Il santo padre (Wortlaut)

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Schreiben

Il santo padre
Päpstliche Kommission für die Erhaltung des künstlerischen und geschichtlichen Erbes
unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
an alle residierenden Bischöfe, mit dem die Verantwortlichen für die Ausbildung der Kandidaten für das Priestertum bei der Vorbereitung der zukünftigen Priester auf ihre Aufgaben
bezüglich des kunstgeschichtlichen Erbes in der Kirche
15. Oktober 1992

(Quelle: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, Band 3, S. 935-951, Randnummern 6718-6749. Eigene Übersetzung).
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Der Heilige Vater Johannes Paul II., ist besorgt um die fruchtbare Berücksichtigung der kirchlichen Kulturgüter beim Werk der Evangelisierung, das die gegenwärtige Zeit verlangt, und er ist in Sorge um den Schutz dieses kostbaren kunstgeschichtlichen Erbes der Kirche und der ganzen Menschheit. Aus diesem Grund wollte er eine erneute Beschäftigung mit solchen Schätzen in die Wege leiten und errichtete dazu ein neues Dikasterium in der Römischen Kurie, das sich mit diesem speziellen Bereich des pastoralen und kulturellen Wirkens befassen sollte.

Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Apostolischen Konstitution "Pastor bonus" am 1. März 1989 nahm auch die Päpstliche Kommission für die Bewahrung des kunstgeschichtlichen Erbes in der Kirche ihre Tätigkeit auf.

Eine der ersten und beständigen Erkenntnisse, welche aus der erstellten Analyse über die Situation des kunstgeschichtlichen Erbes der Kirche in allen Teilen der Welt hervorgeht, besteht darin, dass - ohne eine erneuerte Einsatzbereitschaft der Priester für die Erhaltung solcher Güter, für ihre kulturelle und pastorale Hochschätzung und im Blick auf die Sensibilisierung für deren Bedeutung bei der Evangelisierung, für die Liturgie und die Vertiefung des Glaubens - sich die in der Konstitution "Pastor bonus" beabsichtigte Tätigkeit nur schwerlich verwirklichen lassen wird.[1]

Außerdem sieht man sich konfrontiert mit dem besorgniserregenden Phänomen einer ungebührlichen Verwendung nicht weniger kirchlicher Erbgüter aus Kunst und Geschichte, die von dem Platz entfernt werden, für den sie erstellt wurden, um in private Wohnungen und Sammlungen aufgenommen zu werden. Dies geschieht durch manchmal willkürliche Aktionen der für den Schutz solcher Güter Verantwortlichen oder - und das kommt öfter vor durch Diebstahlsdelikte, die beängstigend zunehmen. In beiden Fällen zeigt sich die unbedingte Notwendigkeit einer Überwachung, der Verantwortung und des sorgfältigeren Schutzes, was eben die Priester betrifft, insofern sie Garanten für die kunstgeschichtlichen Schätze der christlichen Gemeinschaft sind.

Wiederholt hat der Heilige Stuhl diese Pflicht der Hirten hervorgehoben und an sie erinnert; dabei hat er unterstrichen, wie unentbehrlich es schon während der Jahre der priesterlichen Ausbildung ist, dass ein tiefes Bewusstsein eingeprägt wird für den Wert der sakralen Kunst, für die Wichtigkeit des Zusammenhangs von Errichtung, Bewahrung und Benutzung der kirchlichen Archive und der Erhaltung und Förderung von Bibliotheken für die christlichen Gemeinden.[2]

Wie in diesem vorliegenden Text zur Sprache kommen wird, fordert die "Grundordnung für die Ausbildung der Priester" ("Ratio fundamentalis") mit Bezug auf die Konzilskonstitution "Sacrosanctum Concilium", dass die heilige Liturgie, insofern sie als eines der Hauptfächer des Theologiestudiums zu betrachten ist, "im Zusammenhang mit den anderen Disziplinen" zu behandeln ist.[3] Verschiedene Episkopate haben in ihren "Normen" für die Vorbereitung des Klerus in den jeweiligen Nationen als Bestandteil der liturgischen und pastoralen Ausbildung zu Lehrfächern bestimmt: Sakrale Kunst, Archäologie, Archiv- und Bibliothekswesen; so sollen bei ihren angehenden Priestern eine angemessene Sensibilität und die Vorbereitung auf die künftige Verantwortung m Bereich des kunstgeschichtlichen Erbes der Kirche gefördert werden (vgl. Anm. 13).

Diese Päpstliche Kommission erhält nach genauer Prüfung der unterschiedlichen Situationen in den verschiedenen Teilkirchen - m Einvernehmen mit der Kongregation für das katholische Bildungswesen - den besonderen Auftrag, den vorliegenden Brief den hochwürdigsten Bischöfen zu übermitteln, deren Sorge die umfassende Ausbildung der zukünftigen Priester anvertraut ist, zu dem Zweck, das Bemühen bei der Förderung einer angemessenen Sensibilität und eines entsprechenden Verantwortungsbewusstseins derer zu intensivieren oder wiederzubeleben, die sich auf die priesterlichen Aufgaben vorbereiten, und zwar hinsichtlich der Bewertung, der Erhaltung, des Schutzes und der Nutzung des kunstgeschichtlichen Erbes der Kirche.

EIN WICHTIGES PROBLEM FÜR DAS LEBEN DER KIRCHE

1 Im Laufe der Jahrhunderte hat die Kirche traditionsgemäß die Förderung, den Schutz und die Wertschätzung der höchsten Ausdrucksformen des menschlichen Geistes im künstlerischen und geschichtlichen Bereich als wesentlichen Teil ihres Dienstes betrachtet.

Neben ihrem eigenen Beitrag zur umfassenden Förderung des Menschen durch verschiedene erzieherische und kulturelle Initiativen hat die Kirche in der Tat auf vielfältige Weise durch die Literatur, die darstellende Kunst, die Musik und die Architektur das Evangelium verkündet und die Gottesverehrung vervollkommnet, ebenso durch die Bewahrung geschichtlicher Erinnerungen und wertvoller Zeugnisse des Lebens und Denkens der Gläubigen. Die Botschaft des Heiles hat sich mitgeteilt und teilt sich noch heute der großen Zahl von Glaubenden und Nichtglaubenden auch durch solche Mittel mit.

Diese beständige Aufmerksamkeit der Kirche hat die Menschheit mit einem ungeheuren Schatz von Zeugnissen der menschlichen Begabung und ihrer Hinwendung zum Glauben bereichert. Dieser Schatz macht einen beträchtlichen Teil des kulturellen Erbes der Menschheit aus.

2 Auch das Zweite Vatikanische Konzil hat feierlich auf diese Verantwortung und diesen Dienst der Kirche hingewiesen,[4] der künstlerischen Ausbildung des Klerus, gerade im Blick auf die sakrale Kunst, besondere Aufmerksamkeit zu widmen: "Die Kleriker sollen während ihrer philosophischen und theologischen Studienzeit auch über Geschichte und Entwicklung der sakralen Kunst unterrichtet werden, wie auch über die gesunden Grundsätze, auf die sich die Werke der sakralen Kunst stützen müssen. So sollen sie die ehrwürdigen Denkmäler der Kirche schätzen und bewahren lernen und den Künstlern bei der Schaffung ihrer Werke passende Ratschläge erteilen können".[5]

Das Konzil nimmt in der Tat zwei wichtige Aspekte des Problems in den Blick, die wir im folgenden der Aufmerksamkeit jener Personen und Institutionen empfehlen möchten, die für die Ausbildung der zukünftigen Priester verantwortlich sind.

3 Einerseits erlebt man heute in verschiedenen Teilen der Welt und in den verschiedenen Kulturen ein starkes Wachstum des Bewusstseins für den Wert des kunstgeschichtlichen Erbes der Völker. Ein neues Interesse ist dafür geweckt worden. Neue und reichere Mittel werden für deren Erhaltung und Gebrauch aufgewendet. Stimmen des Protestes wegen der Gefahr des Verlustes oder der Zerstörung des kunstgeschichtlichen Erbes erheben sich viel lauter.

Unterdessen erfährt die Menschheit das Scheitern eines Lebensmodells, das auf den Konsum des Vergänglichen und auf die unbestrittene Macht der Technik setzt; während die Ideologien, die sich der Transzendenz und der Spiritualität des Menschen verschließen, zusammenbrechen, ist ein neues Anwachsen bei der Benutzung der Güter zu verzeichnen, die dem menschlichen Geist entspringen und für die höhere Darstellung seines Geistes charakteristisch sind.

In einer Welt, die von neuen Formen der Barbarei und dem Andrang immer mächtigerer Emigrantenfluten bedroht ist, die ganze Völkerschaften gleichsam in die Situation versetzen, von ihrem eigenen "Mutterboden" entwurzelt leben zu müssen, gibt es viele Frauen und Männer - und sie werden ständig zahlreicher -, die sensibel werden für den vermenschlichenden Wert der kulturellen und künstlerischen Ausdrucksformen. Aus diesem Bewusstsein wächst die Überzeugung, dass es für die Zukunft der Menschheit wichtig ist, beizutragen zu deren richtigen Erhaltung, zum Schutz vor Zerstörung und Ausbeutung (die von einer Benutzung allein zu wirtschaftlichen Zwecken herrührt) sowie zu ihrer Hochschätzung als Mittel für Sinngebung und Wert des menschlichen Lebens.

4 Andererseits ist man sich bewusst, dass das Wirken und die Verantwortung, zu diesem Werk der Vermenschlichung, zur Sicherung der Sorge um die "Erfüllung der Seele" in der modernen Welt beizutragen, besonders auf der Kirche lastet und – innerhalb der christlichen Gemeinde - vor allem auf den Schultern der Priester. Gerade sie leiten und üben in bewährter Weise unter der Führung der Bischöfe und des Nachfolgers Petri das Werk der Evangelisierung aus, das auch durch die Förderung, den Schutz und den Gebrauch der Kulturgüter verwirklicht wird. Ihnen ist in besonderer Weise die kluge und bedachte Erhaltung der Güter jener Gemeinschaft anvertraut, von denen ein beträchtlicher Teil aus Werken künstlerischer Begabung und aus kostbaren Zeugnissen und Spuren des Glaubens der Väter besteht. Sie müssen außerdem zu Förderem eines beständigen Dialogs innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft zwischen den kulturell geprägten Menschen und den Künstlern werden, um eine Tradition zu erneuern, die unvergänglichen Meisterwerken Leben gegeben hat und die zur inneren Bereicherung der Kunst selbst, der Gemeinschaft der Glaubenden und der ganzen Menschheit beiträgt.

5 Vor diesem Hintergrund ist leider festzustellen, dass in den letzten Jahren in vielen Fällen die Vorbereitung des Klerus auf die Erfüllung dieses Auftrags sehr unzureichend und nur teilweise stattgefunden hat, wenn sie nicht sogar völlig unterblieb, wie aus einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Päpstlichen Kommission zur Erhaltung des künstlerischen und geschichtlichen Erbes in den einzelnen Teilkirchen hervorgeht.

Es trifft natürlich zu, dass die Priester sich in der modernen Welt mit zahlreichen, dringenden und umfassenden Problemen bei der Evangelisierung und der seelsorglichen Leitung der Gemeinde konfrontiert sehen; aber es ist ebenso wahr, dass ihre Fähigkeit, die ihnen anvertrauten Kulturgüter ordentlich zu verwalten und richtig zu bewerten - und diese Aufgabe macht einen Teil ihrer Sendung aus -, aufgrund der vorausgehenden Überlegungen sicher keine zweitrangige oder unbedeutende Rolle spielt.

Auch in den Fällen, in denen sich die Beziehung der Priester zu den Kulturgütern passenderweise durch Kompetenzübertragung an Laien und mitarbeitende Experten indirekt gestaltet, liegt doch die letzte Verantwortung und vor allem die pastorale Zielsetzung der Nutzung jener Güter in der Hauptverantwortung derer, die der Gemeinde vorstehen, und dies erfordert somit eine angemessene Vorbereitung.

Übrigens treten die negativen Folgen mangelnder ästhetischer und pastoraler Sensibilität beim Umgang mit den Kulturgütern in vielen Fällen offen zu Tage und sind Gegenstand gerichtlicher Klagen sowohl kirchlicher als auch ziviler Autoritäten. Man erlebt Diebstähle, oft aufgrund schwerer Mängel in der Bewachung, Beschädigungen, unangebrachte und zerstörerische Nutzungsweisen, missbräuchliche Verkäufe, unzureichende und schädliche Restaurierungen (die manchmal unvorsichtig unter dem Vorwand der liturgischen Anpassung vorgenommen werden), dürftige Sorge für das Erbe, Schwierigkeiten oder Nutzlosigkeit im Dialog mit Welt der Künstler und Studierenden.[6]

6 Angesichts dieser Phänomene erscheint eine neue Aufmerksamkeit der ganzen Kirche für solche Probleme immer dringlicher, Vieles ist schon getan worden, und auch heute wird viel unternommen, um die Irrtümer zu beseitigen und Nachlässigkeiten vorzukommen; aber es bleibt noch viel zu tun, vor allem durch eine Wiederbelebung der Sensibilisierung und Information die Bedeutung dieses keineswegs sekundären Aspektes des kirchlichen Dienstes zur Verkündigung des Evangeliums und wirklichen Fortschritt der Menschheit.

Halten wir also fest, dass hier ein reales Problem vorliegt, dessen Wichtigkeit niemandem entgehen darf. Es wird sogar besonders dringlich, wenn man es im Kontext des großen Auftrags Neuevangelisierung betrachtet. Eine ihm angemessene Lösung wird neue und wirksame Möglichkeiten bieten können, sei es im Bereich der Katechese oder der Liturgiepastoral oder allgemeiner im Bereich der Förderung und Ausbreitung der Kultur, die niemals als unvereinbar mit der Sorge der Kirche für die umfassende Entwicklung der Menschheit betrachtet wurde.

7 Auf Grundlage dieser Überlegungen erschien es der Päpstlichen Kommission für die Erhaltung des künstlerischen und geschichtlichen Erbes der Kirche angebracht, den hochwürdigsten Bischöfen und besonders den für die priesterliche und religiöse Ausbildung Verantwortlichen spezielle Ergebnisse des Nachdenkens sowie bestimmte Empfehlungen für die Thematik der Vorbereitung künftigen Priester auf die Förderung, Bewahrung und Hochschätzung der kulturellen Güter vorzulegen.

Sie wird eine lange und dokumentierte Tradition neu ins Bewusstsein gerufen und fortgesetzt, die die Kirche, insbesondere die Päpste und die Dikasterien des Heiligen Stuhles, bewahrt hat, um oft und nachdrücklich die Bedeutung des Problems und die Wege, ihm wirksam zu begegnen, aufzuzeigen.[7]

Der vorliegende Beitrag fügt sich somit gut in die Linie der Überlegungen ein, die aus der jüngsten Bischofssynode über die Priesterausbildung hervorgegangen sind. Unter den "aktuellen Umständen", die durch eben dieses Thema der Synode in Erinnerung gerufen wurden, scheint sich tatsächlich auch herauszuschälen, was wir weiter oben dargelegt haben. In mehr als einem Beitrag der Synodenväter ist die Thematik der Kulturgüter als Wege der Evangelisierung und Förderung mehr oder weniger direkt angesprochen worden. Dies klingt auch in dem Apostolischen Mahnlseiben Papst Johannes Pauls II. an.[8]

8 Wir möchten einige Beobachtungen nennen und einige Prioritäten in vier Hauptpunkten nahe legen: vor allem das Ziel der vorliegenden Ausführungen und den intendierten Erziehungsaspekt in Erinnerung bringen; zweitens den Ausbildungsgang in seiner Gesamtheit und in seinen wichtigsten Bestandteilen prüfen, um sodann im dritten Punkt die Aufmerksamkeit auf den eigentlichen lehrrmäßig-intellektuellen Aspekt der Ausbildung zu lenken; schließlich entwickeln wir einige Überlegungen hinsichtlich der Ausbildenden und der geeigneten Mittel für die angemessene Vorbereitung der Priester auf die Förderung, Erhaltung und Hochätzung des ihnen anvertrauten Erbes der Kulturgüter.

DAS ZIEL DIESER AUSFÜHRUNGEN

9 Das vorliegende Dokument beabsichtigt, den Verantwortlichen die Ausbildung der Priesteramtskandidaten eine Hilfe zu bieten, indem es die Richtlinien für die Ausbildung präzisiert und vor allem wirksame Wege und Maßnahmen vorlegt, die darauf abzielen, die zukünftigen Priester für ihre Aufgabe hinsichtlich des kunstgeschichtlichen Erbes der Kirche zu sensibilisieren; es soll sich organisch in den Erziehungsprozess der künftigen Priester einfügen.

Aus verschiedenen Gründen sind in den vergangenen Jahren bei der Bildungsarbeit in vielen kirchlichen Bereichen gewisse Störungen, Verzögerungen und Unterlassungen festzustellen. Wenn jetzt eine solche Bildungsarbeit begonnen bzw. klarer umschrieben werden soll, wird es zu den wichtigsten Anliegen gehören, eine vertiefte Reflexion über die Situation, die Erfordernisse und die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel anzuregen oder sie derart zu verlebendigen, dass die nötigen Bedingungen geschaffen werden den, um konkrete Initiativen schrittweise und durchdacht in die Wege zu leiten.

Dabei darf nicht übersehen werden, dass ebenso das Problem der Weiterbildung des Klerus besteht, gerade in diesem Bereich. Vorerst jedoch möge das Augenmerk auf die Grundausbildung der künftigen Priester gerichtet werden.

10 Unsere Darlegungen wollen sich besonders auf diejenigen Kandidaten für das Priesteramt beziehen, die entweder dem diözesanen Klerus oder den Instituten des geweihten Lebens oder den Gesellschaften des apostolischen Lebens angehören. Mit Rücksicht auf die nicht zu unterschätzende Verantwortung so vieler Laienbrüder und -schwestern in den Orden für die kulturellen Güter wendet sich das vorliegende Schreiben mit den entsprechenden Anpassungen auch an jene, die - sowohl als männliche, wie auch als weibliche Laien-Mitglieder - in den Instituten des geweihten Lebens und in den Gesellschaften des apostolischen Lebens in der Ausbildung stehen, damit auch sie vorbereitet sind, um diesen Aspekt in ihrem apostolischen Wirken zu berücksichtigen.

11 Es handelt sich gewiss nicht darum, Spezialisten auf dem biet der Verwaltung der Kulturgüter heranzubilden. Ziel ist schlichtweg, dass die Seelenhirten jene Sensibilität und jene Kompetenz erlangen, die es ihnen ermöglicht, aufmerksam das Gewicht der betreffenden Werte einzuschätzen, um sie korrekt und ohne weitgehende Delegation in der Zusammenarbeit mit Experten im Bedarfsfall anwenden zu können. Die Priester sollen somit befähigt werden, die ihnen anvertrauten Gemeinden zu solchen Werten hinführen sowie korrekt und angemessen mit den Vereinigungen, den Verwaltungen und den öffentlichen und privaten Behörden zusammenarbeiten zu können, die für den Schutz und die Förderung der Kunst und der verschiedenen Formen der Kultur zuständig sind.

12 Das Feld, um das es hier geht, bezieht nicht nur die sakrale Kunst ein (in Architektur, Malerei, Bildhauerei, Mosaik, Musik, bei Geräten und was sonst noch zum Bereich und zur Entfaltung der Liturgie und des Kultes gehört), sondern es bezieht sich auch auf das Bibliothekswesen, die Archive und Museen, von denen heutzutage viele im Entstehen sind oder gerade in ausdrücklichem kirchlichen Auftrag renoviert und auf den aktuellen Stand gebracht werden. Die Förderung und die Sorge für alle diese Bereiche sind als Dienst von großem Wert für die christliche Gemeinde zu verstehen, die auf diese Weise einen ansehnlichen Teil des Kulturellen Erbes der Menschheit bewahrt.

EIN VIELFÄLTIGER AUSBILDUNGSGANG UND SEINE GRUNDLAGEN

13 Bevor wir irgendeine besondere Empfehlung abgeben, möchten wir an die Überzeugung erinnern, dass, vor allem in unserem Fall, bezeichnenderweise bei der "pastoralen Ausbildung", nicht allein die Vermittlung von Wissen und die Information über die Kulturgüter gewährleistet sein muss. Vielmehr geht es darum, für einen Ausbildungsgang zu sorgen, der unter verschiedenen Aspekten und mit verschiedenen Mitteln zur Gewinnung einer abgeklärten Sensibilität für diese Werte beiträgt, und zwar im Kontext des Ausbildungsganges eines jeden Seminars bzw. Studienhauses.

Die Kulturgüter müssen von ausgebildeten Personen bekannt gemacht und gewürdigt werden, damit ihr Gesamtwert erfasst wird und bei ihrer Betrachtung die Freude an jener Wahrheit zum Tragen kommt, die sie vermitteln.

Wir stehen somit vor einem Problem, das nicht allein den intellektuellen Aspekt betrifft, sondern in einer umfassenden Entwicklung der persönlichen Sensibilität verwurzelt ist. Folglich wird es unter dieser Rücksicht darum gehen, den meisten der angehenden Priester eine Kultur zu vermitteln, die in verschiedenen Teilen der Welt immer mehr vertechnisiert und dem Leistungsdenken unterworfen wird. Sie begünstigt natürlich nicht die Entscheidung für eine humanistische Mentalität, die unentbehrliche Voraussetzung ist, um die höchsten und echtesten Ausdrucksformen des menschlichen Geistes richtig einschätzen zu können.

14 Die Ausbildung wird sich eine solche Integration vor allem dann zur Aufgabe machen müssen, wenn die Kandidaten für das Priesteramt einer Umgebung entstammen, die von einseitiger Vorherrschaft der technischen Kultur und einer "wissenschaftlichen" Mentalität gekennzeichnet ist, und die folglich große Defizite aufweisen hinsichtlich der ästhetischen Erfahrung, des Sinns für Geschichte und Literatur, der sachverständigen Teilnahme an der Welt der Kunst und - mehr noch - der Fähigkeit, solche Werte wahrzunehmen.

Die Alumnen sollen persönlich in das Erlernen dieses "Humanismus" miteinbezogen werden, der - seinem Sinn nach vornehmer und ausgewogener - sich als unerlässliche Voraussetzung und als notwendige Ausstattung für die Aufnahme der Botschaft des Evangeliums seitens der einzelnen Menschen und der Kulturen offenbart. Wie man erahnen kann, handelt es sich nicht in erster Linie und einzig um einen intellektuellen Vorgang, sondern um ein umfassendes Wachstum der Persönlichkeit, sei es auf der Ebene der Reifung der Sensibilität, sei es auf der eigentlichen religiösen und kultischen Ebene, sei es auf der kulturellen, geistlichen und pastoralen Ebene.

Das Erziehungsangebot im Seminar und im Studienhaus muss auf verschiedene Weisen und bei gut gewählten und geplanten Gelegenheiten durch Erfahrungen und Anreize bereichert werden, die geeignet sind, diese umfassende Reifung zu ermöglichen.

15 Es ist angebracht, daran zu erinnern, dass die Umgebung des Ortes, an dem die Ausbildung geschieht, schon an sich über erzieherische Eigenschaften verfügen soll. Auch ein einfaches Milieu oder ein modernes Konzept kann mehr oder weniger dazu beitragen, eine Atmosphäre der Sammlung zu erleichtern und eine angemessene ästhetische Sensibilität wachsen zu lassen. Um so mehr gilt dies für Umgebungen, die reich sind an Geschichte und Kunst.

16 Eben solches Gemeinschaftsleben kann im Blick auf das Ziel wichtig sein, das wir uns gesteckt haben: die Gesinnung für eine tätige Teilnahme und für die Übernahme von Verantwortung anzuspornen; im Geist der Zusammenarbeit, der mit dem Bewusstsein für die eigenen Grenzen einhergeht, zu erziehen; die Achtung vor den Kompetenzen anderer und die Fähigkeit, diese zu respektieren, zu fördern, da sie im Dienst am Evangelium eingesetzt werden - das sind in dieser Hinsicht einige Bestandteile der Ausbildung zum priesterlichen Dienst.

Das Ausbleiben der Aneignung dieser menschlichen Eigenschaften kann als einer der Hauptgründe für eine wenig ausgereifte Einstellung gegenüber dem kunstgeschichtlichen Erbe angesehen werden, oder für die Schwierigkeiten, einen richtigen und fruchtbaren Dialog mit der Welt der Künstler zu führen. Nichts anderes als eine engstirnige Mentalität macht unfähig, das Wahre und das Schöne zu würdigen.

17 Auch der geistlichen Bildung kommt in unserem Kontext große Bedeutung zu. Das liturgische Leben spielt bei der Erziehung zur ästhetischen Sensibilität eine entscheidende Rolle. Die erste Schule der Kunst besteht in den Feiern, die in der Ausbildungsgemeinschaft gehalten werden. Sie sollten auch unter künstlerischem Gesichtspunkt beispielhaft sein. Dies verlangt eine ständige Prüfung ihres Niveaus und ihrer Qualität; auf diese Weise vermeiden sie eine schädliche Nachlässigkeit sowie ausufernde und verzerrende Künstlichkeit, die beide gutem ästhetischen Empfinden widersprechen.

Das gemeinschaftliche sowie das individuelle Gebet sind ebenso wichtige Bereiche der Ausbildung einer künstlerischen Sensibilität, die tief in die Erfahrung des Glaubens eingegliedert ist. Die für die geistliche Ausbildung Verantwortlichen müssen daher zum Gebet erziehen, und zwar auf eine Weise, die Spielraum auch für die Dimensionen der ästhetischen Sensibilität, Vorstellungskraft und Betrachtung lässt. Wenn Letzteres gut mit der Erfahrung der Gnade und dem Empfang des Heiligen Geistes zusammengeht, lenkt es keineswegs ab oder führt auf Abwege; ganz im Gegenteil ist es ein Mittel zu einer immer tieferen Feier der "Großtaten des Herrn".

18 Die pastorale Praxis steht oft vor solchen Problemen, die sich aus der sakralen Kunst und der Kunst im allgemeinen ergeben.

So muss den künftigen Priestern dabei geholfen werden, dass sie vor allem diese Probleme nicht ignorieren, sondern sie zu erkennen und einzuschätzen verstehen und sie mit Klugheit und pastoralem Verstand angehen. Schon von den ersten Erfahrungen im Priesteramt an sollen sie sich einigermaßen ihrer Verantwortung bewusst sein, die von ihnen als den Vorstehern der Gemeinde der Gläubigen erwartet wird angesichts einer Welt, die so sehr faszinierend und reich an Mitteln ist, die zugleich aber auch der Läuterung und der Orientierung bedarf.

DIE AKADEMISCH-INTELLEKTUELLE AUSBILDUNG

19 Das bisher Dargelegte beabsichtigt ganz gewiss nicht, den spezifischen Beitrag der intellektuellen Ausbildung zur Lösung unseres Problems durch die passende Ordnung der akademischen Veranstaltungen zu unterschätzen. Wir wollten lediglich diesen Bereich aufzeigen, der entscheidend und wesentlich für die Ausbildung im umfassenderen Kontext der persönlichen Reifung ist, worauf auch die Zeit des Studiums abzielt.

In den nun folgenden Weisungen beziehen wir uns auf den Hinweis der "Ratio fundamentalis", die wohlweislich empfiehlt, "dass, bevor die Anzahl der Disziplinen vermehrt wird, eher in die schon bestehenden Disziplinen neue Fragestellungen und neue Gesichtspunkte eingebaut werden."[9]

20 Um frühere, in dieser Hinsicht lückenhafte Studienordnungen zu vervollständigen, soll hierbei, wenn möglich, eine gute höhere Schule im Rahmen eines Internates (Knabenseminars) oder anderer Formen der bildungsmäßigen und kulturellen Begleitung der Berufungen in der Adoleszenz und den frühen Jugendjahren mitwirken.

Auf der jüngsten Bischofssynode über die Ausbildung der künftigen Priester unter den gegenwärtigen Bedingungen haben viele Synodenväter es für notwendig gehalten, bei den Berufungen der Jugendlichen und Erwachsenen einen "propädeutischen Zeitabschnitt" vor der Theologie vorzuschlagen, in dem auch passenderweise Unterricht in Kunstgeschichte, Kulturgeschichte und Philosophie erteilt werden könnte, der sich als eine große Hilfe zur Reifung der menschlichen und künstlerischen Sensibilität erwiesen hat und den das nachsynodale Dokument als dringlich betrachtet.[10]

21 In den Bereich der philosophischen Veranstaltungen gehört eine ausreichende Darlegung der Fragestellungen zur Ästhetik. Die systematische Theologie kann viele wichtige Themen bezüglich der "Gestalt" der Offenbarung behandeln, die durchaus eine Bewertung erfahren können, die - außer der Transzendenz des Wahren und Guten - auch die Transzendenz des Schönen berücksichtigt, die viel zu oft vernachlässigt wird.[11]

Insbesondere kann die spirituelle Theologie in dem hier erwünschten Sinn positive Einflüsse ausüben, und zwar durch die Untersuchung von Themen wie z. B. der Ikonologie, oder ganz allgemein durch den Einfluss des ästhetischen Aspekts auf die Ermöglichung vertiefter christlicher Erfahrungen.

Die Lehre des Kirchenrechts schließt die Untersuchung wichtiger Vorschriften hinsichtlich der Verwaltung der Kulturgüter und Kunstwerke ein.

Einzigartig ist die Rolle der Lehre über die Liturgie, um die Aussagekraft und den kommunikativen Wert des Glaubens aufzuweisen, die der Architektur, der Malerei, der Bildhauerei und der Musik in bezug auf die sakramentalen Feiern und den Kult zuzuweisen sind.

Ebenso bieten auch die Kirchengeschichte und die Patristik reiche Möglichkeiten, die schöpferische Kraft des christlichen Glaubens sowie seine Fähigkeit hervorzuheben, die verschiedenen Ausdrucksweisen der Kunst aufzugreifen und zu erheben wie auch den tiefen Zusammenhang zwischen theologischer Reflexion, Inkulturation des Glaubens und den Kunstwerken.

Schließlich gibt es auch in der Pastoraltheologie, die neuerdings ein größeres Gewicht in den kirchlichen Studien bekommen hat, weiten Spielraum, um unter neuen Gesichtspunkten die Themen der sakralen Kunst und der Kulturgüter sowie der Übernahme der Verantwortung für solche Güter, für die die Hirten der christlichen Gemeinden zuständig sind, aufzugreifen.

22 Auch durch die oben genannte Empfehlung, die Studienfächer nicht unnötigerweise zu vermehren, hat die "Ratio fundamentalis" die Stellung und Bedeutung der Spezialvorlesungen und der Hilfsdisziplinen anerkannt.[12] Manche nationalen Episkopate haben bei der Ausarbeitung der "Normen" für ihre eigenen Seminare diesen Vorschlag aufgegriffen[13] und vorgesehen, dass Veranstaltungen angeboten werden, in denen in vertiefter und systematischer Weise die Geschichte und Grundlagen der sakralen Kunst, der christlichen Archäologie, des Archiv- und Bibliothekswesens behandelt werden. Solche Veranstaltungen können dazu beitragen, bestimmte Studenten dazu zu führen, sich auf diese Bereiche der Lehrfächer zu spezialisieren, damit sie später auch gegenüber ihren Mitbrüdern die Aufgaben des Ansporns und der Hilfeleistung übernehmen können.

23 Wir wünschen, dass bei einer anstehenden Überarbeitung in allen "Normen" einer jeden Bischofskonferenz dieser Bereich von Lehrfächern mehr Raum erhält, damit er wieder in das allgemeine Thema der "kulturellen und pastoralen Ausbildung hinsichtlich der kirchlichen Kulturgüter" aufgenommen wird. Wir gehen davon aus, dass es sofort für jedes Seminar und jede Studieneinrichtung möglich ist, ein spezielles Programm hierzu zu entwickeln oder zu intensivieren, indem man die Gemeinsamkeiten unter den Lehrfächern hinsichtlich des kunstgeschichtlichen Erbes erschließt, wie wir oben erwähnt haben.[14]

Die Veröffentlichung entsprechender Lehrbücher könnte von hohem Nutzen sein; in ihnen wären übereinstimmend die wesentlichen Inhalte darzulegen betreffs des umfangreichen Stoffs der Rechtsprechung, der Liturgie, der Ästhetik, der Pastoral, der Technik von Errichtung, Erhaltung und Restaurierung, sodann die Verwaltung und Verantwortung für die kirchlichen Kulturgüter und die diesbezügliche Rolle des künftigen Priesters.

24 Im Rahmen der Ordnung des Studiums und des akademischen Lebens allgemein ist schließlich der Nutzen spezifischer Initiativen zu unterstreichen, wie z. B. die Begegnung mit Künstlern und Kunstkritikern, die Teilnahme an bedeutenderen künstlerischen Veranstaltungen, die Kenntnis und der Besuch eventuell bestehender diözesaner Einrichtungen in diesem Bereich (Diözesanmuseen, Archive, Bibliotheken), die Besichtigung der wichtigsten religiösen und zivilen Baudenkmäler in der Diözese.

Die unmittelbare Begegnung mit der Welt der Kunst und Geschichte - sei es durch die direkte Kenntnis der auf diesem Feld Tätigen, sei es durch die persönliche Begegnung mit den Kunstwerken und den Dokumenten - ist eine Erfahrung mit besonderem Bildungseffekt, die nicht völlig durch die theoretische Unterweisung, wie sie im Unterricht erteilt wird, ersetzt werden kann.

AUSBILDER UND MITTEL DER AUSBILDUNG

25 Von allen Verantwortlichen für die Ausbildung wird ein gutes Einfühlungsvermögen in der Auseinandersetzung mit dem hier aufgezeigten Problem gefordert; wie wir glauben, dargelegt zu haben, hängt die Aneignung der richtigen Sensibilität auf dem Gebiet der Förderung, des Schutzes und der Bewertung der Kulturgüter von komplexen Faktoren ab, was die Verantwortung für all die verschiedenen Komponenten der Seminarerziehung mit einbezieht.

Auf dem je eigenen Gebiet der Dozenten sind von besonderer Bedeutung der Dozent für Liturgiewissenschaft und der Dozent für Kirchengeschichte; ihnen kommt unmittelbarer und ausdrücklicher die Rolle der Ausbilder einer guten ästhetischen Sensibilität zu. Eine wesentliche Aufgabe obliegt auch dem Dozenten für Pastoraltheologie.

Vielleicht ist es überflüssig zu präzisieren, dass die gegebenen Weisungen von diesen Dozenten und - auf je verschiedene Weise - auch von der ganzen Erziehungsgemeinschaft des Seminars und des Studienhauses eine ständige Weiterbildung fordert, die von nicht geringer Bedeutung ist.

26 Es wird von Vorteil sein, eine spezielle Vorbereitung für die Dozenten anzugehen, die sie befähigt, Stoffe wie die Pastoral, die sakrale Kunst, die christliche Archäologie, das Archiv- und Bibliothekswesen zu lehren. Dieses wird lobenswerterweise bereits in vielen Teilen der Welt und auch an den Päpstlichen Universitäten in Rom geleistet.[15] Darüber hinaus wäre eine Koordination der zur Verfügung stehenden Kräfte sowie ein Projekt zur Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter im Bereich der Kulturgüter denkbar. Somit könnte diesen nicht nur die nötige hohe wissenschaftliche Kompetenz vermittelt werden, sondern ebenfalls der gebührende theologische und kirchliche Sinn sowie die spezifische Vorbereitung für eine Unterrichtstätigkeit allgemein und für jene in den Seminaren und an den Studienhäusern im besonderen.

Zu solchen Schritten einer Spezialausbildung sollen nach deren Einrichtung daher die "Ausbilder", die Erzieher und Lehrenden eingeladen werden, die dann in den Bildungseinrichtungen im Dienst der Vorbereitung der künftigen Priester auf die Verantwortung, die sie auf dem Gebiet der Kulturgüter der Kirche erwartet, eingesetzt werden.

27 Die Lehrfächer, die die Ausbildung der künftigen Priester in diesem besonderen Bereich betreffen, sind ganz oder teilweise auch Lehrstoffe in den verschiedenen Veranstaltungen für den Erwerb des Doktorats und von Spezialisierungen ebenfalls an den staatlichen oder freien Fakultäten der Universität. Es ist wichtig, dass solche kulturellen Einrichtungen - vor allem jene, die in die katholischen Universitäten eingegliedert sind - Bezugspunkte und Gelegenheiten zur Auseinandersetzung und zum Dialog im Rahmen der Ausbildung an den Seminaren und Studienhäusem bilden. Dasselbe gilt für die nichtkirchlichen Museen, Bibliotheken und Archive, die oft mit Hilfe verschiedener Organisationsformen interessante kulturelle Aktivitäten entwickeln, von denen die christliche Gemeinde sich nicht fernhalten sollte.

28 Ein für die Ausbildungsinhalte fruchtbarer Anfang wurde gewiss von der diözesanen Kommission für sakrale Kunst und von anderen kirchlichen Einrichtungen, die in pastoraler Hinsicht für diesen Bereich Sorge tragen, gemacht. Der Austausch von Mitarbeitern, von Informationen und Initiativen zwischen diesen Behörden und den Seminaren bzw. Studienhäusern ist normalerweise einer der sehr geeigneten Wege, um die Ausbildung der künftigen Priester zu vervollständigen, gerade im Blick auf die pastorale Sorge für die Kunst und die Kulturgüter sowie hinsichtlich der konkreten Vorbereitung des Wirkens auf diesem Gebiet.

Wir sind sicher, dass Eure Exzellenz, die auf alle Aspekte des pastoralen Lebens bedacht ist, die in diesem unseren Brief enthaltenen Sorgen und Bemühungen annehmen und somit die Sorge Papst Johannes Pauls II. und unsere Sorge teilen wird, damit die künftigen Priester in der Lage sind, alle Verantwortung zu übernehmen, die sie in dieser schwierigen Angelegenheit des Erbes der Kunst und der geschichtlichen Dokumente haben und die ihrer Obhut und Belebung anvertraut sind.

Wir glauben, dass Eure Exzellenz den Text dieses Briefes, ergänzt um eigene geeignete Weisungen, den Verantwortlichen, den Erziehern und Dozenten Ihres Seminars übermitteln kann, damit diese Anlass haben, über die zugrundeliegenden Absichten nachzudenken, um anschließend in konkreten Richtlinien das Studienprogramm ihrer Alumnen zu regeln, sei es bezüglich der sechsjährigen Vorlesungen im philosophisch-theologischen Bereich, sei es bezüglich des umfassenden Bildungsplans auf Grundlage der Vorschläge, die darzulegen wir uns erlaubt haben.

Außerdem wären wir sehr froh, wenn Eure Exzellenz bei einer Zusammenkunft Ihres Klerus auf die von allen geforderte Intensivierung der Verpflichtungen bezüglich unserer Verantwortung gegenüber dem künstlerischen und geschichtlichen Erbe der Kirche, und zwar vom Beginn der Ausbildung an, aufmerksam machen würde.

Wir danken Ihrer Exzellenz für die Aufmerksamkeit und wären Ihnen wirklich sehr verbunden, wenn Sie uns jede nützliche Information hinsichtlich der Verwirklichung dieser Vorschläge in Ihrer Diözese mitteilen würden, die uns wiederum als Erfahrung zum Nutzen anderer Kirchen wertvoll sein werden.

Francesco Marchisano

Sekretär
Paolo Rabitti

Subsekretär

Anmerkungen

  1. Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor bonus (28. Juni 1988), Art. 103 [DEL 3, 6234].
  2. Vgl. z. B. Sacrosanctum concilium 129; Kongregation für die Seminare und Universitäten zur Lehrveranstaltung über das Archivwesen an den Priesterseminaren (27. Mai 1963); Brief von Kard. Gasparri über die Erhaltung, den Schutz, die Benutzung der kirchlichen Archive und Bibliotheken (15. April 1923).
  3. Vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Ratio fundamentalis (6. Januar 1970; Neufassung vom 19. März 1985), Nr. 79 [DEL 1,2016 bzw. DEL 3, 5732a-5732p].
  4. Vgl. Gaudium et spes 53-62 [DEL 1, 567f]; Sacrosanctum concilium 122-128; Botschaften des Konzils an die Menschheit: Botschaft an die Künstler (8. Dezember 1965).
  5. Sacrosanctum concilium 129.
  6. Vgl. Kongregation für den Klerus, Rundbrief an die Vorsitzenden Bischofskonferenzen über die Sorge um die kunstgeschichtlichen Werte der Kirche (11. April 1971) [DEL 1, 2539-2547].
  7. Es sei, zusätzlich zu dem in der vorigen Anmerkung genannten, nur an einige Dokumente aus diesem Jahrhundert erinnert: Staatssekretariat, Rundschreiben zur Einrichtung von Kommissariaten für die vom Klerus bewahrten Monumente (10. Dezember 1902); Rundschreiben über die Erhaltung der kirchlichen Archive und Bibliotheken (15. April 1923); Rundschreiben an die Ordinarien von Italien (1. September 1924); Konzilskongregation, Weisungen hinsichtlich der Objekte der Geschichte und der sakralen Kunst (24. Mai 1939).
  8. Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Mahnschreiben Pastores dabo vobis, Nr. 55.
  9. Ratio fundamentalis 80 mit Verweis auf Optatam totius 17. Weiter heißt es: "Neue Disziplinen [sollen] nicht leichtfertig eingeführt werden. Eher sollen neue Fragestellungen an geeigneter Stelle in die bereits existierenden Disziplinen eingefügt werden" (Ratio fundamentalis 90).
  10. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Mahnschreiben Pastores dabo vobis 62 [DEL 3, 6669]; (vgl. Kongregation für das katholische Bildungswesen, Rundschreiben über einige dringende Aspekte der geistlichen Bildung in den Seminarien [6. Januar 1980], Teil III [vgl. DEL 2,3884-3910]).
  11. Vgl. hierzu unter den zeitgenössischen Theologen die Betrachtung von Hans Urs von Balthasar in seinem Werk "Herrlichkeit".
  12. Ratio fundamentalis 80. 83-84.
  13. Vgl. z. B. Italienische Bischofskonferenz, Regolamento degli studi teologici dei seminari maggiori 49.74-76; Spanische Bischofskonferenz, La formacion para el ministero presbiterial (1986), 129; Mexikanische Bischofskonferenz, Ordinamiento blisico de los estudios para la formacion sacerdotal en Mexico (1988), 177; Deutsche Bischofskonferenz, Rahmenordnung für die Priesterbildung (1978), 61 usw.
  14. Angesichts der großen Unterschiede der örtlichen Situation zieht diese Päpstliche Kommission es vor, nicht direkt ein zusammenhängendes Programm auszuarbeiten, das sich mit der komplexen Materie in Kunst, Recht, Pastoral und Organisation im Blick auf das Verhältnis der Priester zu den kunstgeschichtlichen Kulturgütern der Kirche befasst; sie tut es in der Überzeugung, dass solche Programme vor Ort vollständig und wirksam entsprechend den Weisungen dieses Rundschreibens ausgearbeitet werden können.
  15. Besonders hingewiesen sei auf den Spezialisierungskurs für die kirchlichen Kulturgüter an der Päpstlichen Universität Gregoriana, der 1991 eingerichtet worden ist.
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