Einheitsübersetzung

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Die Einheitsübersetzung ist die offiziell verwendete Bibelübersetzung im deutschsprachigen Raum. Sie trägt ihren Namen daher, dass sie in allen deutschsprachigen Diözesen die Verwendung eines einheitlichen Textes ermöglicht. Sie ist die katholische Bibel für Liturgie, Schule, Familie und (Gemeinde-)Katechese und gilt als verbindliche Fassung.

Die Einheitsübersetzung war auch für evangelische Christen gedacht. Die ökumenische Zusammenarbeit von 1970 bis 1980 erstreckte sich im Alten Testament auf den Psalter und das Neue Testament.

Inhaltsverzeichnis

Ziele der Übersetzung

Die Einheitsübersetzung wollte folgendes erreichen:

  1. Ersetzung der vielen in Verwendung stehenden Übersetzungen,
  2. einheitlicher Text für den kirchlichen Gebrauch in der römisch-katholischen Messe,
  3. Übersetzung nahe an den griechischen und hebräischen Urtexten, aber möglichst in heutiger Sprache, unabhängig von älteren Bibelübersetzungen,
  4. Übersetzung auch für Schulunterricht geeignet, daher mit Anmerkungen zum besseren Verständnis,
  5. Übersetzung in geeigneter Sprach-Rhythmik zum Vorlesen und Singen und Einbeziehung von Erkenntnissen der modernen Bibelwissenschaft. Um die breite Verwendbarkeit (Aspekt 3-6) zu erreichen, wurden außer Theologen, Philologen und Bibelwissenschaftlern auch Fachleute für Didaktik, Medien, Kirchenmusik und Germanistik einbezogen.

Das fast vollständige Vorwort der deutschsprachigen Bischöfe im Advent 1979

Schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil fassten die deutschen katholischen Bischöfe aufgrund einer Denkschrift des Katholischen Bibelwerks Stuttgart den Beschluss, eine neue Übersetzung der Bibel aus den Urtexten für den kirchlichen Gebrauch schaffen zu lassen, um so einen besseren Zugang zum Wort Gottes zu ermöglichen. Sie beauftragten dazu die Bischöfe Joseph Freundorfer, Carl Joseph Leiprecht und Eduard Schick. Die österreichischen Bischöfe entsandten später Weihbischof Alois Stöger. Den bischöflichen Beauftragten wurde ein Arbeitsausschuss aus Fachleuten der Exegese, Katechese, Liturgik und der deutschen Sprache zur Seite gestellt (Bundesrepublik Deutschland, DDR, Österreich, Schweiz, Südtirol, Luxemburg und Ost-Belgien).

Bei dieser Übersetzung sollten nicht nur die neuen Erkenntnisse der Bibelwissenschaft, sondern auch die Regeln der deutschen Sprache in angemessener Weise berücksichtigt werden. Bis dahin benutzte die katholische Kirche Übersetzungen, welche entweder die lateinische Übersetzung der Bibel durch den heiligen Hieronymus, die Vulgata, zugrunde legten oder doch in besonderer Weise berücksichtigten.

Die Arbeit an der neuen Übersetzung begann 1962. Kurz darauf gestattete das Zweite Vatikanische Konzil den Gebrauch der Landessprachen in der Liturgie und erklärte: "DerZugang zur Heiligen Schrift muss für alle, die an Christus glauben, weit offen stehen. Darum ... bemüht sich die Kirche, dass brauchbare und genaue Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen erarbeitet werden, mit Vorrang aus dem Urtext der heiligen Bücher« (Dei verbum, Nr. 22). Daraufhin schlossen sich die übrigen katholischen Bischöfe deutschsprachiger Gebiete in Europa dem Unternehmen an, das den Namen »Einheitsübersetzung« erhielt, weil es den Gebrauch einheitlicher biblischer Texte in Gottesdienst und Schule in allen Diözesen ermöglichen sollte. Die einheitliche Textfassung ließ hoffen, dass sich wichtige Aussagen der Bibel dem Ohr der Gläubigen dauerhafter einprägten. Auch würde eine solche für den Gebrauch der Bibel in der Öffentlichkeit, besonders in Presse, Funk und Fernsehen, von Nutzen sein.

Da die Übersetzung vor allem in der Verkündigung Verwendung finden sollte, musste sie sowohl das Verstehen erleichtern wie auch für das Vorlesen und teilweise auch für das Singen geeignet sein. Darum wurden von Anfang an neben Fachleuten der Bibelwissenschaft auch solche der Liturgik, Katechetik, der Kirchenmusik und der deutschen Sprache herangezogen. Besondere Sorgfalt wurde auf die sprachliche Fassung der hymnischen Texte des Alten und des Neuen Testamentes, insbesondere der Psalmen, verwendet.

Von Anfang an strebten die katholischen Bischöfe die Mitarbeit der evangelischen Kirche in Deutschland an. Die evangelische Michaelsbruderschaft arbeitete von Anfang an durch Beauftragte an der Übersetzung mit. Ab 1967 beteiligte sich die Evangelische Kirche in Deutschland an der Übersetzung der beiden Kirchen gemeinsamen biblischen Lesungen der Sonn- und Festtage und der Psalmen, nachdem Kardinal Augustin Bea, der erste Leiter des Sekretariats für die Einheit der Christen in Rom, und Bischof Karl Scharf, der damalige Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, sich bei einem Zusammentreffen für eine solche Zusammenarbeit ausgesprochen hatten. Über diese gemeinsame Arbeit wurde 1970 der erste Vertrag zwischen dem Verband der Diözesen Deutschlands und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Evangelischen Bibelwerk in der Bundesrepublik Deutschland geschlossen.

Ein wichtiges Ergebnis der Zusammenarbeit stellt die Einigung der Beauftragten beider Kirchen auf eine einheitliche deutsche Wiedergabe der biblischen Eigennamen sowie der Bezeichnungen für Orte, Landschaften, Maße und Gewichte dar. Das »Ökumenische Verzeichnis der biblischen Eigennamen« wurde 1972 veröffentlicht.

Ab 1970 erschienen die Übersetzungen einzelner biblischer Bücher im Druck; 1972 wurde die vorläufige Endfassung des Neuen Testamentes, 1974 jene des Alten Testamentes für die Erprobung, vor allem in Liturgie und Schule, veröffentlicht. Die Übersetzung fand Eingang in die neuen liturgischen Bücher, die Lektionare für die biblischen Lesungen im Gottesdienst sowie in das vorläufige deutsche Stundenbuch. Alle Urteilsfähigen wurden von den beteiligten Bischöfen um Kritik und Verbesserungsvorschläge gebeten. Diese ließen zugleich Gutachten erstellen über die Treue gegenüber dem Urtext und über die sprachliche Ausdrucksform der Übersetzung. Die Gesellschaft für Deutsche Sprache, Wiesbaden, wurde für die Überprüfung dieser Übersetzung herangezogen.

Die vorläufige Fassung der Psalmen, die 1971 zuerst im Druck erschien, wurde 1973/74 durch eine ökumenische Arbeitsgruppe überarbeitet, wobei der endgültige Text festgelegt wurde. Ab 1975 begann die Revision der vorläufigen Fassungen des Alten- und Neuen Testamentes durch eigens dafür bestellte Revisionskommissionen unter dem Vorsitz von Bischof Eduard Schick (Neues Testament) und Weihbischof Josef Plöger (AItes Testament). Die überaus zahlreichen Stellungnahmen und Verbesserungsvorschläge leisteten für die Erstellung der endgültigen Fassung der Übersetzung wertvolle Dienste.

Im Rahmen dieser Revisionsarbeit weitete die evangelische Seite ihre Mitarbeit auf das ganze Neue Testament aus, einschließlich der Einführungen und knapp gehalten Anmerkungen zu den einzelnen biblischen Schriften.

Im Februar 1978 approbierte die Deutsche Bischofskonferenz die Endfassung der Einheitsübersetzung für den kirchlichen Gebrauch in Gottesdienst und Schule. Sie dankte dabei den Übersetzern und allen übrigen Mitarbeitern und Beratern. Ihr folgten die übrigen bischöflichen Auftraggeber aus den deutschsprachigen Gebieten in Europa.

Auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und das Evangelische Bibelwerks begrüßten das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit. Im März und April 1979 wurden die Einführungen und Anmerkungen von allen Auftraggebern gutgeheißen. Damit fand ein für den deutschen Sprachraum einmaliges Unternehmen seinen Abschluss.

Die evangelischen Brüder und die Einheitsübersetzung

Die evangelischen Brüder verwendeten die Einheitsübersetzung wenig oder gar nicht in ihrer Liturgie. Sie blieben bei der ausdrucksstarken Übersetzung Martin Luthers.

Im September 2005 kündigte die EKD ihre Mitarbeit an diesem Bibeltext auf, so dass es künftig offiziell keine gemeinsame Bibelübersetzung der evangelischen und Katholischen Kirche geben wird.

Revidierte Einheitsübersetzung 2017

Eine "moderate Revision" der Einheitsübersetzung der Bibel wurde, nach zehnjähriger Arbeit, am 20. September 2016 von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellt und ist ab dem Jahr 2017 verbindliche katholische Bibelausgabe für gesamten deutschen Sprachraum.[1] Damit endet ein zehnjähriger Arbeitsprozess, an dem Theologen, Bibel- und Sprachwissenschaftler sowie weitere Fachleute beteiligt waren. Basis für die Überarbeitung der 1979 erschienenen Einheitsübersetzung waren neue Erkenntnisse zu frühen Textzeugen, eine engere Orientierung am Urtext und die Berücksichtigung von Änderungen im aktuellen Sprachgebrauch. Im Frühjahr 2016 hat die vatikanische Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung der neuen Einheitsübersetzung zugestimmt (Recognitio). Die Katholische Bibelanstalt Stuttgart bereitet auf dieser Textgrundlage neue Bibelausgaben und die Überarbeitung der Liturgischen Bücher vor.[2] Die neue Einheitsübersetzung soll am 6. Dezember 2016 in erster Auflage auf den Markt kommen. Sie soll auch als E-Book erhältlich sein, das möglicherweise bis März 2017 fertiggestellt sei. Geplant sei zudem eine App.[3]

Altes Testament Einheitsübersetzung 1979 Teil A, Altes Testament Einheitsübersetzung 1979 Teil B, Neues Testament Einheitsübersetzung 1979

Weblinks

Anmerkungen

  1. Deutsche Bischöfe stellen neue Einheitsübersetzung der Bibel vor Kath.net am 21 September 2016; Vorstellung im Rahmen der Vollversammlung der DBK auf Kathtube.
  2. Neue Einheitsübersetzung der Bibel erscheint im Herbst Kath.net am 26. April 2016
  3. Neue Einheitsübersetzung auch als E-Book Katholisch.de am 20. Oktober 2016
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