Fernando Vázquez de Menchaca

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Fernando Vázquez de Menchaca (Fernandus Vasquius) (* 1512 in Valladolid; † 1566 in Valladolid [?]) war ein spanischer Rechtsgelehrter.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Fernando Vázquez de Menchaca studierte nach einer Tätigkeit in der Finanzverwaltung von Valladolid dort (1538-1540) und an der Universität von Salamanca (1541-1550) römisches Recht, u. a. bei Francisco de Vitoria. 1551 trat er eine Professur in Salamanca an, wurde jedoch schon im darauffolgenden Jahr zum Richter am obersten Gericht des Königreichs Spanien nach Sevilla berufen. Von dort ging er 1553 zurück nach Valladolid und arbeitete für die oberste Finanzbehörde der Stadt. Als Gesandter Philipps II. nahm er 1561 zusammen mit Diego de Covarruvias y Leyva am Konzil von Trient teil. Vázquez de Menchaca starb 1566 (ältere Texte nennen 1569 als Todesjahr); vermutlich in Valladolid.

Denken

Legismus

Als Schüler Francisco de Vitorias setzt Vázquez de Menchaca die Tradition der Schule von Salamanca zu Beginn der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert fort, lehnt sich dabei insbesondere an Vitoria und Domingo de Soto an, weicht jedoch als einer der wenigen weltlichen Vertreter der Schule von Salamanca in einigen Punkten von der Hauptströmung der spanischen Barockscholastik ab. So griff der Legist zur Begründung des Naturrechts nicht auf Thomas von Aquin, sondern auf Wilhelm von Ockham zurück. Für Vázquez de Menchaca ergibt sich die Freiheit und Gleichheit der Menschen sowie - Francisco Suárez vorwegnehmend - die Souveränität der Völker aus dem Naturrecht, mit dem er positiv-rechtliche Figuren wie Vertrag, Herrschaft und Privateigentum kritisierte.

Theorie des subjektiven Rechts

Im Privatrecht hat Vázquez de Menchacas Konzept des dominium die Theorie des subjektiven Rechts vorangetrieben.

Bellum iustum-Topos

Als einziger der spanischen Juristen des 16. Jahrhunderts erörtert Vázquez de Menchaca die Frage, ob im bellum iustum Unschuldige getötet werden dürfen, ein ethisches Dilemma, das sonst im Zuge der katholischen Morallehre nach Thomas von Aquin den Theologen vorbehalten blieb. Während diese die Streitfrage am naturrechtlich verankerten Tötungsverbot des Dekaloges spiegelten, löst Vázquez de Menchaca das Problem anhand von Quellen aus dem römischen Recht, der (antiken) Literatur und der Geschichtsschreibung, was sein humanistisches Wissenschaftsverständnis offenbart, mit dem er darauf abzielt, das Naturrecht mit legistisch-säkularer Methodik weitgehend von der kanonistisch-katholischen Deutungstradition zu emanzipieren.

Wirkung

Vázquez de Menchacas großes Verdienst besteht darin, juristische und theologische Begründungssysteme - insbesondere katholischer Provenienz - im Naturrechtsdiskurs vermittelt zu haben. Er wirkte damit weit über Spanien hinaus und beeinflusste auch die protestantische Natur- und Völkerrechtslehre, v. a. Hugo Grotius und Johannes Althusius, aber auch die Politische Philosophie John Lockes und Thomas Hobbes'.

Werk

Drei Werke sind von Vázquez de Menchaca bekannt: eine Monographie über die Sukzession sowie zwei Sammelwerke, die Texte vereinen, in denen er seine humanistische (Natur-)Rechtsposition anhand von Einzelfragen entfaltet.

  • De successionum creatione, progressu, effectuque et resolutione (1559)
  • Controversiarum Illustrium aliarumque usu frequentium libri tres (1559)
  • Controversiarum usu frequentium libri tres (1563)

Literatur

  • C. B. Trelles, Fernando Vázquez de Menchaca (1512-1569). L'École espagnole du Droit International du XVIe siècle, in: Recueil des cours 67, Paris 1939, 430-534
  • C. B. Trelles, Vázquez de Menchaca. Sus teorías internacionales. Barcelona 1945
  • F. Carpintero Benítez, Del Derecho natural medieval al Derecho natural moderno: Fernando Vázquez de Menchaca. Salamanca 1977
  • A. Herrero Rubio, Derecho de Gentes: Introducción histórica. Publicaciones del Seminario de Estudios Internacionales Vázquez de Menchaca. Valladolid 1995
  • O. W. Krause, Naturrechtler des sechzehnten Jahrhunderts. Ihre Bedeutung für die Entwicklung eines natürlichen Privatrechts. Frankfurt a. M. 1982
  • H. Maihold, Strafe für fremde Schuld? Die Systematisierung des Strafbegriffs in der Spanischen Spätscholastik und Naturrechtslehre. Köln 2005
  • P. G. de Medina y Sobrado, Aporte de Fernando Vázquez de Menchaca a la Escuela espanola de derecho international. O.O. 1946
  • A. Miaja de la Muela, Internacionalistas espanoles del siglo XVI: Fernando Vázquez de Menchaca (1512-1569). Valladolid 1932
  • E. Reibstein, Die Anfänge des neueren Natur- und Völkerrechts. Studien zu den Controversiae Illustres des Fernando Vázquez (1559). Bern 1949
  • K. Seelmann, Die Lehre des Fernando Vázquez vom dominium. Köln 1979
  • K. Seelmann, Vázquez de Menchaca, in: M. Stolleis (Hg.), Juristen, München 1995, 632-633
  • C. v. Stachau, Die Vorläufer des Hugo Grotius auf dem Gebiete des ius gentium sowie der Politik im Reformationszeitalter. Leipzig 1848.

Weblinks

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