Gemeinsame Erklärung vom 10. Mai 1973 im Vatikan

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Gemeinsame Erklärung von Papst Paul VI. und Shenouda III., Patriarch von Alexandrien, Amba Shenouda III.

10. Mai 1973 im Vatikan

(Offizieller englischer Text: AAS 65 [1973] 299–301)

(Quelle: Harding Meyer, Damaskinos Papandreou, Hans Jörg Urban, Lukas Vischer (Hrsg.): Dokumente wachsender Übereinstimmung. Sämtliche Berichte und Konsenstexte interkonfessioneller Gespräche auf Weltebene. Band 1. 1931–1982,, Bonifatius Verlag Paderborn und Verlag Otto Lembeck Frankfurt am Main 1983, Seite 529-531, ISBN 3-87088-674-9; "Original englisch: L'Osservatore Romano 10. 5. 73; Übersetzung Der christliche Osten 28)

Paul VI., Bischof von Rom und Papst der Katholischen Kirche, und Shenuda III., Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles des hl. Markus, sagen Gott im Heiligen Geist Dank dafür, dass sich nach dem großen Ereignis der Rückkehr der Reliquien des hl. Markus nach Ägypten die Beziehungen zwischen den Kirchen von Rom und von Alexandrien so weiterentwickelt haben, dass sie sich jetzt persönlich treffen konnten. Am Ende ihrer Begegnungen und Unterredungen möchten sie gemeinsam folgende Erklärung abgeben:

Wir haben uns getroffen in dem Verlangen, die Beziehungen zwischen unseren Kirchen zu vertiefen und konkrete Wege zu finden, um die Schwierigkeiten zu überwinden, die einer wirklichen Zusammenarbeit zwischen uns im Dienst unseres Herrn Jesus Christus im Wege stehen, der uns das Dienstamt der Versöhnung übertragen hat, um die Welt mit ihm zu versöhnen (2 Kor 5,18-20 EU).

In Übereinstimmung mit unseren apostolischen Traditionen, die unseren Kirchen überliefert und in ihnen bewahrt sind, und gemäß den ersten drei ökumenischen Konzilien bekennen wir ein und denselben Glauben an den einen, dreieinigen Gott und an die Gottheit des eingeborenen Sohnes Gottes, der zweiten Person der Heiligen Dreifaltigkeit, des Wortes Gottes, der Abglanz seiner Herrlichkeit und Ebenbild seines Wesens ist und der für uns Mensch geworden ist, indem er einen wirklichen Leib angenommen hat mit einer vernünftigen Seele und mit uns unsere Menschennatur geteilt hat, aber ohne die Sünde. Wir bekennen, dass unser Herr und Gott, der unser aller Erlöser und König ist, Jesus Christus, vollkommener Gott in bezug auf seine Gottheit und vollkommener Mensch in bezug auf seine Menschheit ist. In ihm ist seine Gottheit verbunden mit seiner Menschheit in einer wirklichen, vollkommenen Einheit ohne Vermischung, ohne Vermengung, ohne Verschmelzung, ohne Veränderung, ohne Teilung, ohne Trennung. Seine Gottheit hat sich nie von seiner Menschheit getrennt, nicht einmal einen Augenblick, nicht einen Atemzug lang. Er, der ewige und unsichtbare Gott, wurde sichtbar im Fleisch und nahm Knechtsgestalt an. In ihm sind alle Eigenschaften der Gottheit und alle Eigenschaften der Menschheit zugleich in einer wirklichen, vollkommenen, unteilbaren und untrennbaren Einheit bewahrt.

Das göttliche Leben wurde uns gegeben und wird in uns genährt durch die sieben Sakramente Christi in seiner Kirche: Taufe, Firmung, heilige Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Ehe und heilige Weihen.

Wir verehren die Jungfrau Maria, Mutter des wahren Lichtes, und wir bekennen, daß sie, die Gottesgebärerin, immer Jungfrau geblieben ist. Sie ist unsere Fürsprecherin, und als Theotokos übertrifft sie an Würde selbst die Heerscharen der Engel.

Wir haben in hohem Maße die gleiche Auffassung von der auf die Apostel gegründeten Kirche und von der wichtigen Rolle der ökumenischen und örtlichen Konzilien. Unsere Spiritualität kommt gut und tief zum Ausdruck in unseren Ritualien und in der Liturgie der Messe, die die Mitte unseres öffentlichen Gebets und der Höhepunkt unserer Einverleibung in Christus in seiner Kirche ist. Wir halten die Fasttage und die Festtage unseres Glaubens. Wir verehren die Reliquien der Heiligen und erbitten die Fürsprache der Engel und der Heiligen, der Lebenden und der Verstorbenen. Diese bilden eine Wolke von Zeugen in der Kirche. Sie und wir blicken voller Hoffnung auf das zweite Kommen unseres Herrn, wenn seine Herrlichkeit offenbar werden wird, um die Lebenden und die Toten zu richten.

Wir erkennen demütig an, dass unsere Kirchen nicht in der Lage sind, für dieses neue Leben in Christus ein vollkommeneres Zeugnis abzulegen wegen der bestehenden Trennungen, hinter denen eine jahrhundertelange, schwierige geschichtliche Entwicklung steht. In der Tat sind seit dem Jahr 451 n. Chr. theologische Unterschiede entstanden, die von nicht-theologischen Faktoren genährt und verstärkt wurden. Diese Unterschiede können nicht einfach übersehen werden. Jedoch entdecken wir uns trotz der Unterschiede wieder als Kirchen, die ein gemeinsames Erbe besitzen und voller Entschiedenheit und Zuversicht im Herrn danach streben, die Fülle und Vollkommenheit jener Einheit zu erreichen, die sein Gnadengeschenk ist.

Als eine Hilfe zur Erfüllung dieser Aufgabe errichten wir jetzt eine Gemeinsame Kommission in Vertretung unserer Kirchen. Es wird ihre Aufgabe sein, das gemeinsame Studium der kirchlichen Tradition, der Patristik, Liturgie, Theologie und Geschichte wie der praktischen Probleme zu leiten. So wollen wir in gemeinsamer Arbeit und im Geist gegenseitiger Achtung die zwischen unseren Kirchen bestehenden Unterschiede zu überwinden suchen, um gemeinsam das Evangelium auf eine Weise verkünden zu können, die der echten Botschaft des Herrn und den Nöten und Hoffnungen der heutigen Welt entspricht. Gleichzeitig sprechen wir unsere Dankbarkeit und Ermunterung aus für andere Gruppen von katholischen und orthodoxen Gelehrten und Seelsorgern, die sich für gemeinsame Tätigkeiten in diesen und verwandten Gebieten einsetzen.

In aller Aufrichtigkeit und mit Nachdruck erinnern wir daran, dass die wahre Liebe, die in der unbedingten Treue zum einen Herrn Jesus Christus und in der gegenseitigen Achtung vor der Tradition eines jeden gründet, als wesentlicher Bestandteil zu dieser Suche nach vollkommener Gemeinschaft gehört.

Im Namen dieser Liebe verwerfen wir alle Formen des Proselytismus. Darunter verstehen wir Handlungen, durch welche Menschen die Gemeinschaft der anderen zu stören suchen durch die Gewinnung neuer Mitglieder aus den anderen Gemeinschaften mit Methoden und auf Grund von Gesinnungen, die im Gegensatz stehen zu den Erfordernissen der christlichen Liebe oder zu dem, was die Beziehungen zwischen den Kirchen kennzeichnen soll. Das möge aufhören, wo es vielleicht vorkommt. Katholiken und Orthodoxe sollten danach streben, die Liebe zu vertiefen und gemeinsame Beratungen, Überlegungen und Zusammenarbeit im sozialen wie im geistigen Bereich zu pflegen. Sie sollten sich vor Gott demütigen und ihn anflehen, daß er, da er dieses Werk in uns begonnen hat, es auch zur Vollendung bringen möge. Während wir uns im Herrn freuen, der uns diese segensreiche Begegnung gewährt hat, gehen unsere Gedanken zu den Tausenden von leidenden und heimatlosen Palästinensern. Wir bedauern jeden Missbrauch von religiösen Argumenten für politische Zwecke in diesem Gebiet. Wir wünschen und ersehnen sehr, dass eine gerechte Lösung der Krise im Vorderen Orient gefunden wird, so dass sich der wahre Friede in Gerechtigkeit durchsetzt, besonders in jenem Land, das geheiligt wurde durch die Verkündigung, den Tod und die Auferstehung unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus und durch das Leben der seligen Jungfrau Maria, die wir gemeinsam verehren als die Theotokos. Möge Gott, der Spender aller guten Gaben, unser Gebet erhören und unsere Bemühungen segnen.

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