Jacques Bénigne Bossuet

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"Jacques Bénigne Bossuet", gemalt von Hyacinthe Rigaud (1659-1743)

Jacques Bénigne Bossuet (Dr., * 27. September 1627 in Dijon; † 12. April 1704 in Paris, Frankreich) war Bischof, bedeutendster französischer Theologe, Kanzelredner und Kirchenpolitiker im Zeitalter Ludwigs XIV.. Er leistete einen bedeutenden Beitrag zur Geschichtsphilosophie und gilt in Frankreich als Klassiker unter den Kanzelrednern.

1883 nennt das Wetzer- und Welte's Kirchenlexikon Bossuet "den ausgezeichnetsten Theologen, der der Episkopat in den letzten drei Jahrhunderten aufzuweisen hat."[1]

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Jacques Bénigne Bossuet wurde aus einer adeligen und angesehenen burgundischen Familie geboren. Schon mit acht Jahren erhielt er die Tonsur und wurde mit 13 Jahren Kanonikus von Metz. Er studierte zuerst am Jesuitenkolleg in Dijon, seit 1642 am Kolleg Navarra zu Paris Philosophie und Theologe. Am 16. März 1652 empfing er die Priesterweihe und erwarb am 16. Mai dieses Jahres den theologischen Doktortitel in Paris. Dort wurde er als eine der größten Zierden der Universität und der theologischen Fakultät betrachtet. Er wirkte von 1653 bis 1659 in Metz mit großem Seeleneifer. Hier entstand sein erstes Werk, die Widerlegung des Katechismus des reformatorischen Pastors Paul Ferry (1655). Von da an bis 1670, war er ständig in Paris, erstieg er den Höhepunkt seines Ansehens als Prediger, indem er drei Fasten- und zwei Adventszyklen in Paris, zwei Fasten- und zwei Adventszyklen vor dem Hofe und viele Fest- und Leichenreden hielt. Dadurch zog er die Aufmerksamkeit des Hofes auf sich, so dass er am 13. September 1669 zum Bischof von Condom (Gascogne) ernannt , am 2. Juni 1670 bestätigt und am 21. Septemb er desselben Jahres die Bischofsweihe empfing. Noch vor der Inthronisation Ende 1670 wurde er von Ludwig XIV. als Erzieher des Dauphin berufen. Statt des Bistums, auf das er am 21. Oktober 1671 resignierte, erhielt er vom König andere reiche Pfründen. Zu Zwecken der Erziehung des Dauphin, die nicht mit vollem Erfolg gekrönt war, schrieb er den meisterhaften Abriss der Geschichtsphilosophie Discours sur l'histoire universeile (1681) sowie die ersten vier Bücher der Politique tirée des propres paroies de l'Ecriture Sainte (in sechs Büchern 1709 hrsg., eine religiös verbrämte Verherrlichung des Absolutismus), Connaissance de Dieu et de soi-même" (gedr. 1722) u. a. Nach der Verehelichung seines Zöglings (1678) mit Marie Christine von Bayern wurde er zu deren Almosenier und am 21. Mai 1681 zum Bischof von Meaux ernannt und am 17. November desselben Jahres confirmiert. Inthronisiert wurde er am 17. Februar 1682. Die Verwaltung dieser Diözese, die er mit Umsicht und Eifer bis zu seinem Ende führte, blieb nur ein Teil seiner über ganz Frankreich und darüber hinaus reichenden Tätigkeit.[2]

Der Theologe

Als Theologe war Bossuet ein ausgezeichneter Kenner der Kirchenväter und verteidigte die katholische Lehre gegenüber dem Protestantismus als die wahre Kontinuität der christlichen Tradition in mehreren vortrefflichen Schriften, so in der Exposition de la doctrine cath. sur les matières de controverse" (1671) und besondes in der aufsehenerregenden Histoire des variations des églises protest." (2 Bde, 1688) mit den 6 Avertissements (1689/91) und der Défense (1691). Demselben Zweck diente auch seine auf die kirchengeschichtliche Deutung eingestellte Apokalypse-Erklärung (1689). Seine Schriften wie sein persönlicher Unterricht hatten die Bekehrung mehrerer namhafter Persönlichkeiten (Turenne) zur Folge und verwickelten ihn mit den Gegnern in zahlreiche Kontroversen. Seine irenischen Bestrebungen, denen ein Briefwechsel mit Leibniz und eine Kontroverse mit dem lutherischzen Pastor von Loccum Gerhard Molanus diente, erkannte er gegen Lebensende wegen mangelnden Ernstes auf gegnerischer Seite als aussichtslos. Dem Jansenismus stand er trotz persönlicher Freundschaft mit A. Arnauld und P. Nicole vollständig indifferent gegenüber, wenn er auch von einzelnen Jansenisten für diesen reklamiert wurde. In der theologschen Diskussion über den Quietismus (vgl. Nouv. Rev. theol. 1904, 642ff; 1905, 14ff), zu dem Bossuet in seiner Instruction pastora le sur les états d'oraison" (1697; der 2. Teil erst 1897 hrsg.) zugleich mit Fénelons Maximes, aber im Gegensatz zu ihnen, Stellung nahm, bewies er eine nicht einwandfreie Auffassung der Mystik (vgl. Zschr Kath Theol 1884, '), enthielt sich auch in der weiteren Kontroverse nicht immer einer verletzenden Bitterkeit. In sei Schriften über Seelenführung (Elévations à Dieu sur tous les mystères de la religion chrétienne [1711] und Méditations sur I'Evangile [1731]) hielt er sich gleich entfernt von jansenistischer Strenge wie quietistischer Schwärmerei.[3]

Der geistlicher Redner

Als geistliche Redner glänzte Bossuet besonders durch sein Trauerreden. Er leitete die Glanzperiode der französischen Kanzelberedsamkeit, deren wirklichen Erfolg allerdings nicht dem äußern Glanz entspricht, ein durch Genialität der Gedanken und originelle Kraft der rednerischen Darstellung, in der sich Einfachheit mit Hoheit paart. Sein Nachfolger Louis Bourdaloue übertrifft ihn an sorgfältiger Durcharbeitung, nicht aber an der großartigen Konzeption und Durchschlagskraft der Rede. Übrigens stand bei den Zeitgenossen der Theologe und Kontroversist Bossuet höher als der Redner.[4]

Der Kirchenpolitiker

Weniger glücklich war Bossuets Wirksamkeit als Kirchenpolitiker. In überschwänglicher Bewunderung des absolutistischen Königtums, die auch sonst in seinen Reden und Schriften durchbricht, trat er im sog. Regalienstreit Ludwigs XIV. mit Innozenz XI. auf der Assemblée du clergé vom Jahre 1682 auf die Seite des Königs; mit seiner berühmten Eröffnungsrede vom 9. November 1681 (Sur l'unité de I'Eglise) wie durch die Abfassung der "Cleri gallicani de ecclesiastica potestate declaratio" (19. März16H2) trat er als Wortführer der gallikanischen Freiheiten auf, die er auch in seinem größeren Werke Defensio declarationis (verfasst 1683, gedruckt1730) eingehend verteidigte (Gallikanismus).[5]

Die Persönlichkeit

Persönlich war Bossuet fromm und arbeitsam, schlicht und mild, konnte aber in der Polemik auch hart und ungerecht (z. B. gegen Fénelon), ja unerbittlich und verfolgungssüchtig (so gegen Richard Simon) werden. Er war nicht frei von Schwäche gegen seine Familienangehörigen, von Eifersucht und Eitelkeit, seinem König aber abgöttisch ergeben. Trotz dieser Charaktermängel ist "der Adler von Meaux" - in Rom nannte man ihn den Papa Gallus - der Repräsentant des französischen Genius der neueren Zeit, sein positiver Pol, wie Bossuet Gegner Voltaire der negative ist. Pius X. preist ihn gelegentlich der Einweihung seines Denkmals in der Kathedrale von Meaux 1911 als "ein christlicher Genie, den Ruhm Frankreichs, ja der ganzen Menschheit" (AAS 1911,405 f).[6]

Der 1927 gegründete Verein der "Amis de Bossuet" hat in Meaux ein Bossuet-Museum, eine Bossuet-Bibliothek errichtet und eine Bossuet-Zeitschrift.

Werke

  • Oeuvres complètes,, hrsg. von F. Lachat (31 Bände, Paris 1862/(6).
  • Oeuvres complètes,, hrsg. v. J. Lebarq (7 Bände, LilIe u. Paris 1890/1926).
  • Conespondance, hrsg. v. Ch. Urbain u. E. Levesque (5 Bände, Paris 1909/12: Ausg. 15 Bde, 1913/25).

In die deutsche Sprache übersetzte Werke

  • Predigten zum Fest der Immakulata, übertragen von Josef Günster, Schöningh Verlag Paderborn 1954 (124 S.).
  • Die heilige Eucharistie, Steffen Verlag Limburg a.d. Lahn 1940 (121 S.).
  • Das hohepriesterliche Gebet unseres Herrn, übersetzt von Josef Kern, Pustet Salzburg [u.a.] 1938 (180 S.).
  • Betrachtungen über den Ablass, übersetzt von Balduin Schwarz; Theatiner-Verlag München 1925 (67 S.).
  • Darlegung der Lehre der katholischen Kirche in ihren Unterschieden von der Lehre der Reformierten, übersetzt nach der 11. Aufl. d. Orig. vom J. 1710, hrsg. von Max Julius Mielck, M. J. Mielck Dresden-A 1921 (99 S.).
  • Darstellung der Lehre der Katholischen Kirche in den angestrittenen Glaubenssätzen, Aus dem Französischen übersetzt von fugen Scheuer. Mit einer Vorrede von Max Vincenz Sattler, Druckerei der Saar-Post St. Johann a. d. Saar 1907 (62 S., 2., revidierte Auflage).
  • Der Tag des Christen: Gebet- und Erbauungsbuch für Katholiken ; Aus den geistl. Schriften Bossuet's gezogen und ins Deutsche übertragen, Katholischer Bücherverein München 1846 (399 S.).
  • Bossuets, Bischofes zu Meaux. Rede von der Einigkeit der Kirche. Oder: Gründliche Widerlegung der itzigen Schmähschriften wider den Pabst, und dessen geistliche Gerechtsamen, Stoll Neustadt 1782 (104 S.).
  • Vermahnungen An die Protestanten. Betreffend Die sich selbst eingebildete Erfüllung derer Prophezeyungen, übersetzt von Joseph Stöcklein, 1718.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Wetzer und Welte's Kirchenlexikon - Oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften, 2. Auflage, Band 2: 1883, Artikel: Bossuet, Jacob Benignus, Sp. 1132.
  2. Joseph Jatsch in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band 2, Artikel: Bossuet, Jacques Bénigne, Sp. 490; wenige Präzisierungen aus: Peter Manns in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 2, Artikel: Bossuet, Jacques Bénigne, Sp. 623-624; Wetzer und Welte's Kirchenlexikon - Oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften, 2. Auflage, Band 2: 1883, Artikel: Bossuet, Jacob Benignus, Sp. 1132 (über Bossuet bis 1148).
  3. Joseph Jatsch in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band 2, Artikel: Bossuet, Jacques Bénigne, Sp. 490-491.
  4. Joseph Jatsch in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band 2, Artikel: Bossuet, Jacques Bénigne, Sp. 491.
  5. Joseph Jatsch in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band 2, Artikel: Bossuet, Jacques Bénigne, Sp. 491.
  6. Joseph Jatsch in: Lexikon für Theologie und Kirche 1. Auflage, Band 2, Artikel: Bossuet, Jacques Bénigne, Sp. 491.
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