Ankündigung des Heiligen Jahres der Erlösung 1983

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Ansprache

von Papst
Johannes Paul II.
zum Abschluss der Vollversammlung des Kardinalskollegiums am 26. November
Ankündigung des „Heiligen Jahres der Erlösung" für 1983
26. November 1982

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1982, S. 1445-1450 aus OR 27. November 1982)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder und Mitglieder des Hl. Kollegiums der Kardinäle!

1. Während die Arbeiten, mit denen wir uns in diesen Tagen eingehend beschäftigt haben und zu denen sich das gesamte Heilige Kollegium eingefunden hat, um wichtige Fragen, die zentrale Leitung der Kirche betreffend, zu behandeln, ihren Abschluss finden, kommen uns unwillkürlich die folgenden Psalmworte auf die Lippen: "Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn! Der Name des Herrn sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit" (Ps 113, 1-2).

Ja, liebe Brüder, loben wir vor allem miteinander Gott, der uns Kraft und Beharrlichkeit gewährt hat, so dass wir aufs neue Zeugnis geben konnten von unserer vollen Anhänglichkeit an die Kirche, von unserem vitalen Einsatz, damit sie, in Suche nach einer besseren Nutzung der Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, die ihr vom Herrn Christus übertragene Sendung zum Dienst an den Menschen glücklich fortsetzen kann. Wir gehören zur Kirche, wir leben für die Kirche, und wir wollen, mit Gottes Hilfe, alle unsere Kräfte der Kirche widmen. Mit Gottes Hilfe konnten wir im kurzen Zeitraum weniger Tage das vollbringen, was uns vorgeschwebt hatte. "Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang sei der Name des Herrn gelobt!" (Ps 113, 3).

2. Aber einen besonders herzlichen Dank muss ich euch, ehrwürdige Brüder des Heiligen Kollegiums, aussprechen. Wie vor drei Jahren, so seid ihr auch jetzt auf meine Einladung hin hergekommen, ungeachtet der Unbequemlichkeiten, die nicht wenige von euch auf sich nehmen mussten, während ihr zugleich eure Ortskirchen zurückließt, jede mit ihren eigenen Problemen und ihren eigenen Pastoralprogrammen. Ich danke euch vor Gott für eure Sorge um die vorrangigen Probleme der einen Kirche Christi, der die "Sorge für alle Gemeinden" obliegt (2 Kor 11, 28); ich danke euch auch für den Ernst und den Eifer, den ihr in diesen arbeitsreichen Tagen bewiesen habt, für die Aufmerksamkeit, die ihr den behandelten Themen gewidmet habt, für die konkreten und verständigen Beiträge, die ihr teils mündlich, teils schriftlich geleistet habt oder durch kollegiale Erarbeitung der Voten der verschiedenen Sprachzirkel.

Die Bemerkungen und Empfehlungen, die ihr vorgetragen habt sowie die Bemerkungen, die ihr in Monatsfrist hierhersendet, werden berücksichtigt; durch diese Vereinbarung wird in diesem Augenblick den Notwendigkeiten und Erwartungen der Kirche am ehesten entsprochen.

3. Am Ende dieser zweiten Versammlung des Heiligen Kollegiums muss folgendes festgestellt werden:

- Auch diesmal sind der vitale Charakter und die besonderen Aufgaben des alten Instituts des Kardinalskollegiums als Senat, der den Papst bei der Erfüllung seiner universalen Pflichten im Dienst der Kirche und der Brüder unterstützt, wirksam geworden.

- Wieder ist ein Fortschritt auf jenem Weg der Kollegialität erzielt worden, den das Zweite Vatikanische Konzil vorgezeichnet hat. Es stimmt, dass das Heilige Kollegium seine eigene, von der Bischofssynode verschiedene Physiognomie besitzt. Die Synode ist gewiß die wichtigste Darstellung der "Kollegialität", das heißt jener besonderen "Verantwortlichkeit" der Bischöfe, die das Konzil gewollt hat. Aber trotzdem bilden auch alle Kardinäle gemeinsam ein Kollegium - eben das Heilige Kollegium, das sich durch seinen alten und unverwechselbaren historischen Charakter auszeichnet -, und deshalb müssen die verschiedenen Möglichkeiten betont werden, die ihm und den Formen des Dienstes, die es zu übernehmen vermag, eigen sind. Die Zukunft wird auf diesem Gebiet immer neue und reiche Erfahrungen liefern. Die beiden Organismen bestätigen also auf hervorragende Weise jene Wahrheit, die von der dogmatischen Konstitution über die Kirche unterstrichen wurde: Das Kollegium der Bischöfe "stellt, insofern es aus vielen zusammengesetzt ist, die Vielfalt und Universalität des Gottesvolkes, insofern es unter einem Haupt versammelt ist, die Einheit der Herde Christi dar" (Lumen gentium, NT. 22).

So betrachtet erhält die kollegial durchgeführte Arbeit, in deren Verlauf die zentralen Strukturen des Apostolischen Stuhls geprüft und erörtert wurden, große Bedeutung: insofern nämlich - trotz der knappen Zeit, die zur Verfügung stand - die neuralgischen Punkte der heutigen Arbeitsweise des Apostolischen Stuhls für das ganze Gottesvolk diskutiert wurden.

4. Die behandelten Punkte werden in einem Schlusskommunique zu sammengefasst werden. Daher will ich mich nicht bei jedem einzelnen Punkt aufhalten. Doch stelle ich nach Abschluss unserer Versammlung mir und euch noch einmal die Frage, die ich zu Beginn der Arbeiten dieses Jahres gestellt habe: Ist unser Zeugnis auf dem Gebiet der Liebe ausreichend? Im Hinblick auf diese Frage gewinnen die einzelnen Tagungspunkte Bedeutung.

Was die Liebe im universalen Dienst der Römischen Kurie betrifft, habe ich in meinem jüngsten Brief an den Kardinalstaatssekretär geschrieben:

Dieser "Dienst schließt vor allem eine kirchliche Verantwortlichkeit ein, nämlich im Geist echten Glaubens zu leben" (vgl. Schreiben an Kard. Casaroli vom 20. November 1982, NT. 5). Anhand des euch vorgelegten Berichts habt ihr euch über den Stand der Arbeiten zur Revision der Ap. Konst. Regimini Ecclesiae universae unterrichtet und über die immer dringlichere Notwendigkeit, dass die Römische Kurie ihrer ganz besonderen Sendung, Berufung und Verantwortung entspricht, nämlich dem Dienst an der "universalen Versammlung der Liebe". Ich danke schon jetzt für die Vorschläge, die ihr gemacht habt und noch übersenden werdet, damit alles zu einem sicheren und glücklichen Ende geführt wird. Dieser Dienst findet ferner seinen Ausdruck in der wesentlich pastoralen Orientierung, die das Fundament des gewaltigen Werkes der Beratung und Redaktion des neuen Codex Iuris Canonici bildete und die auch den Geist seiner Anwendung bestimmen wird. Der neue Kodex, der mit umfassender Konsultierung der Bischöfe der ganzen Welt zustande kam, ist schon an sich das Ergebnis einer kollegialen Arbeit. Jetzt liegt es am Papst - auf Grund der ihm von Christus übertragenen Autorität -, durch die Promulgierung den letzten Abschnitt dieser Arbeit zu vollziehen. Die Wichtigkeit dieses Werkes erfordert aber noch eine gewisse Zeit der Prüfung und Überlegung. Mit dieser Aufgabe habe ich eine kleine und qualifizierte Studiengruppe betraut. Das alles hat nur den einen Zweck, dass der neue Kodex wirklich den empfundenen pastoralen Notwendigkeiten entspricht und so für die Kirche unserer Zeit brauchbar ist.

Die Liebe aber, die von den Menschen zu Gott emporsteigt, muss alle Formen des Gottesdienstes beseelen und, indem sie aus der sakramentalen Kommunikation mit Gott ihre Lebenskraft schöpft, sich horizontal den am dringendsten empfundenen Bedürfnissen unserer heutigen Gesellschaft zuwenden: in der Familienpastoral, im Einsatz für die Kultur, gemäß den Richtlinien, die hier schon erläutert worden sind.

5. Ganz besonders möchte ich euch für die Aufmerksamkeit danken, mit der ihr euch dem Problem des "Instituts für die Werke der Religion" (IOR) gewidmet habt. Eine Kommission von fünfzehn Kardinälen hat die Sache bekanntlich geprüft, noch bevor sich das Kollegium der Kardinäle dieser Tage hier versammelte. Es handelt sich um eine heikle, komplizierte Frage, die in allen Einzelheiten besprochen wurde; ihr habt ein entsprechendes Expose erhalten; es wird in dem heutigen Kommunique in zusammengefasster Form veröffentlicht werden, und ihr konntet diese Frage auch anhand der notwendigen Vorschläge kennenlernen. Der Apostolische Stuhl ist bereit, alles zu tun, um eine Zusammenarbeit beider Teile zu erreichen, damit die volle Wahrheit ans Licht kommt. Auch in dieser Angelegenheit will er einzig und allein der Liebe dienen. Und in der Tat, das wirtschaftliche Problem des Apostolischen Stuhls, mit dem ihr euch ausführlich beschäftigt habt - wofür ich euch danke -, muss in seinem ganzen Umfang auch und immer unter dem Aspekt der Liebe betrachtet werden. Denn der Apostolische Stuhl lebt ja von jener Liebe, die gewissermaßen das Kennzeichen christlicher Präsenz in der Welt ist. In dem bereits erwähnten Brief schrieb ich daher: " ... Die Hauptgrundlage für den Unterhalt des Apostolischen Stuhls sind Spenden, die von den Katholiken der ganzen Welt und eventuell auch von anderen Menschen guten Willens freiwillig erbracht werden. Das entspricht der Tradition, die ihren Ursprung im Evangelium (vgl. Joh 12, 6-8) und den Lehren der Apostel hat" (Schreiben an Kardinalstaatssekretär Casaroli vom 20. November 1982, Nr. 2).

Die Liebe Christi, die uns drängt (vgl. 2 Kor 5, 14), legt dem Apostolischen Stuhl die Verpflichtung auf, ein Pastoralprogramm von universalen Proportionen und Dimensionen durchzuführen, wozu die Verwirklichung des Konzils, die Evangelisierung sämtlicher Bereiche der Gesellschaft und der gerechte Unterhalt seiner Mitarbeiter gehören. Der Apostolische Stuhl leistet das alles mit äußerst geringen Mitteln, die sich - verglichen mit den Ausgaben der verschiedenen Organisationen politischen, sozialen und internationalen Charakters - wahrhaftig eher mit dem "Scherflein der armen Witwe" (vgl. Lk 21, 2) vergleichen lassen. Das verlangt natürlich große, ja, ich würde sagen, sorgfältigste Achtsamkeit bei der Verwaltung dieser Mittel: Daran also will sich der Hl. Stuhl möglichst gewissenhaft halten, wenn er von seinen Mitarbeitern dringend den Geist der Sparsamkeit und zugleich jenes Vertrauen in die Göttliche Vorsehung fordert, über die ich gleichfalls in dem Schreiben an den Kardinalstaatssekretär gesprochen habe (ebd., NT. 3).

6. Schließlich ist mir jetzt sehr daran gelegen, euch etwas anzukündigen, was für euch und für die ganze Kirche zweifellos eine große Freude sein wird. Im Jahre 1933 beging mein Vorgänger seligen Andenkens Pius XI. durch ein außerordentliches Heiliges Jahr feierlich die Wiederkehr der Erlösung vor 1900 Jahren; im kommenden Jahr werden es 1950 Jahre sein. Obwohl es bisher nicht üblich war, ein dazwischenliegendes Heiliges Jahr zu feiern, gibt es starke Gründe dafür, dieses Gedenken 50 Jahre danach auch 1983 in entsprechender Weise zu begehen; an erster Stelle steht die außerordentliche Bedeutung des Ereignisses selbst, das die Herzen der Menschen zu immer größerer Liebe und Verehrung für das Heilswerk Christi, des "Erlösers des Menschen", das er durch das österliche Geheimnis seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung vollbracht hat, anleiten soll. Dann steht die nächste Bischofssynode bevor, bei der über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche gesprochen wird: Das Heilige Jahr wird sicher nachdrücklich und lebhaft dazu beitragen, dass dieses Thema tiefer empfunden und die Gedanken und Gefühle der Menschen unserer Zeit eindringlicher das Sakrament gelenkt werden, das Christus eingesetzt hat, um jedem einzelnen Menschen die Schätze seiner durch sein Blut erwirkten Erlösung zuteil werden zu lassen: "Denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden" (1 Kor 6,20), "nicht um einen vergänglichen Preis, nicht um Silber oder Gold ... , sondern mit dem kostbaren Blut Christi" (1 Petr 1, 19-10). Nicht zuletzt aber soll das Jubeljahr der Erlösung auch dazu beitragen, das Heilige Jahr 2000 in angemessener Weise vorzubereiten.

In Anbetracht all dieser Gründe und entsprechend verschiedener Bitten, die hierzu eingegangen sind, schien es daher angebracht, für das Jahr 1983 ein "Heiliges Jahr der Erlösung" anzusetzen, das in der kommenden Fastenzeit beginnen soll.

Wir bitten den Herrn, dass die Feier einen kräftigen Impuls zur geistlichen Erneuerung in allen Bereichen der Kirche mit sich bringe. Ich bin voller Zuversicht, dass eine entsprechende und richtige Vorbereitung des Heiligen Jahres diese Initiative möglichst fruchtbar machen wird.

7. Ehrwürdige Brüder!

Nun, da wir auseinandergehen, bringe ich voll Hoffnung und Freude noch einmal jenem göttlichen Beistand unseren Dank dar, der uns bei unseren Arbeiten erleuchtet hat, uns bei unseren demütigen Bemühungen und Untersuchungen unterstützt und auf dem Weg der Liebe geführt hat. Und "wo Liebe ist, dort ist Gott". Und Gott war bei uns.

Wenn wir von hier auseinandergehen, nehmen wir den erneuerten Willen mit uns, mit allen Kräften, mit allen Fähigkeiten, mit vollem und glühendem Herzen Christus und der Kirche zu dienen. Maria, die Mutter der Kirche, die Königin der Apostel, die Mutter der Bischöfe, die im Abendmahlssaal das Gebet des Apostelkollegiums unterstützte und durch ihre Gegenwart die entstehende Kirche stützte, wird durch ihre Fürsprache für uns erwirken, dass wir nie von dem Gebot der Liebe, das uns Christus aufgetragen hat, ablassen. Ihr stellen wir uns zur Verfügung und bitten sie darum, uns nie zu verlassen.

Euch allen, geliebte Brüder, erteile ich von ganzem Herzen meinen Apostolischen Segen.

Johannes Paul II. PP.
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