Gregorianische Messen

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Als gregorianische Messen (GM) werden Reihen von heiligen Messen an unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen für einen oder mehrere Verstorbene bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung und Entwicklung des gregorianisches Messtricenars

Ein Tricenar (auch: Tricernar, Tritenar, von lat. tricenarius "je dreißig, dreißig Mal wiederholt"), die Folge von 30 Messfeiern, geht auf Gregor den Großen zurück, der als Abt von St. Andreas für den verstorbenen Mönch Justus dreißig Tage hintereinander das Opfer der heiligen Messe am so genannten Gregorianischen Altar darbringen ließ; Justus hatte sich gegen das Armutsgelübde verfehlt. Nach Ablauf der dreißig Tage meldete der Verstorbene in einer Erscheinung seine Befreiung aus dem Fegfeuer (Dia. IV 55, PL 27, 420).

Die gregorianischen Messen wurden im Mittelalter hochgeschätzt. Sie wurden oft mit besonders ausgewählten Messformularen gefeiert. Die dreißig Tage erinnern an die biblische Trauerperiode in Num 20,29 EU und Dtn 34,8 EU.[1]

Im späten Mittelalter wurden Messreihen zu 3, 5, 6, 7, 9, 30, 41, 44 oder 45 Messen für die Verstorbenen empfohlen, aber auch für Anliegen der Lebenden. Für jede einzelne Messe bestand ein eigenes Messformular, häufig war auch eine entsprechende Anzahl von Kerzen und Almosen vorgeschrieben. Der Liturgiewissenschaftler P. Josef Andreas Jungmann SJ erkennt in den "merkwürdigen Aufreihungen" "überspannte Vorstellungen von der Wirkung der Messe". Das Konzil von Trient bestimmte am 17. September 1562 in seinem Decretum de observandis et evitandis in celebratione missae, "die abergläubische Beobachtung der Zahl bei bestimmten Messen müsse aufhören". Nur die dreißig gregorianischen Messen für die Verstorbenen konnten fortbestehen.[2]

In den 1930er-Jahren entstand in Polen eine "mit abergläubischen Verheißungen ausgestattete Reihe von 44 Messen" (P. Jungmann), die durch vatikanische Verfügung sofort verboten wurde.[3]

Gregorianisches Messseptenar

In der Neuzeit gab es ein gregorianische Messseptenar (Septem missae aureae beati Gregorii) mit sieben Messen für Verstorbene an sieben aufeinanderfolgenden Tagen (im Anschluss an die biblische siebentägige Trauerperiode in Gen 50,10 EU; Sir 22,13 EU), das ebenfalls durch eine Erzählung Gregors (Dia. IV 55) im Mittelalter sehr populär war. Hierfür waren sechs Messformularien vom Leiden Christi und eine Requiemmesse bestimmt; letztere fiel seit dem 15. Jahrhundert weg, es blieben nur mehr die so genannten "Passionsmessen" (Leidensmessen). Bestimmte Messformularien waren um 1930 für das gregorianische Messseptenar und Tricernar nicht mehr vorgeschrieben.[4]

Unterbrechung der gregorianischen Messen

"Wird die Abfolge von dreißig gregorianischen Messfeiern wegen eines unvorhergesehenen Hindernisses (z. B. Krankheit) oder wegen eines anderen vernünftigen Grundes (z. B. Beerdigungs- oder Trauungsmesse) unterbrochen, so bleiben gemäß Entscheidung der Kirche die Früchte erhalten, die die Praxis der Kirche und der fromme Sinn der Gläubigen den dreißig gregorianischen Messen bisher zuerkannt haben. Es bleibt Pflicht des zelebrierenden Priesters, die Zelebration der dreißig Messen baldmöglichst wiederaufzunehmen. Der Ordinarius möge in geeigneter Weise dafür sorgen, dass in dieser Angelegenheit kein Missbrauch getrieben wird (Konzilskongregation 1967: Erklärung "Tricenario gregoriana")."[5]

Päpstliche Schreiben

Benedikt XIV.

  • 18. Februar 1752: Audienz, Reskript über den Gregorianischen Altar.

Leo XIII.

  • 15. März 1884: Das Vertrauen des Volkes, bezüglich der Gregorianischen Messen für Verstorbene und des Gregorianischen Altares, werden gutgeheissen.

Pius X.

Paul VI.

  • 24. Februar 1967: Konzilskongregation: Erklärung "Tricenario gregoriana" über die Unterbrechung bei Gregorianischen Messen (AAS 59 [1967] 229-230).

siehe: "Arten" von Messen bei Messstipendium

Anmerkungen

  1. Andreas Heinz, Art. "Gregorianische Messen" in: LThK 3. Auflage, Band 4, Sp. 1030; Ludwig Eisenhofer in: LThK 1. Auflage, Band 4, Sp. 688; Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 104, Gregorianische Messen (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  2. Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, Band 1, S. 171.177.
  3. AAS 26 (1934) 233; siehe Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, Band 1, S. 177 Anm. 42.
  4. Ludwig Eisenhofer in: LThK 1. Auflage, Band 4, Sp. 688; Ludwig Eisenhofer: Handbuch der katholischen Liturgik, Zweiter Band 1933, S. 18 (588 Seiten); Imprimatur Friburgi Brisgoviae, die 1. Aprilis 1933 Rösch Vic. Gen.). 1941 (2. Auflage).
  5. 24. Februar 1967 Konzilskongregation: Erklärung "Tricenario gregoriano" über die Unterbrechung bei Gregorianischen Messen (AAS 59 [1967] 229-230) aus: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, Band 1, Dokumente des Apostolischen Stuhls 1963 – 1973; Herausgegeben von Heinrich Rennings und Martin Klöckener, Verlag Butzon & Bercker Kevelaer 1983, S. 403, Randnummer 732 (nach dem „Enchiridion Documentorum Instaurationis Liturgicae“; ISBN 3-7666-9266-6. Deutscher Text auch in : SKZ 135 (1967) 349.
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