Übernatürlich

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Übernatürlich ist das, was weder zum Wesen und zur Natur eines Geschöpfes gehört, noch aus seiner Natur folgt, noch ihm irgendwie von Natur geschuldet ist, sondern über alle natürlichen Gaben und Kräfte hinaus ihm von Gott aus freiem Willensentschluss gegeben wird.

Es kann etwas sein, was das Wesen und die Kräfte aller Geschöpfe übersteigt, z. B. die unmittelbare Anschauung Gottes oder nur das Wesen und die Kräfte des betreffenden Geschöpfes, z. B. des Menschen, aber nicht eines Engels. Außerdem kann etwas seinem innersten Wesen nach übernatürlich sein, z. B. die heiligmachende Gnade, die Anschauung Gottes, die Offenbarung der göttlichen Geheimnisse im strengen Sinne des Wortes (Dreifaltigkeit, Menschwerdung usw.) oder nur der Art und Weise nach, wie es geschieht, z. B. die plötzliche Heilung eines Gichtbrüchigen durch ein bloßes Wort oder die positive Offenbarung von Wahrheiten, die auch Natürlicherweise erkennbar sind z.B. das Dasein Gottes.[1]

Das Übernatürliche hat man sich nicht als eine Größe oder einen Raum vorzustellen, der dort beginnt, wo das Natürliche endet, sondern als Erhöhung des Natürlichen, so dass nichts aus der Ordnung der Schöpfung und des Menschlichen der übernatürlichen und theologischen Ordnung des Glaubens und der Gnade fremd oder von ihr ausgeschlossen, sondern vielmehr alles in ihr erkannt, aufgenommen und emporgehoben ist: „In Jesus Christus erhält die sichtbare Welt, die von Gott für den Menschen geschaffen ist (vgl. Gen 1, 26–30) – jene Welt, die mit der Sünde »der Vergänglichkeit unterworfen« wurde (Röm 8, 20; vgl. Röm 8, 19–22) – erneut ihre ursprüngliche Verbindung mit eben dieser göttlichen Quelle der Weisheit und Liebe zurück (Sozialkompendium, Zweiter Teil, Nr. 64).

Der Vorrang des Übernatürlichen vor dem Natürlichen - in der Geschichte

Der heilige Augustinus und die Kirche verurteilten den Pelagianismus, der eine Art Naturalismus darstellt. Seit der Zeit der Apostel hat die Kirche immer auf den Vorrang der Gnade, des Übernatürlichen Wert gelegt. Gott ist wichtiger, die Ewigkeit ist wichtiger als das Geschöpf und die zeitlichen Wirklichkeiten, so wie ja auch die Seele an sich wichtiger ist als der Leib, denn die Seele ist unsterblich. Und das Gebet ist wichtiger als Aktivität: Jesus Christus hat diese Wahrheit gelehrt, als Er zu der aktiven Marta sagte, dass ihre kontemplative Schwester "den besseren Teil erwählt [hat], der ihr nicht genommen werden kann" (Lk 10,42). Säkularismus hängt mit einer Leugnung des Übernatürlichen zusammen - einer Leugnung der Möglichkeit, dass Gott, der das Übernatürliche ist, in diese Welt, in die Seelen durch die wirksame Macht der Sakramente eingreifen kann. Säkularismus, die Philosophie des Naturalismus und der gesamte Einfluss der Freimaurerbewegung auf die Kirche hat sich in der katholischen Kirche in der Bewegung des Modernismus ausgedrückt. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich die Kirche in hohem Maße dem Einfluss von Säkularismus und Naturalismus ausgeliefert. Der Modernismus ist eigentlich eine Leugnung oder eine Schwächung des Übernatürlichen, insofern als er erklärt, dass die reine Vernunft und lediglich die Geschichte die letzen Kriterien der Wahrheit sind. Das ist letztlich Hegelianismus. Immanuel Kant war es, der durch die Vorrangstellung der reinen Vernunft und durch die Idee von der Unmöglichkeit, Zugang zum Metaphysischen und Übernatürlichen zu haben, den Weg für den Hegelianismus bereitet hat. All das fand in die katholische Welt Eingang und hat sich in religiöser Sprache als Modernismus umbenannt. Die modernistische Bewegung, die es seit dem 19. Jahrhundert in der Kirche gibt, benutzte das Zweite Vatikanische Konzil als Katalysator für seine Ausbreitung. So wurde die Kirche nach dem Konzil in eine tiefe, durch Naturalismus gekennzeichnete Krise gestürzt. Es hat bis zu einem gewissen Grad den Anschein, als habe im Leben der Kirche in vieler Hinsicht das Natürliche über das Übernatürliche gesiegt. Dabei kann es sich aber nur um einen Scheinsieg handeln, denn die Kirche kann von den Kräften der Hölle nicht überwunden werden. Vorübergehend erleben wir jedoch eine Verfinsterung, eine Ausblendung des Übernatürlichen, des Vorrangs Gottes, der Ewigkeit, des Vorrangs der Gnade, des Gebets, der Heiligkeit und der Anbetung. All diese Zeichen des Übernatürlichen wurden im seelsorgerlichen Leben und in der Liturgie der Kirche unserer Tage stark eingeschränkt. Weltweit besteht die tiefste Krise der Kirche in der Schwächung des Übernatürlichen. Sie offenbart sich in einer Umkehrung der Ordnung, sodass die Natur, zeitliche Dinge und der Mensch die Vorrangstellung vor Christus, vor dem Übernatürlichen, vor dem Gebet, vor der Gnade und so weiter einnehmen. Das ist unser Problem. Jesus sagte jedoch: "Ohne mich könnt ihr nichts tun" (Joh 15,5). Die gesamte Krise in der Kirche, wie wir sie nach dem Konzil erlebten, zeigte sich in einer ungeheuerlichen Inflation frenetischer menschlicher Aktivität, um die Leere, das Vakuum von Gebet und Anbetung zu füllen, das durch die Preisgabe des Übernatürlichen entstanden ist.[2]

Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen (Mt 6, 31-34).

Das Fehlen übernatürlichen Glaubens am Beispiel des Bischofsamtes, Antichrist, Weltgeist oder Hure Babylon,

Zusammenhänge

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Offenbarung Gottes: wo ? Sittenordnung Licht menschlicher Erkenntnis Universal-
wissenschaften
Tugenden
natürliche im "Buch" der
Schöpfung
Natürliches Sittengesetz
Vernunft: nimmt eine Wahrheit kraft ihrer inneren, mittelbaren oder unmittelbaren Offensichtlichkeit an
Philosophie erworbene Kardinaltugenden
übernatürliche (gnadenhafte) in der Bibel: in Christus und den Sakramenten Christliches Sittengesetz
Glaube: übernimmt eine Wahrheit aufgrund der Autorität des Wortes Gottes, der sich offenbart
(Glaubensgut: Tradition+Bibel)
Theologie geschenkte, eingegossene oder theologale


Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende (Offb 21, 6).

Beziehung zwischen Natur + Gnade


Anmerkungen

  1. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 256 (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  2. Interviewbuch: Bischof Athanasius Schneider im Gespräch mit Diane Montagna: Christus VINCIT: Der Triumph Christi über die Finsternis der Zeit, Fe Medienverlag 2020, S. 167-168.
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