Gotteskindschaft

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Laßt die Kinder zu mir kommen ! (Lk 18,16 EU)
Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.

Gotteskindschaft oder einfach Kindsein bedeutet, dass der durch Christus erlöste Mensch, die Adoptivsohnschaft Gottes durch die Taufe erlangt hat und am Eucharistischen Tisch Platz nehmen darf. Sie ist ein zentraler Begriff der christlichen Spiritualität.

Inhaltsverzeichnis

Erklärung

Anders als im Heidentum, wo "Götter" untereinander verwandt sind, aber nicht mit den Menschen, bezeichnet er die durch Christus vermittelte unmittelbare Beziehung der Menschen zu Gott, die in der Taufe als Erlösung von der Erbsünde grundgelegt wird. Schon im Alten Testament ist "Kind" ein wichtiges Wort für das Dasein vor Gott, mit dem das Verhältnis zwischen Gott und Mensch beschrieben wird. "Haben wir nicht alle denselben Vater? Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen" (Mal 2, 10)? Damit wird zunächst nur auf die Schöpfung gedeutet, die eine heilvolle Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf grundgelegt hat. Innerhalb dieses weiten Kreises beschreibt "Gotteskindschaft" als Analogie die besondere Beziehung, die Gott zum Volk Israel stiftet: "So spricht Jahwe: Israel ist mein erstgeborener Sohn" (Ex 4, 22). Wie ein adoptiertes Kind aufgenommen wird, erwählt Gott ein Volk zu seinem besonderen Eigentum und geht einen Bund mit ihm ein.

Im Neuen Testament rückt "Gotteskindschaft" noch mehr in den Mittelpunkt. Dabei ist die Gottgleichheit Jesu als ewiges Wort des Vaters und die so so ermöglichte wirkliche Gotteskindschaft der Gläubigen dennoch zu unterscheiden, weil für uns -ähnlich wie beim Volk Israel- eine geistliche Annahme als Kinder Gottes zugrundeliegt. In den älteren Evangelien ist "Gotteskindschaft" eine endzeitliche Gabe, die bei der Auferstehung am jüngsten Tag vollendet geschenkt wird und mit der Beachtung des Liebesgebots auf Erden verknüpft ist (vgl. Mt 5, 9 u. 45). Im Laufe der Geistesgeschichte des Christentums hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass dieses besondere Band, das Gott zu uns geknüpft hat, jedoch auch in jeder Biografie des Getauften bereits Gestalt gewinnen kann und soll.

Christus liebt das Kindsein, das er zuerst sowohl dem Geiste wie dem Leibe nach annahm. Er liebt es, als einen Lehrmeister der Demut, als Richtschnur der Unschuld, als Vorbild der Sanftmut. Christus liebt das Kindsein, auf das hin er das sittliche Leben der Erwachsenen richtet und zu dem er das Greisenalter zurückführt und auf dessen Beispiel er jene hinweist, die er zum Himmelreich erhebt (Leo der Große).[1] In der jüngeren Kirchengeschichte werden mehrfach Kinder erwählt, Gottes Botschaften zu überbringen. Beispiele Melanie (in La Salette), Bernadette Soubirous (in Lourdes) oder die Fatima-Kinder.

Verhalten des Gotteskindes

Ein getauftes Gotteskind hat in keiner Situation Angst, da es Gott als seiner Vater (Vater unser) und seine Mutter (vgl.) bei sich weiß. Hindernisse zu bewältigen sind für das Gotteskind kein Problem, da es die meisten nicht erkennt und die Eltern für das Kind wegräumen, die andern aber in seiner Demut unterläuft. Artig sein zu sollen, ist für das Gotteskind selbstverständlich, den es will im Herzensfrieden leben. Seine Schulbücher sind die Bibel und der Katechismus. Es wartet sehnsüchtig auf die Erstkommunion. Etwas zu gelten oder Macht in der Kirche zu haben ist für das Gotteskind kein Thema. Es liebt es, Ministrant sein zu dürfen. Die Eltern oder Mitbewohner, die auf es aufpasst, zu beneiden, kommt ihm nicht in den Sinn. Es denkt ständig daran, einen Bräutigam im ewigen Leben zu haben und sich darauf vorzubereiten. Um dies zu erreichen ist es nicht nur schamhaft, indem es sich vor Pornografie hütet, sondern bittet die reinsten Gotteskinder wie den heiligen Josef, den heiligen Thomas von Aquin oder Maria Goretti um Fürsprache, um nicht unzüchtig zu sein. Sein Smartphone ist das Rosenkranz-Gebet. Da dieses einen Akku hat, trägt es das Gotteskind immer bei sich. Das Internet ist für das Gotteskind die Gemeinschaft der Heiligen. Freuen tut es sich, wenn es endlich den Führerschein machen darf. Es ist gespannt, welchen Beruf es wählen wird. Papa und Mama helfen ihm bei der Auswahl. Das Gotteskind beherrscht ohne Anstrengung das richtige "Timing", da es sich stets im Willen Gottes bewegt.

Gebet des Gotteskindes

Vater, Du hast mich aus dem Nichts ins Dasein gebracht und nichts kann ich dafür, dass Du trotz der Ursünde Adams und Evas ich zu Dir Papa sagen darf. Dein Sohn hat mich, Deinen Knecht, durch die Menschwerdung und sein Pascha-Mysterium zum Adoptivsohn gemacht. Ich habe dadurch nicht nur den Paradieseszustand erlangt, sondern darf an Deinem Eucharistischen Tisch als Gotteskind Platz nehmen. Bei Deiner makellosen Magd Maria hast Du vorausgesetzt, dass sie um des Himmelreiches willen jungfräulich gelebt hat, um Gottesmutter werden zu dürfen und Deinen Sohn zu gebären. Sie gebiert in der Taufe Deine Nachkommen bis zum Ende der Welt. Lass auch mich in der Kirche, die ihr Urbild hoch verehrt, fruchtbar sein. Du hast mich durch sie gerufen und ich will zu Dir und Deinem Willen stets "Mir geschehe nach Deinem Wort" sagen. Wenn ich Dir in der Schweren Sünde wie der verlorene Sohn untreu geworden bin, freue ich mich über das Sakrament der Versöhnung, durch das Du zum barmherzigen und vergesslichen Vater wirst. Gib mir nicht nur in meinen Gewissen eine stille Freude, sondern schenke durch den Heiligen Geist im Dialog mit Dir, Glückshormone in mein Herz, damit ich, bis ich zu Dir heim darf, allen Menschen Deine Wunder vorjubeln kann. Amen.[2]

Lied des Gotteskindes Was Gott tut das ist wohlgetan

Literatur

  • Ferdinand Ritzel, Der Weg der geistigen Kindheit (160 Seiten) Miriam Verlag
  • Eugen Biser, Gotteskindschaft. Die Erhebung zu Gott, Darmstadt 2007.
  • Anton Dechrevens: Nazareth und die Gottesfamilie in der Menschheit. - Unterweisungen über unsere Gotteskindschaft und die christliche Vollkommenheit, Herder Verlag 1909 (410 Seiten).
  • Ferdinand Ritzel: Der Weg der geistigen Kindheit. Weg des Vertrauens und der restlosen Hingabe. Miriam Verlag 1977 (ISBN 3874491099; 160 S.)
  • Josef Beeking: Fülle des Lebens : Bücher von der Verwirklichung der Gotteskindschaft. Herder Verlag Freiburg 1935 (32 Seiten).
  • Josef Beeking: Das Kind im Reiche Christi : Ein Büchlein von der Sendung des Kindes als Gotteskind Felizian Rauch Verlag Innsbruck 1937 (18 Seiten).
  • Josef Beeking: Von der Freiheit der Kinder Gottes : Ein Büchlein von der wahren Freiheit der Christen Felizian Rauch Verlag Innsbruck 1937 (18 Seiten).
  • Josef Beeking: Gottes Kinder sind wir : Leitsätze für Exerzitienbetrachtungen. Verlag der Stiftung Jugendwohl Freiburg 1932 (24 Seiten).
  • Josef Beeking: Grundriss der Kinder- und Jugendfürsorge : Mit e. Anh. d. wichtigsten einschläg. Gesetzestexte Herder Verlag Freiburg 1929 (333 Seiten).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Sermo 37 c.3; Migne PL LIV, 258 c.; vgl. Nr. 8.
  2. Verfasst durch Oswald am Herz-Jesu-Freitag, den 3. April 2020 und Palmsonntag den 5. April, in der Fastenzeit, im Monat der Barmherzigkeit.
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