Die Geißel der Pornografie bekämpfen

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Ansprache

unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
an Mitglieder der "Religious Alliance Against Pomography"
Die Geißel der Pornografie bekämpfen
30. Januar 1992

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1992, S. 555-557)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Eure Eminenzen,

Euer Exzellenz,

Sehr geehrte Damen und Herren!

1. Ich bin glücklich, diese Gelegenheit zu haben, mit Mitgliedern der Planungskommission der Religiösen Allianz gegen Pornografie zusammenzukommen. Als eine interreligiöse Gruppe, zusammengesetzt aus Vertretern der jüdischen, katholischen, griechisch-orthodoxen, evangelischen und mormonischen Gemeinschaften, sind Sie überaus qualifiziert, um den Anliegen eines bedeutenden Teils der amerikanischen Gesellschaft in Bezug auf dieses schwerwiegende soziale Problem Gehör zu verschaffen. Ihre Gespräche mit dem Päpstlichen Rat für die Familie tragen dazu bei, die Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit einer wirksamen Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens zu lenken beim Widerstand gegen Pornografie und ihre zerstörerischen Auswirkungen auf das Leben der Individuen, der Familien und der Gesellschaft.

2. Die Verbreitung pornographischer Schriften ist nur ein Anhaltspunkt für eine breitere Krise moralischer Werte, die unsere zeitgenössische Gesellschaft erfaßt hat (vgl. Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel, Pornografie und Gewalt in der Medienübertragung: Eine pastorale Antwort, Nr. 19-20). Pornografie ist unmoralisch und letztlich unsozial genau deswegen, weil sie der Wahrheit über den Menschen entgegensteht, der als ein Abbild und Ebenbild Gottes geschaffen wurde (vgl. Gen 1,26-27). Von Natur aus verleugnet die Pornografie die authentische Bedeutung der menschlichen Sexualität als ein von Gott gegebenes Geschenk, das beabsichtigt, die Einzelmenschen zur Liebe und zur Teilhabe am schöpferischen Werk Gottes durch verantwortete Fortpflanzung zu führen. Durch die Verkürzung des Leibes auf ein Mittel zur Befriedigung der Sinne vereitelt die Pornografie authentisches moralisches Wachstum und untergräbt die Entwicklung reifer und gesunder Beziehungen. Das führt unvermeidlich zur Ausbeutung besonders derjenigen Personen, die am meisten verwundbar sind, wie dies auf tragische Weise gezeigt wird, wenn Pornografie Kinder zum Gegenstand hat.

Wie eure Religiöse Allianz gegen Pornografie klarzumachen versucht hat, ist die Ausbreitung der Pornografie eine ernste Bedrohung der Gesellschaft als ganze. Die Kraft jeder Gesellschaft wird gemessen an ihrer Fähigkeit, diese moralischen Normen zu respektieren, die auf der objektiven Wahrheit über die transzendente Berufung des Menschen gründen. Wenn eine Gesellschaft die "Freiheit" um ihrer selbst willen hochhält und ungeachtet der Forderungen der Wahrheit wächst, endet sie mit der schwerwiegenden Einschränkung wahrer menschlicher Freiheit - der inneren Freiheit des Geistes. Freiheit, die von ihren moralischen Fundamenten losgelöst wurde, wird leicht verwechselt mit Zügellosigkeit. Die Auswirkungen dieser Verwirrung sind leider in vielen westlichen Gesellschaften an einer zunehmenden Vermarktung der Sexualität erkennbar. Die Produktion der Pornografie wurde zu einer aufstrebenden Industrie, und ihre Verbreitung wird gelegentlich als legitimer Ausdruck freier Rede verstanden mit der nachfolgenden Degradierung der Personen, besonders der Frauen. Das Problem ist ebenso stark in den Entwicklungsländern zu spüren, wo die Ausbreitung der pornographischen Industrie Grund zur Sorge gerade deswegen ist, weil sie die moralischen Fundamente schwächt, die unverzichtbar sind für die gesamte Entwicklung dieser Gesellschaften.

3. Ich bin froh, daß Ihre Zusammenkunft im Vatikan gemeinsam mit dem Päpstlichen Rat für die Familie stattfindet. Die Familie ist im allgemeinen die erste, die an der Pornografie und ihren zerstörerischen Folgen für Kinder leidet. Dementsprechend muss die Familie als Urzelle der Gesellschaft Meisterin im Kampf gegen dieses Übel sein. Ich hoffe, dass Ihre Anstrengungen, die Geißel der Pornografie zu bekämpfen, den Familien helfen werden bei ihrer heiklen Aufgabe, die Gewissen der jungen Menschen zu formen und in ihnen eine tiefe Ehrfurcht für die Sexualität sowie eine reife Wertschätzung der Tugenden der Bescheidenheit und der Keuschheit zu wecken. Zugleich vertraue ich darauf, dass Ihre Arbeit dazu beitragen wird, die öffentliche Sorge über das Gewicht dieser ethischen, durch die Pornografie aufgestellten Haltungen zu verstärken sowie klar bewusst zu machen, dass ein entschiedenes Eingreifen der mit der Förderung des Gemeinwohls beauftragten Obrigkeiten notwendig ist. Jeder Angriff auf die Familie und ihre Integrität ist ein Angriff auf das Gut der Humanität (vgl. Familiaris consortio, Nr. 86), es ist wesentlich, dass die Rechte der Familien durch angemessene Gesetzgebung klar anerkannt und geschützt werden.

4. Liebe Freunde! Ihre Begegnung ist ein bemerkenswertes Beispiel der Glaubenden, die sich versammeln, um eine der größten sozialen Krankheiten unserer Zeit anzusprechen. Ich bin überzeugt, dass die Anhänger der verschiedenen Religionen, indem sie "einstimmig Zeugnis geben von den gemeinsamen Überzeugungen von der Würde des Menschen, der von Gott erschaffen ist" (Centesimus annus, Nr. 60), sowohl jetzt als auch in Zukunft in nicht geringem Maß zum Wachstum dieser "Gesellschaft im Zeichen der Liebe" beitragen werden, die auf den Prinzipien des authentischen Humanismus gründet. Ich ermutige Ihre wertvollen Anstrengungen und rufe auf Sie alle den überreichen Segen des allmächtigen Gottes herab.

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