christus sprach zu Petrus: „Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht wanke; du aber stärke deine Brüder" (Luk. 22, 32).

Der Bischof lehrt die Gläubigen seines Bistums vor allem durch den von ihm vorgeschriebenen Katechismus, durch Predigten und durch Hirtenbriefe. In seinem Auftrag predigen und lehren die Priester.

Die Gläubigen haben die Pflicht, durch Wort und Beispiel zu helfen, dass ihre Mitmenschen den wahren Glauben kennenlernen und in ihm wachsen. Dazu sind besonders die Eltern, die Lehrer und die Laienkatecheten berufen.

Überlege: 1. Wodurch unterweist uns die Kirche? 2. Warum können wir sagen: Wenn die Kirche lehrt, spricht Christus zu uns ? 3. Woran zeigt sich, dass der Papst der oberste Lehrer der Kirche ist ? 4. Wie lehrt uns der Bischof ? 5. Welche Gläubigen sind besonders dazu berufen, andere im Glauben zu unterweisen ?

91. Warum ist die Kirche unfehlbar?

Die Kirche ist unfehlbar, weil Christus seine Kirche durch den Heiligen Geist vor Irrtum bewahrt.

92. Wer bildet das Lehramt der Kirche?

Das Lehramt der Kirche bilden der Papst und die mit ihm in Gemeinschaft stehenden Bischöfe.

93. Welche Aufgabe hat das Lehramt der Kirche?

Das Lehramt der Kirche soll die Lehre Christi bewahren und unfehlbar verkünden.

94. In welchem Fall ist der Papst unfehlbar ?

Der Papst ist unfehlbar, wenn er über Glaubens- und Sittenlehren eine Entscheidung gibt und der ganzen Kirche befiehlt, sie anzunehmen.

Für mein Leben: Ich will in Ehrfurcht auf Papst und Bischof hören, besonders wenn sie in ihren Rundschreiben und Hirtenbriefen zu uns reden. Ihre Stimme ist Christi Stimme.

Wort Gottes: Jesus hat zu seinen Aposteln gesagt: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat" (Luk. 10, 16). — Vor seinem Abschied sprach er: „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Beistand geben, damit er auf ewig bei euch sei, den Geist der Wahrheit. Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh. 14, 16 17 26). — Paulus nennt die Kirche „die Säule Und Grundfeste der Wahrheit" (1 Tim. 3, 15).

Aus dem Leben der Kirche: Bisher wurden zwanzig allgemeine Konzilien abgehalten. Die beiden letzten sind das Konzil von Trient (1545 — 63) und das Vatikanische Konzil (1869 — 70). Auf dem Vatikanischen Konzil wurde die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes feierlich als Glaubenssatz verkündet.

Wort eines Konvertiten: „Klarheit und Entschiedenheit in den wichtigsten Fragen des Lebens finde ich nur in der katholischen Kirche. Darum wurde ich katholisch" (Chesterton).

Glaubensgespräch: Manche sagen: „Der Papst ist nicht unfehlbar; denn jeder Mensch kann sündigen und irren." — Wir antworten : „Gewiss, der Papst kann sündigen; er kann sich auch irren, wenn er seine persönliche Meinung sagt. Wenn er aber als oberster Lehrer der Kirche eine bindende Entscheidung über den Glauben oder das christliche Leben fällt, ist er unfehlbar, weil ihn dann der Heilige Geist vor Irrtum bewahrt."

Aufgaben: 1. Weiche Mittel benutzt die Kirche, um den Glauben zu verkünden? 2. Wie wird für die Verkündigung des Glaubens gesorgt : a) in der Kirche, b) in der Schule, c) in der Familie, d) in den Jugendgruppen ? 3. Wie kann ich mithelfen, dass andere den katholischen Glauben besser kennenlernen ?

51. Die Kirche schöpft ihre Lehre aus der Heiligen Schrift und aus der mündlichen Überlieferung

Der heilige Apostel Paulus mahnt die Gläubigen : „So steht denn fest, liebe Brüder, und haltet euch an die Überlieferungen, die ihr mündlich oder schriftlich von uns empfangen habt" (2 Thess. 2, 15).

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Was die Kirche uns lehrt, stammt von Gott, der Quelle aller Wahrheit. Sie gibt uns weiter, was Gott geoffenbart hat und was von Anfang an in der Kirche gelehrt und geglaubt worden ist. Der heilige Paulus sagt: „Ich habe euch überliefert, was ich selbst empfangen habe" (1 Kor. 15, 3). Manche Wahrheiten hat die Kirche unter der Leitung des Heiligen Geistes erst im Laufe der Zeit genauer ausgesprochen, zumal dann, wenn diese Wahrheiten angegriffen wurden. Christus hat ihr verheißen: „Der Geist der Wahrheit wird euch in alle Wahrheit einführen" (Joh. 16, 13).

Vieles von dem, was Gott geoffenbart hat, hat er in heiligen Büchern aufschreiben lassen. Er hat die Verfasser dieser Schriften durch den Heiligen Geist zum Schreiben angeregt und ihnen bei der Arbeit so beigestanden, dass sie mit unfehlbarer Wahrheit all das niederschrieben, was Gott uns durch sie mitteilen wollte. Diese Schriften heißen: die Heilige Schrift oder die Bibel (d. h. das Buch). Weil die Heilige Schrift von Gott eingegeben worden ist, hat sie Gott zum Urheber. Sie ist Gottes Wort.

Jene Teile der Heiligen Schrift, die vor Christus geschrieben sind, heißen das Alte Testament; jene Teile, die nach Christus geschrieben sind, heißen das Neue Testament.

Die Kirche hütet die Heilige Schrift als einen kostbaren Schatz. Unter dem Beistand des Heiligen Geistes legt sie uns die Heilige Schrift vor und erklärt sie uns. Die Kirche wünscht, dass wir das Wort Gottes eifrig hören und gern in der Heiligen Schrift lesen. Darum soll jedes christliche Haus die Bibel oder wenigstens das Neue Testament besitzen. Wir dürfen jedoch nur solche Übersetzungen der Heiligen Schrift benutzen, die von der Kirche genehmigt sind.

Nicht alle Wahrheiten, die Gott geoffenbart hat, sind in der Heiligen Schrift aufgeschrieben. Manche wurden von den Aposteln nur gepredigt und sind dann von der Kirche als kostbares Erbe überliefert worden. Wir nennen sie die mündliche Überlieferung oder die Erblehre. Die meisten dieser Wahrheiten wurden schon bald nach der Zeit der Apostel von heiligen und gelehrten Männern aufgeschrieben (Kirchenväter).

Die Heilige Schrift und die Erblehre sind die beiden Quellen des Glaubens. Unter dem Beistand des Heiligen Geistes bewahrt die Kirche sie unverfälscht und schöpft aus ihnen ihre Lehre.

Überlege: 1. Woher stammt die Lehre der Kirche ? 2. Warum ist die Heilige Schrift Gottes Wort ? 3. Warum genügt es nicht, wenn wir nur das glauben, was in der Heiligen Schrift steht ? 4. Wie heißen die Wahrheiten, die von den Aposteln gepredigt, aber nicht aufgeschrieben worden sind ?

95. Woraus schöpft die Kirche ihre Lehre?

Die Kirche schöpft ihre Lehre aus der Heiligen Schrift und aus der mündlichen Überlieferung.

96. Welche Arten von Büchern enthält das Alte Testament?

Das Alte Testament enthält Geschichtsbücher, Lehrbücher und prophetische Bücher.

97. Welche Schriften enthält das Neue Testament ?

Das Neue Testament enthält die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe der Apostel und die Geheime Offenbarung des heiligen Johannes.

98. Wie heißen die vier Evangelisten?

Die vier Evangelisten heißen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Für mein Leben: Ich will die Heilige Schrift nur mit Ehrfurcht zur Hand nehmen und vor dem Lesen Gott bitten, dass ich sein Wort recht verstehe und befolge. — Ich will mir ein Neues Testament kaufen oder schenken lassen; es soll mich durch mein ganzes Leben begleiten.

Aus der Lehre der Heiligen: „Wenn du betest, sprichst du zu Gott. Wenn du die Heilige Schrift liest, spricht Gott zu dir" (Augustinus). — „Wer die Heilige Schrift nicht kennt, kennt Christus nicht" (Hieronymus).

Imprimatur: Dass eine Bibelausgabe oder ein anderes religiöses Buch von der Kirche genehmigt ist, erkennen wir an der kirchlichen Druckerlaubnis (Imprimatur).

Glaubensgespräch: Manche sagen : „Die Bibel allein genügt." — Wir antworten : „Erstens ist in der Bibel nicht alles enthalten, was Gott geoffenbart hat. Johannes schreibt : ,Es gibt noch vieles andere, was Jesus getan hat; wollte man es im einzelnen niederschreiben, so würde, wohl die Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste' (Joh. 21, 25). Paulus schreibt : ,Haltet euch an die Überlieferungen, die ihr mündlich oder schriftlich von uns empfangen habt' (2 Thess. 2, 15). Zweitens sagt uns die Bibel nicht, welche Schriften zu ihr gehören; das wissen wir nur durch die Überlieferung."

Die Bücher des Alten Testaments: 1. Geschichtliche Bücher. Die wichtigsten sind die fünf Bücher Moses, das Buch Josue, das Buch der Richter, die Bücher der Könige und die Bücher der Makkabäer. 2. Lehrbücher. Die wichtigsten sind das Buch Job, das Buch der Psalmen und das Buch der Weisheit. 3. Prophetische Bücher. Die wichtigsten sind die Bücher der vier großen Propheten : Isaias, Jeremias, Ezechiel und Daniel.

Die Bücher des Neuen Testaments: 1. Die vier Evangelien und die Apostelgeschichte des heiligen Lukas. 2. Die vierzehn Briefe des heiligen Paulus und die sieben Briefe anderer Apostel (Jakobus, Petrus, Johannes, Judas Thaddäus). 3. Die Geheime Offenbarung des heiligen Johannes.

52. Die Weltmisssion

Vor seiner Himmelfahrt sprach Jesus zu den Aposteln : „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden; wer nicht glaubt, wird verdammt werden" (Mark. 16, 15 16).

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Die Mission ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche. Immer noch warten viele Millionen auf die Frohe Botschaft. Zudem dringt heute der Unglaube bis in die fernsten Länder und raubt den Menschen auch das Wenige, was sie von Gott wissen. Die Liebe Christi muss uns dazu drängen, alles zu tun, dass auch die Heiden die Wahrheit erkennen und zum Glauben gelangen.

In den Missionsländern arbeiten Priester, Brüder, Schwestern, Katechisten, Lehrer, Ärzte und andere Helfer. Viele Missionare kommen aus christlichen Ländern, andere stammen aus den Missionsländern selbst. Sie suchen durch Predigt und Unterricht, Gebet und Gottesdienst, Jugenderziehung und Krankenpflege die Menschen für Christus zu gewinnen.

Wir alle müssen helfen, den Missionsauftrag des Herrn zu erfüllen. Missionare und Neubekehrte warten auf unsere Hilfe. Vor allem helfen wir durch unser Beten und Opfern; denn ohne Gnade kann kein Mensch zu Christus kommen. Auch können und sollen wir die Missionsarbeit unterstützen, indem wir Geld und andere Gaben spenden, die Missionszeitschriften halten und verbreiten und für die Mission sammeln und werben. Das Geld dient dem Bau von Kirchen, Schulen und Krankenhäusern, dem Unterhalt der Missionare und der Einrichtung neuer Missionsstationen.

Wer in die Missionen gehen will, muss Freude daran haben, an der Ausbreitung des Reiches Christi mitzuwirken; er muss außerdem gesund und genügend begabt sein. Es ist eine große Gnade, von Gott in die Mission berufen zu werden. Wer den Ruf Gottes zur Mission in sich verspürt, soll diesem Rufe freudig folgen.

Überlege: 1. Warum ist die Mission eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche? 2. Wer arbeitet in den Missionen? 3. Wie suchen die Missionare die Menschen zu Christus zu führen ? 4. Wozu dient das Geld, das für die Missionen gesammelt wird ? 5. Welche Eigenschaften muss man haben, wenn man in die Mission gehen will ?

99. Wie können alle Christen den Glaubensboten in den Missionen helfen?

Alle Christen können den Glaubensboten helfen durch Gebet, Spenden und Werbung für die Mission.

Für mein Leben: Wie müsste ich mich schämen, wenn ich die Missionare im Stich ließe ! Ich will täglich für die Missionare beten und ihnen regelmäßig durch eine Geldspende helfen.

Aus dem Leben der Kirche: Am vorletzten Sonntag im Oktober wird der Weltmissionstag gehalten, am Fest der Unschuldigen Kinder oder am Sonntag darauf der Weltmissionstag der Kinder (Welttag der heiligen Kindheit).

Die Schutzheiligen der Weltmission sind der heilige Franz Xaver und die heilige Theresia vom Kinde Jesu.

Zahlen aus den Missionen: Über zwei Drittel der Menschheit sind noch nicht Christen. Etwa 17 Millionen Kinder kommen jährlich zur Welt, die nicht getauft werden. — 1950 arbeiteten in den Missionen über 26 000 Priester, über 9 000 Ordensbrüder und über 61000 Ordensschwestern. Etwa die Hälfte von ihnen entstammt bereits den Missionsländern. 2,5 Millionen Katechumenen bereiteten sich auf die Taufe vor.

Die wichtigsten Missionsvereine: Um den Missionen zu helfen, haben sich Missionsvereine gebildet. Die bedeutendsten sind : „Das Päpstliche Werk der heiligen Kindheit", „Das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung" und „Das Päpstliche Werk vom heiligen Petrus zur Heranbildung einheimischer Priester". Der Heilige Vater wünscht, dass jedes katholische Kind dem „Werk der heiligen Kindheit" angehöre. Die Mitglieder beten täglich ein „Gegrüßet seist du, Maria" mit dem Zusatz : „Heilige Jungfrau Maria, bitte für uns und für die Heidenkinder !" Außerdem spenden sie monatlich einen kleinen Betrag für die Missionen. Der Leitsatz des „Päpstlichen Werkes der heiligen Kindheit" lautet : „Alle Kinder dieser Erden sollen Kinder Gottes werden."

Aufgaben: 1. Welche großen Heidenmissionare kennst du? 2. Wo haben sie den Glauben verkündet ? 3. Welche Glaubensboten haben in unserer engeren Heimat gewirkt ? 4. Welche Missionszeitschriften kennst du ? 5. Welche Missionsorden kennst du ? 6. Was kann unsere Klasse für die Missionen tun ?

53. Die Kirche hält Gottesdienst

In der Apostelgeschichte lesen wir vom Leben der ersten Christen ; „Täglich verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in den einzelnen Häusern das Brot und genossen ihre Speise in Freude und Einfalt des Herzens. Sie priesen Gott und waren beim ganzen Volk beliebt" (Apg. 2, 46 47).

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Der Gottesdienst ist die heiligste Aufgabe der Kirche. Im Gottesdienst lobt und preist die Kirche Gott, dankt ihm für seine Güte, leistet ihm Sühne für die Sünden und bittet ihn um seine Gaben. Der höchste Gottesdienst ist die Feier der heiligen Eucharistie.

Wenn wir zum Gottesdienst versammelt sind, ist Christus in unserer Mitte. Er ist unser Hoherpriester; der Priester am Altar ist nur sein Stellvertreter. — Weil Christus unser Hoherpriester ist, beten und opfern wir „durch Jesus Christus, unsern Herrn".

Im Gottesdienst der Kirche werden wir mit himmlischer Gnade erfüllt. Auch den Menschen, die nicht zur Kirche gehören, wird durch das Gebet der Kirche Licht und Gnade erfleht.

Die Gläubigen sollen den Gottesdienst mitfeiern, indem sie mitbeten und mitopfern; durch die Taufe sind sie dazu berufen und befähigt. Je vollkommener sich die einzelnen beteiligen, um so mehr wird Gott verherrlicht, und um so mehr Gnade empfangen alle von ihm.

Überlege: 1. Was tut die Kirche im Gottesdienst? 2. Wie sollen die Gläubigen beim Gottesdienst mitwirken ? 3. Durch wen betet die Kirche zu Gott ? 4. Was wird uns im Gottesdienst geschenkt ?

100. Welches ist die heiligste Aufgabe der Kirche ?

Die heiligste Aufgabe der Kirche ist der Gottesdienst.

Für mein Leben: Ich will mich eifrig am Gottesdienst unserer Gemeinde beteiligen. - Ich will zum Gottesdienst ein Gebetbuch mitnehmen.

Wort Gottes: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges, Gott zu eigen erworbenes Volk; ihr sollt die Wundertaten dessen verkünden, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat" (1 Petr. 2, 9).

Aus der Lehre der Päpste: „Die Gläubigen sollen nicht fremde und stumme Zuschauer sein, sondern von der Schönheit der heiligen Liturgie innerlich ergriffen werden und so den heiligen Handlungen folgen und ihre Stimme im Wechselgesang mit dem Priester und dem Chor erheben" (Pius XI.).

Prozessionen und Wallfahrten: An bestimmten Tagen, z.B. an den Bitttagen und an Fronleichnam, ziehen wir durch die Straßen und durch die Felder, um unsern Glauben öffentlich zu bekennen, gemeinsam Gott zu loben und seinen Segen herabzuflehen. Solche Umgänge nennen wir Prozessionen. Von alters her pilgern die Gläubigen zu den heiligen Stätten, z. B. nach Rom oder Jerusalem oder zu anderen Orten, an denen Gott das Gebet der Gläubigen besonders sichtbar erhört hat (Gnadenorte). Sie machen Wallfahrten.

Aufgaben: 1. Welche Arten von Gottesdienst kennst du? 2. Wie wirken bei der heiligen Messe mit : a) der Priester, b) die Ministranten, c) der Vorbeter, d) die Sänger, e) der Organist, f) die Gläubigen? 3. Was sollen die Gläubigen tun: a) beim Evangelium, b) beim Dominus vobiscum, c) wenn vorgebetet wird, A) wenn gesungen wird, e) wenn der Priester die Präfation und das Vaterunser singt? 4. Zeichne Geräte, Gewänder und andere Dinge, die beim Gottesdienst gebraucht werden.

54. Die Kirche spendet die heiligen Sakramente

Der heilige Paulus traf in Ephesus Jünger, die noch nichts vom Heiligen Geist gehört hatten. Er fragte sie: „Welche Taufe habt ihr denn empfangen,?" Sie antworteten : „Die Taufe des Johannes." Da sagte Paulus : „Johannes hat die Taufe der Buße gespendet und das Volk gemahnt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme, das heißt : an Jesus." Als sie das hörten, ließen sie sich im Namen des Herrn Jesus taufen. Da legte ihnen Paulus die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie herab (vgl. Apg. 19, 1—7).

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Die Kirche spendet die sieben Sakramente, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben. Sie tauft uns, damit wir von Sünden frei und Kinder Gottes werden. Sie firmt uns, damit wir durch den Heiligen Geist gestärkt werden. Sie nährt uns in der heiligen Eucharistie mit dem Brot des Lebens. Im Sakrament der Buße spricht sie uns los von unsern Sünden. Den Kranken spendet sie die Krankensalbung, damit sie an Leib und Seele gestärkt werden. In der Priesterweihe erteilt sie priesterliche Vollmacht und Gnade zu einem priesterlichen Leben und Wirken. Im Sakrament der Ehe verbindet sie die Brautleute zu einem heiligen Lebensbund.

Zu jedem Sakrament gehört ein äußeres Zeichen, z. B. bei der Taufe die Abwaschung mit Wasser und die dabei gesprochenen Worte. Durch das äußere Zeichen wird eine bestimmte innere Gnade angedeutet und zugleich auch mitgeteilt. Diese heiligen, gnadenspendenden Zeichen sind von Christus eingesetzt.

In den Sakramenten wirkt Christus, unser Hoherpriester; die Menschen, welche die Sakramente spenden, sind seine Werkzeuge. Christus teilt uns in den Sakramenten die Gnade mit, die er uns am Kreuze verdient hat.

Manche Sakramente prägen der Seele ein unauslöschliches Merkmal ein. In der Taufe empfangen wir das Merkmal eines Jüngers Christi, in der Firmung das Merkmal eines Streiters Christi, in der Priesterweihe das Merkmal eines Priesters Christi. Daher können diese Sakramente nur einmal empfangen werden.

Wir müssen die heiligen Sakramente würdig empfangen. Wer die Taufe oder das Sakrament der Buße empfangen will, muss seine Sünden bereuen. Die übrigen Sakramente darf man nur empfangen, wenn man das Gnadenleben bereits hat. — Wer ein Sakrament unwürdig empfängt, empfängt die innere Gnade nicht, sondern begeht eine Todsünde, einen Gottesraub. Wer aber die Sakramente würdig empfängt, schöpft aus den Quellen des Erlösers ewiges Leben. Je größer die Liebe, desto reicher die Gnade.

Überlege: 1. "Welche Gnaden empfangen wir in den einzelnen Sakramenten? 2. Wer wirkt in den Sakramenten? 3. Was deuten die äußeren Zeichen an? 4. Welche Sakramente kann man nur einmal empfangen ? 5. Warum kann man sie nur einmal empfangen? 6. Was wird von dem gefordert, der die Taufe oder das Sakrament der Buße empfangen will ? 7. Was ist notwendig, wenn wir die andern Sakramente empfangen wollen ?

101. Welches sind die sieben Sakramente ?

Die sieben Sakramente sind : 1. die Taufe, 2. die Firmung, 3. die heilige Eucharistie, 4. die Buße, 5. die Krankensalbung, 6. die Priesterweihe, 7. die Ehe.

102. Was gekört zu einem Sakrament ?

Zu einem Sakrament gehören

1. das äußere Zeichen,

2. die innere Gnade,

3. die Einsetzung durch Jesus Christus.

Für mein Leben: Christus bietet mir seine Sakramente in so großer Liebe an; ich will seine Liebe nicht durch Gleichgültigkeit kränken, sondern die Sakramente dankbar empfangen.

Die Zeremonien: Zu den von Christus vorgeschriebenen Zeichen hat die Kirche noch andere sinnbildliche Handlungen hinzugefügt, z. B. die Überreichung des weißen Kleides und der brennenden Kerze bei der Taufe. Die Zeremonien sollen uns die Wirkungen der Sakramente noch deutlicher vor Augen stellen und unsere Andacht vermehren.

Aufgaben: 1. Welche drei Sakramente wurden in alter Zeit den Neubekehrten am gleichen Tage gespendet ? 2. Welche zwei Sakramente sind für besondere Stände der Kirche eingesetzt ? 3. Zeichne Sinnbilder für die einzelnen Sakramente !

55. Die Kirche segnet und weiht

Einst brachten Mütter ihre Kinder zu Jesus, dass er ihnen die Hände auflege und über sie bete. Die Jünger aber fuhren sie hart an. Da sprach Jesus : „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es ihnen nicht; denn solcher ist das Himmelreich." Und er schloss die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie (vgl. Matth. 19, 13-15; Mark. 10, 16).

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Im Auftrage Jesu ruft die Kirche den Segen Gottes auf uns herab und auf Dinge, die wir gebrauchen. Sie segnet Kinder, Mütter, Kranke, die Braut bei der Trauung und die Gläubigen am Ende der heiligen Messe. Sie segnet Haus und Heim, Speise und Trank, Feld und Flur, Tiere und Ställe, Werkstatt und Werkzeuge, Straßen und Brücken, Eisenbahnen, Autos und Flugzeuge.

Manche Menschen und Dinge werden durch einen besonderen Segen der Kirche ganz für Gott und seinen heiligen Dienst bestimmt; sie werden geweiht. Durch solche Segnungen weiht die Kirche z.B. den Abt eines Klosters, Mönche und Ordensfrauen. Sie weiht das Gotteshaus, den Altar, den Kelch und die Patene, die Altartücher und die kirchlichen Gewänder, Wasser und Kerzen, Kreuze und Bilder, Medaillen und Rosenkränze, Orgeln, Glocken und Friedhöfe. Wir müssen die geweihten Personen und Dinge mit besonderer Ehrfurcht behandeln.

Die Kirche spricht manchmal Beschwörungen über Menschen und Dinge, um sie dem Einfluss des Teufels zu entziehen, z. B. über die Täuflinge und über Menschen, die von bösen Geistern besessen sind, ebenso über das Wasser bei der Weihe des Taufwassers und des Weihwassers.

Wenn die Kirche segnet und weiht, macht sie das heilige Kreuzzeichen; es ist das Zeichen unserer Erlösung. Zumeist verwendet sie dabei auch Weihwasser.

Die Segnungen und Weihungen und die geweihten Dinge sind den Sakramenten ähnlich; darum heißen sie Sakramentalien. Sie sind aber nicht, wie die Sakramente, von Christus eingesetzt, sondern von der Kirche. Sie wirken auch nicht, wie die Sakramente, durch eine ihnen von Gott verliehene Kraft, sondern durch die Fürbitte der Kirche.

Wenn die Kirche segnet und weiht, erfleht sie von Gott zumeist das Wohl der Seele und des Leibes sowie Gottes Schutz gegen den bösen Feind. Die Sakramentalien sollen uns helfen, in dieser Welt heilig zu leben und die Dinge zur Ehre Gottes und zu unserm Heile zu gebrauchen.

Wenn wir gesegnet werden oder geweihte Dinge gebrauchen, sollen wir auf die Güte Gottes und auf das Gebet der Kirche vertrauen. Wer die Hilfe nicht von Gott, sondern von den äußeren Zeichen allein erwartet, sündigt durch Aberglauben. — Je andächtiger wir die Segnungen der Kirche empfangen und die geweihten Dinge gebrauchen, um so mehr Gnade empfangen wir von Gott.

Auch die Gläubigen können segnen. Eltern segnen ihre Kinder. Es ist christlicher Brauch, über manche Gegenstände das Kreuzzeichen zu machen, z. B. über das Brot, bevor man es anschneidet. Auch uns selbst können wir segnen, indem wir uns mit dem Kreuz bezeichnen.

Überlege: 1. Von wem hat die Kirche die Vollmacht, zu weihen, zu segnen und den Teufel zu beschwören ? 2. Was segnet die Kirche ? 3. Was weiht die Kirche ? 4. Wozu spricht die Kirche Beschwörungen ? 5. Was wird gewöhnlich bei den Segnungen und Weihungen gebraucht? 6. Wie nennen wir die Segnungen und Weihungen, weil sie den Sakramenten ähnlich sind? 7. Wodurch unterscheiden sie sich von den Sakramenten?

103. Was erfleht die Kirche von Gott, wenn sie segnet und weiht ?

Wenn die Kirche segnet und weiht, erfleht sie von Gott das Wohl der Seele und des Leibes sowie Gottes Schutz gegen den bösen Feind.

Für mein Leben: Morgens beim Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen will ich Weihwasser nehmen und mich mit dem heiligen Kreuzzeichen segnen.

Aus dem Leben der Kirche: „Bei jedem Kommen und Gehen, beim Ankleiden, Waschen, Essen, Schlafengehen und bei allem, was wir tun, drücken wir auf unsere Stirne das Zeichen des Kreuzes" (Tertullian).

Aufgaben: 1. Welche geweihten Dinge befinden sich in christlichen Wohnungen ? 2. Was weiht und segnet die Kirche : a) am Aschermittwoch, b) am Palmsonntag, c) in der Osternacht, d) an Maria Lichtmess, e) an Maria Himmelfahrt ? 3. Wann werden die Häuser gesegnet ? 4. Wozu wird der Blasiussegen erteilt ? 5. Wozu gebraucht man das Weihwasser ? 6. Sorge dafür, dass in deinem Zimmer ein Gefäß mit Weihwasser hängt! 7. Sorge dafür, dass ihr zu Hause geweihte Kerzen habt!

56. Die Hirtenaufgabe der Kirche

Als der heilige Paulus von seiner dritten Missionsreise zurückkehrte, ließ er in Milet die Vorsteher der Gemeinde von Ephesus zu sich kommen, um von ihnen Abschied zu nehmen. Dabei ermahnte er sie: „Habt acht auf euch und auf die ganze Herde, über die euch der Heilige Geist zu Bischöfen bestellt hat, die Kirche Gottes zu weiden, die er sich mit seinem Blut erworben hat" (vgl. Apg. 20, 17-38).

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Die Kirche hat die Hirtenaufgabe, die Gläubigen zu einem christlichen Leben anzuhalten. Sie mahnt und ermuntert uns zum Guten und schützt uns vor Gefahren, die unser ewiges Heil bedrohen; sie gibt uns Gebote und Gesetze. Für manche schwere Sünden hat sie Strafen festgesetzt, um von den Sünden abzuschrecken und die Sünder zur Besinnung zu bringen. Die schwerste Strafe ist der Kirchenbann oder die Exkommunikation; wer exkommuniziert ist, ist dadurch von vielen Gnaden und Rechten, besonders vom Empfang der Sakramente und vom kirchlichen Begräbnis, ausgeschlossen.

Zur Hirtenaufgabe der Kirche gehört auch, dass sie sich der Bedrängten annimmt. Darum sucht sie mit besonderer Liebe allen zu helfen, die in seelischer oder leiblicher Not sind.

Der Papst und die Bischöfe sind die Hirten der Kirche. Sie haben die Vollmacht, Gesetze zu geben und kirchliche Strafen zu verhängen. Christus hat ihnen diese Vollmacht gegeben, als er zu den Aposteln sprach : „Was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein" (Matth. 18, 18). Der oberste Hirt der Kirche ist der Papst. Er ist der Nachfolger des heiligen Petrus, zu dem Jesus gesagt hat: „Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe !" (Joh. 21, 15-17.) — Durch den Papst und die Bischöfe regiert uns Christus, unser himmlischer Hirt.

Die einzelne Pfarrgemeinde leitet der vom Bischof beauftragte Seelsorger (Pfarrer, Kurat, Rektor). — Die Gläubigen sollen ihren Hirten folgen und ihnen in der Hirtenarbeit helfen.

Überlege: 1. Wie hält uns die Kirche zu einem christlichen Leben an? 2. Warum bat die Kirche für manche Sünden Strafen festgesetzt ? 3. Welches ist die schwerste Kirchenstrafe ? 4. Wem hilft die Kirche mit besonderer Liebe ? 5. Wer sind die Hirten der Kirche ? 6. Mit welchen Worten hat Christus den Aposteln und ihren Nachfolgern die Hirtengewalt übertragen ?

104. Wie erfüllt die Kirche ihre Hirtenaufgabe ?

Die Kirche leitet uns zu einem christlichen Leben an.

Für mein Leben: Die Kirche ist meine Mutter? ich will mich stets von ihrer Hand führen lassen, mag sie mir milde oder streng erscheinen.

Wort Gottes: „Lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe" (Matth. 28, 20). — „Wir haben, wie ein Vater seine Kinder, einen jeden von euch ermahnt, aufgemuntert und beschworen, Gottes würdig zu wandeln, der euch zu seinem Reiche und zu seiner Herrlichkeit berufen hat" (1 Thess. 2, 11 12).

Aus der Lehre der Heiligen: „Der kann Gott nicht zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat" (Cyprian).

Kernsatz: In einer Pfarrgemeinde darf niemand ganz verlassen sein.

Aus dem Leben der Kirche: In den Pfarrgemeinden betätigt sich die Hirtenliebe der Kirche: durch Ermahnungen in der Predigt, im Beichtstuhl und im Unterricht; durch Anordnungen, Hausbesuche, Rundbriefe; durch Kirchenzeitung und Filmberatung; durch Laienapostolat, Versammlungen der Pfarrfamilie, Elternabende und Jugendarbeit; durch Krankenpflege, Armenfürsorge und im Kindergarten. Den Hilfsbedürftigen widmen sich vor allem der Caritasverband und die Vinzenz- und Elisabethvereine.

Praktische Aufgaben in der Pfarrgemeinde: Neuzugezogene Katholiken auf den Gottesdienst aufmerksam machen und dem Pfarrer melden; zu den Veranstaltungen der Pfarrei einladen; zum Gottesdienst, zum Religionsunterricht und zur Jugendgruppe abholen; Kindern unchristlicher Eltern von Gott erzählen; katholische Zeitschriften austragen oder für sie werben; schlechten Reden entgegentreten; Notleidenden Pakete schicken; Kranke besuchen; eine Jugendgruppe führen.

57. Die Sorge für die Diaspora

Der heilige Paulus mahnte oft die Gemeinden, die er gegründet hatte, andern Gemeinden zu helfen. In einem Brief stellte er den Korinthern die Gemeinden von Mazedonien als Vorbild hin : „Obschqn sie von schwerer Bedrängnis heimgesucht waren, floss doch aus der Tiefe ihrer Armut ein reicher Strom der Mildtätigkeit." Dann fordert er die Korinther auf: „Zeichnet auch ihr euch in diesem Liebeswerk aus. Liefert einen Beweis für eure Liebe" (2 Kor. 8, 2 24).

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„Diaspora" (d. h. Zerstreuung) nennen wir jene Gegenden, in denen wenige Katholiken zerstreut unter vielen Andersgläubigen oder Ungläubigen leben müssen. Dort fehlt es an Kirchen, Priestern und Katecheten. Der Gottesdienst muss oft in Zimmern, Baracken oder Sälen gehalten werden. Die Gläubigen müssen zum Gottesdienst oft weite Wege zurücklegen. Viele Kinder erhalten nie oder nur unregelmäßig Religionsunterricht. Viele Katholiken in der Diaspora heiraten Andersgläubige oder Ungläubige und werden dadurch dem Glauben entfremdet. Viele sterben ohne die heiligen Sakramente, weil nicht rechtzeitig ein Priester zur Stelle sein kann.

Die Kirche hat die Hirtenaufgabe, ihren bedrängten Kindern in der Diaspora zu helfen. Sie muss sie stärken, damit sie im Glauben treu bleiben, sich gegenseitig stützen und die Fernstehenden für den Glauben gewinnen. Sie muss neue Gemeinden gründen und Kirchen bauen sowie Priester und Seelsorgehelferinnen entsenden. Kelche und Messgewänder, Bücher und Zeitschriften, Fahrzeuge und viele andere Dinge müssen beschafft werden.

Alle Gläubigen müssen den Gemeinden in der Diaspora helfen. Sie sollen für sie beten und sie durch Spenden unterstützen. Die Erwachsenen sollen dem Bonifatiusverein beitreten und für die Diaspora einen regelmäßigen Beitrag spenden. Die Kinder sollen dem Schutzengelverein beitreten; die Mitglieder beten für die Diaspora und spenden monatlich einen kleinen Betrag.

Jeder Katholik muss damit rechnen, dass auch er einmal in der Diaspora leben muss. Darum muss er fähig sein, seinen Glauben zu bekennen, auch wenn er allein steht; er muss imstande sein, Unwissende und Schwache zu belehren und dem Priester beim Gottesdienst und in der Seelsorge zu helfen. Für diese Aufgabe soll sich jeder junge Christ rüsten.

Überlege: 1. Was erschwert das kirchliche Leben in der Diaspora ? 2. Was muss die Kirche für die Diaspora tun? 3. Wie können wir der Diaspora helfen ? 4. Wozu muss jeder Christ in der Diaspora fähig sein ?

Für mein Leben: Die Katholiken in der Diaspora sind meine Brüder und Schwestern. Ich will ihnen durch mein Gebet und durch Geldspenden helfen.

Wort Gottes: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit" (1 Kor. 12, 26).

58. Die eine wahre Kirche

Der heilige Paulus schreibt im Brief an die Epheser : „Ihr seid nicht mehr Fremde und Beisassen, sondern Vollbürger mit den Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten. Jesus Christus aber ist der Eckstein; in ihm fügt sich der ganze Bau zusammen und wächst empor zu einem heiligen Tempel im Herrn. In ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Wohnung Gottes im Geist" (Eph. 2, 19—22).

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Christus hat nur eine einzige Kirche gegründet. Er hat gesagt : „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen" (Matth. 16, 18). Darum gibt es nur eine wahre Kirche.

Die wahre Kirche kann man an bestimmten Eigenschaften erkennen, die Christus ihr gegeben hat. Sie muss einig sein im Glauben, in den Sakramenten und im Oberhaupt. Sie muss heilig sein, weil Christus sie geheiligt hat. Sie muss „katholisch" (d. h. allgemein) sein, weil Christus sie für alle Völker und für alle Zeiten gestiftet hat. Sie muss apostolisch sein, das heißt: ihre Vorsteher müssen rechtmäßige Nachfolger der Apostel sein.

Nur die römisch-katholische Kirche hat diese vier Kennzeichen. Sie ist einig: sie hat überall denselben Glauben, dieselben Sakramente und dasselbe Oberhaupt. Sie ist heilig; das zeigt sich an ihrer heiligen Lehre und ihrem heiligen Wirken, vor allem aber an ihren Heiligen, von denen Gott viele durch Wunder verherrlicht hat. Sie ist katholisch, weil sie die ganze Wahrheit und alle Sakramente bewahrt, von Christus an durch alle Zeiten bestanden hat und sich über die ganze Welt verbreitet. Sie ist apostolisch, weil sie bis auf die Apostel zurückgeht : ihre Bischöfe sind rechtmäßige Nachfolger der Apostel, und ihr Oberhaupt ist der Nachfolger des heiligen Petrus; das zeigt am klarsten, dass sie die wahre Kirche Christi ist.

Die anderen christlichen Glaubensgemeinschaften haben diese vier Kennzeichen nicht. Vor allem sind sie nicht apostolisch: sie sind erst lange nach den Zeiten der Apostel entstanden, ihre Vorsteher sind keine rechtmäßigen Nachfolger der Apostel, und sie haben keine Gemeinschaft mit dem Nachfolger des heiligen Petrus, Deshalb kann keine von ihnen die wahre Kirche Christi sein.

Die katholische Kirche allein hat von Christus den Auftrag und die Mittel empfangen, die Menschen zur ewigen Seligkeit zu führen. Sie allein hat die Vollmacht, das Wort Gottes zu verkünden, das heilige Opfer zu feiern, die Sakramente zu spenden und die Menschen zum christlichen Leben anzuleiten. Darum wird die katholische Kirche die alleinseligmachende genannt.

Die Christen, die einer nichtkatholischen Glaubensgemeinschaft angehören, wissen zumeist nicht, dass die katholische Kirche ihre wahre Heimat ist. Sie haben nicht die volle Wahrheit und sind vielen Irrtümern ausgesetzt; auch müssen sie viele Gnaden entbehren. Aber Christus ist auch für sie gestorben, und die Kirche betet und opfert auch für sie. Darum können auch sie zur ewigen Seligkeit gelangen, wenn sie den Willen Gottes tun, so gut sie ihn erkennen.

Überlege: 1. Aus welchen Worten Jesu können wir erkennen, dass er nur eine einzige Kirche gründen wollte ? 2. Was bedeutet das Wort „katholisch" ? 3. Was bedeutet das Wort „apostolisch" ? 4. Warum muss die wahre Kirche : a) einig, b) heilig, c) katholisch, d) apostolisch sein ? 5. Woran zeigt sich, dass die katholische Kirche : a) einig, b) heilig, c) katholisch, d) apostolisch ist ? 6. Worin zeigt sich am klarsten, dass die römisch-katholische Kirche die wahre Kirche ist ? 7. Warum kann keine der andern christlichen Gemeinschaften die wahre Kirche Christi sein ? 8. Warum wird die katholische Kirche die alleinseligmachende genannt ? 9. Warum können auch die nichtkatholischen Christen gerettet werden ? 10. Was müssen sie tun, damit auch sie zur ewigen Seligkeit gelangen ?

105. Warum gibt es nur eine wahre Kirche?

Es gibt nur eine wahre Kirche, weil Christus nur eine Kirche gegründet hat.

106. Welche Kennzeichen muss die wahre Kirche haben ?

Die wahre Kirche muss einig, heilig, katholisch und apostolisch sein.

107. Welche Kirche hat die vier Kennzeichen der wahren Kirche ?

Nur die katholische Kirche hat die vier Kennzeichen der wahren Kirche.

108. Warum wird die katholische Kirche die alleinseligmachende genannt ?

Die katholische Kirche wird die alleinseligmachende genannt, weil sie allein von Christus den Auftrag und die Mittel empfangen hat, die Menschen zur ewigen Seligkeit zu führen.

Für mein Leben: Ich will Gott von Herzen danken, dass ich in der einen wahren Kirche leben darf. Ich will mich immer froh und furchtlos zu ihr bekennen. — Ich will auch oft darum beten, dass alle getrennten Christen heimfinden zur Gemeinschaft der einen wahren Kirche.

Wort Gottes: Nach dem Letzten Abendmahl betete Jesus: „Lass sie alle eins sein, wie Du, Vater, in mir bist und ich in Dir; so sollen auch sie eins sein, damit die Welt glaube, dass Du mich gesandt hast" (Joh. 17, 21). ,

Weltgebetsoktav: Vom 18.- 25. Januar beten die Christen aller Glaubensgemeinschaften um die Wiedervereinigung im Glauben.

Die römisch-katholische Kirche zählt zur Zeit über 400 Millionen Gläubige.

Die bekanntesten nichtkatholischen christlichen Glaubensgemeinschaften: Im 11. Jahrhundert trennten sich viele Christen in Osteuropa und im Orient von der Gemeinschaft mit dem Papst. Sie nennen sich „Orthodoxe" {d. h. Rechtgläubige). Sie zerfallen in mehrere Landeskirchen und zählen etwa 150 Millionen Gläubige. — Im 16. Jahrhundert trennten sich wiederum viele Christen von der Gemeinschaft der Kirche, vor allem unter Luther, Zwingli, Kalvin und Heinrich VIII., dem König von England (Evangelische, Protestanten, Reformierte, Anglikaner u. a.). Heute zerfallen diese Gruppen in zahlreiche Landeskirchen, Bekenntnisse und Sekten. Sie zählen zusammen ungefähr 200 Millionen Gläubige.

Die unierten Christen: Ein Teil der sogenannten orthodoxen Christen ist zur Einheit der Kirche zurückgekehrt. Sie durften ihren althergebrachten Gottesdienst und viele Bräuche beibehalten. Sie heißen „Unierte" (mit Rom Vereinigte).

59. Die Gemeinschaft der Heiligen

Beim heiligen Opfer gedenkt die Kirche der ganzen Gemeinschaft der Heiligen. Während des Hochgebetes betet sie für alle Gläubigen, besonders für die anwesenden. Danach gedenkt sie der Seligen des Himmels und bittet Gott, er möge uns um ihrer Fürbitte willen seinen Schutz und Beistand schenken. Nach der Wandlung betet sie für die Verstorbenen, dass Gott sie in seinen Frieden aufnehmen möge.

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Die Gläubigen auf Erden bilden eine heilige Gemeinschaft, deren Haupt Christus ist. Sie beten und opfern füreinander, besonders beim gemeinsamen Gottesdienst. Sie haben Anteil am Beten und Opfern der Kirche und an allen Gebeten und guten Werken der Einzelnen, besonders an denen, die sie füreinander verrichten.

Die Gläubigen auf Erden stehen in Gemeinschaft mit den Heiligen im Himmel. Die Heiligen sind unsere Brüder und Schwestern in Christus. Wir feiern ihr Gedächtnis, rufen sie an und folgen ihrem Beispiel. Sie aber preisen Gott mit uns und bitten ihn für uns.

Auch mit den Armen Seelen im Fegfeuer sind wir durch Christus verbunden. Wir helfen ihnen durch Gebet und gute Werke, durch Ablässe und vor allem durch das heilige Messopfer. Sie aber werden sich dankbar erweisen und Gott für uns bitten.

Die Gläubigen auf Erden müssen noch um ihr ewiges Heil kämpfen; sie bilden die streitende Kirche. Die Heiligen des Himmels haben die Siegeskrone bereits erlangt; sie bilden die triumphierende Kirche.

Die Armen Seelen im Fegfeuer müssen noch die Leiden der Läuterung erdulden; sie bilden die leidende Kirche.

Die Gläubigen auf Erden, die Heiligen im Himmel und die Armen Seelen im Fegfeuer bilden zusammen eine große, heilige Gemeinschaft; sie alle sind durch den Heiligen Geist geheiligt und durch ihn miteinander verbunden. Darum heißt ihre Gemeinschaft die Gemeinschaft der Heiligen.

Am Jüngsten Tage wird Christus die streitende und die leidende Kirche mit der triumphierenden Kirche vereinigen. Er wird die ganze Gottesfamilie beim Vater versammeln. Dann ist die Gemeinschaft der Heiligen vollendet.

Überlege: 1. Worin zeigt sich die Gemeinschaft der Gläubigen auf Erden: a) untereinander, b) mit den Heiligen im Himmel, c) mit den Armen Seelen im Fegfeuer ? 2. Wie nennen wir die Gemeinschaft der Gläubigen auf Erden ? 3. Wie nennen wir die Gemeinschaft der Heiligen im Himmel ? 4.Wie nennen wir die Gemeinschaft der Armen Seelen im Fegfeuer ? 5. Warum nennen wir die Gemeinschaft der Gläubigen auf Erden, der Heiligen im Himmel und der Armen Seelen im Fegfeuer die Gemeinschaft der Heiligen? 6. Wie wird Christus die Gemeinschaft der Heiligen vollenden?

109. Wer gehört zur Gemeinschaft der Heiligen? Zur Gemeinschaft der Heiligen gehören :

1. die Christgläubigen auf Erden,

2. die Heiligen im Himmel,

3. die Armen Seelen im Fegfeuer.

Für mein Leben: Das Gute, das ich tue, nützt der ganzen Kirche, und das Böse, das ich tue, schadet ihr; welch große Verantwortung habe ich ! — Ich habe viele unbekannte Freunde unter den Seligen im Himmel und unter den Gläubigen auf Erden; ich will daran denken, dass ich viele Wohltaten durch ihre Fürbitte erlange.

Wort Gottes: „Ich freue mich über die Leiden, die ich für euch erdulde; so ergänze ich an meinem Leib, was von den Leiden Christi noch aussteht, zugunsten seines Leibes, der Kirche" (Kol. 1, 24). — „Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden" (2 Makk. 12, 45).

Aus dem Leben der Kirche: Fast jeden Tag feiert die Kirche das Fest eines Heiligen. Am 1. November feiert sie das Fest Allerheiligen, am 2. November den Gedenktag Allerseelen.

Aufgaben: 1. Für welche Gläubigen sollen wir vor allem beten? 2. Welche Heiligen stehen uns besonders nahe ? 3. Für welche Seelen im Fegfeuer sollen wir vor allem beten ? 4. Suche im Hochgehet der heiligen Messe die Stellen, an denen a) der Lebenden, b) der Heiligen im Himmel, c) der Armen Seelen gedacht wird !

60. Maria ist unsere Mutter und Königin

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt ! Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas. Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen. Wohlan denn unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

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Die allerseligste Jungfrau Maria steht unter allen Heiligen an erster Stelle. Sie durfte bei der Menschwerdung des Erlösers mitwirken. Sie ist die Mutter des Erlösers; weil Jesus unser Bruder ist, ist sie auch unsere Mutter.

Als Jesus am Kreuze sich für uns opferte, stand Maria bei ihm und nahm an seinem Opfer teil. Das Schwert des Schmerzes durchdrang auch ihre Seele. Sie ist die Schmerzensmutter, die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Betrübten.

Nach der Himmelfahrt des Herrn blieb Maria bei der Schar der Gläubigen, betete mit ihnen im Saale zu Jerusalem und empfing mit ihnen am Pfingsttage den Heiligen Geist. In Freud und Leid nahm sie teil am Leben der jungen Kirche. Sie ist die Mutter der Christenheit.

Weil Maria mit ihrem Sohn in seinem Leiden und Sterben so eng verbunden war, sollte sie ihm auch in seiner Herrlichkeit besonders ähnlich sein. Weil sie ganz ohne Sünde war, blieb ihr Leib vor der Verwesung bewahrt. Sie wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.

Im Himmel thront Maria als Königin aller Engel und Heiligen. Sie herrscht mit Christus, ihrem Sohne, über die ganze Welt. Mit barmherziger Mutterliebe umfängt sie alle Brüder und Schwestern ihres Sohnes. Sie ist unsere Herrin und unsere himmlische Mutter, unsere Mittlerin und Fürsprecherin.

Überlege: 1. Warum stellt Maria unter allen Heiligen an erster Stelle ? 2. Warum ist Maria unsere Mutter ? 3. Warum nennen wir Maria die Schmerzensmutter ? 4. Wie hat Maria am Leben der jungen Kirche teilgenommen ? 5. Warum wurde Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen ? 6. Was tut Maria im Himmel für uns ?

110. Wie wurde Maria nach Vollendung ihres Erdenlehens verherrlicht?

Maria wurde nach Vollendung ihres Erdenlebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.

Für mein Leben: Weil ich Jesus liebe, liebe ich auch seine heilige Mutter. Ich will sie als meine Königin ehren, als meine Mutter anrufen und mich ihrem Schutze anvertrauen.

Aus dem Leben der Kirche: Die Kirche feiert das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel am 15. August (Maria Himmelfahrt). — Die Wahrheit von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel ist schon immer im Glaubensschatz der Kirche enthalten gewesen; sie ist am 1. November 1950 von Papst Pius XII, feierlich als Glaubenssatz verkündet worden.

Am 1. November 1954 hat Papst Pius XII. das Fest vom Königtum Märiens eingeführt und seine Feier auf den 31. Mai festgelegt.

Aufgaben: 1. Sammle Bilder, die Ereignisse aus dem Leben Mariens darstellen, vor allem die Verkündigung, Maria unter dem Kreuz, Maria am Pfingsttag, Mariens Tod und Himmelfahrt, Maria als Königin des Himmels ! 2. In welchen Geschichten des Neuen Testaments kommt Maria vor ? 3. Welche Worte Mariens sind uns im Neuen Testament aufbewahrt ? 4. Vergleiche Eva und Maria : worin sind sie einander ähnlich, worin sind sie verschieden ?

VON UNSRER HEILIGUNG IN DER TAUFE

„Nachlass der Sünden" (10. Glaubensartikel).

Wir sollen im Reiche Gottes einst ewig selig werden. Darum müssen wir an Gott glauben, uns taufen lassen und als seine Kinder leben.

61. Die Bekehrung

Als am Pfingsttag die versammelte Menge hörte, dass Christus, den sie verworfen hatten, zur Rechten Gottes thront, durchschnitt es ihnen das Herz. Sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: „Brüder, was sollen wir tun?" Petrus erwiderte: „Bekehret euch, und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; dann werdet ihr den Heiligen Geist empfangen" (vgl. Apg. 2, 37 38).

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Gott lässt durch die Kirche die Frohe Botschaft verkünden und erleuchtet die Menschen, die sie hören. Er öffnet ihnen die Augen ihres Herzens, damit sie ihn erkennen, den allein wahren Gott, und den er gesandt hat, Jesus Christus (vgl. Joh. 17, 3).

Wer die Frohe Botschaft kennenlernt, muss sich von seinen Göttern und Götzen, seinen Irrtümern und Sünden abwenden und sich von ganzem Herzen hinwenden zu Gott, unserm himmlischen Vater, und zu Christus, unserm Erlöser und Herrn. Er muss sich „von den Götzen zu Gott bekehren, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten, Jesus, unsern Retter vor dem kommenden Zorngericht" (vgl. 1 Thess. 1, 9 10).

Die Bekehrung wird durch die Taufe besiegelt. Jesus hat die Taufe geboten mit den Worten : „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet also hin und machet zu Jüngern alle Volker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden" (vgl. Matth. 28, 18 19; Mark. 16, 16). Darum muss jeder, der sich bekehrt, sich taufen lassen.

Überlege: 1. Was tut Gott, damit die Menschen sich bekehren? 2. Was tut ein Mensch, wenn er sich bekehrt? 3. Wodurch wird die Bekehrung besiegelt?

111. Mit welchen Worten hat Jesus die Taufe geboten?

Jesus hat die Taufe geboten mit den Worten : „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet also hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Für mein Leben: Viele Menschen haben die Botschaft Gottes noch nicht vernommen. Ich will täglich darum beten, dass sie sich bekehren und dass Gott so immer mehr verherrlicht werde.

Aus dem Lebender Kirche: In urchristlicher Zeit wurden vor allem Erwachsene getauft. Sehr früh aber ließ man auch schon die Kinder taufen. Die Kindertaufe wurde später allgemeine Pflicht. Christliche Eltern bringen darum ihre Kinder schon bald nach der Geburt zur heiligen Taufe. Sie haben die Pflicht, ihre Kinder im Glauben zu unterrichten und zu einem christlichen Leben anzuleiten.

Aufgaben: 1. Welche biblischen Geschichten berichten von Bekehrungen zum Glauben ? 2. Lies in der Heiligengeschichte die Bekehrung des heiligen Augustinus ! (Fest am 28. August.) 3. Denke dir ein Gebet um die Bekehrung der Heiden aus !

62. Die Spendung der Taufe

Der Diakon Philippus verkündete dem Hofbeamten der Königin von Äthiopien auf der Straße nach Gaza die Frohe Botschaft von Jesus. Als sie so auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. „Da ist ja Wasser", rief der Kämmerer, „was hindert, dass ich getauft werde ?" Philippus erwiderte: „Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, darf es geschehen." Jener bekannte : „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist." Er ließ den Wagen halten, beide stiegen hinab ins Wasser, und Philippus taufte den Kämmerer (vgl, Apg. 8, 26-38).

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Vor der Taufe widersagt der Täufling dem Satan und allen Sünden und bekennt den Glauben an Christus und seine göttliche Lehre; damit gelobt er, als Christ zu leben und zu sterben. Dieses Versprechen nennen wir das Taufversprechen oder das Taufgelübde. Bei der Kindertaufe legen es die Paten im Namen des Kindes ab.

Dann gießt der Taufende Wasser über das Haupt des Täuflings und spricht zugleich die Worte: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." — Die Taufe kann auch durch Untertauchen gespendet werden.

Das Übergießen mit Wasser deutet an, dass die Taufe ein Bad ist, durch das wir von den Sünden gereinigt werden. Die Worte bedeuten, dass wir in der Taufe dem dreieinigen Gott geweiht werden: dem Vater, der uns erschaffen hat, dem Sohn, der uns erlöst hat, und dem Heiligen Geist, der uns heiligt.

Die Taufe soll vom Pfarrer oder seinem Stellvertreter gespendet werden, wenn möglich in der Kirche. Wenn der Täufling in Todesgefahr ist und der Pfarrer nicht schnell genug kommen kann, muss irgendein anderer das Kind taufen. Jeder Mensch kann gültig taufen, wenn er die Taufe spendet, wie, die Kirche es vorschreibt (Nottaufe).

Überlege: 1. Worauf deutet bei der Taufe das Übergießen mit Wasser hin? 2. Was bedeuten die Taufworte ? 3. Wer soll für gewöhnlich die Taufe spenden ? 4. Wo soll die Taufe nach Möglichkeit gespendet werden ? 5. In welchem Fall darf und muss irgendein anderer die Taufe spenden ? 6. Wie spendet man die Nottaufe ?

112. Was gelobt der Täufling vor der Taufe?

Der Täufling widersagt dem Satan und allen Sünden, bekennt den Glauben an Jesus Christus und gelobt, als Christ zu leben und zu sterben.

113. Wie wird die Taufe gespendet?

Der Taufende gießt Wasser über das Haupt des Täuflings und spricht zugleich die Worte : „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

114. Wer kann gültig taufen?

Jeder Mensch kann gültig taufen.

Für mein Leben: Wenn ich Weihwasser nehme, will ich dankbar an meine Taufe denken und andächtig sprechen : „Es segne mich der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist."

Aus dem Leben der Kirche: Am Sonntag besprengt der Priester zu Beginn des Hauptgottesdienstes die Gläubigen mit Weihwasser. Dabei sollen wir unsere Sünden bereuen und an unsere Würde als Getaufte denken.

Die Taufpaten haben ein heiliges Amt. Sie sollen bei der christlichen Erziehung des Kindes mithelfen, vor allem wenn die Eltern vorzeitig sterben oder ihre Elternpflichten nicht erfüllen. Darum müssen die Paten katholisch sein und ihre Pflichten als katholische Christen erfüllen. Vater und Mutter können nicht Paten ihrer eigenen Kinder sein.

Der Taufname: Die Eltern sollen ihrem Kinde den Namen eines Heiligen geben. Dieser Heilige ist dann der Namenspatron des Kindes, sein Vorbild und sein Fürsprecher.

Christlicher Brauch: In einer christlichen Familie sollte jedes Kind seine eigene Taufkerze haben. Sie kann am Tauftag und am Namenstag angezündet werden und vielleicht einmal als Sterbekerze brennen.

Aufgaben: 1. Wo lesen wir in der Apostelgeschichte, dass Neubekehrte getauft wurden ? 2. Zeichne alle Dinge, die bei der Taufe gebraucht werden ! 3. Beschreibe den Taufstein in unserer Pfarrkirche ! 4. Zeichne ihn ! 5. Wann wird das Taufwasser geweiht ? 6. Was machst du, wenn ein ungetauftes Kind in Todesgefahr ist und der Priester nicht rechtzeitig kommen kann ? 7. Wann hast du Namenstag ? 8. Wann ist dein Tauftag ?

DIE FEIERLICHE TAUFE DER KINDER

An der Kirchentür

1. Die ersten Fragen: Der Priester : „Wie soll dieses Kind heißen ?" Die Paten nennen den Namen. Der Priester : „Was begehrst du von der Kirche Gottes ?" Die Paten : „Den Glauben." Der Priester : „Was gewährt dir der Glaube ?" Die Paten : „Das ewige Leben."

2. Beschwörung. Seit der Sünde der ersten Menschen hat der Satan Macht über die Menschen. Darum bläst der Priester dreimal in das Angesicht des Kindes und gebietet dem Satan, zu weichen und dem Heiligen Geist Raum zu geben.

3. Besiegelung mit dem Kreuz. Der Priester zeichnet das Kreuz auf Stirn und Brust des Täuflings,

4. Handauflegung. Der Priester legt dem Täufling die Hand auf und nimmt ihn dadurch für Christus in Besitz.

5. Darreichung des Salzes. Der Priester reicht dem Täufling geweihtes Salz. Wie Salz vor Fäulnis bewahrt, so soll ihn der Glaube vor der Sünde bewahren.

6. Beschwörung. Der Priester befiehlt dem Satan nochmals, vom Täufling abzulassen, er zeichnet auf die Stirn des Täuflings das Kreuz als Siegel Christi und gebietet dem Satan, es nie zu verletzen.

Einzug in die Kirche. Der Priester legt dem Täufling das Ende der Stola auf und führt ihn in das Gottesbaus mit den Worten : „Tritt ein in Gottes Heiligtum, auf dass du Gemeinschaft habest mit Christus zum ewigen Leben."

Vor der Taufkapelle

1. Glaubensbekenntnis und Vaterunser. Alle sprechen gemeinsam das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn.

2. Beschwörung. Der Priester befiehlt dem Satan noch einmal, vom Täufling abzulassen, damit der Täufling nun ein Tempel des lebendigen Gottes werde.

3. Öffnung der Sinne. Der Priester berührt Ohren und Nase des Täuflings und spricht dabei : „Ephpheta" (d. h. öffne dich). Die Sinne des Täuflings sollen für Gott geöffnet werden.

4. Absage an den Satan. Der Priester fragt: „Widersagst du dem Satan?" - „Und all seinen Werken ?" — „Und all seinem Gepränge ?" Jedesmal antworten die Paten : „Ich widersage,"

5. Salbung mit Tauföl. Der Priester salbt den Täufling auf der Brust und zwischen den Schultern mit heiligem Öl. Der Täufling soll für den Kampf gegen den Satan gestärkt werden.

In der Taufkapelle

1. Bekenntnis des Glaubens. Am Taufbrunnen lässt der Priester die Paten noch einmal den Glauben bekennen.

2. Die Taufe. Nun gießt der Priester dreimal in Kreuzesform Taufwasser über das Haupt des Täuflings und spricht dabei die Taufworte.

3. Die Salbung mit Chrisam. Der Priester salbt den Täufling mit Chrisam auf dem Scheitel. Diese Salbung zeigt an, dass der Täufling jetzt ein Christ ist und am Königtum und Priestertum Christi Anteil hat.

4. Das weiße Kleid. Der Priester reicht dem Täufling ein weißes Kleid mit den Worten : „Empfange das weiße Kleid und bring es makellos vor den Richterstuhl unseres Herrn Jesus Christus, auf dass du das ewige Lehen habest."

5. Die brennende Kerze. Der Priester reicht dem Täufling eine brennende Kerze mit den Worten : „Empfange das brennende Licht und untadelig bewahre deine Taufe. Halte die Gebote Gottes. Wenn dann der Herr zur Hochzeit kommt und mit ihm alle seine Heiligen am himmlischen Hof, dann kannst du ihm entgegengehen, und du wirst leben in Ewigkeit." Darauf entlässt der Priester den Täufling mit dem Friedensgruß.

WIE DIE NOTTAUFE GESPENDET WIRD

Wenn ein ungetauftes Kind (oder ein Taufbewerber) in Todesgefahr ist, soll sofort ein Priester gerufen werden. Ist zu befürchten, dass das Kind stirbt, bevor der Priester eintrifft, muss irgendein anderer die Taufe spenden. Es wäre unverantwortlich, die Taufe zu verschieben. Für die Nottaufe genügt gewöhnliches Wasser; doch soll man Weihwasser nehmen, wenn es zur Hand ist. Der Taufende gießt das Wasser über das Haupt des Täuflings und spricht zugleich die Worte : „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Die Nottaufe muss dem Pfarrer gemeldet werden, damit er sie ins Taufbuch eintrage. — Wenn das Kind am Leben bleibt, werden die Zeremonien der feierlichen Taufe nachgeholt.

63. Die Taufe ist die Quelle neuen Lebens

Ein jüdischer Ratsherr, mit Namen Nikodemus, kam bei Nacht zu Jesus, um ihn über das Reich Gottes zu befragen. Jesus sprach zu ihm : „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir : Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht schauen." Nikodemus entgegnete ihm : „Wie kann denn ein Mensch geboren werden, wenn er schon alt ist ? Kann er etwa ein zweites Mal geboren werden ?" Jesus erwiderte : „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, kann er in das Reich Gottes nicht eingehen" (vgl. Joh. 3, 1—5).

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In der Taufe reinigt uns Christus von der Erbschuld sowie allen persönlichen Sünden und er-lässt uns alle Sündenstrafen. Ohne unser Verdienst wird uns alle Schuld vergeben,' weil Christus am Kreuz für uns gestorben ist.

In der Taufe schenkt uns Christus ein neues Leben, das Gnadenleben. Durch dieses Leben sind wir Kinder Gottes, Brüder und Schwestern Christi und Erben des ewigen Lebens. Weil uns in der Taufe ein neues Leben geschenkt wird, heißt die Taufe auch das Sakrament der Wiedergeburt.

In der Taufe nehmen der Vater und der Sohn und der Heilige Geist in uns Wohnung. Der Getaufte ist ein Tempel Gottes.

Wer in der Taufe ein Kind Gottes wird, muss auch als Kind Gottes leben. Dazu gibt ihm Gott neue, bleibende Fähigkeiten, vor allem die göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Außerdem nimmt sich Gott seiner besonders an und schenkt ihm das ganze Leben hindurch viele helfende Gnaden.

In der Taufe prägt Christus unserer Seele ein unauslöschliches Merkmal ein; daher können wir sie nur einmal empfangen. Durch dieses Merkmal wird besiegelt, dass wir Jünger Christi sind, für immer zu ihm gehören und an seiner Aufgabe Anteil haben. Wir werden Glieder seines geheimnisvollen Leibes und in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Wir werden Christen. Als Getaufte erlangen wir das Recht, an der Eucharistiefeier teilzunehmen und die Sakramente zu empfangen.

Vor der Taufe können wir kein anderes Sakrament empfangen. Die Taufe ist das erste Sakrament.

Die Taufe ist auch das notwendigste Sakrament. Christus hat gesagt: „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, kann er in das Reich Gottes nicht eingehen" (Joh. 3, 5). Deshalb schreibt die Kirche vor : „Die Kinder sollen möglichst bald getauft werden" (Can. 770).

Überlege: 1. Was werden wir durch die Taufe ? 2. Warum heißt sie das Sakrament der Wiedergeburt ? 3. Wer nimmt bei der Taufe in uns Wohnung ? 4. Welche Fähigkeiten hat uns Gott in der Taufe gegeben ? 5. Warum können wir die Taufe nur einmal empfangen ? 6. In welche Gemeinschaft werden wir durch die Taufe aufgenommen ? 7. Was schreibt die Kirche über die Taufe der Kinder vor ?

115. Was wirkt Christus in der Taufe?

In der Taufe nimmt Christus alle Sünden und Sündenstrafen von uns weg und schenkt uns das Gnadenleben und viele andere Gnaden.

116. Mit welchen Worten sagt Jesus, dass die Taufe das notwendigste Sakrament ist?

Jesus sagt : „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, kann er in das Reich Gottes nicht eingehen."

Für mein Leben: „Durch das Sakrament der Taufe wurdest du ein Tempel des Heiligen Geistes. Vertreibe nicht durch eine schwere Sünde einen so hohen Gast aus deinem Herzen !" (Papst Leo der Große.)

Wort Gottes: „Wir wurden durch die Taufe mit Christus begraben, damit, wie Christus von den Toten auferweckt ward, auch wir in einem neuen Leben wandeln" (Röm, 6, 4). — „Er hat uns durch sein Blut reingewaschen von unseren Sünden und uns zu einem Königtum gemacht, zu Priestern für Gott, seinen Vater" (Ofib. 1, 5 6).

Aus dem Leben der Heiligen: Der heilige König Ludwig von Frankreich sagte oft : „Die kleine Schlosskapelle, in der ich getauft wurde, gilt mir mehr als der Dom zu Reims, in dem ich zum König gekrönt wurde. Denn in der Taufe wurde ich ein Kind Gottes, und das ist mehr als die Königswürde."

Können die Ungetauften in den Himmel kommen? Wer die Taufe aus eigener schwerer Schuld bis zum Tode ablehnt, kann nicht in den Himmel kommen. — Wer vor der Taufe den Martyrertod stirbt, wird dadurch geheiligt und erhält im Himmel die Martyrerkrone (Bluttaufe). — Wer seine Sünden aus Liebe zu Gott bereut und die Taufe begehrt, jedoch vor der Taufe stirbt, kommt in den Himmel; er wird gerettet durch das Verlangen nach der Taufe (Begierdetaufe). Auch wer nicht weiß, dass Christus die Taufe geboten hat, kann in den Himmel kommen, wenn er seine Sünden aus Liebe zu Gott bereut und bereit ist, alles zu tun, was Gott von ibm will; denn in dieser Bereitschaft ist das Verlangen nach der Taufe eingeschlossen. Alle Ungetauften, die gerettet werden, werden durch die Gnade Christi gerettet.

Aufgaben: 1. Was sagen uns die Lesungen der Osternacht über die Taufe? 2. Welche Rechte haben wir als Getaufte ? 3. Welche Pflichten haben wir als Getaufte ? 4. Zeichne eine Taufkanne, ein Taufkleid und eine Taufkerze ! 5. Sammelt eine Taufspende für ein Heidenkind !

64. Der Glaube

Als Jesus den Juden geoffenbart hatte, dass er ihnen sein Fleisch und Blut zur Speise geben wolle, zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Da fragte Jesus die Zwölf: „Wollt auch ihr gehen?" Simon Petrus antwortete : „Herr, zu wem sollen wir gehen ? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir haben geglaubt nnd erkannt, dass Du der Sohn Gottes bist" (vgl. Joh. 6, 53-69).

Unser himmlischer Vater hat uns seine göttlichen Geheimnisse geoffenbart. Alles, was er sagt, ist wahr; denn er ist die ewige Wahrheit : er kann nicht irren und nicht lügen. Darum müssen wir alles, was Gott geoffenbart hat, gehorsam annehmen, es fest für wahr halten und darauf unser Leben bauen : wir müssen Gott glauben.

Gott hat sich vor allem durch seinen Sohn Jesus Christus geoffenbart. Nur wer ihn kennt, kennt auch den Vater. Darum müssen wir Christi Wort hören und sein heiliges Leben, sein Sterben und seine Verherrlichung betrachten.

Was Gott geoffenbart hat, lehrt uns die katholische Kirche. „Durch die Kirche soll die mannigfache Weisheit Gottes kund werden" (Eph. 3, 10). Darum müssen wir auf die Kirche hören und alles glauben, was sie uns zu glauben befiehlt.

Ohne die Gnade Gottes können wir nicht glauben. Der heilige Paulus sagt : „Durch Gnade seid ihr zum Heil gekommen auf Grund des Glaubens; nicht euer Verdienst ist es es ist Gottes Geschenk" (Eph. 2, 8). Darum müssen wir oft um die Gnade Gottes beten. In der Taufe ist uns durch den Heiligen Geist die Gabe des Glaubens geschenkt worden. Sie ist gleichsam ein neues Auge, mit dem wir schon jetzt die Geheimnisse Gottes wahrnehmen können.

Was wir jetzt glauben, werden wir einst schauen. In der ewigen Heimat wird Gott sich uns von Angesicht zu Angesicht zeigen, und wir werden mit unermesslicher Freude erkennen, wie herrlich und gut er ist.

Überlege: 1. Durch wen hat Gott sich vor allem geoffenbart? 2. Warum müssen wir alles glauben, was uns die Kirche lehrt? 3. Warum müssen wir um den Glauben beten ? 4. Wann werden wir schauen, was wir jetzt glauben ?

117 . Was müssen wir glauben?

Wir müssen alles glauben, was Gott geoffenbart hat.

118. Warum glauben wir alles, was Gott geoffenbart hat?

Wir glauben alles, was Gott geoffenbart hat, weil Gott die ewige Wahrheit ist : er kann nicht irren und nicht lügen.

119. Wer lehrt uns, was Gott geoffenbart hat?

Was Gott geoffenbart bat, lehrt uns die katholische Kirche.

Für mein Leben: Der Glaube macht mich sehend für Gottes verborgene Herrlichkeit. Nie will ich mich durch den Unglauben blind machen lassen !

Wort Gottes: „Selig, die nicht sehen und doch glauben" (Joh. 20, 29). — „Jetzt sehen wir in einem Spiegel, rätselhaft, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt bin" (1 Kor. 13, 12).

Worterklärung: Manchmal bedeutet das Wort „glauben" soviel wie vermuten, z. B. wenn wir sagen : Ich glaube, dass es regnen wird. Wenn wir aber sagen: Ich glaube, was mir mein Freund gesagt hat, dann bedeutet das Wort „glauben": etwas fest für wahr halten auf das Wort eines anderen hin. In diesem Sinne ist das Wort „glauben" gemeint, wenn wir bekennen: Ich glaube, was Gott geoffenbart hat: Wir halten etwas fest für wahr; weil Gott, die ewige Wahrheit, es uns gesagt hat.

Aufgaben: 1. Warum ist Abraham ein Vorbild des Glaubens? 2. Bei welchen Gelegenheiten hat Maria ihren Glauben gezeigt? 3. Wie haben die Apostel und die ersten Christen ihren Glauben bekannt? 4. Nenne Märtyrer und berichte, wie sie ihren Glauben bekannt haben !

65. Vom Leben des Glaubens

Der heilige Paulus schreibt an die Kolosser: „Wir beten und flehen unaufhörlich, ihr möchtet erfüllt werden mit der Erkenntnis seines Willens, mit aller Weisheit und mit geistlichem Verständnis, um würdig des Herrn zu wandeln und ihm in allem wohlzugefallen. Ihr müsst in guten Werken fruchtbar sein und in der Erkenntnis Gottes wachsen" (Kol. 1, 9 10).

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Wir dürfen im Glauben nicht unmündige Kinder bleiben; wir sollen in der Erkenntnis Gottes wachsen. Darum sollen wir vor allem Christus immer besser kennenlernen; „in ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen" (Kol. 2, 3).

Um im Glauben zu wachsen, müssen wir uns im Glauben weiterbilden. Wir sollen darum aufmerksam die Predigt und die Christenlehre hören, eifrig am Religionsunterricht teilnehmen und gern in der Bibel, im Katechismus, im Messbuch und in den Lebensbeschreibungen der Heiligen lesen. Auch durch gute Bücher und Zeitschriften können wir unsern Glauben vertiefen.

Es genügt nicht, dass wir nur im Herzen glauben; wir müssen unsern Glauben auch offen und frei bekennen. Christus sagt: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist" (Matth. 10, 32 33).

Wir sollen unsern Glauben dadurch schützen, dass wir ein christliches Leben führen und alles meiden, was dem Glauben Gefahr bringt. Wer mit glaubenslosen oder glaubensfeindlichen Kameraden vertraut umgeht oder glaubensfeindliche Schriften liest, bringt seinen Glauben in Gefahr. Auch ein stolzes Herz und ein unkeusches Leben führen oft zum Unglauben. — Wer gezwungen ist, in einer glaubenslosen Umgebung zu leben, soll eifrig beten, sich besonders gut im Glauben unterrichten und oft die heiligen Sakramente empfangen.

Gegen den Glauben sündigt, wer den Glauben vernachlässigt oder unnötig in Gefahr bringt, z. B. selten oder gar nicht die Predigt hört, den Religionsunterricht versäumt, glaubensfeindliche Schriften liest oder mit glaubenslosen Menschen verkehrt. — Gegen den Glauben sündigt vor allem, wer freiwillig am Glauben zweifelt oder aus eigener Schuld etwas Falsches glaubt. Am schwersten sündigt gegen den Glauben, wer vom Glauben abfällt oder den Glauben verleugnet, z.B. wer aus der katholischen Kirche austritt.

Wer vom Glauben durchdrungen ist, lebt aus dem Glauben. Er legt sein ganzes Leben vertrauensvoll in Gottes Hand, liebt Gott aus ganzem Herzen und tut alles, was Gott von ihm will. Der Glaube ist wie eine Wurzel, aus der alle andern Tugenden hervorwachsen.

Überlege: 1. Warum müssen wir uns im Glauben weiterbilden ? 2. Wie können wir uns im Glauben weiterbilden ? 3. Wodurch sollen wir unsern Glauben schützen ? 4. Was bringt unsern Glauben in Gefahr ? 5. Was hat der zu tun, der in glaubensloser Umgebung leben muss ? 6. Wer sündigt gegen den Glauben ? 7. Warum können wir den Glauben mit einer Wurzel vergleichen ?

120. Mit welchen Worten verlangt Jesus, dass wir unsern Glauben bekennen? Jesus sagt : „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist."

Für mein Leben: Andere müssen mühsam nach der Wahrheit, die Gott geoffenbart hat, suchen. Mir ist sie von Kindheit an geschenkt. Ich will sie so gut kennenlernen, dass ich sie andern weitergeben kann.

Wort Gottes: „Wie der Leib ohne Seele tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot" (Jak. 2, 26).

Glaubenszweifel — Glaubensversuchung — Glaubensschwierigkeit: Wer freiwillig über eine Glaubenswahrheit denkt : „Vielleicht ist das gar nicht wahr", hat einen Glaubenszweifel; er sündigt. — Gedanken gegen den Glauben, denen wir nicht zustimmen, sind Versuchungen gegen den Glauben; sie sind keine Sünde. — Wer meint, eine Glaubenswahrheit stehe im Widerspruch zu einer andern Wahrheit, hat eine Glaubensschwierigkeit; er soll die Schwierigkeit zu klären versuchen. Freilich können wir die Geheimnisse unseres Glaubens auf Erden nie ganz begreifen.

Aufgaben: 1. Wodurch können wir unsern Glauben verlieren? 2. Welche Bücher über den Glauben habt ihr zu Hause ? 3. Welche religiösen Zeitschriften kennst du ? 4. Was zeigt in unserer Wohnung, dass wir katholische Christen sind ? 5. Bei welchen Gelegenheiten bekennen wir unsern Glauben ? 6. Durch welche Zeichen bekennen wir ihn ? 7. Mit welchen Worten können wir unsern Glauben erwecken ?

66. Die Hoffnung

Der heilige Paulus schrieb kurz vor seinem Tode aus dem Gefängnis an seinen Schüler Timotheus : „Ich bin daran, hingeopfert zu werden; die Zeit meines Hinscheidens ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Nun liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage geben wird; und nicht nur mir, sondern auch allen, die seine Wiederkunft in Liebe ersehnen. Der Herr hat mir beigestanden und mich gestärkt. Er wird mich auch weiter allen bösen Anschlägen entreißen und heimholen in sein himmlisches Reich. Ihm sei Ehre in alle Ewigkeit. Amen" (2 Tim. 4, 6-8 17 18).

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Gott hat uns, seinen Kindern, „die kostbarsten und größten Verheißungen geschenkt" (2 Petr. 1, 4). Er ist allmächtig und gütig und hält, was er verspricht. Darum erwarten wir von ihm voll Vertrauen alles, was er uns versprochen hat : wir hoffen auf Gott.

Eine sichere Gewähr dafür, dass unsere Hoffnung erfüllt wird, bietet uns unser Erlöser Jesus Christus, sein Wort, sein Tod und seine Auferstehung. „In ihm haben wir Zuversicht und können uns Gott voll Vertrauen nahen" (Eph. 3, 12).

Damit wir von Gott himmlische Güter erhoffen können, hat er uns in der Taufe durch den Heiligen Geist die Gabe der Hoffnung geschenkt. Der Heilige Geist gibt uns die Kraft, für den himmlischen Siegespreis alles zu wagen und alles zu dulden.

Gott hat uns vor allem die himmlischen Güter versprochen. „Das ist es, was er uns verheißen hat: das ewige Leben" (1 Job.. 2, 25). Darum hoffen wir, dass er uns einst die ewige Seligkeit schenken wird und schon jetzt die Verzeihung unserer Sünden und seine Gnade.

Gott will uns auch die irdischen Güter geben, die wir auf dem Weg zum Himmel nötig haben. Darum hoffen wir, dass er uns Gesundheit, Nahrung, Kleidung und anderes geben wird, wie es für uns heilsam ist; auch in Armut, Krankheit und Not vertrauen wir, dass Gott alles zum Besten lenkt; wir legen unser Leben voll Vertrauen in seine Hand.

Wer zu wenig auf Gott vertraut, sündigt durch Kleinmut. — Wer gar nicht mehr hofft, sündigt durch Verzweiflung. — Wer etwas von Gott erwartet, was sich mit Gottes Heiligkeit nicht verträgt, sündigt durch Vermessenheit, z. B. wer ohne Scheu sündigt, weil er denkt: Gott wird mir schon vergeben.

Wer seine Hoffnung auf Gott gesetzt hat, lebt aus der Hoffnung. Er trägt schon jetzt etwas von der himmlischen Freude in sich; er betet beharrlich in allen Anliegen; er hält in Versuchung, Trübsal und Leid geduldig aus; er setzt sich tapfer für das Reich Gottes ein und bemüht sich mit allen Kräften, sein ewiges Ziel zu erreichen.

Überlege: 1. Wer ist die sichere Gewähr dafür, dass unsere Hoffnung erfüllt wird ? 2. Was dürfen wir außer den himmlischen Gütern von Gott erhoffen ? 3. Was hat uns Gott geschenkt, damit wir seine himmlischen Gaben erhoffen können ? 4. Wer sündigt durch Kleinmut ? — wer durch Verzweiflung ? — wer durch Vermessenheit ? 5. Was tut ein Mensch, der aus der Hoffnung lebt ?

121. Warum hoffen wir auf Gott?

Wir hoffen auf Gott, weil er allmächtig und gütig ist und hält, was er verspricht.

122. Was erhoffen wir von Gott vor allem?

Wir erhoffen von Gott vor allem die Verzeihung unserer Sünden, seine Gnade und die ewige Seligkeit.

Für mein Leben: In jeder Not und in jeder Schuld will ich mein ganzes Vertrauen auf Gott setzen.

Wort Gottes: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich" (Luk. 1, 37). — „Sorget euch nicht und saget nicht : Was werden wir essen ? oder : Was werden wir trinken ? oder : Womit werden wir uns bekleiden ? Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles nötig habt. Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; so wird euch dies alles hinzugegeben werden" (Matth. 6, 31—33). — „Werfet alle eure Sorge auf den Herrn, denn er sorgt für euch" (1 Petr. 5, 7).

Aufgaben: 1. Abraham, Job, David, die makkabäische Mutter und ihre Söhne hofften auf Gott. Wie zeigte sich das ? 2. Kain, Moses und Judas sündigten gegen die Hoffnung. Wodurch ? 3. Warum nennen die Psalmen Gott : „meine Burg" — „meine Zuflucht" — „mein Schild" — „mein Licht" — „mein Fels" ? 4. Zeichne diese Sinnbilder Gottes ! 5. Warum ist der Anker ein Sinnbild der Hoffnung ? 6. Mit welchen Worten können wir die Hoffnung erwecken?

Vertrau auf Gott und laß ihn walten :
er wird dich wunderbar erhalten.

67. Die Liebe zu Gott

Der Apostel Johannes schreibt: „Die Liebe Gottes ist dadurch unter uns offenbar geworden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm" (1 Joh. 4, 9 16).

Gott hat uns schon geliebt, bevor wir ihn lieben konnten. Aus Liebe hat der Vater uns erschaffen und dazu bestimmt, in seinem Reiche ewig selig zu werden; aus Liebe hat er seinen Sohn für uns hingegeben, um uns von unsern Sünden zu erlösen; aus Liebe hat er uns den Heiligen Geist ins Herz gesenkt und uns zu seinen Kindern gemacht. Ohne Unterlass spendet er uns Gnaden und Wohltaten. Gott ist unendlich gut und heilig; er verdient unsere Liebe mehr als alle Menschen und alle Güter der Erde. Darum müssen wir. Gott höher schätzen als alles in der Welt, sogar höher als unsere Eltern; wir müssen bereit sein, eher alles zu verlieren, als uns durch eine Todsünde von ihm zu trennen. Wir müssen Gott über alles lieben.

Die Liebe und Güte Gottes ist uns vor allem in Jesus Christus offenbar geworden. Aus Liebe hat Jesus sich der Sünder erbarmt; aus Liebe zu uns ist er am Kreuz gestorben; er ist unser Bruder und unser bester Freund. Darum lieben wir auch Jesus über alles.

Damit wir Gott als seine Kinder lieben können, hat er uns in der Taufe durch den Heiligen Geist die Gabe der Liebe geschenkt. „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsern Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Röm. 5, 5).

Unsere Liebe zu Gott zeigt sich darin, dass wir oft an ihn denken, gern mit ihm sprechen und in allem seinen Willen erfüllen. „Darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten" (1 Joh. 5, 3). Die Gottesliebe zeigt sich vor allem in der Nächstenliebe : wer den Nächsten nicht liebt, hat auch keine wahre Liebe zu Gott.

Weil Gott so gut ist und uns so sehr liebt, ist es Sünde, wenn man gegen ihn gleichgültig ist, Abneigung gegen ihn hegt oder gar ihn hasst. Der Gotteshass ist die schwerste Sünde.

Die Liebe ist die größte unter allen Tugenden. Was wir jetzt glauben, werden wir einst schauen; was wir jetzt erhoffen, werden wir einst besitzen. Die Liebe aber wird in Ewigkeit bleiben. Darum sollen wir vor allem danach streben, Gott zu lieben.

Überlege: 1. Wodurch hat uns Gott seine Liebe gezeigt? 2. Warum lieben wir Jesus ? 3. Was hat uns Gott geschenkt, damit wir ihn lieben können? 4. Worin zeigt sich unsere Liebe zu Gott ? 5. Wer sündigt gegen die Gottesliebe ? 6. Was ist die schwerste Sünde ? 7. Warum sollen wir vor allem danach streben, Gott zu lieben ?

123. Wann lieben wir Gott über alles ?

Wir lieben Gott über alles, wenn wir bereit sind, eher alles zu verlieren, als uns durch eine schwere Sünde von ihm zu trennen.

124. Warum lieben wir Gott über alles?

Wir lieben Gott über alles,

1. weil er uns zuerst geliebt hat,

2. weil er unendlich gut und aller Liebe würdig ist.

Für mein Leben: Durch alle guten Gaben, die ich empfange, zeigt Gott mir seine Liebe. Ich will ihm oft danken und seine Liebe von ganzem Herzen erwidern.

Wort Gottes: „Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten" (Röm. 8, 28). — „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor, 2, 9). — "Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt" (Joh. 14, 21).

Gebete: „Mein Jesus, gib mir die große Gnade, dass ich oft an Dich denke, gern mit Dir spreche und immer mit Dir verbunden bleibe." — „Mein Gott, ich liebe Dich." — „Mein Gott und mein Alles." — „Mein Jesus, alles für Dich." — „Mein Herr und mein Gott !" — „Herr, Du weißt alles, Du weißt auch, dass ich Dich liebe" (Joh. 21, 17). — „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe."

Aufgaben: 1. Wie haben ihre Liebe zu Gott gezeigt : Maria — Stephanus — Franz von Assisi — Elisabeth — Franz Xaver — Vinzenz von Paul — Johannes Bosco — Maria Goretti ? 2. Mit welchen Worten können wir die Liebe zu Gott erwecken ?

Die Lieb' ist Flut und Glut : kann sie dein Herz empfinden,

so löscht sie Gottes Zorn und brennt hinweg die Sünden.

ANGELUS SILESIUS

68. Die Liebe zum Nächsten

Jesus erzählte einem Gesetzeslehrer das Gleichnis von dem Mann, der unter die Räuber gefallen war. Er sprach: „Ein Samariter, der des Weges zog, sah ihn und ward von Mitleid gerührt. Er trat hinzu, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn in eine Herberge und sorgte für ihn." Jesus schloß mit den Worten : „Geh hin und tu desgleichen ! (Vgl. Luk. 10, 25-37.)

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Gott liebt alle Menschen. Jeder Mensch ist als Ebenbild Gottes geschaffen, durch Christi Blut erlöst und zur ewigen Seligkeit berufen. Darum müssen wir alle Menschen lieben: wir müssen unsern Mitmenschen von ganzem Herzen gut sein und ihnen nach -Kräften an Leib und Seele Gutes tun.

Wir müssen unsern Nächsten auch um Christi willen lieben. Christus betrachtet alle Menschen als seine Brüder und Schwestern. Er hat gesagt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Was ihr dem Geringsten meiner Brüder nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan" (Matth. 25, 40 45).

Wir dürfen niemand von unsrer Liebe ausschließen, auch wenn er eine andere Sprache redet, zu einer anderen Rasse gehört oder eine andere Religion hat.

Als Kinder Gottes und Jünger Christi müssen wir sogar unsere Feinde lieben. Christus sagt : „Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, welche euch verfolgen und verleumden; dann werdet ihr Kinder eures Vaters sein, der im Himmel ist, der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte" (Matth. 5, 44 45). Christus selbst hat am Kreuze für seine Feinde gebetet : „Vater, vergib ihnen ; denn sie wissen nicht, was sie tun" (Luk. 23, 34). Der heilige Stephanus und viele andere sind dem Beispiel Jesu gefolgt.

Wenn uns jemand beleidigt hat, sollen wir die Hand zur Versöhnung bieten und von Herzen verzeihen; Gott hat uns viel mehr zu verzeihen. Nachdem wir einmal verziehen, haben, dürfen wir nichts nachtragen. — Wenn aber wir jemand beleidigt oder gekränkt haben, sollen wir möglichst bald um Verzeihung bitten und unser Unrecht wiedergutmachen.

Die Gläubigen sind in der Familie Gottes unsere Brüder und Schwestern. Darum sollen wir sie besonders lieben. Der heilige Paulus sagt : „Tut Gutes allen, besonders aber den Glaubensgenossen" (Gal. 6, 10). Daran sollen wir denken, wenn für unsere Glaubensbrüder gesammelt wird.

Die Eltern, Geschwister und Verwandten, unsere Freunde und Wohltäter und die Glieder unseres Volkes stehen uns besonders nahe; wir dürfen und sollen auch sie besonders lieben.

Gegen die Liebe sündigen jene, die keine oder zu wenig Liebe zum Nächsten haben. Sie beten nicht für ihre Mitmenschen, kümmern sich nicht um sie, sind lieblos, unfreundlich oder grob gegen sie, kränken sie oder verbittern ihnen gar das Leben. — Wer dem Nächsten eine Gabe Gottes nicht gönnt, z. B. Gesundheit, Begabung, Reichtum, Ehre und Glück, sündigt durch Neid. — Wer sich über das Unglück des Nächsten freut, sündigt durch Schadenfreude. — Noch schlimmer verletzt die Liebe, wer sich an seinem Nächsten rächt. — Die schlimmsten Sünden gegen die Nächstenliebe sind Feindschaft und Hass. Der heilige Johannes schreibt: „Wer seinen Bruder hasst, ist ein Mörder" (1 Joh. 3, 15).

Überlege: 1. Worin muss sich unsere Nächstenliebe zeigen ? 2. Mit welchen Worten sagt Jesus, dass wir im Nächsten ihn selbst lieben ? 3. Warum sollen wir verzeihen ? 4. Was müssen wir tun, wenn wir jemand beleidigt haben ? 5. Wen dürfen und sollen wir besonders lieben ? 6. Nenne Sünden gegen die Nächstenliebe ! 7. Wer sündigt durch Neid ? — wer durch Schadenfreude ? — wer durch Rachsucht ?

125. Warum müssen wir alle Menschen lieben ?

Wir müssen alle Menschen lieben, weil jeder Mensch als Gottes Ebenbild erschaffen, durch Christi Blut erlöst und zur ewigen Seligkeit berufen ist.

126. Mit welchen Worten verlangt Jesus, dass wir auch unsere Feinde lieben?

Jesus sagt : „Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, welche euch verfolgen und verleumden; dann werdet ihr Kinder eures Vaters sein, der im Himmel ist, der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte."

Für mein Leben: Jeden Tag ein kleines Werk der Nächstenliebe ! Und wie ? G anz einfach : helfen, teilen, Freude machen.

Wort Gottes: „Wenn ihr nur jene liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr davon ? Tun das nicht auch die Zöllner ? Und wenn ihr bloß eure Freunde grüßt, was tut ihr da Besonderes ? Tun das nicht auch die Heiden ? Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist" (Matth. 5, 46—48). — „Wer Gott liebt, muss auch seinen Bruder lieben" (1 Joh. 4, 21). — „Ein neues Gebot gebe ich euch : dass ihr einander liebet. Wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe zueinander habt" (Job, 13, 34 35). — „Vergeltet niemand Böses mit Bösem" (Röm. 12, 17).

Die „Goldene Regel": „Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg auch keinem andern zu !" (Tob. 4, 16.) — Jesus sagt : „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun" (Matth. 7, 12).

Die Werke der Barmherzigkeit: Die Nächstenliebe zeigt sich besonders in den leiblichen und geistigen Werken der Barmherzigkeit (vgl. die Lehrstücke 118 und 119).

Aufgaben: 1. Wie hat Maria die Nächstenliebe geübt ? 2. Nenne Beispiele heldenhafter Nächstenliebe aus dem Leben der Heiligen ! 3. Nenne solche Beispiele aus dem Leben anderer Menschen ! 4. Wie kann in der Pfarrei die Nächstenliebe geübt werden ? 5. Wie kannst du die Nächstenliebe üben : a) zu Hause, b) in der Schule, c) beim Spiel, d) in der Kirche, e) am Arbeitsplatz ? 6. Wie kannst du deinem Nächsten in der Krankheit Liebe erweisen ? 7. Wer bat unsere Liebe besonders nötig ?

69. Die Nachfolge Christi

Am Tage nach der Taufe Jesu sah Johannes, wie Jesus des Weges kam ; da sprach er zu zweien seiner Jünger: „Sehet, das Lamm Gottes!" Als die beiden Jünger das hörten, folgten sie Jesus. Da wandte sich Jesus um, und als er sie nachkommen sah, redete er sie an : „Was sucht ihr ?" Sie sprachen zu ihm: „Meister, wo wohnst du?" Er antwortete: „Kommt und seht!" Da gingen sie mit ihm und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde (vgl. Joh. 1, 35-39).

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Christus ruft uns auf, ihm nachzufolgen. Er ist unser Meister und lehrt uns durch sein Wort und Beispiel. Er lebt in uns und spendet uns Licht und Kraft. Er ist unser bester Freund und geht mit uns durch alle Dunkelheiten unseres Lebens. Er sagt: „Wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finstern, sondern hat das Licht des Lebens" (Joh. 8, 12).

Wenn wir Christus nachfolgen, kümmern wir uns zuerst um die Ehre Gottes, unser ewiges Heil und das Heil unsrer Mitmenschen. Christus sagt : „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; so wird euch dies alles hinzugegeben werden" (Matth. 6, 33).

Wenn wir Christus nachfolgen, müssen wir ihm ganz angehören. „Niemand kann zwei Herren dienen" (Matth. 6, 24). Darum müssen wir seine Gebote halten und uns bemühen, alle Sünden, auch die kleinsten, zu meiden.

Wir können Christus nicht nachfolgen, wenn wir nicht Opfer bringen. Christus sagt : „Wer sein Kreuz nicht trägt und mir nicht nachfolgt, kann mein Jünger nicht sein" (Luk. 14, 27). Wenn wir ihm aber auf seinem Kreuzweg folgen und tapfer aushalten, verheißt er uns : „Den Sieger lasse ich mit mir auf meinem Throne sitzen" (Offb. 3, 21),

Der Jünger Jesu sucht wie sein Meister nicht die eigene Ehre. Er ist demütig: er hält sich vor Gott für gering und ist bescheiden und dienstbereit gegen seinen Nächsten. Christus sagt : „Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen" (Matth. 11, 29). Der heilige Paulus schreibt : „Seid so gesinnt wie Christus Jesus : er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an" (Phil. 2, 5 7).

Christus will uns zur Vollkommenheit führen. Er fordert uns auf: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist" (Matth. 5, 48). Er ist selbst das höchste Vorbild der Vollkommenheit; er ist der Abglanz der Heiligkeit Gottes. Die Vollkommenheit zeigt sich vor allem in unserer Liebe zu Gott und dem Nächsten.

Wenn wir mit Christus verbunden sind, tragen wir Frucht für das ewige Leben. Durch jedes gute Werk, das wir im Stande der Gnade verrichten, verdienen wir uns Vermehrung der Gnade auf Erden und ewigen Lohn im Himmel. Christus sagt: „Freuet euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß im Himmel" (Matth. 5, 12).

Überlege: 1. Wie hilft uns Christus, ihm nachzufolgen? 2. Worum sorgt sich der Jünger Christi vor allem? 3. Was müssen wir als Jünger Christi meiden? 4. Wozu müssen wir als Jünger Christi bereit sein ? 5. Worin zeigt sich die Demut eines wahren Jüngers Christi ? 6. Was verdienen wir uns durch die guten Werke, die wir im Stande der Gnade verrichten ?

127. Mit welchen Worten fordert Jesus uns auf, vollkommen zu sein ?

Jesus sagt : „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist."

128. Wer ist das höchste Vorbild der Vollkommenheit ?

Das höchste Vorbild der Vollkommenheit ist Jesus Christus.

Für mein Leben: Frage dich oft, besonders vor wichtigen Entscheidungen: Was würde an meiner Stelle Jesus tun ?

Wort Gottes: „Wenn jemand mir dienen will, so folge er mir, und wo ich bin, da soll auch mein Diener sein" (Joh. 12, 26). — „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir" (Luk. 9, 23). — „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe" (Joh. 13, 15),

Aus der Lehre der Heiligen: „Wir tragen den Namen ,Christ' umsonst, wenn wir nicht Nachfolger Christi sind" (Leo der Große).

Aufgabe: Lies die Lehrstücke 24 und 25 und schreibe auf, worin du Christus vor allem nachahmen kannst !

VOM GEBET

Weil wir Kinder Gottes sind, dürfen wir mit Gott sprechen wie Kinder mit ihrem Vater. Der heilige Paulus schreibt : „Ihr seid Söhne; Gott sandte ja den Geist seines Sohnes in unser Herz, der da ruft: Abba, Vater" (Gal. 4, 6).

70. Jesu lehrt uns beten

Einst hatte Jesus zu seinem himmlischen Vater gebetet. Danach trat einer von seinen Jüngern heran und bat ihn : „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat." Da sprach Jesus : „So sollt ihr beten :

Vater unser, der Du bist im Himmel,
geheiligt werde Dein Name;
zu uns komme Dein Reich;
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben
unsern Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Übel."
(Vgl. Luk. 11, 1-4; Matth. 6, 9-13.)

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Wenn wir beten, erheben wir unser Herz zu Gott und sprechen mit ihm. Wir loben und preisen ihn, sagen ihm Dank und bitten ihn um seine Gaben.

Damit wir lernen, wie wir beten sollen, hat Jesus uns das Vaterunser gelehrt. Weil es von unserm Herrn stammt, nennen wir es auch das „Gebet des Herrn". Es ist das vortrefflichste Gebet. — Das Vaterunser besteht aus einer Anrede und sieben Bitten.

Wir beginnen mit den Worten : „Vater unser, der Du bist im Himmel". Wir sind Kinder Gottes; darum dürfen wir vertraulich mit ihm sprechen, obwohl er der hochheilige Herr des Himmels und der Erde ist.

Zuerst beten wir um das, was Gott gebührt: dass sein Name verherrlicht und gepriesen werde; dass sein Reich komme und er allein über uns herrsche; dass sein heiliger Wille nicht nur von den Engeln und Heiligen des Himmels erfüllt werde, sondern auch von den Menschen auf Erden.

Dann beten wir um das, was wir Menschen nötig haben : dass Gott uns das tägliche Brot gebe und alles, was wir zum Leben brauchen; dass er uns die Sünden vergebe, wie auch wir bereit sind, allen zu vergeben, die sich gegen uns verfehlt haben; endlich bitten wir, dass er uns gnädig vor Versuchungen bewahre, denen wir nicht gewachsen sind, und dass er uns vom Bösen und allem Übel befreien möge.

Jesus lehrt uns durch das Vaterunser, dass uns beim Beten vor allem die Ehre Gottes am Herzen liegen soll. Für uns aber sollen wir besonders das erflehen, was uns zu unserm ewigen Heile dient.

Es ist eine große Auszeichnung, dass wir zu Gott beten dürfen. Im Gebet dürfen wir hintreten vor den König aller Könige und einstimmen in das Lob der Engel und Heiligen; wir dürfen mit Gott sprechen als seine geliebten Kinder.

Das Beten ist aber auch unsere Pflicht. Wir schulden es Gott, denn er ist unser Herr und Vater; er selbst hat es uns geboten und uns dazu in der Taufe besonders berufen; auch erlangen wir ohne das Beten nicht alle Gnaden, die wir nötig haben, um selig zu werden.

Überlege: 1. Warum dürfen wir zu Gott „Vater" sagen ? 2. Worum bitten wir in den drei ersten Bitten des Vaterunsers ? 3. Worum bitten wir in den vier letzten Bitten ?

129. Was heißt beten ?

Beten heißt : sein Herz zu Gott erheben, um ihn zu loben, ihm zu danken oder ihn um etwas zu bitten.

130. Warum beten wir ?

Wir beten

1. weil Gott unser Herr und Vater ist,

2. weil wir ohne das Gebet nicht selig werden können.

131. Worum sollen wir vor allem beten?

Wir sollen vor allein darum beten, dass Gott verherrlicht werde und dass wir Menschen das ewige Heil erlangen.

Für mein Leben: Ich will jeden Tag wenigstens einmal das Vaterunser beten. — Ich will manchmal eine einzelne Bitte des Vaterunsers ganz langsam wiederholen.

Aus der Lehre der Heiligen: „Nur der weiß recht zu leben, der recht zu beten weiß" (Augustinus). — „Ein einziges Vaterunser, andächtig gebetet, ist besser als viele, die man hastig und gedankenlos herunterleiert 66 (Franz von Sales).

Die Arten des Betens: 1.Wir können mit eigenen Worten beten, so wie es uns das Herz eingibt. Wir können aber auch ein feststehendes Gebet sprechen; ein solches Gebet ist das Vaterunser.

2. Wir können mündlich beten, d. h. im Herzen und mit dem Munde, oder innerlich, d. h. nur im Herzen.

3. Wir können auch beten, indem wir langsam und besinnlich in der Heiligen Schrift lesen, uns eine Begebenheit aus dem Leben Jesu vor Augen stellen, ein heiliges Bild anschauen oder die Werke Gottes in der Natur fromm bewundern und mit Gott darüber sprechen. Solches Beten nennen wir betrachtendes Beten. Auch den Kreuzweg und den Rosenkranz sollen wir betrachtend beten.

Das Gebetbuch: Ein gutes Gebetbuch kann uns viel dazu helfen, gut zu beten. Wenn wir nie ein Gebetbuch benutzen, wird unser Gebet eintönig und arm. Die wichtigsten Gebetbücher sind das Diözesangebetbuch und das Messbuch.

Aufgaben: 1. Welche Lob- und Dankgebete kennst du ? 2. Welche Lob- und Danklieder kennst du ? 3. Nenne Gebete, in denen wir um Vergebung der Sünden bitten ! 4. Nenne andere Bittgebete! 5. Drücke die einzelnen Bitten des Vaterunsers mit eigenen Worten aus! 6. Schreibe das Vaterunser schön in einer Kunstschrift!

71. Wie wir beten sollen

In der Nacht vor seinem Leiden ging Jesus mit seinen Jüngern an den ölberg. Als er dort angekommen war, sagte er : „Betet, dass ihr nicht in Versuchung fallet !" Dann entfernte er sich von ihnen etwa einen Steinwurf weit, warf sich auf die Knie und betete : „Vater, wenn Du willst, lass diesen Kelch an mir vorübergehen ! Doch nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine !" Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Als er in Angst geriet, betete er noch inständiger (vgl. Luk. 22, 39—44).

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Wenn wir beten, muss unser Herz bei Gott sein. Wir müssen daran denken, mit wem wir sprechen, und auf das achten, was wir ihm sagen. Dann beten wir andächtig. — Um andächtig beten zu können, müssen wir uns sammeln und alles meiden, was uns ablenkt. Solange wir uns bemühen, andächtig zu beten, beten wir gut, auch wenn zerstreuende Gedanken uns immer wieder ablenken.

Wir sollen beim Beten daran denken, dass Gott unser Herr und Schöpfer ist und dass wir als schwache, sündhafte Geschöpfe ganz auf seine Gnade angewiesen sind. Dann beten wir demütig.

Beim Beten sollen wir uns Gott und seinem heiligen Willen ganz unterwerfen und es ihm überlassen, wann und wie er uns erhören will; dann beten wir gottergeben.

Weil Gott unser gütiger Vater ist, dürfen wir uns in allen Nöten an ihn wenden. Er erhört uns immer; allerdings erfüllt er unsere Bitten oft anders, als wir es erwarten; denn er weiß besser als wir, was für uns gut ist. Wenn wir fest darauf vertrauen, dass Gott uns erhört, beten wir vertrauensvoll.

Oft fällt uns das Beten schwer, weil wir müde oder träge sind oder weil Gott uns nicht sogleich erhört. Wir dürfen dann nicht nachlassen, sondern sollen fortfahren zu beten; wir sollen beharrlich beten. Auch Christus hat am Ölberg nicht aufgehört zu beten; er verharrte im Gebet, obwohl seine Seele bis zum Tode betrübt war.

Wenn wir gut beten, werden wir mit Gott vereinigt und lernen ihn inniger lieben. Wir verstehen seine Fügungen besser und lernen, die irdischen Dinge richtig einzuschätzen. Wir werden gegen das Böse gestärkt und bekommen Freude am Guten. Wir werden in der Trübsal getröstet, und in der Not wird uns geholfen. Vor allem aber erwirkt uns das Gebet die Gnade, dass wir Christus bis ans Ende treu bleiben.

Überlege : 1. Wann beten wir andächtig ? 2. Was müssen wir tun, um andächtig zu beten ? 3. Wann beten wir demütig ? 4. Wann beten wir gottergeben ? 5. Wann beten wir vertrauensvoll ? 6. Wann beten wir beharrlich ?

132. Wie sollen wir beten?

Wir sollen andächtig, demütig und gottergeben, vertrauensvoll und beharrlich beten.

133. Was bewirkt das Gebet ?

Das Gebet vereinigt uns mit Gott, stärkt uns gegen das Böse und erlangt uns reiche Gnaden, vor allem die Treue bis ans Ende.

Für mein Leben: Bevor ich bete, will ich mich sammein und daran denken, dass ich mit dem großen, heiligen Gott sprechen will.

Wort Gottes: „Seid beharrlich im Gebet" (Kol. 4, 2). — „Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen" (Ps. 144, 18). — „Bittet, und es wird euch gegeben; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan" (Matth. 7, 7).

Beispiele: Den Unterschied zwischen einem hochmütigen und einem demütigen Gebet zeigt Jesus im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Luk. 18, 9 — 14). — Vom beharrlichen Gebet spricht er im Gleichnis vom Freund, der in der Nacht drei Brote verlangte (Luk. 11,5 — 13), und im Gleichnis vom ungerechten Richter (Luk. 18,1 — 8). Ein Vorbild beharrlichen Betens ist das Bitten des kananäischen Weibes (Matth. 15, 21-28).

Aus der Lehre der Heiligen: „Gott gibt uns entweder das, worum wir bitten, oder etwas, was uns nützlicher ist" (Bernhard von Clairvaux). —, „Alle Seligen des Himmels sind selig geworden durch das Gebet, alle Verdammten sind verloren gegangen, weil sie nicht gebetet haben" (Alfons von Liguori).

Die äußere Haltung beim Gebet: Durch die äußere Haltung drücken wir unsere innere Gesinnung aus. Auch der Leib soll an unserm Beten teilnehmen. Durch die Verneigung, die Kniebeuge und das Knien zeigen wir unsere Demut und unsere Ehrfurcht vor Gott. Durch das Stehen zeigen wir Ehrfurcht, Freude und Bereitschaft. Durch das Falten der Hände drücken wir unsere Andacht und unsere Hingabe an Gott aus. Wenn wir an die Brust schlagen, drücken wir damit aus, dass wir uns vor Gott schuldig bekennen.

Der Ort des Gebetes: Wir können überall beten. Am besten aber beten wir da, wo wir ungestört sind und uns gut sammeln können, z. B. in der Kirche oder, wenn wir zu Hause beten, vor einem Kreuz oder einem religiösen Bild.

Die Sammlung vor dem Gebet: Um uns zu sammeln, lassen wir unser Herz still werden und richten die Gedanken auf Gott. Wir denken daran, dass der heilige Gott gegenwärtig ist und mit Liebe auf uns schaut. Erst dann beginnen wir zu beten.

Aufgaben: 1. Was stört beim Beten? 2. Was können wir tun, wenn wir beten sollen, aber nicht dazu aufgelegt sind? 3. Welche Freuden bringt uns das Beten? 4. Sorge dafür, dass über deinem Bett ein Kreuz oder ein religiöses Bild hängt !

72. Die Ordnung des Betens

Aristsdes, ein christlicher Schriftsteller aus dem 2. Jahrhundert, schreibt von den Christen seiner Zeit : „Jeden Morgen und zu allen Stunden loben und preisen sie Gott für die ihnen gespendeten Wohltaten und danken ihm für Speise und Trank."

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Es gibt viele Gelegenheiten, an Gott zu denken und mit ihm zu sprechen. Wenn wir seine Macht und Größe erfahren, loben wir ihn; wenn wir gesündigt haben, bitten wir ihn um Verzeihung; bevor wir etwas Wichtiges beginnen, bitten wir um seinen Beistand. In jeder Not wenden wir uns an ihn, zumal in der Versuchung. Vor allem danken wir ihm immer wieder; denn von ihm kommt alles Gute. Der heilige Paulus sagt : „Betet ohne Unterlass" (1 Thess. 5, 17).

Es gibt auch bestimmte Zeiten für das Gebet. Wir beten morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen; wir beten vor und nach dem Essen; wir beten, wenn es zum Gebet läutet und besonders beim Gottesdienst.

Wir beten zu Gott, unserm himmlischen Vater; er ist unser Schöpfer und Herr, der Ursprung alles Guten und unser letztes Ziel. Wir richten unser Gebet an den Vater durch Jesus Christus, unsern Herrn : wir beten im Namen Jesu. Christus, unser Hoherpriester, bringt unsere Gebete zum Vater.

Wir beten zu Jesus Christus; er ist wahrer Gott, unser Erlöser und Herr, unser Freund und Bruder.

Wir beten zum Heiligen Geist; er ist wahrer Gott wie der Vater und der Sohn; er wohnt in uns und heiligt uns.

Wir wenden uns im Gebet auch an Maria, die Mutter unseres Herrn, und an die übrigen Heiligen sowie an die Engel. Wir beten sie aber nicht an, sondern preisen sie und bitten sie um ihre Fürsprache bei Gott.

In unsern Gebeten gedenken wir unserer Mitmenschen. Wir beten für Lebende und Verstorbene, Freunde und Feinde. Wir beten für die, die uns nahestehen oder die unser Gebet besonders nötig haben : für unsere Eltern, Geschwister und Wohltäter, für die Kranken und die Sterbenden, für die Hirten der Kirche und die Lenker der Völker, für die Sünder, für die Heiden und um den Frieden der Welt. Der Christ schließt niemand von seinem Gebete aus; denn Gott liebt alle, und Christus ist für alle gestorben.

Wir sollen gern gemeinsam beten, besonders in der Familie und beim Gottesdienst. Jesus sagt: „Wenn zwei von euch einmütig um etwas bitten, so wird es ihnen von meinem Vater gegeben werden; denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Matth. 18, 19 20).

Überlege: 1. Bei welchen Gelegenheiten können wir an Gott denken und mit ihm sprechen ? 2. Zu wem beten wir ? 3. Warum beten wir zum Vater durch Jesus Christus, unsern Herrn ? 4. Warum beten wir zu Jesus Christus ? 5. Warum beten wir zum Heiligen Geist ? 6. Warum beten wir zu Maria ? 7. Warum beten wir zu den Engeln und Heiligen ? 8. Für wen sollen wir besonders beten ? 9. Warum beten wir auch gemeinsam ?

134. Wann sollen wir beten ?

Wir sollen oft beten, vor allem morgens und abends, vor und nach dem Essen, beim Gottesdienst sowie in Not und Versuchung.

135. Für wen sollen wir beten?

Wir sollen für alle Menschen beten, besonders für jene, die uns nahestehen oder die unser Gebet am meisten brauchen.

136. Was sagt Jesus über das gemeinsame Gebet?

Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."

Für mein Leben: Das Gebet ist das Atmen der Seele. Wie ich das Atmen nicht vergesse, darf ich auch das Beten nicht vergessen.

Wort Gottes: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er euch geben" (Joh. 16, 23). — „Lobsinget Gott in Dankbarkeit mit Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern" (Kol. 3, 16).

Aus der Lehre der Heiligen: „Als unser Heiland die Brote segnete, blickte er zum Himmel auf und betete. Dadurch lehrt er uns, nicht von der Mahlzeit zu kosten, bevor wir Gott, dem Spender der Gaben, gedankt haben" (Johannes Chrysostomus).

Das Morgen- und. Abendgebet: Gleich beim Erwachen sollen wir uns mit dem heiligen Kreuzzeichen segnen und Gott zum Beginn des neuen Tages grüßen. Nach dem Aufstehen beten wir unser Morgengebet. Wir danken Gott für seine Wohltaten und sagen ihm, dass wir während des Tages alles zu seiner Ehre tun wollen; dann bitten wir ihn, dass er uns mit seiner Gnade geleite und uns helfe, seinen Willen zu erkennen und zu erfüllen. Wir empfehlen uns auch der Gottesmutter, dem Schutzengel und den Heiligen.

Bevor wir schlafen gehen, beten wir das Abendgebet. Wir schauen zurück auf den Tag, danken Gott für alles Gute, das wir von ihm empfangen, und bitten ihn um Verzeihung für das Böse, das wir getan (tägliche Gewissenserforschung). Dann bitten wir um seinen Schutz für uns und alle, für die wir zu beten haben. Zum Schluss empfehlen wir uns Maria, unserm Schutzengel und den Heiligen. — Es ist schön, wenn wir mit den letzten Gedanken vor dem Einschlafen bei Gott weilen.

Wir können als Morgen; und Abendgebet eines der bekannten Gebete sprechen oder frei aus dem Herzen beten; es ist gut, wenn wir manchmal abwechseln.

Die Stoßgebete: Wir können zu Gott in ganz kurzen Sätzen sprechen; wir nennen sie Stoßgebete. Ein Stoßgebet ist ein Aufblick zu Gott, ein Atemzug der Seele. Wenn wir unsere Arbeit beginnen, können wir Gott sagen : „Alles für Dich, o Gott !" — wenn wir eine große Freude erleben : „Herr, ich danke Dir !" — wenn wir vor einer Entscheidung stehen : „Herr, zeige mir, was ich tun soll !" — in einer Versuchung oder in Not und Gefahr : „Mein Jesus, steh mir bei !" oder : „Herr, hilf mir !" — wenn wir eine blühende Wiese sehen : „Gott, wie schön ist Deine Welt !" — vor einem Krankenhaus : „Gott, hilf den armen Kranken in ihren Schmerzen und Nöten !" — wenn wir am Friedhof vorbeigehen : „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe !"

Stoßgebete, die wir immer beten können : „Alles für Dich, o Gott !" „Mein Gott und mein Alles !" — „Mein Herr und mein Gott !" — „Mein Jesus, Barmherzigkeit !" — „Jesus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser I" — „Ja, Vater !" — „Herr, wie Du willst !" — „Komm, Heiliger Geist !" — „Herr, lehre mich beten !" Auch die einzelnen Bitten des Vaterunsers können wir als Stoßgehete sprechen.

Besuch in der Kirche: Wenn wir einen Besuch in der Kirche machen, können wir auf verschiedene Weise beten : 1. Wir grüßen Jesus im heiligsten Sakrament, 2. wir beten zum himmlischen Vater und erzählen ihm, was wir erlebt haben oder was wir auf dem Herzen haben, 3. wir beten aus dem Gebetbuch, 4. wir beten den Kreuzweg, 5. wir betrachten andächtig die Bilder in der Kirche und beten dazu, 6. wir beten ein Gesätz des Rosenkranzes.

Das gemeinsame Gebet in der Familie: Beim gemeinsamen Gebet sprechen entweder alle zusammen, oder es betet einer vor und alle antworten. Es ist schön, wenn der Vater vorbetet. Vor allem soll das Tischgebet gemeinsam gebetet werden. — Damit das gemeinsame Gebet Gott verherrlicht, müssen alle gleichmäßig, deutlich und nicht zu schnell sprechen.

Aufgaben: 1. Denke dir ein Morgengebet aus, das alles enthält, was du am Morgen Gott zu sagen hast ! 2. Suche Gebete oder Lieder, die als Morgengebete passen ! 3. Denke dir ein Abendgebet aus ! 4. Suche Gebete und Lieder, die als Abendgebete passen ! 5. Welche Tischgebete kennst du ? 6. Was kannst du beten : a) wenn du einem Leichenzug begegnest, b) wenn du einen Sämann auf dem Acker siehst, c) wenn du an einem Gefängnis vorbeikommst, d) wenn du jemand fluchen hörst, e) wenn Kinder streiten, f) zu Beginn der Schularbeiten, g) wenn Hass- und Rachsucht in dir aufsteigen, h) vor einem Marienbild, i) wenn du morgens aufwachst, k) bevor du abends einschläfst ? 7. Schreibe weitere kurze Gebete auf, die du Gott immer sagen kannst ! 8. Suche Gebete in der Heiligen Schrift !

Mit Gott fang an, mit Gott hör auf,
das ist der schönste Lebenslauf.

DAS SAKRAMENT DER FIRMUNG

Alle Getauften sollen Anteil erhalten an der Gnadenfülle des Heiligen Geistes, die Christus seiner Kirche am ersten Pfingstfest geschenkt hat, Darum hat Christus das Sakrament der Firmung eingesetzt.

73. Die Spendung der Firmung

Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Nun legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist (vgl. Apg. 8, 14—17). +

Die Heilige Schrift berichtet, dass schon die Apostel gefirmt haben. In den ersten christlichen Jahrhunderten wurde die Firmung gewöhnlich gleich nach der Taufe gespendet. Darum wird die Firmung bei der Aufzählung der Sakramente gleich nach der Taufe genannt.

Die Firmung wird gewöhnlich vom Bischof gespendet. Der Papst kann jedoch die Vollmacht zu firmen auch einem Priester übertragen. Zum Beispiel kann der Pfarrer in seiner Pfarrei einen Kranken firmen, der sich in Lebensgefahr befindet.

Zu Beginn der Firmung steigt der Bischof die Stufen des Altares hinauf und wendet sich den Firmlingen zu. Die Firmlinge knien nieder; der Bischof streckt über sie die Hände aus und ruft den Heiligen Geist mit seinen sieben Gaben auf sie herab : den Geist der Weisheit und des Verstandes, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit und den Geist der Furcht des Herrn,

Dann legt der Bischof jedem einzelnen die rechte Hand auf das Haupt und zeichnet ihm mit Chrisam ein Kreuz auf die Stirne. Dabei spricht er : „Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke dich mit dem Chrisam des Heils im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." (Nach der Salbung gibt der Bischof dem Firmling einen gelinden Backenstreich mit den Worten: „Der Friede sei mit dir."

Zum Schluss betet der Bischof über alle Firmlinge, der Heilige Geist möge in ihnen das begonnene Werk vollenden. Dann spendet er ihnen seinen Segen. Bei diesem Segen des Bischofs sollen alle Firmlinge noch zugegen sein.

Überlege: 1. Warum wird bei der Aufzählung der Sakramente die Firmung gleich nach der Taufe genannt? 2. Wer kann firmen? 3. Was tut der Bischof bei der Firmung ?

137. Was berichtet die Heilige Schrift über die Firmung?

Die Heilige Schrift berichtet : „Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Nun legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist."

138. Wie wird die Firmung gespendet ?

Der Bischof legt dem Firmling die Hand auf, salbt ihn auf der Stirn mit Chrisam und spricht dabei die Worte : „Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke dich mit dem Chrisam des Heiles im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Für mein Leben: Bei der Firmung hat mir der Bischof ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Ich bin stolz darauf, ein Christ zu sein, und will mich des Kreuzes niemals schämen.

Worterklärung: „Chrisam" heißt auf deutsch Salböl. Das Wort „Chrisam" ist verwandt mit dem Wort „Christus" (d. h. der Gesalbte). Chrisam ist eine Mischung von Olivenöl und Balsam; es wird am Gründonnerstag vom Bischof geweiht.

Kreuz, Salbung und Backenstreich: Das Kreuz, das dem Firmling auf die Stirn gezeichnet wird, bedeutet, dass er jetzt ein Streiter Christi ist und seinen Glauben offen vor aller Welt bekennen soll. — Die Salbung mit Chrisam bedeutet, dass er mit der Kraft Christi, nämlich mit dem Heiligen Geist, ausgerüstet wird. — Der Backenstreich mahnt den Gefirmten, dass er als Streiter Christi bereit sein soll, für Christus Schmach zu erdulden.

Der Firmpate: Er soll dem Gefirmten durch Gebet, Wort und Beispiel helfen, seine Pflichten treu zu erfüllen.

Der Tag der Firmung: Auf den Tag der Firmung soll sich der Firmling gewissenhaft vorbereiten : er soll dem Firmunterricht eifrig beiwohnen, täglich um die Gaben des Heiligen Geistes beten, würdig beichten und kommunizieren. Am Firmungstag soll er der heiligen Handlung mit großer Andacht, folgen, für die empfangenen Gnaden herzlich danken und unpassende Vergnügungen meiden.

74. Die Gnade der Firmung

Jesus hat seinen Jüngern für die Tage der Verfolgung verheißen: „Wenn man euch vor die Synagogen und vor die Obrigkeiten und Machthaber schleppt, so macht euch keine Sorge, wie und womit ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. Denn in jener Stunde wird der Heilige Geist euch die rechten Worte in den Mund legen" (Luk. 12, 11 12).

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In der Firmung erfüllt uns Christus mit dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist soll uns beistehen, damit wir unsern Glauben aus innerer Überzeugung standhaft bekennen und mutig für ihn eintreten. Er soll uns Kraft geben für den Kampf gegen die Feinde unseres Heiles: den Teufel, die bösen Neigungen in uns und das Böse in der Welt. Er soll uns fähig machen, an der Heiligung der Welt mitzuarbeiten und in der Familie, im Beruf und im öffentlichen Leben als Apostel zu wirken.

In der Firmung kommt das Gnadenleben, das wir in der Taufe empfangen haben, zur Reife. Aus unmündigen Kindern werden wir durch die Gnade der Firmung Streiter Christi. Die Firmung ist die Vollendung der Taufe. — Das Wort „Firmung" bedeutet: Bekräftigung, Stärkung.

Die Firmung prägt unsrer Seele ein unauslöschliches Merkmal ein. Durch dieses Zeichen wird besiegelt, dass wir Streiter Christi und Mitarbeiter in seinem Reiche sind. Zugleich ist uns dieses Merkmal ein Unterpfand, dass wir in der Kraft des Heiligen Geistes unsere Sendung als Gefirmte erfüllen können.

Jeder Getaufte soll die Firmung empfangen. Sie ist zwar zu unserem Heile nicht unbedingt notwendig; wer sie aber aus eigener Schuld nicht empfängt, sündigt, weil er den Heiligen Geist und seine Gnadengaben gering achtet.

Überlege: 1. Was wirkt der Heilige Geist im Gefirmten? 2. Erkläre das Wort „Firmung" ! 3. Was wird unserer Seele durch die Firmung eingeprägt ? 4. Warum sündigt, wer die Firmung aus eigener Schuld nicht empfängt ?

139. Was wirkt Christus in der Firmung ?

In der Firmung erfüllt uns Christus mit dem Heiligen Geist, damit wir den Glauben standhaft bekennen, gegen die Feinde unseres Heiles tapfer kämpfen und an der Heiligung der Welt mitarbeiten.

Für mein Leben: Wenn ich einmal um den Glauben oder die Reinheit kämpfen muss, will ich daran denken: Ich bin zum Streiter Christi gesalbt; der Heilige Geist stärkt mich.

Wort Gottes: „Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, die sich von jedem Winde einer Lehrmeinung, durch das Trugspiel der Menschen und durch Verführungskünste des Irrtums hin und her schaukeln und umhertreiben lassen. Wir sollen uns vielmehr an die Wahrheit halten und in Liebe hineinwachsen in den, der das Haupt ist : Christus" (Eph. 4, 14 15).

Aufgaben: 1. Vergleiche das erste Pfingstfest mit der Firmung: Worin sind sich beide ähnlich ? — worin verschieden ? 2. Nenne Aufgaben, für die der Gefirmte besonders berufen ist ! 3. Was tut ein Christ : a) wenn der Glaube öffentlich angegriffen wird, b) wenn ein Arbeitskamerad sich für den Glauben interessiert, c) wenn in der Gemeinde Kinder ohne Religionsunterricht sind, d) wenn der Priester am Sonntag nicht zum Gottesdienst kommen kann, e) wenn die Gemeinde keinen Raum für den Gottesdienst hat, f) wenn Kinder den Gottesdienst stören, g) wenn in der Gemeinde Verführer am Werk sind, h) wenn Gläubige schwer krank sind und der Pfarrer nicht erreichbar ist ?

VON DER HEILIGEN EUCHARISTIE

Im Reiche unseres Vaters werden wir auf ewig mit Christus vereint sein zur Feier des himmlischen Hochzeitsmahles. Wir werden in unermesslicher Freude Gott lobpreisen, in ewiger Dankbarkeit des Todes Christi gedenken und ganz von göttlichem Leben erfüllt sein. Ein Unterpfand und eine Vorausnahme des himmlischen Hochzeitsmahles ist die Feier der heiligen Eucharistie.

75. Jesus Christus hat die heilige Eucharistie eingesetzt

Am Abend vor seinem Leiden ließ sich Jesus mit den Aposteln zu Tische nieder und sprach zu ihnen ; „Sehnlich habe ich danach verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu essen, bevor ich leide," Während des Mahles nahm Jesus Brot, dankte, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: „Nehmet hin und esset : das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird." Dann nahm er auch den Kelch, dankte und gab ihn seinen Jüngern mit den Worten : „Trinket alle daraus; denn das ist mein Blut, das Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis" (vgl. Mark. 14, 17—25; Luk. 22, 14-20; 1 Kor. 11, 23-26).

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Bevor Jesus von seinen Jüngern Abschied nahm, feierte er mit ihnen zum ersten Male die heilige Eucharistie. Er nahm Brot und Wein in seine heiligen Hände, blickte auf zu seinem himmlischen Vater, sprach das Lob- und Dankgebet über die Gaben und reichte sie seinen Jüngern mit den Worten : „Das ist mein Leib — das ist mein Blut."

Bei den Worten Jesu „Das ist mein Leib — das ist mein Blut" wurden Brot und Wein in seinen heiligen Leib und in sein kostbares Blut verwandelt; von Brot und Wein blieben nur die Gestalten (d. h. was von Brot und Wein mit den Sinnen wahrgenommen wird). Unter den Gestalten von Brot und Wein brachte Jesus sich selbst dem Vater als Opfer dar und reichte sich selbst den Jüngern als Speise.

Jesus hat im Abendmahlssaal dasselbe Opfer dargebracht, das er am Tage darauf am Kreuze darbringen sollte. Unter den Gestalten von Brot und Wein hat er sich im voraus für die Apostel und für uns alle hingegeben.

Die Apostel empfingen den Opferleib und das Opferblut des Herrn als Speise zum ewigen Leben. Sie wurden aufs innigste mit ihm vereinigt und mit himmlischen Gnaden erfüllt.

Mit den Worten „Tut dies zu meinem Gedächtnis" hat Jesus den Aposteln die Vollmacht gegeben, die heilige Eucharistie zu feiern : sie sollten Brot und Wein in sein heiliges Fleisch und Blut verwandeln, diese Gaben dem himmlischen Vater darbringen und sie den Gläubigen als Speise reichen. Diese Vollmacht ist von den Aposteln auf ihre Nachfolger im Priesteramt übergegangen. Sie sollen die heilige Eucharistie feiern, bis er wiederkommt.

Überlege: 1. Wie brachte sich Jesus beim Letzten Abendmahl dem Vater dar? 2. Welches Opfer brachte er damit im voraus dar ? 3. Was reichte Jesus den Aposteln ? 4. Welche Gnade empfingen sie dadurch ? 5. Welche Vollmacht erteilte Jesus den Aposteln beim Letzen Abendmahl ? 6. Auf wen ist diese Vollmacht übergegangen ? 7. Bis zu welchem Tage soll die heilige Eucharistie gefeiert werden ?

140. Wie hat Jesus die heilige Eucharistie eingesetzt ?

Beim Letzten Abendmahl nahm Jesus Brot, dankte, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: „Nehmet hin und esset: das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird." Dann nahm er auch den Kelch, dankte und gab ihn seinen Jüngern mit den Worten: „Trinket alle daraus; denn das ist mein Blut, das Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis."

141. Was geschah bei den Worten Jesu „Das ist mein Leib — das ist mein Blut"?

Bei den Worten Jesu „Das ist mein Leib - — das ist mein Blut" wurden Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandelt; nur die Gestalten von Brot und Wein blieben.

142. Welche Vollmacht gab Jesus den Aposteln und ihren Nachfolgern im Priesteramt mit den Worten : „Tut dies zu meinem Gedächtnis" ?

Mit den Worten „Tut dies zu meinem Gedächtnis" gab Jesus den Aposteln und ihren Nachfolgern im Priesteramt die Vollmacht, die heilige Eucharistie zu feiern und dabei Brot und Wein in sein heiliges Fleisch und Blut zu verwandeln.

Für mein Leben: Wenn ich die heilige Eucharistie mitfeiere und den Leib des Herrn empfange, bin ich dem Herrn so nahe wie die Apostel beim Letzten Abendmahl.

Die Namen der heiligen Eucharistie: In der ältesten Zeit wurde die heilige Eucharistie „Brotbrechung" genannt. — Weil durch sie dem Vater Lob und Dank gesagt wird, hieß sie schon in urchristlicher Zeit „Eucharistie" (d. h. Lobpreisung oder Danksagung). — Die Feier der heiligen Eucharistie wird auch das heilige Opfer, das heilige Messopfer oder die heilige Messe genannt. — Weil in diesem Sakrament Christus in besonderer Weise zugegen ist, nennen wir es auch das heiligste Sakrament oder — weil es auf dem Altar gefeiert wird — das heiligste Altarssakrament.

76. Die Kirche feiert die heilige Eucharistie

Um das Jahr 150 hat der heilige Justin in einer Schrift an den Kaiser die Feier der Eucharistie beschrieben. Zuerst erwähnt er die Lesungen, die Predigt und das Gebet. Dann fährt er fort: „Wenn wir das Gebet beendet haben, werden Brot, Wein und Wasser herbeigebracht. Der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen, und das Volk stimmt ein, indem es sein "Amen" sagt. Darauf findet die Ausspendung statt; jeder erhält seinen Teil von den geheiligten Gaben; den Abwesenden aber wird ihr Anteil durch die Diakone gebracht."

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Im Auftrag des Herrn tut die Kirche dasselbe, was Christus im Abendmahlssaal getan hat. Nachdem Brot und Wein zum Altar gebracht sind, betet der Priester über sie jenes große Lob-, Dank- und Opfergebet, das wir das Hochgebet nennen, und spricht dabei die Wandlungsworte, die Jesus beim Letzten Abendmahl gesprochen hat; dann wird die heilige Speise ausgeteilt.

Bei der Feier der heiligen Eucharistie ist Christus selbst unser Hoherpriester. Der Priester am Altar ist sein sichtbarer Stellvertreter und sein lebendiges Werkzeug.

Wenn der Priester über Brot und Wein die Worte Christi spricht : „Das ist mein Leib — das ist mein Blut", werden Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt. Dieser Teil der heiligen Messe heißt die Wandlung.

Unter den Gestalten von Brot und Wein bringt Christus, unser Hoherpriester, sich durch den Dienst des Priesters dem Vater als Opfer dar und gibt sich uns zur Speise. Durch ihn und mit ihm und in ihm dürfen auch wir uns dem Vater darbringen; ihn dürfen wir als himmlische Speise empfangen. Die Feier der heiligen Eucharistie ist ein sichtbares Opfer, das wir durch Christus darbringen, und ein heiliges Mahl, das Christus uns bereitet.

Überlege: 1. Wie wird die heilige Eucharistie von der Kirche gefeiert? 2. Was geschieht, wenn der Priester über Brot und Wein die Worte Christi spricht ? 3. Warum ist die Feier der heiligen Eucharistie ein Opfer ? 4. Warum ist sie ein Mahl ?

143. Was ist Christus beim heiligen Messopfer?

Beim heiligen Messopfer ist Christus Hoherpriester, Opfergabe und Speise.

Für mein Leben: Ich will bei der heiligen Messe andächtig zuschauen, zuhören, mitbeten, mitopfern und, wenn möglich, den Leib des Herrn empfangen.

Wort Gottes: Der Prophet Malachias hat vorausgesagt : „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang wird mein Name groß sein unter den Völkern; denn an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Speiseopfer dargebracht werden" (Mal. 1, 11). — Ein Vorbild des eucharistischen Opfers war das Opfer des Melchisedech, der Brot und Wein opferte. Darum hat David von Christus vorausgesagt : „Priester bist du auf ewig nach der Ordnung Melchisedechs" (Ps. 109, 4).

Aus dem Leben der Kirche: Das Hochgebet der heiligen Messe beginnt mit den Worten : „Es ist in Wahrheit würdig und recht, geziemend und heilsam, Dir immer und überall dankzusagen, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, durch Christus unsern Herrn." Es schließt : „Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm wird Dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Ehre und Verherrlichung, von Ewigkeit zu Ewigkeit." Darauf autwortet die Gemeinde : „Amen."

Das Gedächtnis der Heiligen bei der Feier der Eucharistie: Das Messopfer wird Gott allein dargebracht. Doch gedenken wir dabei auch der Heiligen, und zwar in doppelter Weise: wir danken Gott für die Gnaden, die er ihnen verliehen hat, und bitten ihn, er möge um ihretwillen auch uns gnädig sein.

Aufgaben: 1. Vergleiche mit der Feier der heiligen Eucharistie: a) das Opfer des Melchisedech, b) die Hochzeit zu Kami, c) die wunderbare Brotvermehrung, d) das Letzte Abendmahl ! 2. Wofür sagen wir Gott in den verschiedenen Präfationen Lob und Dank ?

77. In der Feier der heiligen Eucharistie wird das Kreuzesopfer vergegenwärtigt

Der heilige Paulus schreibt über die Feier der heiligen Eucharistie: „Sooft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt" (1 Kor. 11, 26).

Wenn die Kirche die heilige Eucharistie feiert, bringt Christus in unserer Mitte dasselbe Opfer dar, das er am Kreuze dargebracht hat. Das heilige Messopfer ist dasselbe Opfer wie das Kreuzesopfer, weil in beiden Christus der Opferpriester und die Opfergabe ist. Im heiligen Messopfer wird das Kreuzesopfer vergegenwärtigt.

Das Messopfer und das Kreuzesopfer unterscheiden sich aber auch. Das Kreuzesopfer war ein blutiges Opfer; das Messopfer ist ein unblutiges Opfer. Das Kreuzesopfer wurde nur einmal dargebracht; das Messopfer wird immer wieder dargebracht, bis der Herr am Jüngsten Tage wiederkommt. Das Messopfer ist das immerwährende unblutige Opfer des Neuen Bundes.

Im heiligen Messopfer gibt uns Christus Anteil an seinem Kreuzesopfer. Er nimmt uns hinein in seine Hingabe an den Vater und erfüllt uns mit den Gnaden, die er uns durch seinen Tod verdient hat.

Weil das heilige Messopfer dasselbe Opfer ist wie das Kreuzesopfer, ist es das vollkommenste Opfer. Durch die heilige Eucharistie wird Gott die höchste Verherrlichung und Danksagung dargebracht; durch sie wird uns in der vollkommensten Weise die Vergebung der Sünden und die Gnade Gottes erfleht; durch sie wird unermesslicher Segen auf die ganze Welt herabgerufen, auf Lebende und Verstorbene. Die heilige Eucharistie ist das vollkommenste Lob-, Dank-, Sühne- und Bittopfer.

Überlege: 1. Wie unterscheiden sich das Messopfer und das Kreuzesopfer voneinander ? 2. Wie gibt uns Christus im heiligen Messopfer Anteil an seinem Kreuzesopfer? 3. Warum ist das Messopfer das vollkommenste Opfer ?

144. Was ist das heilige Messopfer?

Das heilige Messopfer ist das immerwährende unblutige Opfer des Neuen Bundes, in welchem das Kreuzesopfer vergegenwärtigt wird.

145. Warum ist das heilige Messopfer dasselbe Opfer wie das Kreuzesopfer?

Das heilige Messopfer ist dasselbe Opfer wie das Kreuzesopfer, weil in beiden Christus der Opferpriester und die Opfergabe ist.

Für mein Leben: Ich will bei der heiligen Messe an das Kreuzesopfer meines Heilandes denken und mich mit ihm ganz dem Vater aufopfern.

Aufgaben: 1. Vergleiche die Feier der heiligen Eucharistie mit dem Ostermahl des Alten Bundes! 2. In welchen Messliedern wird das Kreuzesopfer erwähnt? 3. Lerne das Gebet nach der Wandlung auf Seite 273.

78. Im eucharistischen Mahl empfangen wir das Brot des ewigen Lebens

Am Tage nach der ersten wunderbaren Brotvermehrung sprach Jesus zu den Juden : „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt." Da stritten die Juden untereinander und sagten : „Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben ?" Jesus sprach zu ihnen : „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auf erwecken am Jüngsten Tage; denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank" (vgl. Joh. 6, 51-58).

+

In der heiligen Kommunion empfangen wir den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus als Speise zum ewigen Leben. Das Himmelsbrot, das wir auf Erden genießen, ist ein Unterpfand dafür, dass wir einst auferstehen und im Reiche unseres Vaters mit Christus und allen seinen Heiligen das Mahl des ewigen Lebens feiern werden.

In der heiligen Kommunion vereinigt sich Christus, unser himmlischer Herr, schon jetzt aufs innigste mit uns. Durch ihn werden wir auch mit dem himmlischen Vater ganz eng verbunden. Weil wir alle dasselbe Himmelsbrot, den gleichen Leib Christi, empfangen, werden wir auch untereinander eins. Die heilige Eucharistie ist das Familienmahl der Gotteskinder.

Durch die heilige Kommunion vermehrt Christus in uns das Gnadenleben und gibt uns neue Kraft, als Kinder Gottes zu leben und ihm, unserm Meister, nachzufolgen. Er erfüllt uns mit seiner Liebe zum Vater und zu den Menschen. Er reinigt uns von lässlichen Sünden, von Fehlern und Nachlässigkeiten. Unsere bösen Neigungen werden geschwächt, und wir werden vor vielen Sünden bewahrt.

Durch die heilige Kommunion wird unsre Teilnahme an der Feier der Eucharistie vollendet. Darum ist es der Wunsch der Kirche, dass bei jeder heiligen Messe die anwesenden Gläubigen auch am Tisch des Herrn teilnehmen. — Wer das heiligste Sakrament nicht leicht wirklich empfangen kann, möge es wenigstens geistigerweise empfangen, indem er das Verlangen nach der heiligen Kommunion erweckt (geistige Kommunion).

Wer im Stande der Gnade ist und in rechter Absicht nach dem Brot des Lebens verlangt, darf täglich zur heiligen Kommunion gehen. Wer lässliche Sünden hat, soll sie vorher bereuen. Wenn er sie nicht bereut, ist die Kommunion nicht unwürdig, aber er empfängt weniger Gnade.

Wer sich durch eine Todsünde von Gott getrennt hat, muss sich vorher im Bußsakrament mit Gott versöhnen. Wer wissentlich mit einer Todsünde zum Tisch des Herrn geht, kommuniziert unwürdig und begeht einen Gottesraub. Der heilige Paulus sagt : „Wer unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn . . ., der isst und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht unterscheidet" (1 Kor. 11, 27 29).

Überlege: 1. Wofür ist die heilige Kommunion ein Unterpfand ? 2. Mit wem werden wir in der heiligen Kommunion verbunden ? 3. Welche weiteren Gnaden werden uns durch die heilige Kommunion zuteil ? 4. Was wünscht die Kirche von den Gläubigen, die an der heiligen Messe teilnehmen ? 5. Was soll der tun, der zur heiligen Kommunion gehen will und lässliche Sünden hat ? 6. Was muss einer tun, der sich durch eine Todsünde von Gott getrennt hat und zur heiligen Kommunion gehen möchte ?

146. Was hat Christus über den Genuss seines Fleisches und Blutes gelehrt? Am Tage nach der ersten wunderbaren Brotvermehrung sprach Jesus zu den Juden : „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage; denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank."

147. Was empfangen wir in der heiligen Kommunion?

In der heiligen Kommunion empfangen wir den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus als Speise zum ewigen Leben.

148. Was wirkt Christus in uns durch die heilige Kommunion?

Durch die heilige Kommunion vereinigt sich Christus aufs innigste mit uns. Er vermehrt in uns das Gnadenleben und gibt uns neue Kraft, als Kinder Gottes zu leben.

149. Wer darf täglich zur heiligen Kommunion gehen ?

Wer im Stande der Gnade ist und die rechte Absicht hat, darf täglich zur heiligen Kommunion gehen.

150. Was sagt der heilige Paulus über die unwürdige Kommunion?

Der heilige Paulus sagt : „Wer unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn . . ., der isst und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht unterscheidet."

Für mein Leben: Am Vorabend eines jeden Tages, an dem ich zur heiligen Messe gehe, will ich mich fragen : „Soll ich morgen nicht auch zur heiligen Kommunion gehen ?"

Aus der Lehre der Heiligen: „Empfanget das eine Brot, das Heilmittel zur Unsterblichkeit, das Gegengift, dass wir nicht sterben, sondern in Jesus Christus ewig leben" (Ignatius von Antiochien). — „Niemand trete gleichgültig hinzu, niemand lässig; alle voll Feuer, voll Begeisterung, voll Eifer" (Johannes Chrysostomus).

Vorbereitung und Danksagung: Auf die heilige Kommunion bereiten wir uns besonders dadurch vor, dass wir andächtig die heilige Messe mitfeiern. Zuerst vereinigen wir uns im Gebet mit Christus and hören gläubig sein Wort. Dann bereiten wir demütig unser Herz, vereinigen uns mit dem großen Lob- und Dankgebet der Kirche und bringen uns mit Christus ganz dem Vater dar. Vor der heiligen Kommunion rufen wir Christus, das Lamm Gottes, um Erbarmen an.

Nun bereiten wir uns still auf die heilige Kommunion vor. Dabei können wir uns fragen : 1. Wer kommt zu mir ? Jesus, mein Herr und mein Gott. Wir erwecken Glaube und Anbetung. 2. Zu wem kommt dieser große Gott ? Zu mir armen Sünder. Wir erwecken Demut und Reue. 3, Weshalb will er kommen ? Um sich aufs innigste mit mir zu vereinigen und mich mit himmlischen Gaben zu überhäufen. Wir erwecken Hoffnung, Liebe und Verlangen.

Nach der heiligen Kommunion sollen wir in inniger Liebe bei Christus verweilen, ihm danken, ihn loben und ihm unsere Bitten vortragen. Wir sollen uns in die Liebe seines heiligsten Herzens versenken, uns mit ihm ganz dem Vater schenken und uns vornehmen, den Willen Gottes in allem zu erfüllen. — Je andächtiger wir uns vorbereiten und Dank sagen, um so reichere Frucht empfangen wir.

Glaubensgespräch: Manche fragen: „Warum wird den Gläubigen nicht auch der Kelch gereicht?" — Wir antworten : „Das ist nicht notwendig. Auch wenn wir nur die Brotsgestalt empfangen, nehmen wir am eucharistischen Mahle teil und empfangen Christus ganz und ungeteilt, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit." — Bis ins Mittelalter ist den Gläubigen in der Regel auch der Kelch gereicht worden. Später haben wichtige Gründe dazu geführt, dass die Gläubigen des römischen Ritus den Herrn nur unter der Gestalt des Brotes empfangen.

Nüchternheitsgebot: Die Kirche verlangt, dass wir aus Ehrfurcht vor der heiligen Kommunion nüchtern bleiben, d. h. von Mitternacht an nichts essen oder trinken, ausgenommen Wasser. Die Kirche hat das Gebot der Nüchternheit für manche Fälle, gemildert.

Das fünfte Kirchengebot: Christus selbst hat uns geboten, die heilige Kommunion zu empfangen. Um die Säumigen zu mahnen, dass sie das Gebot Christi erfüllen, gebietet die Kirche, dass alle Gläubigen, die zum Gebrauch der Vernunft gelangt sind, wenigstens einmal im Jahre, und zwar zur österlichen Zeit, das heiligste Sakrament empfangen. — Der heilige Papst Pius X. hat eindringliche Weisungen über die rechtzeitige Erstkommunion der Kinder und über den öfteren Empfang der heiligen Kommunion gegeben.

Aufgaben: 1. Suche Gebete, die du vor der heiligen Kommunion, und solche, die du nach der heiligen Kommunion beten kannst ! 2. Denke dir ein Gebet aus, das du vor der heiligen Kommunion beten kannst ! 3. Denke dir ein Gebet aus, das du nach der heiligen Kommunion beten kannst ! 4. Welche Lieder kann man zur Kommunion singen oder still für sich beten ? 5. Zeichne Sinnbilder der heiligen Eucharistie, z. B. das Manna, den Pelikan, Ähre und Weintraube, den Fisch mit dem Brotkorb !

79. Die Aufbewahrung und Verehrung der heiligen Eucharistie

Wenn das heiligste Sakrament feierlich ausgesetzt ist, wird vor dem Segen das Tantum ergo gesungen; es lautet auf deutsch :

Darum laßt uns tief verehren

ein so großes Sakrament;

dieser Bund wird ewig währen,

und der alte hat ein End'.

Unser Glaube soll uns lehren,

was das Auge nicht erkennt.

+

Von der Feier der heiligen Eucharistie werden heilige Hostien zurückbehalten und im Tabernakel aufbewahrt. So bleibt Christus auch nach der heiligen Feier im Sakrament unter uns gegenwärtig. Auch die Gläubigen, die nicht am heiligen Messopfer teilnehmen können, haben so die Möglichkeit, den Leib des Herrn zu empfangen, vor allem die Kranken und die Sterbenden. Alle Gläubigen können Christus im heiligsten Sakrament besuchen, ihn verehren und ihn anbeten. Er bleibt so lange gegenwärtig, wie die Gestalten von Brot und Wein vorhanden sind.

Das heiligste Sakrament wird mit besonderer Ehrfurcht behandelt. Die heiligen Hostien werden in kostbaren Gefäßen aufbewahrt. Vor dem heiligsten Sakrament beugen wir die Knie. In der Nähe des Tabernakels brennt das Ewige Licht; es zeigt an, dass hier das heiligste Sakrament aufbewahrt wird, und mahnt uns zur Ehrfurcht und zur Andacht.

Manchmal wird das heiligste Sakrament zur Anbetung ausgesetzt. Die Gläubigen knien vor dem Allerheiligsten nieder, um den Herrn anzubeten, ihm für seine Liebe zu danken und um seine Hilfe zu bitten.

Am Schluss der Aussetzung wird mit dem heiligsten Sakrament der Segen erteilt. Wenn der Priester mit dem Leib des Herrn über uns das Kreuz macht, segnet uns Christus, unser Herr.

Am Gründonnerstag feiern wir die Einsetzung der heiligen Eucharistie. Am Fronleichnamstag feiern wir dieses hochheilige Geheimnis noch einmal mit festlichem Jubel. Das Wort „Fronleichnam" bedeutet Leib des Herrn. An diesem Tage wird nach dem Hochamt das heiligste Sakrament in feierlicher Prozession durch die Pfarrei getragen.

Überlege: 1. Wo wird das heiligste Sakrament aufbewahrt? 2. Wie wird das heiligste Sakrament verehrt ? 3. Wozu wird das heiligste Sakrament auf dem Altare ausgesetzt ? 4. Wodurch wird die Aussetzung beendet ? 5. An welchem Tage feiern wir die Einsetzung der heiligen Eucharistie ? 6. Was bedeutet das Wort „Fronleichnam" ? 7. Wie wird das Fronleichnamsfest gefeiert ?

151. Wie lange bleibt Christus im heiligsten Sakrament gegenwärtig?

Christus bleibt im heiligsten Sakrament so lange gegenwärtig, wie die Gestalten von Brot und Wein vorhanden sind.

152. Wie sollen wir Christus im heiligsten Sakramente ehren ?

Wir sollen

1. Christus im heiligsten Sakramente gern besuchen und anbeten,

2. uns in seinem Hause immer würdig betragen.

Für mein Leben: Wenn ich an einer katholischen Kirche vorübergehe, will ich Christus im heiligsten Sakrament grüßen. Ich will auch gern für eine Weile eintreten und mit ihm sprechen.

Aus dem Leben der Kirche: Manchmal wird das Allerheiligste einen ganzen Tag lang oder auch länger zur Verehrung ausgesetzt. In manchen Diözesen lösen die Gemeinden einander in der Anbetung ab (Ewige Anbetung). — In einigen Klosterkirchen bleibt das Allerheiligste das ganze Jahr hindurch Tag und Nacht ausgesetzt.

Worterklärung: Hostie bedeutet Opfergabe — Tabernakel bedeutet Zelt oder kleines Haus — Ziborium bedeutet Speisegefäß — Monstranz bedeutet Gefäß zum Zeigen — Prozession bedeutet Umgang.

Aufgaben: 1. Welche Gebete können wir beim Besuch des Allerheiligsten beten ? 2. Welche Lieder passen zur Aussetzung des Allerheiligsten ? 3. Zeichne die Gefäße, in denen das heiligste Sakrament aufbewahrt wird ! 4. Zeichne Bilder aus der Fronleichnamsprozession !

O heiliges Gastmahl, in welchem Christus genossen,

das Andenken seines Leidens erneuert,
das Herz mit Gnaden erfüllt und uns das Unterpfand
der künftigen Herrlichkeit gegeben wird.

THOMAS VON AQUIN

WAS WIR ÜBER DIE FEIER DER HEILIGEN MESSE WISSEN MÜSSEN

Weil das Messopfer der heiligste Gottesdienst ist, hat die Kirche für die Feier der heiligen Messe alles genau geordnet.

Was für die Feier der heiligen Messe gebraucht wird

1. Der Altar. Die heilige Eucharistie wird an einem Tisch gefeiert, den wir Altar nennen. Er enthält Reliquien. Der Altar ist mit weißen Tüchern gedeckt; auf ihm stehen Kerzen und ein Kreuz.

2. Die Gaben. Die Gaben, die zum Altar gebracht und beim heiligen Opfer verwandelt werden, sind kleine Scheiben ungesäuerten Weizenbrotes (Hostien) und reiner Traubenwein.

3. Die heiligen Gefäße. Für die große Hostie ist ein vergoldeter Teller bestimmt, die Patene, für den Wein der Messkelch. Für die kleinen Hostien wird ein Speisekelch oder eine Speisepatene verwendet.

4. Das Messbuch. Es enthalt die Gebete, Lesungen und Gesänge der heiligen Messe.

5. Die priesterlichen Gewänder. Zur Feier der heiligen Messe legt der Priester folgende Gewänder an : a) das Schultertuch; b) die Albe, ein langes, weißes Gewand; c) das Zingulum, das die Albe zusammenhält; d) den Manipel, der am linken Arm getragen wird; e) die Stola, die der Priester bei der heiligen Messe über der Brust gekreuzt trägt; f) das Messgewand.

Die liturgischen Farben

Die Farbe der Messgewänder und der Kelchbedeckung richtet sich nach den Festen und Tagen des Kirchenjahres. Es gibt zwei Festfarben, weiß und rot. Weiß, die Farbe der Freude und der Reinheit, wird gebraucht zu Weihnachten, Ostern und an dem andern Festen des Herrn, an den Festen der Mutter Gottes, der Engel, der Bekenner und der Jungfrauen. Rot, die Farbe des Feuers und des Blutes, wird zu Pfingsten, an den Festen vom Leiden des Herrn und an den Festen der Märtyrer gebraucht. Violett, die Farbe der Buße, wird im Advent und in der Fastenzeit gebraucht. Am dritten Adventsonntag und am vierten Fastensonntag dürfen rosa Gewänder benützt werden. Grün, die Farbe der Hoffnung, wird an den gewöhnlichen Sonntagen nach Erscheinung des Herrn und nach Pfingsten getragen. Der Sonntag soll ja in besonderer Weise die große Hoffnung auf die Auferstehung lebendig erhalten. Schwarz, die Farbe der Trauer, wird am Karfreitag und bei Seelenmessen gebraucht.

Die Sprache der Messfeier

Fast in der ganzen Welt wird bei der Feier der heiligen Messe die lateinische Sprache gebraucht. Einige Völker dürfen andere Sprachen gebrauchen, z. B. die griechische und die altslawische»

Formen der Messfeier'

1. Das Pontifikalamt (Bischofsamt). Es ist die feierlichste Form der Messfeier.

2. Das feierliche Hochamt (Levitenamt). Bei dieser Form der Messfeier dienen Leviten : Diakon und Subdiakon. Der Subdiakon singt die Epistel, der Diakon das Evangelium.

3. Die gesungene Messe oder das Amt. Per Priester singt die feierlichen Gebete und die Lesungen. Die Gesänge der Gemeinde werden vom Volk und vom Kirchenchor gesungen.

4. Andere Formen der Messfeier. Die heilige Messe wird auch als Gemeinschaftsmesse, Betsingmesse, Singmesse oder stille Messe gefeiert.

Der Verlauf der heiligen Messe

(Die veränderlichen Teile sind mit einem Sternchen bezeichnet)

A. Der Wortgottesdienst (Gebete und Lesungen)

1. Stufengebet (oder Staffelgebet). Der Priester schreitet zum Altar und betet vor der untersten Stufe den 12. Psalm. Dann beugt er sich tief und betet das Sündenbekenntnis (Confiteor).

2. *Eingangslied (Introitus). Der Priester steigt die Stufen hinauf, küsst ehrfürchtig den Altar und liest auf der rechten Seite den Eingangsgesang. Im Hochamt wird der Introitus vom Chor gesungen.

3. Kyrie eleison. Mit diesem Ruf huldigen wir unserm himmlischen Herrn und bitten ihn um sein Erbarmen.

4. Das Gloria. Nun stimmt der Priester das Gloria an (Ehre sei Gott in der Höhe); die Gemeinde oder der Chor stimmt ein. Manchmal ist kein Gloria, z. B. an Bußtagen oder in Totenmessen.

5. *Das Tagesgebet (Oration). Der Priester breitet die Hände aus und grüsst uns mit den Worten: „Dominus vobiscum" (Der Herr sei mit euch); wir antworten: „Et cum spiritu tuo" (Und mit deinem Geiste). Dann fordert uns der Priester zum Gebet auf mit dem Wort „Oremus" (Lasset uns beten); hierauf breitet er die Hände aus und fasst unser Beten im Tagesgehet zusammen. Wir antworten mit „Amen" (So sei es).

6. *Lesung. Die Lesung ist meistens dem Brief eines Apostels entnommen; darum heißt sie auch „Epistel" (d. h. Brief). Im feierlichen Hochamt wird die Lesung vom Subdiakon gesungen. Wir folgen der Lesung andächtig : durch den Apostel spricht Gott zu uns.

7. *Zwischengesänge (Graduale, Alleluja, Traktus, je nach dem Kirchenjahr verschieden).

8. *Evangelium (d.h. Frohe Botschaft). Jetzt wird das Messbuch auf die Evangelienseite getragen. Wir erheben uns in Ehrfurcht : im Evangelium spricht Gott zu uns durch seinen eingeborenen Sohn. Im feierlichen Hochamt wird das Evangelium vom Diakon gesungen. Auf das Evangelium folgt die Predigt; in der Predigt wird uns Gottes Wort ausgelegt.

9. Credo. An Sonntagen und manchen Festen folgt nun das Glaubensbekenntnis. Darin bekennen wir dankbar den heiligen Glauben, der uns verkündet worden ist.

B. Die Eucharistiefeier (Opfergottesdienst)

Nun werden unsere Gaben, Brot und Wein, für die heilige Feier bereitet (Opferung oder Bereitung der Gaben). Dann wird über die Gaben das Hochgebet gesprochen; sie werden verwandelt und Gott dargebracht (Wandlung oder Darbringung des Opfers). Darauf empfangen wir sie als Speise (Kommunion oder Empfang der heiligen Speise).

Opferung (Bereitung der Gaben)

Zuerst grüßt der Priester die Gemeinde mit dem „Dominus vobiscum" und fordert sie zum Gebete auf.

1. *Gesang zur Gabenbereitung (Offertorium). Der Priester liest ihn aus dem Messbuch; im Hochamt singt ihn der Chor. In alter Zeit brachten die Gläubigen während dieses Gesanges ihre Gaben selber herbei, wie es auch heute gelegentlich geschieht.

2. Bereitung des Brotes. Der Priester deckt den Kelch ab, nimmt die Patene, auf der die große Hostie liegt, hebt sie betend empor und legt die Hostie auf den Altar. Die Hostien für die Gläubigen werden in einem Speisehelch oder auf einer Speisepatene dazugestellt.

3. Bereitung des Weines. Darauf bringen die Messdiener Wein und Wasser herbei. Der Priester geht an die rechte Seite des Altares, gießt den Wein in den Kelch und mischt ein wenig Wasser bei. Dann geht er zur Mitte, hebt betend den Kelch empor und stellt ihn auf den Altar. — So werden Brot und Wein dem weltlichen Gebrauch entzogen und Gott geweiht. Mit den Gaben von Brot und Wein bieten wir uns selbst Gott an, mit allem, was wir sind und was wir haben. Wir weihen ihm unsere Herzen. Dadurch werden wir bereit, mit Christus eia heiliges Opfer zu werden.

4. Händewaschung. Nach der Bereitung der Gaben wäscht der Priester die Hände. Das mahnt uns, das heilige Opfer mit reinem Herzen mitzufeiern.

5. *Gabengebet. Der Priester spricht: „Orale, fratres" (Betet, Brüder); dann fasst er unsere Gebete im Gabengebet zusammen. Die letzten Worte werden laut gesprochen oder gesungen: „Per omnia saecula saeculorum" (Von Ewigkeit zu Ewigkeit). Wir antworten : „Amen."

Wandlung (Darbringung des Opfers)

1. *Präfation und Sanctus. Der Priester fordert uns auf, unser Herz zu Gott zu erheben und ihm Dank zu sagen. Dann singt oder betet er mit ausgebreiteten Händen die Präfation. Mit dem Priester loben und preisen wir den himmlischen Vater und danken ihm für seine unzähligen Wohltaten durch Christus unsern Herrn. Dann stimmen wir in den Lobgesang der Engel und Heiligen ein, indem wir sprechen: „Heilig, beilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen, Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe." — Die Präfation ist nach Festen und Zeiten verschieden. Sie ist der erste Teil des Hochgebets, das mit dem Amen vor dem Pater-noster schließt.

2. Vor der Wandlung. Nach dem Sanctus setzt der Priester das Hochgebet fort. Wir bitten mit dem Priester, Gott möge unsere Gaben gnädig annehmen und segnen. Dann beten wir für die Lebenden, besonders für die Anwesenden und diejenigen, deren wir besonders gedenken wollen. Danach gedenken wir auch der Heiligen im Himmel. Hierauf bitten wir Gott, dass unsere Gaben verwandelt werden in den Leib und in das Blut seines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

3. Wandlung. Der Priester spricht nun die heiligen Worte, die Christus beim Letzten Abendmahl über Brot und Wein gesprochen hat. Dann beugt er das Knie und hebt zuerst den heiligen Leib und dann den Kelch mit dem heiligen Blut empor. Wir schauen auf, grüßen anbetend den heiligem Leib und das kostbare Blut unseres Herrn und vereinigen uns mit dem heiligen Opfer, das er durch die Hände des Priesters dem Vater darbringt.

4. Nach der Wandlung. Nun betet der Priester den letzten Teil des Hochgebetes. Mit dem Priester flehen wir zum himmlischen Vater, er möge das hochheilige Opfer annehmen, das wir zum Gedächtnis des Todes und der Auferstehung seines Sohnes darbringen, und bitten ihn, er möge uns mit seiner Gnade erfüllen. Dann beten wir für die Verstorbenen und bitten, Gott möge auch uns einst in die Gemeinschaft der Seligen aufnehmen. Hierauf schließt der Priester das Hochgebet mit einem feierlichen Lobpreis, bei dem er die heiligen Gaben emporhebt : „Durch Ihn — und mit Ihm — und in Ihm wird Dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Ehre und Verherrlichung." Dann singt oder spricht der Priester laut : „Per omnia saecula saeculorum." Wir antworten : „Amen."

Kommunion (Empfang der heiligen Speise)

1. Pater noster. Nachdem das Hochgebet gesprochen ist, dürfen wir den Leib des Herrn empfangen. Zuvor beten wir das Vaterunser, das Gebet der Gotteskinder.

2. Brotbrechung. Der Priester bricht die heilige Hostie in zwei Teile, bricht von dem einen Teil ein Stückchen ab und senkt es in den Kelch mit den Worten : „Pax Domini sit semper vobiscum" (Der Friede des Herrn sei allzeit mit euch). Wir antworten: „Et cum spiritu tuo."

3. Agnus Dei. Dann beten wir zu Christus: „Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt : erbarme Dich unser." Beim dritten Male heißt es am Ende : „Gib uns den Frieden." Daran schließt sich ein Gebet um den Frieden. Im feierlichen Hochamt wird nun der Friedenskuß gegeben.

4. Gebete vor der Kommunion. Wir beten still, um uns auf die heilige Kommunion vorzubereiten.

5. Kommunion. Zuerst empfängt der Priester den heiligen Leib und das heilige Blut des Herrn; dann gehen die Gläubigen zur heiligen Kommunion.

6. *Kommuniongesang (Communio). Im Hochamt wird während oder nach der Kommunion der Koinmuniongesang gesungen. Der Priester liest ihn auf der Epistelseite.

7. *Schlussgehet. Der Priester grüßt das Volk mit dem „Dominus vobiscum". Dann betet er mit ausgebreiteten Händen das Schlussgebet. Wir bitten Gott, das hochheilige Sakrament, das wir empfangen durften, möge Frucht tragen für Zeit und Ewigkeit.

8. Entlassung und Segen. Der Priester grüßt uns mit dem „Dominus vobiscum" und entlässt uns mit dem „Ite missa est" (Gehet hin, ihr seid entlassen) oder dem „Benedicamus Domino" (Lasst uns den Herrn preisen). Wir antworten : „Deo gratias" (Dank sei Gott). Bei Totenmessen heißt es : „Requiescant in pace" (Sie mögen ruhen in Frieden); Antwort : „Amen." Zum Schluss erteilt uns der Priester den Segen (außer in Totenmessen) und liest das Schlussevangelium (für gewöhnlich den Anfang des Johannesevangeliums).

Aufgaben: 1. Was braucht der Priester, wenn er die heilige Messe in einem Saal feiern muss ? 2. Zeichne die priesterlichen Gewänder und schreibe die Namen dazu ! 3. Zeichne, was zu einem gedeckten Kelch gehört ! 4. Wann steht der Priester bei der heiligen Messe auf der rechten Seite ? — wann auf der linken ? 5. Was heißt auf deutsch : Kyrie eleison, Christ* eleison — Dominus vobiscum — Et cum spiritu tuo — Oremus — Per omnia saecula saeculorum — Gloria tibi, Domine — Sursum corda — Habemus ad Dominum — Gratias agamus Domino Deo nostro — Dignum et justum est — Sanctus — Pax Domini sit Semper vobiseum — Ite, missa est — Deo gratias ?

VON DER GEFÄHRDUNG DES NEUEN LEBENS

Gott will, dass unser Leben auf Erden eine Probezeit sei, damit wir die Herrlichkeit des Himmels nicht nur als Geschenk, sondern auch als Siegespreis erlangen. Darum lässt er zu, dass wir versucht werden und sündigen und so unser ewiges Heil gefährden.

80. Die Versuchung

Als Jesus in der Wüste versucht wurde, nahm ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sagte zu ihm: „Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest." Da sprach Jesus zu ihm : „Weiche, Satan ! Denn es steht geschrieben : Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen." Da ließ der Teufel von ihm ab, und siehe, Engel kamen herbei und dienten ihm (vgl. Matth. 4, 8-11).

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Solange wir auf Erden leben, geraten wir immer wieder in Versuchung. Die bösen Neigungen in uns reizen uns zur Sünde; manche Menschen suchen uns zu verführen; der Teufel bietet seine List und Bosheit auf, damit wir gegen Gott sündigen und ewig verlorengehen.

Gott lässt die Versuchung zu unserm Heile zu. Er will, dass wir uns in der Versuchung bewähren, unsre Schwäche erkennen und demütig werden; auch sollen wir durch den Kampf erstarken und einst um so herrlicheren Lohn erlangen.

Gott hilft uns in der Versuchung. Er ist getreu: wenn er zulässt, dass wir versucht werden, gibt er uns auch die Gnade, dass wir die Versuchung überwinden können. Er ist uns nahe, selbst wenn wir uns ganz verlassen fühlen.

Wir sollen der Versuchung sofort widerstehen und Gott um Hilfe bitten. Manchmal genügt ein Stoßgebet oder das Kreuzzeichen. Oft ist es das beste, die Versuchung nicht zu beachten oder sich mit etwas anderem zu beschäftigen. — Menschen, die uns Anlass zur Sünde geben oder die uns verführen wollen, müssen wir furchtlos und tapfer abweisen und nach Möglichkeit meiden.

Wenn wir in die Versuchung einwilligen, sündigen wir. Wir sündigen aber auch dann schon, wenn wir uns ohne Grund bei der Versuchung aufhalten oder sie nur nachlässig bekämpfen.

Wir müssen uns auf den Kampf gegen das Böse durch Gebet und Selbstüberwindung vorbereiten und wachsam sein. Christus sagt: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet" (Matth. 26, 41).

Überlege: 1. Wodurch werden wir versucht ? 2. Warum lässt Gott die Versuchung zu ? 3. Wie hilft uns Gott in der Versuchung ? 4. Wie sollen wir uns verhalten, wenn andere uns zur Sünde verführen wollen ? 5. Wozu mahnt uns Christus, damit wir nicht in Versuchung fallen ?

153. Was sollen wir tun, wenn wir versucht werden ?

Wir sollen der Versuchung sofort widerstehen und Gott um seine Hilfe bitten.

154. Wann führt die Versuchung zur Sünde ?

Die Versuchung führt zur Sünde, wenn wir in das Böse einwilligen.

Für mein Leben: In der Versuchung will ich mir sagen: „Nein, niemals!" und beten : „Herr, hilf mir !"

Wort Gottes: „Brüder, seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlinge. Widerstehet ihm fest im Glauben !" (1 Petr. 5, 8 9.) — „Wer zu stehen glaubt, der sehe zu, dass er nicht falle" (1 Kor. 10, 12). — „Wer die Gefahr liebt, kommt darin um" (Sir.3,27).- „Gott ist getreu; er wird euch nicht über eure Kraft versucht werden lassen, sondern wird mit der Versuchung auch den guten Ausgang geben, dass ihr bestehen könnt" (1 Kor. 10, 13). — „Selig der Mann, der in der Versuchung standhält; wenn er sich bewährt, wird er den Siegeskranz des Lebens empfangen, den der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben" (Jak. 1, 12).

Aus der Lehre der Heiligen: „Wer nicht versucht wird, wird nicht erprobt; wer nicht erprobt wird, kommt nicht voran" (Augustinus). — „Je mehr du kämpfst, desto mehr beweist du deine Liebe zu Gott" (Theresia von Avila). — „Wenn wir uns an Gottes Hand halten, siegen wir über den Teufel; wenn wir allein gegen ihn kämpfen, werden wir besiegt" (Augustinus).

Lebensregel: Am schwächsten und nachgiebigsten ist der Mensch, wenn er traurig und niedergeschlagen ist. Darum sei froh und unverzagt zu jeder Stunde.

Aufgaben: 1. Wodurch wurden versucht : a) Eva, b) Adam, c) Kain, d) der ägyptische Josef, e) Job, f) David, g) die makkabäischen Brüder, h) Judas, i) Petrus, k) Ananias und Saphira ? 2. Was tust du : a) wenn dir ein Gedanke gegen den Glauben kommt, b) wenn dich unkeusche Gedanken belästigen, c) wenn dich ein Älterer verführen will, d) wenn in der Klasse ein Verführer ist ?

81. Die Todsünde

Beim Letzten Abendmahl sprach Jesus zu seinen Jüngern : „Wahrlich, ich sage euch, einer von euch wird mich verraten." Da wurden sie tief betrübt und fingen an, ihn einzeln zu fragen : „Ich bin es doch nicht, Herr ?" Jesus antwortete : »Wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Es wäre für ihn besser, wenn er nicht geboren wäre" (vgl. Matth. 26, 21—24).

+

Oft hören wir nicht auf die Mahnung Gottes, sondern willigen in die Versuchung ein. Wir fehlen gegen Gott, seinen heiligen Willen, seine Ordnung. Wir übertreten mit Wissen und Willen Gottes Gebot. Wir sündigen.

Manche gehen so weit, dass sie sich um eines irdischen Gutes willen von Gott abwenden. Sie schätzen Genuss und Besitz, Macht und Ehre höher als Gott. Sie sündigen schwer gegen Gott. Solche Sünden nennt man Todsünden.

Man begeht eine Todsünde nur dann, wenn man in einer wichtigen Sache sündigt. So ist es eine Todsünde, vom Glauben abzufallen, Gott oder den Nächsten zu hassen oder einen schweren Diebstahl zu begehen.

Zu einer Todsünde gehört aber auch, dass man klar erkennt, es geht um eine wichtige Sache, und dass man voll einwilligt. Nur wer in einer wichtigen Sache ganz freiwillig, d. h. mit vollem Wissen und Willen, sündigt, begeht eine Todsünde.

Die Todsünde ist ein schweres Unrecht gegen Gott. In der Todsünde lehnt sich der Mensch gegen seinen Schöpfer und Herrn auf; er beleidigt dadurch den hochheiligen Gott und vergilt die Liebe seines gütigen Vaters und seines gekreuzigten Erlösers mit schmählichem Undank.

Die Todsünde ist zugleich ein furchtbares Unglück für den Menschen: sie raubt ihm das Gnadenleben, die Freundschaft Gottes und alle Verdienste für den Himmel; sie zieht ihm zeitliche Strafen und die ewige Verdammnis zu. — Nicht selten bringt ein Mensch durch seine Sünde auch über andere großes Unglück.

Solange der Todsünder sich nicht bekehrt, ist er tot für den Himmel und kann sich darum durch seine guten Werke keinen himmlischen Lohn erwerben. Gott gibt dem Sünder aber für das Gute, das er tut, oft irdischen Lohn oder die Gnade, dass er sich bekehre.

Wenn jemand oft dieselbe Todsünde begeht, wird sie zur Gewohnheit und schließlich zu einem Laster. Wer die Gnade immer wieder abweist und immer wieder sündigt, wird allmählich blind für die göttliche Wahrheit und taub für die Gnade. Er wird verblendet und erkennt nicht mehr, wie es um ihn steht; er wird verstockt und will sich nicht mehr retten lassen. Er schwebt in großer Gefahr, unbußfertig zu sterben und für ewig von Gott verstoßen zu werden.

Überlege: 1. Was schätzen die Menschen oft höher als Gott ? 2. Nenne Todsünden ! 3. Warum nennt man die schwere Sünde „Todsünde" ? 4. Was geschieht, wenn ein Mensch oft dieselbe Todsünde begeht ? 5. Warum ist es so gefährlich, wenn ein Mensch verblendet und verstockt ist ?

155. Wer begeht eine Sünde ?

Eine Sünde begeht, wer Gottes Gebot mit Wissen und Willen übertritt.

156. Wer begeht eine Todsünde ?

Eine Todsünde begeht, wer gegen Gott sündigt

1. in einer wichtigen Sache,

2. mit klarer Erkenntnis,

3. mit voller Einwilligung.

157 . Warum müssen wir uns vor jeder Todsünde hüten ?

Wir müssen uns vor jeder Todsünde hüten, weil sie das größte Unrecht gegen Gott und das größte Unglück für uns Menschen ist.

158. Welche Folgen hat die Todsünde ?

1. Die Todsünde raubt uns das Gnadenleben und alle Verdienste für den Himmel.;

2. sie zieht uns die ewige Verdammnis und auch zeitliche Strafen zu.

Für mein Leben: Lieber will ich alles verlieren, als mich durch eine Todsünde von Gott abwenden und ewig verlorengehen.

Wort Gottes: „Es gibt eine Sünde, die zum Tode führt" (1 Joh. 5, 16). — „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet" (Matth. 16, 26).

Aus der Lehre der Heiligen: „Gebt doch nicht für ein armseliges Vergnügen eure ganze Würde preis !" (Cyrill von Jerusalem.) — „Es ist unmöglich, dass ein Mensch, der mit rechtem Eifer betet und beständig Gott anruft, je eine schwere Sünde begeht" (Johannes Chrysostomus).

82. Die lässliche Sünde

In der Offenbarung des heiligen Johannes lesen wir die Mahnung, die Christus an die Gemeinde von Ephesus richtete : „Ich kenne deine Werke, dein Mühen und dein Dulden. Aber etwas habe ich gegen dich : du hast deine erste Liebe nicht mehr. Bedenke, von welcher Höhe du herabgesunken bist ! Kehre um und tue deine früheren Werke wieder ! Sonst werde ich über dich kommen und deinen Leuchter von seiner Stelle rücken" (vgl. Offb. 2, 2—5).

+

Auch wenn wir Gott lieben, lassen wir uns oft zur Sünde verleiten. Wir wenden uns nicht von Gott ab, aber wir sind nachlässig in seinem Dienst. Solche Sünden können auch ohne Beichte nachgelassen werden; deshalb heißen sie "lässliche Sünden". Sie bringen uns nicht den ewigen Tod, aber sie fügen uns gleichsam eine Wunde zu; darum kann man sie auch Wundsünden nennen.

Man begeht eine lässliche Sünde, wenn man in einer weniger wichtigen Sache sündigt, z. B. wenn man etwas von geringerem Werte stiehlt.

Manche sündigen zwar in einer wichtigen Sache; aber sie erkennen nicht klar, dass es sich um eine wichtige Sache handelt, oder sie willigen nicht voll ein: auch sie begehen nur eine lässliche Sünde.

Die lässlichen Sünden sind verschieden groß, wie es auch kleine und große Wunden gibt. Eine lässliche Sünde ist z. B. um so größer, je klarer wir sie erkennen und je freiwilliger wir zustimmen. — Wenn wir etwas nicht als Sünde erkennen oder es nicht wollen, sündigen wir überhaupt nicht.

Auch lässliche Sünden sind ein Unrecht gegen den unendlich heiligen Gott und gegen unsern gütigen Erlöser. Sie sind eine Nachlässigkeit und ein Undank gegen unsern himmlischen Vater. Darum sollen wir uns bemühen, auch die lässlichen Sünden zu meiden.

Auch lässliche Sünden schaden uns, besonders wenn wir sie mit Überlegung begehen. Sie bringen uns um viele Gnaden und schwächen in uns die Liebe zu Gott und die Freude am Guten; sie bringen uns in Gefahr, eines Tages auch schwere Sünden zu begehen.

Die lässlichen Sünden ziehen zeitliche Strafen nach sich. Gott straft uns für sie auf Erden und, wenn wir sie nicht in diesem Leben abbüßen, einst im Fegfeuer.

Überlege: 1. Wann begehen wir eine lässliche Sünde? 2. Warum heißt sie „lässliche Sünde" ? 3. Warum kann man die lässliche Sünde auch „Wundsünde" nennen ?

4. Nenne Sünden, die lässlich sind, weil es um eine weniger wichtige Sache geht l

5. Warum sind auch lässliche Sünden ein Unrecht gegen Gott ? 6. Welchen Schaden bringen uns die lässlichen Sünden ? 7. Welche Strafen haben wir für die lässlichen Sünden verdient ?

159. Warum sollen wir auch die lässlichen Sünden nach Kräften meiden? Wir sollen auch die lässlichen Sünden nach Kräften meiden,

1. weil sie ein Unrecht gegen Gott sind,

2. weil sie uns um viele Gnaden bringen und uns Gottes Strafe zuziehen,

3. weil sie nach und nach zu schweren Sünden führen können.

Für mein Leben: Wenn mir in der Versuchung der Gedanke kommt: Es ist ja nur eine lässliche Sünde, will ich denken : Der Heiland hat am Kreuz auch für die lässlichen Sünden leiden müssen.

Wort Gottes: „In vielen Dingen fehlen wir alle" (Jak. 3, 2). — „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns" (Joh.1,8).

Aus der Lehre der Heiligen: „Wer Gott dient wie ein Kind und nicht wie ein Sklave, der fürchtet sich auch, ihn in kleinen Dingen zu beleidigen" (Basilius).

Sprichwörter: Wenn man dem Teufel den kleinen Finger gibt, nimmt er die ganze Hand. — Mit Kleinem fängt man an, mit Großem hört man auf.

Aufgabe: Wie können wir für unsere lässlichen Sünden Verzeihung erlangen?

BUßE UND BUßSAKRAMENT

Gott will nicht, dass wir in unsern Sünden sterben. Er mahnt uns zur Buße, führt uns zur Umkehr und vergibt uns unsere Schuld.

83. Die Tugend der Buße

Als Petrus den Herrn verleugnet hatte, wandte sich der Herr um und sah Petrus an. Da ging Petrus hinaus und weinte bitterlich (vgl. Luk. 22, 61 62).

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Gott verlangt in väterlicher Liebe danach, dass alle Sünder zu ihm heimfinden. Er will, dass wir uns von unsern Sünden abwenden und uns zu ihm, unserm höchsten Herrn und ewigen Ziel, hinwenden. Christus sagt: „Tut Buße; denn das Himmelreich ist nahe" (Matth. 4, 17).

Gott führt uns zuerst zur Erkenntnis, wie heilig und gut er ist und wie sehr wir durch unsere Sünden gegen ihn gefehlt haben. Nur wer etwas von Gottes Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe begreift, der erkennt, wie schlimm seine Sünde ist.

Gott will, dass wir unsre Sünden bereuen. Es muss uns aufrichtig leid tun, dass wir gegen Gott gesündigt haben; wir müssen ernstlich wünschen : Hätte ich die Sünde doch nicht begangen ! Ohne Reue ist eine Vergebung der Sünden unmöglich.

Zu jeder wahren Reue gehört der Vorsatz, d. h. der feste Wille, die Sünden nicht mehr zu begehen. Ohne Vorsatz ist die Reue nicht echt.

Wenn wir unsre Sünden bereuen, sollen wir vertrauensvoll von Gott Verzeihung erhoffen. Gott ist unendlich barmherzig; er hat seinen eigenen Sohn nicht geschont, um uns von unsern Sünden zu retten.

Bei unsrer Reue müssen wir an Gott denken. Wenn uns die Sünden nur aus einem irdischen Grunde leid tun, z. B. weil wir von den Eltern bestraft werden, verhilft uns diese irdische Reue nicht zur Vergebung der Sünden.

Auch wenn wir bei unsrer Reue an Gott denken, bereuen wir manchmal mehr aus Liebe zu uns: die Sünden tun uns leid wegen der Strafen, die wir von Gott verdient haben, oder weil sie in den Augen Gottes so häßlich sind. Eine solche Reue nennen wir eine unvollkommene Reue.

Wir sollen uns bemühen, unsre Sünden aus Liebe zu Gott zu bereuen : die Sünden sollen uns leid tun, weil wir den heiligen, guten Gott beleidigt und weil wir Christus, unsern liebevollen Erlöser, gekränkt haben. Eine solche Reue nennen wir eine vollkommene Reue.

Wenn wir vollkommene Reue haben, vergibt uns Gott unsere Sünden sogleich, sogar die Todsünden; die Todsünden müssen wir aber in der nächsten Beichte noch bekennen.

Wir sollen die vollkommene Reue öfter erwecken, z.B. am Abend bei der Gewissenserforschung, wenn wir in Todesgefahr schweben, vor allem aber, wenn wir eine schwere Sünde begangen haben.

Unsere Bußgesinnung soll sich in Werken der Buße zeigen. Bußwerke helfen uns, Strafen, die wir für unsere Sünden verdient haben, abzubüßen, unsere bösen Neigungen zu überwinden und im Guten zu erstarken.

Bußwerke sind : Beten, Fasten und Almosengeben, Leiden und Widerwärtigkeiten geduldig tragen und die Beschwerden des Berufslebens bereitwillig auf sich nehmen. Das vorzüglichste Bußwerk ist der Empfang des Bußsakramentes. „Das ganze Leben des Christen soll eine beständige Buße sein (Konzil von Trient).

Überlege: 1. Warum mahnt uns Gott zur Buße? 2. Was lässt uns Gott erkennen, damit wir Buße tun ? 3. Warum sollen wir auf Gottes Verzeihung hoffen ? 4. Welche Reue verhilft uns nicht zur Vergebung der Sünden ? 5. Wann sollen wir die vollkommene Reue erwecken ? 6. Nenne einzelne Bußwerke !

160. Wann haben wir unvollkommene Reue ?

Wir haben unvollkommene Reue, wenn uns die Sünden leid tun aus Furcht vor der Strafe Gottes.

161. Wann haben wir vollkommene Reue?

Wir haben vollkommene Reue, wenn uns die Sünden leid tun aus Liebe zu Gott.

162. Was gehört zu jeder wahren Reue ?

Zu jeder wahren Reue gehört der gute Vorsatz.

163. Was tut Gott, wenn wir unsre Sünden aus Liebe zu ihm bereuen ?

Wenn wir unsre Sünden aus Liebe zu Gott bereuen, vergibt er sie uns sogleich.

Für mein Leben: Beim Abendgebet will ich über die Sünden und Fehler des Tages nachdenken und sie aus Liebe zu Gott bereuen.

Wort Gottes: „Im Himmel wird mehr Freude sein über einen Sünder, der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen" (Luk. 15, 7). — "Säume nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und verschiebe es nicht von einem Tag zum andern; denn plötzlich kommt sein Zorn" (Sir. 5, 7).

Aus dem Leben der Kirche: Am Aschermittwoch streut uns der Priester Asche aufs Haupt und spricht dabei : „Bedenk, o Mensch, Staub bist du und wirst wieder zu Staub werden."

Kurze Reuegebete: Gott, sei mir Sünder gnädig! — Mein Gott, verzeih mir meine Sünden ! — Herr, erbarme Dich meiner ! — Vergib uns unsere Schuld ! — Herr, mach mich rein I — Mein Jesus, Barmherzigkeit !

Aufgaben: 1. Mit welchen Worten und Taten haben ihre Bußgesinnung ausgedrückt : a) die Brüder Josefs in Ägypten, b) König David, c) die Bewohner von Ninive, d) Petrus nach dem reichen Fischfang, e) die Sünderin im Hause des Pharisäers Simon, f) Zachäus, g) Petrus im Hof des Hohenpriesters, h) der reumütige Schacher ? 2. Welches Reuegebet kannst du auswendig ? 3. Was drücken wir aus : a) wenn wir an die Brust schlagen, b) wenn wir das Knie beugen, c) wenn wir uns verneigen, d) wenn wir uns zu Beginn der Fastenzeit Asche aufs Haupt streuen lassen ? 4. Denke dir ein Reuegebet aus ! 5. Was betest du einem Verunglückten vor, der sich in Todesgefahr befindet ?

Ein Herz, das zerknirscht und gedemütigt ist,

Gott, verschmähest Du nicht !

PSALM 50, 19

84. Das Sakrament der Buße

Am Abend des Auferstehungstages erschien Jesus den Aposteln und sprach zu ihnen : „Friede sei mit euch ! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." Nach diesen Worten hauchte er sie an und sprach : „Empfanget den Heiligen Geist ! Denen ihr die Sünden nachlasse!, denen sind sie nachgelassen, und denen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten" (vgl. Joh. 20, 19-23).

+

Christus kommt in seiner Liebe dem Sünder durch ein besonderes Sakrament zu Hilfe. In seinem Erdenleben hat er den bußfertigen Sündern ihre Sünden vergeben und am Kreuz die Schuld der ganzen Menschheit gesühnt. Am Tage seiner Auferstehung hat er den Aposteln und ihren Nachfolgern im Priesteramt die Vollmacht gegeben, in seinem Namen Sünden nachzulassen. Er hat das Sakrament der Buße eingesetzt und seiner Kirche anvertraut.

Das Bußsakrament muss jeder empfangen, der nach der Taufe eine schwere Sünde begangen hat. ,— Lässliche Sünden braucht man zwar nicht zu beichten; sie können auch auf andere Weise nachgelassen werden. Es ist aber sehr heilsam, auch sie zu beichten; denn in der Beichte hilft uns Christus durch die reichen Gnaden des Sakramentes. Es ist gut, die lässlichen Sünden regelmäßig zu beichten.

Christus hat angeordnet, dass im Bußsakrament die Sünden nachgelassen oder behalten werden; der Priester soll darüber als Richter entscheiden. Da er aber unsere Sünden nicht wissen kann, müssen wir sie ihm bekennen (beichten).

Wenn wir dem Priester unsre Sünden reumütig bekannt haben, spricht er uns los mit den Worten: „Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." (Lossprechung oder Absolution.)

Wenn der Priester uns losspricht, lässt uns Christus, unser Erlöser, die Sünden nach. Haben wir uns durch Todsünden von Gott getrennt, so versöhnt er uns mit seinem himmlischen Vater und lässt uns die Todsünden und die ewige Strafe nach; er gibt uns das Gnadenleben zurück sowie die Verdienste, die wir infolge der Sünde verloren hatten. Haben wir nur lässliche Sünden begangen, so vergibt uns Christus die Sündenschuld und lässt uns wenigstens einen Teil der zeitlichen Strafen nach; auch vermehrt er in uns das Gnadenleben und gibt uns neue Kraft, damit wir nicht wieder sündigen.

Im Bußsakrament werden zwar die ewigen, nicht aber immer alle zeitlichen Strafen nachgelassen. Darum legt uns der Priester im Bußsakrament eine Buße auf, damit wir in Verbindung mit dem Sühneleiden Christi Buße tun und dadurch zugleich gebessert werden.

Überlege: 1. Welche Vollmacht hat Christus den Aposteln am Tage seiner Auferstehung gegeben ? 2. Auf wen ist diese Vollmacht übergegangen ? 3. Warum ist es heilsam, die lässlichen Sünden zu beichten ? 4. "Wozu legt uns der Priester in der Beichte eine Buße auf ?

164. Mit welchen Worten hat Jesus das Bußsakrament eingesetzt ?

Jesus sprach zu den Aposteln : „Empfanget den Heiligen Geist ! Denen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und denen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten."

165. Wer muss das Bußsakrament empfangen ?

Das Bußsakrament muss jeder empfangen, der nach der Taufe eine schwere Sünde begangen hat.

166. Warum müssen wir im Bußsakrament unsre Sünden bekennen?

Wir müssen im Bußsakrament unsre Sünden bekennen, weil Christus es durch die Einsetzung des Bußsakraments so angeordnet hat.

167. Wie wird das Bußsakrament gespendet?

Nachdem das Beichtkind seine Sünden reumütig bekannt hat, erteilt der Priester die Lossprechung mit den Worten: „Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen."

168. Was wirkt Christus im Bußsakrament ?

1. Christus lässt im Bußsakrament die Sünden und die ewige Strafe nach;

2. er gibt das Gnadenleben zurück oder vermehrt es;

3. er gibt uns neue Kraft, damit wir nicht wieder sündigen.

Für mein Leben: Das Bußsakrament ist das Ostergeschenk des auferstandenen Heilands. In dieser Gnadenquelle will ich mich gern reinigen und erneuern lassen.

Glaubensgespräch: Manche sagen: „Gott kann mir auch ohne Beichte vergeben." — Wir antworten: „Wie Gott vergibt, bestimmt er selbst. Durch die Einsetzung des Bußsakramentes hat Christus angeordnet, dass alle schweren Sünden der Getauften dem Bußgericht der Kirche unterworfen werden. Dies ist sehr angemessen; denn die Sünde des Getauften ist auch ein Unrecht gegen die Kirche, die eine Gemeinschaft der Heiligen ist und aus heiligen Gliedern bestehen soll. Das Sündenbekenntnis ist auch eine heilsame Selbstverdemütigung. Dazu gibt uns die Lossprechung die frohe Gewissheit, dass Gott uns verziehen hat."

Aufgabe: In welchen biblischen Geschichten wird berichtet, dass Jesus Sünden verziehen hat ?

85. Der Empfang des Bußsakramentes

Als der verlorene Sohn in der Fremde die Schweine hüten musste und in bitterer Not war, ging er in sich und sprach : „Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluß, und ich gehe hier vor Hunger zugrunde ! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und ihm sagen : Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen" (vgl. Luk. 15, 11-19).

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Bevor wir das Bußsakrament empfangen, erforschen wir unser Gewissen. Wir besinnen uns, welche Sünden wir seit der letzten Beichte begangen haben; wir denken darüber nach, wie wir Gott durch Gedanken, Worte, Werke und durch Unterlassung des Guten beleidigt haben. Bei schweren Sünden müssen wir uns auch über die Zahl und die wichtigen Umstände erforschen; wichtige Umstände sind solche, die eine lässliche Sünde zu einer Todsünde machen (z. B. großer Diebstahl) oder die Art einer Sünde bedeutend ändern, weil noch ein anderes Gebot übertreten wird (z. B. Diebstahl eines Messkelches).

Das wichtigste beim Empfang des Bußsakraments ist die Reue. Ohne Reue können wir keine Vergebung unsrer Sünden erlangen. Wer Todsünden begangen hat, muss wenigstens die Todsünden bereuen. Wer nur lässliche Sünden zu beichten hat, muss wenigstens eine davon ernstlich bereuen. Im Bußsakrament genügt die unvollkommene Reue; wir sollen uns aber bemühen, unsre Sünden aus Liebe zu Gott zu bereuen.

Wenn wir das Bußsakrament empfangen, sollen wir uns ernstlich vornehmen, alle Sünden zu meiden, allen Schaden wiedergutzumachen und Gott von neuem treu zu dienen. Wir müssen uns wenigstens vornehmen, alle schweren Sünden zu meiden und alles, wodurch wir sehr wahrscheinlich zu einer schweren Sünde verleitet werden (nächste Gelegenheit), sowie großen Schaden wiedergutzumachen. Wer keinen guten Vorsatz hat, empfängt das Bußsakrament ungültig.

Beim Bekenntnis müssen wenigstens alle Todsünden gebeichtet werden, dazu die Zahl und die wichtigen Umstände, soweit es möglich ist. Wir sollen deutlich und aufrichtig beichten, ohne etwas zu verschweigen oder zu beschönigen. Der Beichtvater darf von den gebeichteten Sünden niemand etwas sagen; er muss bereit sein, eher den Tod zu erleiden, als das Geringste aus der Beichte auszusagen {Beichtsiegel oder Beichtgeheimnis).

Wer ohne eigene schwere Schuld etwas Wichtiges ausgelassen hat, braucht es nur in der nächsten Beichte nachzuholen; die Sünde war in der vorigen Beichte eingeschlossen und ist bereits verziehen. — Wer aber durch eigene schwere Schuld eine Todsünde auslässt, beichtet ungültig; er behält alle seine Sünden und begeht eine neue schwere Sünde, einen Gottesraub.

Wer ungültig gebeichtet hat, muss möglichst bald eine gültige Beichte ablegen; in ihr muss er wenigstens alle Todsünden bekennen, die er seit der letzten gültigen Beichte begangen hat. Eine Beichte, in der mehrere Beichten wiederholt werden, heißt Wiederholungsbeichte oder Generalbeichte. Man kann auch freiwillig eine Wiederholungsbeichte ablegen. Sie ist zu empfehlen beim Eintritt in einen neuen Lebensstand (z. B. vor der Heirat), bei einer Mission, bei Exerzitien oder in gefährlicher Krankheit.

Nachdem wir die Sünden bekannt haben, empfangen wir die Lossprechung. Durch Gottes Barmherzigkeit werden wir von unsern Sünden befreit und mit neuer Kraft zum Guten erfüllt. Die Lossprechung ist der heiligste Augenblick der Beichte.

Nach der Beichte verrichten wir die Buße, die der Priester uns auferlegt hat. Es ist heilsam, dass wir ums außerdem eine freiwillige Buße auferlegen. Wir sollen die Buße in Vereinigung mit dem Sühneleiden unsres Herrn als Genugtuung auf uns nehmen. Wir dürfen auch nicht vergessen, den Schaden nach Kräften wiedergutzumachen.

Überlege: 1. Worüber erforschen wir unser Gewissen? 2. Worüber müssen wir uns bei schweren Sünden erforschen? 3. Welche Reue genügt im Bußsakrament? 4. Wie müssen wir beichten ? 5. Welche Pflicht legt das Beichtsiegel dem Beichtvater auf ? 6. Was müssen wir tun, wenn wir ohne schwere Schuld etwas Wichtiges ausgelassen haben ? 7. Was muss der tun, der ungültig gebeichtet hat ? 8. Welches ist der heiligste Augenblick der Beichte ?

169. Was gehört zum Empfang des Bußsakraments ?

Zum Empfang des Bußsakraments gehören

1. die Gewissenserforschung,

2. die Reue,

3. der Vorsatz,

4. das Sündenbekenntnis,

5. die Genugtuung.

170. Was ist das Notwendigste beim Empfang des Bußsakraments?

Das Notwendigste beim Empfang des Bußsakraments ist die Reue; ohne Reue ist die Beichte ungültig.

171. Was sollen wir uns beim Empfang des Bußsakraments vornehmen? Wir sollen uns beim Empfang des Bußsakramentes vornehmen, alle Sünden zu meiden, allen Schaden wiedergutzumachen und Gott von neuem treu zu dienen.

172. Welche Sünden müssen gebeichtet werden ?

Alle Todsünden müssen gebeichtet werden, dazu die Zahl und die wichtigen Umstände.

173. Wie leisten wir Genugtuung?

Wir leisten Genugtuung, indem wir die auferlegte Buße verrichten und den angerichteten Schaden nach Kräften wiedergutmachen.

Für mein Leben: Sollte ich einmal das Unglück haben, eine schwere Sünde zu begehen, dann will ich sie möglichst bald beichten. Besser ist es, die Sünde dem Priester zu bekennen, als unruhig zu leben, unglückselig zu sterben und am Jüngsten Tage vor aller Welt beschämt und für ewig verdammt zu werden.

Das vierte Kirchengebot: Um die Sünder zu mahnen, dass sie die Buße nicht immer wieder verschieben, gebietet die Kirche: Du sollst wenigstens einmal im Jahre deine Sünden beichten.

Glaubensgespräch: Mancher fragt: „Du gehst so oft beichten. Was hast du davon ?" — Wir antworten : „Die Beichte gibt mir den Frieden mit Gott, die Freude des reinen Gewissens, Kraft für die Stunde der Versuchung und Hilfe im Kampf gegen meine Fehler. Sie hilft mir, mich besser kennenzulernen und in der Nachfolge Christi voranzukommen. Nach jeder Beichte bin ich froh und habe neuen Mut."

Aufgaben: 1. Was sagst du zu folgenden Beichten : a) Jemand hat eine lässliche Sünde absichtlich ausgelassen, b) Ein anderer hat im Beichtstuhl eine schwere Sünde, die er beichten wollte, vergessen, c) Ein dritter hat eine schwere Sünde nicht gebeichtet, weil er bei der Gewissenserforschung ganz nachlässig war. d) Ein vierter hat gedacht : Ich bete das Reuegebet und beichte, aber die gestohlene Uhr gebe ich nicht wieder her. e) Ein fünfter hat an zwei Sonntagen die Messe aus eigener Schuld versäumt und beichtet : „Ich war nachlässig beim Gottesdienst." f) Ein sechster hat durch eine Lüge einen andern ins Gefängnis gebracht und beichtet : „Ich habe gelogen." — Welche Beichten waren gültig ? — welche ungültig? — Was müssen die einzelnen jetzt tun ? 2. Nenne Bußwerke, die man sich selbst auferlegen kann ! 3. Welche Fehler kann man beim Beichten begehen ? 4. Wodurch kann eine Beichte ungültig werden ? 5. Warum ist es gut, immer beim gleichen Priester zu beichten ? 6. In welcher Reihenfolge kann man in der Beichte seine Sünden bekennen ?

WIE WIR DAS BUß-SAKRAMENT EMPFANGEN

I. Vor der Beichte

Vorbereitungsgebet. „Komm, Heiliger Geist, erleuchte mich, dass ich meine Sünden recht erkenne. Hilf mir, dass ich sie gut bereue, aufrichtig beichte und mich wahrhaft bessere."

Gewissenserforschung. Wir denken nach, welche Sünden wir seit der letzten Beichte begangen haben. Es ist gut, wenn wir uns dabei an die Ordnung eines Beichtspiegels halten (vergleiche den Beichtspiegel im Diözesangebetbuch). Es kann uns auch helfen, an die Orte zu denken, an denen wir gewesen sind : Wohnung, Schule, Kirche, Straße, Spielplatz, Feld usw.

Reue. Wir denken an das Gericht des heiligen und gerechten Gottes, an das Fegfeuer und an die Hölle und erwägen: Welche Strafen habe ich für meine Sünden verdient ?

Wir betrachten den Ieidenden HeiIand und bedenken: Meine Sünden sind an seinen Leiden schuld. Wie habe ich sein heiliges Herz verwundet ! „Mein Jesus, Barmherzigkeit !".

Wir schauen auf unsern himmlischen Vater und bedenken : Wieviel Gutes hat er mir getan ! Wie liebevoll schaut er auf mich herab ! Wie heilig und gut ist er ! Wie bin ich so böse und undankbar gegen ihn gewesen ! Dann bitten wir den gütigen Gott von ganzem Herzen um Verzeihung.

Vorsatz. Wir versprechen Gott, die Sünden nicht wieder zu tun und mit allen Kräften seinen Willen zu erfüllen. Es ist nützlich, zu überlegen, wie wir die Sünden in Zukunft meiden können. Darum fragen wir uns; Wo droht mir eine Gefahr zur Sünde ? Was kann ich dagegen tun ? Worin muss ich mich bessern ? Heute — morgen — zu Hause — in der Schule usw. ?

Es ist auch gut, einen besonderen Vorsatz zu fassen. Wir nehmen uns vor, eine bestimmte Sünde zu bekämpfen oder eine bestimmte Tugend zu üben. Wir sollen uns bemühen, vor allem unsern Hauptfehler zu bekämpfen.

II. Die Beichte

Wenn wir unser Gewissen erforscht, Reue erweckt und unsern Vorsatz gefasst haben, treten wir an den Beichtstuhl und warten, bis wir an die Reihe kommen; wir bleiben gesammelt und andächtig und beten mit eigenen Worten oder aus dem Gebetbuch.

Wir gehen in den Beichtstuhl und knien nieder. Der Priester segnet uns; wir machen das Kreuzzeichen.

Wir beginnen: „Meine letzte Beichte war vor . . . Wochen. In Demut und Reue bekenne ich meine Sünden." Dann bekennen wir deutlich und aufrichtig unsre Sünden.

Am Schluss können wir sagen : „Diese und alle meine Sünden sind mir von Herzen leid; ich will mich ernstlich bessern und bitte um Buße und Lossprechung", oder : „Mein Jesus, Barmherzigkeit", oder : „Gott, sei mir Sünder gnädig."

Dann geben wir acht auf das, was der Priester uns sagt, und auf die Buße, die er uns auferlegt. Wenn wir etwas nicht verstanden haben, fragen wir.

Hierauf erteilt der Priester die Lossprechung. Dabei denken wir an Christus, der uns jetzt die Sünden nachlässt, und machen das Kreuzzeichen. Zum Schluss spricht der Priester gewöhnlich : „Gelobt sei Jesus Christus !" Darauf antworten wir : „In Ewigkeit. Amen" und verlassen den Beichtstuhl.

III. Nach der Beichte

Danksagung und Bitte. Wir suchen uns einen Platz in der Kirche, an dem wir ungestört beten können. Dort danken wir Gott für sein Erbarmen, erneuern unsre Vorsätze und bitten Gott um seine Gnade, damit wir ihm nun mit neuem Eifer dienen.

Das Bußwerk. Wenn es möglich ist, verrichten wir gleich die auferlegte Buße. Dann überlegen wir, was wir uns als freiwillige Buße auferlegen wollen.

86. Der Ablass

Alle fünfundzwanzig Jahre verkündet der Heilige Vater ein „Heiliges Jahr". Er lädt die Gläubigen ein, in die Ewige Stadt zu kommen, sich von ihren Sünden zu bekehren, zu beichten und den Leib des Herrn zu empfangen; sie sollen die Hauptkirchen der Stadt Rom besuchen und dort nach der Meinung des Heiligen Vaters beten. Allen, die das tun, wird ein vollkommener Ablass verliehen. Im Jahr darauf kann der Ablass des Heiligen Jahres gewöhnlich in der ganzen Welt gewonnen werden.

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Christus hat seiner Kirche die Gewalt gegeben, auch außerhalb des Bußsakramentes Strafen nachzulassen, die wir für unsere Sünden verdient haben. Er sprach : „Was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein" (Matth. 18, 18). Darum lässt uns die Kirche durch den Ablass zeitliche Strafen für Sünden nach, die uns bereits vergeben sind. Strafen für Sünden, die noch nickt vergeben sind, können durch den Ablass nicht nachgelassen werden.

Christus hat uns durch seinen Tod den Nachlass aller Strafen verdient. In Vereinigung mit ihm leistet auch die Kirche in ihren Heiligen unablässig Sühne für die Sünden. Aus dem Schatz der Sühne Christi und der Heiligen bietet die Kirche Gott einen Ersatz an für die zeitlichen Strafen, die sie den Gläubigen durch den Ablass erlässt.

Durch einen vollkommenen Ablass werden alle zeitlichen Strafen nachgelassen. Solche Ablässe sind z. B. der Portiunkula-Ablass, der Jubiläumsablass und der Sterbeablass. Durch einen unvollkommenen Ablass wird nur ein Teil der zeitlichen Strafen nachgelassen. Ein Ablass von einem Jahr oder von 40 Tagen (eine Quadragene) bedeutet den Nachlass von so vielen Strafen, wie man früher durch ein Jahr oder 40 Tage Kirchenbuße abgebüßt hätte. Wieviel das ist, weiß Gott allein. — Fast alle Ablässe können fürbittweise auch den Armen Seelen zugewendet werden.

Um einen Ablass zu gewinnen, müssen wir im Stande der Gnade sein und die vorgeschriebenen guten Werke oder Gebete verrichten. Wer alle vierzehn Tage beichtet oder fast täglich kommuniziert, kann jederzeit alle Ablässe gewinnen, für welche die Beichte ausdrücklich vorgeschrieben ist.

Überlege: 1. Mit welchen Worten hat Christus der Kirche die Vollmacht gegeben, Strafen nachzulassen ? 2. Welche Strafen können uns durch den Ablass nachgelassen werden? 3. Wem haben wir es zu verdanken, dass Gott uns diese Strafen nachlässt? 4. Was wird durch einen vollkommenen Ablass nachgelassen ? 5. Was wird durch einen unvollkommenen Ablass nachgelassen ?

174. Was wird uns durch den Ablass nachgelassen?

Durch den Ablass werden uns zeitliche Strafen nachgelassen für Sünden, die uns bereits vergeben sind.

175. Was ist notwendig, um einen Ablass zu gewinnen ?

Um einen Ablass zu gewinnen, müssen wir im Stande der Gnade sein und die vorgeschriebenen guten Werke oder Gebete verrichten.

Für mein Leben: Ich will öfters einen Ablass für die Armen Seelen gewinnen.

Glaubensgespräch: Manche sagen: „Wenn die Sünde nachgelassen ist, ist auch die Strafe nachgelassen." — Wir antworten: „Gott ließ dem David seine schwere Sünde nach, nicht aber die ganze Strafe. Der Prophet Nathan sagte zu ihm: ,Der Herr hat deine Sünde hinweggenommen. Doch dein Sohn, der dir geboren wurde, muss sterben'" (2 Sam. 12, 13 14). — Falsch ist auch die Meinung, durch den Ablass würden die Sünden selbst vergeben. Eine Verleumdung ist es, zu sagen, die Kirche verkaufe den Ablass oder lasse gar zukünftige Sünden für Geld nach.

DER CHRIST IN SCHWERER KRANKHEIT

In schwerer Krankheit und in der Todesstunde haben wir eine besondere Stärkung für Leib und Seele nötig. Darum kommt uns Christus, der Freund der Kranken, zu Hilfe im Sakrament der Krankensalbung.

87. Das Sakrament der Krankensalbung

Der heilige Apostel Jakobus schreibt: „Ist einer krank unter euch, so rufe er die Priester der Kirche; sie sollen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken Heil bringen, der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er in Sünden ist, so werden sie ihm nachgelassen" (Jak. 5, 14 .15).

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Das Wort des heiligen Apostels Jakobus zeigt uns, dass schon die Apostel das Sakrament der Krankensalbung gespendet haben. Das konnten sie nur tun, wenn Christus dieses Sakrament eingesetzt hatte.

Jeder katholische Christ, der durch Krankheit, Unfall oder Altersschwäche in Todesgefahr schwebt, soll die Krankensalbung empfangen. Auch kranke Kinder können sie empfangen, wenn sie zum Gebrauch der Vernunft gelangt sind. Die Krankensalbung kann in derselben Krankheit wiederholt werden, wenn die Todesgefahr vorüber war und sich von neuem einstellt.

Wer die Krankensalbung empfängt, muss seine Sünden von Herzen bereuen; er soll sich, wenn möglich, auch durch eine gute Beichte vorbereiten. Auch soll er darauf vertrauen, dass Christus, der Sieger über Krankheit und Tod, ihm Hilfe bringt und seine Krankheit zum Heile wendet. — Der Kranke oder die Angehörigen sollen den Priester rechtzeitig rufen lassen, damit der Kranke das Sakrament bei klarem Bewusstsein empfangen kann.

Der Priester salbt den Kranken mit dem geweihten Kranken-ÖI an den fünf Sinnen, an den Augen, den Ohren, der Nase, dem Mund, den Händen (und an den Füßen) und betet dabei : ^Durch diese heilige Salbung und seine mildreiche Barmherzigkeit vergebe dir der Herr, was du gesündigt hast durch Sehen (Hören usw.). Amen."

Durch die Krankensalbung bringt Christus dem Kranken Heil. Er stärkt ihn, damit er in seinem Leiden nicht mutlos werde, sondern sie mit Geduld und Gottvertrauen trage. Er lässt ihm die Sünden und Strafen nach. Selbst Todsünden werden vergeben, wenn der Kranke nicht mehr beichten kann, seine Sünden aber bereut oder schon vorher bereut hat.

Christus schenkt dem Kranken oft auch Erleichterung in der Krankheit, ja sogar die volle Gesundheit, wenn es für ihn heilsam ist. Ist es aber der Wille Gottes, den Kranken heimzurufen, so stärkt ihn Christus für die letzte Stunde.

Überlege: 1.Woher wissen wir, dass schon die Apostel die Krankensalbung gespendet haben ? 2. "Wer soll die Krankensalbung empfangen ? 3. Wie oft kann man die Krankensalbung empfangen ? 4. Wie muss sich der Kranke auf die Krankensalbung vorbereiten? 5. Warum ist es wichtig, dass der Priester rechtzeitig gerufen wird ?

176. Was schreibt der Apostel Jakobus über das Sakrament der Krankensalbung ?

Der Apostel Jakobus schreibt : „Ist einer krank unter euch, so rufe er die Priester der Kirche; sie sollen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken Heil bringen, der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er in Sünden ist, so werden sie ihm nachgelassen."

177. Wann sollen wir die Krankensalbung empfangen ?

Wir sollen die Krankensalbung empfangen, wenn wir durch Krankheit, Unfall oder Altersschwäche in Todesgefahr kommen.

178. Wie spendet der Priester die Krankensalbung ?

Der Priester salbt die Sinne des Kranken mit Krankenöl und spricht dabei : „Durch diese heilige Salbung und seine mildreiche Barmherzigkeit vergebe dir der Herr, was du gesündigt hast durch Sehen (Hören usw.). Amen."

179. Was wirkt Christus durch die Krankensalbung ?

Durch die Krankensalbung stärkt uns Christus in Krankheit und Todesnot, lässt uns die Sünden und Strafen nach und schenkt uns die Gesundheit wieder, wenn es für uns heilsam ist.

Für mein Leben: Wenn in unserm Haus oder in der Nachbarschaft ein katholischer Christ schwer krank wird, will ich es sogleich im Pfarrhaus melden.

Glaubensgespräch: Manche sagen: „Wenn ein Kranker die Krankensalbung empfängt, muss er sicher sterben." — Wir antworten: „Diese Meinung ist töricht. Im Gegenteil ! In den Gebeten der Krankensalbung wird besonders um die Gesundung gebetet, und tatsächlich tritt öfters die Gesundung oder eine merkliche Erleichterung ein."

Die Aufgabe der Kranken für das Gottesreich: Die Kranken können ihre Leiden mit Christus aufopfern für die Bekehrung der Sünder, die Heidenmission, den Frieden der Welt und die andern großen Anliegen des Gottesreiches (Apostolat der Kranken).

WIE DEM KRANKEN DIE HEILIGEN SAKRAMENTE GESPENDET WERDEN

Vorbereitung

Wer den Priester zum Kranken ruft, gebe im Pfarrhaus genau Name und Wohnung des Kranken an (Straße, Hausnummer, Stockwerk). Er sage, ob der Kranke bei Bewusstsein ist und ob Gefahr besteht, dass er bald stirbt. Er sage auch, ob in der Wohnung des Kranken Kreuz, Kerzen und Weihwasser vorhanden sind, damit der Priester das Fehlende mitbringt.

Im Krankenzimmer wird ein Tisch so hingestellt, dass der Kranke ihn sehen kann. Man deckt ihn mit einem weißen Tuch und stellt ein Kreuz und zwei Kerzen darauf, dazu eine kleine Schale mit Weihwasser und einem Zweig, ein Glas mit gewöhnlichem Wasser und einen Löffel, sowie einen Teller mit sechs kleinen Wattebauschen und etwas Salz, Watte und Salz sollen nach dem Gebrauch verbrannt werden.

Inzwischen gebe man dem Kranken Gelegenheit, sich still zu sammeln, erwecke mit ihm Glaube, Hoffnung, Liebe und Reue und bete ihm Stoßgebete vor.

Bei Ankunft des Priesters

Wenn der Priester die Wohnung betritt, werden die Kerzen angezündet. Der Priester tritt mit dem Friedensgruß in das Krankenzimmer ein und besprengt den Kranken und alle Anwesenden mit Weihwasser.

Wenn der Kranke beichtet, gehen die übrigen aus dem Zimmer. Der Priester ruft sie nach der Beichte wieder herein.

Die Krankensalbung

Der Priester liest, wenn genügend Zeit ist, das Evangelium von der wunderbaren Heilung des kranken Knechtes des heidnischen Hauptmanns oder ein anderes passendes Schriftwort vor. Dann knien alle nieder und beten mit dem Priester die Fürbitten für den Kranken. Darauf folgt die Krankensalbung. Zum Schluß betet der Priester zusammen mit den Anwesenden für den Kranken.

Die Krankenkommunion

Alle beten gemeinsam das Vaterunser. Danach reicht der Priester dem Kranken den Leib des Herrn. Wenn der Kranke die heilige Eucharistie als Wegzehrung empfängt, spricht der Priester dabei die Worte : „Empfange, Bruder (Schwester), als Wegzehrung den Leib unseres Herrn Jesus Christus, der dich vor dem bösen Feind beschützen und zum ewigen Leben führen möge. Amen."

Der vollkommene Ablass

Zum Schluss ermahnt der Priester den Kranken, nochmals seine Sünden zu bereuen, andächtig den Namen Jesu anzurufen, seine Leiden und Schmerzen als Sühne für seine Sünden aufzuopfern und sich ganz dem Willen Gottes anheimzugeben. Dann erteilt er ihm den päpstlichen Segen. Mit diesem Segen ist ein vollkommener Ablass verbunden, den der Kranke in der Todesstunde gewinnt (Sterbeablass).

VON DEN STANDESAKRAMENTEN

Nach dem Willen Christi gibt es in der Kirche zwei Stände, die durch ein Sakrament geheiligt sind : den Priesterstand und den Ehestand.

88. Die Priesterweihe

Bevor der heilige Paulus von Ephesus wegging, bestellte er Timotheus zum Vorsteher der Gemeinde. Während die ganze Gemeinde versammelt war, legte er ihm unter Gebet die Hände auf. Später schrieb er ihm : „Ich ermahne dich, dass du die Gnadengabe Gottes wieder erweckest, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände" (2 Tim. 1, 6).

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Christus hat seinen Aposteln die Fülle der priesterlichen Vollmacht gegeben. Zugleich gab er ihnen auch die Gnade zu einem priesterlichen Leben und Wirken.

Die Apostel haben diese Vollmacht und Gnade, die sie von Christus empfangen haben, wieder anderen mitgeteilt. Sie legten ihnen die Hände auf und riefen den Heiligen Geist auf sie herab; sie weihten sie.

Seit den Zeiten der Apostel werden durch Handauflegung und Gebet Bischöfe, Priester und Diakone geweiht. Die Weihen werden vom Bischof gespendet; bei der Bischofsweihe wirken in der Regel noch zwei andere Bischöfe mit.

Durch die Weihe erteilt Christus die priesterliche Vollmacht und die Gnade zu einem priesterlichen Leben und Wirken. — Durch die Bischofsweihe erteilt er die volle priesterliche Gewalt. — Durch die Priesterweihe erteilt er die Vollmacht, die heilige Eucharistie zu feiern, die Sakramente der Taufe, der Buße und der Krankensalbung zu spenden sowie zu weihen und zu segnen. — Durch die Diakonatsweihe erteilt er die Vollmacht, die feierliche Taufe zu spenden, dem Priester am Altar als Diakon zu dienen und den Gläubigen den Leib des Herrn zu reichen.

Die Weihe prägt der Seele ein unauslöschliches Merkmal ein. Der Geweihte wird in besonderer Weise mit Christus, dem himmlischen Hohenpriester, verbunden und ihm ähnlich. Er kann seine priesterliche Vollmacht niemals wieder verlieren; er, darf sie aber nur ausüben, wenn er die Sendung durch seinen rechtmäßigen Oberen hat.

Christus beruft junge Männer aus allen Völkern und Ständen in seinen Dienst. Sie müssen lebendigen Glauben und echte Frömmigkeit haben und bereit sein, im Dienste Gottes Opfer zu bringen und zum Heil der Menschen zu wirken. Nur wer berufen ist, darf Priester werden. Wer glaubt, dass er berufen ist, soll sich durch keine irdischen Gründe abhalten lassen, dem Rufe Gottes zu folgen. Die letzte Entscheidung trifft der Bischof.

Überlege: 1. Welche Vollmacht und welche Gnade hat Christus den Aposteln übertragen ? 2. Wie haben die Apostel diese Vollmacht und diese Gnade weitergegeben ? 3. Wie werden die Bischöfe, Priester und Diakone geweiht ? 4. Wer hat die volle priesterliche Gewalt ? 5. Welche Vollmacht hat der Priester ? 6. Welche Vollmacht hat der Diakon ? 7. Was bewirkt das unauslöschliche Merkmal im Geweihten ? 8. Welche Eigenschaften muss jemand haben, der Priester werden will ?

180. Was berichtet die Heilige Schrift über die Priesterweihe ?

Die Heilige Schrift berichtet,

1. dass Christus den Aposteln die priesterliche Vollmacht und die Gnade zu einem priesterlichen Leben und Wirken verliehen hat;

2. dass die Apostel diese Vollmacht und Gnade andern mitgeteilt haben.

181. Was erteilt Christus durch die Priesterweihe ?

Durch die Priesterweihe erteilt Christus die priesterliche Vollmacht und die Gnade zu einem priesterlichen Leben und Wirken.

Für mein Leben: Ich will die Priester wegen ihres heiligen Amtes ehren, auf ihr Wort hören und für sie beten.

Aus der Liturgie der Priesterweihe: „Was diese Hände segnen, soll gesegnet sein; was sie weihen, soll geweiht und geheiligt sein."

Besondere Tage des Gebetes für die Priester sind die Quatembertage und die Priestersamstage.

Die Sorge für die Heranbildung der Priester: Alle Gläubigen sollen durch ihr Gebet und Opfer mithelfen, dass genügend Priester für die Arbeit im Gottesreich herangebildet werden. Keiner soll den Wunsch, Priester zu werden, aufgeben müssen, weil seine Eltern das Studium nicht bezahlen können. Priester und Gläubige helfen ihm, das Ziel zu erreichen, zu dem Gott ihn berufen hat. Dazu dient auch das „Päpstliche Werk für Priesterberufe". Es ist eine große Gnade für eine Gemeinde und eine Familie, wenn Gott einen ihrer Söhne zum Priestertum beruft.

Aufgaben: 1. Mit welchen Worten hat Christus den Aposteln die Vollmacht gegeben, die heilige Eucharistie zu feiern ? — mit welchen Worten die Vollmacht, Sünden nachzulassen ? 2. Was würde uns fehlen, wenn es keine Priester gäbe ? 3. Wo ist das Priesterseminar unseres Bistums ? 4. Was ist eine Primiz ? 5. Wann war in unserer Pfarrei die letzte Primiz ?

WIE DIE HEILIGEN WEIHEN GESPENDET WERDEN

Die Vorstufen zur Priesterweihe sind die Tonsur, die vier niederen Weihen, die Subdiakonatsweihe und die Diakonatsweihe.

Bei der Priesterweihe legt der Bischof jedem der Diakone schweigend die Hände aufs Haupt und ruft den Heiligen Geist auf ihn herab; auch die anwesenden Priester legen ihnen die Hände auf. Darauf betet der Bischof die Weihepräfation.

Als Zeichen der priesterlichen Würde legt ihnen nun der Bischof die Stola gekreuzt über die Brust und bekleidet sie mit dem Messgewand. Dann salbt er ihnen die Hände mit heiligem Öl und überreicht ihnen die Patene mit der Hostie und den Kelch mit Wein und Wasser als Zeichen dafür, dass sie von jetzt an das heilige Messopfer darbringen können. Gemeinsam mit den Neugeweihten feiert der Bischof darauf die heilige Eucharistie. Zum Schluss legt er noch einmal jedem einzelnen die Hände aufs Haupt und spricht : "Empfange den Heiligen Geist; denen du die Sünden nachlässt, denen sind sie nachgelassen, und denen du sie behältst, denen sind sie behalten."

89. Das Sakrament der Ehe

Bei der Trauung treten Bräutigam und Braut vor den Altar. Der Priester weiht die Ringe. Danach fragt er den Bräutigam und dann die Braut, ob sie einander zur Ehe nehmen wollen. Sie antworten mit Ja, stecken sich gegenseitig die Ringe an und reichen sich die rechte Hand. Der Priester schlingt nun die Stola um ihre Hände, und die Brautleute erklären vor ihm und den beiden Zeugen, dass sie einander zur Ehe nehmen. Danach segnet der Priester im Namen der Kirche ihren Bund. — Auf die Trauung folgt gewöhnlich die Brautmesse. Die jungen Eheleute nehmen mit den Hochzeitsgästen am heiligen Opfer teil und empfangen den Leib des Herrn. Nach dem Pater noster spricht der Priester einen besonderen Segen über die Braut. Am Ende der Messe ruft er feierlich Gottes Schutz auf das junge Paar herab.

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Gott bat die ersten Menschen als Mann und Frau erschaffen und sie zu einem heiligen Lebensbund zusammengeführt. So hat er die Ehe im Paradiese eingesetzt.

Christus hat die Ehe durch seinen Tod geheiligt und sie zu einer Quelle der Gnaden gemacht; er hat sie zu einem Sakrament erhoben. Die christliche Ehe ist ein Abbild der gnadenvollen Verbindung Christi mit seiner Braut, der Kirche (vgl. Eph. 5, 32).

Die Brautleute müssen sich gewissenhaft auf die Ehe vorbereiten. Sie müssen ernstlich prüfen, ob sie zueinander passen und ob ihre Liebe stark genug ist, dass sie einander treu bleiben bis zum Tode. Darum sollen sie Gott um Erleuchtung bitten und auf den Rat ihrer Eltern und Seelsorger hören. Auch müssen sie ihren Brautstand heilig halten und so den Segen Gottes auf ihre künftige Ehe herabflehen.

Die Brautleute müssen vor allem im Glauben eins sein. Ehen zwischen katholischen und nichtkatholischen Christen (Mischehen) sind meist für die Eheleute und für ihre Kinder ein großes Unglück. Darum verbietet die Kirche die Mischehen.

Die Brautleute müssen das Sakrament der Ehe im Stande der Gnade empfangen. Darum sollen sie vor der Trauung eine gute Beichte ablegen. In der Brautmesse sollen sie gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen.

Bei der Trauung erklären die Brautleute vor dem Pfarrer und zwei Zeugen, dass sie einander zur Ehe nehmen. Dadurch schließen sie die Ehe; sie spenden und empfangen das heilige Sakrament der Ehe.

Durch das Sakrament der Ehe verbindet Christus die Brautleute zu einem heiligen, unauflöslichen Bund. Nur der Tod kann sie scheiden. Darum verurteilt Christus die Auflösung des Ehebundes mit den Worten : „Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, bricht die Ehe, und wer eine vom Mann Geschiedene heiratet, bricht die Ehe" (Luk. 16, 18).

Im Sakrament der Ehe spendet Christus den Brautleuten reiche Gnaden. Er heiligt und stärkt sie, damit sie ihren Bund treu bis zum Tode halten und die Pflichten dieses Bundes gewissenhaft erfüllen können.

Im Sakrament der Ehe übernehmen die Brautleute heilige Pflichten. Sie sollen in Liebe und Treue allzeit miteinander leben, gemeinsam Gott dienen und füreinander sorgen. Sie sollen die Kinder, die Gott ihnen schenkt, durch Wort und Beispiel für Gott erziehen und für ihr zeitliches und ewiges Wohl sorgen.

Überlege: 1. Woher stammt die Ehe ? 2. Wodurch hat Christus die Ehe geheiligt ? 3. Wie sollen sich die Brautleute auf die Ehe vorbereiten? 4. Welches Sakrament sollen sie vor der Eheschließung empfangen ? 5. Wer spendet das Sakrament der Ehe ? 6. Welche Pflichten übernehmen die Eheleute ?

182. Wie schließen katholische Brautleute die Ehe ?

Katholische Brautleute erklären vor dem Priester und zwei Zeugen, dass sie einander zur Ehe nehmen.

183. Was wirkt Christus im Sakrament der Ehe ?

Im Sakrament der Ehe verbindet Christus die Brautleute zu einem heiligen, unauflöslichen Bund und verleiht ihnen reiche Gnaden, die Pflichten dieses Bundes gewissenhaft zu erfüllen.

184. Was sagt Christus über die Auflösung des Ehebundes?

Christus sagt: „Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, bricht die Ehe, und wer eine vom Manne Geschiedene heiratet, bricht die Ehe."

185. Warum verbietet die Kirche die Mischehen?

Die Kirche verbietet die Mischehen, weil sie meist ein großes Unglück für die Eheleute und für ihre Kinder sind.

Für mein Leben: Selbstsucht und Genusssucht zerstören die Ehe. Wer in der Ehe glücklich werden will, muss schon in der Jugend lernen, an andere zu denken und für andere zu sorgen.

Wort Gottes: „Ihr Männer, liebet eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat" (Eph. 5, 25). — „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen" (Matth. 19, 6).

Was muss vorhanden sein, damit die Ehe eines katholischen Christen glücklich werden kann? 1. Echter katholischer Glaube, 2. wahre Liebe, 3. zuverlässiger Charakter, 4. körperliche Gesundheit, 5. wirtschaftliches Auskommen. Kirchliche Trauung ohne den Priester: Wenn in Todesgefahr oder für längere Zeit (1 Monat) ein zuständiger Priester nicht zu erreichen ist, kann die Ehe auch vor zwei Zeugen allein gültig geschlossen werden. Die so geschlossene Ehe muss so bald wie möglich dem zuständigen Pfarrer gemeldet werden.

Ehehindernisse: Damit Eltern und Kinder vor zeitlichem und ewigem Schaden bewahrt werden, ist die Ehe in manchen Fällen nach göttlichem Gesetz verboten, z. B. die Wiederverheiratung von Geschiedenen. Aus dem gleichen Grunde hat auch die Kirche Ehehindernisse aufgestellt. Manche Hindernisse machen die Ehe ungültig, z. B. nahe Verwandtschaft; andere machen sie zwar nicht ungültig, aber unerlaubt, z. B. die Verschiedenheit des christlichen Bekenntnisses.

Aus wichtigen Gründen dispensiert die Kirche von manchen Hindernissen; von Hindernissen, die Gott bestimmt hat, kann sie niemals dispensieren.

Die Mischehe: In der Mischehe sind Eltern und Kinder im Wichtigsten, nämlich im Glauben, uneins. Sie können nicht gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen und nicht einmütig nach dem katholischen Glauben leben. Nicht selten werden Eltern und Kinder lau im Glauben oder fallen gar ab. Der nichtkatholische Teil meint oft, er könne im Falle einer Scheidung eine neue Ehe schließen.

Nur aus wichtigen Gründen macht die Kirche schweren Herzens eine Ausnahme vom Verbot der Mischehe. In diesem Falle müssen die Brautleute feierlich versprechen, dass sie sich nur katholisch trauen lassen und alle Kinder katholisch erziehen werden. Der nichtkatholische Teil muss versprechen, den katholischen Teil und die Kinder nicht zu hindern, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen.

Die Ziviltrauung: In Deutschland verlangt der Staat, dass die Brautleute ihren Ehewillen vor dem Standesbeamten erklären (Ziviltrauung). Durch diese Erklärung schließt ein katholischer Christ noch keine gültige Ehe. Katholiken, die nur auf dem Standesamt getraut sind und dennoch wie Eheleute zusammenleben, sündigen schwer. Sie dürfen die heiligen Sakramente nicht empfangen und werden nicht kirchlich beerdigt. Wenn ein Katholik sich von einem nichtkatholischen Geistlichen trauen lässt, verfällt er außerdem dem Kirchenbann (Exkommunikation). — Die Vorschriften der Kirche über die Form der Eheschließung gelten nur für katholische Christen. Darum schließen Nichtkatholiken untereinander auch dann eine gültige Ehe, wenn sie die Ehe nur vor dem Standesbeamten schließen.

Die Ehescheidung durch ein weltliches Gericht: Wenn ein weltliches Gericht eine Ehescheidung ausspricht, gilt sie nicht vor Gott und vor der Kirche.

Die kirchlichen Ehegerichte: Auch die kirchlichen Ehegerichte können niemals eine gültige Ehe scheiden, sie können nur feststellen, ob eine Ehe von Anfang an gültig war oder nicht. — Aus wichtigen Gründen kann gestattet werden, dass Eheleute getrennt voneinander leben. Eine neue Ehe können sie aber nicht eingehen. — Auch eine gültige Ehe nichtkatholischer Christen kann vor Gott nicht geschieden werden.

Aufgaben: 1. Was sagst du einem Katholiken, der die Absicht hat, sich nur standesamtlich trauen zu lassen ? 2. Warum verbietet die Kirche die Mischehen 1 3. Was müssen Brautleute versprechen, denen die Kirche eine Mischehe erlaubt ? 4. Was ist von der Scheidung einer Ehe durch das weltliche Gericht zu halten ? 5. Nenne Hindernisse, die eine Ehe ungültig, und solche, die eine Ehe unerlaubt machen !

VOM ORDENSSTAND

Christus will, dass wir alle ihm nachfolgen und nach Vollkommenheit streben. Ein besonderer Weg zur christlichen Vollkommenheit sind die Ordensgelübde. Darum gibt es in der Kirche Christi neben den sakramentalen Ständen des Priestertums und der Ehe noch einen besonderen Stand, den Ordensstand.

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90. Der Ordensstand

Der heilige Benedikt von Nursia hatte sich in seiner Jugend in eine einsame Felsenhöhle zurückgezogen, um ganz ungestört beten und die Geheimnisse Gottes betrachten zu können. Nach einiger Zeit erkannte er, dass er berufen war, gemeinsam mit anderen Mönchen zu leben. Er gründete ein Kloster und schuf eine Regel, nach der die Mönche wie eine Familie miteinander lebten, beteten und arbeiteten. Er selbst wurde der erste Abt seines Klosters.

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Seit alter Zeit leben viele Christen — Priester und Laien — in religiösen Gemeinschaften. Sie widmen sich dem Gebet, der Betrachtung und dem feierlichen Gottesdienst. Viele von ihnen arbeiten auch in der Seelsorge, in der Jugenderziehung und in der Krankenpflege, zumal in den Missionen. Solche religiöse Gemeinschaften nennen wir Orden. Viele Orden sind von Heiligen gegründet worden.

Wer Gott in einem Orden dient, verzichtet um des Reiches Gottes willen auf vieles, was erlaubt und gut ist. Er hat keinen eigenen Besitz, sondern lebt von dem, was die Gemeinschaft oder gute Menschen ihm geben; er verzichtet auf Ehe und Familie, um jungfräulich zu leben und so ganz Gott anzugehören; er unterwirft sich in allem dem Willen seines Oberen und den Regeln seines Ordens. Hierzu verpflichtet er sich durch die Ordensgelübde. — In manchen religiösen Gemeinschaften werden nicht Gelübde, sondern Versprechen abgelegt.

Die Orden haben eine große Bedeutung für Kirche und Welt. Sie beten und opfern für uns alle, auch für jene, die Gott nicht ehren und ihn beleidigen. Sie mahnen uns durch ihr Vorbild, Gott und den Nächsten aus ganzem Herzen zu lieben und bereit zu sein, alles hinzugeben, wenn Gott es will. Ihre Arbeit im Dienste der Menschen bringt der Welt großen Segen.

Das Leben im Orden bietet eine große Hilfe auf dem Weg zu Gott. Wer Gott im Ordensstand dient, hat eine sichere und feste Führung, ist frei von vielen Sorgen und Versuchungen und kann sich mit ungeteiltem Herzen Christus hingeben; er lebt mit anderen zusammen, die ihm durch ihr Gebet und Beispiel helfen, Gott in vollkommener Weise zu dienen.

Wer in einen Orden eintreten will, muss von Gott berufen sein. Er muss den Willen haben, Gott über alles zu lieben, Christus ganz nachzufolgen und nach Vollkommenheit zu streben. Außerdem muss er bereit und fähig sein, in einer religiösen Gemeinschaft zu leben, ihre Regeln zu beobachten, den Oberen zu gehorchen, auf eigenen Besitz zu verzichten und ehelos zu leben. Er muss sich auch für die besonderen Aufgaben des Ordens eignen, in den er eintreten will. Für den, der berufen ist, ist das Leben im Orden ein großes Glück und der sicherste und schönste Weg zur Vollkommenheit.

Überlege: 1. Welchen Aufgaben widmen sich die Ordensleute? 2. Worauf verzichten die Ordensleute um des Reiches Gottes willen ? 3. Welche Bedeutung haben die Ordensleute für die Kirche und alle Menschen ? 4. Welche Hilfe bietet das Leben im Orden auf dem Weg zum Himmel ? 5. Wozu muss derjenige bereit sein, der in einen Orden eintreten will ? 6. Wozu muss er geeignet sein ?

186. Was geloben die Ordensleute?

Die Ordensleute geloben,

1. keinen eigenen Besitz zu haben,

2. jungfräulich zu leben,

3. ihren Oberen zu gehorchen.

Für mein Leben: Wie viele Opfer bringen doch die Ordensleute im Dienste der Kranken, der Jugend und der Missionen, in ihrem Beten und Sühnen! Schätze ich das ? Unterstütze ich ihre Arbeit ? Habe ich mich schon gefragt, ob Gott vielleicht auch mich für den Ordensstand berufen hat?

Wort Gottes: Jesus sagt : „Es gibt Ehelose, die der Ehe entsagt haben um des Himmelreiches -willen. Wer es fassen kann, der fasse es !" (Matth. 19, 12.)

Die „evangelischen Räte": Im Evangelium lesen wir, dass Jesus manche aufgefordert hat, um des Reiches Gottes willen Besitz und Beruf aufzugeben und ihm ganz nachzufolgen. Er hat die selig gepriesen, die um des Reiches Gottes willen auf die Ehe verzichten. Deshalb nennt man die freiwillige Armut, die freiwillige Ehelosigkeit um des Reiches Gottes willen und den freiwilligen Gehorsam die evangelischen Räte.

Glaubensgespräch: Manche fragen : „Könnten die Ordensleute nicht mehr für die Menschen tun, wenn sie verheiratet wären und einen weltlichen Beruf hätten ?" — Wir antworten: „Erstens rufen die Ordensleute durch ihr Beten, Opfern und Sühnen unermesslichen Segen herab; Gott allein weiß, was aus uns würde, wenn die verborgenen Beter in den Klöstern nicht wären. Zweitens leisten die Ordensleute als Seelsorger, Missionare, Erzieher, Gelehrte, Forscher, Künstler und besonders in der Krankenpflege den Menschen unschätzbare Dienste."

Aufgaben: 1. Welche Klöster oder Ordenshäuser kennst du: a) in unserer Gemeinde, b) in unserer Gegend, c) in unserer Diözese ? 2. Welche Orden kennst du ? 3. Welche Ordensstifter kennst du? 4. Welche Aufgaben haben die verschiedenen Orden? 5. Welche Ordensleute waren berühmte Seelsorger — Missionare — Erzieher — Gelehrte — Forscher — Künstler — Wohltäter der Armen und Kranken?

„Die Orden sind die Edelsteine

auf dem Brautschleier der Kirche."

PIUS XII.

DRITTER TEIL: VOM LEBEN NACH DEN GEBOTEN GOTTES

WIE GOTT UNS SEINE GEBOTE KUNDTUT

Weil Gott unser Herr und Vater ist, müssen wir auch seine Gebote halten. Gott hat sie von Anfang an kundgetan in der Schöpfungsordnung, später in den Zehn Geboten und vor allem im Hauptgebot. Er lässt uns seine Gebote erkennen durch unser Gewissen.

91. Die Schöpfungsordnung Gottes

Der heilige Augustinus schreibt : „Der Wille des erhabenen Schöpfers gibt sich kund in der Natur eines jeden geschaffenen Dinges. — Nach Gottes Gesetz drehen sich die Himmelspole und ziehen die Sterne ihre Bahn, erhellt die Sonne den Tag und der Mond die Nacht, hält das ganze All durch Tage, Monate, Jahre, Sonnenjahre und Sternenjahre in stetem Wechsel der Gezeiten seine Ordnung ein" (Gottesstaat 21, 8; Selbstgespräche 1. 1, 4).

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Von Anfang an hat Gott in die Welt eine große und vielfältige Ordnung hineingelegt. Er hat allen Geschöpfen ihre Art und damit ihr Gesetz gegeben.

Gott will, dass alle Geschöpfe diese Ordnung befolgen. Die vernunftlosen Geschöpfe folgen den Naturkräften und Trieben, die Gott in sie hineingelegt hat, blind und gezwungen. Wir Menschen aber sollen die Schöpfungsordnung erkennen und freiwillig befolgen. Das Gesetz, das Gott in der Schöpfungsordnung gegeben hat, nennen wir das Naturgesetz.

Weil die Schöpfungsordnung von Gott stammt, ist sie heilig. Er hat sie mit Weisheit und Liebe erdacht und tut uns durch sie seinen heiligen Willen kund. Wer gegen die Schöpfungsordnung verstößt, sündigt gegen Gott und vergreift sich am Werk seiner Hände.

Der Christ ist von Gott besonders befähigt, die Schöpfungsordnung Gottes zu befolgen. Weil er durch den Glauben erleuchtet ist und von der Kirche unterwiesen wird, kann er die Ordnung Gottes klarer erkennen. Weil Gott ihm reichlichere Gnaden anbietet, kann er die Ordnung Gottes leichter erfüllen.

Überlege: 1. Worin hat Gott den Menschen schon von Anfang an seinen Willen kundgetan ? 2. Wie befolgen die vernunftlosen Geschöpfe die Schöpfungsordnung? 3. Wie sollen wir Menschen die Schöpfungsordnung befolgen ? 4. Wie nennen wir das Gesetz, das Gott in der Schöpfungsordnung gegeben hat ? 5. Wodurch ist der Christ besonders befähigt, die Schöpfungsordnung Gottes zu befolgen ?

187. Warum ist die Schöpfungsordnung heilig?

Die Schöpfungsordnung ist heilig, weil sie von Gott stammt und uns seinen heiligen Willen kundtut.

Für mein Leben: Wenn ich die Schöpfungsordnung Gottes befolge, baue ich an meinem eigenen irdischen und ewigen Glück.

Aufgaben: 1. Nenne Gebote, die wir schon aus der Schöpfungsordnung erkennen können! 2. Warum sündigen wir, wenn wir gegen die Schöpfungsordnung verstoßen?

92. Die Gebote Gottes

Unter gewaltigen Zeichen verkündete Gott am Sinai die Zehn Gebote. Eine schwere Wolke lag auf dem Berge. Es fing an zu blitzen und zu donnern, und mächtiger Posaunenschall ertönte. Der Sinai war ganz in Rauch gehüllt, da der Herr im Feuer auf ihn herniederfuhr. Nun führte Moses das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und Gott gab aus dem Feuer heraus die Zehn Gebote. Voll Schrecken wichen die Israeliten zurück. Da sprach Moses zu ihnen : „Gott kam herab, damit ihr ihn fürchtet und nicht sündigt" (vgl. 2 Mos. 19 u. 20).

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Gott hat in seiner Vaterliebe auch die Zehn Gebote gegeben. Durch sie hat er seinen Willen ausdrücklich und feierlich kundgetan und seine Schöpfungsordnung bestätigt. Die Gebote sagen uns bestimmt und sicher, was wir tun sollen. Sie sind uns Wegweiser zu unserm zeitlichen und ewigen Glück.

Christus hat die Zehn Gebote bestätigt. Er hat uns ermahnt, die Gebote zu befolgen; er hat sie uns erklärt und uns durch sein Beispiel gezeigt, wie wir sie halten sollen. — Wir lernen sie im Katechismus in einer verkürzten Form.

Christus hat uns vor allem das Gebot der Liebe ans Herz gelegt. Er sagt : „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften ! Dies ist das größte und erste Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!" (Matth. 22,37—39; Mark. 12, 30 31.)

Das Gebot der Liebe ist das Hauptgebot. Wenn wir dieses Gebot halten, werden wir auch die anderen erfüllen. Der heilige Paulus schreibt : „Die Gebote : Du sollst nicht ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen, nicht begehren, und alle anderen Gebote lassen sich in dem einen Wort zusammenfassen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Darum ist in der Liebe das ganze Gesetz erfüllt" (Röm. 13, 9 10).

Überlege: 1. Warum hat Gott die Zehn Gebote gegeben? 2. Wie hat Christus die Zehn Gebote bestätigt ? 3. Warum ist das Gebot der Liebe das Hauptgebot ?

188. Wie lauten die Zehn Gebote Gottes?

Ich bin der Herr, dein Gott.

1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben !

2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren !

3. Gedenke, dass du den Sabbat heiligest !

4. Du sollst Vater und Mutter ehren !

5. Du sollst nicht töten !

6. Du sollst nicht ehebrechen !

7. Du sollst nicht stehlen !

8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten !

9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib !

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut !

189. Wie lautet das Hauptgebot ?

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften ! Dies ist das größte und erste Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich : Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst !"

Für mein Leben: Das Gebot Gottes ist in allen Fällen das Richtige. Wenn andere Böses tun, ich tu' es nicht !

Wort Gottes: Jesus hat gesagt : „Wer meine Gebote bat und sie hält, der ist es, der mich liebt" (Joh. 14, 21). — Zum reichen Jüngling sprach er : „Willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote" (Matth. 19,17). — „Darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten" (1 Joh. 5, 3).

Aufgaben: 1. Wäre Lügen, Stehlen und Töten auch dann Sünde, wenn Gott es durch die Zehn Gebote nicht verboten hätte ? Begründe die Antwort ! 2. Was wäre in der Welt anders, wenn alle Menschen die Zehn Gebote hielten?

Aus Psalm 118: Aus ganzem Herzen suche ich Dich: lass mich nicht weichen von Deinen Geboten. Sei gepriesen, o Herr; Deine Weisungen lehr mich verstehen. Deinem Gesetz zu gehorchen, lehre mich; ich will es bewahren mit ganzem Herzen. Wie liebe ich Dein Gesetz, o Herr, den ganzen Tag suchen es meine Gedanken. Dein Wort ist Leuchte für meinen Fuß, Licht über meinem Pfad. Meine Zunge soll Deine Worte besingen, denn Deine Gebote sind alle gerecht.

93. Das Gewissen

Als Salomon nach dem Tode seines Vaters David König geworden war, erschien ihm der Herr im Traum und sprach zu ihm : „Begehre, was ich dir geben soll !" Salomon antwortete : „Herr, mein Gott, du hast mich zum König eines großen Volkes gemacht, und ich bin doch noch fast ein Knabe. Gib darum deinem Knecht ein gelehriges Herz, dein Volk zu regieren und zwischen Gut und Böse zu unterscheiden" (1 Kön. 3, 5—9).

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Gott verlangt, dass wir seinen Willen aus eigener Einsicht erfüllen. Darum bat er uns die Fähigkeit gegeben, zu erkennen, was wir tun sollen und was wir nicht tun dürfen. Diese Fähigkeit nennen wir das Gewissen.

Vor der Tat mahnt uns das Gewissen zum Guten oder warnt uns vor dem Bösen; nach der Tat lobt es uns, wenn wir das Gute getan haben (gutes Gewissen), oder tadelt uns, wenn wir das Böse getan haben (schlechtes Gewissen; Gewissensbisse).

Wenn das Gewissen uns klar sagt: „Das musst du tun!" oder: „Das darfst du nicht tun !", müssen wir ihm auf jeden Fall folgen. Wer gegen das klare Urteil des Gewissens handelt, sündigt gegen Gott. — Auch durch Befehl oder Drohung dürfen wir uns niemals bewegen lassen, etwas zu tun, was gegen unser Gewissen ist.

Wenn wir unserm Gewissen treu folgen, sind wir gewissenhaft. Gott schenkt uns dann Freude und Frieden; wir bleiben frei von der Qual der Gewissensbisse und sind froh, das Gute getan zu haben.

Wer öfters seinem Gewissen nicht folgt, stumpft es ab. Ein Mensch, der immer wieder gegen sein Gewissen handelt, wird gewissenlos. Er fällt in immer schwerere Sünden und schließlich in die schlimmsten Laster. Er ist wie ein Blinder, der auf einen Abgrund zugeht.

Unser Gewissen kann sich auch irren. Durch die Sünde ist es verdunkelt. Um richtig zu entscheiden, muss es sich nach der Schöpfungsordmmg, den Geboten Gottes, dem Vorbild Christi sowie nach der Lehre und den Geboten der Kirche richten. In schwierigen Fällen sollen wir Gott um Erleuchtung bitten und unsere Eltern, Seelsorger, Lehrer oder andere zuverlässige Menschen um Rat fragen.

Überlege: 1. Was tut das Gewissen vor der Tat? — was nach der Tat? 2. Wen nennt man gewissenhaft ? 3. Wen nennt man gewissenlos ? 4. Wohin führt es, wenn jemand immer wieder gegen sein Gewissen handelt ? 5. Wonach muss sich unser Gewissen richten ? 6. Was sollen wir in schwierigen Fällen tun, um das Gute und das Böse richtig zu erkennen ?

190. Was erkennen wir durch, das Gewissen ?

Durch das Gewissen erkennen wir, was wir tun und lassen sollen.

191. Wann müssen wir unserm Gewissen folgen?

Wir müssen unserm Gewissen folgen, wenn es uns klar sagt : „Das musst du tun !" oder: „Das darfst du nicht tun !"

Für mein Leben: Wenn ich meinem Gewissen folge, bin ich kein Knecht der Menschen oder meiner Leidenschaft, sondern ein freies Kind Gottes.

Wort Gottes: „Das Gebot, das ich dir gebe, ist nicht im Himmel, dass du sagen könntest : ,Wer wird in den Himmel hinaufsteigen und es uns bringen ?' Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen könntest : ,Wer wird über das Meer fahren und es uns holen ?´ Es ist ganz nahe bei dir : in deinem Herzen, so dass du es befolgen kannst" (5 Mos. 30, 11—14).

Aufgaben: 1. Wie zeigte sich das Gewissen: a) bei Adam und Eva, b) bei Kain, c) bei den Brüdern Josefs, d) bei David, e) beim verlorenen Sohn, f) beim reumütigen Schacher am Kreuz ? 2. Zeige, wie Judas in immer schwerere Sünden fiel, weil er dem Gewissen nicht folgte !

„Auf den Rat des Gewissens gib wohl acht;

denn einen treueren Berater hast du nicht !"

SIR. 37. 13

[Forsetzung folgt]

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